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Heilpilz Polyporus umbellatus (Eichhase)

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber.

René Gräber

Der Polyporus umbellatus ist ein Speisepilz, dessen deutscher Name „Eichhase“ oder „Ästiger Porling“ lautet. Der Pilz besteht aus mehreren hundert Einzelfruchtkörpern, die gestielt auf einem Strunk sitzen, der Sklerotium genannt wird. Dieses Sklerotium besitzt eine schwarz-braune Farbe und befindet sich zumeist auf dem Boden dicht unter der Oberfläche. Es umwächst oft noch lebende Baumwurzeln. Ähnlich wie Ganoderma und Cordyceps handelt es sich beim Polyporus ebenfalls um einen Parasiten, der am Grunde lebende und tote Bäume und deren Stümpfe befällt.

Der Pilz bevorzugt mäßig warme Klimazonen mit Eichen- und Buchenwäldern. Man trifft ihn an in Nordamerika, Kaukasus, West- und Ostsibirien und Pakistan. In Europa kann man ihn in fast ganz Deutschland finden, bis hin zu den südlichen Gebieten von Skandinavien und in Osteuropa.

Der Polyporus ist ebenfalls ein Heilpilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin wiederzufinden ist. Die traditionelle chinesische Medizin benutzt hauptsächlich das Sklerotium, Zhuling genannt, zur Gewinnung eines Medikaments, das gegen urologische Probleme eingesetzt wird. Dieses Medikament hat in erster Linie eine diuretische (harntreibende) Wirkung. Neben dieser seit langem bekannten Wirkung scheint der Polyporus aber zusätzliche medizinische Eigenschaften zu besitzen, die erst in jüngster Zeit durch eine Reihe von Studien ans Tageslicht gebracht worden waren.

Diuretische Wirksamkeit

Es gilt als legitimes Anliegen der Naturwissenschaften, traditionelle Behandlungsweisen und Medikationen zu analysieren und zu beurteilen. Die von der traditionellen chinesischen Medizin „unterstellte“ diuretische Wirksamkeit des Polyporus wurde somit auch „Ziel“ der wissenschaftlichen Erörterung. Hier eine Auswahl an Arbeiten, die sich mit diesem Thema auseinander setzen.

Li et al.
„Clinical study of rapid bladder filling agent“
1st Sanatorium of Qingdao, Jinan Military Region.
Zhongguo Zhong Xi Yi Jie He Za Zhi. 1992 Sep;12(9):533-4, 517.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1298469

Bei Ultraschalluntersuchungen der Harnwege wird oft eine mit Urin gefüllte Blase benötigt. Hierfür muss ein Patient dann viel trinken und auf eine mehr oder weniger rasche Urinproduktion hoffen, damit er endlich für die Untersuchung bereit ist. Das exzessive Trinken und die dann sich anschließende Wartezeit sind für die Patienten unangenehm. Das medizinische Personal, dass den Patienten zu untersuchen hat, ist ebenfalls zeitlichen Restriktionen unterworfen, denn es muss auf eine optimale Füllung der Blase warten, ohne die eine Ultraschalluntersuchung wenig sinnvoll wäre.

Für diese Studie wurde eine Formulierung zusammengestellt, die eine rasche Füllung der Blase mit Urin bewirkt (Rapid Bladder Filling Agent – RBFA). Diese Formulierung enthielt neben Polyporus Poria cocos und Furosemid, ein synthetisches Diuretikum. Das Harnvolumen und die beste Füllungszeit der Blase wurden (mittels Ultraschall) bei 211 Probanden ermittelt. Das Resultat zeigte, dass die behandelte Gruppe im Vergleich zur Plazebogruppe ein größeres Harnvolumen erzeugte. Dieses Harnvolumen wurde zudem in einer deutlich kürzeren Zeit erzeugt (30 Minuten gegenüber 145 Minuten). Klinische Erfahrungen mit 1180 Fällen haben zeigen können, dass RBFA die Qualität der Ultraschalluntersuchungen deutlich verbessert  und die Effektivität der Arbeit erhöht hat. Dies führte zu einer kürzeren Wartezeit für die Patienten und verhinderte eine sehr unangenehme Überfüllung der Blase des zu untersuchenden Patienten. Die Wirkdauer von RBFA ist schnell und kurz, ohne dabei Nebenwirkungen zu erzeugen.

