Informationen zu verschiedenen Darmerkrankungen und Darmbeschwerden
 
Bauchgefühl und Bauchhirn

Das Bauchgefühl - ist in Wahrheit ihr Bauchhirn!

Das sog. Bauchgefühl wird von den meisten Wissenschaftlern den sog. Spiegelneuronen im Gehirn zugeordnet.

Spiegelneurone sind besondere Nervenzellen im Gehirn. Natürlich gibt es diese Spiegelneurone, aber was ist mit den Gefühlen im Bauch, die Sie sicher auch kennen?

Ob man etwas aus dem Bauch heraus entscheidet, zu viel Stress auf den Magen schlägt oder die Schmetterlinge vor Glück im Bauch flattern...

Und es ist tatsächlich so: Gefühle spielen sich nicht nur im Gehirn, sondern auch in den Eingeweiden ab.

Das Bauchhirn - Steuerzentrale des Unbewussten

Viele Wissenschaftler sind mittlerweile davon überzeugt, dass Intuition und Bauchgefühle zu großen Teilen im Unterleib gesteuert werden.

Das enterische Nervensystem (ENS), auch als "Bauchhirn" bezeichnet, ist ein feinmaschiges Netzwerk von Nervenzellen, das den gesamten Magen-Darm-Trakt umhüllt.

Es gleicht in der Art seiner Zellen und Wirkstoffe dem Gehirn des Kopfes, kann aber die Verdauungsprozesse völlig unabhängig von diesem steuern.

So reguliert das Bauchhirn völlig eigenständig die Darmbewegungen und die Abwehr gegen Bakterien oder Parasiten. Dabei ruft es gespeicherte Informationen ab und reagiert auf veränderte Zustände, so wie dies für ein Gehirn, also ein denkendes Organ, typisch ist.

Darüber hinaus haben Forscher in der Magenschleimhaut Sinneszellen entdeckt, die denen der Nase sehr ähnlich sind. Diese Geruchssensoren nehmen bestimmte Aromastoffe wahr und regen die Verdauung an.

Die vom Bauchhirn beeinflussten Vorgänge in Magen und Darm laufen unbewusst ab, während Kauen, Schlucken und Ausscheidung zu großen Teilen vom Kopfhirn und damit zumindest teilweise bewusst gesteuert werden. Nur in Einzelfällen sendet das ENS Warnsignale ans Kopfhirn, etwa bei Erbrechen, Übelkeit oder Schmerzen.

Da mehr als 90 Prozent der Nervenbahnen vom Bauch in den Kopf verlaufen und nur etwa 10 Prozent in umgekehrter Richtung, scheinen die Signale, die das ENS ans Gehirn sendet, die Wichtigeren zu sein, auch wenn man sie nur selten wahrnimmt.

Wissenschaftler versuchen seit einigen Jahren durch die genaue Erforschung des Bauchhirns verschiedenen Krankheiten und Symptomen auf die Spur zu kommen. Beispielsweise sind bei Parkinson- und Alzheimer-Patienten die Zellen von Kopf- und Bauchhirn gleichermaßen betroffen. Ebenso wirken viele Psychopharmaka auch auf den Darm und das Verdauungssystem.

Untersucht wird seit einiger Zeit auch das Phänomen des Reizdarms. Denn hierbei treten Unterleibsschmerzen, Unwohlsein und Unregelmäßigkeiten des Stuhlgangs auf, ohne dass hierfür krankhafte Veränderungen des Darms oder anderer Organe des Bauches gefunden werden können.

Was lange Zeit als Einbildung und Spinnerei von den Medizinern abgetan wurde, kann nun endlich durch neuere Erkenntnisse erklärt werden. So kommt es vor, dass neuronale Fehlfunktionen des Bauchhirns vorliegen oder die Weiterleitung der Signale zwischen ENS und Kopf nicht mehr richtig funktioniert.

Während gesunde Menschen die Botschaften des Bauches nicht oder nur in Ausnahmefällen wahrnehmen, spüren Reizdarm-Patienten schon kleinste Impulse, die aus dem Bauchraum an das Gehirn gesendet werden.

Vor allem Stress und Ärger können einen Reizdarm auslösen oder verstärken. Wissenschaftler erklären sich dies durch eine Signalschleife. Denn das Kopfhirn sendet bei seelischem Druck Botenstoffe an den Bauch, der daraufhin vermehrt Abwehrreaktionen durchführt und seinerseits Alarmsignale in den Kopf sendet. Hieraus kann sich durch Dauerangst eine chronische Erkrankung ergeben.

Häufig treten Reizdarm und Depressionen gemeinsam auf, und auch das Volumen einer bestimmten Hirnregion kann sowohl bei depressiven Personen als auch bei Reizdarm-Patienten verringert sein.

Daraus schließen die Wissenschaftler einen engen Zusammenhang zwischen Gefühlen und dem Bauchhirn. Vor allem Emotionen und unbewusste Handlungen, die oft nicht mit Logik zu erklären sind, werden daher auf die Wechselwirkung zwischen ENS und Gehirn zurückgeführt.

Aus dieser Erkenntnis lassen sich möglicherweise in den nächsten Jahren viele neue Behandlungsmethoden und Therapiemaßnahmen in der Schulmedizin ableiten.

Wahrscheinlich werden diese dann wieder als "Durchbruch" gewertet... - obwohl in der Naturheilkunde dieser Effekt und Zusammenhang bereits lange bekannt ist. Denken Sie also ruhig auch mit dem Bauch - und lassen Sie Ihr Bauchgefühl mit entscheiden.

 

 

 

Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker