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Goji: Eine Wunderbeere?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Goji-Beeren (der Gattung Lycium barbarum) sind kleine, rote Beeren, die ihren Ursprung in Zentralasien haben und als die nährstoffreichsten Früchte der Welt bezeichnet werden.

Hierzulande sind sie unter dem Namen Gemeiner Bocksdorn, Teufelszwirn oder Chinesische Wolfsbeere bekannt. Bei uns wird der sommergrüne Strauch teilweise als Ziergewächs angepflanzt und ist vor allem im Osten Deutschlands oft verwildert an Zäunen und Mauern anzutreffen.

Getrocknete Goji Beeren
Abb1: getrocknete Goji Beeren. Die Goji-Beere wird bereits seit 2000 Jahren aufgrund ihres Geschmacks und ihrer besonderen Heilkräfte regelrecht vergöttert. Ich biete meinen Kindern diese Berren (zusammen mit Mandeln) als "Naschis" an. Eine ideale Alternative zu den "schädlichen" Süßigkeiten.

Wegen der "Heilkräfte" der Goji-Beeren sollen beispielsweise die Hunzas (ein Volk, das den Himalaya bewohnt) jährlich Feiertage zu Ehren dieser Beere abhalten. Sie wird als Frucht der Langlebigkeit bezeichnet; Und die Hunzas sollen im Schnitt ja ungefähr 100 Jahre alt werden.

Die Chinesen verspeisen die Beeren traditionell bei hohem Blutdruck, bei Augenbeschwerden und bei Diabetes. Außerdem wird der Heilpflanzen in China nachgesagt, das Immunsystem zu stärken und Krebs vorzubeugen, beziehungsweise entgegenzuwirken. Andere Völker wiederum behaupten, dass die Goji-Frucht dem Menschen bei regelmäßigem Verzehr Kraft, Schönheit, Ausdauer und Gesundheit verleiht.

Aufgrund dieser Beschreibungen neigen viele Menschen dazu, die Eigenschaften der Goji-Beere als Mythos abzustempeln. Jedoch beweisen sowohl neuere als auch ältere wissenschaftliche Studien, dass die Beschreibungen der Kräfte, die diese Beere angeblich auszeichnen sollen, nicht so weit hergeholt sind.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Studienlage

Goji-Beeren enthalten eine hohe Menge an Vitaminen wie zum Beispiel Vitamin C, Vitamin A, Vitamin B1 und Vitamin B2. Desweiteren weisen sie einen hohen Mineralgehalt auf. Dazu gehören u.a. Eisen, Kupfer, Magnesium, Kalzium, Natrium, Kalium, Nickel und Chrom. Ebenfalls zu erwähnen ist der hohe Anteil an lebenswichtigen Aminosäuren. Wissenschaftler gelangten bei der Untersuchung der Goji-Beere zu dem Ergebnis, dass diese einen sehr hohen Anteil an Antioxidantien besitzt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15742346).

Antioxidantien sind nachweislich ein guter Schutz gegen die sogenannten "Freien Radikale" (chemische Oxidationmittel), welche die Hauptursache für menschliches Altern und für die Veränderung oder Zerstörung gesunder Körperzellen darstellen. Auch scheinen die Goji-Beeren die Haut – unter anderem aufgrund der antioxidativen Eigenschaften – vor UV-Strahlung zu schützen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20354657). Dies wurde allerdings bisher nur in Mäuseversuchen bestätigt.

Auch die menschlichen Nervenzellen der Netzhaut erhalten, laut einer Studie aus China, einen guten Schutz durch den Extrakt von Goji-Beeren (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23141579).

Zu den gleichen Ergebnissen kommt eine andere Forschergruppe, die in Versuchen mit Ratten feststellte, dass Goji die Nervenfasern bei Grünem Star vor der Zerstörung schützen kann (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17045262).

Da Goji-Beeren außerdem reich an Zeaxanthin sind, schützen sie das menschliche Auge gleich auf mehrfache Weise (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15705234): Denn der Farbstoff, der als Pigment im Gelben Fleck der Netzhaut benötigt wird, schützt das Auge zusätzlich vor einer zu hohen Lichteinstrahlung.

Ebenfalls wird auch von westlichen Wissenschaftlern angenommen, dass Lycium barbarum das Immunsystem stärkt und bei der Bekämpfung von Tumoren hilft (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15099534).

Überhaupt gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die in den Beeren enthaltenen Polysaccharide bei der Krebstherapie helfen können (unter anderem http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19735167).

Weitere Studien belegen, dass die Goji-Beere eine starke "Anti Aging"-Wirkung auf den menschlichen Körper hat und die Haut vor dem Altern bewahrt (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15693720).

Aus diesem Grund kann die Goji-Frucht tatsächlich (in gewisser Wiese) als Wundermittel der Natur bezeichnet werden. Verwendung findet die Beere hauptsächlich getrocknet in Müsli oder Salaten. Der Verzehr der Beere in Form von Goji-Saft, Goji-Tee, Goji-Schokolade oder Goji-Extrakt ist mittlerweile ebenfalls angesagt.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) verwendet die getrockneten Goji-Beeren vornehmlich als Wein, Absud oder als Tinktur. In Asien werden die trockenen Früchte aber auch beim Kochen eingesetzt und, wenn es sich um süße Varianten handelt, roh gegessen. Die jungen Blätter des Nachtschattengewächses können wie Gemüse zubereitet werden.