Diese Arbeit belegt einen urintreibenden Effekt von RBFA. Aber neben dem Polyporus haben wir noch einen weiteren Pilz „mit an Bord“, den Poria cocos, sowie ein synthetisches Diuretikum, das Furosemid, von dem ebenfalls eine gute Urinproduktion bekannt ist. Damit kann die diuretische Wirkung der Kombination nicht eindeutig einem oder allen Bestandteilen zugewiesen werden. Es ist daher sinnvoll, die diuretische Wirksamkeit durch eine alleinige Gabe von Polyporus zu ermitteln.

Zhao et al.
„Bioactivity-directed isolation, identification of diuretic compounds from Polyporus umbellatus“
Biomedicine Key Laboratory of Shaanxi Province, Northwest University, Xi'an, Shaanxi, China.
J Ethnopharmacol. 2009 Oct 29;126(1):184-7.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19665537

Diese Arbeit aus dem Jahr 2009 macht einen scheinbar großen Sprung in der „Beweisführung“ für eine diuretische Wirksamkeit des Pilzes. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits eine Reihe von biochemischen Substanzen bekannt, die eine diuretische Wirkung haben. Dies sind n-Hexan, Essigsäureethylester, n-Butanol und Wasserextrakte von Polyporus. In dieser Arbeit wird die diuretische Wirksamkeit der einzelnen Komponenten ermittelt.

Zur Ermittlung der diuretischen Wirksamkeit wurden Ratten mit verschieden hohen Dosierungen dieser Substanzen gefüttert (5, 10 und 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht), die aus dem Polyporus gewonnen worden waren. Danach wurden die Wasserausscheidungsrate, pH-Wert und Gehalt an Natrium, Kalium und Chlor im Urin der Versuchstiere gemessen. Das Ergebnis zeigte, dass n-Hexan-Extrakt, n-Butanol und 3 isolierte Komponenten (2 Sterine und D-Mannitol) diuretische Aktivitäten auswiesen. Eines der beiden Sterine, Ergosta-4,6,8(14),22-tetraen-3-one (Ergon), zeigte den stärksten diuretischen Effekt. Zum ersten Mal wurde in dieser Arbeit ein diuretischer Effekt von Ergosterol und D-Mannitol nachgewiesen. Die Dosierung von 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht Ergosterol produzierte eine deutlich größere Menge an Urin als bei den Ratten der Kontrollgruppe. Gleiches gilt in ähnlicher Weise für D-Mannitol. Bei der Ausscheidung von Elektrolyten ergab sich folgendes Bild: Die Dosierungen von 10 und 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht produzierten einen signifikanten Anstieg der Natrium- und Chlorausscheidung.

Der diuretische Wirksamkeit des Polyporus wäre somit in etwa mit den Thiaziddiuretika und Diuretika vom Spironolacton-Typ zu vergleichen, deren diuretische Wirkung ebenfalls in erster Linie auf einer erhöhten Natriumausscheidung beruht. 

Zhang et al.
„Diuretic activity and kidney medulla AQP1, AQP2, AQP3, V2R expression of the aqueous extract of sclerotia of Polyporus umbellatus FRIES in normal rats“
Guangdong Provincial Academy of Chinese Medical Sciences, Guangdong Provincial Traditional Chinese Medicine Hospital, Guangzhou University of Traditional Chinese Medicine, Neihuanxi Road, University Town, Guangzhou, Guangdong Province, China.
J Ethnopharmacol. 2010 Mar 24;128(2):433-7

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20083182

Ziel dieser Studie war, den Einfluss des diuretischen Effekts von Polyporus auf die Elektrolytkonzentrationen im Urin zu untersuchen. Gemessen wurden Natrium-,  Kalium- und Chlor-Konzentrationen, nebst der enzymatischen Aktivierung von Aquaporinen (AQP 1 bis 3) und Vasopressin. Als Substrat diente ein Wasserextrakt aus dem Sklerotium von Polyporus.

