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Silymarin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Mariendistel gehört zu den wichtigsten pflanzlichen Leber-Wirkstoffen sowohl in der schulmedizinisch ausgerichteten Therapie als auch in der Naturheilkunde.

Dabei stellt der pharmakologisch wirksame Inhaltsstoff das Silymarin dar, dessen Wirkung bei unterschiedlichen chronischen und akuten Lebererkrankungen gut belegt ist.

 

Wirkung und Wirkmechanismus

Der Wirkstoff Silymarin wird aus den Samen der Mariendistel gewonnen. Hierbei handelt es sich um ein Gemisch unterschiedlicher Pflanzenstoffe, zum Beispiel Silychristin oder Silydianin, wobei Silibinin die hauptsächliche Wirksubstanz darstellt. Diese Inhaltsstoffe stimulieren die Regenrationsfähigkeit gesunder Leberzellen - das bedeutet, dass diese sich bei Belastung besser erholen können. Auf diese Weise wird nicht nur eine Wirkung bei akuten Leberschäden erreicht, sondern auch ein effektiver Schutz dieses Organs sichergestellt. Der leberschützende Effekt beruht dabei auf der Funktion des Silymarins als so genannter "Radikalfänger" (hier werden schädigende Einflüsse von außen, die zu oxidativem Stress führen, abgefangen), der Leberzellenregeneration und der Stimulation der Proteinbiosynthese. Nicht zuletzt wirkt Silymarin auch entzündungshemmend und unterstützt die Leber in ihrer Entgiftungsfunktion. Neuere Untersuchungen legen darüber hinaus auch eine antivirale Wirkung nahe.

Anwendungsbeispiel: Leberschäden und Fettleber

Silymarin hat sich seit langem in der Behandlung von Fettleber bewährt. Im Rahmen einer Studie, bei der insgesamt 72 Patienten mit einer nicht alkohlbedingten Fettleber durchgeführt wurden, wirkte sich Sylimarin sowohl auf funktionelle als auch auf strukturelle Veränderungen aus, welche die Leberschäden mit sich brachte. Es verbesserten sich auch die zugehörigen Blutwerte, zum Beispiele die Entzündungsparameter und die Transaminsase (AST, ALT). Vor allem aber konnte nach insgesamt 6 Monaten eine deutliche positive Veränderung der Leber im Ultraschall festgestellt werden. [9]

Auch bei Leberschäden, die zum Beispiel durch den bindegewebsartigen Umbau des Organs hervorgerufen werden - einer so genannten "Zirrhose" - zeigte Silymarin in Studien eine deutliche Wirkung, die sich vor allem in der Abnahme der Sterblichkeit der betroffenen Patienten äußerte. Zusätzlich weisen neuere Studien darauf hin, dass Silymarin auch einen antiviralen Effekt entfaltet. [10]

Allerdings gilt beim Einsatz von Silymarin zu bedenken, dass die Wirkung dieses Stoffes vor allem auch von der Ursache abzuhängen scheint, die hinter der Leberschädigung steckt. So lassen diverse Studien vermuten, dass die Wirkung von Silymarin bei alkoholbedingten Leberschäden nur unzureichend ist.

Einsatz bei Hepatitis und Vergiftungen

Als klassisches Einsatzgebiet von Silymarin präsentiert sich die Erkrankung Hepatitis, zum Beispiel Hepatitis C. In einer Placebo-kontrollierten Studie wurden insgesamt 32 Betroffene, die zuvor nicht auf eine Therapie mit Interferon angesprochen hatten, über einen Zeitraum von 20 Wochen mit jeweils 700mg oder 420mg Silymarin versorgt; nach Abschluss der Untersuchung konnte ein eindeutiger entzündungshemmender Effekt nachgewiesen werden, wobei hier noch der Langzeiteffekt abzuwarten bleibt. [6] Darüber hinaus wurden auch antivitrale Effekte festgestellt. Allerdings: Wie Studien bestätigen, hat der Einsatz von Silymarin bisher nicht zu einer Verbesserung erhöhter Leberwerte bei Hepatitis C geführt; zwar nahm nach Einnahme von Silymarin über einen Zeitraum von drei Monaten der oxidative Stress ab, jedoch beeinflusste dieser Effekt weder die Höhe der Leberwerte noch die Virsulast. [7] Dennoch gehen Forscher davon aus, dass eine insgesamte Verbesserung der Leberenzyme durchaus wahrscheinlich ist.

Auch die Behandlung von Hepatitis B kann mit Hilfe von Sylimarin erfolgen. Im Rahmen einer Metaanalyse mit insgesamt 12 Studien zeigte sich beispielsweise, dass durch die Gabe des Wirkstoffes beispielsweise eine Verbesserung von Parametern, die den Schweregrad einer Leberfibrose anzeigen, erreicht werden konnte. Auch die Serum-Transaminasen (ALT,AST), die bei einer chronischen Hepatitis B klassischerweise erhöht sind, ließen sich durch die Einnahme von Silymarin deutlich senken. [8]

In der intravenösen Arzneiform ist Silymarin, das beispielsweise im Fertigarzneimttel Legalon enthalten ist, als Antidot bei Vergiftung gegen Knollenblätterpilze zugelassen. Die Giftstoffe, die in diesem Pilz enthalten sind, schaden vorwiegend den Zellen der Leber; die Gegenwirkung des Silymarins beruht darauf, dass sich der Stoff an den Rezeptoren der Zellmembranen bindet und dadurch die Giftstoffe verdrängt. [1] Der Nachweis der Wirkung bei Vergiftung erfolgte im Rahmen einer Studie, bei der 264 Patienten mit Knollenblätterpilzvergiftung untersucht wurden: Erhielten die Betroffenen Silymarin, zeigten sich deutliche Vorzüge in Bezug auf Sterblichkeit oder Lebertransplantation gegenüber einer Vergleichsgruppe. [5]

Darreichungsform und Dosierung

In Deutschland werden Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Silymarin in einer empfohlenen Dosierung von 260mg bis 351mg angeboten. Dabei sollte die Gesamtdosis bei der Zufuhr über Kapseln oder Tabletten zweimal täglich erfolgen.

