Glutamin hilft bei Allergien und Darm-Unverträglichkeiten

Allergien und gastrointestinale (den Magen und Darm betreffende) Beschwerden, wo liegt da der Zusammenhang bzw. gibt es überhaupt einen solchen? Wenn man bedenkt, dass der Darmtrakt mit die größte, wenn nicht sogar die größte funktionelle Einheit des Immunsystems darstellt, dann kann man sich leicht ausrechnen, dass Probleme in dieser Region auch einen Einfluss auf das Immungeschehen haben können.

In diesem Zusammenhang ist von Fällen berichtet worden, wo die Verabreichung von Glutamin sowohl die Immunfunktion als auch die gastrointestinale Durchblutung verbessert hat. Besonders Antibiotika, aber auch Viren, Bakterien, schlechte Ernährung, Stress usw. sind in der Lage, die Darmschleimhäute nachhaltig zu schädigen. Durch diese Einflüsse entstehen Löcher in den Schleimhäuten, was in der (Alternativ)-Medizin als “Leaky-Gut-Syndrom” bezeichnet wird.

Das Leaky-Gut-Syndrom wird aber aus schulmedizinischer Sicht immer noch als eine hypothetische und unbewiesene medizinische Diagnose bewertet. Allerdings weiß man heute, dass Aspirin und andere nicht-steroidale Entzündungshemmer die Darmschleimhäute abtragen und Entzündungen in diesem Bereich fördern. Die sich damit auftuenden Lücken erlauben einen viel größeren Austausch an Stoffen als sonst üblich.

Damit werden auch Stoffe resorbiert, die sonst nicht in den Resorptionsprozess einbezogen werden: Gifte, Mikroorganismen, unverdaute Nahrungsreste, Abfälle und Makromoleküle. Diese sind dann in der Lage, den Organismus direkt zu beeinflussen, so auch das Immunsystem, dass auf die eingedrungenen Fremdkörper zu reagieren hat. In der Darmschleimhaut selbst finden ebenso veränderte Reaktionen statt. Die durch die Löcher hervorgerufenen Entzündungen, Enteritis (Entzündung des Darms), Kolitis (Entzündung des Grimmdarms) z.B., bewirken über Interleukine eine Ansammlung von IgE-Antikörpern, die Soforttyp-Allergien provozieren können.

Weitere biochemische Vorgänge, die bei einer Entzündung typisch sind, treten in Kraft, besonders das Anschwellen der Schleimhäute (Ödeme). Dieses Anschwellen jedoch beeinträchtigt die IgA-Antikörperproduktion der Schleimhäute. Damit ist ein wichtiger Abwehrmechanismus in den gastrointestinalen Schleimhäuten stark eingeschränkt. Schadstoffe, Mikroorganismen und alle weiter oben erwähnten unerwünschten Stoffe im Darm können somit nicht ausreichend gebunden werden. Dieses Szenario lässt die Entzündung auch nur langsam abklingen.

Nach außen zeigt sich eine solche Entzündungsreaktion als Blähungen, Völlegefühl, Koliken, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Schlappheit, Hautreaktionen wie Neurodermitis, Migräne, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit usw.

Solch eine Liste an unangenehmen Symptomen ruft ja förmlich nach einem schulmedizinischen Eingreifen. Allerdings gibt es inzwischen eine Reihe von Hinweisen, dass Glutamin bzw. glutaminreiche Kost hier einen positiven Effekt ausüben kann. Glutamin ist eine proteinogene Aminosäure (eine Aminosäure, die der Organismus zum Aufbau von Proteinen benötigt), die aber nicht essentiell ist. Sie kann vom Organismus selbst hergestellt werden.

