{"id":10,"date":"2026-10-09T08:01:40","date_gmt":"2026-10-09T07:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/blog\/?p=10"},"modified":"2026-10-12T10:17:45","modified_gmt":"2026-10-12T09:17:45","slug":"schlank-gesund-dick-krank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/blog\/schlank-gesund-dick-krank\/","title":{"rendered":"Dicke krank, Schlanke gesund? Warum die Waage so wenig \u00fcber unsere Gesundheit verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Ein schlanker Mensch mit schlechten Blutwerten, Bluthochdruck und kaum Muskulatur. Daneben jemand mit einigen Kilos zu viel, der regelm\u00e4\u00dfig Sport treibt, gute Blutwerte hat und problemlos mehrere Stockwerke die Treppe hinaufl\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Wer von beiden ist ges\u00fcnder?<\/strong><\/p>\n<p>Wer nur auf das K\u00f6rpergewicht schaut, k\u00f6nnte zu einer v\u00f6llig falschen Antwort kommen.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten wird uns vermittelt, dass Schlanksein nahezu gleichbedeutend mit Gesundheit sei. \u00dcbergewicht dagegen gilt als Vorstufe zahlreicher Krankheiten. Die medizinische Wirklichkeit ist erheblich komplizierter.<\/p>\n<p><strong>Ein schlanker K\u00f6rper ist keine Garantie f\u00fcr Gesundheit. Und ein h\u00f6heres K\u00f6rpergewicht bedeutet nicht automatisch, dass jemand krank ist.<\/strong><\/p>\n<p>Das klingt zun\u00e4chst selbstverst\u00e4ndlich. Trotzdem werden Millionen Menschen anhand einer einzigen Zahl beurteilt: dem Body-Mass-Index.<\/p>\n<h2>Der BMI: Eine Formel, die mehr verspricht, als sie halten kann<\/h2>\n<p>Der Body-Mass-Index, kurz BMI, berechnet sich aus dem K\u00f6rpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe in Metern.<\/p>\n<p>Nach den \u00fcblichen Grenzwerten gilt f\u00fcr Erwachsene:<\/p>\n<ul>\n<li>Unter 18,5: Untergewicht<\/li>\n<li>18,5 bis 24,9: Normalgewicht<\/li>\n<li>25 bis 29,9: \u00dcbergewicht<\/li>\n<li>Ab 30: Adipositas<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Formel geht auf den belgischen Statistiker Adolphe Quetelet zur\u00fcck, der sie bereits im 19. Jahrhundert entwickelte. Im Jahr 1972 machte der amerikanische Physiologe Ancel Keys sie unter der Bezeichnung Body-Mass-Index popul\u00e4r.<\/p>\n<p>Das urspr\u00fcngliche Ziel war allerdings nicht, den Gesundheitszustand eines einzelnen Menschen umfassend zu beurteilen. Der BMI eignete sich vielmehr dazu, gr\u00f6\u00dfere Bev\u00f6lkerungsgruppen statistisch miteinander zu vergleichen.<\/p>\n<p>Genau hier liegt das Problem.<\/p>\n<p>Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett. Er ber\u00fccksichtigt weder die Fettverteilung noch die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit. Ein kr\u00e4ftiger, gut trainierter Mensch kann rechnerisch \u00fcbergewichtig sein, w\u00e4hrend jemand mit wenig Muskelmasse und erh\u00f6htem K\u00f6rperfettanteil problemlos im Normalbereich liegt.<\/p>\n<p>Als statistischer Risikomarker hat der BMI durchaus einen Wert. Als alleinige Grundlage f\u00fcr die gesundheitliche Beurteilung eines Menschen ist er ungeeignet.<\/p>\n<p>Dazu habe ich bereits ausf\u00fchrlicher geschrieben: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/blog\/der-fette-bmi-betrug\/\">Die leichten Dicken und der BMI \u2013 oder der fette BMI-Betrug?<\/a><\/p>\n<h2>Entscheidend ist auch, wo das Fett sitzt<\/h2>\n<p>Ein weiterer Fehler besteht darin, jedes zus\u00e4tzliche Kilogramm K\u00f6rperfett gleich zu bewerten. Besonders wichtig ist das sogenannte viszerale Fettgewebe. Es befindet sich in der Bauchh\u00f6hle und umgibt die inneren Organe.