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Wer hat Angst vor Ketonen?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ketone sind eine Gruppe von drei wasserlöslichen Molekülen, die die Leber aus Fettsäuren generiert. Auslöser ist in der Regel eine Kalorienrestriktion, kohlenhydratarme Ernährung, Hungerzustände, lange und ausgiebige körperliche Aktivität oder ein schlecht oder nicht eingestellter Typ-1-Diabetes. Die drei „Übeltäter“ heißen Acetessigsäure, 3-Hydroxybutansäure und Aceton. Letzteres ist allerdings kein „echter“ Ketokörper, sondern nur ein Beiprodukt, dass zahlenmäßig nur bei einer Ketoazidose ins Gewicht fällt und auch keinen Beitrag zur Energiegewinnung erbringt.

In der Schulmedizin sind Ketone keine unbedingt beliebte Substanzen, da sie in hohen Konzentrationen bei einer Ketoazidose auftreten, die meist nur mit intensivmedizinischen Maßnahmen behandelt werden kann. Darum denkt der Schulmediziner bei dem Wort „Ketone“ fast reflexartig an unphysiologische Gegebenheiten einer Ketose oder Ketoazidose.

Ich hatte einige Beiträge zur Übersäuerung veröffentlicht:

Auf den ersten Blick muss man ebenfalls Ketose und Ketoazidose als vermeidbare Szenarien begutachten, da Ketone als Säuren den pH-Wert des Bluts senken können. Aber dennoch scheint eine Ketogene Diät mit Vorteilen aufwarten zu können, die eine potentielle Über- oder Ansäuerung des Bluts überwiegen:

Was ist eine „gute“ Ketose?

Eine Ketose ist ein metabolischer Prozess, der immer dann zum Tragen kommt, wenn der Organismus zu wenig beziehungsweise keine Glukose zur Energiegewinnung zur Verfügung hat. Sie ist ein „Plan B“ des Organismus, um nicht zu verhungern. Weil zu wenig Glukose zur Verbrennung zur Verfügung steht, muss der Organismus anderes „Brennholz“ benutzen, wie zum Beispiel Proteine und vor allem Fette.

Ketone sind Zwischenprodukte des Fettsäureabbaus. Sie entstehen aus zwei Molekülen aktivierter Essigsäure. Basis dieses Prozesses ist die beta-Oxidation von Fettsäuren. Über weitere Zwischenschritte kommt es zu einer Aktivierung der Ketokörper in der mitochondrialen Matrix der Körperzellen, wo diese Ketokörper verbraucht werden. Eintrittspunkt ist hier der Citratzyklus, über den die Energiegewinnung fortlaufen kann. Im Gegensatz zu freien Fettsäuren können die Ketone die Blut-Hirn-Schranke überwinden und somit als alternativer Brennstoff für die Hirn- und Nervenzellen dienen. Es braucht allerdings etwas Zeit, um den Organismus von der Glukoseverbrennung auf Ketokörpernutzung umzustellen, da einige dafür notwendige Enzyme erst aktiviert werden müssen. Dies ist mit ein Grund, warum die Fettverbrennung sich nicht schlagartig auf der Waage bemerkbar macht.

Ketone sind von Natur aus sauer. Dieses Risiko kommt zum Tragen, wenn die Zahl der Ketone so hoch wird, dass es zu einer Ketoazidose kommt. Oder mit anderen Worten: Eine Ketoazidose ist eine aus dem Ruder gelaufene Ketose. Typ-1-Diabetiker, die einen schlecht eingestellten Diabetes haben, sind in erster Linie von diesem Phänomen betroffen. Denn aufgrund des absoluten Insulinmangels – die Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin mehr produzieren – kommt es zu einen ausgeprägten Abbau von Fettsäuren und damit zu einem entsprechend hohen Maß an Ketonen. Die Menge an Ketonen ist dann so hoch, dass das Blut so weit übersäuert, dass Koma und Lebensgefahr drohen.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn man in der Schulmedizin einer Ketose eher kritisch gegenüber steht. Ein weiteres Puzzleteilchen hier ist auch die seit Jahrzehnten uns aufgetischte Forderung der Ernährungswissenschaft, den Energiebedarf fast ausschließlich über Kohlenhydrate zu decken. Ein solcher Ernährungsplan, der zugleich Fett als ungesund abgestempelt hat, gibt einer Ketose keine Chance.
Aber trotz des sauren Charakters der Ketone und der Bedenken von Seiten der Schulmedizin ist der Organismus auf diesen alternativen Weg der Energiegewinnung bestens vorbereitet. Wäre er es nicht, dann wäre jede Hungerperiode für unsere Vorfahren das sichere Ende für Mensch und Menschheit gewesen (inklusive aller Säuger, bei denen dieses System auch integriert ist). Das natürliche Schutzsystem gegen eine Übersäuerung allgemein und eine Übersäuerung durch Ketone umfasst eine ganze „Litanei“ an Maßnahmen.

