Interzym gehört zu den Enzympräparaten, nach denen ich seit Jahren immer wieder gefragt werde. Meinen ersten Beitrag dazu hatte ich bereits vor längerer Zeit verfasst. Damals war das Präparat noch deutlich günstiger, die Studienlage überschaubarer und meine eigenen Beobachtungen standen erst am Anfang.

Inzwischen lässt sich Interzym besser beurteilen. Interessant bleibt vor allem der Vergleich mit dem früheren (alten) Wobenzym der 80er und 90er Jahre. Die Übereinstimmung der Rezepturen ist auf dem Etikett tatsächlich erstaunlich.

Es ist daher Zeit für eine gründliche Neubewertung: Was steckt in Interzym? Welche Bedeutung haben die F.I.P.-Einheiten? Was zeigt die Forschung zur systemischen Enzymtherapie? Und für wen kommt das Präparat überhaupt infrage?

Was ist Interzym?

Interzym ist ein magensaftresistentes Enzympräparat des niederländischen Anbieters Aalten Pharma. Es wird rechtlich als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Dieser Status ist wichtig. Ein Nahrungsergänzungsmittel besitzt keine behördlich geprüften und zugelassenen Anwendungsgebiete wie ein Arzneimittel. Der Hersteller darf daher keine konkreten Heilversprechen für Erkrankungen abgeben.

Auf seiner Internetseite beschreibt der Anbieter Interzym als Präparat, das nach dem ursprünglichen Konzept der Begründer der systemischen Enzymtherapie, Max Wolf und Helen Benitez, hergestellt werde.

Wer sich zunächst grundsätzlich über Enzyme informieren möchte, findet in meinem ausführlichen Beitrag weitere Hintergründe zur Enzymtherapie in der Medizin.

Welche Inhaltsstoffe enthält Interzym?

Ein magensaftresistentes Dragee enthält nach Angaben des Anbieters:

Inhaltsstoff Menge pro Dragee
Pankreaskonzentrat 100 mg
Papain 60 mg
Bromelain 45 mg
Trypsin 24 mg
Chymotrypsin 1 mg
Rutin 50 mg

Der Hersteller gibt eine proteolytische Gesamtaktivität von 940 F.I.P.-Einheiten pro Dragee an. Bei sechs Dragees pro Tag entspricht dies einer Gesamtaktivität von 5.640 F.I.P.-Einheiten.

Die Zusammensetzung verbindet pflanzliche und tierische Enzyme:

  • Bromelain stammt aus der Ananaspflanze.
  • Papain wird aus der Papaya gewonnen.
  • Trypsin, Chymotrypsin und Pankreaskonzentrat sind tierischen Ursprungs.
  • Rutin ist kein Enzym, sondern ein pflanzliches Flavonoid.

Warum sind die F.I.P.-Einheiten wichtiger als die Milligramm?

Bei Enzympräparaten wird häufig mit hohen Milligrammzahlen geworben. Diese Zahlen sehen beeindruckend aus, sagen für sich genommen aber wenig über die tatsächliche Wirkung eines Enzyms aus.

Enzyme sind keine gewöhnlichen Nährstoffe. Entscheidend ist ihre biologische Aktivität: Wie viel Substrat kann das jeweilige Enzym unter festgelegten Bedingungen spalten?

Diese Aktivität wird unter anderem in F.I.P.-Einheiten, FCC-Einheiten oder Katal angegeben. Die Abkürzung F.I.P. geht auf die Internationale Pharmazeutische Föderation zurück.

Ein Präparat kann daher eine große Enzymmenge enthalten und trotzdem vergleichsweise schwach sein. Umgekehrt kann eine geringere Menge bei hoher Enzymaktivität eine beachtliche Wirkung entfalten.

Milligramm beschreiben die Menge. Aktivitätseinheiten beschreiben, was das Enzym tatsächlich leisten kann.

Genau an diesem Punkt scheitern viele billige Enzymmischungen. Auf der Packung stehen Bromelain, Papain und allerlei weitere klangvolle Namen. Zur tatsächlichen Aktivität findet man dagegen nichts. Das ist ungefähr so, als würde ein Autohersteller nur das Gewicht des Motors nennen und die Leistung verschweigen.

Ist Interzym das „alte“ Wobenzym N?

Interzym kommt dem alten Wobenzym N auf dem Etikett tatsächlich außergewöhnlich nahe. Die Gebrauchsinformation des früheren Wobenzym N aus dem Jahr 2006 nennt pro magensaftresistentem Dragee dieselben Wirkstoffmengen:

Bestandteil Wobenzym N Interzym
Pankreatin beziehungsweise Pankreaskonzentrat 100 mg 100 mg
Papain 60 mg 60 mg
Bromelain 45 mg 45 mg
Trypsin 24 mg 24 mg
Chymotrypsin 1 mg 1 mg
Rutosid beziehungsweise Rutin 50 mg 50 mg
Proteolytische Gesamtaktivität 940 F.I.P. 940 F.I.P.

Damit stimmen sowohl die deklarierten Mengen als auch die angegebene proteolytische Gesamtaktivität überein.

Das ist mehr als eine oberflächliche Ähnlichkeit. Dennoch würde ich Interzym nicht als „exakte Kopie“ des alten Wobenzym N bezeichnen.

Aus den Angaben auf dem Etikett erfahren wir nichts Verlässliches über:

  • die genaue Herkunft der Enzyme,
  • die Reinheit der verwendeten Rohstoffe,
  • Schwankungen zwischen einzelnen Chargen,
  • die Stabilität während der Lagerung,
  • das Herstellungsverfahren,
  • die Auflösung des magensaftresistenten Überzugs,
  • die Aktivität der einzelnen Enzyme im fertigen Produkt,
  • die Aufnahme und Verfügbarkeit im Organismus.

Eine Rezeptur lässt sich kopieren. Ob daraus ein in jeder Hinsicht gleichwertiges Präparat entsteht, entscheidet sich erst bei Herstellung, Qualitätskontrolle und klinischer Anwendung.

Die sachlich treffende Formulierung lautet daher:

Interzym orientiert sich sehr eng an der früheren Rezeptur des Wobenzym N. Auf dem Etikett stimmen die Hauptbestandteile, ihre Mengen und die angegebene proteolytische Gesamtaktivität überein.

Ausführlicher zur Geschichte, den unterschiedlichen Rezepturen und meinen Erfahrungen habe ich in meinem Beitrag über Wobenzym und die Enzymtherapie geschrieben.

Was ist der Unterschied zum heutigen Wobenzym?

Das heute in Deutschland angebotene Wobenzym entspricht (leider) nicht mehr der alten N-Rezeptur.

Das aktuelle Arzneimittel enthält pro magensaftresistenter Tablette:

  • 67,5 bis 76,5 mg Bromelain, eingestellt auf 450 F.I.P.-Einheiten,
  • 32 bis 48 mg Trypsin, eingestellt auf 24 Mikrokatal,
  • 100 mg Rutosid-Trihydrat.

Papain, Chymotrypsin und Pankreatin sind im heutigen Wobenzym nicht mehr enthalten. Dafür liegen Bromelain, Trypsin und Rutosid mengenmäßig beziehungsweise hinsichtlich der deklarierten Aktivität höher als in einem einzelnen Interzym-Dragee.

Es handelt sich damit um zwei unterschiedliche Konzepte:

  • Interzym setzt auf das breitere Enzymspektrum der alten Wobenzym-N-Rezeptur.
  • Das heutige Wobenzym konzentriert sich auf Bromelain, Trypsin und Rutosid.

Welches Konzept im konkreten Fall günstiger ist, lässt sich nicht allein durch Abzählen der Bestandteile entscheiden.

Wie sollen oral eingenommene Enzyme wirken?

Bromelain, Papain, Trypsin und Chymotrypsin gehören zu den proteolytischen Enzymen. Sie können Eiweißverbindungen spalten.

Bei der Verdauung ist diese Aufgabe leicht nachvollziehbar: Proteine aus der Nahrung werden in kleinere Peptide und Aminosäuren zerlegt, damit der Organismus sie aufnehmen und verwerten kann.

Die sogenannte systemische Enzymtherapie verfolgt einen anderen Ansatz. Die Enzyme werden außerhalb der Mahlzeiten eingenommen. Sie sollen dann nicht in erster Linie bei der Verdauung der Nahrung helfen, sondern entzündliche Prozesse, Schwellungen und bestimmte Immunreaktionen beeinflussen.

Als mögliche Mechanismen werden unter anderem diskutiert:

  • Beeinflussung entzündlicher Botenstoffe,
  • Bindung bestimmter Proteasen an Alpha-2-Makroglobulin,
  • Modulation von Zytokinen,
  • Einfluss auf Fibrin und Gewebeschwellungen,
  • Unterstützung der physiologischen Auflösung einer Entzündung.

Ein Teil dieser Mechanismen stammt aus Zellversuchen, Tiermodellen oder kleineren pharmakologischen Untersuchungen. Die Frage, in welchem Umfang intakte Enzyme nach oraler Einnahme aufgenommen werden und im Körper systemisch wirksam werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das bedeutet nicht, dass die Präparate wirkungslos sein müssen. Es bedeutet lediglich, dass manche Werbeerklärung sehr viel weiter reicht als der sichere wissenschaftliche Boden.

Enzyme sind bemerkenswerte biologische Werkzeuge. Sie sind allerdings keine intelligenten Rohrreiniger, die nach dem Schlucken selbstständig durch den Körper ziehen und dort Entzündungen, Ablagerungen oder Tumorgewebe nach Wunsch wegverdauen.

Was zeigt die Studienlage zur Enzymtherapie?

Bei der Bewertung muss sauber unterschieden werden:

Es gibt Studien zu bestimmten Enzymkombinationen. Das ist noch kein Wirksamkeitsnachweis für jedes Präparat, das einige dieser Enzyme ebenfalls enthält.

Die meisten klinischen Untersuchungen befassen sich mit einer Kombination aus:

  • Bromelain,
  • Trypsin,
  • Rutosid beziehungsweise Rutin.

Diese drei Substanzen sind auch in Interzym enthalten. Interzym enthält zusätzlich Papain, Pankreatin und Chymotrypsin. Das Präparat ist daher ähnlich, aber keineswegs identisch mit den in den Studien untersuchten Produkten.

Übersichtsarbeit zu Arthrose aus dem Jahr 2022

Eine 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit betrachtete neun randomisierte klinische Studien mit oralen Kombinationen aus Bromelain, Trypsin und Rutin bei Arthrose.

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Enzymkombination Beschwerden wie Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit ähnlich günstig beeinflussen könnte wie Diclofenac und andere nichtsteroidale Entzündungshemmer.

In einer zusammengefassten Auswertung von sechs Studien mit insgesamt 774 Patienten zeigte sich eine vergleichbare Verbesserung von Schmerzen, Beweglichkeit und funktionellen Einschränkungen. Unter der Enzymkombination wurden weniger unerwünschte Ereignisse gemeldet als unter Diclofenac.

Das klingt zunächst überzeugend. Man sollte dennoch genauer hinsehen:

  • Viele der eingeschlossenen Untersuchungen waren relativ klein.
  • Ein Teil der Studien ist bereits älter.
  • Mehrere Arbeiten verglichen Enzyme mit Diclofenac, aber nicht mit einem echten Placebo.
  • Die Übersichtsarbeit wurde von Nestlé finanziert.
  • Mehrere Autoren waren für Nestlé tätig oder erhielten Beratungshonorare.

Nestlé Health Science war damals im Geschäft mit Wobenzym-Produkten engagiert. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch falsch. Finanzierung und wirtschaftliche Interessen gehören trotzdem offen auf den Tisch. Wer Studien nur dann kritisch liest, wenn das Ergebnis nicht ins eigene Weltbild passt, betreibt keine Wissenschaft, sondern Fanpflege.

Die vollständige Übersichtsarbeit finden Sie hier: Enzyme und Rutin bei Arthrose – Übersichtsarbeit von 2022.

Placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025

Interessant ist außerdem eine 2025 in der Fachzeitschrift RMD Open veröffentlichte Untersuchung.

Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie. Insgesamt wurden 45 Patienten mit Kniearthrose aufgenommen, 43 beendeten beide Behandlungsphasen.

Die Teilnehmer erhielten acht Wochen lang entweder Placebo oder eine Kombination aus Bromelain, Trypsin und Rutosid. Nach einer vierwöchigen Auswaschphase wechselten sie zur jeweils anderen Behandlung.

Unter der Enzymkombination veränderten sich mehrere untersuchte Laborparameter:

  • Alpha-2-Makroglobulin stieg leicht an.
  • Das entzündungsregulierende Interleukin 10 nahm zu.
  • Ein Marker des Knorpelabbaus im Urin sank.
  • Die Unterbereiche Schmerz und Symptome des KOOS-Fragebogens verbesserten sich.

Der globale KOOS-Gesamtwert verbesserte sich jedoch nicht statistisch signifikant. Auch der Schmerzmittelverbrauch unterschied sich nicht überzeugend zwischen Enzymen und Placebo.

Die Autoren bezeichneten ihre Untersuchung selbst als explorative „Proof-of-Mechanism“-Studie. Eine statistische Korrektur für die zahlreichen Einzelvergleiche wurde nicht vorgenommen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne positive Ergebnisse zufällig zustande kommen.

Hinzu kommt: Die Studie und das Prüfpräparat wurden vollständig von Nestlé Health Science finanziert. Der Sponsor war an Studiendesign, Datenerhebung, Auswertung, Interpretation und Manuskripterstellung beteiligt. Mehrere Autoren arbeiteten für Nestlé Health Science.

Auch hier gilt: Das entwertet die Studie nicht vollständig. Es begrenzt aber den Glanz, mit dem solche Ergebnisse anschließend beworben werden.

Die Untersuchung liefert ein interessantes biologisches Signal. Sie beweist weder eine Heilung der Arthrose noch eine strukturelle Regeneration des Gelenkknorpels.

Zur Originalstudie: Orale Enzymkombination bei Kniearthrose – RMD Open 2025.

Lassen sich diese Studien auf Interzym übertragen?

Nur eingeschränkt.

Interzym enthält die in den Studien geprüften Bestandteile Bromelain, Trypsin und Rutin. Es enthält außerdem Papain, Pankreatin und Chymotrypsin.

Trotzdem können sich die Präparate in entscheidenden Punkten unterscheiden:

  • Enzymaktivität der einzelnen Bestandteile,
  • Verhältnis der Aktivitätseinheiten,
  • Rohstoffqualität,
  • Freisetzung im Dünndarm,
  • Herstellungsverfahren,
  • Stabilität und Lagerung.

Bei meiner Recherche fand ich keine überzeugende veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie, in der das aktuelle Handelsprodukt Interzym selbst geprüft wurde.

Die seriöse Schlussfolgerung lautet daher:

  • Die Zusammensetzung ist pharmakologisch plausibel.
  • Teile der Kombination wurden klinisch untersucht.
  • Für Enzymkombinationen gibt es vor allem bei aktivierter Arthrose interessante Hinweise.
  • Ein produktspezifischer Wirksamkeitsnachweis für Interzym fehlt.

Wer unter Knie-, Hüft- oder anderen Gelenkbeschwerden leidet, sollte ein Enzympräparat ohnehin nicht als alleinige Arthrosetherapie betrachten. Bewegung, Muskelkraft, Gelenkmechanik, Ernährung, Körpergewicht und Entzündungsstoffwechsel bleiben entscheidend. Ausführlicher dazu lesen Sie meinen Beitrag über Arthrose und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten.

Wie wird Interzym eingenommen?

Der Anbieter empfiehlt drei Mal täglich zwei bis vier Dragees. Das entspricht insgesamt sechs bis zwölf Dragees pro Tag.

Die Dragees sollen unzerkaut mit einem Glas Wasser etwa eine halbe bis eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden.

Der zeitliche Abstand zum Essen ist bei einer systemisch gedachten Enzymtherapie sinnvoll. Werden proteolytische Enzyme gemeinsam mit einer eiweißreichen Mahlzeit eingenommen, beschäftigen sie sich vorrangig mit der Verdauung der Nahrung.

Bei sechs Dragees täglich reicht eine Packung mit 1.000 Dragees ungefähr fünfeinhalb Monate. Bei zwölf Dragees täglich ist sie nach knapp drei Monaten verbraucht.

Eine eigenmächtige Steigerung nach dem Motto „viel hilft viel“ halte ich nicht für sinnvoll. Vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, Blutungsneigung oder anstehenden Eingriffen sollte die Anwendung vorher geklärt werden.

Wie lange sollte man Interzym einnehmen?

Der Hersteller empfiehlt eine langfristige Einnahme. Das ist aus Sicht eines Verkäufers nachvollziehbar. Therapeutisch sollte man genauer arbeiten.

Ich würde vor Beginn eines Einnahmeversuchs vier Fragen beantworten:

  1. Welches konkrete Beschwerdebild soll sich verbessern?
  2. Woran soll die Wirkung gemessen werden?
  3. Nach welchem Zeitraum wird Bilanz gezogen?
  4. Was geschieht, wenn keine erkennbare Wirkung eintritt?

Bei Gelenkbeschwerden können beispielsweise folgende Kriterien dokumentiert werden:

  • Schmerzstärke auf einer Skala von null bis zehn,
  • Morgensteifigkeit in Minuten,
  • Schwellung des betroffenen Gelenks,
  • Gehstrecke oder Belastbarkeit,
  • Bedarf an Schmerzmitteln,
  • Bewegungsumfang.

Ein Therapieversuch über sechs bis acht Wochen erscheint für viele chronische Beschwerden vernünftig. Zeigt sich keinerlei Veränderung, sollte man die Einnahme nicht aus Gewohnheit fortsetzen.

„Ich nehme es sicherheitshalber weiter“ ist keine Therapiestrategie. Es ist ein zuverlässiges Mittel, um teuren Urin zu produzieren.

Für wen ist Interzym nicht geeignet?

Der Anbieter rät von der Einnahme unter anderem in folgenden Situationen ab:

  • Überempfindlichkeit gegen Ananas oder Papaya,
  • Allergie gegen einen anderen Bestandteil,
  • Störungen der Blutgerinnung,
  • schwere Leber- oder Nierenschäden,
  • Schwangerschaft,
  • kurz vor oder nach einer Operation.

Besondere Vorsicht ist bei Medikamenten geboten, die die Blutgerinnung beeinflussen. Dazu gehören unter anderem:

  • Phenprocoumon und Warfarin,
  • Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran,
  • Acetylsalicylsäure,
  • Clopidogrel und ähnliche Thrombozytenhemmer.

Das bedeutet keineswegs, dass es bei jeder Kombination zwangsläufig zu einer Blutung kommt. Die mögliche Wechselwirkung muss dennoch vorab geprüft werden.

Bei ungeklärten starken Schmerzen, plötzlichen Schwellungen, Rötung, Überwärmung, Fieber, Blutungen oder Verdacht auf eine Thrombose gehört zunächst die Ursache diagnostiziert. Ein Enzympräparat darf keine notwendige Untersuchung verzögern.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Für Interzym selbst liegen keine umfangreichen veröffentlichten Sicherheitsdaten aus großen klinischen Studien vor.

Von vergleichbaren proteolytischen Enzympräparaten sind vor allem folgende Beschwerden bekannt:

  • Völlegefühl,
  • Blähungen,
  • Übelkeit,
  • weicher Stuhl oder Durchfall,
  • Veränderung von Geruch oder Farbe des Stuhls,
  • Hautreaktionen,
  • allergische Reaktionen.

Menschen mit einer bekannten Ananas- oder Papayaallergie sollten besonders vorsichtig sein. Bei Atemnot, Kreislaufbeschwerden, Schwellungen im Gesicht oder einer ausgeprägten allergischen Reaktion ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

In meinem Praxisalltag werden gut ausgewählte Enzympräparate meist ordentlich vertragen. Das darf allerdings nicht zu dem Irrtum führen, natürliche Enzyme seien grundsätzlich nebenwirkungsfrei.

Welche Hilfsstoffe stecken in Interzym?

Neben den Enzymen und Rutin nennt die Produktinformation unter anderem:

  • Saccharose,
  • Sorbitol,
  • Dicalciumphosphat,
  • Calciumcarbonat,
  • Schellack,
  • Gummi arabicum,
  • Siliciumdioxid,
  • Magnesiumsalze von Speisefettsäuren,
  • Talkum,
  • Karmin,
  • Eisenoxide,
  • Bienenwachs,
  • Carnaubawachs.

Die Werbeformulierung, Interzym enthalte hochaktive Enzyme „ohne andere zugesetzte Stoffe“, wirkt angesichts dieser Hilfsstoffliste zumindest missverständlich.

Das Präparat ist außerdem nicht vegan. Neben Bienenwachs und Karmin enthält es mehrere tierische Enzyme.

Menschen mit Unverträglichkeiten, Allergien, religiösen Speisevorschriften oder veganer Lebensweise sollten die vollständige Zutatenliste vor dem Kauf prüfen.

Was kostet Interzym?

Beim Abruf der Herstellerseite im August 2026 wurde die Packung mit 1.000 Dragees für 169,90 Euro angeboten, zuzüglich möglicher Versandkosten.

Bei sechs Dragees täglich entstehen reine Präparatekosten von ungefähr einem Euro pro Tag. Bei zwölf Dragees sind es etwa zwei Euro.

Enzyme in guter Qualität sind nicht billig. Der Preis allein ist trotzdem kein Qualitätsmerkmal. Vor dem Kauf sollten mindestens folgende Fragen beantwortet sein:

  • Werden die Enzymaktivitäten angegeben?
  • Ist das Präparat tatsächlich magensaftresistent?
  • Werden alle Bestandteile und Hilfsstoffe vollständig deklariert?
  • Gibt es nachvollziehbare Qualitätsprüfungen?
  • Existieren Studien zur konkreten Rezeptur?
  • Passt das Präparat überhaupt zum Beschwerdebild?

Meine Erfahrungen und Bewertung von Interzym

Interzym ist kein beliebiger Enzymcocktail aus dem Internet. Die Rezeptur lehnt sich sehr eng an das frühere Wobenzym N an. Mengenangaben und deklarierte Gesamtaktivität stimmen mit der alten N-Rezeptur überein.

Das ist ein klarer Pluspunkt.

Positiv bewerte ich:

  • das breite Spektrum proteolytischer Enzyme,
  • die Kombination pflanzlicher und tierischer Enzyme,
  • den magensaftresistenten Überzug,
  • die Angabe der proteolytischen Gesamtaktivität,
  • die enge Orientierung an der früheren Wobenzym-N-Rezeptur.

Kritisch sehe ich:

  • die nur begrenzte Übertragbarkeit der vorhandenen Enzymstudien,
  • die zahlreichen Hilfsstoffe,
  • den inzwischen deutlich gestiegenen Preis.

