Aronia - Die Apfelbeere
Aus Nordamerika stammt sie ursprünglich, in Osteuropa wird sie seit beinahe hundert Jahren als Heilpflanze
kultiviert, aber bei uns tritt sie erst langsam ihren Siegeszug an: Die Rede ist von der Apfelbeere, auch bekannt
unter ihrem wissenschaftlichen Namen Aronia.
Im Geschmack erinnert die Apfelbeere eher an Heidelbeeren. Aber das ist nicht das Interessanteste - das
Interesse gilt den Inhaltsstoffen der Aronia.
Neben Vitamin C und Vitamin K sind es insbesondere die in der Apfelbeere vorkommenden Flavonoide, die das
Interesse von Forschern auf sich ziehen. Historisch wurden Flavonoide nach ihrer Entdeckung in den 30er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts auch als Vitamin P bezeichnet.
Ihnen werden gleich eine ganze Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften zugeschrieben: so sollen sie dem
Krebs ebenso vorbeugen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das Immunsystem stärken, den Blutfluss verbessern und
antibakteriell wirken. Studien sprechen sogar von einer Verbesserung des Langzeitgedächtnisses bei regelmäßiger
Aufnahme großer Mengen von Flavonoiden. Doch dazu weiter unten mehr.
Flavonoide kommen auch z.B. im Rotwein vor - doch bei der Aronia Apfelbeere ist ihr Anteil fünfmal höher als bei
der Weintraube.

Um die positiven gesundheitlichen Eigenschaften des Aronia nutzen zu können, wird die Beere hauptsächlich zu
Säften verarbeitet.
Aber auch eine Verwendung als Trockenfrüchte ist verbreitet. Marmeladen oder Wein lassen sich ebenfalls aus den
Beeren herstellen.
Und während bisher viele Studien die gesundheitsfördernden Eigenschaften des klassischen Weintrinkens zu
bestätigen schienen, sprechen einzelne Forscher bei der Apfelbeere sogar schon von einer "Konkurrenz zum
Rotwein"...
Studien zu Aronia
Die Apfelbeere gilt in den osteuropäischen Ländern als Heilpflanze nicht zuletzt auch wegen ihres hohen Gehalts
an Polyphenolen. Diese Substanzklasse zeichnet sich durch verschiedene biologische Aktivitäten aus.
Eine besonders Wichtige davon ist das antioxidative Potential. Polnische Wissenschaftler haben nun in einer
Studie aus dem Jahr 2011 versucht, das antioxidative Potential der Apfelbeere mit dem von Weintraubensamen zu
vergleichen. Hintergrund dieser Überlegung mag auch von der Annahme geleitet sein, dass Resveratrol im Rotwein ebenfalls gesundheitsfördernde Wirkungen hat, nicht zuletzt auch wegen
seines antioxidativen Potentials.
“Changes of platelet antioxidative enzymes during oxidative stress: The protective effect of polyphenol-rich
extract from berries of Aronia melanocarpa and grape seeds”. Kedzierska et al.; Department of General
Biochemistry, Institute of Biochemistry, University of Lodz, Poland.
Quelle: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21299394
Die Messparameter in dieser Studie bezogen sich auf Aktivitäten auf verschiedene antioxidative Enzyme und
die Menge an Glutathion, als wichtiger Indikator für eine antioxidative Wirksamkeit. Getestet wurden
Blutplättchen (Thrombozyten), die mit Wasserstoffperoxid (H2O2) vorbehandelt wurden. Diese Behandlung setzte
die Blutplättchen oxidativem Stress aus. Gleichzeitig wurden die Plättchen mit Extrakten von Apfelbeere,
Weintraubensamen und Resveratrol behandelt und die Menge an Glutathion gemessen, sowie die Aktivitäten der
antioxidativen Enzyme, wie Glutathionperoxidase, Superoxidpermutase und Katalase.
