..

Der Brasilianische Mandelegerling (Agaricus blazei Murrill)

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber.

René Gräber

Eigentlich heißt der Pilz wissenschaftlich gesehen ganz anders. Die Mykologen und Botaniker nennen ihn Agaricus subrufescens Peck. Aber selbst in der nicht-mykologischen und nicht-botanischen wissenschaftlichen Literatur hat sich das „ blazei Murrill“ für den Agaricus durchgesetzt und wird fleißig genutzt. Aber Dank der DNA-Sequenzierung wurde 2005 festgestellt, dass die Arten Agaricus brasiliensis – dieser Name taucht auch oft in der wissenschaftlichen Literatur auf – Agaricus blazei Murrill und Agaricus subrufescens Peck keine verschiedenen, sondern identische Arten sind.

Da der Pilz erstmalig 1893 unter dem letztgenannten Namen beschrieben worden ist, gelten natürlich die älteren Namensrechte. Da aber Namen Schall und Rauch sind, wird eine Namensänderung glücklicherweise nichts an den Qualitäten dieses Pilzes ändern können. Obwohl er im deutschen Namen das „Brasilianisch“ führt, ist er nicht sonderlich brasilianisch. Dort kommt er zwar auch vor, aber er ist auch in Kalifornien, Hawaii, Großbritannien, den Niederlanden, Israel, Taiwan und den Philippinen zu finden. Seinen deutschen Namen hat er aufgrund seines mandelartigen Geruchs erhalten.

Wenn man unter dem Stichwort „Agaricus“ nach wissenschaftlichen Arbeiten in PubMed fahndet, dann erhält man eine Flut von Arbeiten, nämlich weit über 1000 Publikationen. Die alle hier zu präsentieren würde den Rahmen des Erträglichen sprengen. Von daher habe ich einmal versucht, einen repräsentativen Einblick in die Erforschung dieses Pilzes unter medizinischen Aspekten zu gestalten.

Krebserkrankungen sind das „Paradepferd“ der medizinischen Pilzforschung. Denn kaum ein anderes „Gewächs“ als die Pilze hat so viele verschiedene biologische und biochemische Anti-Krebs-Aktivitäten gezeigt wie die medizinischen Pilze. Die Palette krebsbekämpfender Aktivitäten beinhaltet direkte und indirekte Mechanismen. Indirekte Mechanismen bestehen z.B. in der Stärkung des Immunsystems, das mit ein Hauptverantwortlicher ist in der Unterdrückung von malignen Zellen. Die überwiegende Zahl der Krebserkrankungen kann direkt auf eine Fehlfunktion des Immunsystems zurückgeführt werden. Direkte Eingriffe der Pilze bestehen in der Unterbrechung der Ausbildung der Blutzufuhr (Angiogenese) zu den malignen Zellen, in direkt zytotoxischen Effekten (meist von Betaglucanen ausgehend) und in der Auslösung der Apoptose bei malignen Zellen. Medizinische Pilze sind in der Regel ein biochemisches Lager bestehend aus mehreren Hundert biochemischen und biologisch aktiven Substanzen. Getreu der Devise „es führen viele Wege nach Rom“ scheint auch die Natur mehrere Wege zu beschreiten, um die Gesundheit von Mensch und Tier zu gewährleisten. Die Monotherapie ist eine Erfindung des Menschen.

Einfluss von Agaricus auf Krebserkrankungen

Gonzaga et al.
„In vivo growth-inhibition of Sarcoma 180 by an alpha-(1-->4)-glucan-beta-(1-->6)-glucan-protein complex polysaccharide obtained from Agaricus blazei Murill“
Department of Organic and Inorganic Chemistry, Federal University of Ceará, Fortaleza, Ceará, Brazil.
J Nat Med. 2009 Jan;63(1):32-40. Epub 2008 Aug 23.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18726068