Nach allem, was sich derzeit feststellen lässt, halte ich Interzym für eines der interessantesten Präparate in diesem Bereich. Es besitzt eine nachvollziehbare Rezeptur und eine deklarierte Enzymaktivität. Beides ist mehr, als zahlreiche Konkurrenzprodukte bieten.

Die Bezeichnung „identisches Wobenzym N“ wäre dennoch fachlich zu großzügig. Identische Mengen auf zwei Etiketten ersetzen keine vergleichende Produktanalyse und keine klinische Prüfung.

Mein Fazit: Interzym entspricht der früheren Rezeptur des Wobenzym N auf dem Etikett außergewöhnlich genau. Die Forschung zu ähnlichen Enzymkombinationen liefert interessante Hinweise, vor allem bei entzündlich aktivierter Arthrose. Ein eigenständiger klinischer Wirksamkeitsnachweis für das aktuelle Produkt Interzym fehlt bislang.

Bei chronischen Schmerzen sollte ein Enzympräparat außerdem immer in ein Gesamtkonzept eingebettet werden. Weitere Möglichkeiten beschreibe ich in meinem Beitrag über akute und chronische Schmerzen.

Bei entzündlichen Gelenkbeschwerden können je nach Situation auch andere Bausteine interessant sein, etwa MSM oder eine gezielte Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren bei Arthritis und Gelenkentzündungen.

Häufige Fragen zu Interzym

Ist Interzym dasselbe wie das alte Wobenzym N?

Die deklarierten Hauptbestandteile, Mengen und die proteolytische Gesamtaktivität stimmen überein. Daraus folgt jedoch keine nachgewiesene vollständige Produktgleichheit. Rohstoffe, Herstellungsverfahren, Freisetzung und Qualitätskontrollen können sich unterscheiden.

Ist Interzym ein Arzneimittel?

Nein. Interzym wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Es besitzt daher keine behördlich zugelassenen medizinischen Anwendungsgebiete.

Sollte Interzym mit dem Essen eingenommen werden?

Der Anbieter empfiehlt die Einnahme etwa 30 bis 60 Minuten vor den Mahlzeiten. Für eine systemische Enzymtherapie wird grundsätzlich ein Abstand zum Essen angestrebt.

Ist Interzym vegan?

Nein. Das Präparat enthält tierische Enzyme sowie Bienenwachs und nach der veröffentlichten Zutatenliste auch Karmin.

Kann Interzym bei Arthrose helfen?

Für verwandte Kombinationen aus Bromelain, Trypsin und Rutosid gibt es Hinweise auf eine Verbesserung von Schmerzen und Funktion bei aktivierter Arthrose. Diese Ergebnisse lassen sich nur eingeschränkt auf das konkrete Produkt Interzym übertragen.

Kann Interzym zusammen mit Blutverdünnern eingenommen werden?

Das sollte vorher ärztlich oder pharmazeutisch geprüft werden. Proteolytische Enzyme können die Blutgerinnung beeinflussen. Dies ist besonders vor Operationen und bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente relevant.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung oder Behandlung. Insbesondere bei Blutgerinnungsstörungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, schweren Organerkrankungen oder geplanten Operationen sollte die Einnahme vorher fachlich abgeklärt werden.

Dieser Beitrag wurde am 3.8.2026 von mir volltsändig überarbeitet.

Neukönigsförder Mineraltabletten werden seit Jahrzehnten angeboten und besonders in naturheilkundlichen Kreisen immer wieder empfohlen. Sie sollen den Körper mit Mineralstoffen versorgen, das Elektrolytgleichgewicht unterstützen und gelegentlich sogar einer sogenannten Übersäuerung entgegenwirken.

Das klingt zunächst vernünftig. Klar ist auch: Mineralstoffe sind lebensnotwendig — und tatsächlich gibt es Situationen, in denen der Bedarf steigt oder die Versorgung nicht ausreicht. Daraus folgt allerdings noch lange nicht, dass jede Mineralstoffmischung für jeden Menschen geeignet ist.

Gerade bei diesem Präparat lohnt ein genauer Blick. Die Neukönigsförder Mineraltabletten sind weder ein hoch dosiertes Magnesiumpräparat noch eine gezielte Kaliumtherapie und auch kein typisches Basenpräparat auf Citratbasis. Es handelt sich um eine breit angelegte Mineralstoffkombination mit moderaten Dosierungen bei einigen Bestandteilen, aber auch mit Punkten, die kritisch betrachtet werden müssen.

Das Wichtigste vorab: Die maximale Tagesdosis von sechs Tabletten liefert rund 614 Milligramm Kalium und 1,8 Milligramm Mangan. Damit liegt sie bei beiden Stoffen über den aktuellen Höchstmengenvorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung für Nahrungsergänzungsmittel. Diese Empfehlungen sind keine gesetzlichen Grenzwerte. Sie sind aber ein guter Grund, die Höchstdosis nicht als harmlose Standardmenge für jedermann zu betrachten.

Was sind Neukönigsförder Mineraltabletten?

Bei dem Produkt handelt es sich rechtlich um ein Nahrungsergänzungsmittel und nicht um ein Arzneimittel. Es ist nach Angaben des Anbieters vegan sowie gluten- und laktosefrei.

Enthalten sind sieben mengenmäßig deklarierte Mineralstoffe und Spurenelemente:

  • Kalium
  • Calcium
  • Phosphor
  • Magnesium
  • Eisen
  • Zink
  • Mangan

Der Hersteller verweist auf eine seit mehr als 40 Jahren bewährte Rezeptur und ein angeblich ausgewogenes Verhältnis der Mineralstoffe untereinander. Eine lange Marktpräsenz kann für gute Verträglichkeit und praktische Erfahrungen sprechen. Sie ersetzt allerdings keinen klinischen Nachweis für die Wirksamkeit der gesamten Kombination.

Für die Neukönigsförder Mineraltabletten selbst sind mir keine überzeugenden kontrollierten Studien bekannt, die zeigen, dass das fertige Präparat einen Mineralstoffmangel zuverlässig behebt, Fastenbeschwerden verhindert oder den Säure-Basen-Haushalt in besonderer Weise verbessert.

Inhaltsstoffe und Dosierung

Die aktuelle Packungsbeilage empfiehlt Erwachsenen dreimal täglich ein bis zwei Tabletten zu den Mahlzeiten. Daraus ergeben sich drei bis maximal sechs Tabletten am Tag.

Mineralstoff Pro Tablette Bei 3 Tabletten Bei 6 Tabletten EU-Referenzmenge bei 6 Tabletten
Kalium 102,3 mg 306,9 mg 613,8 mg 30 %
Calcium 53 mg 159 mg 318 mg 40 %
Phosphor 37 mg 111 mg 222 mg 32 %
Magnesium 26,2 mg 78,6 mg 157,2 mg 42 %
Eisen 0,7 mg 2,1 mg 4,2 mg 30 %
Zink 0,8 mg 2,4 mg 4,8 mg 48 %
Mangan 0,3 mg 0,9 mg 1,8 mg 90 %

Die Mineralstoffe stammen unter anderem aus Kaliumchlorid, Calciumhydrogenphosphat, Calciumcarbonat, Magnesiumhydrogenphosphat, Magnesiumoxid, Eisensulfat, Zinkoxid und Manganchlorid.

Hinzu kommen Saccharose und verschiedene Hilfsstoffe für Tablettenform, Stabilität, Überzug und Auflösung. Dazu zählen Celluloseverbindungen, Stearinsäure, Magnesiumstearat, Siliciumdioxid, Talkum und Polyvinylpyrrolidon.

Die Bezeichnung „natürlich“ sollte daher nicht überbewertet werden. Die Ausgangselemente kommen selbstverständlich in der Natur vor. Das fertige Präparat besteht dennoch aus industriell hergestellten Mineralsalzen und den üblichen Hilfsstoffen einer Tablette. „Natürlich“ ist hier eher eine werbliche Beschreibung als ein Qualitätsnachweis.

Eine merkwürdige Unstimmigkeit beim Kupfer

In der Zutatenliste der aktuellen Packungsbeilage wird auch Kupfersulfat-Pentahydrat genannt. In der anschließenden Nährstofftabelle wird Kupfer jedoch weder aufgeführt noch mengenmäßig deklariert. Möglicherweise ist nur eine technisch sehr geringe Menge enthalten.

Vergleich mit den Höchstmengenvorschlägen des BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht Vorschläge für maximale Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei handelt es sich nicht um gesetzlich verbindliche Grenzwerte. Sie sollen das Risiko verringern, dass Verbraucher durch mehrere Präparate und angereicherte Lebensmittel dauerhaft zu hohe Mengen aufnehmen.

Mineralstoff Neukönigsförder bei 6 Tabletten BfR-Höchstmengenvorschlag pro Tagesdosis Bewertung
Kalium 613,8 mg 500 mg über dem Vorschlag
Calcium 318 mg 500 mg darunter
Magnesium 157,2 mg 250 mg darunter
Eisen 4,2 mg 6 mg darunter
Zink 4,8 mg 6,5 mg darunter
Mangan 1,8 mg 0,5 mg deutlich darüber
Phosphor 222 mg kein Zusatz zu ernährungsphysiologischen Zwecken empfohlen kritisch zu prüfen

Bei drei Tabletten bleibt die Kaliumzufuhr unter dem BfR-Vorschlag. Die Manganmenge beträgt jedoch bereits 0,9 Milligramm und liegt damit auch bei der niedrigeren Erwachsenendosis über dem BfR-Wert von 0,5 Milligramm.

Ich hatte zu den Grenzwerten in Deutschland allerdings auch hier geschrieben: Grenzwerte für Vitamine und Mineralien – Deutschland macht sich lächerlich

Wie sinnvoll sind die einzelnen Mineralstoffe dosiert?

Kalium

Kalium ist für die Reizleitung der Nerven, die Muskelkontraktion, den Herzrhythmus, den Blutdruck und den Flüssigkeitshaushalt unverzichtbar. Die Ernährung sollte deshalb kaliumreiche Lebensmittel wie Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kräuter, Nüsse und Obst enthalten.

In der Höchstdosis liefern die Neukönigsförder Tabletten knapp 614 Milligramm Kalium. Im Verhältnis zu einer kaliumreichen Ernährung ist das keine astronomische Menge. Ein Teller Gemüse oder Kartoffeln kann bereits ähnlich viel oder mehr liefern.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Ausgangslage des Patienten. Ein gesunder Mensch mit intakter Nierenfunktion kann überschüssiges Kalium normalerweise gut ausscheiden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, einer Störung des Hormonhaushalts oder der Einnahme kaliumsteigernder Medikamente kann dieselbe Menge problematisch werden.

Ein erhöhter Kaliumwert verursacht anfangs häufig keine eindeutigen Beschwerden. Bei stärkerer Hyperkaliämie drohen Muskelschwäche, Missempfindungen und Herzrhythmusstörungen. Gerade das macht die Einnahme bei Risikopatienten so tückisch: Der Betroffene kann sich zunächst vollkommen normal fühlen.

Auch mein Beitrag über Salz, Natrium und das Verhältnis zu Kalium zeigt, weshalb es beim Mineralhaushalt nicht genügt, einzelne Stoffe isoliert als gut oder schlecht zu betrachten.

Magnesium

Sechs Tabletten liefern rund 157 Milligramm Magnesium. Das ist als Ergänzung durchaus relevant, reicht bei einem ausgeprägten Magnesiummangel, starken Muskelkrämpfen oder erhöhtem therapeutischem Bedarf jedoch häufig nicht aus.

Ein Teil des Magnesiums liegt als Magnesiumoxid vor. Diese Verbindung enthält zwar einen hohen Anteil elementaren Magnesiums, ist aber vergleichsweise schlecht wasserlöslich. Die tatsächlich aufgenommene Menge hängt von der Dosierung, der Magensäure, der Darmfunktion, der Einnahmedauer und der individuellen Versorgungslage ab.

Magnesiumoxid ist deshalb nicht automatisch wertlos. Die pauschale Behauptung, organische Magnesiumverbindungen seien immer überlegen, ist ebenfalls zu schlicht. Für die gezielte Anwendung lohnt jedoch ein Vergleich der unterschiedlichen Magnesiumpräparate und Magnesiumverbindungen.

Wer speziell eine Citratverbindung sucht, findet weitere Informationen in meinem Beitrag über Magnesiumcitrat und seine Bedeutung für den Säure-Basen-Haushalt.

Calcium

Mit maximal 318 Milligramm Calcium handelt es sich um eine moderate Ergänzung. Zur gezielten Behandlung einer ausgeprägten Unterversorgung, Osteoporose oder einer Störung des Calciumstoffwechsels ist das Präparat nicht gedacht.

Calcium sollte ohnehin nie isoliert betrachtet werden. Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Eiweißversorgung, Bewegung, Hormone und Nierenfunktion entscheiden mit darüber, ob Calcium sinnvoll eingebaut oder an ungünstiger Stelle abgelagert wird.

Mehr Calcium bedeutet daher nicht automatisch stabilere Knochen. Auch das Verhältnis von Calcium und Magnesium verdient Beachtung.

Phosphor

Die Höchstdosis liefert 222 Milligramm Phosphor. Ein echter Phosphormangel ist bei normaler Ernährung selten. Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Getreide, Hülsenfrüchte und zahlreiche verarbeitete Lebensmittel liefern reichlich Phosphor beziehungsweise Phosphate.

Das BfR empfiehlt inzwischen, Nahrungsergänzungsmitteln kein Phosphor oder Phosphat allein zu ernährungsphysiologischen Zwecken zuzusetzen. Gerade bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine zusätzliche Phosphatzufuhr ungünstig sein, weil die Ausscheidung nachlässt und der Mineral- und Knochenstoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Phosphor ist lebensnotwendig. Ein häufiger Mangel ist allerdings kein überzeugendes Argument für seine routinemäßige Einnahme.

Eisen

Sechs Tabletten liefern 4,2 Milligramm Eisen. Das ist zu wenig, um einen nachgewiesenen Eisenmangel oder eine Eisenmangelanämie gezielt zu behandeln.

Gleichzeitig gibt es keinen vernünftigen Grund, Eisen dauerhaft auf Verdacht einzunehmen. Vor einer gezielten Eisengabe sollten zumindest Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und gegebenenfalls Entzündungswerte beurteilt werden.

Ein niedriger Ferritinwert kann auf einen Eisenmangel hinweisen. Ein normaler oder erhöhter Ferritinwert schließt funktionelle Störungen des Eisenstoffwechsels jedoch nicht immer aus, da Ferritin auch bei Entzündungen, Infektionen und Lebererkrankungen ansteigen kann.

Menschen mit Hämochromatose, hohen Eisenspeichern oder ungeklärten erhöhten Ferritinwerten sollten keine eisenhaltigen Präparate nach dem Gießkannenprinzip verwenden.

Zink

Die Zinkmenge ist moderat. Bei sechs Tabletten werden 4,8 Milligramm aufgenommen. Bei einem nachgewiesenen Zinkmangel kann das zu wenig sein, als ergänzende Basisversorgung ist die Menge durchaus relevant.

Auch bei Zink gilt: Die richtige Dosis hängt von Ernährung, Darmgesundheit, Entzündungsbelastung, Medikamenten, Alter und individuellem Bedarf ab. Eine dauerhafte hohe Zinkzufuhr kann wiederum die Kupferaufnahme beeinträchtigen.

Ausführlicher gehe ich darauf in meinem Grundsatzbeitrag ein: Wann sollte man Zink einnehmen, wie viel ist sinnvoll und kann man Zink überdosieren?

Mangan

Mangan wird nur in kleinen Mengen benötigt. Es ist an Enzymfunktionen, dem Bindegewebs- und Knochenstoffwechsel sowie an antioxidativen Schutzsystemen beteiligt.

Sechs Tabletten liefern 1,8 Milligramm und damit 90 Prozent der europäischen Referenzmenge. Das klingt zunächst unauffällig. Der europäische Referenzwert beschreibt jedoch eine Orientierung für die tägliche Zufuhr und nicht die empfohlene Menge aus einem Nahrungsergänzungsmittel.

Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel lediglich 0,5 Milligramm Mangan pro Tagesdosis vor. Dieser Wert wird bereits mit zwei Tabletten überschritten.

Wer zusätzlich ein Multivitaminpräparat, ein Basenpulver oder einen Mineralstoffkomplex einnimmt, kann leicht mehrere Manganquellen kombinieren. Mehr über Funktion, Bedarf und mögliche Überdosierung lesen Sie in meinem Beitrag über Mangan als Spurenelement.

Wirken Neukönigsförder Mineraltabletten gegen Übersäuerung?

Im Zusammenhang mit Mineralstoffen werden häufig drei verschiedene Sachverhalte vermischt:

  • eine echte medizinische Azidose,
  • die ernährungsabhängige Säurebelastung,
  • das naturheilkundliche Konzept einer chronischen Gewebeübersäuerung.

Eine echte Azidose ist eine Störung des Blut-pH-Wertes und ist en Notfall. Sie kann beispielsweise bei schwerer Niereninsuffizienz, entgleistem Diabetes, schweren Lungenerkrankungen, Vergiftungen oder massiven Stoffwechselstörungen auftreten. Solche Zustände behandelt man nicht mit frei verkäuflichen Mineraltabletten. Soviel sollte klar sein…

Die Ernährung beeinflusst dagegen durchaus die Menge an Säuren und Basen, welche die Nieren verarbeiten und ausscheiden müssen. Das lässt sich unter anderem an der renalen Säureausscheidung und mit Einschränkungen auch am Urin-pH erkennen. Der pH-Wert des Blutes wird bei gesunden Menschen trotzdem in einem engen Bereich gehalten. Mehr zu den unterschiedlichen Ebenen lesen Sie in meinen Grundsatzartikeln über den Säure-Basen-Haushalt und die Frage, was von einer Übersäuerung des Körpers zu halten ist.

Die Neukönigsförder Mineraltabletten enthalten zwar Calciumcarbonat und verschiedene Mineralstoffe. Sie bestehen jedoch überwiegend nicht aus den bei klassischen Basenpräparaten verwendeten Kalium-, Magnesium- und Calciumcitraten. Kaliumchlorid liefert Kalium und Chlorid. Es ist ein Elektrolytsalz, aber kein klassischer Basenlieferant. Das basenbildende Potenzial von Kaliumcitrat stammt dagegen wesentlich vom Citratanteil, der im Stoffwechsel zu Bicarbonat umgesetzt werden kann.

Auch Phosphatverbindungen lassen sich nicht pauschal als „entsäuernd“ bezeichnen. Eine Tablette wird nicht dadurch zum Basenmittel, dass mehrere Mineralstoffe darin enthalten sind.

Die Neukönigsförder Tabletten können die Mineralstoffzufuhr ergänzen – keine Frage. Die Behauptung, sie würden überschüssige Säuren aus den Zellen lösen, binden und anschließend aus dem Körper schleusen, wäre physiologisch etwas zu weitgehend. Damit ist das Mittel m.E. überfordert. Wer gezielt ein Basenpräparat sucht, sollte sich nicht von großen Versprechen beeindrucken lassen, sondern die verwendeten Verbindungen prüfen. Einen ausführlichen Überblick finden Sie in meinem Beitrag Basenpulver und Basentabletten – Wirkung, Anwendung und Grenzen.

Auch Natron wird häufig als einfache Lösung für eine angebliche Übersäuerung präsentiert. Eine dauerhafte Einnahme ersetzt jedoch weder eine basenreiche Ernährung noch eine funktionierende Regulation über Lunge, Nieren, Darm, Haut und Stoffwechsel. Der vernünftigere Weg beginnt meist auf dem Teller. Eine Übersicht bietet meine Tabelle der basenbildenden Lebensmittel.

Sind Neukönigsförder Mineraltabletten beim Heilfasten sinnvoll?

Während des Fastens verändern sich Wasser-, Salz- und Elektrolythaushalt. Besonders zu Beginn scheidet der Körper durch sinkende Insulinspiegel mehr Wasser und Natrium aus. Abführmaßnahmen, starkes Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, eine zu hohe Trinkmenge oder entwässernde Medikamente können diese Verschiebungen verstärken.

Je nach Fastenmethode, Dauer, Medikamenteneinnahme und Ausgangslage können auch Kalium, Magnesium und andere Mineralstoffe relevant werden.

Daraus sollte man keine pauschale Pflicht zur Einnahme eines Multimineralpräparates ableiten. Ein gesunder und gut versorgter Mensch benötigt während einer kurzen, fachgerecht durchgeführten Fastenkur normalerweise keine umfangreiche Mineralstoffmischung.

Gemüsebrühe, geringe Mengen Gemüsesaft und eine angepasste Trinkmenge liefern bereits Elektrolyte. Entscheidend ist die Art des Fastens. Reines Wasser- oder Teefasten birgt andere Risiken als ein sinnvoll begleitetes Buchinger- oder modifiziertes Fasten.

In meiner Heilfastenmethode geht es deshalb nicht darum, möglichst radikal nichts mehr zuzuführen. Das Ziel ist eine wirksame Stoffwechselentlastung, ohne den Patienten durch unnötige Mängel oder Elektrolytverschiebungen zu belasten.

Das Präparat liefert kaum Natrium

Eine Schwäche der Neukönigsförder Tabletten beim Fasten wird leicht übersehen: Sie liefern praktisch kein ernährungsphysiologisch relevantes Natrium.

Gerade Natriumverlust kann in den ersten Fastentagen an Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck, Schwindel, Schwäche und Kreislaufproblemen beteiligt sein. Dieses Problem löst das Präparat nicht.

Wer beim Fasten viel Wasser trinkt, gleichzeitig wenig Salz aufnimmt und vielleicht zusätzlich entwässernde Mittel verwendet, kann seinen Natriumspiegel weiter verdünnen. Mehr trinken ist dann nicht automatisch besser. Manchmal ist das gut gemeinte Wasserdauerfeuer selbst Teil des Problems.

Welche Rolle Natrium im Wasser- und Elektrolythaushalt spielt, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag über Natrium im Körper.

Abführmittel können Kaliumverluste verstärken

Beim Fasten werden häufig Glaubersalz, Bittersalz oder andere Abführmittel eingesetzt. Kurzfristig und richtig dosiert kann das sinnvoll sein. Wiederholte oder zu kräftige Abführungen erhöhen jedoch den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten.

Das gilt besonders für Kalium. Wer nach jeder Schwächephase weitere Abführmaßnahmen und anschließend mehr Mineralstofftabletten einsetzt, behandelt möglicherweise ein selbst geschaffenes Problem.

Hinweise zu Dosierung, Anwendung und Risiken finden Sie in meinem Beitrag über Glaubersalz beim Heilfasten.

Wann sind Kontrollen sinnvoll?