Als erstes wird ein Teil der Ketone als Brennstoff für die Energiegewinnung in den Zellen benutzt und damit aus dem Blut geklärt. Das, was nicht benutzt wird und als „Überfluss“ zur Übersäuerung führen könnte, wird durch Bikarbonat-Puffer neutralisiert. Die Atmung hilft bei der Beseitigung über die Variation des Kohlendioxidgehalts im Blut. Ein weiterer Mechanismus ist die Absorption von Wasserstoff-Ionen durch Gewebeproteine und Knochenmaterial. Die Niere hilft hier ebenfalls, indem sie Ammonium-Ionen und Dihydrogenphosphate entsorgt.

Um diese natürlichen „Säure-Blocker“ nicht überzustrapazieren beziehungsweise zu entlasten, ist es wichtig, keine Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die einen ausgewiesen sauren Charakter haben. Zucker – here we go again – steht auf der Liste der Nahrungsmittel mit saurem Charakter an erster Stelle. Es ist also nicht nur kontraproduktiv, zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, da wir mit der Zufuhr dieser Kohlenhydrate zuverlässig eine ketogene Diät und damit die Ketose unterlaufen. Vielmehr belasten wir unseren Organismus mit Zuckervarianten, wie die Fructose, die der Körper nicht nutzen kann. Daraus kann der Organismus bestenfalls über Umwege Energie gewinnen, muss aber enorme Mengen an Energie aufbringen, um diese Substanzen abzubauen beziehungsweise in Energieträger umzuwandeln (Fruchtzucker und Fruktose – alles andere als gesund ...).

Es scheint kein Zufall zu sein, dass eine ketogene Diät überwiegend von Nahrungsmitteln unterstützt wird, die selber einen basischen Charakter haben. Auch hier scheint Mutter Natur die Säure produzierende Diät mit basischen Nahrungsmitteln als Antidot kombiniert zu haben. Um welche Nahrungsmittel es sich handelt, das habe ich in diesem Beitrag beschrieben: Basische Lebensmittel - Eine ausführliche Tabelle.

Wann eine Ketose beginnt und wo sie in eine Ketoazidose umschlägt, dafür habe ich hier eine Abbildung gefunden: How Ketosis Diet Works

Körperliche Verfassung  Produzierte Ketonmenge 
Nach der Mahlzeit  0,1 mmol/L 
Nachtzeiten während des Schlafs  0,3 mmol/L
Ketogene Diät  1 bis 8 mmol/L 
Mehr als 20 tägiges Vollfasten  10 mmol/L 
Ketoazidose  Über 20 mmol/L 

Wie wir aus dieser Abbildung sehen können, tritt eine Ketoazidose erst dann ein, wenn wir die doppelte Menge an Ketonen im Blut haben wie bei einem 20-tägigen Vollfasten. Die ketogene Diät mit 1 bis 8 mmol/L liegt noch einmal ein gutes Stück unter den Werten des Vollfastens. Wenn dann noch eine basische Ernährung eingehalten wird, dann ist die Gefahr einer Ketoazidose mehr als unwahrscheinlich.

Wie effektiv und unproblematisch die ketogene Diät ist, das habe ich, mich hier wiederholend, im bereits oben zitierten Beitrag diskutiert (Die Ketogene Diät).

