Geschichte des Heilfastens
Medizinisches Fasten im Mittelalter
Das medizinische Wissen und die Ausbildung wurden im christlichen Abendland vorwiegend durch die römischen,
griechischen und arabischen Schulen geprägt. Einen großen Verdienst daran hatte unter anderem auch Benedikt von
Nursia (480 - 547). Er gründete 529 in Monte Cassino den Benediktinerorden. Die Mönche boten in den Klöstern auch
Heilbehandlung nach Traditionen der Antike an und retteten so das medizinische Wissen für das christliche
Abendland. Aurelius Cassiodorus (480-573), ein ehemaliger Privatsekretär von Theoderichs dem Großen, trat ebenfalls
in den Benediktinerorden ein und empfahl unter anderem, das die Werke von Hippokrates zu studieren.
Die Schule von Salerno
Die eigentliche medizinische Ausbildung begann mit der Gründung der Universität in Salerno im 9. Jahrhundert n.
Chr. Sie war die bedeutendste mittelalterliche medizinische Lehr- und Forschungsanstalt und begründete ihr Wissen
vor allem auf die in Süditalien noch vorhandene griechische, lateinische und arabische Kultur. Während ihrer
Blütezeit im 10. bis 13. Jahrhundert wurde Salerno auch der Beiname "Stadt des Hippokrates" gegeben.
Die bedeutendste Veröffentlichung der Schule war eine Sammlung von lateinischen Merkversen zum Thema Fasten und
Hygiene mit dem Titel "Regimen sanitatis salernitatum". Darin ging es vor allem um die Bedeutung des Fastens zur
Behandlung von Krankheiten. Die Verse sind unter anderem nachzulesen im Buch "Das Heilfasten und seine
Hilfsmethoden" von Otto Buchinger (dem Erfinder des Buchinger Fastens). Erschienen ist das Buch im Hippokrates
Verlag Stuttgart.
Des Weiteren wurde von der Schule eine Abhandlung "Über Speisen und Getränke der Fiebernden" herausgegeben.
Geschrieben wurde die Abhandlung von Pietro Musandinus. Vom Autor Hans Wiswe erschien hierzu das Buch
"Kulturgeschichte des Kochens", erschienen 1970 im Münchner Heinz Moos Verlag. In gleicher Tradition verfasste der
britische Arzt Roger Bacon (1214-1291) seine Schrift "De retarndandis senectutis accitentibus" ("Über die Mittel
die Beschwerden des Greisenalters hinauszuzögern"). Er beschrieb darin die Notwendigkeit, alle 2-3 Jahre zur
Reinigung und Selbsterneuerung des Körpers eine Diät zu machen, um eine Ausdörrung und Zersetzung des Körpers im
Alter zu verhindern.
Die Medizinschule von Montpellier
Neben der Schule von Salerno entstand im 9. Jahrhundert n.Chr. auch in Montpellier eine bedeutende
Medizinschule. Diese hatte ihren Ursprung in einer spanischen Rabbinerschule. Hier verfasste Bernhard von Gordon
(1260-1318) eine Schrift, in der er unter anderem dazu riet, sich "mit Speis und Trank zu mäßigen" und "schlummern
nachmittags zu meiden". Mit den Publikationen von Bernhard von Gordon befasst sich auch das Buch "The history of
the publication of Bernhard v. Gordons" geschrieben 1965 von YV O'Neille.
Der bedeutendste Arzt, der je in Montpellier gelehrt hat, war der Anatom und Chirurg Guy de Chauliac. Er war
einer bekanntesten Ärzte seiner Zeit und setzte als Erster Hungerkuren zur Vorbereitung auf Operationen ein. Hierzu
ist das Buch "Illustrierte Geschichte der Medizin" zu empfehlen, indem unter anderem auch auf die Methoden von Guy
de Chauliac eingegangen wird. Ein weiterer Verfechter des Fastens, der in Montpellier lehrte, war Astruc aus
Montpellier (1684-1766). Er propagierte unter anderem, dass Fasten sich gut zur Entfettung eignen würde.
Weitere Werke zum Fasten aus dem Mittelalter
Eine umfangreiche Schrift über das Fasten schrieb 1425 der Kleriker Heinrich Lauffenberg. Er fasste darin das
gesamte Wissen über den Nutzen von Diäten der damaligen Zeit zusammen. Es enthält eine Vielzahl von Informationen
zur Ernährung, vom Säugling bis ins hohe Alter. Das Buch erschien mit dem Titel "Ein nützliches Büchlein von der
Speis der Menschen". Es ist mit einer großen Anzahl von Holzstichen versehen und war aufgrund der damals erfundenen
Kunst des Buchdruckens das erste Buch, das in einer breiten Verwendung als Diätlehrbuch genutzt wurde.
Ein weiteres sehr bekanntes Buch ist das "Kräuterbuch "des Hieronymus Bock (1498-1554). Das Buch ist erst nach
dem Tode des Autors erschienen und trug den Beinamen "Tragus". Aus dem Buch stammt unter anderem der Spruch:
"Allerlei Krankheiten entstehen aus unzeitigem Essen und Trinken; davon bekommen die Ärzte den besten Nutzen".
In den genannten Werken wurde die Fastenpraxis des Hippokrates und Galen sehr unkritisch und fast schon
dogmatisch eingesetzt. Dies rief schon bald die ersten Kritiker auf den Plan. Einer der ersten Kritiker des Fastens
war der Humanist Francesco Petrarca. Er kritisierte vor allem den Einfluss, den Ärzte mit Diäten auch auf Gesunde
nahmen. Seiner Meinung nach war das Fasten nichts Gutes für Kranke und schon gar nichts für Gesunde.
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