Bei kurzen Fastenkuren gesunder Menschen sind meist keine laufenden Laboruntersuchungen erforderlich. Anders sieht es bei längeren Fastenzeiten, Vorerkrankungen, höherem Lebensalter, auffälligen Beschwerden oder einer umfangreichen Medikamenteneinnahme aus.

Bei Herzrhythmusstörungen, starker Muskelschwäche, anhaltendem Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheit oder ausgeprägten Kreislaufproblemen sollte nicht einfach eine weitere Tablette geschluckt werden. Dann gehören unter anderem Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Nierenwerte kontrolliert.

Welche Laborparameter dabei wichtig sein können, zeige ich in meinem Beitrag über Blutwerte beim Fasten.

Wer sollte bei Kalium besonders vorsichtig sein?

Aufgrund des Kaliumgehalts sollte das Präparat nicht ohne fachliche Rücksprache eingenommen werden bei:

  • eingeschränkter Nierenfunktion,
  • bereits erhöhtem Kaliumwert,
  • fortgeschrittener Herzschwäche,
  • Diabetes mit Nierenbeteiligung,
  • Morbus Addison und anderen Störungen der Nebennierenfunktion,
  • schwerer Austrocknung,
  • bestimmten Herzrhythmusstörungen,
  • einer kaliumreichen medizinischen Trink- oder Sondennahrung.

Besondere Vorsicht gilt bei Medikamenten, die den Kaliumwert erhöhen können. Dazu gehören unter anderem:

  • ACE-Hemmer wie Ramipril, Enalapril oder Lisinopril,
  • Angiotensin-Rezeptorblocker wie Candesartan, Valsartan oder Losartan,
  • kaliumsparende Entwässerungsmittel wie Spironolacton, Eplerenon oder Amilorid,
  • bestimmte Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR,
  • einige Immunsuppressiva,
  • Kaliumsalze und kaliumhaltige Salzersatzprodukte.

Wer an einer eingeschränkten Nierenfunktion leidet und fasten möchte, sollte zusätzlich meinen Beitrag Fasten bei Nierenproblemen beachten.

Abstand zu Medikamenten halten

Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können sich im Darm mit bestimmten Arzneimitteln verbinden oder deren Aufnahme auf andere Weise vermindern.

Das betrifft insbesondere:

  • Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin,
  • Tetrazyklin- und Chinolon-Antibiotika,
  • Bisphosphonate gegen Osteoporose,
  • Penicillamin,
  • einige HIV-Medikamente.

Zu Levothyroxin sollte bei calcium- oder eisenhaltigen Präparaten in der Regel ein Abstand von mindestens vier Stunden eingehalten werden. Bei Antibiotika und Bisphosphonaten gelten je nach Wirkstoff unterschiedliche Abstände.

Ein pauschaler Satz wie „zu den Mahlzeiten einnehmen“ reicht daher nicht für jeden Patienten. Wer regelmäßig Medikamente verwendet, sollte die konkrete Kombination anhand der Fach- oder Packungsinformation prüfen lassen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Mögliche Beschwerden betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt:

  • Völlegefühl,
  • Übelkeit,
  • Bauchschmerzen,
  • Verstopfung durch Eisen oder Calcium,
  • weicher Stuhl oder Durchfall durch Magnesium,
  • Reizung der Magenschleimhaut.

Solche Beschwerden sind kein Zeichen dafür, dass ein Kaliummangel besonders wirksam „aufgefüllt“ wird oder der Körper nun kräftig entsäuert. Meist handelt es sich schlicht um eine Unverträglichkeit der Mineralsalze, der Dosierung oder der Hilfsstoffe.

Frühere Darstellungen, nach denen Bauchbeschwerden durch die plötzliche Beseitigung eines Kaliummangels entstehen könnten, sind nicht plausibel. Eine Nebenwirkung wird nicht dadurch zum Heilerfolg, dass man ihr eine hübsche Erklärung gibt.

Bei Herzklopfen, deutlicher Muskelschwäche, ungewöhnlichen Missempfindungen, Verwirrtheit oder zunehmender Kreislaufschwäche sollte die Einnahme beendet und der Elektrolythaushalt überprüft werden.

Sind die Tabletten für Kinder geeignet?

Hier fällt eine Unstimmigkeit zwischen der Herstellerseite und der aktuellen Packungsbeilage auf.

Auf der Produktseite werden Dosierungen für Jugendliche, Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren und sogar für Kleinkinder bis vier Jahre angegeben. Die aktuelle Packungsbeilage mit Stand Februar 2025 nennt dagegen nur eine Verzehrempfehlung für Erwachsene.

Warum die Kinderangaben in der neueren Packungsbeilage fehlen, wird nicht erklärt. Aus der Internetseite würde ich deshalb keine pauschale Empfehlung zur Gabe an Kinder ableiten.

Kinder benötigen Mineralstoffe in altersabhängigen Mengen. Eine Kombination aus Kalium, Eisen, Mangan, Calcium, Phosphor und weiteren Stoffen sollte nicht allein deshalb gegeben werden, weil ein Kind müde ist, schlecht isst oder häufig Infekte hat.

Gerade Mangan verdient Beachtung. Schon eine Tablette liefert 0,3 Milligramm, zwei Tabletten 0,6 Milligramm. Der BfR-Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel beträgt 0,5 Milligramm und bezieht sich grundsätzlich auf ältere Jugendliche und Erwachsene, nicht auf Kleinkinder.

Für Kinder gilt daher: Beschwerden und Ernährung prüfen, einen möglichen Mangel klären und anschließend gezielt ergänzen. Die Mineralstoff-Gießkanne ist keine Diagnostik.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Tabletten werden gelegentlich auch in der Schwangerschaft empfohlen. Als vollständiges Schwangerschaftspräparat sind sie jedoch ungeeignet.

Es fehlen unter anderem:

  • Folat beziehungsweise Folsäure,
  • Jod,
  • Vitamin B12,
  • Vitamin D,
  • Omega-3-Fettsäuren.

Gleichzeitig ist der tatsächliche Bedarf an Eisen, Jod, Magnesium und anderen Mikronährstoffen während Schwangerschaft und Stillzeit individuell. Eine Frau mit niedrigen Eisenspeichern benötigt eine andere Strategie als eine Frau mit hohen Ferritinwerten oder einer Störung des Eisenstoffwechsels.

Auch hier gilt: Versorgung prüfen und gezielt ergänzen. Schwangerschaft ist kein Freibrief für wahllose Kombinationspräparate.

Wann können Neukönigsförder Mineraltabletten sinnvoll sein?

Das Präparat kann zeitweise infrage kommen, wenn:

  • die Ernährung vorübergehend deutlich eingeschränkt ist,
  • mehrere moderate Versorgungslücken vermutet oder nachgewiesen wurden,
  • eine gezielte Hochdosistherapie nicht erforderlich ist,
  • Nierenfunktion und Kaliumwert unauffällig sind,
  • keine problematischen Medikamentenwechselwirkungen bestehen,
  • keine weiteren mangan- oder kaliumhaltigen Präparate verwendet werden.

Die niedrigere Erwachsenendosis von drei Tabletten liefert bereits relevante Mineralstoffmengen. Die Höchstdosis von sechs Tabletten sollte nicht automatisch als anzustrebende Tagesmenge verstanden werden. Eine Maximaldosis ist keine Qualitätsstufe.

Wann ist ein anderes Vorgehen sinnvoller?

Bei einem gezielten Mangel ist ein gezieltes Präparat meistens überzeugender:

  • Bei Magnesiummangel wird eine passende Magnesiumverbindung in angemessener Dosierung gewählt.
  • Bei Eisenmangel müssen Ursache, Blutbild, Ferritin und Transferrinsättigung berücksichtigt werden.
  • Bei Zinkmangel sind Zinkmenge, Einnahmedauer und Kupferstatus wichtig.
  • Bei Kaliumstörungen müssen Nierenfunktion, Medikamente und der tatsächliche Blutwert bekannt sein.
  • Bei Beschwerden während des Fastens müssen Natrium, Flüssigkeitszufuhr, Blutdruck und Abführmaßnahmen mitgedacht werden.
  • Bei einer vermeintlichen Übersäuerung gehören Ernährung, Atmung, Bewegung, Darm, Nieren und Stoffwechsellage auf den Prüfstand.

Eine Dose mit sieben Mineralstoffen erspart diese Überlegungen nicht.

Meine Bewertung aus der Naturheilpraxis

Die Neukönigsförder Mineraltabletten sind kein grundsätzlich schlechtes Produkt. Die Zusammensetzung ist breit angelegt, die Einzelmengen bleiben bei Calcium, Magnesium, Eisen und Zink moderat, und manche Menschen werden die Tabletten gut vertragen.

Das Präparat besitzt jedoch ein etwas widersprüchliches Profil:

  • Für die gezielte Behandlung eines Magnesium-, Eisen-, Zink- oder Calciummangels sind die jeweiligen Mengen meistens zu niedrig.
  • Als allgemeine Mineralstoffmischung liefert die Höchstdosis wiederum mehr Kalium und Mangan, als das BfR für Nahrungsergänzungsmittel vorschlägt.
  • Phosphor wird ergänzt, obwohl ein ernährungsbedingter Phosphormangel selten ist und das BfR von einer entsprechenden Anreicherung abrät.
  • Für den Einsatz beim Fasten fehlt ausgerechnet Natrium, das bei vielen typischen Anfangsbeschwerden eine wesentliche Rolle spielen kann.
  • Als klassisches Basenpräparat ist die Mischung ungeeignet, weil vor allem Chloride, Phosphate, Carbonat und Oxide statt einer durchgehenden Citratmischung verwendet werden.
  • Die Kinderempfehlungen auf der Internetseite stimmen nicht mit der aktuellen Packungsbeilage überein.

In der Praxis würde ich das Präparat deshalb weder pauschal ablehnen noch pauschal empfehlen. Entscheidend ist die Fragestellung.

Wer eine leichte, breit angelegte Ergänzung sucht, keine Nierenprobleme hat, keine kaliumsteigernden Medikamente einnimmt und keine weiteren Mineralstoffpräparate verwendet, kann das Produkt zeitlich begrenzt einsetzen.

Bei konkreten Beschwerden, nachgewiesenen Mängeln, Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Schwangerschaft, Kindern oder einer umfangreichen Medikamenteneinnahme ist eine individuelle Strategie sinnvoller.

Fazit

Neukönigsförder Mineraltabletten sind eine breit zusammengesetzte Mineralstoffmischung mit Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Zink und Mangan.

Sie können eine eingeschränkte Ernährung zeitweise ergänzen. Ein gezielter Mineralstoffmangel lässt sich damit jedoch häufig weder ausreichend noch besonders präzise behandeln.

Die beworbene Wirkung auf den Säure-Basen-Haushalt sollte zurückhaltend beurteilt werden. Es handelt sich nicht um eine klassische Citratmischung, und ein klinischer Nachweis für eine besondere Entsäuerungswirkung des Gesamtpräparates ist nicht erkennbar.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Kalium und Mangan. Die maximale Tagesdosis liefert rund 614 Milligramm Kalium und 1,8 Milligramm Mangan. Beide Mengen liegen über den Höchstmengenvorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung für Nahrungsergänzungsmittel.

Für gesunde Erwachsene mit intakter Nierenfunktion muss daraus nicht zwangsläufig ein Problem entstehen. Bei Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Diabetes, kaliumsteigernden Medikamenten und der Kombination mit weiteren Nahrungsergänzungsmitteln ist von einer unkritischen Einnahme abzuraten.

Mineralstoffe sind lebensnotwendig. Gerade deshalb sollte man sie gezielt einsetzen. Das alte Motto „Was fehlt, wird schon irgendwie in der Tablette stecken“ ist keine Mineralstoffmedizin, sondern Hoffnung mit Überzug.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Artikel wurde  letztmalig am 3.8.2026 komplett überarbeitet.

Wer fastet, kennt das: Nach einigen Tagen innerer Ruhe und Leichtigkeit kann plötzlich ein Punkt kommen, an dem Körper und Geist „abfallen“. Müdigkeit, Frösteln, Kreislaufprobleme oder ein dumpfer Kopf – klassische Zeichen dafür, dass der Organismus tief in den Umbaumodus wechselt. Das alles ist in gewisser Weise „normal“.

Ab und zu taucht die Frage auf: Darf man während des Fastens Galaktose verwenden – oder unterbricht das die Wirkung?

Beginnen wir erst einmal damit:

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Was Galaktose überhaupt ist

Galaktose ist ein Einfachzucker, der in der Natur vor allem als Bestandteil der Laktose (Milchzucker) vorkommt. Im Unterschied zu Glukose wird sie insulinunabhängig verstoffwechselt und belastet daher die Bauchspeicheldrüse kaum.

Im Stoffwechsel wird Galaktose langsam in der Leber umgesetzt und kann direkt ins Gehirn aufgenommen werden – als stabile Energiequelle, ohne die Ketose wesentlich zu stören. Genau das macht sie beim Heilfasten interessant.

Wann Galaktose hilfreich sein kann

In der eigentlichen Fastenphase arbeitet der Körper auf Sparflamme. Die Energieversorgung des Gehirns erfolgt überwiegend über Ketonkörper. Das ist physiologisch gewollt – kann aber, je nach Konstitution, zu vorübergehenden Schwächephasen führen.

Hier kann eine kleine Menge Galaktose helfen, ohne den Fastenprozess auszuhebeln. Bewährt hat sie sich besonders bei:

  • Fasten-Müdigkeit oder „Brainfog“ – der Kopf wird klarer, ohne dass man aus der Ketose fällt
  • Zittern, Kälte, Kreislaufabfall – Galaktose stabilisiert sanft den Energiefluss
  • Mentale Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafstörungen – der Blutzucker bleibt stabil, Cortisol steigt nicht weiter an
  • Leberstress oder träger Galle – unterstützt den hepatobiliären Stoffwechsel
  • Fastenstress oder starke Entgiftungssymptome – mildert die Stressantwort des Körpers

Mit anderen Worten: Galaktose kann den Fastenprozess nicht ersetzen, aber stützen, wenn der Körper in Unterzuckerung oder Überlastung kippt.

Anwendung und Dosierung (wenn überhaupt)

  • 1–2 Teelöffel (ca. 5–10 g) in heißem Wasser oder Kräutertee
  • 1–3 × täglich nach Bedarf, am besten langsam trinken
  • Ideal in der späten Vormittags- oder Nachmittagsphase, wenn Müdigkeit oder Kopfdruck auftreten

Das Getränk sollte nicht „hinuntergestürzt“, sondern bewusst getrunken werden – ähnlich wie eine kleine Heilpflanzenzubereitung. So merkt man schnell, ob der Körper darauf positiv reagiert.

Wann besser nicht

  • Wenn das Ziel tiefe Ketose oder maximale Autophagie ist – dann sollte auf Galaktose verzichtet werden
  • Bei Pilzbelastung (Candida), SIBO oder starker Darmfermentation: vorsichtig testen
  • In der strengen Fastenphase nach Buchinger → erst ab der Aufbauphase einsetzen

Wichtig: Bei Laktoseintoleranz ist Galaktose in der Regel unproblematisch, da sie als Monosaccharid keine Laktase benötigt.

Fazit

Galaktose ist kein „Fastenbruch“, sondern kann eine gezielte Stoffwechselhilfe sein. Sie ist ein kleiner energetischer Impuls für Gehirn und Leber, wenn der Organismus zu stark in den Mangel kippt. Sie hebt den Blutzucker kaum an, stört die Ketose nicht wesentlich und kann helfen, den Fastenprozess stabil zu halten – besonders bei empfindlichen oder erschöpften Menschen.

Bei mir ist die Galaktose kein Bestandteil der Heilfasten-Anleitung, weil ich die Autophagie maximieren möchte und das System lieber auf natürliche Weise „stabil“ halte – durch Ruhe, Wärme, Kräuter und angepasste Bewegung.

Ein weiterer Grund: Während des Fastens vermeide ich grundsätzlich alle Substanzen, die potenziell allergen oder reaktiv sein könnten. Der Körper soll in dieser Zeit vollständig zur Ruhe kommen, der Darm sich beruhigen und mögliche Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen abklingen können. Alles, was diese Regeneration stören oder das Immunsystem reizen könnte, lasse ich bewusst weg – auch Galaktose gehört dazu.

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Der Beitrag wurde am 18.10.2025 erstellt und und am 20.10.2025 geringfügig ergänzt.

Was Basenmittel wirklich leisten – und was sie nicht können

Ein ausgewogener Säure-Basen-Haushalt gehört zu den wichtigsten Grundlagen des Stoffwechsels – ebenso wie der Vitamin- und Mineralstoffhaushalt. Durch unsere „moderne“ Lebens- und Ernährungsweise neigt der Körper allerdings dazu, zu viele Säuren zu bilden. Bewegungsmangel, Stress, Eiweißüberschuss und industriell verarbeitete Lebensmittel belasten die Regulationssysteme zusätzlich.

Kommt es dann zu einer Fastenkur oder Entgiftungsphase, werden gespeicherte Stoffwechselrückstände und Säuren mobilisiert. Der Organismus ist gefordert, diese Stoffe auszuleiten. Doch die körpereigenen Puffersysteme – Blut, Lymphe, Bindegewebe – können dabei schnell an ihre Grenzen kommen. Typische Anzeichen sind dann Müdigkeit, Muskelschmerzen, Magendruck, Krämpfe oder Gereiztheit.

Hier können Basenmittel – richtig eingesetzt – helfen. Aber sie sind kein Wundermittel.
Schauen wir uns also an, was Basenpulver überhaupt sind, wann sie Sinn machen und wo ihre Grenzen liegen.

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Was sind Basenpulver?

Basenpulver sind Mischungen aus basisch wirkenden Mineralstoffen, meist in Form von Carbonaten oder Citraten. Sie sollen helfen, überschüssige Säuren zu neutralisieren und die Basenreserven des Körpers zu unterstützen. Typische Inhaltsstoffe sind:

Diese Verbindungen liefern Mineralien, die im Stoffwechsel als Basenbildner wirken – im Gegensatz zu den „Säurebildnern“ (Fleisch, Zucker, Kaffee, Alkohol, Weißmehl).

Während des Fastens, aber auch bei stressbedingter Übersäuerung, kann die Einnahme eines Basenpulvers helfen, Beschwerden zu lindern.
Bewährt haben sich Mischungen mit organisch gebundenen Mineralien, da sie vom Körper besser aufgenommen werden als reine Carbonate.

Rezeptur für eine bewährte Basenmischung

  • Natriumhydrogencarbonat 60 g
  • Magnesiumcitrat 20 g
  • Calciumcarbonat 10 g
  • Kaliumcitrat 10 g
  • Kaliumhydrogencarbonat 5 g
  • Natriumphosphat 5 g

Anwendung:
¼ bis ½ Teelöffel in 200–300 ml lauwarmem Wasser auflösen und schluckweise über den Tag verteilt trinken, vorzugsweise vor den Mahlzeiten.

Kalium ist dabei besonders wichtig, weil es den Transport saurer Stoffwechselprodukte aus den Zellen in die Blutbahn unterstützt – von dort werden sie über die Nieren ausgeschieden. Deshalb sind auch kaliumreiche Gemüsebrühen während einer Fastenkur so wertvoll.

Übersäuerung – gibt es das überhaupt?

Von schulmedizinischer Seite wird die „Übersäuerung“ häufig bestritten.
Richtig ist: Eine echte metabolische Azidose (wie sie bei schweren Krankheiten vorkommt) ist lebensbedrohlich und selten.
Aber die chronisch-latente Übersäuerung – also eine über Jahre schleichende Verschiebung des Gewebemilieus – ist in der Praxis sehr häufig.

Hier geht es nicht um Blutwerte, sondern um das „innere Milieu“:
Ein überlastetes Bindegewebe, gestörte Zellatmung, erschöpfte Puffersysteme – Prozesse, die man weder in einem Laborwert noch in einer Tablette sieht, wohl aber spürt.
Müdigkeit, diffuse Schmerzen, Hautprobleme, Muskelschwere, Verdauungsstörungen oder Gelenkbeschwerden können Ausdruck solcher Regulationsstörungen sein.

Was die Forschung zeigt

Tatsächlich gibt es Hinweise, dass Natriumhydrogencarbonat – der Hauptbestandteil vieler Basenpulver – entzündungsmodulierend wirken kann.
In Studien der Augusta University zeigte sich, dass die tägliche Einnahme von Natriumhydrogencarbonat das Immunsystem günstig beeinflussen kann:
Die Zahl der entzündungshemmenden Makrophagen (M2) nahm zu, während die entzündungsfördernden (M1) abnahmen.

Das bedeutet nicht, dass Natron Entzündungen „heilt“ – aber es kann die körpereigene Regulation unterstützen.
Dieser Mechanismus erklärt, warum manche Menschen auf basische Anwendungen mit mehr Energie und weniger Schmerzen reagieren.

Wann Basenpulver sinnvoll sind

  • Während des Heilfastens oder einer Entgiftungskur
  • Bei säurebedingten Beschwerden (Sodbrennen, Muskelkrämpfe, Erschöpfung)
  • Nach stark eiweißhaltigen Mahlzeiten
  • Bei vermehrtem Stress oder Bewegungsmangel

Basenpulver sind jedoch kein Dauerpräparat.
Sie dienen dazu, akute Säurespitzen abzufangen – nicht, um dauerhaft „basisch zu leben“.
Der eigentliche Ausgleich entsteht durch eine pflanzenbetonte Ernährung, gute Atmung, ausreichend Bewegung und regelmäßige Regeneration.

Natron – Allheilmittel oder unterschätztes Hausmittel?

In den letzten Jahren erlebt Natron (Natriumhydrogencarbonat) eine erstaunliche Renaissance.
In sozialen Medien wird es als preiswertes Wundermittel gegen fast alles gehandelt: gegen Entzündungen, als Hautpflege, zur Entgiftung von Obst, ja sogar als Ersatz für Schmerzsalben oder Reinigungsmittel.

Ein Teil dieser Begeisterung hat einen wahren Kern – vieles ist jedoch stark übertrieben.

Natron und chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen („silent inflammation“) gelten tatsächlich als Motor vieler Zivilisationserkrankungen – von Arteriosklerose über Diabetes bis Rheuma.
Ein basisches Milieu kann entzündungshemmend wirken, weil bestimmte Immunzellen (Makrophagen) in zu saurer Umgebung überaktiv werden.

Ein Glas Natronwasser verändert aber nicht den pH-Wert des Körpers in relevantem Maß. Der Blut-pH wird vom Organismus extrem eng reguliert (7,35–7,45) – jede Abweichung wird sofort kompensiert.
Was Natron kann, ist das Puffersystem des Blutes kurzfristig entlasten – zum Beispiel nach einer säurehaltigen Mahlzeit oder bei Fastenbeginn.