Die Autoren berichten: Agaricus ist ein einheimischer Pilz in Brasilien. Er wird in weiten Teilen der Welt wegen seines krebsbekämpfenden Potentials eingesetzt. Dieser Effekt wird üblicherweise auf seine in ihm enthaltenen Polysaccharide zurückgeführt.  Die genaue Struktur dieser Polysaccharide indes ist bislang noch nicht untersucht worden. Um ein besseres Verständnis von dem Zusammenspiel zwischen Polysaccharidstrukturen und den Anti-Tumor-Aktivitäten zu bekommen, haben die Forscher einen Polysaccharid-Komplex (alpha-(1-->4)-glucan-beta-(1-->6)-glucan-protein complex polysaccharide) von Agaricus untersucht, der direkt in den Bauchraum von Mäusen oder oral appliziert wurde. Die beiden Applikationen wurden durchgeführt mit und ohne einer zusätzlichen Gabe von 5-Fluoruracil (5-FU), einem Zytostatikum. Patienten waren Mäuse, die ein künstlich erzeugtes Sarkom (Weichteiltumor) hatten. Die Forscher führten hämatologische, biochemische und histopathologische (Untersuchung des Gewebes) Untersuchungen durch, um die toxologischen Aspekte einer Polysaccharid-Behandlung zu erfassen. Die Polysaccharide hatten nämlich keine direkte zellgiftige (zytotoxische) Wirkung auf die Zellen in vitro gezeigt. Jedoch in vivo zeigten die Polysaccharide einen starken Antitumor-Effekt. Von daher lässt sich vermuten, dass der wachstumshemmende Effekt auf den Tumor ein Mechanismus ist, der von den Zellen des Organismus ausgeht. Die Gewebeanalyse ergab, dass Leber und Nieren von der Polysaccharid-Behandlung nicht beeinflusst wurden. Keine der enzymatischen Aktivitäten, wie AST und ALT, oder die Harnwerte waren sichtlich verändert. Die hämatologische Analyse ergab eine Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) nach der Behandlung mit 5-FU. Dieser negative Effekt jedoch wurde unterdrückt, erfolgte eine gleichzeitige Behandlung mit den Polysacchariden.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass die Wirkungen des Agaricus-Polysaccharids den ethnopharmakologischen Gebrauch des Pilzes bei der Behandlung von Krebs begründen.

Unter Ethnopharmakologie wird die Wissenschaft der traditionellen Pharmakologie von Völkern verstanden. Die brasilianischen Autoren beziehen sich primär auf den traditionellen Einsatz „ihres“ Heilpilzes bei Krebserkrankungen in ihrem Heimatland.

Fortes et al.
„Immunological, hematological, and glycemia effects of dietary supplementation with Agaricus sylvaticus on patients' colorectal cancer“
Human Nutrition, Science and Education School, University of Brasilia.
Exp Biol Med (Maywood). 2009 Jan;234(1):53-62.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18997106

Ziel dieser Studie war, die hämatologischen, immunologischen und glykämischen Effekte von Agaricus bei postoperativen Patienten mit kolorektalem Krebsleiden zu beurteilen. Der hier verwendete Name Agaricus sylvaticus ist eine weitere Bezeichnung für ABM, obwohl unter Mykologen auch Zweifel an der Identität geäußert werden. Für die Wirksamkeit und Bedeutung in der alternativen Medizin scheinen diese Unterschiede, falls sie gegeben sind, keine praktische Bedeutung zu spielen.

Bei dieser randomisierten, doppelblinden, Plazebo kontrollierten Studie wurden im General Hospital of Brazil für die Dauer von 6 Monaten 32 Frauen und 24 Männer mit kolorektalem Krebs, Stadium I, II und III, beobachtet. Jedes Mitglied der Verumgruppe erhielt Agaricus 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten ein entsprechendes Plazebo. Für jeden Probanden wurden für die Dauer des Beobachtungszeitraums ein Blutbild, Serumeisen und Nüchternblutzucker bestimmt. Die Probanden wurden aufgeteilt in Abhängigkeit von ihrem BMI, Geschlecht und Krebsstadium.

Am Ende des Beobachtungszeitraums von 6 Monaten zeigte die Verumgruppe signifikante Zunahmen von Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozyten, durchschnittlichem Zellvolumen, durchschnittlichem Zellhämoglobin und seinen Konzentrationen und Neutrophilen. Die Thrombozytenzahl war deutlich gesunken, lag aber noch im Normbereich. Die Plazebogruppe indes zeigte keine Veränderungen der Parameter. Die Blutzuckerwerte sanken in der Verumgruppe von 96 mg/dl auf 93 mg/dl, während die der Plazebogruppe von 94 mg/dl auf 99 mg/dl anstiegen.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Gabe von Agaricus bei diesem Patientenkollektiv mit kolorektalem Krebsleiden signifikant positive Effekte bezüglich hämatologischer und immunologischer Parameter zeigte. Zudem wurden die Blutzuckerwerte in der Verumgruppe verbessert.

