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Ist Fasten gefährlich weil Körpereiweiß verbraucht wird?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Gegenüber dem Fasten oder Heilfasten existieren viele Vorurteile. Ein Komplex betrifft die Frage des Zusammenhangs von Fasten und Eiweiß: Polemiken gehen u.a. davon aus, dass Fasten gefährlich sei, weil Körpereiweiß verbraucht wird.

Diese Frage kann aber aus medizinischer Sicht ganz objektiv angegangen werden.

Zunächst sollte man wissen, dass das modifizierte Heilfasten (u.a. das Buchinger Heilfasten oder Fasten nach Heilpraktiker Gräber) nichts mit sogenannten Nulldiäten zu tun hat.

Richtig ist zwar, dass während des Fastens der Organismus auf die Eiweißreserven des Körpers zurückgreifen muss, aber das ist auch ein Effekt der in bestimmten Bereichen wünschenswert ist, so wie ich das in meinem Beitrag: Die Bedeutung der Entschlackung darstelle.

Denn: Der Eiweißverbrauch und Eiweißabbau im Körper ist auch durchaus erwünscht!

Kritiker gehen immer davon aus, dass die Eiweiße "nur" aus der Muskulatur abgebaut werden - was natürlich nicht erwünscht ist. Bei den meisten Diäten ist dies immer Fall, weswegen ja auch der Jo-Jo-Effekt auftritt.

Beim Fasten sieht es noch ganz anders aus: hier werden zwar auch Eiweiße abgebaut, aber durch den Fastenstoffwechsel werden nicht nur die Eiweiße der Meuskulatur herangezogen, sondern vor allem auch die funktionsuntüchtigen Eiweißreste und Komplexe, die zum Beispiel im Bindegewebe abgelagert sind (Orangenhaut!)

So werden Eiweiße mit zu vielen Zuckerresten langsam abgebaut, die den Stoffwechsel stark behindern können. Doch das ist ja genau einer der Effekte, die das Fasten so wertvoll machten.

Vor allem sollen werden während der Fastenzeit keine neuen Komplexe gebildet werden. Dadurch können im Bindegewebe eingelagerte Mineralien und durch die bessere Sauerstoffzufuhr in den Zellen abgelagerte Stoffwechselendprodukte freigesetzt werden. Dieser Effekt wird im Volksmund als Entschlackung bezeichnet - ein Begriff über den sich zahlreiche Ernährungsexperten und Mediziner lustig machen, leider ohne die physiologischen Prozesse des Fastens genau zu kennen.

Dennoch bleibt einer der Hauptkritikpunkt von Fastengegnern die Behauptung, dass beim Fasten so viel Eiweiß verloren ginge, dass daraus sogar lebensbedrohliche Situationen entstehen könnten.

So lässt sich bei der deutschen Wikipedia nachlesen:

"Pro Tag verlieren Fastende im Durchschnitt etwa 400 Gramm Gewicht, am Anfang allerdings vor allem Eiweiß und damit Muskelsubstanz, sofern kein Eiweiß zugeführt wird. Bei einer kurzen Fastendauer kann dieser Verlust allerdings in kurzer Zeit wieder ausgeglichen werden. Mehrwöchiges Fasten kann jedoch auch den Herzmuskel angreifen." (Stand: Oktober 2014)

Solche Einschätzungen erzeugen Ängste vor irreparablen Nebenwirkungen, wie einer möglichen Herzmuskel-Schädigung, die den zu erwartenden Nutzen bei weitem übersteigen würden.

Da erwähnen die Protagonisten solcher Behauptungen noch nicht einmal Studien oder zum Beispiel Untersuchungen, wie sich zum Beispiel verschiedene Eiweißfraktionen während des Fastens verhalten (wie in folgender Abbildung zu sehen):

Blut-Eiweiß-Spiegel während des Fastens
Abb.1: Bluteiweißkörper während des Fastens, nach: Jungmann, Verlaufsbeobachtungen bei Fastenkuren.