<\/p>\n<p>Dieses Fettgewebe ist keineswegs nur eine passive Energiereserve. Es ist stoffwechselaktiv, beeinflusst hormonelle Prozesse und steht mit Insulinresistenz, entz\u00fcndlichen Ver\u00e4nderungen und einem erh\u00f6hten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung. Das Fett direkt unter der Haut ist dagegen nicht in gleicher Weise mit diesen Risiken verbunden.<\/p>\n<p>Deshalb kann ein Mensch mit einem BMI von 24 und ausgepr\u00e4gtem Bauchfett stoffwechselgesundheitlich schlechter dastehen als jemand mit einem BMI von 28, der einen geringeren Bauchfettanteil und eine gute Muskulatur besitzt. Ein einfacher zus\u00e4tzlicher Anhaltspunkt ist das Verh\u00e4ltnis von Taillenumfang zu K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Die britische Gesundheitsbeh\u00f6rde NICE empfiehlt Erwachsenen, den Taillenumfang m\u00f6glichst unter der H\u00e4lfte der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe zu halten. Bei 1,70 Metern K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe w\u00e4ren das beispielsweise weniger als 85 Zentimeter. Auch das ist keine vollst\u00e4ndige Diagnose. Aber es liefert Informationen, die der BMI allein nicht bieten kann.<\/p>\n<p>Die Stoffwechselwirkungen des Bauchfetts habe ich in einem weiteren Beitrag ausf\u00fchrlich beschrieben: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/blog\/bauchfett-wirkt-wie-ein-organ\/\">Bauchfett wirkt wie ein Organ \u2013 und ver\u00e4ndert den gesamten Stoffwechsel<\/a>.<\/p>\n<p>Wie sich verschiedene Fettverteilungstypen unterscheiden und wann das Fett am Bauch tats\u00e4chlich zum Gesundheitsproblem wird, erfahren Sie au\u00dferdem hier: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/hueftspeck-und-bauchfett\/\">Wann H\u00fcftspeck und Bauchfett weg m\u00fcssen<\/a>.<\/p>\n<p>Wer sein Gewicht reduzieren m\u00f6chte, sollte deshalb zun\u00e4chst kl\u00e4ren, was eigentlich ver\u00e4ndert werden soll. Geht es um gesundheitlich problematisches Bauchfett? Um fehlende Muskulatur? Um erh\u00f6hte Blutzuckerwerte? Oder lediglich darum, auf der Waage eine bestimmte Zahl zu erreichen?<\/p>\n<p>Je nach Ausgangslage k\u00f6nnen ganz unterschiedliche Ma\u00dfnahmen sinnvoll sein. Und genau deshalb halte ich wenig von pauschalen Abnehmpl\u00e4nen, die f\u00fcr jeden Menschen dasselbe versprechen.<\/p>\n<div class=\"newsletter-optin\" style=\"margin: 30px 0; padding: 22px; background-color: #f7f9f7; border: 1px solid #dce5df;\">\n<p><strong>Abnehmen, ohne sich von einer Di\u00e4t zur n\u00e4chsten zu qu\u00e4len?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sie Ihren Stoffwechsel besser verstehen, Bauchfett reduzieren und langfristig ein gesundes Gewicht erreichen m\u00f6chten, dann lesen Sie auch meinen kostenlosen Abnehm-Newsletter. Darin besch\u00e4ftige ich mich mit den Ursachen von Gewichtsproblemen, verbreiteten Di\u00e4t-Irrt\u00fcmern und sinnvollen Wegen zu einer dauerhaften Ern\u00e4hrungsumstellung.<\/p>\n<p><strong>Hier k\u00f6nnen Sie sich kostenlos anmelden:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pQWy2\"><\/script><\/p>\n<\/div>\n<h2>Eine bemerkenswerte Studie: Fitness schl\u00e4gt den BMI<\/h2>\n<p>Besonders interessant finde ich eine 2025 im <em>British Journal of Sports Medicine<\/em> ver\u00f6ffentlichte Metaanalyse. Die Wissenschaftler werteten 20 Studien mit insgesamt rund 399.000 Beobachtungen aus. Untersucht wurde, wie K\u00f6rpergewicht und kardiorespiratorische Fitness mit dem Sterberisiko zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Normalgewichtige Menschen mit geringer k\u00f6rperlicher Fitness hatten gegen\u00fcber fitten Normalgewichtigen ein nahezu doppelt so hohes allgemeines Sterberisiko. Bei Menschen mit Adipositas und geringer Fitness lag dieses Risiko ebenfalls ungef\u00e4hr doppelt so hoch.