Niu et a.
A low molecular weight polysaccharide isolated from Agaricus blazei suppresses tumor growth and angiogenesis in vivo.
Institute of Medicine, Qiqihar Medical College, Heilongjiang, PR China.
Oncol Rep. 2009 Jan;21(1):145-52.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19082455

In früheren Studien wurde schon beobachtet, dass niedermolekulare Polysaccharid-Extrakte von Agaricus tumorbekämpfendes Potential gezeigt und sich in der Therapie von Tumoren bewährt hatten. In dieser Arbeit wurde die Anti-Tumor-Aktivität von LMPAB, einem solchen niedermolekularen Polysaccharid von Agaricus, gemessen. Darüber hinaus wurde versucht, den molekularen Mechanismus der Anti-Tumor-Aktivität zu bestimmen.
Der Anti-Tumor-Effekt von LMPAB wurde mittels eines Sarkomas untersucht, welches auf Mäuse transplantiert worden war. Der anti-angiogene (Hemmung der Blutgefäßbildung) Effekt wurde an Hühnerembryos gemessen. Gemessen wurden zudem VEGF (vascular endothelial growth factor), ein Wachstumsfaktor für die Blutgefäßbildung.

Nach Gabe von LMPAB in Dosen von 50, 100 und 200 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für die Dauer von 2 Wochen zeigte sich eine Inhibitionsrate des Tumors von 9,7, 23,9 und 33 Prozent jeweils. LMPAB inhibierte ebenso die Angiogenese im Hühnerembryo-Modell. Die Konzentrationen von VEGF waren deutlich vermindert im Vergleich zu Mäusen ohne Polysaccharid-Behandlung. Diese Verringerung von VEGF wurde im Gewebe als auch im Serum beobachtet.

Diese Daten ließen die Autoren vermuten, dass LMPAB ein vielversprechender Kandidat für die Tumortherapie ist. Sie vermuten weiterhin, dass das Tumorwachstum und die Ausbildung der Blutversorgung eines Tumors eng mit der Anwesenheit von VEGF verbunden sind.

Ahn et al.
„Natural killer cell activity and quality of life were improved by consumption of a mushroom extract, Agaricus blazei Murill Kyowa, in gynecological cancer patients undergoing chemotherapy“
Department of Obstetrics and Gynecology, College of Medicine, The Catholic University of Korea, Seoul, South Korea.
Int J Gynecol Cancer. 2004 Jul-Aug;14(4):589-94.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15304151

Diese Arbeit untersucht mögliche nützliche Effekte von ABM auf den Immunstatus und die Lebensqualität bei Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen. 100 Patienten mit verschiedenen Krebsformen (Zervix, Eierstöcke, Uterus) wurden entweder mit Carboplatin plus VP16 (Eposoid) oder mit Carboplatin plus Paclitaxel (alles Zytostatika) alle 3 Wochen für mindestens 3 Zyklen behandelt. Ein Teil der Patienten bekam oral zusätzlich ABM-Extrakt, der andere Plazebo.

Die Autoren beobachteten, dass in der ABM-Gruppe die Aktivitäten der natürlichen Killerzellen signifikant höher waren im Vergleich zur Plazebogruppe. Allerdings wurden keine signifikanten Unterschiede bei den lymphokin-aktivierten Killerzell- und Monozyten Aktivitäten beobachtet (Lymphokine sind von Lymphozyten produzierte Zytokine = Botenstoffe). Jedoch waren die sonst üblichen und typischen Nebenwirkungen, die bei einer Chemotherapie auftreten, wie Haarausfall, Übelkeit, Appetitlosigkeit, emotionale Schwankungen, allgemeine Schwächegefühle usw. in der Verumgruppe signifikant geringer. Alles in allem leiteten die Autoren aus ihren Beobachtungen ab, dass ABM eine nützliche Zusatzmedikation für gynäkologische Krebspatienten bei Chemotherapie darstellt.