Es bleibt aber noch die Frage, was von wissenschaftlicher Seite zu vermelden ist, wenn es um die Frage geht, ob Fasten möglicherweise die Muskulatur "auflöst" und sogar das Herz in eine mögliche Insuffizienz treibt.

Betrachten wir einmal einige Studien dazu:

  • Steiniger et al.: „Effects of fasting and endurance training on energy metabolism and physical fitness in obese patients“
    Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Buch, Franz-Volhard-Centrum für Klinische Forschung am Experimental and Clinical Research Center, Berlin, Deutschland; Forsch. Komplementmed. 2009 Dec;16(6):383-90.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20090351 

Therapeutisches Fasten nach Buchinger besteht aus einer Diät mit einer Kalorienzufuhr von weniger als 500 Kcal pro Tag. Sie wird zur Reduktion des Körpergewichts eingesetzt und um kardiologische und metabolische Komplikationen bei übergewichtigen Patienten zu behandeln. In diesem Zusammenhang gibt es einige Fallbeispiele, die von einem angeblichen ernsthaften Proteinverlust unter der Fastenkur berichten. Allerdings gibt es dazu keine zuverlässigen Daten. Von daher gingen die Autoren der Frage nach, ob das Buchinger Fasten verbunden ist mit einem ernstzunehmenden Verlust an Eiweißen und ob dieser Verlust durch ein gleichzeitiges Ausdauertraining verstärkt wird, mit der Folge von kardialen Problemen.
Zu diesem Zweck setzten die Autoren ein therapeutisches Konzept ein, dass sie „komplexe Rekonditionierung von übergewichtigen Patienten“ bezeichnen. Es handelt sich hier um eine Kombination von Fasten nach Buchinger und einem Ausdauertraining für übergewichtige Patienten. Die Behandlungsdauer betrug 28 Tage. Untersucht wurden Parameter des Energie-, Kohlenhydrat-, Lipid- und Proteinstoffwechsels in verschiedenen Untergruppen mit und ohne Ausdauertraining.

Als Resultat sahen die Autoren, dass unter einem zusätzlichen Ausdauertraining ein größerer Verlust an Körpermasse zu verzeichnen war als unter Fasten alleine (12,2 kg gegen 10,4 kg). Das Gleiche galt für den Fettanteil, der in der Gruppe mit Ausdauertraining durchschnittlich 8,1 kg abnahm gegenüber 5,9 kg in der Fastengruppe.

Des Weiteren sahen die Autoren eine Verbesserung der Fettverbrennung und körperlichen Leistungsfähigkeit, sowie eine Abnahme der Stoffwechselrate pro Kilogramm fettfreier Masse in der Trainingsgruppe. In der Fastengruppe ohne Training zeigte sich nach 28 Tagen ein durchschnittlicher totaler Proteinverlust von 1000 Gramm bei den Männern und 650 Gramm bei den Frauen. In der Trainingsgruppe war der Proteinverlust bei den Männern nur um 130 Gramm erhöht.

Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass ein gleichzeitiges Ausdauertraining eine wichtige, sichere und notwendige Komponente für eine 28-tägige Fastentherapie nach Buchinger ist.

  • Soeters et al.: "Intermittent fasting does not affect whole-body glucose, lipid, or protein metabolism"
    Department of Endocrinology and Metabolism, University of Amsterdam, Netherlands.
    Am J Clin Nutr. 2009 Nov;90(5):1244-51.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19776143 

Intermittierendes Fasten (IF) ist bekannt dafür, dass es die Ansprechbarkeit von Insulin heraufsetzen kann. Es ist aber nicht gesichert, ob IF selektiv den sich auf ein Fasten einstellenden Stoffwechsel beeinflussen kann. Eine solche Selektivität wäre von Vorteil für die Anpassung an Zeiten mit Nahrungsüberfluss und -mangel.