Als Ergebnis zeigte sich, dass die Extrakte der Apfelbeere und der Weintraubensamen die Veränderungen der
Aktivitäten der antioxidativen Enzyme in den vorbehandelten Blutplättchen sichtlich reduzierten. Außerdem
konnte man eine deutlich erhöhte Konzentration an reduzierten Glutathion in den Blutplättchen beobachten, die
mit den Extrakten behandelt worden waren, im Gegensatz zu Plättchen, die nur mit H2O2 behandelt worden waren.
Ein Vergleich der Wirksamkeit der einzelnen Komponenten ergab, dass die beiden Pflanzenextrakte vergleichbare
antioxidative Eigenschaften aufwiesen. Sie zeigten jedoch im Vergleich zu Resveratrol in den Blutplättchen eine
deutlich höhere Reaktivität.
Damit scheint sich die schon längst gehegte Vermutung, dass die Apfelbeere ein kompetenter
“Konkurrent” zum Rotwein in Sachen Gesundheit ist, in dieser in vitro Studie nochmals zu bestärken. Schauen wir uns
mal die nächste Studie an.
“Effects of novel plant antioxidants on platelet superoxide production and aggregation in
atherosclerosis”. Ryszawa et al.: Department of Pharmacology, Jagiellonian University School of Medicine,
Cracow, Poland.
In dieser Studie wurden die Superoxidproduktion und die Aggregationsfähigkeit (die Fähigkeit der
Blutplättchen, sich zu verklumpen) der Thrombozyten bei Patienten untersucht, die ein signifikantes
kardiovaskuläres Risiko (erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und ähnliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen) hatten.
Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen und Diabetes zählen zu diesen Risikofaktoren. In
dieser Studie wurden die antioxidativen Effekte der Apfelbeere, wie schon in der Studie zuvor, in vitro auf
die Plättchenfunktion untersucht.
Es zeigte sich, dass die Superoxidproduktion bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren im Vergleich
zu einer Kontrollgruppe deutlich erhöht war. Apfelbeerenextrakt zeigte dann eine signifikante Abnahme der
Superoxidproduktion in Abhängigkeit der eingesetzten Dosierung bei den Risiko-Patienten. Bei den gesunden
Kontrollen dagegen zeigten sich keine Veränderungen. Zu guter Letzt zeigte sich, dass der Apfelbeerenextrakt in
der Lage war, die Unterschiede in der Superoxidproduktion zwischen beiden Gruppen zu beseitigen. Zudem bewirkte
die Apfelbeere einen konzentrationsabhängigen aggregationshemmenden Effekt bei beiden Gruppen. Dies lässt die
Vermutung zu, dass der Effekt nichts mit der Fähigkeit zu tun hat, Einfluss auf die Superoxidproduktion zu
nehmen. Zur Bewertung dieser Ergebnisse lässt sich sagen, dass die Apfelbeere ein so starkes antioxidatives
Potential zu haben scheint, dass es einen erheblichen Anteil der kardiovaskulären Risikofaktoren normalisieren
kann.
Beeindruckend ist auch hier wieder einmal, dass die von der Natur erzeugten “pharmazeutischen”
Produkte, wie in diesem Fall die Apfelbeere, zu wissen scheinen, wann sie wirken müssen und wann sie “ausruhen”
dürfen. Denn wie es scheint, laut dieser Studie, ist dieser Effekt nur bei “Bedürftigen”, also den Risiko-Patienten
zu beobachten. Die gesunde Kontrollgruppe zeigte keine Aktivität.
Zudem bewirkt die Apfelbeere eine Abnahme der Aggregationsneigung, d.h. der Verklumpungsfähigkeit des
Bluts. Das bewirkt eine Herabsetzung der Zähigkeit (Viskosität) des Bluts, was sich wiederum günstig auf Herz und
Blutgefäße auswirkt. Aber auch hier hör ich schon wieder die warnenden Stimmen der Schulmedizin, dass sich mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Blutungsneigung erhöhen wird. Andere natürliche Substanzen, die
ähnliche Effekte auf die Aggregation zeigen, haben in entsprechenden Studien zeigen können, dass auch hier der
aggregationshemmende Effekt zu keiner erhöhten Blutungsneigung führte.
Offensichtlich weiß die Substanz auch hier, wann und wie stark sie wirken darf, denn es ist unter
einer Einnahme von Apfelbeere noch kein Fall von erhöhter Blutungsneigung beschrieben worden.