Eine Reihe von Studien hat zwischenzeitlich zeigen können, dass eine Substitution mit Glutamin eine Reihe von Vorteilen in Bezug auf das Immunsystem und den gastrointestinalen Bereich mit sich bringt:

Effect of glutamine-supplemented parenteral nutrition on mortality in critically ill patients. Gordon S. Sacks, Auburn University, Auburn, Alabama

In dieser Veröffentlichung wird Glutamin als eine wichtige Aminosäure bezeichnet, die entscheidenden Einfluss hat auf das Immungeschehen, die gastrointestinale Gesundheit und den Stickstofftransport zwischen den einzelnen Organen. Die Autoren berichten über eine Glutaminsupplementierung bei schwerkranken Patienten in der Intensivstation und deren Langzeitüberlebensrate. Hier zeigte sich, dass diese unter einer Glutamingabe signifikant anstieg. Was im Einzelnen noch aussteht, sind genauere Daten zur optimalen Dosierung und Darreichungsform. Hier weiß man noch nicht, ob eine intravenöse oder eine orale Gabe die positiven Ergebnisse noch verbessern kann.

Aber nicht nur bei schwerkranken Intensivpatienten scheint Glutamin einen positiven Effekt zu zeigen, sondern bei Kleinkindern gleichermaßen:

Long-term effects of neonatal glutamine-enriched nutrition in very-low-birth-weight infants. van Zwol A et al. Division of Neonatology, Department of Pediatrics, VU University Medical Center, Amsterdam, Netherlands.

Laut dieser Veröffentlichung gibt es bereits eine Reihe von Untersuchungen, die das stark erniedrigte Geburtsgewicht von Säuglingen und den Effekt von oraler und parenteraler Glutaminsupplementierung auf Mortalität und Morbidität beschrieben haben. Als erstes hielten die Wissenschaftler fest, dass es keine toxischen Erscheinungen selbst bei diesen kritischen Fällen gegeben hat. Die Effektivität von Glutamin allerdings wurde in den verschiedenen Studien auch unterschiedlich beurteilt.

In einer neueren Untersuchung konkretisiert diese Forschergruppe ihre Ergebnisse:

Glutamine-enriched enteral nutrition in very low birthweight infants and allergic and infectious diseases at 6 years of age. van Zwol A et al.

Die Forscher bemerkten hier, dass in vorausgegangenen Studien mit 102 Säuglingen mit extrem niedrigem Geburtsgewicht eine Glutamingabe das Vorkommen von ernsthaften Infektionen nach der Geburt und das Risiko, eine atopische Dermatitis in den ersten Lebensjahren zu entwickeln, drastisch hat senken können. Darauf hin überlegte man sich, dass Glutamin das Risiko von Allergien und Infektionen bis zum 6. Lebensjahr günstig beeinflussen könnte.

Von daher entschloss man sich, diese 102 Säuglinge in ihrer Entwicklung zu verfolgen. 88 Kleinkinder konnten letztlich in die Auswertung mit eingeschlossen werden (13 verstarben und 1 Säugling mit einer Chromosomenanomalie). Haus- und Kinderärzte beurteilten die Kinder auf Infektionserkrankungen und Allergien in Form eines Fragebogens.

Die Auswertung beruhte auf spezifischen statistischen Verfahren (univariable und multivariable Regressionsanalyse). Als Ergebnis zeigte sich, dass die Verumgruppe, die mit Glutamin versorgt worden war, ein verringertes Risiko für die Entwicklung einer atopischen Dermatitis aufzeigte. Es gab allerdings keine Verbindung von Heuschnupfen oder Asthma und Glutaminsupplementierung.

Ähnlich wie bei der Dermatitis zeigte die Verumgruppe auch ein deutlich verringertes Aufkommen von Magen-Darm-Trakt-Infektionen. Auch hier zeigte sich kein Einfluss des Glutamins auf andere Infektionen, z.B. in den oberen und unteren Atemwegen oder im Harnwegsbereich. Die Autoren schlossen von daher, dass eine oral verabreichte Glutaminsupplementierung während der frühen Säuglingszeit bei stark untergewichtigen Neugeborenen das Risiko von Infektionen und atopischer Dermatitis bis ins 6. Lebensjahr deutlich senkt.

Fazit: Vielleicht senkt Glutamin nicht nur diese Risikofaktoren bei untergewichtigen Säuglingen, sondern könnte eine Therapieform von normalgewichtigen Säuglingen, Kindern und Erwachsenen abgeben, die eine Neigung zu diesen Problemen aufzeigen. Da die Gabe von Glutamin praktisch nebenwirkungsfrei ist, eignet es sich als Mittel der ersten Wahl für eine Therapie von gastrointestinalen Störungen und Allergien. Erst wenn eine glutaminangereicherte Ernährung oder eine direkte, konzentrierte Glutaminsupplementierung nicht den gewünschten Effekt zeigen, kann eine andere Therapiealternative immer noch in Betracht gezogen werden.

Zum Schluss möchte ich noch aus einer Studie zitieren, die sich nicht direkt mit Glutamin beschäftigt, aber die Aminosäure in einem anderen Zusammenhang folgendermaßen bewertet: “…because glutamine and antioxidant supplementation have been shown to improve gastrointestinal perfusion, immune function, morbidity, and gluco-metabolic control in critically ill patients.” (… weil eine Supplementierung mit Glutamin und Antioxidantien hat zeigen können, dass die gastrointestinale Durchblutung, die Immunfunktion, die Morbidität und die Kontrolle des Glukosestoffwechsels bei schwerkranken Patienten verbessert werden kann.)

Die vorliegende Charakterisierung dieser Aminosäure ist ein beeindruckendes Beispiel, wie man schnell und schonend eine Allergie- und Darmprophylaxe mit natürlichen Mitteln durchführen kann.

Datum: Montag, 18. April 2011
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8 Kommentare

  1. 1

    Ich bin als Allergiker immer froh, wenn ich lese, dass es neue Erkenntnisse im Bereich Allergien-Bekämpfung gibt, aber irgendwie bin ich da auch immer skeptisch.
    Ich bin trotz meiner zig Allergien der Meinung, dass die meisten mit alternativer Medizin in den Griff zu bekommen oder sogar wegzubekommen sind. Akupunktur etwa oder auch Anti-Stresstherapien mit Physiotherm-Sitzung, Hot Stone Massagen, Unterbewusstseinsreinigung etc.

    Ich weiß auch von vielen Leuten, dass Allergien bei ihnen nach traumatischen Erlebnissen auftraten, bei mir ist es zumindest bei einer auch so: Ich war als Kind regelmäßig reiten, bin dann mit Anfang zwanzig das erste Mal vom Pferd gefallen und seit damals allergisch. Die erste Reaktion hatte ich unmittelbar, nachdem ich gestürzt bin, obwohl ich vorher Stunden bei den Tieren war und alles in bester Ordnung war. Nach dem Fall plötzlich: zugeschwollene Augen. Und so geht’s seitdem immer, wenn ich in die Nähe von Pferden komme.

  2. 2

    worin kommt besonders viel Glutamin vor bzw. wie kann man supplementieren?

    Reichen glutamin-reiche Nahrungsmittel oder sollte man dies noch in Kapselform o. ä. konzentriert zu sich nehmen?

    Danke für eine weitere Antwort und Tipps!

  3. 3

    Hallo Lena,

    diese Frage hatte ich natürlich erwartet. Ich halte mich mit solchen Empfehlungen eher zurück. Die Information ist übrigens auch für mich relativ neu, sodass ich nur über geringe Erfahrung berichten. Aber: ich werde bei ausgewählten Patienten mit einer Gabe in Pulverform beginnen. Einzelne Aminosäuren sind in jeder Apotheke erhältlich.