<\/p>\n<p>Dagegen war das Sterberisiko fitter Menschen mit \u00dcbergewicht oder Adipositas gegen\u00fcber fitten Normalgewichtigen statistisch nicht signifikant erh\u00f6ht. Das ist bemerkenswert. Allerdings handelt es sich um Beobachtungsstudien. Daraus l\u00e4sst sich weder beweisen, dass Fitness s\u00e4mtliche Risiken einer Adipositas aufhebt, noch dass zus\u00e4tzliches K\u00f6rperfett harmlos w\u00e4re. Auch ein statistisch nicht signifikanter Unterschied beweist nicht, dass die Risiken tats\u00e4chlich identisch sind.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen vielmehr, wie problematisch es ist, gesundheitliche Risiken ausschlie\u00dflich am Gewicht festzumachen.<\/p>\n<p><strong>Ein Mensch wird nicht automatisch gesund, nur weil er abnimmt. Und seine Gesundheit kann sich durch regelm\u00e4\u00dfiges Training verbessern, auch wenn die Waage zun\u00e4chst kaum weniger anzeigt.<\/strong><\/p>\n<p>Aus meiner Sicht wird dieser zweite Punkt noch immer untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Gerade beim Krafttraining kann sich die K\u00f6rperzusammensetzung erheblich verbessern, ohne dass das Gesamtgewicht entsprechend sinkt. Muskelmasse wird aufgebaut, Fettmasse kann zur\u00fcckgehen und der K\u00f6rper wird leistungsf\u00e4higer.<\/p>\n<p>Wer ausschlie\u00dflich die Kilogramm kontrolliert, bemerkt davon m\u00f6glicherweise wenig.<\/p>\n<p>In meiner Praxis und auch aus meiner sportwissenschaftlichen Arbeit ist mir deshalb die Entwicklung von Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit wesentlich wichtiger als eine m\u00f6glichst niedrige Zahl auf der Waage. Wer sich die Studie ansehen m\u00f6chte:\u00a0<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/39537313\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weeldreyer et al. (2025): Cardiorespiratory fitness, body mass index and mortality \u2013 systematic review and meta-analysis<\/a>.<\/p>\n<div class=\"newsletter-optin\" style=\"margin: 30px 0; padding: 22px; background-color: #f7f9f7; border: 1px solid #dce5df;\">\n<p><strong>Wie viel Bewegung braucht man wirklich, um gesund und leistungsf\u00e4hig zu bleiben?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Frage besch\u00e4ftige ich mich seit Jahrzehnten. In meinem kostenlosen Fitness-Newsletter geht es um sinnvolles Training, Muskelaufbau, Beweglichkeit und k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit \u2013 auch f\u00fcr Menschen, die schon lange keinen Sport mehr betrieben haben oder wieder einsteigen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Wenn Sie nicht nur leichter, sondern vor allem kr\u00e4ftiger und belastbarer werden m\u00f6chten, finden Sie dort praktische Anregungen.<\/p>\n<p><strong>Hier k\u00f6nnen Sie den kostenlosen Fitness-Newsletter anfordern:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pjn5o\"><\/script><\/p>\n<\/div>\n<h2>Gibt es tats\u00e4chlich gesunde Dicke und kranke Schlanke?<\/h2>\n<p>Ja. Die Forschung unterscheidet inzwischen verschiedene Stoffwechselzust\u00e4nde, die sich nicht allein am K\u00f6rpergewicht erkennen lassen. Ein Teil der Menschen mit Adipositas weist zun\u00e4chst unauff\u00e4llige Blutzuckerwerte, einen normalen Blutdruck und ein g\u00fcnstiges Blutfettprofil auf. In wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen spricht man h\u00e4ufig von <em>metabolisch gesunder Adipositas<\/em>.<\/p>\n<p>Umgekehrt gibt es normalgewichtige Menschen mit Insulinresistenz, erh\u00f6hten Triglyceriden, Bluthochdruck oder einer Fettleber. Dass das K\u00f6rpergewicht diese Unterschiede nicht zuverl\u00e4ssig abbildet, ist inzwischen gut dokumentiert.