Autoimmunhepatitis
Autoimmunhepatitis - Verständlich ErklärtDie Autoimmunhepatitis, auch
AIH genannt, wird durch einen Fehler in der Regulation des körpereigenen Abwehrsystems
verursacht. Im Gegensatz zu den Hepatitis - Arten A, B und C sind also nicht Viren die Auslöser dieser
Leberentzündung, sondern das eigene Immunsystem greift die Leberzellen an. Folgen
einer Autoimmunhepatitis können ein akutes Leberversagen oder eine Chronifizierung zur Leberzirrhose sein. Die Autoimmunhepatitis betrifft hauptsächlich Frauen (zu ca.
80%) und tritt oft im mittleren Alter auf; es sind jedoch auch Fälle bekannt, in denen die Erkrankung im
Kindesalter beginnt. Sowohl die Inkubationszeit als auch die Verbreitung ist bisher wenig erforscht. Man geht
bei der Verbreitung davon aus, dass in Westeuropa ca. 0,002% bis 0,17% der Bevölkerung an AHI erkrankt sind.
Ätiologie
Bis heute ist die Ursache der Autoimmunhepatitis noch nicht eindeutig geklärt. Neben einer genetischen
Vorveranlagung werden Umwelteinflüsse (Toxine oder Medikamente) oder vorausgegangene Virus- oder bakterielle
Infektionen als ursächlich für den Ausbruch der bis dato schlummernden Erkrankung benannt. Im Verlauf der Genese
der Autoimmunhepatitis entsteht ein Toleranzverlust des eigenen Immunsystems gegen das Lebergewebe; die
T-Lymphozyten werden angeregt, die eigenen Leberzellen anzugreifen und zu zerstören, da diese für Fremdkörper
gehalten werden.
Im Gegensatz zu den durch Viren ausgelösten Hepatitisformen ist die Autoimmunhepatitis nicht ansteckend.
Symptome
Die Autoimmunhepatitis löst keine eindeutigen Symptome aus; meist verläuft die Erkrankung sogar symptomfrei.
Hinweise auf eine Erkrankung an einer Autoimmunhepatitis können Müdigkeit, die Minderung der Leistungsfähigkeit,
Übelkeit und ein leichter Ikterus sein. Manche Patienten klagen über grippeähnliche Symptome oder Schmerzen im
rechten Oberbauch. Ein heller Stuhl und / oder dunkler Urin und unklarer Anstieg der Körpertemperatur können
ebenfalls durch eine Autoimmunhepatitis bedingt sein. Die Anzeichen der Krankheit können sehr diskret und kaum
wahrnehmbar sein; es kann sich aber auch eine sehr schnell voranschreitende Hepatitis bis zum Leberversagen
entwickeln. Ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Patienten leiden unter Begleiterkrankungen wie beispielsweise
der rheumatoiden Arthritis, der Vitiligo (Weißfleckenkrankheit), Autoimmunthyreoiditis (Entzündung der Schilddrüse)
oder einer Colitis ulcerosa (Entzündung des Dickdarms).
Diagnostik
Um eine Autoimmunhepatitis diagnostizieren zu können, muss zunächst eine Hepatitis, hervorgerufen durch Viren,
ausgeschlossen werden. Hierzu werden laborchemische Verfahren angewandt; bei diesen kann auch gleich eine Erhöhung
der Immunglobuline und Transaminasen überprüft werden; sind diese Werte erhöht, ist dies ein wichtiges Indiz dafür,
dass der Körper Antikörper gegen das eigene Lebergewebe bildet. Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunhepatitis,
wird zur Absicherung der Diagnose unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe aus der Leber entnommen, die dann
feingeweblich untersucht wird.
Ist die Diagnose sicher, muss umgehend mit der Therapie begonnen werden, da sonst ggf. eine lebensbedrohliche
Situation (Leberversagen oder Leberzirrhose) eintreten kann.
Therapie
Um eine Autoimmunhepatitis zu therapieren, werden zunächst meist Immunsuppressiva (Cortisonpräparate)
verschrieben. Diese dämpfen die Funktion des Immunsystems, so dass die autoaggressiven Angriffe gegen das
Lebergewebe reduziert werden. Ohne die Gabe dieser Medikamente verläuft die Erkrankung in der Regel tödlich.
Zunächst werden die Medikamente in höheren Dosen verschrieben und dann unter ständiger ärztlicher Kontrolle auf die
Erhaltungsdosis reduziert. In der Regel dauert die Behandlung mindestens zwei Jahre, wobei die Blutwerte immer
wieder kontrolliert werden müssen. Bei ungefähr 13% der Patienten mit einer Autoimmunhepatitis spricht die
medikamentöse Therapie nicht an. Bei diesen muss ggf. eine Lebertransplantation vorgenommen werden.
Bisher wurde keine Behandlungsmöglichkeit mit alternativer Medizin gefunden.
Prognose
Wird die Autoimmunhepatitis rechtzeitig erkannt, ist die Therapie mit Immunsuppressiva meist erfolgreich. Die
Heilungschancen sind sehr gut und die Lebenserwartung entspricht der eines Nichterkrankten. Unbehandelt wird sich
jedoch schnell eine Leberzirrhose entwickeln und die Lebenserwartung sinkt rapide.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert
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