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Uro Vaxom - Wirkung, Erfahrungen und Nebenwirkungen 

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bei einer unkomplizierten, akuten Harnwegsinfektion kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz. Die Therapieerfolge der Antibiotika scheinen nach wie vor relativ hoch auszufallen. Bei chronischen Verläufen jedoch wurden über Jahrzehnte ebenfalls Antibiotika als prophylaktische Maßnahme empfohlen. Was ein langfristiger Einsatz von Antibiotika an Folgen mit sich bringen kann, das habe ich unter Der Fluch der Antibiotika näher beschrieben. Man redet häufig von Resistenzentwicklungen, was auf jeden Fall seine Berechtigung hat. Aber Antibiotika können in Sachen Nebenwirkungen noch weitaus mehr Schaden anrichten: Schäden im Gastrointestinaltrakt, Herzinfarkte und -versagen, Leberfunktionsstörungen, Knochenmarksdepression etc. Da kommt sofort die Frage auf, was kann man tun, wenn eine chronische oder immer wieder einsetzende Harnwegsinfektion vorliegt, man den Patienten aber nicht mit einer antibiotischen Langzeittherapie belasten beziehungsweise gefährden will.

Eine mögliche Alternative sind natürliche Antibiotika. Diese Antibiotika haben zum einen nicht die Nebenwirkungen wie ich sie weiter oben beschrieben habe und entwickeln zum anderen auch keine Resistenzen.

Neben den natürlichen Antibiotika kommen auch Probiotika in Frage, um Entzündungen und Infektionen zu bekämpfen. Symbioflor 1, Symbioflor 2 und Pro Symbioflor sind solche Präparate die als „Wirkstoff“ einen Extrakt aus abgetöteten Enterococcus faecalis (Symbioflor 1) oder Escherichia coli (Symbioflor 2) oder beiden Arten zusammen (Pro Symbioflor) haben. Der Anwendungsbereich für diese drei Produkte umfasst die Prophylaxe gegen häufige Infektionen, Aktivierung des Immunsystems, Asthma, Neurodermitis, Magen-Darm-Probleme, Sinusitis, Bronchitis und andere Infektionserkrankungen.

Ein nahezu vergleichbares Präparat ist Uro Vaxom. Auch hier liegt ein Extrakt (6 mg gefriergetrocknetes Lysat) aus Escherichia coli vor. Aber genau dieser Stamm ist (angeblich) so häufig für eine akute und chronische Harnwegsinfektion verantwortlich. Eine orale Verabreichung dieses Extraktes soll also eine Art „Schluckimpfung“ darstellen, bei der der „Übertäter“ in abgeschwächter Form dem Organismus zugeführt wird, damit der gegen den Verursacher rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Es bleibt zu fragen, ob das wirklich so abläuft und ob Probiotika mit E. coli Extrakt chronische Infektionen vermeiden können.

Laut „Onmeda.de“ kann dieses Probiotikum aber noch mehr:

„Extrakte aus abgetöteten Escherichia-coli-Bakterien oder Fragmente dieser werden zur Immunstimulation bei chronisch wiederkehrenden, leichten Infektionen und bei Abwehrschwäche angewendet.

Hierzu zählen Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Störungen wie kleine Entzündungen oder Verstopfung, Durchfall und Blähungen, aber auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie Harnwegsinfektionen, Ekzeme und Hämorrhoiden.“

Bei einer Harnwegsinfektion kann es als Immuntherapie zur Vermeidung von wiederkehrenden Infektionen eingesetzt werden oder in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden (gegebenenfalls auch zusammen mit Antibiotika).

Zur präventiven Behandlung und zur Behandlung von akuten Harnwegsinfekten nimmt der Patient jeden Morgen eine Kapsel auf nüchternen Magen rund 30 Minuten vor dem ersten Frühstück. Der Behandlungszeitraum sollte drei Monate nicht unterschreiten. Für die Behandlung von akuten Harnwegsinfektionen mit Antibiotika sollte die Einnahme von Uro Vaxom® mindestens über 10 Tage erfolgen, auch wenn die Symptome bereits durch die Behandlung verschwunden sind.