Itoh et al.
„Blazein of a new steroid isolated from Agaricus blazei Murrill (himematsutake) induces cell death and morphological change indicative of apoptotic chromatin condensation in human lung cancer LU99 and stomach cancer KATO III cells“
Faculty of Bioresources, Mie University, Japan.
Oncol Rep. 2008 Dec;20(6):1359-61.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19020714

Diese Arbeit beschreibt die Entdeckung eines Steroids aus ABM, genannt Blazein. Blazein fragmentierte die DNA verschiedener Krebszellarten, z.B. Lungen- und Magenkrebszellen. Diese Fragmentierung in kleinste Teile ist ein typischer Vorgang für die Apoptose. Sie trat nach 2 bis 3 Tagen nach Auftragen von Blazein auf die Testkulturen auf. Die Autoren vermuten, dass das neu entdeckte Steroid für die apoptotische Wirksamkeit von ABM verantwortlich ist.

Angeli et al.
„Beta-glucan extracted from the medicinal mushroom Agaricus blazei prevents the genotoxic effects of benzo[a]pyrene in the human hepatoma cell line HepG2“
Laboratório de Genética Toxicológica, Departamento de Biologia Geral, Universidade Estadual de Londrina, Paraná, Brazil.
Arch Toxicol. 2009 Jan;83(1):81-6.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18528685

Ziel dieser Arbeit war, die chemoprotektiven Effekte von Betaglucanen gegen DNA Schädigung zu studieren, die aus ABM extrahiert worden waren. Hierzu wurden menschliche Leberkrebszellen mit Benzo[a]pyren (krebserregender aromatischer Kohlenwasserstoff) versetzt. Um mögliche Effekte der Betaglucane zu beurteilen, wurden 3 Behandlungsprotokolle geführt: gleichzeitige Applikation zusammen mit Benzo[a]pyren, Vorbehandlung mit Betaglucan und Applikation von Betaglucan nach Benzo[a]pyren. Das Resultat zeigte, dass das Betaglucan selbst nicht genotoxisch ist und keine Mutationen erzeugt. Aber es zeigte protektive Effekte gegen DNA Schädigungen bei allen 3 Protokollen. Die Autoren vermuten, dass die Wirksamkeit des Betaglucans in einer Bindung an  Benzo[a]pyren besteht. Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Betaglucan die freien Radikale bindet, die vom  Benzo[a]pyren ausgehen. Die Resultate der Vorbehandlung lassen auch die Vermutung zu, dass das Betaglucan in der Lage ist, den Zellmetabolismus zu modulieren.

Yu et al.
„Inhibitory mechanisms of Agaricus blazei Murill on the growth of prostate cancer in vitro and in vivo“
Department of Physiology, School of Medicine, National Yang-Ming University, Shih-Pai, Taipei, Taiwan, Republic of China.
J Nutr Biochem. 2009 Oct;20(10):753-64.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18926679

Diese Arbeit untersucht den Einfluss von ABM auf Prostatakrebs in vitro und in vivo. Die in vitro Untersuchungen ergaben, dass bei 3 verschiedenen Zellkulturen Stoffwechselanomalien auftraten. Bei androgenunabhängigen Krebszellarten wurde eine Apoptose beobachtet.

Bei den in vivo Tests wurde ein signifikanter Rückgang des Tumorwachstums gesehen, ohne dass es zu Nebenwirkungen bei schwer immungeschwächten Mäusen kam. Bei der Transplantation von Tumoren von Mäusen, die zuvor mit ABM gefüttert worden waren, zeigte sich, dass die transplantierten Tumore weniger antigen-positive Zellen aufwiesen und die Kapillardichte um die  Tumore deutlich verringert war.
Die Autoren schlossen daraus, dass ABM direkt das Wachstum der Prostatakrebszellen unterband über die Apoptose und über anti-proliferative und anti-angiogene Mechanismen. Von daher empfehlen die Autoren ABM zur Therapie und Prophylaxe bei Prostatakrebs.

Fazit

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Arbeiten zum Thema Krebs und ABM. Wie auch bei den anderen Heilpilzen gibt es nur spärliche Ansätze zu Bemühungen, die durchweg positiven Resultate auch in der klinischen Praxis zu erproben und umzusetzen. Die Gründe dafür sind bekannt.

Obwohl ABM primär auf seinen Einfluss bei Krebserkrankungen untersucht worden ist, gibt es vereinzelte Arbeiten zu anderen Gebieten, die im folgenden aufgeführt werden.

