{"id":2347,"date":"2021-02-11T20:19:26","date_gmt":"2021-02-11T19:19:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/?p=2347"},"modified":"2024-04-15T18:57:40","modified_gmt":"2024-04-15T17:57:40","slug":"bauch-braucht-erholung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/bauch-braucht-erholung\/","title":{"rendered":"Der st\u00e4ndig volle Bauch macht Stress und braucht Erholung"},"content":{"rendered":"<p>Wunder gibt es immer wieder \u2013 so ein Titel eines alten Schlagers von Katja Ebstein&#8230; Und ich wundere mich auch immer wieder \u00fcber B\u00fccher und Artikel, die Zusammenh\u00e4nge beschreiben, die an Plausibilit\u00e4t kaum zu \u00fcberbieten sind, aber trotzdem das Pferd vom falschen Ende aufz\u00e4umen.<\/p>\n<p>Ich beziehe mich hier auf die Aussage, dass eine \u201enormale\u201c (gibt es hier auch anormale?) <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/fdh-diaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FDH<\/a>-Kur (<a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/fdh-diaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">friss die H\u00e4lfte<\/a>) deswegen sch\u00e4dlich sei, weil diese angeblich immer zu einem erh\u00f6hten Cortisolspiegel f\u00fchre. Und hohe Cortisolspiegel sind angeblich immer gef\u00e4hrlich. Nicht umsonst wird vor extensiven Cortisol-Behandlungen mit entsprechenden Medikamenten gewarnt.<\/p>\n<p>Wo kommt denn diese \u00fcberw\u00e4ltigende Erkenntnis her?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>M\u00e4rchenstunde aus dem Land des unbegrenzten BMI<\/h2>\n<p>Es gibt Entwarnung aus dem Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten, auch in Sachen K\u00f6rpergewicht, wo inzwischen mehr als die H\u00e4lfte der Einwohner Pfunde auf die Waagen wuchten, die offensichtlich nach einer neuen Grenzwertbestimmung verlangen. Im Jahr 2010 wurde eine Arbeit ver\u00f6ffentlicht, die ganz klar nachweisen konnte, dass Kalorienrestriktion, Abnehmen, FDH und so weiter keine Alternative zur Fettleibigkeit sein kann, da es sich hier um Stress pur handelt. Und Stress ist ja ungesund:<\/p>\n<p><em>Tomiyama et al.<\/em><\/p>\n<p><em>Robert Wood Johnson Foundation Health und Society Scholars Program, University of California, San Francisco, USA.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eLow calorie dieting increases cortisol.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Psychosom Med. 2010 May;72(4):357-64. Doi: 10.1097\/PSY.00b013e3181d9523c.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/20368473\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/20368473<\/a><\/p>\n<p>Grund f\u00fcr das niederschmetternde Urteil der Autoren ist die Cortisolbestimmung, die bei 121 weiblichen Teilnehmern angeblich gemacht wurden. Denn bei den Frauen, die einer Kalorienrestriktion unterworfen waren, stellten die Autoren erh\u00f6hte Konzentrationen an Cortisol im Speichel fest. F\u00fcr mich stellt sich an dieser Stelle die Frage, warum man nur Frauen in die Studie aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Auch die Stress-Tests (Fragebogen), die laut Aussagen der Autoren durchgef\u00fchrt worden sind, beziehen sich von vornherein auf die Kalorienrestriktion. Oder mit anderen Worten: Man geht von der Pr\u00e4misse aus, dass Kalorienrestriktion = Stress ist und das Kalorienz\u00e4hlen diesen Stress zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht. Au\u00dferdem wurden die Teilnehmerinnen trainiert, die Cortisolbestimmung selbst vorzunehmen, ein nicht gerade \u00fcbliches Verfahren in einer wissenschaftlichen Studie.<\/p>\n<p>Diese Studie dient dann als Basis f\u00fcr eine Webseite, die den reizenden Titel \u201ePitfalls of Calorie Restriction\u201c (Fallstricke der Kalorienrestriktion) tr\u00e4gt. Hier wird die logische Weiterf\u00fchrung des Gedankens, den die Wissenschaftler anstie\u00dfen, get\u00e4tigt und die hei\u00dft: Di\u00e4t und Kalorienrestriktion sind unn\u00fctz, da man davon nicht abnimmt, sondern nur zunimmt. Auch auf dieser Webseite spielen der Stress der Kalorienrestriktion und die erh\u00f6hten Cortisolspiegel die Hauptrolle und werden als Hauptursache f\u00fcr Gewichtszunahme bezeichnet.<\/p>\n<p>Wenn man dieser Unterstellung Glauben schenkt, dann gibt es nur eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die vielen \u00dcbergewichtigen in den Staaten: Dort laufen nur deshalb so viele Dicke herum, weil alle zu wenig essen und darum zu viel Stress und Cortisol haben. Toll! Dementsprechend verquer verl\u00e4uft dann auch der Beweisprozess auf dieser Webseite:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eYour adrenal glands can\u2019t distinguish between a life-threatening emergency and modern stressors that are not life threatening, including calorie monitoring and restriction. For this reason, constant dieting can produce unrelenting stress, causing your brain to signal the adrenal glands to pump out too much cortisol too often. When this happens, an increase in insulin resistance can occur, ultimately leading to increased fat storage.