  4. 4

    Hallo Herr Gräber,

    mein Sohn hat leider viele Allergien mitbekommen, Hausstaub, Hunde, Katze, Pollen, leider leidet er sehr unter der Hausstaubalelrgie er hat dadurch ständig problememit den Bronchien, bekommt oft schlecht luft , er pfeift etc, versuche weitgehenst auf Ceritrizin oder Bronchenerweiternde Spray zu verzichten..nur wenn es ganz schlecht geht, Encases für dieBettwäsche haben wir, bringt leider nicht viel. Er ist 5 Jahre alt geworden, würde gerne eine Therapie mit L-Glutamin, Laktobac M, , MSM versuchen, hab nur leider keine Ahnung wie ich sinnvollerweise dosiere, bitte helfen Sie mir doch, ich angele nachjedem Strohhalm, habe schond das HEuschnuopfenmittel von DHU , es sit vielleicht dadurch gering besser geworden.. Vielen DANK!

  5. 5

    […] […]

  6. 6

    Hallo Herr Gräber, ich habe seit 2 Jahren ITP… also eine Überreaktion des Immunsystems. Wenn das I zu 80 % durch die Darmflora etc beeinflusst wird, könnte diese dann auch für meine ITP zuständig sein? Ein interessanter Ansatz, da alle schulmedizinischen Behandlungen gescheitert sind und alle anderen Blutwerte fantastisch sind. ..habe zur Zeit 7.000 Thrombozyten nach einem Jahr Pause in der an Nebenwirkungen reichen Therapie. Durch die ständig auf Hochtouren laufende Th-Produktion bin ich total erschöpft und lebe sehr reduziert. Kann max 1 Std am Tag in Haus und Garten etwas erledigen, danach geht nur noch liegen. .. Werde von HP betreut und nehme auch Glutation neben vielen Aufbaumitteln.

    Danke im voraus
    Isis (69 Jahre jung)

  7. 7

    Hallo!
    Ich hatte sehr viele Allergien inkl. Allergisches Asthma.
    Voriges Jahr nach meiner Nasen Nebenhölen Operation auf der linken Seite, wurden plötzlich wieder Polypen auf der rechten Seite festgestellt, die ebenfalls enfernt werden mussten.
    Die Schulmedizin bat mir Cortisonsprays und eine Spritzenkur an bzw. die OP, die ich aber ablehnte.
    Ich schaute mich nach Alternativen um und entdeckte die NAET Behandlung: naet-europe.com/content/Germany/About.php
    Ich hab die Behandlung von Jänner bis April erfolgreich durchgezogen.
    Es hat mir persönlich sehr viel geholfen und die Polypen haben sich von selber zurückgebildet (Röntgen)
    Beim Lungenfacharzt haben meine ursprünglichen Allergien nicht mehr angeschlagen, das war für mich der entgültige Beweiß, das es funktioniert hat.

    Falls ich diesen Link nicht reinstellen darf, bitte löschen. Danke.

    Lg Sabine

  8. 8

    Hallo!
    Ich hatte sehr viele Allergien inkl. Allergisches Asthma.
    Voriges Jahr nach meiner Nasen Nebenhölen Operation auf der linken Seite, wurden plötzlich wieder Polypen auf der rechten Seite festgestellt, die ebenfalls enfernt werden mussten.
    Die Schulmedizin bat mir Cortisonsprays und eine Spritzenkur an bzw. die OP, die ich aber ablehnte.
    Ich schaute mich nach Alternativen um und entdeckte die NAET Behandlung.
    Es war sehr anstrengend,MDax ich sehr weit fahren musste, da ich keinen Therapeuten in der Nähe hatte aber es lohnte sich.
    Ich hab die Behandlung von Jänner bis April erfolgreich durchgezogen.
    Es hat mir persönlich sehr viel geholfen und die Polypen haben sich von selber zurückgebildet (Röntgen)
    Beim Lungenfacharzt haben meine ursprünglichen Allergien nicht mehr angeschlagen, das war für mich der entgültige Beweiß, das es funktioniert hat.

    Lg Sabine

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