Studienlage:
Forscher fanden heraus, dass Natriumhydrogencarbonat die Aktivität von Immunzellen modulieren und so das Entzündungsgeschehen dämpfen kann.
Das erklärt, warum manche Menschen bei Sodbrennen oder leichten Entzündungszuständen gute Erfahrungen machen.
Es ist also kein „Entzündungsentferner“, sondern ein mildes Regulationsmittel.

Anwendung:
Ein halber Teelöffel Natron in einem Glas Wasser, vorzugsweise morgens nüchtern, kann kurweise über einige Tage sinnvoll sein – insbesondere bei säurebedingten Beschwerden.
Für längere Anwendungen oder bei Herz-, Nieren- oder Bluthochdruckproblemen sollte man jedoch ärztlichen Rat einholen.

Äußere Anwendungen – Rizinusöl und Natron

Die Kombination aus Rizinusöl und Natron ist ein altes Hausmittel mit überraschend vielseitiger Wirkung.
Rizinusöl dringt tief ins Gewebe ein, wirkt lymphanregend und entzündungsmodulierend.
Zusammen mit Natron entsteht eine basische Paste, die man bei Hautreizungen, müder Haut oder lokalen Spannungen nutzen kann.

Für Altersflecken oder Augenringe kann eine dünne Schicht über Nacht aufgetragen werden.
Bei Gelenkbeschwerden kann eine Mischung aus Rizinusöl, etwas Natron und einer Spur Cayennepfeffer wärmend und durchblutungsfördernd wirken.
Das ersetzt kein Arzneimittel, ist aber eine sinnvolle, natürliche Alternative zur lokalen Entzündungsregulation.

Obst und Gemüse reinigen

Natron ist ein hervorragendes Hausmittel, um Rückstände auf Obst und Gemüse zu reduzieren.
In Untersuchungen zeigte sich, dass eine 15-minütige Natronlösung (1 TL auf 1 l Wasser) viele oberflächliche Pestizide deutlich abbaut – effektiver als Essig. Rückstände im Fruchtfleisch bleiben allerdings bestehen.
Fazit: Natron eignet sich gut für die Oberflächenreinigung, ersetzt aber keine ökologische Landwirtschaft.

Natron im Haushalt – einfach, sauber, giftfrei

Viele Putzmittel enthalten Tenside, Duftstoffe und Lösungsmittel, die Haut, Schleimhäute und sogar das Hormonsystem belasten können. Dabei geht es auch einfacher: Mit Natron, Zitronensäure und Essig lässt sich nahezu jeder Reiniger ersetzen – umweltfreundlich, preiswert und gesundheitlich unbedenklich.

Ein Teelöffel Natron in warmem Wasser wirkt bereits als milder Allzweckreiniger; zusammen mit etwas Essig oder Zitronensaft löst es Kalk, Fett und Gerüche, ganz ohne chemische Zusätze. Das ist kein medizinischer, sondern ein ökologischer Vorteil – aber einer, der langfristig ebenfalls zur Gesundheit beiträgt.

Zwischenfazit zu Natron

Natron ist kein „neues Bitcoin“, kein Allheilmittel – aber ein vielseitig wirksames Haus- und Naturheilmittel.
Seine Stärke liegt in der Pufferung, Entlastung und Milieuregulation, nicht in einer vermeintlichen „Entsäuerung des Körpers“.
Der Körper braucht kein extremes Basenmilieu, sondern Ordnung und Rhythmus – die entstehen durch natürliche Ernährung, gute Atmung, Bewegung und seelische Balance.
Natron kann dabei ein wertvoller Helfer sein – wenn man seine Grenzen kennt.

Worauf beim Kauf von Basenmitteln zu achten ist

  • Organische Mineralverbindungen (Citrate, Malate) sind besser verträglich als reine Carbonate.
  • Kaliumhaltige Präparate fördern den Säureausgleich, während reine Natriummischungen langfristig ungünstig sind.
  • Zink (für das Enzym Carboanhydrase), Silizium (für das Bindegewebe) und Vitamin D (für die Mineralaufnahme) können den Effekt sinnvoll ergänzen.
  • Vermeide Produkte mit Süßstoffen, Aromastoffen oder Füllmitteln.

Nebenwirkungen und Grenzen

Bei korrekter Anwendung sind Basenpulver gut verträglich.
Vorübergehender Durchfall oder vermehrter Harndrang können auftreten, wenn sich der Stoffwechsel umstellt.
Eine Daueranwendung über Monate ist nicht sinnvoll – der Körper sollte lernen, seine Puffer selbst wieder aufzubauen.

Wer unter Herz– oder Niereninsuffizienz leidet oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Basenpräparate nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Therapeuten nutzen.

Fazit: Ordnung statt Pulver

Basenpulver und Natron können den Säure-Basen-Haushalt unterstützen, aber sie sind kein Ersatz für eine gesunde Lebensweise.
Der nachhaltige Weg zur Balance führt über:

  • basenreiche Ernährung (Gemüse, Kräuter, Keimlinge)
  • gute Darmpflege und Mikrobiom-Aufbau
  • Bewegung, Atmung, Schwitzen
  • ausreichenden Schlaf und Stressabbau

Denn Heilung geschieht nicht durch Neutralisation, sondern durch Regeneration.
Wenn Körper, Geist und Umwelt wieder in Ordnung sind, reguliert sich auch der Säure-Basen-Haushalt – ganz ohne ständige Pulver.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 10.10.2025 grundlegend überarbeitet.

Während die Industrie ständig neue Schönheits- und Gesundheitsprodukte anpreist, gibt es Naturstoffe, die seit Jahrhunderten wirken – ganz ohne Marketing-Hype. Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) gehört dazu. Ursprünglich ein Nebenprodukt des Bierbrauens, wird sie heute gezielt als Nahrungsergänzung in Form von Tabletten, Pulver oder Flocken genutzt.

Nährstoffpaket in Reinform

Bierhefe ist reich an:

  • Essentiellen Aminosäuren – Bausteine für Muskeln, Gewebe und Enzyme.
  • Vitaminen – vor allem die B-Vitamine (B1, B2, B3, B5, B6, B9, B12) sowie Biotin (H) und Vitamin E, die Energiestoffwechsel, Nervenfunktion und Hautgesundheit unterstützen.
  • Mineralstoffen und Spurenelementen – Zink, Magnesium, Kalium, Phosphor, Schwefel, Kupfer u. a., wichtig für Immunsystem, Hormonproduktion und Enzymfunktionen.

Für wen Bierhefe besonders interessant ist

  • Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf – etwa bei Stress, Rekonvaleszenz oder unausgewogener Ernährung.
  • Sportler – zusätzlicher Bedarf an B-Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß.
  • Haut-, Haar- und Nagelpflege von innen – durch Biotin- und B-Vitamin-Gehalt.
  • Unterstützung des Stoffwechsels – kann Energie und Verdauung positiv beeinflussen.

Schon im 16. Jahrhundert schätzte man Bierhefe als kräftigendes Schönheitsmittel – heute erlebt sie ein stilles Comeback als natürliche Rundumversorgung.

Verträglichkeit und mögliche Nachteile

Bierhefe ist zwar ein Naturprodukt, aber nicht für jeden ideal:

  • Empfindliche Verdauung: kann Blähungen oder Bauchschmerzen verursachen.
  • Histaminintoleranz oder Pilzallergie: Risiko für Unverträglichkeitsreaktionen.
  • Gicht / erhöhte Harnsäure: purinreich, daher nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Wechselwirkungen: kann die Wirkung bestimmter Medikamente (z. B. MAO-Hemmer, Antimykotika) beeinflussen.
  • Immunschwäche: lebende Hefe sollte hier gemieden werden.

Qualität und Anwendung

  • Formen: Tabletten, Kapseln, Flocken, Pulver.
  • Geschmack: entbitterte Bierhefe ist milder, nicht entbitterte enthält meist das volle Spektrum.
  • Dosierung: meist 3–5 g täglich, am besten zu den Mahlzeiten.
  • Bio-Qualität bevorzugen, um Zusatzstoffe oder Rückstände zu vermeiden.

Bierhefe ist kein Wundermittel – ihre Wirkung entfaltet sich bei regelmäßiger Einnahme über Wochen. Wer sie verträgt, erhält jedoch ein außergewöhnlich dichtes Paket an Nährstoffen, das moderne „Powerkapseln“ oft übertrifft.

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Wer es genauer wissen möchte, findet in der medizinischen Literatur eine Reihe interessanter Untersuchungen – vor allem zu den Effekten auf Darmflora, Verdauung und Immunsystem.
Besonders spannend: Ein naher Verwandter der Bierhefe, Saccharomyces boulardii, wird seit Jahren in Studien als Probiotikum getestet. Viele Ergebnisse lassen sich direkt auf die klassische Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) übertragen.

Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Studien und deren Ergebnisse – von klinischen Anwendungen bei akuten Durchfällen bis hin zu Laboruntersuchungen zur Stärkung der Darmbarriere.

Los geht´s…

Studien und Untersuchungen

Im Jahr 2005 wurde eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss eines sehr nahen Verwandten der Bierhefe auf Durchfälle bei Kindern untersuchte. Saccharomyces boulardii und Saccharomyces cerevisiae werden in der Literatur durchgängig als praktisch identische Hefesorten diskutiert, so dass die durch die Studien gewonnenen Ergebnisse auf die Bierhefe übertragen werden können.

1. “Effects of Saccharomyces boulardii in children with acute diarrhoea.” Kurugöl Z, Koturoglu G. Department of Paediatrics, Faculty of Medicine, Ege University, Izmir, Turkey.

Die Idee der Studie war, dass Probiotika, wie Lactobacillus rhamnosus GG, einen bedeutenden klinischen Effekt bei der Behandlung von Durchfall bei Kindern gezeigt haben. Aber dagegen gab es praktisch kaum Untersuchungen, die den Effekt von Bierhefe auf Durchfälle untersucht hätte.

So wurden 200 Kinder per Zufallsauswahl in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt S. boulardii (Bierhefe) in granulierter Form, 250 mg pro Tag. Die andere Gruppe erhielt ein Plazebo. Die Behandlung dauerte insgesamt 5 Tage. Es wurde darauf geachtet, dass die klinischen und demographischen Eigenschaften bei beiden Gruppen vergleichbar waren.

Als Resultat konnte nach 5 Tagen festgehalten werden, dass die durchschnittliche Stuhlfrequenz schon nach dem zweiten Tag der Behandlung deutlich niedriger in der Bierhefe-Gruppe war als in der Plazebo-Gruppe. Die Dauer der Durchfälle war in der Verum-Gruppe signifikant verkürzt. Der Effekt auf wässrigen Durchfall wurde ebenfalls nach dem zweiten Behandlungstag deutlich. Der Krankenhausaufenthalt war in der Bierhefe-Gruppe ebenfalls deutlich kürzer als in der Plazebo-Gruppe. Vier Kinder der Plazebo-Gruppe zeigten keine Verbesserung des Krankheitsbildes. In der Verum-Gruppe war es nur ein Kind.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Bierhefe ein sehr gutes Behandlungskonzept bei akuten Durchfällen bei Kindern darstellt.

Eine retrospektive Literaturstudie aus dem Jahr 2007 untersuchte Daten aus vorangegangenen Studien zur Frage, inwieweit eine durch Antibiotika ausgelöste Diarrhöe bei Kindern per Probiotika-Gabe beeinflusst werden kann. Leider kam die Studie nicht zu sehr zwingenden Ergebnissen, teilweise auch bedingt durch ihren retrospektiven Charakter. Ein weiterer begrenzender Effekt war, dass nur 10 Studien gefunden wurden, die die Probiotika als Behandlungskonzept bei antibiotikabedingten Durchfällen bei Kindern einsetzten und untersuchten. Allerdings zeichnete sich ein Bild ab, das den Probiotika, inklusive Bierhefe, einen günstigen Einfluss bei der Behandlung von solchen Durchfällen bescheinigte.

Was bislang fast ausschließlich für Kinder gezeigt werden konnte, fasste eine retrospektive Studie (Meta-Analyse) 2008 für Erwachsene zusammen. Auch hier zeigten die für die Kinder so vorteilhaften Probiotika den gleichen positiven Effekt bei einer antibiotikainduzierten Diarrhöe bei Erwachsenen. Die Autoren bemerkten dazu, dass das Phänomen des Antibiotika-Durchfalls mit 25 % in Krankenhäusern kein seltenes Phänomen ist. Hier helfen dann Probiotika, die die Darmflora restaurieren helfen und andere Darmparameter günstig beeinflussen. Aber auch hier konnten nur 5 Studien gefunden werden, die sich dieses Themas annahmen bzw. die diese Beobachtung als “Nebenprodukt” zeigten.

Eine kleine Studie, die den Effekt zu erklären versuchte, wurde 2006 veröffentlicht.

2. “Influence of oral intake of Saccharomyces boulardii on Escherichia coli in enteric flora.” Akil et al. Department of Pediatric Nephrology, Celal Bayar University, Manisa, Turkey.

Wenn man davon ausgeht, dass die bakterielle Besiedlung des Darms 95 Prozent der Gesamtmenge der Körperzellen des menschlichen Organismus ausmacht, dann kann man sich leicht ausmalen, wie wichtig diese 95 Prozent für unseren Organismus sind. Diese 95 Prozent nämlich werden beeinflusst durch Ernährung und Veränderungen in der Nahrung. Die meisten Harnwegsinfekte werden nach schulmedizinischer Lehrmeinung bedingt bzw. verursacht durch aufsteigende Infektionen aus dem Darmbereich. Mit der offensichtlichen Bedeutung der Darmflora für unseren Organismus wollte diese Studie herausfinden, welchen Einfluss eine orale Bierhefe-Gabe auf die Anzahl an Escherichia coli (E. coli) ausübte. E. coli ist bekannt dafür, dass eine zu hohe Dichte Durchfälle und andere gastrointestinale Beschwerden auslöst.

Die Studie wurde mit 14 Jungen und 10 Mädchen im Alter von 36 bis 192 Monaten (Durchschnitt 104 Monate) durchgeführt. Eingesetzt wurde eine kommerziell erhältliche Kapsel, die 5 Milliarden kolonieformierende Einheiten S. boulardii (Bierhefe) enthielt. Diese Kapsel wurde einmal täglich gegeben für die Dauer von 5 Tagen. Die Zahl an E. coli und Hefekolonien wurde im Stuhl der Probanden vor und nach der Kapsel-Gabe gemessen. Vor der Behandlung betrugen die E. coli Kolonien 384.625. Nach der Behandlung sank dieser Wert deutlich ab auf 6.283. S. boulardii wurde vor der Behandlung nicht im Stuhl entdeckt. Nach der Behandlung wurden 11.047 Kolonien gemessen. Diese Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass der durchfallbremsende Effekt auf eine Verminderung von zu hohen E. coli Kolonien zurückzuführen ist. Es bleibt aber noch zu erörtern, ob Bierhefe nicht vielleicht auch in der Lage ist, andere unvorteilhafte Mikroorganismen im Darm zu reduzieren.

2010 zeigte eine Studie an Mäusen, dass Bierhefe noch mehr zu können scheint:

3. “Saccharomyces cerevisiae strain UFMG 905 protects against bacterial translocation, preserves gut barrier integrity and stimulates the immune system in a murine intestinal obstruction model.” Generoso et al. Departamento De Análises Clínicas e Toxicológicas, Faculdade de Farmácia, Universidade Federal de Minas Gerais, Belo Horizonte, Brazil.

Diese Untersuchung an Mäusen offenbarte, dass abgetötete und lebende Bierhefezellen in der Lage waren, die Aufnahme von schädlichen Bakterien, speziell E. coli, durch die Darmwand zu verhindern. Die Behandlung mit Bierhefe, tot oder lebendig, stabilisierte die Darmbarriere und verhinderte somit die Aufnahme von unerwünschten Organismen. Eine Erhöhung von Interleukin-10 fand bei beiden Formen statt, aber nur die Lebendform erzeugte auch eine Erhöhung von IgA-Antikörpern. Diese Ergebnisse zeigen, dass Bierhefe neben seiner darmstabilisierenden Wirkung auch das Immunsystem positiv beeinflusst.

2003 untersuchte ein Team die Frage, was passiert, wenn man Bierhefe frühgeborenen Babies verabreicht:

4. “Enteral feeding of premature infants with Saccharomyces boulardii.” Costalos et al. Department of Neonatal Medicine, Alexandra Hospital Athens, Greece.

Die Idee war, dass Bierhefe (Saccharomyces boulardii) probiotisch wirkt und Polyamine produziert. Probiotika verhindern ein ausuferndes Wachstum von schädlichen Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt. Polyamine fördern die Darmentwicklung. So war das Ziel der Studie, zu erfahren, ob Bierhefe die Darmfunktion verbessert und Mikroorganismen im Darm kontrollieren kann.

Es wurden 87 gesunde Babies in die Studie aufgenommen, die in einem Gestationsalter von 28 bis 32 Wochen waren. Sie wurden zufallsbedingt aufgeteilt, um eine Standardformulierung für Frühgeborene zu bekommen, die entweder mit Bierhefe oder Maltodextrin angereichert wurde. Dieser Zusatz wurde für die Dauer von 30 Tagen gegeben. Beobachtungskriterien waren Verträglichkeit der Bierhefe und Gewichtszunahme, Stuhlprobenanalyse, D-Xylose Resorption im Darm und Fettausscheidungen im Stuhl.

Als Resultat zeigte sich, dass Bierhefe von diesen Babies gut toleriert wurde. Es gab keinen Unterschied im Gewichtszuwachs zwischen beiden Gruppen. Der E. coli- und Enterokokken-Gehalt der Stuhlproben war in der Bierhefe-Gruppe deutlich niedriger als in der Maltodextrin-Gruppe. Auf der anderen Seite war der Gehalt an Bifidobakterien und Staphylokokken in der Bierhefe-Gruppe deutlich höher. D-Xylose- und Fett-Resorption waren in beiden Gruppen gleich. Als Resultat hielten die Forscher fest, dass Bierhefe von diesen Babies gut toleriert wurde und die Darmflora insofern positiv von der Bierhefe beeinflusst wurde, als diese der Darmflora von gestillten Babies gleich.

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Häufige Fragen zu Bierhefe

  1. Was ist Bierhefe eigentlich und welche Formen kann man kaufen?
    Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) ist ein natürlicher Hefepilz, der traditionell beim Bierbrauen entsteht. Heute wird sie gezielt kultiviert und als Nahrungsergänzung in Tabletten-, Pulver- oder Flockenform angeboten.
  2. Welche Nährstoffe enthält Bierhefe?
    Bierhefe liefert alle essentiellen Aminosäuren, fast alle B-Vitamine (einschließlich Biotin), Vitamin E sowie Mineralstoffe und Spurenelemente wie Zink, Magnesium, Kalium und Kupfer.
  3. Wofür ist Bierhefe gut?
    Sie kann Haut, Haare und Nägel stärken, den Energiestoffwechsel und das Immunsystem unterstützen sowie zur Darmgesundheit beitragen. Manche nutzen sie auch als natürliche Ergänzung in Diäten oder beim Sport.
  4. Wie nimmt man Bierhefe ein?
    Die gängige Dosierung liegt bei 3–5 g täglich, am besten zu den Mahlzeiten. Sie ist als Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flocken erhältlich.
  5. Wer sollte Bierhefe nicht nehmen?
    Personen mit Histaminintoleranz, Pilzallergie, Gicht oder geschwächtem Immunsystem sollten Bierhefe meiden oder vorab ärztlichen Rat einholen.
  6. Gibt es Nebenwirkungen?
    Bei empfindlichen Menschen kann Bierhefe Blähungen, Bauchschmerzen oder Hautreaktionen auslösen. Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten sind möglich.
  7. Ist Bierhefe für Veganer geeignet?
    Ja – allerdings wird Vitamin B12 in Bierhefe meist zugesetzt, da sie es nicht in relevanter Menge selbst produziert.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.8.2025 umfassend ergänzt und überarbeitet.

Beitragsbild: 123rf.com – PAPAN SAENKUTRUEANG

Zeolith ist nicht gleich Zeolith. Und Heilerde ist nicht automatisch völlig harmlos. Wer glaubt, dass therapeutische Erden austauschbar sind, irrt gewaltig – und riskiert im Zweifel mehr Reizung als Reinigung.

Denn zwischen einem quellfähigen Bentonit, einem kristallinen Klinoptilolith und einer mineralstoffreichen Heilerde liegen Welten – chemisch, therapeutisch und in ihrer Wirkung auf die Darmschleimhaut. Ganz zu schweigen von der Frage, was passiert, wenn die Partikel zu fein sind und nicht mehr im Darm bleiben.

Dieser Beitrag ist kein Werbetext (wie man diese so häufig im Netz derzeit findet), sondern eine Art  „Kompass“ wie ich diese Substanzen in der Praxis einsetze. Ich zeige, welche Erde wann sinnvoll sein kann und wo vielleicht eher Vorsicht geboten ist.

Alos los!

Was sind therapeutische Erden?

Therapeutische Erden bestehen aus fein vermahlenen Mineralien, die eine hohe Adsorptions- und Bindungsfähigkeit aufweisen. Sie stammen meist aus Tonen, Vulkanasche oder Sedimentgestein. Die wichtigsten Vertreter sind:

  • Heilerde: Besteht vor allem aus Löss, einem Gestein aus der Eiszeit. Enthält Silikate, Dolomit, Feldspat sowie zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente.
  • Bentonit: Entsteht durch Verwitterung vulkanischer Asche. Hauptbestandteil ist das Schichtsilikat Montmorillonit.
  • Zeolith / Klinoptilolith: Ein kristallines Alumosilikat mit schwammartiger Struktur und hoher Ionenaustauschkapazität.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Alle drei Stoffe (Heilerde, Bentonit und Klinoptilolith) wirken primär im Darmlumen. Ihre wichtigste Eigenschaft ist die Fähigkeit, unerwünschte Substanzen zu binden: Schwermetalle wie Quecksilber oder Blei, biogene Amine, Ammoniak, Mykotoxine, Pestizidrückstände und andere Stoffwechselgifte. Diese Bindung erfolgt physikalisch – durch Adsorption, Ionenaustausch oder Einschluss in die Porenstruktur.

Heilerde
Die klassische Heilerde basiert meist auf eiszeitlichem Löss, einem mineralstoffreichen Naturmaterial. Sie enthält in natürlicher Kombination Silikate, Dolomit, Feldspat sowie zahlreiche Spurenelemente – also nicht nur bindend, sondern auch nährend. Ihre Quellfähigkeit ist gering, was sie besonders verträglich macht. Ich setze sie gerne bei empfindlichen Patienten ein, zur milden Darmpflege, bei Übersäuerung oder als Begleitung von Ausleitungskuren. Auch bei Hauterkrankungen oder innerer Hitze ist Heilerde bewährt – oral wie äußerlich.