\u201c <\/em><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201eIhre Nebennieren k\u00f6nnen nicht zwischen einer lebensbedrohlichen Notsituation und modernem Dauerstress unterscheiden, der nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist, eingeschlossen Kalorienrestriktion und Kalorienz\u00e4hlen. Darum ist ein chronisches Fasten eine dauernde Quelle von Stress, der das Gehirn veranlasst, Signale an die Nebennieren zu senden, damit die zu oft zu viel Cortisol produzieren und aussch\u00fctten. Wenn das passiert, dann kann es zu einer Insulinresistenz kommen, die zu einem vermehrten Einlagern von Fetten in Depots f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem Dogma der zuvor angef\u00fchrten \u201ewissenschaftlichen\u201c Arbeit wird Kalorienrestriktion auch hier als Stressfaktor gef\u00fchrt, ohne je bewiesen zu haben, dass die Kalorienrestriktion etwas mit Stress zu tun hat. Anscheinend ist hier auch nicht der physiologische Stress gemeint, sondern nur die Tatsache, dass der Hunger ein unangenehmes Gef\u00fchl ist, wird schon als Stress interpretiert.<\/p>\n<p>Und besonders neu ist die \u201eErkenntnis\u201c, dass eine Insulinresistenz zur Bildung von Fettdepots f\u00fchrt. Hier werden offensichtlich Ursache und Wirkung verwechselt. Denn die schon l\u00e4ngst vorhandenen Fettdepots sind mit beteiligt an der Entwicklung einer Insulinresistenz, also genau umgekehrt.<\/p>\n<p>Immerhin bemerkt diese Webseite zum Abschluss, dass die Alternative zur Kalorienrestriktion eher in der Verwendung von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln besteht, eine Bemerkung, die ich voll unterschreiben kann. Und noch bemerkenswerter ist die Aussage, dass diese qualitativ hochwertigen Nahrungsmittel viel schneller satt machen, so dass der Betroffene weniger Kalorien zu sich nehmen muss als bei weniger guten Nahrungsmitteln.<\/p>\n<p>Damit fiele der Stressfaktor weg. Sieh an&#8230; jetzt sind weniger Kalorien pl\u00f6tzlich doch kein Stress mehr. Dieser Gedanke zeigt, dass in der Vorstellungswelt der Autoren von Studie und Webseite nur das Hungergef\u00fchl f\u00fcr den Stress zust\u00e4ndig ist. Also wenn nur das unangenehme Gef\u00fchl des Hungers f\u00fcr Stress sorgt, dann hat der Organismus mit einiger Wahrscheinlichkeit keine gro\u00dfen Probleme mit einer Kalorienrestriktion \u2013 aus physiologischer Sicht gesehen. Und das m\u00fcsste sich auch an den Cortisolspiegeln ablesen lassen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2>Wo geht es hier zur stressfreien und cortisolarmen Kalorienrestriktion?<\/h2>\n<p>Weder die oben aufgef\u00fchrte Arbeit, noch die \u201eFallstrick\u201c-Webseite bringen eine sinnvolle und verst\u00e4ndliche Analyse des Problems. Dementsprechend oft werden Hypothesen als Argumentationsbasis verwendet, um das zu beweisen, was man bewiesen haben m\u00f6chte: Kalorienrestriktion ist schlecht, sie schadet nur.<\/p>\n<p>Auf meiner Suche nach der Frage, ob die Kalorienrestriktion Stress bedeutet f\u00fcr den Organismus, der ja anscheinend an der Menge des vom Organismus produzierten Cortisols gemessen wird, bin ich auf eine Reihe von Arbeiten gesto\u00dfen, die diesen Effekt nicht haben nachweisen k\u00f6nnen. Die Arbeit \u201e<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20130722194125\/https:\/\/jcem.endojournals.org\/content\/82\/6\/1874.full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Differences in Corticotropin-Releasing Hormone-Stimulated Adrenocorticotropin and Cortisol before and after Weight Loss <\/a>\u201c zeigt an 34 gesunden, aber \u00fcbergewichtigen Frauen (wieder keine M\u00e4nner dabei), dass die Kalorienrestriktion einen Gewichtsverlust zeitigte, der mit einer Senkung der Cortisolspiegel verbunden war.<\/p>\n<p>Eine Untersuchung vom Jahr 2012 an Rhesus-Affen ergab sogar, dass Kalorienrestriktion zur Reduktion von psychologischem Stress f\u00fchrt, die wiederum die Cortisolspiegel fallen lie\u00df (<a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/22119476\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Calorie restriction reduces psychological stress reactivity und its association with brain volume und microstructure in aged rhesus monkeys.<\/a>).