<\/p>\n<p>Allerdings w\u00e4re es falsch, daraus zu schlie\u00dfen, dass eine metabolisch gesunde Adipositas dauerhaft risikolos bleibt. Langzeituntersuchungen zeigen, dass sich der Stoffwechselzustand ver\u00e4ndern kann. Auch Menschen mit zun\u00e4chst unauff\u00e4lligen Stoffwechselwerten k\u00f6nnen im Verlauf Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln.<\/p>\n<h3>Eine neue Adipositas-Definition aus dem Jahr 2025<\/h3>\n<p>Eine internationale Expertenkommission schlug deshalb 2025 in <em>The Lancet Diabetes &amp; Endocrinology<\/em> vor, zwischen pr\u00e4klinischer und klinischer Adipositas zu unterscheiden. Bei pr\u00e4klinischer Adipositas liegt \u00fcbersch\u00fcssiges Fettgewebe vor, ohne dass dadurch bereits nachweisbare Funktionsst\u00f6rungen anderer Organe oder Gewebe bestehen. Bei klinischer Adipositas sind solche gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen vorhanden.<\/p>\n<p>Die klinische Adipositas kann sich dabei nicht nur durch Stoffwechselst\u00f6rungen, sondern beispielsweise auch durch eine eingeschr\u00e4nkte Organfunktion oder erhebliche k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkungen bemerkbar machen.<\/p>\n<p>Die Unterscheidung zwischen pr\u00e4klinischer und klinischer Adipositas ist deshalb nicht mit der \u00e4lteren Gegen\u00fcberstellung von metabolisch gesunder und metabolisch kranker Adipositas gleichzusetzen.<\/p>\n<p>Der entscheidende Gedanke dahinter bleibt: Nicht jede Person mit einem hohen BMI befindet sich im gleichen Gesundheitszustand. Und auch hier haben wir die Studie: <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/39824205\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rubino et al. (2025): Definition and diagnostic criteria of clinical obesity<\/a>.<\/p>\n<h2>Leben Menschen mit leichtem \u00dcbergewicht sogar l\u00e4nger?<\/h2>\n<p>Immer wieder tauchen Untersuchungen auf, in denen Menschen mit leichtem \u00dcbergewicht eine niedrigere Sterblichkeit aufweisen als Menschen im Normalgewichtsbereich. Dieses Ph\u00e4nomen wird teilweise als Adipositas-Paradoxon bezeichnet.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es verschiedene m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen. Bei \u00e4lteren und chronisch kranken Menschen k\u00f6nnen Energiereserven von Bedeutung sein. Gleichzeitig sind solche Studien methodisch schwierig zu interpretieren.<\/p>\n<p>Beispielsweise k\u00f6nnen schwere Erkrankungen bereits vor der Diagnose zu Gewichtsverlust f\u00fchren. Auch Rauchen beeinflusst sowohl das K\u00f6rpergewicht als auch die Sterblichkeit. Werden diese Faktoren nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt, entstehen leicht irref\u00fchrende Ergebnisse.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Analyse von 239 prospektiven Studien mit insgesamt mehr als zehn Millionen Teilnehmern aus dem Jahr 2016 zeigte nach Einschr\u00e4nkung auf Nichtraucher und Ber\u00fccksichtigung bestehender Erkrankungen ein anderes Bild: Die geringste Sterblichkeit lag \u00fcberwiegend im Normalgewichtsbereich. Wer sich die Quelle ansehen m\u00f6chte: <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/27423262\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Global BMI Mortality Collaboration (2016): Body-mass index and all-cause mortality<\/a>.<\/p>\n<p>Deshalb halte ich es f\u00fcr falsch, Menschen grunds\u00e4tzlich zu empfehlen, einige zus\u00e4tzliche Kilos als vermeintliche Lebensversicherung anzusammeln.<\/p>\n<p>Bei \u00e4lteren Menschen kommt es allerdings besonders darauf an, einen Verlust an Muskelmasse, Kraft und k\u00f6rperlicher Selbstst\u00e4ndigkeit zu vermeiden. Eine aggressive Gewichtsreduktion kann hier mehr schaden als n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wer mit 75 Jahren zwar einige Kilogramm weniger wiegt, daf\u00fcr aber kaum noch vom Stuhl aufstehen kann, hat gesundheitlich wenig gewonnen.