Von daher versuchten die Autoren festzustellen, ob Intermittierendes Fasten einen Einfluss ausübt auf den Stoffwechsel in der Übergangsphase und den Energiebedarf bzw. -verbrauch. Zu diesem Zweck wurden bei 8 schlanken, gesunden Probanden die Raten von Glucose, Glycerin und Valin nach einer 2-wöchigen Phase Intermittierenden Fastens und einer 2-wöchigen Phase mit normaler Diät gemessen.

Das Studiendesign war „coss-over“, d.h., dass die IF-Gruppe später auch unter normaler Diät (ND) beurteilt wurde und die Gruppe mit normaler Diät anschließend eine IF-Phase durchlief.

Außerdem wurden Messungen zu Beginn der Studie durchgeführt und beim Übergang zur euglykämischen (normale Ernährung mit üblicher Kalorienzahl) Ernährungsphase. Des Weiteren wurden gemessen: Energiebedarf, Phosphorylierung der Muskel Proteinkinase B (AKT), der Glycogen Synthase Kinase (GSK) und von mTOR (mammalian Target of Rampamycin). Die Autoren vermuteten, dass ein IF selektiv die periphere Aufnahme von Glucose erhöht und die Proteolyse (Abbau von Proteinen) herabsetzt. Dadurch kommt es beim IF zu einem Schutz der Proteinspeicher.

Es gab keine Unterschiede im Körpergewicht zwischen den IF-Gruppen und den ND-Gruppen. Die periphere Glukoseaufnahme und die hepatische Insulinempfindlichkeit während der einzelnen Phasen zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den IF- und ND-Gruppen. Das Gleiche galt auch für die Lipolyse und Proteolyse. Das IF jedoch verringerte den Energiebedarf unter Ruhebedingungen. IF hatte keinen Effekt auf die Phosphorylierung von AKT, aber erhöhte signifikant die Phosphorylierung der GSK. Die Phosphorylierung von mTOR war signifikant geringer nach der IF-Phase als nach der SD-Phase.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass IF nicht den ganzen Glycose-, Lipid- und Proteinstoffwechsel in gesunden Männern beeinflusst, trotz der Veränderungen in der Muskelphosphorylierung von GSK und mTOR (die aber gegenläufig waren). Die Abnahme des Energiebedarfs in Ruhe nach IF bedeutet eine mögliche Erhöhung des Körpergewichts während eines IF, falls die Kalorienzahl nicht angepasst wird.

  • Villareal et al.: „Effect of Weight Loss on the Rate of Muscle Protein Synthesis During Fasted and Fed Conditions in Obese Older Adults“
    Center for Human Nutrition, Division of Geriatrics and Nutritional Science, Department of Medicine, Washington University School of Medicine, St Louis, Missouri, USA
    Obesity (Silver Spring). 2011 Sep 22. doi: 10.1038/oby.2011.280.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21938075 

Die Autoren bemerken Eingangs ihrer Veröffentlichung, dass Gewichtsverlust eine ganze Reihe von Stoffwechselanomalien beseitigen kann, vor allem im Zusammenhang mit Übergewicht.

Auf der anderen Seite herrscht aber immer noch eine gewisse Zurückhaltung, eine gewichtsreduzierende Maßnahme übergewichtigen, älteren Personen zu verschreiben. Dies begründet sich auf der Furcht, dass eine Kalorienrestriktion bei diesen Personen möglicherweise zu einem verheerenden Verlust an Muskelmasse führt, der wiederum zu physischen Problemen führt.

In dieser Veröffentlichung geht es also darum, zu beurteilen, welche Mechanismen für mögliche Veränderungen in der Muskelmasse bei einem „Abnehmprogramm“ verantwortlich zu machen sind.

