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Die alternative Behandlung von Allergien

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Im Beitrag zur Hyposensibilisierung (einem bevorzugten Verfahren der Schulmedizin), habe ich versucht auf die deutlichen Defizite dieses Verfahrens hinzuweisen, aber auch eine Alternative aufzuzeigen. Dabei geht ging es um das darmassoziierte Immunsystem mit seiner Darmflora.

Erst einmal kurz ein paar Fakten und Zahlen zur Darmflora. Diese besteht aus verschiedenen Bakteriengattungen. Diese Gattungen enthalten wieder verschiedene Arten. Man schätzt, dass es bis zu 1000 verschiedene Arten in Darm gibt. Etwa 99 Prozent aller Bakterien stammen aus circa 40 Arten. Insgesamt trägt jeder Erwachsene um die 100 Billionen Darmbakterien in sich, was 10 Mal mehr ist als die Menge der Zellen des Organismus, der diese Bakterien beherbergt.

Alleine das Verhältnis von 1 Körperzelle zu 10 Darmbakterien zeigt an, wie umfassend und notwendig die Existenz der Darmbakterien für den Organismus sein muss. Oder mit anderen Worten: Ohne die Darmflora wäre ein Leben für uns nicht möglich.

Dementsprechend empfindlich müssen sich Störungen auf den Organismus auswirken. Und dementsprechend „segensreich“ sollte sich eine ordentliche Pflege dieses „Körperteils“ auf die gesamte Gesundheit auswirken.

Eine Störung der Darmflora durch Umweltfaktoren kann verschiedene Konsequenzen zeitigen. Autismus scheint eine wichtige davon zu sein (siehe auch: Autismus durch gestörte Darmflora?).

Für die Allergien gibt inzwischen eine Reihe von Arbeiten, die einen Zusammenhang mehr als nur wahrscheinlich machen:

1. Probiotics: immunomodulatory properties in allergy and eczema

In dieser Arbeit wird einer von einer Reihe von Mechanismen diskutiert, die zu einer Allergieentwicklung führen. Für die Autoren scheint eine nicht mehr funktionierende Darmschleimhaut der Grund zu sein, warum schädliche Allergene in den Organismus vordringen können.

Denn es gilt inzwischen auch als gesichert, dass eine intakte Darmschleimhaut eine Barrierefunktion ausübt, die die Toleranz für den Transfer von Stoffen, also auch von Antigenen, selbst regulieren kann. Die Konsequenz einer „durchlöcherten“ Darmschleimhaut (Leaky-Gut-Syndrom) ist, dass es zu einem vermehrten und mehr oder weniger unkontrolliertem Einstrom von Antigenen kommt, der eine Art Dauerbeschuss für das darmassoziierte Immunsystem ist.

Dementsprechend unreguliert und verfälscht laufen die entsprechenden Immunantworten ab. Es kommt zu einer erhöhten Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen, die zusätzlich die Barrierefunktion der Darmschleimhaut beeinträchtigen.

Es gilt weiter als gesichert, dass es eine enge Korrelation gibt zwischen dem Einsetzen von Allergien und Ekzemen und der Zusammensetzung der Darmflora.

Weiter gibt es im Einzelnen Belege, dass eine Reihe von Mikroorganismen in der Lage sind, die Immunantwort zu beeinflussen. Deswegen wurde die Hypothese aufgestellt, dass Probiotika eine nützliche Rolle bei der Behandlung und Prävention von Allergien und Ekzemen spielen.

Allerdings hängt die Effizienz der Behandlung von eine Reihe von Faktoren ab, nicht zuletzt von der Art/Stamm der Bakterien, die zu diesem Zweck zum Einsatz kommen. Weiter sind Behandlungsdauer, Krankheitsgeschichte, Alter, Geschlecht, Ernährungsgewohnheiten, Allergieneigung und so weiter, ebenfalls für die Behandlung ausschlaggebend.

Fazit: Diese Veröffentlichung zeigt noch einmal deutlich, welchen Stellenwert die Darmflora für unser Immunsystem hat und welche Konsequenzen eine Störung hier haben kann. Aber diese Arbeit bringt noch keine „harten Daten“, sondern ist nur eine allgemeine Zusammenfassung von dem, was man bislang zu diesem Thema wissenschaftlich zusammengetragen hat.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt eine Arbeit aus dem Jahr 2013: Is there a role for probiotics in the prevention or treatment of food allergy?

Probiotic VSL#3-induced TGF-β ameliorates food allergy inflammation in a mouse model of peanut sensitization through the induction of regulatory T cells in the gut mucosa

Diese Arbeit aus dem Jahr 2013 zeigte an Mäusen, die an einer Erdnussallergie litten, dass die Gabe von VSL 3 zu einer Abnahme von entzündungsfördernd Th2-Zytokinen führte. VSL 3 ist ein probiotisches Präparat, das aus acht verschiedenen, vermehrungsfähigen Milchsäurebakterienstämmen besteht:

  • Streptococcus thermophilus
  • Bifidobacterium breve
  • Bifidobacterium longum
  • Bifidobacterium infantis
  • Lactobacillus acidophilus
  • Lactobacillus plantarum
  • Lactobacillus paracasei
  • Lactobacillus delbrueckii subsp. Bulgaricus

Die Gabe dieses Probiotikums führte bei den Mäusen zu einer vermehrten Synthese von TGF-β. Hierbei handelt es sich um den „Transforming growth factor beta“, einem Protein, das die Proliferation, Zelldifferenzierung und eine Reihe von anderen wichtigen Funktionen in den meisten Zellen des Organismus kontrolliert.

Dieses Zytokin spielt eine Rolle beim Immunsystem, aber auch bei Erkrankungen, wie zum Beispiel Asthma bronchiale, Herzerkrankungen, Diabetes, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer und einige andere mehr. 

Die Rolle beim Immunsystem besteht in einer bremsenden Funktion bei der Aktivierung von Lymphozyten und Monozyten.

Durch die Gabe von VSL 3 kam es also bei den Mäusen zu einer Erhöhung der Konzentrationen an TGF-β, was über die Senkung von Th2 zu einer Herabregulierung von deren Immunantwort auf Erdnussallergene führte. Die Entzündungen nahmen bei den Tieren ab und anaphylaktische Reaktionen blieben aus.

Daher folgerten die Autoren aus ihren Beobachtungen, dass die Gabe von Probiotika eine effektive und sichere Methode zu sein scheint für die Behandlung und Prävention von Nahrungsmittelallergien.

Ebenfalls aus dem Jahr 2013 stammt diese Veröffentlichung: Probiotics and food allergy

Diese Zusammenfassung nimmt Bezug auf die Hypothese, dass eine übertriebene Hygiene bei Kindern zu einer erhöhten Allergieneigung führt. Hierzu führen die Autoren aus, dass der Mangel an exogenen Antigenen im frühen Leben eines Kindes zu einer verzögerten Entwicklung des Immunsystems beim Kind führt.

Diese Verzögerung bewirkt eine „unangemessene Reaktion“ des Th1/Th2-Immunsystems, das bei einem Kontakt mit Antigenen zu falschen oder überschießenden Reaktionen führt.

Für die Probiotika führen die Autoren aus, dass sie in der Lage sind, eine geschädigte Darmflora zu reparieren, im Zusammenspiel mit Präbiotika, Antioxidantien, ungesättigten Fettsäuren, Folsäure und Vitaminen.

Sie begünstigen die Aufgabe der Darmbakterien, sich an den Zellen der Darmschleimhaut festzusetzen und auf diese Weise deren Funktion zu unterstützen. Probiotika sind in der Lage, das mikrobiologische Gleichgewicht im Darm aufrecht zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen und somit die Aktivierung von Immunzellen zu modulieren. Die Autoren zitieren Arbeiten zu der Frage, inwieweit Probiotika in der Lage sind, Allergien zu verhindern oder zu behandeln (ohne nähere Quellenangabe leider).

Dabei seien die Resultate jedoch widersprüchlich. Den Grund dafür vermuten die Autoren in der Wahl der Bakterienstämme, die in den Studien zum Einsatz kamen. Die Dauer der Therapie bestimmt oft auch den Erfolg beziehungsweise Misserfolg einer solchen Therapie. Und nicht zuletzt haben die eingesetzten Dosierungen ebenfalls einen Effekt auf das Studienergebnis. Darum fordern die Autoren neue Studien, um die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten von Probiotika bei Nahrungsmittelallergien genauer zu erforschen.

Nächste Arbeit: The role of gut microbiota in the pathogenesis and management of allergic diseases

Diese Arbeit zitiert ältere Veröffentlichungen, die bei Mäusen unter vollkommen sterilen Bedingungen gezeigt haben, dass bei diesen Mäusen im späteren Lebensalter ungewöhnlich hohe Zahlen an allergischen Atemwegserkrankungen auftraten im Vergleich mit Mäusen, die unter natürlichen, normalen Bedingungen großgezogen worden waren.

Die Autoren berichten, dass Kinder mit Nahrungsmittelallergien in der Regel ein Ungleichgewicht zwischen nützlichen und potentiell schädigenden Bakterienstämmen haben. Dies drückt sich aus in einem Mangel an Lactobacilli, Bifidobacterien und Enterococcus Spezies und einem Überschuss an koliformen Bakterien, wie zum Beispiel Staphylococcus aureus und Clostridium Arten.

Dies lässt die Vermutung zu, dass die verschiedenen Bakteriengattungen beziehungsweise -arten entweder eine pathogene oder aber protektive Rolle für den Organismus spielen. Auch hier geben die Autoren an, dass die bislang durchgeführten Studien keine 100-prozentig schlüssige Beweise für die Effektivität von Probiotika bei Allergien haben liefern können.

Meine Meinung: Leider sehe ich in den Schlussfolgerungen der beiden letzten diskutierten Studien das Problem, dass sich die Autoren, besonders bei der letzten, wenig Gedanken gemacht haben, warum die eigentlich mehr als überzeugende Hypothese nicht von allen Studien bestätigt werden konnte. Ohne jetzt die Studien zu kennen, auf die sich die Autoren beziehen, besteht jedoch die Möglichkeit, dass negative Ergebnisse auf fehlerhaften Methoden in der Durchführung beruhen und kein Zeichen für eine mangelnde Effektivität der Probiotika sind. Kommen zum Beispiel Probiotika zum Einsatz, die wenig oder keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora haben, dann wird man auch ein negatives Ergebnis einfahren. Um es medizinisch-pharmakologisch auszudrücken hätte man hier einen Bakterienstamm eingesetzt, für den es keine „Indikation“ gibt – ähnlich wie es keine Indikation für Antibiotika bei einer viralen Infektion gibt.

Damit wäre es Zeit für eine Meta-Analyse, die der bisher veröffentlichten Literatur zu diesem Thema auf den Grund geht: Effect of the use of probiotics in the treatment of children with atopic dermatitis; a literature review

In dieser Arbeit wurden 12 Studien aus Europa und Australien ermittelt, bei denen es sich um kontrollierte und damit aussagekräftige Arbeiten handelte. Die Mehrheit der Studien – 75 Prozent – so die Autoren, zeigte einen nutzbringenden Effekt der Probiotika bei der atopischen Dermatitis.

Gleichzeitig zeichnete sich ein Zusatznutzen ab, der in einer besseren Schutzfunktion gegen Infektionen, einer verbesserten Immunantwort, einer Reduzierung von Entzündungen und positiven Veränderungen in der Darmflora bestand.

Fazit: Die Aussagen dieser Meta-Analyse gelten erst einmal nur für die atopische Dermatitis. Streng genommen müsste jetzt für jede Allergieform eine gesonderte Studie erstellt werden, die die Wirksamkeit der Probiotika bestätigt oder auch nicht. Sicherlich ist diese Aufgabe sinnvoll, um festzustellen, welche speziellen Bakteriengattungen beziehungsweise -arten bei welcher Allergie besonders effektiv beziehungsweise überhaupt nicht zu gebrauchen sind.

Maternal and postnatal dietary probiotic supplementation enhances splenic regulatory T helper cell population and reduces ovalbumin allergen-induced hypersensitivity responses in mice

Diese Arbeit aus dem Jahr 2014 untersuchte die Frage, ob die Gabe von Probiotika in der Kindheit die Th2-vermittelte Prädisposition für Nahrungsmittelallergien verhindern kann.

Dazu wurden 2 Gruppen von stillenden Mäusen gebildet, bei der die Gruppe 1 Probiotika, Gruppe 2 eine kontrollierte Diät zum normalen Futter erhielt. Nach 10 Wochen wurden die Jungen abgestillt und mit einem Allergen aus Eiern (Ovalbumin) sensibilisiert. Diese Sensibilisierung erfolgte im 6., 8. und 10. Wochenalter. Zu diesen Zeitpunkten wurden ebenfalls Kotproben eingesammelt und auf Mikroorganismen untersucht. Blutproben wurden auf IgE gegen Ovalbumin untersucht sowie die Gesamtkonzentration von IgE ermittelt. T-Helfer-Zellen und die Aktivitäten von Th1, Th2 und Th17 wurden bestimmt.

Resultat: Im Alter von nur 21 Tagen hatten die Jungen der Muttertiere, die eine mit Probiotika angereicherte Diät erhalten hatten – Gruppe 1, eine signifikant höhere Besiedlung des Darms mit Lactobacillus acidophilus im Vergleich zu den Jungen der Gruppe 2. Zusätzlich zeigten die mit Probiotika gefütterten Muttertiere eine verbesserte, natürlich ablaufende Regulation der T-Helfer-Zellen in der Milz, eine höhere Aktivität von TGF-β und eine signifikant geringere Ausprägung des Allergiemediatiors IL-13 im Vergleich zu den Kontrollen.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass eine frühe Supplementierung mit Probiotika für eine Prophylaxe gegen allergische Reaktionen auf Nahrungsmittelallergene geeignet ist.

Fazit

Probiotika können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen unverzichtbaren Bestandteil einer anti-allergischen Therapie darstellen. Ohne den Einsatz der Probiotika (den richtigen wohlgemerkt!), kann man keinen durchschlagenden Erfolg erwarten.

Daher ist es nicht verwunderlich, wenn die schulmedizinischen Methoden auf nur 50 Prozent Erfolgsquote gelangen, ignorieren diese Methoden den wesentlichen Werdegang und Ursache der Allergien bei der Durchführung der Therapie.

Nach meiner Erfahrung können Allergien mit der richtigen naturheilkundlichen Strategie zu 100% geheilt werden. Diese "Strategie" erfordert vom Patienten allerdings wesentlich mehr, als "nur" drei Mal täglich eine Tablette zu schlucken oder sich wöchentlich eine Spritze abzuholen.

Dieser Artikel wurde am 28.6.2014 erstellt.


   
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