{"id":1514,"date":"2018-03-20T19:29:19","date_gmt":"2018-03-20T18:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/?p=1514"},"modified":"2025-05-07T15:30:38","modified_gmt":"2025-05-07T14:30:38","slug":"xylit-birkenzucker-gegen-pilze-candida-albicans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/xylit-birkenzucker-gegen-pilze-candida-albicans\/","title":{"rendered":"Xylit &#8211; Birkenzucker gegen Pilze (Candida Albicans)?"},"content":{"rendered":"<p><strong><span data-mce-type=\"bookmark\" style=\"display: inline-block; width: 0px; overflow: hidden; line-height: 0;\" class=\"mce_SELRES_start\">?<\/span>Eine Leser stellte mir folgende Frage:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ich bin auf Ihrer Seite:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/Candida_Anti_Pilz_Diaet.html\">https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/Candida_Anti_Pilz_Diaet.html<\/a><\/p>\n<p>dar\u00fcber gestolpert, dass sie der Meinung sind, Pilze k\u00f6nnen sich von Xylit ern\u00e4hren. Ich habe eine komplett gegenteilige Erfahrung gemacht. Xylit scheint leicht antimykotisch zu sein.<br \/>\nAllein wenn man versucht mit Xylit einen Hefeteig anzusetzen, scheint man damit eher die Hefe zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Vielleicht sollten Sie sich auch mal damit befassen. Ist evtl sogar hilfreich gegen Candida. Mir war so als h\u00e4tte ich irgendwann eine Studie bzgl. Mundsor dazu gelesen.<!--more--><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Antwort:<\/strong><\/p>\n<p>Xylitol oder Xylit ist ein Zuckeralkohol, der unter der Bezeichnung E967 als Zuckeraustauschstoff zum Einsatz kommt. Ich hatte eine n\u00e4here Charakterisierung dieser Substanz\u00a0bereits in zwei Artikeln vorgenommen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/ernaehrung\/xylit-xylitol-birkenzucker.html\">Xylitol \u2013 der Birkenzucker: Ein nat\u00fcrliches Wundermittel?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.diabetiker-experte.de\/xylit-birkenzucker.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Xylit \u2013 Birkenzucker bei Diabetes?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Hierbei wird auch die Frage nach den anti-bakteriellen Eigenschaften von Xylit diskutiert, besonders in Bezug auf die Zahnheilkunde.<\/p>\n<p>Xylit ist ein nat\u00fcrlicher Stoff, der in Pflanzen und Tieren vorkommt. Sogar unsere eigene Leber produziert geringe Mengen an Xylit. W\u00e4hrend die anti-bakterielle Wirkung von Xylit auf gewisse Bakterien, besonders auf Karies verursachende Bakterien der Art Streptococcus mutans, kaum angezweifelt wird, ist die Frage nach einer anti-mykotischen Wirkung nicht so eindeutig.<\/p>\n<p>Es scheint sogar Hinweise zu geben, dass Xylit von niederen Pilzen verwertet und\/oder produziert werden kann.<\/p>\n<h3>Wer sagt was? Xylit als anti-mykotische Substanz<\/h3>\n<p>Diese im Jahr 2015 erschienene Arbeit diskutiert die Frage, warum Xylit anti-mikrobiell wirksam ist: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/25483720\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">By passing microbial resistance: xylitol controls microorganisms growth by means of its anti-adherence property. &#8211; PubMed &#8211; NCBI<\/a><\/p>\n<p>Die Autoren erkl\u00e4ren diese Eigenschaft damit, dass Xylit die F\u00e4higkeit der Mikroorganismen, sich an den Schleimh\u00e4uten und deren Epithelzellen fest zu haften, beeintr\u00e4chtigt. Durch die mangelnde Adh\u00e4sion der Keime verlieren sie auch die F\u00e4higkeit, auf den Schleimh\u00e4uten Kolonien zu bilden und sich zu vermehren.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang, der prim\u00e4r von einer bakteriellen Infektion ausgeht, vermuten die Autoren ebenfalls \u00e4hnliche Mechanismen bei Pilzinfektionen.<\/p>\n<p>Eine in vitro Studie aus dem Jahr 2018 spricht sogar von einer anti-mykotischen Wirkung gegen Candida albicans: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/29422459\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antifungal Activity of Xylitol against Candida albicans: An in vitro Study. &#8211; PubMed &#8211; NCBI<\/a><\/p>\n<p>Die Autoren ermittelten hier eine minimale Hemmkonzentration von 200 Milligramm pro Milliliter (oder 200 Gramm pro Liter). Diese hohen Konzentrationen sind in der Lage, lokal (topisch) \u00fcber Kaugummi, Zahnpasten und Mundsp\u00fclungen eine Pilzinfektion in der Mundh\u00f6hle einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2000 gab es eine Arbeit, die sich mit dem Anheften von pathologischen Keimen