Kommen wir nochmal zum Diabetes (der Zuckerkrankheit), die oben mal kurz erwähnt wurde: Ein Gebiet,
das die “Apfelbeerenforschung” fast gar nicht ins Visier genommen hat, ist der Diabetes. Eine Studie aus dem Jahr
2002 aus Bulgarien holte dies nach.
“Effects of Aronia melanocarpa juice as part of the dietary regimen in patients with diabetes mellitus”.
Simeonov et al.; Clinic of Endocrinology, Medical University, Plovdiv, Bulgaria.
Quelle: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12580526
Die Forscher gingen von der Überlegung aus, dass ein niederkalorischer Apfelbeersaft (ohne Zucker, mit
Süßstoff) ein wertvoller Zusatz zur komplexen Therapie des Diabetes sein könnte. Es zeigte sich, dass es bei
dieser Studie 60 Minuten nach Einnahme von 200 ml Apfelbeersaft zu keinem Anstieg der Blutglukose kam. Im
Gegenteil, es wurden niedrigere Nüchternwerte bei 16 Patienten mit insulinabhängigem Diabetes gemessen. Das
Gleiche zeigte sich bei 25 Patienten mit insulinunabhängigem Diabetes - 25 Frauen und 16 Männer, 3 bis 62 Jahre
alt, Durchschnittsalter von 38,8 - mit einer Krankheitsdauer von 1 Monat bis 13 Jahren. Eine Reihenkontrolle
des Blutzuckerwertes zeigte 14,23 mmol/l zu Beginn und 11,4 mmol/l nach 60 Minuten. Der Unterschied zeigte sich
als statistisch signifikant. Eine Einnahme von 200 ml Apfelbeersaft zusammen mit einem Standard-Frühstück
produzierte ähnliche Resultate - 13,43 mmol/l zu Beginn und ein Abfall auf 11,94 mmol/l nach 60 Minuten.
Diesmal war der Unterschied nicht statistisch signifikant. Ein täglicher Verzehr von 200 ml Apfelbeersaft über
einen Zeitraum von 3 Monaten zeigte sich wirksam in der Herabsetzung des Nüchternblutzuckers von 13,28 mmol/l
auf 9,10 mmol/l, ein statistisch signifikanter Unterschied, bei 21 Patienten mit insulinunabhängigem Diabetes.
Der Saft zeigte günstige Effekte auf HbA1c (Marker für Länge und Intensität einer Diabeteserkrankung),
Gesamtcholesterin und Blutfettwerte. Diese fielen von 9,39 auf 7,49 mmol/l für HbA1c; von 6,45 auf 5,05 mmol/l
für Cholesterin und von 2,92 auf 1,7 mmol/l für Blutfette. Diese Ergebnisse wurden verglichen mit jenen von 23
Patienten mit insulinunabhängigem Diabetes mit einer Krankheitsdauer von 6 bis 17 Jahren, ohne dass diese in
den Genuss des Apfelbeersafts gekommen waren. Die eben erwähnten Parameter blieben bei diesen Patienten
unverändert. Die gesammelten Daten zeigen das blutzuckersenkende Potential des Apfelbeersafts. Die Forscher
bemerkten, dass der genaue Mechanismus für die blutzuckersenkende Wirkung nicht bekannt ist. Allerdings
empfehlen sie den Saft als gut schmeckende und äußerst wirksame zusätzliche Diätmaßnahme bei der Behandlung von
Diabetes.
Eine weitere Studie zur Apfelbeere aus einem osteuropäischen Land unterstreicht die Bedeutung der Pflanze dort
als Heilpflanze. Diesmal allerdings sind Gegenstand der Untersuchung nicht Patienten sondern Ratten mit
Diabetes.
“Hypoglycemic and hypolipidemic effects of Aronia melanocarpa fruit juice in streptozotocin-induced diabetic
rats”. Valcheva-Kuzmanova et al.; Department of Preclinical and Clinical Pharmacology and Biochemistry, Medical
University, Varna, Bulgaria.