Es gibt nur wenige Einschränkungen bei der Einnahme des Präparats. Als Kontraindikation gilt eine bekannte Überempfindlichkeit gegen das Präparat, was aber in der Regel weniger auf das E. coli Lysat zurückzuführen ist, sondern auf eine Reihe von Zusatzstoffen, die in der Kapsel enthalten sind und die keine therapeutische Signifikanz haben. Ein paar dieser Zusatzstoffe sind zum Beispiel Gelatine, Mannitol, Natriumhydrogenglutamatmonohydrat, Schellack (woraus man früher die alten Schallplatten gefertigt hatte), Magnesiumstearat, Titanoxid, vorverkleisterte Stärke etc. Zu den Füllmaterialien in Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln hatte ich bereits einen Beitrag veröffentlicht: Gesunde Nahrungsergänzungsmittel mit krankmachenden Füllmaterialien. Hier schneidet das Magnesiumstearat nicht allzu gut ab, wenn es um gesundheitliche Fragen geht.

Ansonsten sollte man das Präparat nicht Kindern unter 4 Jahren geben, da es hier bislang keine Arbeiten dazu gibt. Gleiches gilt auch für die Schwangerschaft: Da es keine Studien zur Sicherheit und Verträglichkeit gibt, rät der Hersteller vorsichtshalber von einem Einsatz während der Schwangerschaft ab. Für die Stillzeit scheint es keine besonderen Einschränkungen zu geben.

An Nebenwirkungen kann man Folgendes erwarten: Zu etwa 4 Prozent treten Nebenwirkungen auf. Dies können sein: Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Exantheme, Pruritus (Juckreiz) oder leichtes Fieber. Bei Fieber und/oder Hautreaktionen sollte der Patient die Einnahme unterbrechen, da es sich hier um eine allergische Reaktion handeln könnte.

Uro Vaxom Studien

Es erscheint irgendwie einleuchtend, dass eine „Impfung“ mit E. coli das Immunsystem auf eine Infektion vorbereiten kann, ganz im Stile der klassischen Impfungen gegen Grippe etc. Leider gibt es einen großen Haken bei den Impfungen: Sie funktionieren meist nicht so wie man sich ihre erhoffte Wirkung erklärt. Wir werden sehen, dass auch die Uro Vaxom „Schluckimpfung“ nur wenig mit einer Impfung zu tun hat. Mehr davon später ...

Immunobiotherapy with Uro-Vaxom in recurrent urinary tract infection. The German Urinary Tract Infection Study Group.

Eine der ersten wissenschaftlichen Studien zu Uro Vaxom kommt aus Deutschland aus dem Jahr 1990. Hier wurden 120 Patienten mit chronischen Harnwegsinfektionen über die Dauer von drei Monaten unter doppelblinden Bedingungen behandelt (entweder mit dem Probiotikum oder mit Placebo). Nach diesen drei Monaten Behandlungszeit schlossen sich weitere drei Monate Beobachtungszeit ohne weitere Behandlung mit Uro Vaxom oder Placebo an.

Resultat: Unter dem Probiotikum zeigte sich eine signifikante Abnahme der Infektionen. Der Verbrauch an Antibiotika sank in der Verumgruppe und krankheitsbedingte Symptome und Begleiterscheinungen nahmen in dieser Gruppe ebenfalls deutlich ab. Es gab leichte Unverträglichkeiten bei insgesamt vier Patienten. Eine sich anschließende weitere Nachbeobachtung der Patienten (nach den 6 Monaten Studiendauer) von fünf Monaten zeigte einen Langzeiteffekt der Behandlung mit Uro Vaxom, da die Rezidivneigung in der Verumgruppe signifikant geringer ausgeprägt war als in der Placebogruppe.

Uro-Vaxom and the management of recurrent urinary tract infection in adults: a randomized multicenter double-blind trial.

Diese Arbeit aus dem Jahr 1994 bestätigt im Wesentlichen die Ergebnisse der vorherigen Studie. Hier wurden 112 Patienten über den Zeitraum von sechs Monaten therapiert. Das Studiendesign, drei Monate Therapie mit entweder Uro Vaxom oder Placebo und weitere 3 Monate reine Beobachtungszeit, war identisch mit der zuvor diskutierten Studie. Und die Ergebnisse entsprachen ebenfalls der ersten Studie.

Im Jahr 1995 und 2002 veröffentlichten polnische Wissenschaftler zwei gleichlaufende Arbeiten mit 28 Patientinnen und 35 Patientinnen mit chronischen Harnwegsinfektionen:

[Clinical evaluation of Uro-Vaxom in treatment of recurrent urinary tract infections in girls]

[Usefulness of Uro-Vaxom in complex treatment of recurrent urinary tract infections in girls].

Leider sind keine näheren Angaben zum Studiendesign und den gefundenen Werten gemacht worden. Die Autoren berichteten in beiden Arbeiten von jeweils einer Unverträglichkeit, die zum Abbruch der Therapie mit dem Probiotikum geführt hatte und von guten Ergebnissen in Bezug auf die Verhinderung von Rezidiven von Harnwegsinfekten.

Wie wirkt eine „Schluckimpfung“, die keine ist?

Es gibt keine Berichte, denen zufolge die Einnahme zu einer Bildung von Antikörpern gegen E. coli geführt hätte. Aber eine Impfung würde, laut schulmedizinischer Hypothese zur Wirksamkeit von Impfungen, genau dies bewirken. Wenn es also keine spezifischen Antikörper gegen E. coli gibt, wie kann das Probiotikum dann wirksam werden?

In dem Beitrag „Darmsanierung - Humbug oder wertvoll für die Gesundheit habe ich eine ausführliche Beschreibung dessen gegeben, was Probiotika im Darm „anrichten“ und wie sie das Immunsystem beeinflussen. Ein eingenommenes Probiotikum wie Uro Vaxom bewirkt keine Verbesserung des bestehenden Darmmilieus, da die zahlenmäßige Überlegenheit des Darmmilieus keine schnellen Veränderungen zulässt. Aber das Lysat und seine Komponenten bewirken eine Reaktion von Peyer Plaques und M-Zellen im lymphatischen Gewebe und Epithel des Gastrointestinaltrakts. Für diesen Effekt sind verhältnismäßig wenige Bakterien nötig. Die Reaktion bewirkt eine Aktivierung von B-Lymphoblasten, die in den Blutkreislauf gelangen und somit im gesamten Organismus verteilt werden, also auch in den Harnwegtrakt. Dort angekommen reifen sie zu Plasmazellen, die einen „universellen“ Antikörper produzieren, das IgA (Immunglobulin A). Diese Antikörper sind in der Lage, eine Reihe von Bakterien und Viren zu binden und unschädlich zu machen.

Damit könnte man vermuten, dass Patienten mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen ihre sich wiederholenden Probleme einem nicht sonderlich gut funktionierenden Immunsystem zu verdanken haben, das möglicherweise auf Beeinträchtigungen des Darmmilieus beruht. Veränderungen in diesem Milieu behindern die Funktionen von Peyer Plaques und M-Zellen, was in einer Abschaltung der Bildung von IgA mündet und somit zu einer Immunschwäche auf den Schleimhäuten der betroffenen Organe. Resultat: Keine Probleme für die hier ansässigen Krankheitskeime, sich zu vermehren beziehungsweise nach dem Absetzen einer Antibiotika-Therapie neu zu formieren. Und damit wäre der Grundstein für Rezidive gelegt.

Fazit

Uro Vaxom ist ein Probiotikum, das genau das zu machen scheint, was man von einem Probiotikum erwarten darf: Es moduliert das Immunsystem effektiv, so dass rezidivierende Infektionen signifikant abnehmen. Die Studien, die hierzu leider noch zu spärlich ausfallen und teilweise nicht dem „goldenen Standard“ entsprechen, zeigen aber in eine vielversprechende Richtung.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 07.01.2016 aktualisiert