auf der Schleimhaut in der Mundh\u00f6hle besch\u00e4ftigt hatte: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/10946407\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Effect of dietary carbohydrates on the in vitro epithelial adhesion of Candida albicans, Candida tropicalis, and Candida krusei. &#8211; PubMed &#8211; NCBI<\/a><\/p>\n<p>Die Autoren sahen hier, dass vor allem eine Reihe von verschiedenen Zuckern, die wir vor allem in industriell gefertigten Nahrungsmitteln wiederfinden, die F\u00e4higkeit der Pathogene zur Anheftung an die Epithelzellen der Mundschleimhaut signifikant f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Vor allem sind hier Glucose, Fructose und Maltose zu nennen. Insbesondere Candida albicans erf\u00e4hrt durch Fructose eine deutliche Verbesserung seiner Entwicklungsbedingungen.<\/p>\n<p>Xylit dagegen verschlechtert die F\u00e4higkeit zur Anheftung von Candida albicans an die Epithelzellen. Von daher glauben die Autoren, dass der Verzehr von Haushaltszucker, Glucose, Maltose oder Fructose das Risiko f\u00fcr eine Kandidose im Mundbereich signifikant erh\u00f6ht. Der Einsatz von Xylitol oder Sorbitol k\u00f6nnte dieses Risiko verringern.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit:<\/strong> Der Einsatz von Xylit in Nahrungsmitteln als Zuckeraustauschstoff zur Verhinderung von Kandidosen im Mund funktioniert, wenn \u00fcberhaupt, nur deshalb, weilXylit die Zuckersorten ersetzt, die die Besiedlung von Pilzen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Es liegt hier also keine systemische Wirkung vor, die vom Xylit ausgeht. \u00c4hnlich wie in der zuvor diskutierten Studie verschlechtert Xylit beim Kauen der Nahrung vor Ort, also im Mund direkt, das Milieu f\u00fcr eine Pilzbesiedlung.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=poZcV\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Diese Arbeit aus dem Jahr 2008 sieht \u00fcberhaupt keinen fungiziden Effekt gegen\u00fcber Candida albicans: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/18778883\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The enhancement effect of three sugar alcohols on the fungicidal effect of benzethonium chloride toward Candida albicans. &#8211; PubMed &#8211; NCBI<\/a><\/p>\n<p>Die Autoren dieser Arbeit arbeiteten nicht mit isolierten Pilzkulturen, sondern mit Biofilmen von Candida albicans. Biofilme sind Schleimschichten, in die verschiedene Mikroorganismen eingebettet sind.<\/p>\n<p>Biofilme bieten f\u00fcr die hier ans\u00e4ssigen Mikroorganismen einen zus\u00e4tzlichen Schutz, da die \u201eMitglieder\u201c in den Randgebieten bei einem Angriff durch zum Beispiel Antibiotika zwar abget\u00f6tet werden, dann aber eine Barriere bilden, die das Eindringen der f\u00fcr sie toxischen Substanz verhindert.<\/p>\n<p>Von daher sind Infektionen, die Biofilme ausgebildet haben, deutlich schwerer zu therapieren. Von daher sahen die Autoren keinen fungiziden Effekt von Xylitol, Sorbitol und Erythritol. Lediglich die fungizide Wirksamkeit von Benzethoniumchlorid, einem Konservierungsstoff, wurde durch die drei Zuckeralkohole verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Mein Fazit: Auch hier zeigt sich, dass der fungizide Effekt von Xylit kein systemischer, sondern ein lokaler Effekt ist, der bei Biofilmen nicht mehr greifen kann, da die Substanz nicht in der Lage ist, in den Film einzudringen.<\/p>\n<h3>Wer sagt was? Xylit als pro-mykotische Substanz<\/h3>\n<p>Wenn wir die eben diskutierten Ergebnisse in Beziehung setzen zu der Tatsache, dass Xylit im Gastrointestinaltrakt nur sehr langsam und unvollst\u00e4ndig resorbiert wird, dann wird klar, dass eine anti-mykotische Wirksamkeit nicht systemisch erreicht werden kann, sondern diese auf entsprechend hohen Konzentrationen am Wirkort beruhen, die \u00fcber eine topische Applikation erreicht werden.<\/p>\n<p>Seit geraumer Zeit gibt es vermehrt Arbeiten, die gezeigt haben, dass bestimmte Formen von Candida in der Lage sind, Xylitol zu produzieren. Diese Formen von Candida sind nicht nur gegen\u00fcber Xylitol unempfindlich, sondern dar\u00fcber hinaus in der Lage, diesen Zuckeralkohol zu synthetisieren.<\/p>\n<p>Diese Eigenschaft hat sich die Industrie zu Nutze gemacht, um hier m\u00f6glicherweise eine kosteng\u00fcnstige Form der Xylit-Produktion aufzubauen.