Dieser Extrakt wurde in 3 verschiedenen Dosierung an Ratten verfüttert: 50, 250 und 500 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Als Kontrollgruppe diente ein mit 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht Furosemid versorgtes Kollektiv von Ratten. Der Urin wurde 24 Stunden und 8 Tage nach der ersten Behandlung gesammelt und ausgewertet. Die Aquaporin- und Vasopressin-Aktivität im Nierenmark wurde per Polymerase-Kettenreaktion ermittelt. Aquaporine sind Proteine, die in einem Verband von 4 Proteinen eine Art Wasserkanal bilden, der durch die Zellmembran führt und somit einen schnelleren Wasseraustausch zwischen intra- und extrazellulärem Raum ermöglicht. Vasopressin ist ein antidiuretisches Hormon, dass  im Hypothalamus produziert wird, gefäßverengend wirkt und das Flüssigkeitsvolumen des Bluts erhöht.

Das Resultat: Nach einer einzigen Dosis des Extrakts von Polyporus ergab sich eine signifikant erhöhte Urinproduktion. Diese begann nach 4 Stunden. Nach 24 Stunden nach der Gabe von Extrakt und Furosemid in den jeweiligen Gruppen konnte eine vergleichbar starke Urinproduktion beider Gruppen gemessen werden. Der Extrakt erhöhte den Anteil von Natrium, Kalium und Chlor zu gleichen Teilen im Urin. Furosemid dagegen erhöhte im Urin nur Natrium und Chlor. Nach 8 Tagen zeigten beide Behandlungsformen eine signifikante Diurese, Natriurese (Ausscheidung von Natrium über den Harn) und Chlorausscheidungen. Keine der beiden Substanzen hatte einen Einfluss auf die Aktivitäten von Aquaporin-1 und 3 in einem normalen Nierenmark der Ratten. Aquaporin-2 dagegen wurde durch den Extrakt von Polyporus gehemmt. Gleiches ließ sich bei Vasopressin unter einer Dosierung von 50 und 250 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht Polyporus-Extrakt beobachten. Auffällig war hier, dass die niedrigen Dosierungen vom Polyporus-Extrakt einen ausgeprägteren Effekt auf die Regulation von Aquaporin-2 und Vasopressin ausübten (was dem schulmedizinischen Dogma von „hoher Dosis = hohe Wirkung“ widerspricht).

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass ein Wasserextrakt von Polyporus einen beträchtlichen diuretischen Effekt ausübt. Dies bestätigt die praktische Anwendung des Heilpilzes z.B. seitens der traditionellen chinesischen Medizin. Die Art und Weise, wie der Extrakt Natrium, Kalium, Chlor, Aquaporin-2 und Vasopressin beeinflusst, lässt den logischen Schluss zu, dass sein diuretischer Effekt auf eine Hemmung von Aquaporin-2 und Vasopressin zurückgeführt werden kann.

Anti-Tumor Effekte

Ohsawa et al.
Studies on constituents of fruit body of Polyporus umbellatus and their cytotoxic activity.
Research Section, Sanwa Shoyaku Co., Ltd. Utsunomiya, Japan.
Chem Pharm Bull (Tokyo). 1992 Jan;40(1):143-7.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1576664

Diese Arbeit untersuchte den Fruchtkörper von Polyporus und entdeckte 7 neue Komponenten, die Polyporusteron A, B, C, D, E, F, und G genannt wurden. Alle diese Substanzen zeigten zytotoxische Aktivitäten bei Leukämie-1210-Zellen.