<\/p>\n<h2>Was ich in meiner Naturheilpraxis f\u00fcr wichtiger halte als das Idealgewicht<\/h2>\n<p>Wenn wir Gesundheit beurteilen wollen, m\u00fcssen wir \u00fcber die Kilogramm hinausblicken. Mich interessieren vor allem die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit, die Muskelmasse, die Fettverteilung und die Stoffwechselregulation.<\/p>\n<p>Blutdruck, N\u00fcchternglukose beziehungsweise HbA1c, Blutfettwerte und bei entsprechender Fragestellung auch Leberwerte liefern wichtige zus\u00e4tzliche Informationen.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig sind die Gewohnheiten der Menschen.\u00a0Wie bewegt sich ein Mensch? Wie schl\u00e4ft er? Was isst er regelm\u00e4\u00dfig? Wie stark ist seine Muskulatur? Wie entwickelt sich seine Belastbarkeit \u00fcber die Jahre?<\/p>\n<p>Schauen wir uns diese Punkte mal an:<\/p>\n<h3>1. Bewegung und Muskulatur<\/h3>\n<p>Wer regelm\u00e4\u00dfig z\u00fcgig geht, Rad f\u00e4hrt, schwimmt oder eine andere Ausdauerbelastung aus\u00fcbt, verbessert damit wichtige Voraussetzungen f\u00fcr die Herz-Kreislauf-Gesundheit.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzendes Krafttraining hilft, Muskulatur zu erhalten und aufzubauen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche und muskelkr\u00e4ftigende Aktivit\u00e4ten an mindestens zwei Tagen.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass jeder sofort ein umfangreiches Sportprogramm absolvieren muss. Entscheidend ist zun\u00e4chst, \u00fcberhaupt regelm\u00e4\u00dfig in Bewegung zu kommen und die Belastung nach und nach zu steigern.<\/p>\n<p>Gerade Menschen, die lange keinen Sport getrieben haben, sollten behutsam beginnen. Die Regelm\u00e4\u00dfigkeit ist zun\u00e4chst wichtiger als sportliche H\u00f6chstleistungen.<\/p>\n<h3>2. Ern\u00e4hrung statt immer neuer Di\u00e4ten<\/h3>\n<p>Bei der Ern\u00e4hrung w\u00fcrde ich mich weniger auf starre Kalorientabellen konzentrieren, sondern zun\u00e4chst auf die Qualit\u00e4t der t\u00e4glichen Lebensmittel. Eine \u00fcberwiegend naturbelassene Ern\u00e4hrung mit Gem\u00fcse, ausreichend Eiwei\u00df, ballaststoffreichen Lebensmitteln und m\u00f6glichst wenig hochverarbeiteten Produkten schafft eine wesentlich bessere Grundlage als die n\u00e4chste kurzfristige Radikaldi\u00e4t.<\/p>\n<p>Entscheidend bleibt allerdings auch die insgesamt aufgenommene Energiemenge. Wer dauerhaft mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, kann selbst mit hochwertigen Lebensmitteln an Gewicht zunehmen.<\/p>\n<p>Deshalb besteht eine sinnvolle Ern\u00e4hrungsumstellung nicht darin, Kalorien grunds\u00e4tzlich f\u00fcr bedeutungslos zu erkl\u00e4ren. Es geht darum, Lebensmittel so auszuw\u00e4hlen, dass S\u00e4ttigung, N\u00e4hrstoffversorgung und ein angemessenes Essverhalten langfristig zusammenpassen.<\/p>\n<p>Warum das blo\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/blog\/kalorien-zaehlen\/\">Kalorienz\u00e4hlen h\u00e4ufig nicht zum erhofften langfristigen Erfolg f\u00fchrt<\/a>, habe ich an anderer Stelle beschrieben.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht wird au\u00dferdem die Bedeutung der Lebensmittelqualit\u00e4t h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Hochverarbeitete Produkte sind oft so zusammengesetzt, dass sie sich leicht und in gro\u00dfen Mengen verzehren lassen. Gleichzeitig liefern sie nicht unbedingt die N\u00e4hrstoffdichte, die man sich von einer vern\u00fcnftigen Ern\u00e4hrung w\u00fcnschen w\u00fcrde.