Agaricus und anti-virale Effekte

Faccin et al.
„Antiviral activity of aqueous and ethanol extracts and of an isolated polysaccharide from Agaricus brasiliensis against poliovirus type 1“
Departamento de Microbiologia, Universidade Estadual de Londrina, Londrina, Paraná, Brazil.
Lett Appl Microbiol. 2007 Jul;45(1):24-8.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17594456

In dieser Studie wurde ein Heißwasserextrakt und ein Äthanolextrakt von ABM, sowie ein isoliertes Polysaccharid des Pilzes untersucht. Ziel war, die anti-viralen Aktivitäten gegen das Poliovirus Typ 1 in einer Kultur von Leberzellen zu ermitteln. Bei der Auswertung des Plaque-Assays (ein Plaque-Assay ist ein Nachweisverfahren für infektiöse Viren) zeigten beide Extraktformen und das Polysaccharid gleich nach der Inokulation (Stunde 0) eine dosisabhängige Reduktion der Plaquezahlen von jeweils ca. 50, 67 und 88 Prozent.
Die Autoren schlossen daraus, dass die 3 getesteten Substanzen anti-virale Aktivitäten besaßen. Diese Aktivitäten waren effektiver, wenn sie während der Infektion gleichzeitig mit dem Poliovirus gegeben wurden. Es gab aber keine Hinweise darauf, dass es zu einer Reduktion der Virusaufnahme in die Zellen kam. Es zeigten sich auch keine virusabtötenden Effekte. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass ABM in den Frühstadien die Virusreplikation unterbindet.

Die Autoren unterstreichen zum Schluss noch einmal, dass diese Arbeit zeigen konnte, dass ABM, aber auch potentiell andere Heilpilze, eine reiche Quelle an anti-viralen Substanzen darstellt.

Agaricus und das Immunsystem

Liu et al.
„Immunomodulating Activity of Agaricus brasiliensis KA21 in Mice and in Human Volunteers“
Mibyou Medical Research Center, Institute of Preventive Medicine, Tokyo, Japan Department of Immunology, School of Medicine, Juntendo University School of Medicine, Tokyo, Japan Laboratory for Immunopharmacology of Microbial Products, School of Pharmacy, Tokyo University of Pharmacy and Life Science, Tokyo, Japan Department of Acupuncture and Moxibustion, Suzuka University of Medical Science and Mie, Japan, and Toei Pharmaceutical Co., Ltd., Tokyo, Japan.
Evid Based Complement Alternat Med. 2008 Jun;5(2):205-219.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18604247

Diese Studie untersuchte die immunstärkenden Effekte von ABM an Mäusen und Freiwilligen. Bei den Mäusen fanden die Autoren Aktivitäten gegen Tumore, Vermehrung und Stärkung von Leukozyten, leberschützende Effekte und abschwächende Effekte auf Endotoxine. Bei den menschlichen Probanden zeigte sich eine deutliche Senkung von einer Reihe von Parametern, wie Anteil an Körperfett, Anteil an viszeralem Fett, Blutcholesterinkonzentrationen und Blutzuckerwerte. Die Aktivitäten der natürlichen Killerzellen war dagegen deutlich erhöht. Alles zusammen genommen zeigen die Ergebnisse eindrucksvoll, dass ABM definitiv in die Klasse der gesundheitsfördernden Nahrungsmittel gehört.

Agaricus und Diabetes

Bei einigen dieser zuvor diskutierten Arbeiten war die Rede von Blutzuckerwerten und der Einfluss einer ABM-Gabe. Wie in der letzten diskutierten Arbeit kam es zu positiven Ergebnissen in dem Sinne, dass ABM möglicherweise anti-diabetisches Potential besitzt.