Bentonit
Bentonit ist ein echtes Arbeitstier unter den Erden. Durch seinen hohen Gehalt an Montmorillonit quillt es stark auf und bildet eine Art Gel, das reizlindernd auf die Schleimhaut wirkt. Gleichzeitig bindet es Schimmelpilzgifte (Mykotoxine), Histamin und andere Reizstoffe besonders effektiv. In der Praxis zeigt sich: Wer auf klassische Ausleitungen nicht anspricht oder mit Schimmelbelastung zu kämpfen hat, profitiert oft erst dann, wenn Bentonit ins Spiel kommt. Wichtig ist die Wasserzufuhr – sonst wird aus der inneren Reinigung schnell ein Stoppeffekt.

Klinoptilolith (Zeolith)
Der Zeolith Klinoptilolith ist kristallin aufgebaut, wie eine Art mikroskopisch feines „Schwammgitter“. Seine Porenstruktur ist extrem stabil und ermöglicht eine präzise, selektive Bindung. Besonders spannend wird es, wenn das Gestein tribomechanisch aktiviert wird (TMAZ): Dabei öffnen sich weitere Poren, die Oberfläche vervielfacht sich und mit ihr das Bindungspotenzial. Dazu weiter unten gleich etwas mehr. Klinoptilolith wirkt meiner Erfahrung nach anders als Bentonit, weniger über Quellung, mehr über Ionentausch und Adsorptionskräfte. Gerade bei chronischen Belastungen, Umwelttoxinen oder unklarer Symptomlage hat sich dieser Stoff in der Praxis vielfach bewährt. Er drängt sich nicht auf – aber er räumt auf. So stelle ich mir das jedenfalls vor.

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Was passiert mit den Partikeln im Körper?

Viele Anwender fragen sich, ob die feinen Partikel nicht zu klein sind – besonders, wenn sie unter 5 Mikrometer liegen. Können solche Teilchen durch die Darmwand in den Körper gelangen? Und was passiert dann?

a) Resorption über die Darmschleimhaut?

Eine gesunde Darmschleimhaut ist für Partikel größer als 1 Mikrometer weitgehend undurchlässig. Nur in seltenen Fällen (z. B. über sogenannte M-Zellen der Peyer-Plaques) gelangen sehr kleine Partikel in tieferes Gewebe. Bei „Leaky Gut“ oder entzündlicher Schleimhaut kann die Barrierefunktion gestört sein.

b) Ist die Aufnahme erstrebenswert?

Nein. Die Wirkung der Erden basiert auf der lokalen Bindung im Darmlumen. Eine systemische Aufnahme bringt keinen therapeutischen Nutzen, sondern birgt möglicherweise Risiken: Fremdkörperreaktionen, Gewebsreizung, Ablagerungen in lymphatischen Organen.

Zwischenfazit: Eine Resorption ist nicht gewünscht. Qualitätvolle Präparate bleiben im Darm.

c) Was ist mit Nanopartikeln?

Produkte mit Partikelgrößen unter 100 Nanometern gelten als Nano-Zeolithe. Diese sind kritisch zu sehen, da ihre biologische Wirkung wenig untersucht ist. Sie können potenziell Zellen durchdringen und das Immunsystem irritieren. Ich lehne den Einsatz solcher Nano-Zeolithe klar ab.

Tribomechanisch aktivierter Zeolith (TMAZ)

Einige Hersteller (z. B. Megamin) setzen auf ein tribomechanisches Verfahren: In Rotor-Walzen wird das Zeolithpulver so stark beansprucht, dass sich die Kristallstruktur verändert. Die Porenstruktur wird erweitert, das Bindungsvermögen steigt.

Die Partikelgröße liegt bei etwa 1–4 Mikrometer. Trotz der Feinheit bleiben die Partikel im Darm, sofern keine gravierende Barriere-Störung vorliegt.

In Studien wurde für TMAZ folgende Wirkungen beschrieben:

Anwendung und Praxisempfehlungen

Heilerde: Heilerde setze ich seit Jahren bei klassischen „Zivilisationsbeschwerden“ im Darm ein – Reizdarm, Magendruck, säurebedingtes Aufstoßen, Sodbrennen. Besonders bei empfindlichen Patienten oder nach Antibiotikatherapien hat sich die milde, mineralstoffreiche Wirkung bewährt. Sie puffert, ohne zu reizen. Auch äußerlich nutze ich sie gern: bei Ekzemen, Insektenstichen oder einfach als kühlende Auflage. Ich würde mir wünschen, dass Patienten mal mehr auf Heilerde zurückgreifen würden und nicht auf diese verschreibungspflichtigen Chemiebomben…

Bentonit: Wenn es um tiefere Belastungen geht (Mykotoxine, chemische Sensitivität oder entzündliche Prozesse an der Darmschleimhaut), greife ich bevorzugt zu Bentonit. Die Quellfähigkeit ist enorm: Es wirkt wie ein innerer Schwamm, der Gifte bindet, bevor sie in den Kreislauf geraten. Wichtig: immer mit viel Wasser einnehmen, sonst kommt es leicht zu Verstopfung. Gerade bei Patienten mit Schimmelbelastung ist Bentonit oft ein Wendepunkt.

Klinoptilolith (TMAZ): Bei chronisch erschöpften, belasteten Menschen (Umwelttoxine, wiederkehrende Infekte, unspezifische Immunaktivierung), hat sich der tribomechanisch aktivierte Zeolith (TMAZ) als besonders wirksam erwiesen. Seine Porenstruktur ist fein, die Bindungsleistung hoch. Ich sehe in der Praxis deutliche Verbesserungen: Weniger Blähungen, klarerer Kopf, bessere Belastbarkeit. Auch für Fastenkuren oder zur Mikrobiom-Regulation setze ich TMAZ gerne ein – begleitend, nicht isoliert.

An dieser Stelle will ich noch ein Wort zu Prof. Karl Hecht sagen:

Wer sich vertieft mit der Wirkung von Zeolithen und Bentonit befasst, kommt an den Arbeiten von Prof. Dr. Karl Hecht kaum vorbei. Der langjährige Professor für pathologische Physiologie an der Charité (Berlin) hat sich in seinen späten Jahren intensiv der Erforschung von Klinoptilolith-Zeolith und anderen Siliziummineralien gewidmet. In mehreren Fachbüchern dokumentiert er deren Einsatz bei Umweltbelastungen, oxidativem Stress, Strahlenexposition und chronischen Entzündungsprozessen – stets mit Blick auf Praxisnähe und physiologische Grundlagen. Seine Position: Die Wirkung von Naturzeolithen ist kein Zufall, sondern Folge klar nachvollziehbarer biophysikalischer Mechanismen – vorausgesetzt, Reinheit, Struktur und Partikelgröße stimmen.

Und das bringt uns zur Auswahl und Anwendung…

Vorher aber noch:

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Worauf ich bei Auswahl und Anwendung achte

Nicht jedes Pulver, das sich „Heilerde“ oder „Zeolith“ nennt, ist automatisch geeignet für eine innerliche Anwendung. Ich sehe regelmäßig Produkte, die zwar gut gemeint sind, aber schlecht geprüft, verunreinigt oder einfach zu fein vermahlen. Hier die Kriterien, auf die ich in der Praxis achte:

Partikelgröße:
Nicht zu grob – sonst ist die Bindungsleistung unzureichend. Aber auch nicht zu fein. Alles unter 1 Mikrometer kann problematisch werden: Solche ultrafeinen Partikel könnten – vor allem bei durchlässiger Darmschleimhaut – in den Körper gelangen. Ich meide Präparate, die Richtung Nanogröße gehen. Die Wirkung gehört in den Darm, nicht ins Gewebe.

Reinheit:
Ein absolutes Muss. Keine Schwermetallrückstände, keine Quarzverunreinigungen, keine radioaktiven Spurenelemente – auch das kommt vor, gerade bei billig importierten Produkten. Ich verlasse mich hier nur auf Anbieter mit nachvollziehbaren Analysenzertifikaten.

Zulassung:
Idealerweise handelt es sich um ein geprüftes Medizinprodukt – dann sind Reinheit, Partikelgröße und Sicherheitsprüfung schon einmal gewährleistet. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich schwächer reguliert – da muss man genau hinsehen.

Einnahme:
Immer mit reichlich Wasser – mindestens 250 ml pro Teelöffel Pulver. Sonst kann es stopfen. Und bitte nie zusammen mit Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen – der Abstand sollte mindestens zwei Stunden betragen. Sonst bindet das Pulver nicht nur die Gifte, sondern auch das, was helfen soll.

Fazit

Therapeutische Erden sind eine bewährte Möglichkeit, den Darm gezielt zu entlasten, Toxine zu binden und die Schleimhautregeneration zu fördern. Unterschiede bestehen in Quellfähigkeit, Ionenaustauschvermögen und Mineralstoffgehalt. Klinoptilolith in tribomechanisch aktivierter Form zeigt ein besonders hohes Potenzial in der modernen biologischen Medizin – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Eine systemische Aufnahme ist nicht Ziel der Therapie und sollte aus gutem Grund vermieden werden.

Die Entgiftung und Darmsanierung spielen eine zentrale Rolle in modernen Naturheilverfahren. Dieser Beitrag widmet sich den wirkungsvollen Ansätzen von therapeutischen Erden, insbesondere der klassischen Heilerde, Bentonit und Zeolithen wie Klinoptilolith. Ihre chemische Zusammensetzung und spezifischen Eigenschaften werde ich beleuchten, um die Unterschiede zu zeigen und auch einen umfassenden Einblick in ihre Anwendungsbereiche und Bedeutung für die Naturheilkunde zu geben.

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Dieser Beitrag wurde am 30.7.2025 komplett überarbeitet.

„Wenn es die Pharmaindustrie patentieren könnte würden sie Milliarden verdienen…“

Kombucha ist ein durch Fermentierung gewonnenes Gärgetränk, welches auf der Basis von schwarzem oder grünem Tee und mit dem Zusatz des sogenannten „Kombucha-Teepilzes“ hergestellt wird.

Der Kombucha-Teepilz ist kein Pilz im botanischen Sinne, sondern eine Symbiose säureproduzierender Bakterien und verschiedener Hefepilze. Zur Herstellung des Kombucha-Getränks wird der Teepilz zu gesüßtem grünem oder schwarzem Tee hinzugegeben.

Nach circa acht bis zwölf Tagen der Reifung entsteht durch die Wirkung der Mikroorganismen, die den Zucker in gesunde Inhaltsstoffe wie beispielsweise Vitamine umwandeln, das wohltuende Kombucha-Getränk.

An der Oberfläche des Tees haben die Hefezellen bei der Sprossung eine gallertartige Schicht gebildet, die für spätere Kombucha-Produktionen weiterverwendet werden kann. Der Geschmack des kohlensäurehaltigen Kaltgetränks ist leicht süßsäuerlich. Wenn Kombucha noch länger reift, bildet sich nach etwa 20 bis 30 Tagen ein gesunder Essig.

Die Hefepilze wandeln den Zucker des Tees in Kohlendioxid und Alkohol um. Daraus stellen die im Kombucha enthaltenen Bakterien unter anderem Glukonsäure und Glucuronsäure her. Bei der Gärung entstehen außerdem weitere Säuren. Auch enthält das Kombucha-Getränk wichtige Spurenelemente, wie Zink und Mangan.

Mythen und Geschichten

Rund um das Kombucha-Getränk ranken sich zahlreiche Mythen, insbesondere in Ostasien, wo es traditionell als Lebenselixier verehrt wird. Faktisch gesichert ist: Kombucha enthält bioaktive Stoffe, die in Studien gesundheitsfördernde Effekte zeigen – etwa antimikrobielle, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.

Wie bei vielen sogenannten „Superfoods“ gilt jedoch: Nicht alle behaupteten Wirkungen sind wissenschaftlich belegt. Doch selbst wenn man sich auf jene Effekte beschränkt, die durch Studien gestützt sind, bleibt Kombucha ein bemerkenswertes Getränk mit echtem Potenzial für Gesundheit und Stoffwechsel.

Die Herkunft des Kombucha ist nicht eindeutig geklärt. In China soll das fermentierte Teegesöff bereits vor über 2000 Jahren als Heilmittel geschätzt worden sein. Andere Stimmen verorten seine Ursprünge in Osteuropa oder Russland – was plausibel erscheint, da die nötigen Mengen Zucker erst ab der frühen Neuzeit breiten Bevölkerungsschichten zugänglich wurden.

Studien und Wirkungsbelege für Kombucha

Stoffwechsel und Verdauung

Kombucha wird eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel und das Verdauungssystem nachgesagt. Es stärkt demnach das Immunsystem, hilft bei Erkrankungen wie GichtArterioskleroseDiabetesRheuma oder Bluthochdruck und führt zudem zu einer allgemeinen Steigerung des Wohlbefindens.

Eine antioxidative und immunstärkende Wirkung konnte in Tierversuchen bestätigt werden (siehe: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10904168 und https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14631833).

Lebererkrankungen

Auch ein schützender und heilender Effekt bei Lebererkrankungen ist wissenschaftlich erwiesen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21388793).

Nervosität, Angst, Durchfall, Sehkraft

Kombucha wirkt angeblich auch gegen Nervosität, Angst und Abgeschlagenheit, es bessert Rückenschmerzen, stärkt die Sehkraft und beugt zahlreichen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchfall oder dem Grauen Star vor. Es verbessert die Nerven- und Muskelfunktionen und regt Reinigungs- und Ausscheidungsprozesse an, was der Entschlackung des gesamten Körpers dient.

Krebs

Als ob das nicht schon alles reicht: Kombucha-Tee soll auch Krebs vorbeugen können oder im Falle einer Erkrankung therapiebegleitend eingesetzt werden können. Insgesamt wirkt das Wundergetränk dadurch lebensverlängernd, was an Mäusen sogar nachgewiesen werden konnte (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10978857).

Falten und Potenz

Manche Autoren schreiben Kombucha günstige Wirkungen auf Haut, Potenz oder Haarfarbe zu – für diese Behauptungen gibt es jedoch keine belastbaren Untersuchungen am Menschen. Lediglich antioxidative und entzündungshemmende Effekte sind in Zell- oder Tierstudien gezeigt worden. Aussagen wie ‚Falten verschwinden‘, ‚Potenz wird gesteigert‘ oder ‚graue Haare verdunkeln sich‘ bleiben mythisch und wissenschaftlich unbegründet.

Antibiotische Wirkung

In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte dem Getränk eine antibiotische Wirkung nachgewiesen werden. Interessanterweise hemmte Kombucha dabei sogar das Wachstum verschiedener Krankheitserreger, wenn der pH-Wert des Getränks neutral ist und die Hefepilze durch Denaturierung abgetötet wurden. Das wiederum spricht dafür, dass die im Kombucha enthaltenen Mikroorganismen Substanzen produzieren, die ihrerseits diese gesunden Eigenschaften aufweisen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10888589).

Wichtig: Hygiene bei der Herstellung und Lagerung!

Dabei ist Kombucha mit seinem süß-säuerlichen Geschmack zugleich ein leckeres Erfrischungsgetränk, insbesondere wenn es kalt genossen wird.

Direkte Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt, jedoch muss bei der Herstellung strikte Hygiene herrschen, da sich sonst unerwünschte, schädliche Mikroorganismen bilden können.

Aufgrund des recht hohen Zuckergehalts ist Kombucha für Diabetes-Patienten nur bedingt und in geringen Maßen geeignet. Auch Ernährungsbewusste sollten solche Kombucha-Getränke bevorzugen, die nur wenig Zucker enthalten.

Trockene Alkoholiker sollten auf Kombucha verzichten, um sich vor einem Rückfall zu schützen. Denn das Getränk enthält, laut Herstellerangaben, circa 0,5 Prozent Alkohol, also etwa so viel wie alkoholfreies Bier. Selbstproduziertes Kombucha kann sogar bis zu drei Prozent Alkohol aufweisen.

Kinder sollten, aufgrund des vorhandenen (aber geringen) Alkoholgehalts und des Koffeins aus dem Tee, nicht mehr als ein Glas Kombucha (125 ml) über den Tag verteilt trinken, unter vier Jahren sollten sie lieber ganz auf Kombucha verzichten. Auch Schwangere und stillende Mütter sollten auf das Getränk verzichten. Allerdings gehen die „Meinungen“ diesbezüglich weit auseinander.
Kombucha kann selbst hergestellt oder aber fertig gekauft werden. Um das gesunde Getränk selber zu produzieren, ist ein lebensfähiger Kombucha-Ansatz nötig, der frei von anderen Keimen ist.

Außerdem sollten Sie etwa zehn Prozent eines fertigvergorenen Kombucha-Getränks hinzugeben. Der niedrige pH-Wert verhindert dann direkt das Wachstum gefährlicher Mikroorganismen. Noch dazu erleichtert dies den Hefen den Start der Fermentation.

Wer Kombucha selber ansetzen möchte, muss darauf achten, dass die Pilze immer Kontakt zur Flüssigkeit behalten. Denn sonst kann es leicht zur Schimmelbildung kommen.

Sollte in dem Getränk Schimmel sichtbar sein, entsorgen Sie den gesamten Ansatz. Gleiches gilt, falls die Farbe oder der Geruch sich ungewöhnlich verändern. Denn unerwünschte Mikroorganismen beeinflussen nicht nur den Geschmack, sondern können außerdem hochgradig gesundheitsschädlich sein.

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Industriell hergestellter Kombucha ist „wertlos“

Industriell hergestelltes Kombucha wird nach wenigen Tagen sterilisiert, um alle enthaltenen Mikroorganismen abzutöten. Die Gärung wird dementsprechend aufgehalten und die probiotische Wirkung geht verloren.

Dem Getränk wird meist noch Sirup hinzugefügt. Die volle gesundheitsfördernde Wirkung können Sie also nur erreichen, wenn Sie Ihr Getränk unter optimalen hygienischen Bedingungen selbst ansetzen.

Als Arzneimittel ist Kombucha bisher nicht zugelassen, jedoch kann es in Bio- und Reformhäusern und mittlerweile auch im Supermarkt erworben werden. Wenn die Pharmaindustrie diese Wirkungen in einem Arzneimittel (mit Patentschutz) kombinieren könnte: Die würden das rund um die Uhr bewerben und Milliarden damit verdienen…

Der Bekanntheitsgrad des Kombucha-Getränks steigt rasant, und auch in Europa gewinnt Kombucha vermehrt Anhänger hinzu. Das traditionelle Heilmittel aus Asien hat seinen Erfolgszug in die ganze Welt schon längst angetreten und erfreut sich mit seiner faszinierenden Heilkraft und seinem einzigartigen Geschmack überall auf dem Globus immer größerer Beliebtheit.

Anleitung: So stellen Sie Ihr eigenes Kombucha-Getränk her

Die wichtigste „Zutat“ für Ihr Kombucha-Getränk ist der Kombucha-Teepilz – ein lebendiger Verbund aus Hefen und Bakterien, auch „Scoby“ genannt. Damit die Fermentation gelingt, brauchen Sie außerdem:

– 1 Liter Wasser
– 90–100 g Zucker (klassischer Haushaltszucker oder besser: Vollrohrzucker)
– 8 g Schwarz- oder Grüntee (auch eine Mischung ist möglich)
– 100–150 ml fertige Kombucha-Ansatzflüssigkeit (aus einem früheren Ansatz)
– ein sauberes Glasgefäß (z. B. 2-Liter-Kanne aus Glas oder Keramik)
– ein luftdurchlässiges Tuch (z. B. Baumwolltuch oder Küchenkrepp)
– ein Gummiband zum Fixieren

Hygiene ist entscheidend

Alle Gefäße, Löffel und Utensilien, die mit dem Kombucha in Kontakt kommen, müssen absolut sauber sein. Spülmittelrückstände, Klarspüler oder Schimmelsporen können die Kultur schädigen. Spülen Sie alle verwendeten Gegenstände nach der Reinigung noch einmal mit heißem Wasser ab – ohne Reinigungsmittel.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Tee zubereiten
    Bringen Sie das Wasser zum Kochen, geben Sie den Tee hinein (lose oder im Beutel) und lassen Sie ihn 10–15 Minuten ziehen. Grüntee sollte etwas kürzer ziehen (5–7 Minuten), um Bitterstoffe zu vermeiden.
  2. Zucker hinzufügen
    Entfernen Sie den Tee und rühren Sie den Zucker in den noch heißen Tee, bis er sich vollständig aufgelöst hat. Keine Sorge: Der Zucker dient den Mikroorganismen als Nahrung – im fertigen Getränk bleibt davon nur ein Bruchteil übrig.
  3. Tee abkühlen lassen
    Lassen Sie den gesüßten Tee auf Raumtemperatur (max. 30 °C) abkühlen. Zu heißer Tee kann den Pilz abtöten – bitte ggf. mit einem Thermometer nachmessen.
  4. Gärgefäß vorbereiten
    Geben Sie den abgekühlten Tee in ein sauberes Glas- oder Keramikgefäß. Breite Gefäße sind ideal – je mehr Oberfläche, desto besser die Sauerstoffzufuhr.
  5. Kombucha einsetzen
    Geben Sie nun 100–150 ml Ansatzflüssigkeit (nicht einfach fertiges Getränk!) hinzu. Diese leicht säuerliche Flüssigkeit senkt den pH-Wert und schützt vor Fremdkeimen. Legen Sie anschließend den Kombucha-Pilz vorsichtig hinein. Ob er schwimmt oder sinkt, spielt keine Rolle – beides ist normal.
  6. Abdecken
    Decken Sie das Gefäß mit einem sauberen Tuch ab und fixieren Sie es mit einem Gummiband. Das Tuch muss luftdurchlässig sein, aber Fruchtfliegen fernhalten.
  7. Gären lassen
    Stellen Sie das Gefäß an einen warmen, ruhigen Ort (ideal: 23–25 °C), aber nicht in die Sonne. Halten Sie Abstand zu Obstschalen und Topfpflanzen, um keine Schimmelsporen einzuschleppen. Nicht bewegen, nicht rauchen in der Nähe.

 Nach etwa 7–14 Tagen…

… ist die Fermentation abgeschlossen. Dauer und Geschmack hängen von der Umgebungstemperatur ab – je wärmer, desto schneller. Probieren Sie ab Tag 6 täglich:
– leicht süß → noch weiter gären lassen
– angenehm säuerlich, erfrischend → fertig

Filtern Sie den Kombucha in saubere Flaschen und stellen Sie diese in den Kühlschrank. Dort hält sich das Getränk 1–2 Wochen. Achtung: nicht luftdicht verschließen, da die Nachgärung Druck aufbauen kann.

 Und dann?

10–15 % des fertigen Kombuchas als neue Ansatzflüssigkeit aufheben
– Den Pilz vorsichtig herausnehmen, bei Bedarf mit kaltem Wasser abspülen
– Dunkle oder gallertige Unterseiten können entfernt werden
– Das Gärgefäß gründlich reinigen
– Neuer Ansatz – gleiche Prozedur

Tipp: Kohlensäure?

