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Apfelessig selber machen - Dosierung, Anwendung und Nutzen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Apfelessig wird oft in einen Zusammenhang mit Abnehm-Diäten/Kuren gebracht. Dabei entsteht oft der missverständliche Eindruck, dass der Genuss von Apfelessig alleine schon ausreichen könnte, um überflüssige Pfunde zu verlieren.

Das dem nicht so ist, und warum dem nicht so ist/sein kann, das habe ich in zwei Beiträgen diskutiert:

Es ist aber umstritten, dass Apfelessig selbst eine Reihe von wichtigen und nützlichen Nährstoffen enthält, wie Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Apfelessig ist vielmehr relativ nährstoffarm. Daher ist es so verwunderlich, warum eine so potente gesundheitsfördernde Wirkung von diesem Essig auszugehen scheint. Warum dem so ist, das habe ich versucht, in diesem Beitrag näher zu beleuchten: Chemie im Gemüse und doch kein Problem dank Essig.

Apfelessig ist wieder "in"

In den 90er Jahren war Apfelessig "in". Vor allem zum Abnehmen. Dann geriet er etwas in Vergessenheit, was nicht verwunderlich ist, denn jedes Jahr wird ein neues "Superfood" durch´s Dorf getrieben.

Inzwischen scheint der Apfelessig ein wenig mehr an Beliebtheit zu gewinnen. Ihm werden eine Reihe von positiven Wirkungen nachgesagt, wie zum Beispiel als Hilfe zur Blutzuckerkontrolle und Gewichtsabnahme.

Studien

Um es gleich vorweg zu schicken, es gibt nur eine sehr überschaubare Anzahl von Studien mit Apfelessig im Zusammenhang mit Blutzuckerkontrolle und Gewichtsreduktion. Die erste dieser Studien stammt aus dem Jahr 2007:

Blutzucker-Kontrolle und Gewichtskontrolle

Effect of apple cider vinegar on delayed gastric emptying in patients with type 1 diabetes mellitus: a pilot study.

Diese Arbeit wurde mit nur zehn Patienten durchgeführt, die an Typ-1-Diabetes litten und gleichzeitig ein einer diabetischen Gastroparese (Magenlähmung). Was die Autoren hier beobachteten, das war nicht der Einfluss von Apfelessig auf dem Blutzucker, sondern auf die Entleerungsgeschwindigkeit des Magens, die aufgrund des Diabetes bei diesen Patienten ohnehin schon verlangsamt war. Sie beobachteten dann, dass Apfelessig diese Geschwindigkeit noch weiter reduzierte, sodass es zu einer weiteren Verzögerung bei der Entleerung des Magens kam.

Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass dieser Effekt bei der Blutzuckerkontrolle von Nachteil ist.

Mein Fazit: Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich physiologisch gesehen um eine andere Erkrankung als bei Typ-2-Diabetes. Von daher lässt sich dieses Ergebnis nicht pauschal auf Typ-2-Diabetiker übertragen, zumal eine Gastroparese bei Typ-2-Diabetes nicht besonders häufig zu sein scheint. Aber das ist typisch für Studien und deren "Aufnahme" durch die Medien: Da heißt es dann "Apfelessig wirkt nicht bei Diabetes". Das ist natürlich Quatsch. Denn wir müssen schon genau definieren, von welcher Art Diabetes wir reden!

Wirkung des Apfelessigs auf Nüchternblutzucker, HbA1c und Lipidprofil

Im Jahr 2008 erschien diese Studie in Iran:

Apple cider vinegar attenuates lipid profile in normal and diabetic rats.

Probanden hier waren gesunde und diabetische Ratten. Die Autoren untersuchten den Effekt von Apfelessig auf Nüchternblutzucker, HbA1c und Lipidprofil. Alle Ratten erhielten eine sechsprozentige Lösung mit Apfelessig über den Zeitraum von vier Wochen.