You et al.
Combined effects of chuling (Polyporus umbellatus) extract and mitomycin C on experimental liver cancer.
Institute of Radiation Biology, National Tsing Hua University, Taiwan.
Am J Chin Med. 1994;22(1):19-28.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8030616

In dieser Arbeit wurde ein Extrakt aus dem Sklerotium von Polyporus zusammen mit einem Chemotherapeutikum, Mitomycin C, an Mäuse verabreicht. Diesen Mäusen war zuvor eine Zellkultur mit Krebszellen, Sarcoma 180 (S180), in die Leber transplantiert worden. Der Pilzextrakt wurde oral verabreicht, das Mitomycin C wurde per Injektion in den Bauchraum appliziert. Die Applikation von beiden Substanzen getrennt und gemeinsam führte zu einer Verlängerung der Lebenserwartung dieser Mäuse von 71,6 Prozent für den Extrakt, 70,1 Prozent für das Mitomycin C und 119,9 Prozent für die Kombination beider Substanzen. Die ungewöhnliche Zahl von 119,9 Prozent erklärt sich damit, dass die Mäuse mit Leberkrebs unter einer Kombinationstherapie mit Polyporus und Mitomycin eine längere Lebenserwartung aufwiesen als krebsfreie und unbehandelte Mäuse.

Im in vitro Laborversuch erwiesen sich beide Behandlungsformen ebenfalls S180-Zellen gegenüber als zytotoxisch. Die Syntheseraten an DNA, RNA und Proteinen dieser Zellen war signifikant gehemmt unter der Kombi-Therapie. Gewebeuntersuchungen unter dem Mikroskop zeigten, dass Lymphozyten sich um die Krebszellen angereichert hatten, mit einigen Anzeichen einer Fibrose um Krebszellen, aber auch um normale Zellen. Die Autoren schlossen daher, dass diese Resultate einen potentiellen Nutzen von Polyporus-Extrakten für die Krebstherapie zeigten.

Yang et al.
„The effect of polyporus umbellatus polysaccharide on the immunosuppression property of culture supernatant of S180 cells“
Department of Immunology, Institute of Basic Medical Science, Hebei Medical University, Shijiazhuang, China.
Xi Bao Yu Fen Zi Mian Yi Xue Za Zhi. 2004 Mar;20(2):234-7.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15191734

Diese Arbeit untersucht die Polysaccharide (PUPS) von Polyporus auf immunsuppressive Aktivitäten in Tumorzellen der Zelllinie S180. Es zeigte sich, dass die S180-Zellen in der Lage waren, besonders stark Immunparameter zu hemmen, wie die Produktion von Zytokinen, natürlichen Killerzellen usw. Diese Hemmung der Immunantwort auf die Krebszellen konnte durch den Einsatz von PUPS rückgängig gemacht werden. Damit zeigte diese Arbeit zum ersten Mal, dass PUPS eine immunschwächende Aktivität von Krebszellen verhindern kann. Die Autoren vermuten eine Hemmung der Synthese und/oder der Ausschüttung von immunschwächenden Substanzen seitens der S180-Zellen.

Jiang J, Sliva D.
„Novel medicinal mushroom blend suppresses growth and invasiveness of human breast cancer cells“
Cancer Research Laboratory, Methodist Research Institute, Indianapolis, USA.
Int J Oncol. 2010 Dec;37(6):1529-36.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21042722

Diese Arbeit aus dem Jahr 2010 versucht den krebsverhindernden Effekt eines Nahrungsergänzungsmittels zu untersuchen. Das Nahrungsergänzungsmittel heißt MycoPhyto Complex ® und ist eine Kombination von Agaricus blazei, Cordyceps sinensis, Coriolus versicolor, Ganoderma lucidum, Grifola frondosa und Polyporus umbellatus. Dazu gesellt sich ein β-Glucan aus Saccharomyces cerevisiae. Die Applikation dieses Gemischs ergab einen zytostatischen Effekt, der durch eine Hemmung von Zellteilung und Zellzyklus in der G2/M-Phase von hoch invasiven Brustkrebszellen zustande kam. Eine nähere Untersuchung der gegebenen DNA offenbarte eine Hemmung von Regulatorgenen in den Krebszellen. Dazu kam noch, dass der Komplex das metastatische Verhalten der Krebszellen beeinträchtigte, indem die Zelladhäsion, Zellwanderung und Zellinvasion geblockt wurden. Die Fähigkeit des Komplexes, die Fähigkeit von Brustkrebszellen zur Zellinvasion zu limitieren, liegt in der Blockierung der Sekretion des Urokinase-Typ Plasminogen Aktivators (uPA).