Probleme bei der Ketogenen Diät

Die Probleme der ketogenen Diät sehe ich weniger in der Diät selbst, sondern mehr in den Empfehlungen, was bei so einer Diät gegessen werden sollte. Viele Vertreter, so auch der Verfasser des Beitrags, aus dem ich die oben aufgeführte Tabelle entnommen habe, empfehlen den vermehrten Verzehr von Proteinen. Proteine aber hemmen die Autophagozytose, so dass ein erhöhter Verzehr von Proteinen teilweise den Teil des Immunsystems beeinträchtigt, der auf die Autophagozytose als Abwehrmechanismus zurückgreift. Die Autophagozytose ist darüber hinaus ein Reinigungssystem, dass eine Großzahl von „Schlacken“ im Organismus entsorgt. Dieser „Reinigungsdienst“ wird damit ebenfalls eingeschränkt.

Fleisch hält auch noch andere unschöne Überraschungen bereit: Krank durch Fleisch? Diese liegen nicht nur in der Natur des Fleisches, sondern heute vermehrt auch in seiner Herstellung und den dazugehörigen Begleitumständen. Antibiotika-Rückstände, BSE etc. sind einige Stichworte, die auch im zitierten Beitrag zur Sprache kommen.

Damit will ich nicht eine absolute Protein-Abstinenz propagieren. Aminosäuren sind unverzichtbar. Aber der Organismus benötigt a) nur die essentiellen Aminosäuren in definierten Mengen und b) nicht essentielle Aminosäuren praktisch überhaupt nicht, da er sie selbst herstellen kann. Somit besteht immer die Gefahr, bei einer proteinreichen Diät, auch wenn sie ketogenen Charakter hat, den Organismus mit nicht benötigten Aminosäuren zu überschwemmen, was zur Ansäuerung des Organismus wesentlich beiträgt. Denn die Abbauprodukte von Aminosäuren haben teilweise selbst ketogenen Charakter und sind damit sauer. Andere Aminosäuren werden zu alpha-Ketoglutarsäure und Brenztraubensäure abgebaut, ebenfalls Quellen von sauren Produkten.

Daher liegt der Schwerpunkt der Ernährung mehr auf den „gesunden“ Fetten, vor allem auf den Omega-3-Fettsäuren, die in einem ausgeglichenen Verhältnis zu den Omega-6-Fettsäuren stehen  sollten. Während Fleisch, auch organisch erzeugtes, sauberes Fleisch, immer mit einer Zufuhr von Arachidonsäure, verbunden ist, was die Bereitschaft für Entzündungsprozesse erhöht, wirken Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend.

Fazit

Eine gut durchgeführte ketogene Diät ist nicht leicht, da der Spielraum von Seiten der dazu günstigen Nahrungsmittel nicht besonders breit zu sein scheint. Aber es macht weder Sinn, Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, die die Entstehung von Ketonen schon im Ansatz verhindern, noch ist es empfehlenswert, den Fokus der Ernährung auf Proteine zu legen. Denn bei einer ketogenen Diät werden Fette verbrannt beziehungsweise ist dies das Ziel der Diät. Darum ist es nur sinnvoll, Fette als Energieträger zuzuführen. Die Frage ist hier: Welche Fette sollen vermieden werden und welche sind empfehlenswert. Bislang galten Fette in der Schulmedizin und Ernährungswissenschaft als „Übeltäter ersten Ranges“. Wir sollten aber nicht den gleichen Fehler mit umgekehrten Vorzeichen machen, und jetzt alle Fette „umarmen“. Ein weiterer Aspekt der ketogenen Diät, die mehr auf gesunde Fette setzt, ist die Menge, die täglich eingenommen wird. Damit begeben wir uns auf das Nachbargebiet, der Kalorienrestriktion und ihren Vorteilen. Denn eine ketogene Diät mit einem Übermaß an Kalorienzufuhr ist ebenfalls kontraproduktiv. Eine Kalorienrestriktion verstärkt zudem den ketogenen Effekt einer ketogenen Diät.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 10.10.2016 aktualisiert