Die Autoren beobachteten keine Veränderung beim Nüchternblutzucker. Der HbA1c-Wert sank signifikant in der Gruppe der Ratten mit Diabetes. Die gesunden Ratten zeigten unter Apfelessig eine signifikante Abnahme von LDL-Cholesterin, bei gleichzeitiger signifikanter Erhöhung von HDL-Cholesterin. Der Apfelessig reduzierte Triglyceride und erhöhte HDL-Cholesterin bei den diabetischen Ratten.

Die Autoren schlossen aus diesen Ergebnissen, dass Apfelessig das Serum-Lipidprofil bei gesunden und diabetischen Raten verbessert, was eine Hilfe bei der Verbesserung von metabolischen Vorgängen unter Diabetes bedeutet.

Mein Fazit: Apfelessig scheint keinen Einfluss auf Blutzuckerwerte zu haben. Die Verbesserung von Lipidprofilen dagegen ist eine willkommene Zusatzfunktion, die bei Diabetikern alles andere als unwichtig ist, da hier oft ein erhöhter Blutzuckerwert Hand in Hand geht mit metabolischen ungünstigen Veränderungen.

Apfelessig und Blutzucker beim Menschen

Bislang haben wir noch keine Studie diskutiert, die den Einfluss von Apfelessig auf den Blutzucker beim Menschen hat nachweisen können. Diese Arbeit aus den USA aus dem Jahr 2009 versuchte dieses Manko zu beheben:

Vinegar lacks antiglycemic action on enteral carbohydrate absorption in human subjects.

In dieser Arbeit versuchten die Autoren zu beschreiben, welche Mechanismen für einen blutzuckersenkenden Effekt von Apfelessig zuständig sind. Dazu traten fünf Teilnehmer unter vier verschiedenen Bedingungen, denen sie jeweils eine Woche ausgesetzt waren, an. Die Teilnehmer bekamen zufallsbedingt eine Woche 60 Milliliter Wasser als Placebo oder eine Mischung aus 20 Millimeter Apfelessig und 40 Milliliter Wasser. Zwei Minuten nach der Einnahme von Placebo oder Apfelessig-Mixtur erhielten sie eine Mahlzeit, bestehend aus Kartoffelpüree mit 0,75 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht. Zu Beginn der Mahlzeit wurde ein oraler Insulin-Suppression-Test durchgeführt. Danach wurde in 20-minütigen Intervallen Blutproben zur Bestimmung von Insulin und Blutglukose abgenommen.

Der Insulin-Suppression-Test unterdrückte die Insulinsekretion für die nächsten 100 Minuten nach seiner Durchführung. Während dieser Zeit war unter Apfelessig die Erhöhung der Blutglukose moderat, aber signifikant höher als unter der Gabe von Placebo. Dies lässt den Schluss zu, dass Apfelessig keine Wirkung auf den Blutzucker hat im Sinne einer Blutzuckersenkung nach oraler Einnahme von Kohlenhydraten.

Mein Fazit: Fünf Probanden unter nicht vollständig randomisierten Bedingungen ergeben nicht notwendigerweise eine aussagekräftige Studie. Auf der anderen Seite muss man hier in Betracht ziehen, dass eine potent blutzuckersenkende Substanz schon in der Lage sein sollte, auch unter diesen suboptimalen Studienbedingungen einen entsprechenden Effekt zu zeigen. Die Tatsache, dass dies nicht der Fall war, gibt schon Anlass zum Zweifel an einer entsprechenden Wirksamkeit.

Metabolisches Syndrom (Übergewicht, schlechte Fettwerte, hoher Blutzucker)

Eine weitere Frage ist die nach einer gewichtsreduzierenden Wirksamkeit - sprich, dass was Viele haben wollen: Gewichtsabnahme, Abnehmen, weniger Speck auf den Rippen; nennen Sie es wie Sie wollen...

Wir hatten zuvor die Studie, die gezeigt hatte, dass Apfelessig in der Lage ist, Lipidprofile (Fettwerte) positiv zu beeinflussen.