Dieses Enzym erhöht unter anderem die Bereitschaft von Zellen zur Migration. Es dient auch als Marker für Krebserkrankungen, da seine Konzentration bei einer Krebserkrankung signifikant erhöht ist. Krebszellen scheinen dieses „Migration-Enzym“ vermehrt zu produzieren, um so eine „Auswanderung“ maligner Zellen in gesunde Areale des Organismus zu ermöglichen. Die Autoren schlossen daher, dass dieses Nahrungsergänzungsmittel einen potentiellen therapeutischen Nutzen bei der Behandlung von invasivem Brustkrebs haben kann. 

Auch hier haben wir es wieder mit einem Gemisch an wirksamen natürlichen Produkten zu tun.  Dies ist in der Praxis sicherlich die bessere Lösung als nur eine Heilpflanze oder -pilz oder sogar nur einen isolierten Bestandteil aus denselben zum Einsatz zu bringen. Von theoretischem Interesse ist jedoch, ob der Polyporus alleine eine krebsbekämpfende Wirksamkeit für sich in Anspruch nehmen kann. Denn auch in einer Kombination möchte man gerne wirksame Komponenten einbringen. Eine unwirksame Komponente würde nicht nur unsinnig sein, sondern auch möglicherweise den Preis für das Produkt in die Höhe treiben.

Zhao et al.
„Cytotoxic steroids from Polyporus umbellatus“
Biomedicine Key Laboratory of Shaanxi Province, Northwest University, Xi'an, China.
Planta Med. 2010 Oct;76(15):1755-8

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20458671

Eine Reihe von Steroide wurden aus dem Polyporus isoliert, die potente Wirksamkeit gegen Leberkrebszellen zeigen konnten. Die verschiedenen Steroide zeigten dabei verschieden starke Wirksamkeit auf die Testzellen. Eine Kontrolle an normalen, gesunden menschlichen Zellen zeigte keine zytotoxischen Effekte.

Zhao et al.
„Ergosta-4,6,8(14),22-tetraen-3-one induces G2/M cell cycle arrest and apoptosis in human hepatocellular carcinoma HepG2 cells“
Biomedicine Key Laboratory of Shaanxi Province, Northwest University, Xi'an, Shaanxi, China.
Biochim Biophys Acta. 2011 Apr;1810(4):384-90

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21241775

Ein halbes Jahr später analysiert die gleiche Autorengruppe ein Steroid, das in der zuvor gefertigten Untersuchung die größte zytostatische Wirksamkeit gezeigt hatte,  Ergon (Ergosta-4,6,8(14),22-tetraen-3-one), einem „alten Bekannten“ aus den Studien zur diuretischen Wirksamkeit von Polyporus. Dieses Ergon kommt aber auch in anderen Pilzen, wie Cordyceps und Russula cyanoxantha (Frauen-Täubling) vor. Jedoch war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, durch welche Mechanismen dieses zytotoxische Verhalten der Substanz zustande kam. Aus den Untersuchungen der Gruppe ergab sich, dass Ergon in der Lage war, bei malignen Zellen eine Apoptose auszulösen, die über mehrere Stadien von der Substanz beeinflusst wurde. Bei der Apoptose wird zwischen einem intrinsischen und extrinsischen Auslöser unterschieden. Der intrinsische Auslöser reagiert auf Veränderungen innerhalb der Zelle, speziell der abnormal veränderten DNA. Der extrinsische Auslöser reagiert auf außerhalb der Zelle liegende Ereignisse. Das Ergon war in der Lage, beide Auslösewege zu aktivieren, was mit ein Grund für seine ausgesprochen starke zytotoxische Wirksamkeit ist. Gleichzeitig wurde eine Hemmung von Zellteilung und Zellzyklus in der G2/M-Phase beobachtet. Die Autoren halten diese Ergebnisse für einen nützlichen Hinweis für die zukünftige Krebsforschung im Zusammenhang mit Heilpilzen.