<\/p>\n<p>Die Autoren der Arbeit \u201e<a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/18502597\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuroendocrine factors in the regulation of inflammation: excessive adiposity and calorie restriction.<\/a>\u201c berichten von Cortisolspiegeln, die sich unter einer Kalorienrestriktion bei Tieren im oberen Normalbereich bewegen, also auch keine signifikante Erh\u00f6hung, die auf ein au\u00dferordentliches Stressgeschehen hinweisen w\u00fcrde. Daf\u00fcr zeigte die Kalorienrestriktion eine Reihe von positiven Effekten, die den Krankheitsstress auf den Organismus milderten, wie entz\u00fcndungshemmende Effekte besonders bei chronischen Entz\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Eine etwas \u00e4ltere Ver\u00f6ffentlichung aus dem Jahr 2002 (<a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/12023257\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Calorie restriction in biosphere 2: alterations in physiologic, hematologic, hormonal, und biochemical parameters in humans restricted for a 2-year period.<\/a>) beobachtete ebenfalls an einigen wenigen menschlichen Probanden, dass die Kalorienrestriktion eher zur Senkung der Cortisolspiegel beitr\u00e4gt als zu deren Erh\u00f6hung.<\/p>\n<p>M\u00f6glicher Grund f\u00fcr das Ausbleiben von Stress beim Fasten und bei der Kalorienrestriktion \u2013 in der\u00a0 wissenschaftlichen Literatur wird fast ausschlie\u00dflich die Kalorienrestriktion untersucht, weniger ein strenges Fasten mit Null Kalorien \u2013 liegt in der Anpassungsf\u00e4higkeit des Organismus an Ern\u00e4hrungsbedingungen.<\/p>\n<p>Denn Nahrungsmangel ist kein Novum entwicklungsgeschichtlich gesehen. In grauer Vorzeit und als J\u00e4ger und Sammler waren unsere Vorfahren auf das angewiesen, was die Natur ihnen hergab beziehungsweise was sie erjagen konnten. Dabei k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass die Jagdopfer, Hirsche, Kaninchen und so weiter, sich nicht kooperativ verhielten und damit das Jagdergebnis nicht von vornherein zu Gunsten der J\u00e4ger ausfiel.<\/p>\n<p>Also gab es immer wieder Phasen mit eingeschr\u00e4nkten Nahrungsmittelangeboten. Von daher scheint das Fasten und die Kalorienrestriktion mehr dem Essverhalten unserer Vorfahren zu entsprechen als der permanent voll gedeckte Tisch in der heutigen modernen Zeit. Und damit erscheint mir auch dieses Essverhalten das Nat\u00fcrlichere zu sein. Oder mit anderen Worten: Unser heutiges Essverhalten, wo wir h\u00e4ufig mehr Kalorien zu uns nehmen als wirklich notwendig sind, das ist Ern\u00e4hrungsstress, den wir mit unseren Zivilisationserkrankungen zu bezahlen haben. Dazu kommt dann noch, dass wir h\u00e4ufig \u201etote Kalorien\u201c zu uns nehmen in Form von allen m\u00f6glichen Formen von Zuckern, die die Qualit\u00e4t der Nahrungsmittel herabsetzen und zu noch mehr Ern\u00e4hrungsstress beitragen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Es ist also genau anders herum: Nicht das Fasten oder die Kalorienrestriktion sind deswegen Stress, nur weil der Hunger etwas unangenehm ist, weil wir immer einen vollen Bauch gew\u00f6hnt sind.<\/p>\n<p>Der immer volle Bauch ist Stress f\u00fcr den Organismus, da der diese V\u00f6lle entwicklungsgeschichtlich (noch) nicht gew\u00f6hnt ist und dementsprechend gestresst mit Krankheiten reagiert.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ben\u00f6tigt auch der Organismus ab und zu eine \u201eAuszeit\u201c, um sich zu regenerieren. Und das kann er am besten, wenn man ihn nicht mit Verdauungsaufgaben qu\u00e4lt. Immerhin sind fast 80 Prozent der Immunzellen im Gastrointestinaltrakt beheimatet, die beim Fasten besonders und bei der Kalorienrestriktion teilweise entlastet werden und so Zeit haben, sich zu regenerieren.<\/p>\n<p><strong> <a href=\"https:\/\/www.vitalstoffmedizin.com\/newsletter-5-vitalstoffe-rene-graeber.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1867 size-full\" src=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/vitalstoffe-610px.jpg\" alt=\"Newsletter 5 Wundermittel von Rene Gr\u00e4ber\" width=\"610\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/vitalstoffe-610px.jpg 610w, https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/vitalstoffe-610px-300x139.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde am 11.02.2021 erstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wunder gibt es immer wieder \u2013 so ein Titel eines alten Schlagers von Katja Ebstein&#8230; Und ich wundere mich auch immer wieder \u00fcber B\u00fccher und Artikel, die Zusammenh\u00e4nge beschreiben, die an Plausibilit\u00e4t kaum zu \u00fcberbieten sind, aber trotzdem das Pferd vom falschen Ende aufz\u00e4umen. 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