Auch zu dieser Frage gibt es einige wenige Arbeiten, wie diese japanische Studie aus dem Jahr 2009:

Vinegar Intake Reduces Body Weight, Body Fat Mass,and Serum Triglyceride Levels in Obese Japanese Subjects.

An dieser Studie nahmen 175 übergewichtige Probanden teil, die zu gleichen Teilen in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Während der zwölfwöchigen Behandlungszeit erhielten alle Teilnehmer der drei Gruppen täglich 500 Millimeter eines Getränks, indem in Gruppe 1 15 Milliliter Apfelessig, in Gruppe 2 30 Milliliter Apfelessig und in Gruppe 3 als Placebogruppe kein Apfelessig enthalten war. Gemessen wurden Veränderungen beim Körpergewicht, BMI, Fettanteil im Bauchbereich, Hüftumfang und Serum-Triglyceride.

Resultat: In beiden Gruppen, die Apfelessig erhalten hatten, gab es signifikante Verbesserungen der gemessenen Parameter im Vergleich zur Placebogruppe. Die Autoren schlossen daraus, dass der tägliche Verzehr von Apfelessig Vorteile mit sich bringt bei der Prävention des metabolischen Syndroms durch Vermeidung beziehungsweise Reduktion von Übergewicht.

Protektiver Schutz auf Leber, Niere und Blutkörperchen

Im Jahr 2014 veröffentlichten türkische Wissenschaftler dieser Arbeit:

Apple cider vinegar modulates serum lipid profile, erythrocyte, kidney, and liver membrane oxidative stress in ovariectomized mice fed high cholesterol. Dies war eine Laborarbeit mit weiblichen Mäusen, die teilweise mit einer cholesterinreichen Diät versorgt worden waren. Am Ende der Studie zeigte sich, so die Autoren, dass Apfelessig einen protektiven Effekt gegenüber oxidativen Schädigungen von Erythrozyten, Nieren und Leber aufweist. Der Essig senkte die Serum-Lipidwerte trotz der cholesterinreichen Diät.

Mein Fazit: Es ist fraglich, ob diese Studie einen wirklich profunden Aussagewert für die Wirksamkeit von Apfelessig beim Menschen hat, obwohl die Ergebnisse tendenziell denen der zuvor diskutierten Studien entsprechen. Insofern ist die Studie schon hochinteressant. Die Frage, warum nur weibliche Tiere in die Studie einbezogen wurden, wird zumindestens im Abstract nicht beantwortet.

Abnehmen mit Apfelessig

Diese französische Studie aus dem Jahr 2016 ist sogar noch „sparsamer":

[Anti-obesogenic effect of apple cider vinegar in rats subjected to a high fat diet].

Hier waren es nämlich 18 männliche Ratten, die in drei gleich große Gruppen aufgeteilt worden waren. Eine Gruppe diente wieder als Kontrollgruppe. Die anderen beiden Gruppen erhielten eine fettreiche Diät. Eine der beiden „Fett-Gruppen" erhielt täglich sieben Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht an Apfelessig für die Dauer von 30 Tagen.

Resultat: Die Gruppe mit Apfelessig zeigte eine signifikante Abnahme von Körpergewicht und Menge der Nahrungsaufnahme. Die Blutzuckerwerte und die Blutfettwerte zeigten eine deutliche Verbesserung.

Die Autoren schlossen daraus, dass Apfelessig einen Appetit senkenden Effekt ausübt, der mit dazu beiträgt, dass Blutzuckerwerte und Blutfettwerte sich verbessern und das Körpergewicht sich verringert.

Mein Fazit: Auch diese Arbeit ist aufgrund ihrer „Aufmachung" mit nur männlichen Ratten in relativ begrenzter Zahl nur bedingt aussagefähig, auch wenn hier die Ergebnisse mit den zuvor diskutierten Ergebnissen vergleichbar sind. Für mich wären solche Ergebnisse aus einer kontrollierten klinischen Studie mit übergewichtigen Patienten (Männer und Frauen) in statistisch signifikanter Zahl wesentlich relevanter.