Zhang et al.
„Inhibition of urinary bladder carcinogenesis by aqueous extract of sclerotia of Polyporus umbellatus fries and polyporus polysaccharide“
Guangdong Provincial Academy of Chinese Medical Sciences, Guangzhou University of Chinese Medicine, Guangzhou 510006, Guangdong, P. R. China.
Am J Chin Med. 2011;39(1):135-44.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21213404

Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Polyporus auf Blasenkrebs. Hierzu wurden ein Wasserextrakt vom Sklerotium und Polysaccharide des Pilzes in verschiedenen Dosierungen bei Ratten eingesetzt. Diese beliefen sich auf 50, 250 und 500 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Verglichen mit einer Kontrollgruppe zeigten Wasserextrakt und Polysaccharide einen deutlich höheren präventiven Effekt gegenüber Blasenkrebs. Dieser ausgesprochen protektive Effekt trat auch unter einer Dosierung von 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht auf.

Immunmodulierende Wirksamkeit

Li X, Xu W.
„TLR4-mediated activation of macrophages by the polysaccharide fraction from Polyporus umbellatus(pers.) Fries“
First Affiliated Hospital, Wenzhou Medical College, Wenzhou, PR China.
J Ethnopharmacol. 2011 Apr 26;135(1):1-6

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20600759

Ziel dieser Studie war, die molekularen Mechanismen der immunmodulierenden Aktivitäten von Polyporus zu untersuchen. Dazu benutzten die Autoren Polysaccharide von Polyporus.
Dazu wurden Milzzellen von Mäusen und deren Zellteilung untersucht und die Produktion von Stickoxiden gemessen. Die Zytokinproduktion und NF-κB der Zellkulturen wurden ebenfalls bestimmt.  NF-κB (nuclear factor 'kappa-light-chain-enhancer' of activated B-cells) ist ein Transkriptionsfaktor, der in allen Zellen des Organismus vorkommt und einen entscheidenden Einfluss auf das Immungeschehen hat.

Die Autoren konnten in der Folge zeigen, dass die Polysaccharide von Polyporus die Funktionen der Makrophagen deutlich erhöhen konnte, ebenso die Stickoxidproduktion als auch die Produktion von Zytokinen. Die Polysaccharide stimulierten signifikant die Vermehrung von Milzzellen und die Produktion von Tumor-Nekrose-Faktor-α, Interleukin-1β und Stickoxide von Makrophagen aus der Bauchhöhle der Mäuse. Ein durch Antikörper blockierter TLR-4 (Toll-like-receptor) senkte die Produktion von Tumor-Nekrose-Faktor-α und  Interleukin-1β. TLR ist eine  Komponente des angeborenen Immunsystems. Diese spezielle Form der Immunrezeptoren erkennt Strukturen, die nur auf Krankheitserregern vorkommen. Bei Erkennung werden spezifische Gene zur Abwehr aktiviert. Diese TLR helfen dem Immunsystem, körpereigene Komponenten von körperfremden Komponenten zu unterscheiden. Die Polysaccharide von Polyporus waren in der Lage, eine Blockierung des TLR-4 zu verhindern und damit die Fähigkeit zu einer angemessenen Immunantwort aufrecht zu erhalten.