<\/p>\n<div class=\"newsletter-optin\" style=\"margin: 30px 0; padding: 22px; background-color: #f7f9f7; border: 1px solid #dce5df;\">\n<p><strong>Was geh\u00f6rt eigentlich t\u00e4glich auf den Teller \u2013 und was besser nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Viele Menschen wissen inzwischen, dass sie weniger Zucker und Fertigprodukte essen sollten. Schwieriger wird es bei der Frage, welche Lebensmittel dem Stoffwechsel tats\u00e4chlich guttun und worauf man beim Einkauf achten sollte.<\/p>\n<p>In meinem kostenlosen Ern\u00e4hrungs-Newsletter stelle ich unter anderem drei Nahrungsmittel vor, mit denen es sich lohnt, n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen. Dazu erhalten Sie weitere Hinweise zu Ern\u00e4hrung und Gesundheit aus meiner langj\u00e4hrigen Naturheilpraxis.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie Ihre Ern\u00e4hrung gezielt verbessern m\u00f6chten, k\u00f6nnen Sie sich hier kostenlos eintragen:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2gv\"><\/script><\/p>\n<\/div>\n<h3>3. Stoffwechselwerte nicht \u00fcbersehen<\/h3>\n<p>Besonders bei erh\u00f6htem Bauchumfang sollte man sich nicht allein darauf verlassen, dass das Gewicht noch im Normalbereich liegt. Ein erh\u00f6hter N\u00fcchternblutzucker, ung\u00fcnstige Blutfettwerte oder ein steigender Blutdruck k\u00f6nnen auf Stoffwechselprobleme hinweisen, die \u00e4u\u00dferlich kaum erkennbar sind.<\/p>\n<p>Auch eine Fettleber ist keineswegs ausschlie\u00dflich ein Problem stark \u00fcbergewichtiger Menschen. Bei entsprechendem Verdacht k\u00f6nnen neben Blutzucker und HbA1c unter anderem Triglyceride, HDL-Cholesterin und Leberwerte sinnvoll sein. Welche weiteren Untersuchungen notwendig sind, h\u00e4ngt von der individuellen Situation ab.<\/p>\n<p>In meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/leberwerte\/\">Leberwerte erh\u00f6ht? GPT, GOT und GGT richtig verstehen<\/a> erl\u00e4utere ich, warum gerade bei Stoffwechselproblemen ein genauerer Blick auf die Leber lohnend sein kann. Auch normale Standardlaborwerte schlie\u00dfen eine beginnende Stoffwechselst\u00f6rung nicht in jedem Fall aus. Eine Beurteilung sollte daher immer die Gesamtsituation ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<h3>4. Heilfasten als Einstieg in eine Ver\u00e4nderung?<\/h3>\n<p>Das Heilfasten kann, wenn es individuell geeignet ist und fachgerecht durchgef\u00fchrt wird, ein sinnvoller Einstieg sein, um Ern\u00e4hrungsgewohnheiten bewusst zu ver\u00e4ndern. Wer fastet, besch\u00e4ftigt sich zwangsl\u00e4ufig mit seinem bisherigen Essverhalten. Hunger, Appetit, Gewohnheiten und die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit von Lebensmitteln werden h\u00e4ufig anders wahrgenommen.<\/p>\n<p>Aus meiner langj\u00e4hrigen Erfahrung mit Fastenden wei\u00df ich allerdings auch, dass die entscheidende Arbeit oft erst nach dem Fasten beginnt. Wer anschlie\u00dfend genauso weiterisst wie vorher, darf keine dauerhafte Ver\u00e4nderung erwarten.<\/p>\n<p>Fasten ist deshalb aus meiner Sicht kein Ersatz f\u00fcr eine nachhaltige Ern\u00e4hrungsumstellung. Ebenso wenig ersetzt es den Aufbau und Erhalt von Muskulatur. Den Unterschied zwischen beiden Ans\u00e4tzen habe ich in meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/fasten-diaet\/\">Fasten ist keine Di\u00e4t \u2013 warum der K\u00f6rper anders reagiert<\/a> ausf\u00fchrlicher beschrieben.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Menschen kann auch <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/intervallfasten\/\">Intervallfasten<\/a> eine praktikable M\u00f6glichkeit sein, die t\u00e4gliche Nahrungsaufnahme besser zu strukturieren. Es ist allerdings nicht grunds\u00e4tzlich wirksamer als andere Ern\u00e4hrungsformen, mit denen sich eine vergleichbare Energiereduktion erreichen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wichtig: Bei bestimmten Erkrankungen, bei Untergewicht, Essst\u00f6rungen und bei der Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere bei Diabetes, muss vor dem Fasten gekl\u00e4rt werden, ob und unter welchen Bedingungen es geeignet ist.