<\/p>\n<p>Dazu werden genetisch manipulierte Subspezies benutzt, die von Natur aus Xylit-resistent sind und zudem selber die F\u00e4higkeit haben, die Substanz zu produzieren, wie zum Beispiel Candida glycerinogenes. Ob diese Subspezies pathogenen Charakter hat konnte ich nicht ermitteln. (<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/26018342\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Production of Xylitol from D-Xylose by Overexpression of Xylose Reductase in Osmotolerant Yeast Candida glycerinogenes WL2002-5. &#8211; PubMed \u2013 NCBI<\/strong><\/a>)<\/p>\n<p>Candida tropicalis dagegen ist ein pathogen wirksamer Hefepilz, der rund zehn Prozent aller erfassten systemischen Pilzinfektionen ausmacht. Diese Arbeit (<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/26127015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Metabolic responses in Candida tropicalis to complex inhibitors during xylitol bioconversion. &#8211; PubMed &#8211; NCBI<\/strong><\/a>) diskutiert den Einsatz dieser Hefe bei der Produktion von Xylit und den damit verbundenen Beschr\u00e4nkungen. Diese Arbeit sucht also nach M\u00f6glichkeiten, die Xylit-Produktion durch die Hefe zu verbessern, ohne dabei Sch\u00e4den beim \u201eProduzenten\u201c hinnehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Daneben gibt es noch weitere Spezies von Hefepilzen, die in der Lage sind, Xylit zu produzieren: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/26025941\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Cyberlindnera xylosilytica sp. nov., a xylitol-producing yeast species isolated from lignocellulosic materials. &#8211; PubMed \u2013 NCBI<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Diese Hefepilz-Art wurde 2015 neu entdeckt und festgestellt, dass sie in der Lage ist, Xylit zu produzieren. Ob sie f\u00fcr eine industrielle Verwendung geeignet ist, das wird im Artikel nicht beantwortet. Es gibt auch keine Ausk\u00fcnfte bez\u00fcglich pathogener Eigenschaften.<\/p>\n<p>Eine Verwandte Art ist Cyberlindnera jadinii, auch Torula genannt, die als Geschmacksverst\u00e4rker in industriell gefertigten Nahrungsmitteln zum Einsatz kommt. Diese Nahrungsmittel enthalten dann nicht mehr den Hinweis auf den Inhaltsstoff \u201eGlutamat\u201c, sondern \u201eHefeextrakt\u201c, um auf diese Weise die Liste der Inhaltsstoffe aufzuh\u00fcbschen.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Xylit und Hefepilze &#8211; zwischen diesen beiden gibt es keine geradlinige Interaktion im Sinne von Xylit als \u201eMedikation\u201c gegen Pilzinfektionen. Xylit wird zum Teil von einer Reihe von Hefepilzen selbst hergestellt, sogar bestimmte Candida-Arten mit pathogenem Charakter sind dazu in der Lage.<\/p>\n<p>Dies spricht gegen eine systemische Wirksamkeit von Xylit. Bei lokaler Applikation, wie zum Beispiel in Zahnpasta oder Kaugummis, scheint es eine gute Wirksamkeit gegen Mund-Soor zu geben.<\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass die wasserbindende F\u00e4higkeit von Xylit die auf der Schleimhaut anhaftenden Hefepilze austrocknet und\/oder daran hindert, sich an den Epithelzellen der Schleimhaut anzukoppeln. Gegen eine systemische Wirksamkeit spricht auch die sehr schlechte Bioverf\u00fcgbarkeit von Xylit bei oraler Aufnahme.<\/p>\n<p><strong>Fazit vom Fazit:<\/strong> Wenn Xylit im Hefeteig das Aufgehen des Teigs verhindert, dann ist dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf eine lokale Wirksamkeit des Xylit auf die im Teig enthaltene Hefe zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir haben hier also das gleiche Szenario wie beim Xylit-Kaugummi im Mund. R\u00fcckschl\u00fcsse vom Hefeteig auf den Organismus und die Wirksamkeit von Xylit als \u201ePilzmittel\u201c f\u00fchren damit notwendigerweise zu falschen Schl\u00fcssen.<\/p>\n<h4>Mehr zum Thema Candida finden Sie \u00fcbrigens auch in meinem Buch zum Thema:<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rene-graeber-buecher.de\/die-biologische-therapie-des-candida-albicans.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1415\" src=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/candida-darmpilze-therapie_510px.png\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/candida-darmpilze-therapie_510px.png 510w, https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/candida-darmpilze-therapie_510px-300x138.png 300w\" sizes=\"(max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>?Eine Leser stellte mir folgende Frage: Ich bin auf Ihrer Seite: https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/Candida_Anti_Pilz_Diaet.html dar\u00fcber gestolpert, dass sie der Meinung sind, Pilze k\u00f6nnen sich von Xylit ern\u00e4hren. 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