Beider Zufuhr von Kapseln oder Tabletten mit dem Wirkstoff Silymarin werden jedoch teilweise widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit erzielt. Die teilweise schlechte Wirkung, die mitunter festgestellt wurde, hängt mit der schlechten Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes zusammen, der in oraler Form schlecht vom Körper aufgenommen wird. Doch ist die Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit des Wirkstoffes auch abhängig von der der Art des Arzneistoffes. In Form eines Silibinin-Phosphatidylcholin-Komplexes zeigt die Substanz dann eine recht gute Bioverfügbarkeit. [4]

Als Fertigarzneimittel zum Einnehmen sind Hepaloges, Silicur und Legalon besonders bekannt, wobei Letztere eine besonders hohe Bioverfügbarkeit aufweist. [2] Allerdings sind diesbezüglich noch weitere Studien abzuwarten, bei denen vor allem eine größere Patientenzahl untersucht wird.

Eindeutig bestätigt und mehrfach durch Studien belegt ist die Wirkung von Silymarin, wenn die Substanz intravenös verabreicht wird. Hier führte eine Dosierung von 20mg pro Kilogramm Körpergewicht, die über einen Zeitraum von 14 Tagen gespritzt wurde, bei chronischer Hepatitis zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik und einer Abnahme der Viruslast. [3]

Verträglichkeit und Nebenwirkungen

Insgesamt gilt der Wirkstoff Silymarin als sehr gut verträglich. In seltenen Fällen können Magen-Darm-Probleme auftreten; in diesem Zusammenhang ist vor allem die leicht abführende Wirkung zu nennen. Darüber hinaus können vereinzelt Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Diese äußern sich dann beispielsweise in diversen Hautausschlägen oder aber auch in Atemnot.

Fazit

Silymarin lässt sich als effektives Lebertherapeutikum vielfältig einsetzen. Hier konnten bei zahlreichen Erkrankungen deutliche Erfolge erzielt werden. Allerdings deuten die bisher publizierten Ergebnisse auch darauf hin, dass die Wirksamkeit von der Ursache der Lebererkrankung abhängig ist: Bei einer akuten Vergiftung mit Knollenblätterpilzen beispielsweise kann das Fortschreiten der Schädigung an der Leber deutlich reduziert werden, während bei alkoholbedingten Schädigungen an der Leber diverse Studien bekannt sind, die eine schlechtere Wirkung dokumentieren.

Zusätzlich spielt auch die Darreichungsform, die bei der Therapie mit Silymarin zum Einsatz kommt, eine bedeutende Rolle. So ist die intravenöse Behandlung der oralen Gabe deutlich überlegen, da sich die Bioverfügbarkeit nach der Einnahme nur unzureichend präsentiert. Diverse Komplex-Formen sollen hier jedoch die Aufnahme des Wirkstoffes erhöhen. Inwieweit dann die Behandlung auch vermehrt über die Einnahme von Kapseln erfolgen kann, bleibt abzuwarten.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 08.01.2015 aktualisiert


Quellen:


[1] http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=28038

[2] Wiese, Manfred: Mariendistel und Silymarin. Evidenz und Empfehlungen für die Praxis, in: Ars Medici, Nov. 2008, 15.

[3] Ferenci P, Scherzer TM, Kerschner H, Rutter K, Beinhardt S, Hofer H, Schöniger-Hekele M, Holzmann H, Steindl-Munda P. Silibinin is a potent antiviral agent in patients with chronic hepatitis C not responding to pegylated interferon/ribavirin therapy. Gastroenterology. 2008 Nov;135(5):1561-7.

[4] Kidd, P, Head, K. A Review of the Bioavailability and Clinical Efficacy of Milk Thistle Phytosome:A Silybin-Phosphatidylcholine Complex (Siliphos) Altern Med Rev 2005;10(3):193-203.

[5] Ganzert M, Felgenhauer N, Schuster T, Eyer F, Gourdin C, Zilker T. [Amanita poisoning--comparison of silibinin with a combination of silibinin and penicillin]. Dtsch Med Wochenschr. 2008 Oct;133(44):2261-7.

[6] Adeyemo O, Doi H, Rajender Reddy K, Kaplan DE. Impact of oral silymarin on virus- and non-virus-specific T-cell responses in chronic hepatitis C infection. J Viral Hepat. 2013 Jul;20(7):453-62.

[7] Pár A, Roth E, Miseta A, Hegedüs G, Pár G, Hunyady B, Vincze A. [Effects of supplementation with the antioxidant flavonoid, silymarin, in chronic hepatitis C patients treated with peg-interferon + ribavirin. A placebo-controlled double blind study]. Orv Hetil. 2009 Jan 11;150(2):73-9.

[8] Wei F, Liu SK, Liu XY et al. Meta-analysis: silymarin and its combination therapy for the treatment of chronic hepatitis B. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2013 May;32(5):657-69.

[9] Cacciapuoti F, Scognamiglio A, Palumbo R, Forte R, Cacciapuoti F. Silymarin in non alcoholic fatty liver disease. World J Hepatol. 2013 Mar 27;5(3):109-13.

[10] 21. Loguercio C, Festi D.Silybin and the liver: from basic research to clinical practice. World J Gastroenterol. 2011 May 14;17(18):2288-301.