Die Autoren maßen dazu die Rate der Muskelproteinsynthese unter nüchternen Bedingungen, nach der Mahlzeit und bei Mahlzeiten mit verschiedenen Nahrungsmitteln bei 8 älteren Personen. Diese Messungen wurden:

  1. vor Beginn der Abnehmtherapie durchgeführt
  2. Drei Monate nach Beginn der Therapie, also während der aktiven Phase der Gewichtsreduktion, als die Personen ca. sieben Prozent ihres Ursprungsgewichts verloren hatten und
  3. nachdem sie etwa 10 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten und das neue Gewicht für mindestens 6 Monate (also 12 Monate nach Beginn der Abnehmtherapie) beibehalten hatten.

Das Ergebnis: Die grundlegende Muskelproteinsyntheserate war durch die Kalorienrestriktion nicht beeinflusst worden. Mahlzeiten mit verschiedenen Nahrungsmitteln stimulierten sogar die Syntheserate.

Die anabolische Antwort, d.h. der Anstieg der Proteinsyntheserate über den Basalwert, war größer unter einer negativen Energiebilanz als zu dem Zeitpunkt, wo das Körpergewicht konstant gehalten worden war, also vor und 12 Monate nach der Abnahmetherapie. Die Autoren vermuten daher, dass beim Gewichtsverlust durch Kalorienrestriktion bei diesen älteren Probanden die Muskelproteinsynthese nicht negativ beeinflusst wird. Falls Verluste auftreten, dann liegt der Grund vermutlich in negativen Effekten seitens einer verstärkten Proteolyse.

Aber hier hatte die vorhergehende Studie aus Amsterdam schon gezeigt, dass der Proteinstoffwechsel unter einer Kalorienrestriktion keine signifikanten Veränderungen durchläuft.

Fazit

Leider sind die hier zitierten Studien mit nur sehr wenigen Probanden oder Patienten durchgeführt worden. Auf der anderen Seite muss man aber bedenken, dass hier auch weniger statistische Korrelationen erhoben wurden, die ein großes Kollektiv an Patienten erfordern, um aussagekräftig zu sein.

Von daher sind die hier gewonnenen biochemischen Parameter Hinweis auf biologische Mechanismen, die bei allen Menschen unter Kalorienrestriktion tätig werden. Für die Proteine und ihren Stoffwechsel scheint es so auszusehen, dass unter einer Kalorienrestriktion weder deren Abbau so signifikant verstärkt ist, noch deren Synthese stark genug eingeschränkt ist, dass es zu verheerenden, nicht ersetzbaren Verlusten käme. Ich selbst habe auch so etwas in all den Jahren weder bei den Patienten, noch in den Fastenkursen gesehen.

Sollten solche Fälle aufgetreten sein, dann liegt die Vermutung nahe, dass andere Mechanismen zu einem signifikanten Muskelschwund geführt haben. Nicht zuletzt sind bestimmte Medikationen "berühmt" für solche Nebenwirkungen, z.B. die nicht selten eingesetzten Cholesterinsenker (Statine) und das Auftreten von Rhabdomyolyse.

Damit ist das Kapitel „Fasten und Muskelschwund bzw. Proteinverlust“ ein weiteres Kapitel für die Schulmedizin, wo diese sich in Vermutungen ergeht und diese umgehend zur medizinischen „Wahrheit“ umgestaltet.

Wissenschaftliche Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen Muskelschwund und Fasten gibt es nicht. Proteinverluste sind nicht so ausgeprägt, dass es zu pathologischen Erscheinungen kommt.

Die Erfahrung der zahlreicher Fastenkliniken und Fastentherapeuten zeigen klar auf: therapeutisches Fasten kann als sicher eingeschätzt werden. Meiner Erfahrung nach hat ein richtig durchgeführtes und unterstütztes Fasten enorme Vorteile, denen auch ich einen großen Teil meiner Gesundheit verdanke.

Wenn Sie sich für Heilfasten interessieren, können Sie erst einmal unverbindlich und kostenlos folgende e-mail Serie anfordern:

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.7.2016 aktualisiert