Wenn Sie eine natürliche Kohlensäure möchten, lassen Sie den fertigen Kombucha nach dem Abfüllen 2 Tage bei Zimmertemperatur mit locker verschlossenem Deckel stehen. Täglich kurz entlüften („burpen“), um Überdruck zu vermeiden.

Gut zu wissen

– Der Kombucha-Pilz kann oben schwimmen, unten liegen oder schräg treiben – alles normal.
– Eine neue Schicht („Baby-Scoby“) bildet sich meist nach wenigen Tagen an der Oberfläche.
– Bei dunklem, pelzigem Belag: sofort entsorgen. Das deutet auf Schimmel hin.
– Kräuter-, Frucht- oder Honig-Zusätze bitte erst nach der Gärung verwenden (Zweitfermentation).
– Wenn Sie pausieren möchten: den Pilz in ca. 300 ml Kombucha im Kühlschrank aufbewahren – hält sich dort mehrere Wochen.

24Und wie viel Kombucha darf ich trinken?

Eine tägliche Obergrenze gibt es für Kombucha nicht, viele Menschen trinken einen Liter oder mehr pro Tag. Allerdings sollten Sie Ihren Körper langsam an das ungewohnte Getränk gewöhnen. Beginnen Sie mit drei kleinen Schnapsgläschen pro Tag und steigern Sie die Menge langsam.

Empfohlen wird für den dauerhaften Konsum 0,3 bis 0,4 Liter pro Tag. Möglich ist aber auch eine kurmäßige Einnahme: Dabei trinken Sie nur sechs Wochen lang Kombucha und machen dann eine Pause von sechs Wochen. Probieren Sie aus, was Ihnen gut tut!

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.7.2025 überarbeitet.

Beitragsbild: fotolia.com – danedwards

Bei Erkrankungen der Darmschleimhaut hat sich der Wirkstoff Colibiogen als sehr effizient bestätigt. In verschiedenen Studien wurde nach mehrwöchiger Behandlung mit Colibiogen eine Besserung des endoskopischen Befundes sowie eine Verbesserung der Stuhlkonsistenz festgestellt. Besonders nach erfolgreich bestrahlten Krebserkrankungen des Darms konnten signifikante Regenerationen der Darmschleimhaut dokumentiert werden.

Anwendungsgebiete von Colibiogen

Colibiogen findet Anwendung bei:

  • Entzündungen der Darmwand wie Colitis und Morbus Crohn
  • Reizmagen und Fehlverdauung
  • Hauterkrankungen, die auf den Darm zurückzuführen sind
  • Rehabilitation nach Chemo- und Strahlentherapie
  • Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose)

Darüber hinaus wird es als Therapeutikum bei Kindern und Erwachsenen mit Reizdarmsyndrom eingesetzt. Studien belegen, dass Colibiogen sicher und wirksam ist und die Symptomatik des Reizdarmsyndroms lindern kann.

Die Rolle des Mikrobioms und neue Erkenntnisse

Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle bei der Gesundheit der Darmschleimhaut. Neuere Forschungen zeigen, dass ein gestörtes Mikrobiom nicht nur Darmerkrankungen, sondern auch andere gesundheitliche Probleme wie Depressionen und Angststörungen begünstigen kann. Colibiogen, als postbiotisches Präparat, unterstützt die Balance des Mikrobioms und fördert die Regeneration der Darmschleimhaut.

Zusammensetzung und Anwendung von Colibiogen

Colibiogen oral ist eine Lösung zum Einnehmen und besteht aus lysierten Escherichia coli (Stamm Laves) sowie Laktose, Glukose, Natriumchlorid, natürlichen Aminosäuren, 4,8 Vol.-% Ethanol, Orangenaroma und Wasser. Es ist in verschiedenen Varianten erhältlich:

  • Colibiogen oral (100 ml Lösung)
  • Colibiogen für Kinder (alkoholfrei, 50 ml)
  • Colibiogen inject (Ampullen zu 2 ml, nur durch medizinisches Fachpersonal anwendbar)

Die empfohlene Dosierung beträgt einmal täglich 5 ml. In schwereren Fällen kann die Einnahme auf bis zu dreimal täglich erhöht werden. Wichtig ist, die Behandlung nicht zu unterbrechen, um den optimalen therapeutischen Erfolg zu gewährleisten.

Vorteile von Colibiogen

  • Natürliches Arzneimittel ohne Konservierungsstoffe
  • Keine bekannten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen
  • Regeneriert die Darmschleimhaut und stabilisiert das Mikrobiom

Nach Anbruch ist die Lösung bis zu vier Wochen im Kühlschrank haltbar. Allerdings sollte beachtet werden, dass Colibiogen oral Alkohol enthält.

Fazit

Colibiogen ist ein durchaus bewährtes biologisches Arzneimittel zur Unterstützung der Darmschleimhautregeneration bei verschiedenen Erkrankungen und nach Strahlen- oder Chemotherapie. Die aktuellen Forschungsergebnisse bestätigen dessen Wirksamkeit und Sicherheit, insbesondere bei Reizdarmsyndrom und entzündlichen Darmerkrankungen. Dank seiner natürlichen Zusammensetzung bietet es eine gut verträgliche und effektive Therapieoption. Ich weiß, dass es von einigen Kollegen immer noch erfolgreich eingesetzt wird und auch bei mir in der Praxis hat es seine Berechtigung in bestimmten Fällen.

Gut zu Wissen: Da es sich bei diesem Darmschleimhauttherapeutikum um ein rein biologisches Arzneimittel ohne Konservierungsstoffe handelt, ist es nach Anbruch nur bis zur vier Wochen im Kühlschrank haltbar.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 1.1.2025 aktualisiert.

Beitragsbild: fotolia.com – Tonpor Kasa

MSM gehört zu jenen Nahrungsergänzungsmitteln, deren Name zunächst nach Chemielabor klingt, während die Werbung daraus gern ein Naturwunder macht. Die schwefelhaltige Verbindung soll Gelenkschmerzen lindern, Entzündungen hemmen, Knorpel schützen, Muskeln regenerieren, Allergien bessern, die Haut straffen, den Darm abdichten und den Körper entgiften.

Je länger man im Internet sucht, desto länger wird die Liste. Irgendwann hilft MSM angeblich gegen beinahe alles. Stimmt das?

MSM ist weder wirkungslos noch das universelle Heilmittel, als das es gelegentlich verkauft wird. Die Substanz besitzt interessante biologische Eigenschaften. Für einige Einsatzgebiete liegen klinische Untersuchungen vor. Die wissenschaftliche Grundlage ist allerdings wesentlich schmaler, als die zahlreichen Heilversprechen vermuten lassen.

In diesem Beitrag zeige ich, was Methylsulfonylmethan ist, wie es wirken könnte, welche Anwendungen untersucht wurden, welche Dosierungen üblich sind und wo aus einer interessanten Substanz eine reichlich aufgeblasene Verkaufsgeschichte wird.

MSM: Das Wichtigste in Kürze

  • MSM steht für Methylsulfonylmethan und ist eine organische Schwefelverbindung.
  • Am häufigsten wird MSM bei Gelenkbeschwerden und insbesondere bei Kniearthrose eingesetzt.
  • Einige kleinere Studien zeigen eine leichte Verringerung von Schmerzen und funktionellen Beschwerden.
  • Die Studienlage ist begrenzt und teilweise widersprüchlich.
  • Ein Wiederaufbau zerstörten Gelenkknorpels wurde nicht nachgewiesen.
  • Für Muskelkater, allergischen Schnupfen und bestimmte Hautparameter gibt es erste Hinweise, aber keine überzeugende Beweislage.
  • Für Schwermetallausleitung, Leaky Gut, Diabetes, COPD, chronische Infektionen oder Krebs fehlen klinische Wirksamkeitsnachweise.
  • In klinischen Studien wurden meist Mengen zwischen einem und sechs Gramm täglich eingesetzt.
  • Eine allgemein anerkannte therapeutische Dosierung existiert nicht.
  • Langzeitdaten und verlässliche Untersuchungen zu Wechselwirkungen sind weiterhin dürftig.

Beginnen wir mit der Frage:

Was ist MSM?

MSM ist die Abkürzung für Methylsulfonylmethan. Die chemische Bezeichnung lautet Dimethylsulfon. Gelegentlich findet man auch die Schreibweise DMSO2.

Die Summenformel lautet:

C2H6O2S

MSM ist eine kleine, wasserlösliche und schwefelhaltige Verbindung. In reiner Form erscheint sie als weißes kristallines Pulver. Der Geschmack ist leicht bitter.

Das Molekül besteht zu ungefähr 34 Prozent aus Schwefel. Daraus entstand die populäre Bezeichnung „organischer Schwefel“. Chemisch ist diese Bezeichnung vertretbar. Medizinisch sagt sie zunächst wenig aus.

MSM kommt in geringen Mengen in Pflanzen, Lebensmitteln sowie im menschlichen und tierischen Organismus vor. Die Mengen, die wir über gewöhnliche Lebensmittel aufnehmen, liegen jedoch weit unter den Dosierungen handelsüblicher Nahrungsergänzungsmittel.

Ein Nahrungsergänzungsmittel mit zwei oder drei Gramm MSM ist daher nicht einfach eine konzentrierte Portion dessen, was ohnehin täglich auf dem Teller liegt. Es handelt sich um eine pharmakologisch wesentlich höhere Zufuhr.

Nach der Einnahme wird MSM aus dem Darm aufgenommen, im Organismus verteilt und schließlich zum großen Teil über die Nieren ausgeschieden. Einzelheiten des menschlichen MSM-Stoffwechsels sind noch nicht vollständig geklärt.

Ist MSM wirklich „organischer Schwefel“?

Schwefel ist ein lebenswichtiges Element. Er ist Bestandteil zahlreicher Eiweiße, Enzyme und Stoffwechselverbindungen. Ausführlicher beschreibe ich dies in meinem Beitrag über die Heilkraft und biologische Bedeutung des Schwefels.

Besonders wichtig ist Schwefel als Bestandteil der Aminosäuren Cystein und Methionin. Schwefelhaltige Bindungen tragen zur räumlichen Stabilität zahlreicher Eiweiße bei. Sie spielen unter anderem bei Keratin, Haut, Haaren, Nägeln und verschiedenen Strukturproteinen eine Rolle.

Auch das körpereigene Antioxidans Glutathion enthält Schwefel. Glutathion ist an Redoxreaktionen, am Zellschutz und an verschiedenen körpereigenen Entgiftungsprozessen beteiligt.

Aus dieser biologischen Bedeutung wird in der Werbung häufig folgende Geschichte gebaut:

Der Körper braucht Schwefel. MSM enthält Schwefel. Also braucht der Körper MSM.

Ganz so einfach ist es nicht ganz… Der Mensch nimmt den größten Teil seines Schwefels über schwefelhaltige Aminosäuren aus eiweißreichen Lebensmitteln auf. Für MSM selbst gibt es weder einen offiziell festgelegten Tagesbedarf noch ein anerkanntes Mangelbild.

Es existieren keine typischen Beschwerden, anhand derer ein Therapeut zuverlässig einen „MSM-Mangel“ feststellen könnte. Auch ein allgemein etablierter Bluttest steht dafür nicht zur Verfügung. MSM kann dem Organismus Schwefel liefern. Daraus folgt noch nicht, dass jeder Mensch zusätzliches MSM benötigt. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass jede Erkrankung, an der schwefelhaltige Eiweiße beteiligt sind, durch MSM gebessert werden muss.

Die gelegentlich verbreitete Behauptung, ein Gramm MSM decke den gesamten täglichen Schwefelbedarf, ist wissenschaftlich nicht wirklich begründet. Der menschliche Schwefelstoffwechsel ist kein Tank, den man morgens mit einem Messlöffel MSM auffüllt.

Natürliche Schwefelquellen

Schwefel gelangt vor allem über eiweißhaltige Lebensmittel in den Körper. Dazu gehören Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und verschiedene Getreidearten.

Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Kohl und andere Kreuzblütler enthalten ebenfalls interessante Schwefelverbindungen. Diese Pflanzenstoffe sind allerdings chemisch nicht mit einer hoch dosierten MSM-Einnahme gleichzusetzen.

„Enthält Schwefel“ ist keine einheitliche Wirkstoffbezeichnung. Knoblauch, Cystein, Sulfat, MSM und ein Schwefelbad haben trotz desselben Elements nicht automatisch dieselbe Wirkung.

MSM und DMSO: Was ist der Unterschied?

MSM ist chemisch mit Dimethylsulfoxid, kurz DMSO, verwandt. Die beiden Substanzen werden deshalb gelegentlich in einen Topf geworfen. Das führt zu erheblichen Missverständnissen. DMSO besitzt ausgeprägte Lösungs- und Transporteigenschaften. Es kann die Haut durchdringen und dabei andere gelöste Substanzen mittransportieren. Diese Eigenschaft macht DMSO interessant, verlangt aber zugleich einen sehr sorgfältigen Umgang.

MSM ist die stärker oxidierte und chemisch stabilere Verbindung. Es wird überwiegend als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. DMSO wird eher äußerlich und in bestimmten medizinischen Zusammenhängen verwendet.

Erfahrungen mit DMSO lassen sich nicht automatisch auf MSM übertragen. Dass der Körper einen Teil des DMSO in MSM umwandeln kann, macht beide Stoffe noch lange nicht zu demselben Präparat. Ausführliche Informationen zu Anwendung, Wirkungen und Risiken finden Sie in meinem Beitrag über DMSO und Dimethylsulfoxid.

Wie könnte MSM wirken?

Die meisten Erklärungsmodelle zur MSM-Wirkung stammen aus Zellkulturen, Tierexperimenten oder kleineren Humanstudien. Solche Untersuchungen sind wichtig. Sie können zeigen, welche Signalwege eine Substanz beeinflusst.

Ein Laborbefund ist allerdings noch keine erfolgreiche Behandlung.

Das ist einer der häufigsten Fehler in der Nahrungsergänzungsmittelwerbung: Eine Substanz verändert im Reagenzglas einen Entzündungsmarker. Wenige Sätze später soll sie Arthrose, Rheuma, Allergien, Darmprobleme und Krebs behandeln.

Einfluss auf Entzündungsprozesse

In experimentellen Untersuchungen beeinflusste MSM verschiedene Signalwege, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Dazu gehören der Transkriptionsfaktor NF-kB sowie bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe.

Diskutiert werden unter anderem Veränderungen bei:

  • Tumornekrosefaktor alpha,
  • Interleukin-6,
  • bestimmten Prostaglandinen,
  • oxidativen Stressreaktionen und
  • der Aktivierung entzündungsrelevanter Enzymsysteme.

Diese Beobachtungen machen eine mögliche entzündungshemmende Wirkung plausibel. Sie sagen noch nichts darüber aus, wie stark der Effekt beim Menschen ausfällt und ob er für eine konkrete Erkrankung klinisch bedeutsam ist.

Oxidativer Stress und Glutathion

Einige Untersuchungen fanden unter MSM Veränderungen bestimmter Marker des oxidativen Stresses. Außerdem wird diskutiert, ob die Substanz den Glutathionstoffwechsel beeinflussen könnte.

Glutathion gehört zu den wichtigsten körpereigenen antioxidativen Systemen. Es schützt Zellstrukturen und ist an verschiedenen Umwandlungs- und Ausscheidungsprozessen beteiligt.

Aus einem möglichen Einfluss auf Glutathion ergibt sich allerdings kein Nachweis für eine allgemeine „Entgiftung“. Erst recht beweist dies keine Ausleitung von Quecksilber, Blei oder anderen Schwermetallen.

Bindegewebe, Knorpel und Kollagen

Schwefelhaltige Strukturen spielen bei Haut, Haaren, Nägeln und bestimmten Eiweißen eine wichtige Rolle. Daraus entstand die Annahme, MSM könne den Aufbau von Knorpel und Kollagen fördern.

Die biochemische Überlegung klingt zunächst einleuchtend. Trotzdem wurde bisher nicht nachgewiesen, dass oral eingenommenes MSM zerstörten Gelenkknorpel wiederherstellt, gerissene Sehnen repariert oder altersbedingte Bindegewebsschäden rückgängig macht.

Für eine gesunde Kollagenbildung benötigt der Körper unter anderem ausreichendes Eiweiß, Prolin, Lysin, Kupfer, Zink und Vitamin C. MSM ist allenfalls ein möglicher Baustein innerhalb eines wesentlich größeren Stoffwechselgeschehens.

Zellmembranen und Durchlässigkeit

Im Internet wird häufig behauptet, MSM erhöhe die Durchlässigkeit der Zellmembranen. Dadurch könnten Nährstoffe leichter aufgenommen und Giftstoffe besser ausgeschieden werden.

Diese Erklärung wird oft wiederholt, ist beim Menschen jedoch nicht in einer Weise belegt, aus der sich eine umfassende therapeutische Wirkung ableiten ließe.

Eine allgemein erhöhte Membrandurchlässigkeit wäre zudem nicht automatisch günstig. Zellmembranen funktionieren gerade deshalb, weil sie Stoffe kontrolliert und selektiv transportieren.

Der Organismus ist keine Küche, deren Fenster man zur Entgiftung einfach weiter öffnen muss.

Was sagt die Studienlage?

Die klinische Forschung zu MSM ist überschaubar. Es gibt einige randomisierte Untersuchungen, kleinere Pilotstudien, offene Beobachtungsstudien und zahlreiche Labor- oder Tierexperimente.

Anwendungsgebiet Datenlage Praktische Bewertung
Kniearthrose Mehrere kleine klinische Studien Ein leichter symptomatischer Nutzen ist möglich. Die Ergebnisse sind nicht eindeutig.
Allgemeine Gelenkschmerzen Wenige, teilweise kombinierte Präparate Eine Wirkung von MSM allein lässt sich häufig nicht beurteilen.
Muskelkater und sportliche Belastung Kleine Kurzzeitstudien Erste Hinweise, aber kein verlässlicher Leistungs- oder Regenerationseffekt.
Allergischer Schnupfen Kleine offene und experimentelle Studien Interessant, aber für eine allgemeine Therapieempfehlung zu schwach.
Hautalterung Sehr kleine kosmetische Untersuchung Allenfalls vorläufige Hinweise.
Leaky Gut und Darmerkrankungen Keine überzeugenden klinischen Studien Keine belegte Behandlung.
Diabetes und Insulinresistenz Vor allem Labor- und Tierdaten Keine Grundlage für eine Therapieempfehlung.
Entgiftung und Schwermetalle Keine belastbaren Humanstudien Die verbreiteten Aussagen sind nicht belegt.
Krebs Zell- und Tierexperimente Keine nachgewiesene Krebstherapie beim Menschen.
COPD und Infektionen Keine geeigneten klinischen Belege Keine seriöse Behandlungsempfehlung möglich.

MSM bei Arthrose und Gelenkschmerzen

Arthrose ist das am häufigsten untersuchte Einsatzgebiet von MSM.

Bei einer Arthrose verändern sich nicht nur die Knorpelflächen. Betroffen sind je nach Stadium auch Gelenkkapsel, Knochen, Muskulatur, Sehnen, Bewegungsmuster und entzündliche Prozesse im Gelenk.

Die Erkrankung lässt sich daher nicht auf einen angeblichen Schwefelmangel reduzieren. Ausführlicher beschreibe ich die Ursachen und naturheilkundlichen Möglichkeiten in meinem Beitrag über Arthrose und Gelenkverschleiß.

Die häufig zitierte MSM-Studie von 2006

In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Pilotstudie erhielten 50 Patienten mit Kniearthrose zwölf Wochen lang entweder MSM oder ein Placebo.

Die MSM-Gruppe nahm zweimal täglich drei Gramm ein, insgesamt also sechs Gramm pro Tag. Bei bestimmten Schmerz- und Funktionswerten zeigten sich Verbesserungen.

Die Autoren warnten allerdings selbst vor zu weitreichenden Schlussfolgerungen. Die Untersuchung war klein, dauerte nur zwölf Wochen und konnte weder eine langfristige Wirkung noch einen Schutz des Knorpels nachweisen.

Die Studie zeigte eine mögliche symptomatische Wirkung. Sie zeigte keinen Knorpelaufbau und keine Heilung der Arthrose.

Die Untersuchung mit 3,375 Gramm MSM

Eine weitere placebokontrollierte Studie untersuchte 3,375 Gramm MSM täglich über zwölf Wochen. Auch hier verbesserten sich einzelne Schmerz- und Funktionswerte.

Die Unterschiede waren jedoch klein. Die Autoren erklärten ausdrücklich, dass die klinische Bedeutung der Verbesserungen noch geklärt werden müsse.

Genau dieser Satz verschwindet in vielen Produktbeschreibungen. Übrig bleibt dann nur: „Studie beweist Wirkung bei Arthrose.“

Zwischen einem statistisch messbaren Unterschied und einer für den Patienten deutlich spürbaren Verbesserung liegt bisweilen eine beachtliche Strecke.

Neuere Untersuchung bei leichten Knieschmerzen

Eine 2023 veröffentlichte Studie untersuchte MSM bei gesunden Teilnehmern mit leichten Kniebeschwerden. Bestimmte Lebensqualitäts- und Beschwerdewerte verbesserten sich.

Auch diese Untersuchung war relativ klein. Außerdem handelte es sich nicht um Patienten mit schwerer oder fortgeschrittener Arthrose.

Die Ergebnisse sind interessant, rechtfertigen jedoch keine Aussage, MSM könne verschlissenen Knorpel wiederherstellen.

Was sagen Übersichtsarbeiten?

Eine systematische Auswertung der Studien zu MSM und DMSO kam zu dem Schluss, dass es positive Hinweise gibt, die Daten aber keine definitive Wirksamkeit belegen.

Eine weitere statistische Auswertung bewertete die durchschnittliche Schmerzlinderung als gering und klinisch nicht überzeugend.

Damit lässt sich die Lage recht vernünftig zusammenfassen:

MSM kann bei einem Teil der Patienten mit leichter bis mäßiger Kniearthrose Beschwerden etwas lindern. Wie groß der Effekt tatsächlich ist und welche Patienten profitieren, bleibt offen.

MSM baut keinen zerstörten Knorpel auf

Die Behauptung, MSM lasse Knorpel nachwachsen, findet sich auf zahlreichen Verkaufsseiten. Klinisch nachgewiesen wurde dies nicht.

Röntgenaufnahmen, Kernspintomografie oder andere bildgebende Verfahren zeigen bisher keinen überzeugenden Wiederaufbau verlorener Knorpelsubstanz durch MSM.

Eine symptomatische Besserung ist trotzdem möglich. Weniger Schmerzen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass die Gelenkstruktur repariert wurde.