Quelle: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17440626
Hier versuchten die Forscher herauszufinden, wie Apfelbeersaft Blutzuckerwerte und Blutfettwerte
beeinflusst. Hierzu wurde bei Ratten mittels Streptozotocin-Injektion künstlich Diabetes erzeugt. Danach wurde
der Apfelbeersaft in einer Dosierung von 10 und 20 ml/kg Körpergewicht für die Dauer von 6 Wochen gegeben. Eine
normale Rattenpopulation ohne Streptozotocin-Injektion diente als Kontrollgruppe. Streptozotocin verursachte
einen signifikanten Anstieg der Blutzuckerwerte um 141 Prozent und der Blutfette um 64 Prozent im Vergleich zu
den normalen Ratten der Kontrollgruppe. Gesamtcholesterin und LDL blieben unverändert. HDL wurde reduziert.
Eine Gabe von Apfelbeersaft an die Kontrollgruppe zeigte keinen Einfluss auf die Blutzuckerwerte und Blutfette.
Bei den diabetischen Ratten reduzierten 10 mg und 20 mg/kg signifikant die Glukosewerte um 44 Prozent und 42
Prozent und Triglyzeride um 35 Prozent und 39 Prozent jeweils. Die so erhaltenen Werte unterschieden sich nicht
signifikant von den Werten der gesunden Kontrollratten. Somit lässt sich abschließend sagen, dass bei
experimentell induziertem Diabetes bei Ratten der Apfelbeersaft eine normalisierende Wirkung auf Blutzucker-
und Blutfettwerte hat. Die Forscher empfehlen deshalb diese Pflanze als nützliches Mittel zur Verhinderung und
Kontrolle von Diabetes.
Noch eine Untersuchung, die in eine ähnliche Richtung geht:
“New Polyphenole extracts for oxidative stress treatment in experimental Diabetes”. Ciocoiu et al.;
Facultatea de Medicină, Disciplina de Fiziopatologie, Universitatea de Medicină si Farmacie "Gr. T. Popa"
Iaşi.
Quelle: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20201265
Diese Studie neueren Datums (2008) ist im Wesentlichen eine Wiederholung der eben diskutierten Studie. Auch
diese Studie wurde in Bulgarien durchgeführt. Das Studiendesign war mit der vorhergehenden vergleichbar, nur
dass neben der Apfelbeere auch noch ein Extrakt des Schwarzen Holunders mit untersucht wurde. Auch diese Studie
kam zu dem Ergebnis, dass Apfelbeere und Holunder eine ausgeprägte Schutzfunktion bei Diabetes besitzen.
Gleiches gilt auch für die blutfettsenkenden und antioxidativen Kapazitäten dieser Pflanzen. Eine weitere
Studie ähnlicher Bauart aus Polen aus dem gleichen Jahr kommt zu identischen Ergebnissen.
Fazit
Die Apfelbeere scheint eine Pflanze zu sein, die zu Recht in den osteuropäischen Ländern den Ruf einer
Heilpflanze genießt.
Nicht zuletzt ist ein günstiger Einfluss auf eine Erkrankung wie Diabetes nicht zu unterschätzen, denn
nicht viele Pflanzen zeigen hier signifikante Wirkung.
In der Diabetologie wird auch heute nach wie vor zuviel auf pharmazeutische Produkte gesetzt, die,
wenn wirksam auch nebenwirksam sind (siehe Avandia), während es sich bei der Apfelbeere um ein natürliches Produkt
handelt, das wirksam ist, ohne nebenwirksam zu sein. Wie schon zuvor bei der Aggregation diskutiert, senkt die
Apfelbeere keine normalen Blutzucker- und Fettwerte, sondern nur pathologisch erhöhte. Dies ist ein einzigartiger
Wirkmechanismus, der von den Forschern zugegebenerweise noch nicht verstanden wird. Bislang ist noch kein
pharmazeutisches Präparat bekannt, dass diesen Regelmechanismus beherrscht. Eine Behandlung eines normalen
Blutzuckerwerts mit antidiabetischen Präparaten führt immer unweigerlich zu einer (lebensbedrohlichen)
Unterzuckerung.
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