Fazit zu den Studien

Die gegenwärtige Anzahl und Güte von Studien zu der Frage, ob Apfelessig einen positiven Effekt bei Typ-2-Diabetikern hat in Bezug auf Blutzuckerkontrolle und Fettstoffwechsel, lässt bislang keine eindeutige Aussage zu. Es gibt Hinweise, dass es so sein könnte. Von daher glaube ich, dass es für Diabetiker durchaus andere natürliche Alternativen gibt, um eine optimale Blutzuckereinstellung zu gewährleisten.

Welcher Apfelessig? 

Apfelessig ist leicht zu besorgen. Die Wahl ist so groß, dass man auch hier fast von einer „Qual“ reden kann. Unter „Billiger.de“ (billiger.de/Apfelessig)  kann man den Essig sogar in 10-Liter-Kanistern kaufen.

Die Preise variieren zwischen weniger als 1 € und über 10 € pro Liter. Wie es den Anschein hat, kommt vor so viel Gesundheit in einem einzigen Kanister/Flasche ein relativ ungesunder Aspekt mit auf den Tisch. Denn fast alle Behältnisse sind aus Plastik.

Ob dies bei den dort dargestellten Flaschen der Fall ist, lässt sich nicht definitiv beschreiben. Aber die 10-Liter-Kanister sind definitiv aus Plastik. Und das ist nicht unbedenklich bei einer Säure. Warum? Hier die Antwort(en): Weichmacher – Eine Belastung die man vermeiden kann.

Ich rate generell zu natürlich vergorenem Essig, der in Glasflaschen abgefüllt ist.

Apfelessig selbst machen

Da drängt sich der Gedanke auf, ob es nicht einfach möglich ist, sich seinen Apfelessig nicht selbst zu machen, bzw. herzustellen. Hier eine „Rezeptur“, wie man das Selbermachen durchführen kann.

Als Zutaten dienen Apfelreste, wie Schalen, das Kerngehäuse, die Kerne. Und – Wasser.
Diese Apfelreste werden dann in ein Einmachglas gegeben und mit Wasser aufgefüllt, dass alle Apfelreste unter Wasser liegen. Die Abdeckung des Einmachglases besteht nur aus einem luftdurchlässigen Material, also Tuch oder Stoff. Dann wird das Glas an einem kühlen Ort gelagert. Hier kann das Apfelreste-Wasser-Gemisch in den nächsten ein bis zwei Wochen gären.

Um die Bildung von Schimmel zu vermeiden, bedarf es einer täglichen „Pflege“. Die besteht darin, dass der Inhalt jeden Tag umgerührt oder durchgeschüttelt wird. Tritt ein weißer Schaum auf der Oberfläche der Mixtur auf, dann ist dies das Zeichen, dass die Gärung im vollen Gange ist.

Wenn es dann so weit ist und die Gärung abgeschlossen, dann wird er Inhalt des Glases abgefiltert. Die Flüssigkeit wird in andere Einmachgläser abgefüllt und wieder mit Stoff oder Tuch bedeckt. Jetzt muss das Glas/die Gläser an einem relativ warmen Ort gelagert werden. Und die Lagerzeit beträgt jetzt vier Wochen. Dies ist die Zeit, in der sich die Essigmutter ausbildet. Nach diesen vier Wochen ist der Apfelessig fertig.
Der große Vorteil der eigenen Herstellung ist, dass man chemiehaltige Plastikbehältnisse vermeiden kann und auch bei der Herstellung weiß, dass es keine Zutaten gibt, die den Produktionsprozess zwar möglicherweise beschleunigen, dafür aber keinen gesundheitlichen Nutzen oder sogar Nachteile mit sich bringen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.12.2016 aktualisiert