Riskante Inhaltsstoffe?

Doch stehen Nachtschattengewächse schnell unter einem General-Verdacht: Enthalten Goji-Beeren toxische Alkaloide wie die Tollkirsche, das Bilsenkraut oder der Stechapfel?

In diesen verwandten Arten kommen die Alkaloide Scopolamin und Atropin vor. Diese Stoffe sind als psychotrope Drogen bekannt und können sogar zum Tod durch Herzstillstand führen.

Ob solche Gifte in den roten Beeren enthalten sind, wollte der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer wissen. Seine Untersuchungen ergaben, dass Scopolamin und Atropin tatsächlich in den Früchten der Heilpflanze nachweisbar sind. Doch sind die Konzentrationen so gering, dass ein Gesundheits-Risiko nicht zu erwarten ist.

Frühere Berichte über hohe Atropin-Gehalte in Goji-Beeren gehen nach Ansicht Pollmers auf Verwechslungen zurück. Offenbar werden rote Beeren anderer Pflanzen als Goji gehandelt, wodurch sich für den Verbraucher ein Problem ergibt. Er muss absolut sicher sein, die richtigen Früchte zu erhalten. Und dazu muss er sie erkennen können oder dem Händler vertrauen.

Nun gedeiht der Gemeine Bocksdorn auch in unseren Breiten und kann daher im Garten angepflanzt werden. Im Fachhandel für Ziergewächse ist das Nachtschattengewächs kein ungewöhnliches Angebot mehr. Doch die stark wuchernde Pflanze macht viel Arbeit und wird von Naturschützern als Problem gesehen. In Biotopen verdrängt der Gemeine Bocksdorn andere Kräuter und ist schwer auszumerzen.

Pollmer berichtete über seine Untersuchungen im April 2016 im Deutschlandradio Kultur.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bestandteile der Goji Beere vertragen sich nach neueren Erkenntnissen nicht mit bestimmten Arzneimitteln. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte berichtet über Fälle, bei denen es zu Blutungen bei Patienten kam, die bestimmte Gerinnungshemmer (Cumarin-Antikoagulantin wie z.B. Marcumar) einnahmen. Bereits drei bis vier Tassen Goji Tee oder zum Beispiel 30ml Gojisaft konnten bei mit Cumarin behandelten Patienten schwere Blutungen auslösen. Warum das so ist, ist noch nicht bekannt. Wenn Sie also Cumarin-Antikoagulantien wie zum Beispiel Marcumar einnehmen, sollten Sie mit Goji-Produkten extrem vorsichtig sein.

Belastung mit Pestiziden

Mittel die ein so breites Wirkungsspektrum wie Goji aufweisen werden (wie immer) rasch als "Mittel gegen Alles" angepriesen. Der Anbau der Pflanze wird kommerzialisiert, was auch fast immer den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden zur Folge hat. So ist es nicht verwunderlich, dass 13 von 14 Proben konventionell angebauter Goji-Produkte vom CVUA wegen Überschreitung der zulässigen Höchstmenge von Pestiziden beanstandet wurde.

Vorsicht bei Allergien

Menschen mit einer Lebensmittel-Allergie sollten beachten, dass es zu Kreuz-Reaktionen kommen kann. Einige Antigene der Goji-Beere sind denen einiger anderer Lebensmittel sehr ähnlich. Wer auf diese Obst- und Gemüsesorten allergisch reagiert, sollte vorsichtig sein: Kiwis, Pfirsiche, Tomaten und Nüsse. Allergien gegen Traubenkrautpollen (Ambrosia) und gegen Latex bedeuten ebenfalls ein erhöhtes Risiko, auch gegen Goji-Beeren allergisch zu sein.

Fazit

Für die Goji-Beere liegen eine ganze Reihe überzeugender Belege und Studien vor, die diese Frucht in den Bereich der "Superfrüchte" heben. Trotz der Hinweise aus den Studien (die bereits vorliegen), wird die Gojibeere von einigen Medizinern und Pharmakologen als Quacksalberei verurteilt.

Aber das ist (und war) bei zahlreichen anderen Pflanzen, Früchten und Pilzen oft ebenfalls so. Ich persönlich halte die Gojibeere für hilfreich, aber keinesfalls für das "Supermittel"; hier gehen einigen Vermarktern mit entsprechenden Werbeversprechen tatsächlich die Gäule durch. Patienten die Blut-Gerinnungshemmer einnehmen, sollten sich unbedingt vorher therapeutischen Rat holen, wenn sie diese Früchten essen möchten.

Angesichts der Pestizidbelastung der Beeren sind zahlreiche Vermarkter dazu übergegangen ihre Produkte als "schadstoffkontrolliert", "unbehandelt" oder in "Bio-Qualität" anzupreisen. Inwieweit dies auch wirklich zutrifft ist schwierig zu prüfen. Wer sich für Gojibeeren interessiert sollte zudem darauf achten, keine Fälschung zu kaufen: Nur die Lycium Barbarum Beeren, bzw. Unterarten der Lycium Pflanze sind die "echten" mit den oben beschriebenen gesundheitlichen Vorteilen. Auch vor dem Kauf ganz anderer Beeren als den deklarierten sollte sich der Verbraucher ebenfalls hüten.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 08.05.2016 aktualisiert