Kim et al.
„Anti-diabetic activity of beta-glucans and their enzymatically hydrolyzed oligosaccharides from Agaricus blazei“
Department of Biomedical Laboratory Science and Biohealth Products Research Center, Inje University, Gimhae, Republic of Korea.
Biotechnol Lett. 2005 Apr;27(7):483-7.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15928854

Für diese Arbeit wurden Betaglucane per Heißwasserextraktion aus ABM gewonnen. Die Struktur und Charakteristika der Betaglucane wurde ermittelt. Durch Hydrolyse wurden Teile der Betaglucane in Oligosaccharide gespalten, die hauptsächlich aus Di- und Trisacchariden bestanden. Sowohl die Betaglucane, als auch deren Oligosaccharide zeigten anti-diabetische Aktivitäten. Zudem zeigten sie noch die Fähigkeit zur Senkung einer Hypertriglyceridämie, Hypercholesterinämie und anti-atherosklerotische Effekte. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die allgemeine anti-diabetische Wirksamkeit von ABM. Die Oligosaccharide zeigten hier eine doppelt so starke anti-diabetische Effizienz als die reinen Betaglucane.

Hsu et al.
„The mushroom Agaricus Blazei Murill in combination with metformin and gliclazide improves insulin resistance in type 2 diabetes: a randomized, double-blinded, and placebo-controlled clinical trial“
Department of Chinese Medicine, Taipei Hospital, Taiwan.
J Altern Complement Med. 2007 Jan-Feb;13(1):97-102.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17309383

Die Autoren bemerken eingangs dieser Studie, dass alternative Konzepte, besonders auf pflanzlicher Basis und durch Nahrungsergänzungsmittel, bei Diabetes beliebt zu sein scheinen. Jedoch gibt es noch keine überzeugenden Beweise für die Effektivität dieser Therapieformen, obwohl sie sich weitestgehend als sicher und nebenwirkungsarm erwiesen haben. Diese Studie also sollte zeigen, ob ABM-Extrakt in der Lage war, die Insulinresistenz von Typ-2-Diabetikern zu verbessern.

Diese Studie war eine randomisierte, doppelblinde, Plazebo kontrollierte Studie. Insgesamt nahmen an der Studie 72 chinesische Patienten teil, deren Alter zwischen 20 und 75 Jahren lag, alle einen Typ-2-Diabetes für länger als 1 Jahr aufwiesen und Sulfonylharnstoffe oder Metformin für mehr als 6 Monate einnahmen. Die Teilnehmer wurden zufallsbedingt in eine Verumgruppe und Plazebogruppe aufgeteilt. In der Verumgruppe erhielt jeder Proband 1500 Milligramm ABM täglich für die Dauer von 12 Wochen. In der Plazebogruppe erhielten die Teilnehmer die entsprechende Menge Cellulose als Plazebo.

Am Ende der Studie zeigten die Teilnehmer der Verumgruppe eine signifikant herabgesetzte Insulinresistenz im Vergleich zur Plazebogruppe. Die Konzentration von Adiponektin waren in der Verumgruppe nach 12 Wochen ABM-Einnahme um 20 Prozent erhöht. Die der Plazebogruppe sank dagegen um 12 Prozent. Adiponektin ist ein Hormon, das in den Fettzellen produziert wird und zusammen mit Insulin und Leptin Hungergefühl und Nahrungsaufnahme beeinflusst. Ein weiterer Effekt ist die verstärkende Wirkung des Insulins auf die Fettzellen.

In diesem Zusammenhang liegt die Vermutung nahe, dass die Erhöhung des Adiponektinspiegels die Ursache für die Wirksamkeit von ABM auf die Insulinresistenz der Typ-2-Diabetiker ist. Die Autoren wünschen sich ähnlich ausgerichtete Studien mit ABM, die aber über einen deutlich längeren Beobachtungszeitraum gehen sollten.

Fazit

Die Ergebnisse für die verschiedenen medizinischen Indikationen zeigen im Labortest, bei den Tierversuchen und bei den noch spärlichen klinischen Anwendungen ein eindrucksvolles Bild von der Wirksamkeit von ABM. Damit reiht sich dieser Heilpilz nahtlos in das Arsenal von Heilpilzen ein, für die es teilweise noch mehr Untersuchungen gibt, die aber zu sehr vergleichbaren Ergebnissen gekommen waren. Hier, wie auch in den Arbeiten zu anderen Heilpilzen, stoßen die Autoren immer wieder auf Phänomene, die die präventive Wirksamkeit der Heilpilze hervorheben. Dies gibt Anlass zu der Empfehlung, diese Heilpilze als Teil einer Gesundheitsprophylaxe einzusetzen, indem man sie in den täglichen Speiseplan aufnimmt.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.07.2015 aktualisiert