Hepatitis B und Polyporus

Xiong LL.
„Therapeutic effect of combined therapy of Salvia miltiorrhizae and Polyporus umbellatus polysaccharide in the treatment of chronic hepatitis B“
205 Hospital, PLA, Liaoning.
Zhongguo Zhong Xi Yi Jie He Za Zhi. 1993 Sep;13(9):533-5, 516-7.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8111209

90 Patienten mit chronischer Hepatitis B wurden in dieser Studie zufallsbedingt in 3 Gruppen aufgeteilt. Alle Patienten waren positiv für den Hepatitisvirus und abnormale ALT Spiegel. Gruppe 1 wurde mit Salvia miltiorrhizae (Rotwurzel-Salbei) und Polyporus umbellatus Polysaccharide behandelt. Gruppe 2 erhielt nur  Salvia miltiorrhizae und Gruppe 3 nur Polyporus Polysaccharide. Nach dem 3-monatigen Behandlungsintervall betrug die Normalisierung von ALT 80, 40 und 53,3 Prozent für die jeweilige Gruppe. Die negative Konversionsrate von Hbe-Antigen betrug 56,7, 50 und 16,7 Prozent für die jeweilige Gruppe. Nach einem weiteren Zeitintervall von 3 Monaten nach Ende der Therapie hatten sich die ALT Spiegel normalisiert bei 82,6 Prozent der Patienten in Gruppe 1, 42,7 Prozent in Gruppe 2 und 59,1 Prozent in Gruppe 3. Hbe-Antigen war negativ bei 60,9, 52,4 und 22,7 Prozent in der jeweiligen Gruppe. Nach 9 Monaten Followup war ALT normalisiert bei 83,3, 43,8 und 56,3 Prozent der Patienten in der jeweiligen Gruppe. Hbe-Antigen war negativ bei 66,7, 56,3 und 25 Prozent. Diese Ergebnisse belegen, dass eine kombinierte Therapie von  Salvia miltiorrhizae und Polyporus Polysaccharide einen besseren therapeutischen Effekt gegen Hepatitis-B-Viren zu haben scheint. 

Liu et al.
„Chinese medicinal herbs for chronic hepatitis B“
Cochrane Hepato-Biliary Group, Copenhagen Trial Unit, Centre for Clinical Intervention Research, Copenhagen University Hospital, Rigshospitalet, Copenhagen, Denmark,
Cochrane Database Syst Rev. 2001;(1):CD001940.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11279742

Eine Antwort auf die Studie aus China aus dem Jahr 1993 kommt aus dem Cochrane Institut aus Dänemark 8 Jahre später. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine prospektive Studie mit Patienten, sondern um eine Literaturanalyse, bei der Studien und ihre Daten/Ergebnisse nachträglich auf bestimmte Gesichtspunkte „abgeklopft“ werden. Diese Analyse kommt zu folgendem Schluss:

Die Autoren konstatieren, dass chinesische Heilpflanzen oft bei Lebererkrankungen eingesetzt wurden und werden. Es gibt zu diesem Thema auch eine Reihe von kontrollierten Arbeiten, die die Effektivität untersucht haben. Mit der vorliegenden Literaturanalyse will die Autorengruppe die Effektivität und Sicherheit von chinesischen Heilpflanzen bei chronischer Hepatitis B Infektion abklären. Dazu wurden eine Reihe von Datenbanken durchsucht. 5 chinesische Fachzeitschriften wurden „von Hand“ durchsucht. Es gab keine Restriktionen bezüglich der Sprache. Ausgewählt wurden randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit einem Followup Zeitrahmen von mindestens 3 Monaten. Mit einbezogen wurden Arbeiten mit chinesischen Heilpflanzen (einzelne oder in Kombination mit anderen), die mit Plazebo verglichen wurden.

Andere Behandlungsformen, z.B. mit Interferon, allgemeine Behandlungen etc. wurden ebenfalls berücksichtigt. Das Studiendesign war doppelblind, einfachblind oder ohne Verblindung.