Was bei Arthrose wichtiger bleibt

Ein Nahrungsergänzungsmittel kann ein therapeutisches Konzept ergänzen. Es ersetzt kein Konzept.

Zu den entscheidenden Maßnahmen gehören:

  • gezielter Muskelaufbau,
  • Verbesserung der Beweglichkeit,
  • Korrektur von Fehlbelastungen,
  • ausreichende tägliche Bewegung,
  • Reduktion von Übergewicht und viszeralem Bauchfett,
  • Behandlung von Stoffwechselstörungen,
  • eine entzündungsarme Ernährung und
  • eine vernünftige Belastungssteuerung.

Bei übergewichtigen Patienten oder entzündlich geprägten Gelenkbeschwerden kann auch das Fasten interessant sein. In meinem Beitrag über das Buchinger-Fasten bei Arthritis und Gelenkbeschwerden bespreche ich dazu passende Untersuchungen.

Ein solcher Ansatz verlangt mehr Mitarbeit als die Einnahme einer Kapsel. Vielleicht wird er gerade deshalb erheblich seltener beworben.

MSM zusammen mit Glucosamin und anderen Gelenkstoffen

MSM wird häufig mit weiteren sogenannten Gelenknährstoffen kombiniert. Dazu gehören vor allem:

MSM und Glucosamin

Eine ältere randomisierte Studie verglich Glucosamin, MSM, die Kombination beider Substanzen und ein Placebo.

Die Kombination schnitt bei einigen Beschwerdewerten günstiger ab. Die Untersuchung war jedoch klein. Daraus lässt sich nicht sicher ableiten, dass MSM und Glucosamin grundsätzlich synergistisch wirken.

Bei Kombinationspräparaten entsteht ein weiteres Problem: Wenn es dem Patienten besser geht, ist unklar, welcher Bestandteil dafür verantwortlich war. Bleibt die Wirkung aus, lässt sich ebenso wenig beurteilen, welcher Stoff überflüssig war.

Manche Gelenkpräparate enthalten zehn oder fünfzehn Zutaten in kleinen Mengen. Das wirkt auf der Verpackung eindrucksvoll. Therapeutisch erhält man häufig einen bunten Eintopf, in dem kein Bestandteil sinnvoll beurteilt werden kann.

MSM und Chondroitin

Chondroitin ist ein natürlicher Bestandteil des Knorpelgewebes und wird häufig mit Glucosamin und MSM kombiniert. Die Studienlage zu Chondroitin ist umfangreicher als diejenige zu MSM, aber ebenfalls nicht einheitlich.

Bei einer Kombination sollte geprüft werden, ob die einzelnen Inhaltsstoffe überhaupt in Mengen enthalten sind, die in klinischen Untersuchungen eingesetzt wurden. Eine hübsche Zutatenliste mit homöopathisch anmutenden Mengen hilft dem Gelenk wenig.

MSM und Kollagen

MSM wird gern zusammen mit Kollagen angeboten. Die Begründung lautet, Schwefel und Kollagen ergänzten sich beim Aufbau des Bindegewebes.

Eine gewisse biochemische Plausibilität ist vorhanden. Ein überzeugender klinischer Nachweis, dass gerade die Kombination einem einzelnen hochwertigen Kollagenpräparat überlegen ist, fehlt.

Wer mehrere Mittel gleichzeitig beginnt, kann später kaum erkennen, welches davon tatsächlich geholfen hat. In der Praxis ist ein schrittweises Vorgehen oft wesentlich aufschlussreicher.

MSM bei Sport, Muskelkater und Regeneration

Sportler nehmen MSM vor allem aus drei Gründen:

  • zur Verringerung von Muskelkater,
  • zur Beschleunigung der Regeneration und
  • zum Schutz vor belastungsbedingten Muskelschäden.

Einige kleine Untersuchungen fanden nach intensiver körperlicher Belastung Veränderungen bei:

  • subjektiven Muskelbeschwerden,
  • bestimmten Markern des oxidativen Stresses,
  • Glutathionwerten,
  • Kreatinkinase und
  • einzelnen Entzündungsparametern.

Die Studien waren meist klein und von kurzer Dauer. Teilweise wurden untrainierte Teilnehmer untersucht, die eine ungewohnte Belastung absolvierten. Solche Versuchsmodelle lassen sich nur begrenzt auf regelmäßig trainierende Sportler übertragen.

Verhindert MSM Muskelverletzungen?

Ein verlässlicher Schutz vor Muskelfaserrissen, Sehnenverletzungen, Zerrungen oder Überlastungsschäden wurde nicht nachgewiesen.

MSM kann schlechte Trainingsplanung nicht ausgleichen. Es ersetzt weder ausreichende Regeneration noch Schlaf, Eiweißversorgung, Belastungssteuerung und eine vernünftige Technik.

Wer nach beinahe jeder Trainingseinheit ungewöhnlich starke Schmerzen entwickelt, sollte zunächst folgende Punkte prüfen:

  • Ist die Belastungssteigerung zu schnell?
  • Fehlen Regenerationstage?
  • Ist die Schlafqualität ausreichend?
  • Bestehen Eisen-, Vitamin-D-, Magnesium- oder Eiweißdefizite?
  • Liegt eine Verletzung oder chronische Überlastung vor?
  • Werden Schmerzmittel eingesetzt, um Warnsignale zu überdecken?

Der nächste Messlöffel Nahrungsergänzungsmittel ist nicht immer die Antwort. Manchmal ist das Trainingsprogramm schlicht Unsinn.

MSM vor oder nach dem Training?

Es gibt keine überzeugenden Daten, die einen bestimmten Einnahmezeitpunkt unmittelbar vor oder nach dem Sport verlangen.

In Studien wurde MSM meist täglich über mehrere Tage oder Wochen verwendet. Eine akute Einnahme unmittelbar vor dem Training ist daher kaum plausibler als die regelmäßige Zufuhr.

MSM bei Allergien und Heuschnupfen

Auch bei saisonalem Heuschnupfen wird MSM eingesetzt.

Eine offene Untersuchung aus dem Jahr 2002 verwendete 2,6 Gramm MSM täglich über 30 Tage. Die Teilnehmer berichteten über eine Besserung verschiedener Beschwerden.

Die Studie hatte jedoch keine überzeugende Placebokontrolle. Das ist bei Heuschnupfen ein erhebliches Problem. Die Beschwerden verändern sich abhängig von:

  • Pollenflug,
  • Wetter,
  • Aufenthaltsort,
  • Tageszeit,
  • gleichzeitig eingenommenen Mitteln und
  • Erwartungshaltung.

Eine spätere kleine Untersuchung setzte einen standardisierten Allergenkontakt ein und fand Verbesserungen einzelner nasaler Beschwerden und Messwerte. Auch diese Daten reichen noch nicht für eine allgemeine Therapieempfehlung.

Wie könnte MSM bei Allergien wirken?

Diskutiert werden eine entzündungshemmende Wirkung und ein Einfluss auf die Schleimhäute. Die häufige Behauptung, MSM lege einen schützenden Film über die Schleimhaut und halte dadurch Allergene fern, ist jedoch nicht überzeugend belegt.

Bei chronischen Allergien reicht es aus meiner Sicht ohnehin nicht, nur ein weiteres Mittel gegen Symptome einzunehmen. Eine gründliche Betrachtung schließt Darmflora, Schleimhäute, Ernährung, Histaminbelastung, Umweltfaktoren und Regulationsstörungen des Immunsystems ein.

Ausführlicher gehe ich darauf in meinem Beitrag über die naturheilkundliche Behandlung von Allergien ein.

Auch Heilfasten bei Allergien kann in ausgewählten Fällen interessant sein. Dies sollte jedoch nicht mitten in einer schweren akuten Reaktion auf eigene Faust begonnen werden.

Wann MSM bei einer Allergie nicht genügt

Bei Atemnot, Kreislaufproblemen, ausgeprägten Schwellungen oder asthmatischen Beschwerden ist eine sofortige medizinische Behandlung notwendig. MSM ist kein Ersatz für ein Notfallmedikament.

Eine Substanz kann in kleinen Studien interessant sein und im Notfall trotzdem völlig ungeeignet. Diesen Unterschied sollte man nicht erst während eines anaphylaktischen Geschehens entdecken.

MSM für Haut, Haare und Nägel

MSM wird gern als Schönheitsmineral oder „Beauty-Schwefel“ angeboten. Die Begründung klingt zunächst plausibel: Schwefelhaltige Verbindungen spielen für Keratin, Haut, Haare, Nägel und Bindegewebe eine Rolle.

Eine kleine klinische Untersuchung berichtete unter MSM über Verbesserungen bestimmter äußerlich sichtbarer Zeichen der Hautalterung. Untersucht wurden unter anderem Falten, Hautstruktur und Festigkeit.

Die Teilnehmerzahl war gering. Solche kosmetischen Bewertungen sind zudem anfällig für subjektive Einflüsse. Eine einzelne kleine Studie beweist keine zuverlässige Anti-Aging-Wirkung.

MSM bei Falten und schlaffer Haut

Eine leichte Verbesserung einzelner Hautparameter ist denkbar. Ob MSM einer ausgewogenen Eiweißversorgung, Vitamin C, Sonnenschutz, gutem Schlaf oder einem sinnvoll ausgewählten Kollagenpräparat überlegen ist, wurde nicht gezeigt.

Die Haut altert zudem nicht aufgrund eines isolierten MSM-Mangels. Entscheidende Faktoren sind unter anderem:

  • UV-Strahlung,
  • Rauchen,
  • Blutzuckerschwankungen,
  • Proteinversorgung,
  • oxidativer Stress,
  • Hormone,
  • Schlaf,
  • Durchblutung und
  • Mikronährstoffstatus.

MSM bei Haarausfall und brüchigen Nägeln

Für eine verlässliche Wirkung bei Haarausfall oder brüchigen Nägeln fehlen überzeugende klinische Studien.

Bei solchen Beschwerden sollten zunächst häufigere Ursachen geprüft werden:

  • Eisenmangel,
  • Schilddrüsenstörungen,
  • Zinkmangel,
  • Eiweißmangel,
  • hormonelle Veränderungen,
  • chronische Entzündungen,
  • Medikamente und
  • Belastungen durch Stress oder schwere Erkrankungen.

MSM einzunehmen, ohne diese Faktoren zu prüfen, ist bequem. Es ist nur nicht unbedingt zielführend.

MSM bei Rosazea und Hautentzündungen

Es gibt Untersuchungen zu äußerlich eingesetzten Kombinationen, die MSM enthalten. Häufig waren zusätzliche Wirkstoffe beteiligt. Daraus lässt sich keine sichere Wirkung von MSM allein ableiten.

Bei Rosazea, Akne, Ekzemen oder chronischem Juckreiz sollte die Ursache genauer betrachtet werden. Darm, Histamin, Hautbarriere, Hormone, Kosmetika und Medikamente können eine Rolle spielen.

MSM bei Leaky Gut und Darmbeschwerden

MSM wird in naturheilkundlichen Kreisen häufig beim Leaky-Gut-Syndrom empfohlen.

Dabei wird behauptet, MSM könne:

  • die Darmschleimhaut abdichten,
  • die Zellverbindungen stabilisieren,
  • Entzündungen reduzieren,
  • Candida bekämpfen,
  • Parasiten abtöten und
  • Giftstoffe aus dem Darm entfernen.

Für diese weitreichenden Aussagen fehlen überzeugende klinische Humanstudien.

Es gibt experimentelle Hinweise auf entzündungsmodulierende Eigenschaften. Daraus folgt keine nachgewiesene Reparatur einer gestörten Darmbarriere.

Was bei einer gestörten Darmbarriere wichtiger ist

Bei chronischen Darmbeschwerden sollte nach den tatsächlichen Ursachen gesucht werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • Zöliakie,
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen,
  • Infektionen,
  • Fehlbesiedlungen,
  • Medikamente,
  • Alkohol,
  • anhaltender Stress,
  • Störungen der Gallensäuren und
  • eine unzureichende Leistung der Bauchspeicheldrüse.

Auch die Zusammensetzung und Funktion der Darmflora spielt eine wichtige Rolle.

MSM kann im Einzelfall begleitend ausprobiert werden. Es ersetzt weder Diagnostik noch Ernährungsumstellung, Schleimhauttherapie oder eine gezielte Behandlung der Ursache.

MSM gegen Candida?

Die Behauptung, MSM beseitige Candida im menschlichen Darm, ist klinisch nicht belegt.

Eine Substanz kann in einer Zellkultur oder unter sehr speziellen Laborbedingungen das Wachstum eines Mikroorganismus beeinflussen. Im Darm herrschen völlig andere Konzentrationen und Bedingungen.

Wer jede Verschlechterung nach MSM als „Candida-Absterben“ deutet, macht es sich zu einfach. Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen können schlicht Nebenwirkungen sein.

Kann MSM den Körper entgiften?

Kaum ein Begriff wird bei Nahrungsergänzungsmitteln so großzügig verwendet wie „Entgiftung“.

MSM enthält Schwefel. Schwefelhaltige Verbindungen sind an verschiedenen körpereigenen Stoffwechsel- und Ausscheidungswegen beteiligt. Cystein ist beispielsweise ein Bestandteil des Glutathions.

Daraus wird häufig folgende Behauptung abgeleitet:

MSM öffnet die Zellmembranen, bindet Giftstoffe und leitet sogar Schwermetalle aus dem Gehirn aus.

Für eine solche Wirkung beim Menschen fehlen belastbare klinische Nachweise.

MSM und Schwermetalle

Es gibt keine überzeugenden Humanstudien, in denen nach einer MSM-Einnahme eine relevante und sichere Ausscheidung von Quecksilber, Blei, Cadmium oder anderen Schwermetallen dokumentiert wurde.

Eine fachgerechte Schwermetalldiagnostik und Ausleitung ist ein komplexes Thema. Dabei müssen Expositionsquelle, Nierenfunktion, Mineralstoffstatus, Bindungsform, Dosis und mögliche Rückverteilungen berücksichtigt werden.

Ein Messlöffel MSM ist kein universelles Chelatverfahren.

Sind Kopfschmerzen ein Zeichen der Entgiftung?

Besonders problematisch ist die Behauptung, Kopfschmerzen, Durchfall, Hautausschlag, Erschöpfung oder Schlafstörungen nach der Einnahme belegten eine erfolgreiche Entgiftung.

Mit dieser Logik wird jede Nebenwirkung zum Wirksamkeitsnachweis. Je schlechter es dem Patienten geht, desto besser soll das Mittel angeblich arbeiten.

Das ist keine Medizin. Das ist ein Verkaufssystem, das gegen jede Widerlegung immunisiert wurde.

Treten nach der Einnahme Beschwerden auf, sollte zunächst an folgende Möglichkeiten gedacht werden:

  • zu hohe Dosierung,
  • individuelle Unverträglichkeit,
  • Verunreinigungen des Präparates,
  • Wechselwirkungen,
  • eine andere Erkrankung oder
  • einen zufälligen zeitlichen Zusammenhang.

Die Einnahme sollte reduziert oder beendet werden. Anhaltende oder schwere Beschwerden gehören abgeklärt.

MSM bei Diabetes und Insulinresistenz

In Tierexperimenten und Laboruntersuchungen wurden mögliche Einflüsse von MSM auf Glukosestoffwechsel, Entzündungsprozesse und Insulinsignale beobachtet.

Daraus wird gelegentlich behauptet, MSM verbessere beim Menschen die Aufnahme von Glukose in die Zellen und beseitige eine Insulinresistenz.

Für eine Behandlung des Typ-2-Diabetes mit MSM fehlen überzeugende klinische Daten.

Eine Insulinresistenz entsteht nicht, weil die Zellmembran zu wenig MSM erhalten hat. Entscheidend sind meist:

  • viszerales Bauchfett,
  • Bewegungsmangel,
  • Verlust an Muskelmasse,
  • ständiges Essen,
  • Schlafmangel,
  • Fettleber,
  • chronischer Stress und
  • eine dauerhaft ungünstige Ernährung.

Wie früh sich solche Veränderungen zeigen können, erläutere ich in meinem Beitrag über Adiponektin, Fettgewebe und Insulinresistenz.

Auch das Fasten bei Typ-2-Diabetes ist wesentlich besser untersucht als MSM. Bei Patienten, die Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, gehört eine solche Maßnahme fachlich begleitet.

MSM darf niemals als Ersatz für notwendige Diabetesmedikamente oder eine Kontrolle des Blutzuckers verstanden werden.

MSM bei Krebs

In Zellkulturen wurden verschiedene Effekte von MSM auf Tumorzellen beobachtet. Je nach Versuchsmodell ging es unter anderem um Zellteilung, programmierten Zelltod, Stoffwechselsignale und die Beweglichkeit von Krebszellen.

Diese Forschung ist interessant. Sie ist keine Krebstherapie.

Eine Substanz kann Krebszellen in einer Petrischale beeinflussen und im menschlichen Körper trotzdem wirkungslos sein. Dafür gibt es zahlreiche Gründe:

  • Die im Labor verwendete Konzentration ist im Menschen möglicherweise nicht erreichbar.
  • Die Substanz wird im Körper verändert oder rasch ausgeschieden.
  • Tumorgewebe besitzt eine komplexe Blutversorgung und Mikroumgebung.
  • Krebszellen reagieren im Organismus anders als isolierte Zellen.
  • Leber, Nieren und Immunsystem beeinflussen Verteilung und Wirkung.

Was ist beim Menschen nachgewiesen?

Es gibt keine überzeugende klinische Grundlage für die Behauptung, MSM könne:

  • Krebs heilen,
  • Tumoren zuverlässig verkleinern,
  • Metastasen verhindern,
  • eine Chemotherapie ersetzen oder
  • die Wirkung einer Krebstherapie sicher verstärken.

Auch die gelegentlich verbreitete Empfehlung, vor oder während jeder Chemotherapie grundsätzlich MSM einzunehmen, ist zu pauschal.

Krebspatienten nehmen häufig mehrere Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig. Mögliche Wechselwirkungen sind bei MSM nur unzureichend untersucht.

Wer MSM während einer onkologischen Behandlung einsetzen möchte, sollte dies mit dem behandelnden Arzt und einem erfahrenen Therapeuten abstimmen.

Fasten bei Krebs ist ein eigenes Thema

Die Forschung zum Fasten bei Krebs und zu kurzzeitigen Fastenperioden rund um bestimmte Behandlungen darf nicht mit der MSM-Forschung vermischt werden.

Auch die Kombination von Fasten und Vitamin C in der Krebsforschung beruht auf anderen Mechanismen und Untersuchungen.

Bei untergewichtigen, geschwächten oder mangelernährten Krebspatienten kann Fasten ungeeignet oder gefährlich sein. Eine pauschale Internetempfehlung wäre verantwortungslos.

MSM bei Asthma, COPD und Infektionen

Auf einigen Seiten wird MSM bei Bronchitis, Asthma, COPD, Atemnot und sogar Tuberkulose empfohlen.

Für solche weitreichenden Einsatzgebiete fehlen geeignete klinische Studien.

Die Behauptung, MSM mache die Auskleidung der Lungenbläschen elastischer und könne dadurch verschiedene Lungenerkrankungen lindern, ist nicht hinreichend belegt.

MSM bei Asthma

Allergischer Schnupfen und Asthma können gemeinsam auftreten. Daraus folgt nicht, dass ein möglicher Effekt bei Nasenbeschwerden automatisch eine wirksame Asthmatherapie bedeutet.

Asthma kann zu lebensbedrohlicher Atemnot führen. Verordnete Inhalationsmedikamente dürfen nicht eigenmächtig durch MSM ersetzt werden.

MSM bei COPD

Für eine klinisch relevante Wirkung bei COPD fehlen überzeugende Humanstudien. COPD ist eine chronische Erkrankung mit strukturellen Veränderungen der Atemwege und teilweise der Lungenbläschen.

Eine Nahrungsergänzung repariert solche Schäden nicht nachweislich.

MSM bei Tuberkulose

Tuberkulose ist eine ernsthafte bakterielle Infektionskrankheit. Sie benötigt eine gezielte medizinische Behandlung mit geeigneten Antibiotikakombinationen.

MSM als Behandlung der Tuberkulose zu empfehlen, wäre medizinisch nicht zu vertreten.

MSM: Dosierung und Einnahme

Eine offiziell anerkannte therapeutische Dosierung für MSM existiert nicht.

In klinischen Untersuchungen wurden sehr unterschiedliche Mengen eingesetzt. Häufig lagen diese ungefähr zwischen einem und sechs Gramm täglich.

Einsatzgebiet in Studien Verwendete Tagesmenge Ungefähre Studiendauer
Kniearthrose etwa 3,4 bis 6 Gramm meist 12 Wochen
Leichte Kniebeschwerden etwa 2 Gramm 12 Wochen
Allergischer Schnupfen etwa 2,6 bis 3 Gramm mehrere Tage bis 4 Wochen
Sportliche Belastung etwa 1,5 bis 3 Gramm wenige Tage bis mehrere Wochen
Kosmetische Hautparameter etwa 1 bis 3 Gramm mehrere Wochen

Diese Angaben zeigen, welche Mengen erforscht wurden. Sie sind keine pauschale Dosierungsempfehlung für jeden Menschen.

Mit welcher Dosierung sollte man beginnen?

Empfindliche Menschen sollten nicht sofort mit drei oder sechs Gramm einsteigen.

Für einen vorsichtigen Therapieversuch bietet sich folgendes Vorgehen an:

  • zunächst 500 Milligramm täglich,
  • nach drei bis fünf Tagen 500 Milligramm zweimal täglich,
  • bei guter Verträglichkeit Steigerung auf 1,5 bis 2 Gramm täglich,
  • Verteilung auf zwei Einnahmen.

Höhere Mengen sollten einen nachvollziehbaren Grund haben. „Im Internet steht, viel helfe viel“ ist keiner.

Sind sechs Gramm MSM täglich notwendig?

Sechs Gramm wurden in einer bekannten Arthrosestudie eingesetzt. Daraus ergibt sich keine Notwendigkeit, grundsätzlich sechs Gramm einzunehmen.

Eine höhere Dosis kann die Wahrscheinlichkeit von Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder anderen Unverträglichkeiten erhöhen.

Wer bereits bei zwei Gramm eine gute Wirkung bemerkt, gewinnt durch eine Verdreifachung nicht automatisch mehr.

Wann sollte MSM eingenommen werden?

MSM kann grundsätzlich mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Empfindliche Menschen vertragen das Präparat zu einer Mahlzeit häufig besser.

Größere Mengen sollten auf zwei Einnahmen verteilt werden.

Wer mit Unruhe oder Schlafproblemen reagiert, nimmt MSM besser morgens und mittags als am späten Abend.

Muss MSM mit Vitamin C kombiniert werden?

Eine zwingende Kombination mit Vitamin C ist nicht belegt.