<\/p>\n<h2>Mein Fazit: Gesundheit l\u00e4sst sich nicht wiegen<\/h2>\n<p>Es w\u00e4re bequem, wenn eine einzige Zahl dar\u00fcber entscheiden k\u00f6nnte, wer gesund ist und wer nicht, aber der menschliche Stoffwechsel funktioniert nicht so einfach. Schlanke Menschen k\u00f6nnen erhebliche Stoffwechselprobleme entwickeln. Menschen mit \u00dcbergewicht k\u00f6nnen k\u00f6rperlich leistungsf\u00e4hig sein und zun\u00e4chst g\u00fcnstige Gesundheitswerte aufweisen.<\/p>\n<p>Genauso bleibt richtig, dass ausgepr\u00e4gte Adipositas erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann. Diese Risiken verschwinden nicht dadurch, dass jemand sportlich aktiv ist oder sich subjektiv wohlf\u00fchlt.<\/p>\n<p><strong>Mein Ziel w\u00e4re deshalb nicht, jeden Menschen m\u00f6glichst schlank zu machen. Ich m\u00f6chte, dass Menschen m\u00f6glichst gesund, kr\u00e4ftig, beweglich und stoffwechselstabil bleiben.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn daf\u00fcr eine Gewichtsreduktion notwendig ist, sollte sie sinnvoll und langfristig angelegt sein. Wenn dagegen vor allem Muskulatur, Fitness oder Stoffwechselgesundheit verbessert werden m\u00fcssen, dann sollte genau dort angesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Quellen, die ich mir f\u00fcr diesen Beitrag angesehen habe<\/h2>\n<ol>\n<li>Rubino F. et al. (2025): Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. <em>The Lancet Diabetes &amp; Endocrinology.<\/em> <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/39824205\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Ver\u00f6ffentlichung<\/a>.<\/li>\n<li>Weeldreyer N. R. et al. (2025): Cardiorespiratory fitness, body mass index and mortality: a systematic review and meta-analysis. <em>British Journal of Sports Medicine.<\/em> <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/39537313\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Ver\u00f6ffentlichung<\/a>.<\/li>\n<li>Global BMI Mortality Collaboration (2016): Body-mass index and all-cause mortality: individual-participant-data meta-analysis of 239 prospective studies in four continents. <em>The Lancet.<\/em> <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/27423262\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Ver\u00f6ffentlichung<\/a>.<\/li>\n<li>NICE (2025\/2026): Overweight and obesity management \u2013 Identifying and assessing overweight, obesity and central adiposity. <a href=\"https:\/\/www.nice.org.uk\/guidance\/ng246\/chapter\/Identifying-and-assessing-overweight-obesity-and-central-adiposity\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Leitlinie<\/a>.<\/li>\n<li>World Health Organization (2020): WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/books\/NBK566046\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zu den Empfehlungen<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Diesen Beitrag hatte erstmals am 24. November 2008 ver\u00f6ffentlicht und am 9. Oktober 2026 umfassend \u00fcberarbeitet und mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen erg\u00e4nzt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein schlanker Mensch mit schlechten Blutwerten, Bluthochdruck und kaum Muskulatur. Daneben jemand mit einigen Kilos zu viel, der regelm\u00e4\u00dfig Sport treibt, gute Blutwerte hat und problemlos mehrere Stockwerke die Treppe hinaufl\u00e4uft. Wer von beiden ist ges\u00fcnder? Wer nur auf das K\u00f6rpergewicht schaut, k\u00f6nnte zu einer v\u00f6llig falschen Antwort kommen. 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