Insgesamt kamen für die Auswertung 9 randomisierte Studien mit 936 Patienten in Frage. Ein qualitativ adäquates Design wies nur eine Studie auf. In diesen 9 Studien wurden 10 verschiedene Heilpflanzen getestet. Verglichen mit der nicht spezifischen Behandlung oder Plazebo zeigte eine Kombination von Heilpflanzen einen signifikanten positiven Effekt auf die Entfernung von Hepatitis Antigenen und DNA im Serum; Polyporus Polysaccharide auf Hbe-Antigene und DNA und Phyllanthus amarus auf Serum Hbe-Antigene. Es wurden keine weiteren Effekte bei den gerade erwähnten und anderen Heilpflanzen für diese Indikation beobachtet. Diese Beobachtung führte die Autoren zu dem Schluss, dass chinesische Heilpflanzen zu einem gewissen Teil bei chronischer Hepatitis B wirksam sind. Jedoch sei die Beweislage zu schwach, um eine einzelne Heilpflanze zu empfehlen. Dazu käme noch, dass die vorliegenden Studien methodologische Schwächen hätten und damit kaum aussagekräftig wären. 

Leider fällt der Vorwurf der Dänen auf sie selbst zurück. Die Beweisführung und das gefundene Ergebnis beruhen ebenfalls nicht auf den propagierten Prinzipien einer „sauber“ durchgeführten Studie. Diese Meta-Analyse  wurde sogar ein weiteres Mal in einer anderen Fachzeitschrift, „Liver“, mit veränderter Aussage veröffentlicht (Liver. 2001 Aug;21(4):280-6). Denn hier war unter dem Absatz „Schlussfolgerung“ zu lesen, dass chinesische Heilpflanzen bei chronischer Hepatitis B Infektion auf keinen Fall zu empfehlen seien. Grund dafür sei eine voreingenommene Durchführung der Veröffentlichungen und eine schlechte Qualität der Studiendurchführungen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11454192). Es ist nicht erkenntlich, warum die gleiche Studie (Meta-Analyse) gleich zweimal in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht wird, und dass noch mit sich ausschließenden Schlussfolgerungen. Immerhin zeigt die Diskrepanz der Schlussfolgerungen, die von den Autoren in verschiedenen Zeitschriften an den Tag gelegt wird, dass Meta-Analysen nur mit äußerster Vorsicht zu genießen sind.

Sonstige Studien

Sekiya et al.
„Inhibitory effects of triterpenes isolated from Chuling (Polyporus umbellatus Fries) on free radical-induced lysis of red blood cells“
Department of Japanese Oriental Medicine, Faculty of Medicine, Toyama Medical and Pharmaceutical University, Toyama, Japan.
Biol Pharm Bull. 2005 May;28(5):817-21.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15863885

Dies ist eine in vitro Arbeit, die zeigen konnte, dass der Extrakt aus dem Sklerotium von Polyporus die Zerstörung von roten Blutzellen (Hämolyse) erfolgreich verhindern kann. Dieser Effekt war dosisabhängig. Der Test wurde auch ausgeführt, um den Bestandteil zu identifizieren, der für die Eliminierung von freien Radikalen verantwortlich war. Hierbei handelte es sich um 2 Triterpene, Polyporusteron A und B, die einen hemmenden Einfluss auf die Aktivität der AAPH (2,2’-Azobis(2-Amidino-Propan) Dihydrochlorid, ein experimenteller Radikalenerzeuger) induzierten Hämolyse haben. Der anti-hämolytische Effekt war deutlich stärker bei Polyporusteron B ausgeprägt verglichen mit Polyporusteron A. Weiterhin ergab die orale Gabe von 150 Milligramm Extrakt einen signifikanten Anstieg der anti-oxidativen Kapazitäten im Blut der getesteten Ratten.

Fazit

Für den Polyporus gibt es noch sehr wenig Studienmaterial, insgesamt 41 in PubMed. Von diesen 41 Studien gab es nur eine einzige, die mit Patienten durchgeführt worden war. Alle anderen Arbeiten sind in vitro oder im Teströhrchen entstanden. Aber auch hier sind keine Arbeiten zu finden, die auf mangelnde Wirksamkeit und/oder ausgeprägte Nebenwirkungen schließen lassen. Von daher wäre es mehr als begrüßenswert, wenn dieser Pilz etwas eingehender untersucht würde. Dies ist kein sonderliches Wagnis, da der Pilz zu den Speisepilzen zählt. Und für die gibt es ja inzwischen ein ausgiebiges Sicherheitsprotokoll.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.07.2015 aktualisiert