Vitamin C ist für die Kollagensynthese wichtig und besitzt zahlreiche eigene Funktionen. Daraus ergibt sich keine Pflicht, MSM und Vitamin C immer gleichzeitig einzunehmen.

Bei einer unzureichenden Vitamin-C-Versorgung sollte diese unabhängig von MSM korrigiert werden.

Wie lange sollte MSM eingenommen werden?

Bei Gelenkbeschwerden sollte die Wirkung nach ungefähr acht bis zwölf Wochen beurteilt werden.

Dazu sollten vor Beginn konkrete Kriterien festgelegt werden:

  • Schmerzstärke auf einer Skala von null bis zehn,
  • Morgensteifigkeit,
  • Schmerzen beim Treppensteigen,
  • mögliche Gehstrecke,
  • Bedarf an Schmerzmitteln und
  • bestimmte Bewegungen, die Probleme verursachen.

Ist nach acht bis zwölf Wochen keine erkennbare Besserung eingetreten, gibt es wenig Grund, MSM aus Gewohnheit weiterzunehmen.

Die meisten Studien dauerten nur wenige Wochen oder Monate. Verlässliche Daten zur jahrelangen täglichen Einnahme höherer Mengen fehlen.

MSM während des Fastens

MSM liefert praktisch keine relevante Energiemenge und unterbricht ein Fasten daher nicht in demselben Sinne wie eine Mahlzeit.

Trotzdem sollte während des Fastens nicht wahllos jedes Nahrungsergänzungsmittel weitergenommen werden. Der Magen-Darm-Trakt kann empfindlicher reagieren, und Beschwerden lassen sich während einer Fastenkur schwerer zuordnen.

Wer MSM bisher nicht eingenommen hat, sollte möglichst nicht ausgerechnet an den ersten Fastentagen mit einer hohen Dosis beginnen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion, schwerer Erkrankung oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme gehört die Anwendung fachlich begleitet.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

MSM wurde in den meisten kleineren Studien relativ gut vertragen. Daraus sollte man keine völlige Nebenwirkungsfreiheit ableiten.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Übelkeit,
  • Blähungen,
  • Bauchschmerzen,
  • Durchfall,
  • Verstopfung,
  • Kopfschmerzen,
  • Müdigkeit,
  • Unruhe,
  • Schlafstörungen,
  • Juckreiz und
  • Hautreaktionen.

Ob jede dieser Beschwerden tatsächlich durch MSM verursacht wird, ist nicht immer eindeutig. Die vorhandenen Studien sind zu klein, um seltene Nebenwirkungen zuverlässig zu erkennen.

Was tun bei Nebenwirkungen?

Bei leichten Beschwerden sollte die Dosis reduziert oder das Präparat vorübergehend abgesetzt werden.

Bei starken, anhaltenden oder allergieähnlichen Reaktionen sollte MSM vollständig beendet und die Ursache abgeklärt werden.

Eine Verschlechterung ist kein Beweis dafür, dass das Mittel besonders gründlich arbeitet.

Wie sicher ist MSM?

Die Sicherheit von MSM wird häufig mit einer amerikanischen GRAS-Bewertung begründet.

GRAS bedeutet „Generally Recognized as Safe“. Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA hatte gegen eine bestimmte Anmeldung von MSM für klar definierte Verwendungen in Lebensmitteln keine Einwände.

Das bedeutet nicht:

  • dass MSM jede behauptete Krankheit behandelt,
  • dass beliebig hohe Mengen sicher sind,
  • dass eine Einnahme über viele Jahre geprüft wurde oder
  • dass keine Wechselwirkungen mit Medikamenten existieren.

Eine GRAS-Mitteilung für bestimmte Lebensmittelanwendungen ist kein therapeutischer Freibrief.

Norwegische Risikobewertung

Eine norwegische Fachbewertung fiel wesentlich vorsichtiger aus. Die Experten bewerteten die Datenlage zu höheren Ergänzungsmengen als unzureichend und sahen bei drei Gramm täglich mögliche Sicherheitsbedenken.

Diese Bewertung beweist nicht, dass drei Gramm MSM zwangsläufig schädlich sind. Sie zeigt jedoch, wie begrenzt die Langzeitdaten sind.

Behauptungen wie „MSM ist sicherer als Kochsalz“ beruhen meist auf Tierexperimenten zur akuten Giftigkeit. Solche Vergleiche sind für die tägliche Langzeiteinnahme wenig hilfreich.

Ein Stoff kann eine geringe akute Giftigkeit besitzen und bei bestimmten Menschen, Erkrankungen oder Wechselwirkungen trotzdem Probleme verursachen.

Wer sollte MSM nur nach Rücksprache einnehmen?

Besondere Vorsicht ist angebracht bei:

  • Schwangerschaft und Stillzeit,
  • Kindern und Jugendlichen,
  • schweren Lebererkrankungen,
  • eingeschränkter Nierenfunktion,
  • laufender Chemotherapie oder Bestrahlung,
  • ausgeprägter Multimedikation,
  • ungeklärten Blutungsstörungen,
  • schweren Allergien und
  • bevorstehenden Operationen.

In diesen Gruppen fehlen ausreichende Sicherheitsdaten. Das bedeutet nicht automatisch, dass MSM gefährlich ist. Es bedeutet, dass wir es nicht zuverlässig wissen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Umfassende Untersuchungen zu Wechselwirkungen existieren nicht.

Patienten sollten besonders vorsichtig sein, wenn sie:

  • Blutgerinnungshemmer,
  • mehrere Blutdruckmedikamente,
  • Diabetesmedikamente,
  • Immunsuppressiva,
  • Krebsmedikamente oder
  • Arzneimittel mit enger therapeutischer Breite

einnehmen.

Fehlende Daten bedeuten nicht, dass eine Kombination sicher ist. Sie bedeuten, dass niemand gründlich nachgesehen hat.

MSM bei Sulfonamid- oder „Schwefelallergie“

Patienten berichten gelegentlich, sie hätten eine „Schwefelallergie“. Meist ist damit eine Reaktion auf Sulfonamid-Antibiotika oder sulfithaltige Lebensmittel gemeint.

Diese Stoffe müssen klar unterschieden werden:

  • elementarer Schwefel,
  • Sulfate,
  • Sulfite,
  • Sulfonamid-Arzneimittel und
  • MSM

sind chemisch verschiedene Substanzen.

Eine Allergie gegen ein Sulfonamid-Antibiotikum bedeutet daher nicht automatisch, dass MSM ebenfalls eine allergische Reaktion auslöst.

Eine allgemeine Allergie gegen das Element Schwefel wäre kaum mit dem Leben vereinbar, da Schwefel Bestandteil zahlreicher körpereigener Eiweiße ist.

Menschen mit schweren Arzneimittelallergien sollten neue Präparate dennoch vorsichtig einsetzen. Individuelle Unverträglichkeiten können auch ohne klassische Kreuzallergie auftreten.

Woran erkennt man ein gutes MSM-Präparat?

Auf den Verpackungen finden sich Begriffe wie:

  • hochrein,
  • Premium-MSM,
  • natürlicher Schwefel,
  • mehrfach destilliert,
  • pharmazeutische Qualität und
  • 99,9 Prozent Reinheit.

Solche Begriffe klingen eindrucksvoll. Ohne Analysezertifikat bleiben sie Werbung.

Wichtige Qualitätsmerkmale

  • nachvollziehbare Herkunft des Rohstoffs,
  • chargenbezogenes Analysezertifikat,
  • Prüfung auf Schwermetalle,
  • Prüfung auf Lösungsmittelrückstände und andere Verunreinigungen,
  • klare Angabe der enthaltenen MSM-Menge,
  • möglichst wenige Zusatzstoffe und
  • ein Hersteller, der auf absurde Heilversprechen verzichtet.

Ist natürliches MSM besser als synthetisches MSM?

Die meisten handelsüblichen MSM-Präparate werden technisch hergestellt. Die Geschichte, MSM werde in aufwendiger Handarbeit aus Kiefernholz oder besonders schwefelreichen Pflanzen gewonnen, gehört weitgehend ins Marketing.

Ein chemisch reines MSM-Molekül besitzt dieselbe Struktur, unabhängig davon, ob der Ausgangsstoff aus einer Pflanze oder einem industriellen Herstellungsprozess stammt.

Entscheidend sind Reinheit, Verunreinigungen und Qualitätskontrolle.

„Natürlich“ ist keine chemische Reinheitsanalyse.

Destilliert oder kristallisiert?

Manche Hersteller erklären destilliertes MSM grundsätzlich für überlegen. Andere verweisen auf mehrfache Kristallisation.

Beide Verfahren können bei sachgerechter Durchführung ein reines Produkt liefern. Entscheidend ist das Ergebnis der Analyse und nicht die poetische Beschreibung des Herstellungsprozesses.

Pulver oder Kapseln?

MSM-Pulver ist meist preiswerter und lässt sich individuell dosieren. Der bittere Geschmack kann stören.

Kapseln sind bequemer, aber häufig deutlich teurer. Bei höheren Tagesmengen müssen mehrere Kapseln eingenommen werden.

Die Darreichungsform entscheidet nicht über die Wirkung. Entscheidend sind tatsächliche Menge, Reinheit und Verträglichkeit.

MSM-Creme und Gel

MSM wird auch in Cremes und Gelen angeboten. Für die äußerliche Anwendung ist die Studienlage noch dünner als für die Einnahme.

Bei Kombinationsprodukten mit Weihrauch, Arnika, Menthol, ätherischen Ölen oder DMSO lässt sich kaum beurteilen, welcher Inhaltsstoff eine mögliche Wirkung verursacht.

Mein Vorschlag für einen praktischen Therapieversuch

MSM ist aus meiner Sicht am ehesten für einen zeitlich begrenzten Therapieversuch bei leichten bis mäßigen Gelenkbeschwerden geeignet.

Ein vernünftiger Versuch könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Beschwerden dokumentieren: Schmerzstärke, Beweglichkeit, Morgensteifigkeit und typische Problembewegungen festhalten.
  2. Niedrig beginnen: Zunächst 500 Milligramm MSM täglich.
  3. Langsam steigern: Bei guter Verträglichkeit innerhalb von ein bis zwei Wochen auf 1,5 bis 2 Gramm täglich erhöhen.
  4. Auf zwei Einnahmen verteilen: Beispielsweise morgens und mittags.
  5. Nicht gleichzeitig fünf weitere Präparate beginnen: Sonst ist keine Beurteilung möglich.
  6. Nach acht Wochen prüfen: Hat sich eine konkrete Beschwerde erkennbar verändert?
  7. Nach zwölf Wochen entscheiden: Bei fehlender Wirkung absetzen.

Wer bereits nach wenigen Tagen starke Nebenwirkungen entwickelt, muss sich nicht tapfer bis zur zwölften Woche quälen.

Für wen kann ein Versuch sinnvoll sein?

Ein Therapieversuch kommt vor allem für Erwachsene infrage, die:

  • unter leichten bis mäßigen Gelenkbeschwerden leiden,
  • eine Arthrose diagnostisch abklären ließen,
  • begleitend an Bewegung und Stoffwechsel arbeiten,
  • realistische Erwartungen besitzen und
  • die Wirkung anhand konkreter Kriterien prüfen.

Wann gehört das Gelenk zunächst untersucht?

Eine medizinische Abklärung ist besonders wichtig bei:

  • akut geschwollenen oder überwärmten Gelenken,
  • starken nächtlichen Schmerzen,
  • Fieber,
  • frischen Verletzungen,
  • Instabilität,
  • neurologischen Ausfällen,
  • rasch zunehmenden Beschwerden,
  • ungeklärtem Gewichtsverlust oder
  • Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung.

MSM kann eine Diagnose nicht ersetzen. Es kann höchstens eine passende Therapie ergänzen.

Mein Fazit zu MSM

MSM ist weder ein Wundermittel noch völlig wertlos.

Die vernünftigste Anwendung liegt derzeit bei einem zeitlich begrenzten Versuch bei Kniearthrose oder vergleichbaren Gelenkbeschwerden. Manche Patienten berichten über eine spürbare Linderung. Auch die vorhandenen Studien lassen einen kleinen symptomatischen Nutzen möglich erscheinen.

Mehr sollte man aus der Datenlage nicht machen.

Ein Wiederaufbau zerstörten Knorpels wurde nicht nachgewiesen. Für Schwermetallausleitung, Leaky Gut, Diabetes, Krebs, COPD, Candida oder chronische Infektionen fehlen überzeugende klinische Wirksamkeitsnachweise.

MSM enthält Schwefel. Das macht die Substanz biologisch interessant, aber nicht automatisch zur Therapie für jede Erkrankung, an der irgendein schwefelhaltiges Molekül beteiligt ist.

Die Stärke einer seriösen Naturheilkunde zeigt sich darin, Erfahrung, Plausibilität und wissenschaftliche Belege sauber voneinander zu unterscheiden.

MSM kann ein Baustein sein. Es ersetzt keine Diagnostik, keine Bewegung, keine Ernährungsumstellung und keine Behandlung der tatsächlichen Ursachen.

Häufige Fragen zu MSM

Wie schnell wirkt MSM?

Bei Gelenkbeschwerden sollte nicht nach zwei oder drei Tagen geurteilt werden. Ein möglicher Effekt zeigt sich meist erst innerhalb mehrerer Wochen.

Nach acht bis zwölf Wochen sollte eine ehrliche Bilanz gezogen werden. Ist keine konkrete Verbesserung erkennbar, ist eine weitere Einnahme wenig überzeugend.

Kann MSM Knorpel wieder aufbauen?

Ein klinisch relevanter Wiederaufbau zerstörten Gelenkknorpels durch MSM wurde nicht nachgewiesen.

Eine Verringerung von Schmerzen bedeutet nicht automatisch, dass der Knorpel nachgewachsen ist.

Ist MSM ein Schmerzmittel?

MSM ist kein klassisches Schmerzmittel. Eine mögliche Wirkung entwickelt sich eher langsam und fällt wahrscheinlich schwächer aus als bei üblichen Schmerzmedikamenten.

Kann MSM Schwermetalle ausleiten?

Dafür fehlen überzeugende klinische Humanstudien. MSM sollte nicht als Ersatz für eine fachgerechte Diagnostik und Behandlung einer Schwermetallbelastung verwendet werden.

Sind Kopfschmerzen nach MSM ein Entgiftungszeichen?

Nein. Kopfschmerzen sind zunächst eine mögliche Nebenwirkung oder Unverträglichkeit. Sie beweisen keine Entgiftung.

Kann MSM bei Heuschnupfen helfen?

Kleinere Untersuchungen liefern erste Hinweise. Die Datenlage ist jedoch zu schwach für eine verlässliche allgemeine Empfehlung.

Hilft MSM bei Haarausfall?

Für eine zuverlässige Wirkung bei Haarausfall fehlen überzeugende klinische Studien. Eisenstatus, Schilddrüse, Hormone, Zink, Eiweißversorgung und andere Ursachen sollten geprüft werden.

Muss MSM zusammen mit Vitamin C eingenommen werden?

Eine zwingende Kombination ist nicht belegt. Vitamin C kann unabhängig davon sinnvoll sein, wenn die Versorgung unzureichend ist.

Kann MSM zusammen mit Glucosamin eingenommen werden?

Eine Kombination ist möglich. Ob sie grundsätzlich besser wirkt als die Einzelstoffe, ist nicht sicher geklärt.

Kann MSM abends eingenommen werden?

Grundsätzlich ja. Wer mit Unruhe oder Schlafproblemen reagiert, sollte die Einnahme auf den Morgen und Mittag verlegen.

Ist MSM für eine dauerhafte Einnahme geeignet?

Verlässliche Daten zur jahrelangen täglichen Einnahme höherer Mengen fehlen. Die Notwendigkeit sollte regelmäßig überprüft werden.

Kann MSM beim Fasten genommen werden?

MSM enthält praktisch keine Kalorien. Empfindliche Fastende können dennoch mit Magen-Darm-Beschwerden reagieren. Während einer Fastenkur sollte jedes Präparat einen klaren Zweck haben.

Darf MSM bei einer Sulfonamid-Allergie genommen werden?

Eine Sulfonamid-Allergie bedeutet nicht automatisch eine Allergie gegen MSM. Es handelt sich um chemisch unterschiedliche Stoffe. Bei schweren allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte ist dennoch Vorsicht angebracht.

Ist MSM auch für Hunde oder Pferde geeignet?

MSM wird auch in Tierpräparaten verwendet. Dosierungen aus dem Humanbereich dürfen nicht einfach auf Tiere übertragen werden. Die Anwendung sollte mit einem Tierarzt oder erfahrenen Tiertherapeuten abgestimmt werden.

Studien und weiterführende Quellen

  1. Kim LS et al.: Efficacy of methylsulfonylmethane in osteoarthritis pain of the knee
  2. Debbi EM et al.: Efficacy of MSM supplementation on osteoarthritis of the knee
  3. Brien S et al.: Systematic review of DMSO and MSM in osteoarthritis
  4. Toguchi A et al.: Randomized trial of MSM in participants with mild knee pain
  5. Usha PR, Naidu MU: Glucosamine, MSM and their combination in osteoarthritis
  6. Withee ED et al.: MSM and exercise-induced pain and oxidative stress
  7. Barmaki S et al.: MSM supplementation and exercise-induced muscle damage
  8. Barrager E et al.: MSM in seasonal allergic rhinitis
  9. Hewlings S et al.: MSM and nasal provocation with a standardized allergen
  10. Muizzuddin N et al.: Oral MSM and visual signs of skin ageing
  11. Butawan M et al.: Methylsulfonylmethane – applications and safety
  12. National Center for Complementary and Integrative Health: DMSO und MSM bei Arthrose
  13. US Food and Drug Administration: GRAS Notice No. 229 zu MSM
  14. Norwegian Scientific Committee for Food and Environment: Risk assessment of MSM in food supplements

Die Ketogene Diät ist eine Ernährungsform, bei der eine sehr fettreiche Nahrung mit etwas hochwertigem Eiweiß gegessen wird. Die Aufnahme von Kohlenhydraten wird bei dieser Diät streng limitiert.

Der Körper ist so gezwungen, seinen Energiebedarf nicht aus den Stoffwechselprodukten Fett, Eiweiß und Glukose zu decken, sondern fast ausschließlich aus Fett.

Das aus der Nahrung aufgenommene Fett oder die bereits im Körper gespeicherten Fettreserven werden in der Leber in sogenannte Ketonkörper umgewandelt. Diese dienen bei der Diät als Glukoseersatz zur Versorgung des Gehirns und aller Körperzellen mit Energie.

Die Umwandlung der Fettsäuren zu Ketonsäuren bringt den Stoffwechsel in den Zustand der Ketose. Die Ketose ist eine wirkungsvolle Alternativmaßnahme, um den Blutzuckerspiegel bei drastisch vermindertem Verzehr von Kohlenhydraten aufrechtzuerhalten.

Dieser Zustand ist eigentlich ganz natürlich: In Mangelzeiten stellt der menschliche Körper seit Jahrmillionen seinen Stoffwechsel so um, dass er Ketone zur Energieversorgung nutzt. Auch beim Fasten setzt dieser Prozess ein und versorgt den Körper, selbst wenn man gar keine Nahrung zu sich nimmt.

Hilfe bei Tumorerkrankungen?

Die Ketogene Diät wird bei bestimmten Erkrankungen ärztlich angeordnet. Dazu zählen Formen der Epilepsie und Glukosetransporterstörungen. Die Zusammenstellung der Nahrung wird in diesen Fällen für jeden Patienten genau berechnet und überwacht.

Wie Dr.Thomas Seyfried, ein engagierter Verfechter der ernährungsphysiologischen Behandlung von Krebserkrankungen, in einem Interview berichtete, konnte mit der Ketogenen Diät auch das Wachstum von malignen Hirntumoren im Tierversuch gestoppt werden.

Mittlerweile liegen auch Fallstudien von Krebspatienten mit einem diagnostizierten Hirntumor vor, deren Erkrankungsverlauf durch die Verringerung der Gesamtkalorienaufnahme und einer bilanzierten fettreichen Ernährung im Rahmen einer Ketogenen Diät positiv beeinflusst werden konnte.

Die Beobachtungen bei Krebspatienten, die ihre Ernährung nach den Richtlinien der Ketogenen Diät umstellten, stimmen überein mit sehr alten Forschungsergebnissen. In den 1920er Jahren stellte der spätere Nobelpreisträger Otto Warburg fest, dass das Wachstum von Krebszellen durch die Glucose aus Kohlehydraten angeregt wird.

Grund dafür ist der spezielle Stoffwechsel der Tumor-Zellen und ihre Methode, die gesunden Zellen als Konkurrenten zu bekämpfen. Zellen haben zur Energie-Bereitstellung grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung: den aeroben Weg bei Sauerstoffsättigung und den anaeroben, den sie bei Sauerstoffmangel beschreiten.

Ohne Sauerstoff wird Glucose nur bis zur Milchsäure abgebaut, weswegen von „Milchsäuregärung“ die Rede ist.

Krebszellen betreiben diese Milchsäuregärung auch bei hoher Sauerstoff-Konzentration. Zum „normalen“ aeroben Abbau sind sie wahrscheinlich gar nicht oder nur sehr unzureichend befähigt. Eigentlich ist das ein Nachteil, denn die Metabolisierung zur Milchsäure liefert viel weniger Stoffwechsel-Energie als die vollständige Oxidation der Glucose.

Deswegen brauchen Krebszellen auch enorme Mengen des Zuckers, den sie ihren gesunden Nachbarzellen rauben. Die aggressiven Zellen verständigen sich auch nicht hinsichtlich der Glucose-Aufnahme mit den Nachbarn. Gesunde Zellen stehen untereinander in Verbindung und verhalten sich „kollegial“, sodass jede Zelle nur so viel des vorhandenen Zuckers aufnimmt, wie es für alle Zellen verträglich ist.

Die Eigenarten der Krebszellen sind die Folge einer genetischen Veränderung. Otto Warburg ging davon aus, dass die Abwandlung des Energie-Stoffwechsels der Entartung zur Krebszelle vorausgeht. Nach Meinung des Wissenschaftlers ist die enorme Rate der Milchsäuregärung in den bedrohlichen Zellen also nicht erst die Folge der Mutation, sondern deren Ursache.

Seine Versuche jedoch, die Krebszellen zum „normalen“ Stoffwechsel zurück zu bringen und damit den Krebs zu heilen, schlugen fehl. Dennoch legte Warburg den Grundstein zu einem anderen Verständnis von Krebs, seiner Entstehung, Therapie und Vorbeugung. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei der Zucker.

Insulin als Krebsursache?

Auf welchem Wege Zucker für die Mutation eine Rolle spielen könnte, hat Dr. Lewis Cantley dargestellt. Er sieht in der verstärkten Ausschüttung von Insulin und IGF-1 (Insulin-Like Growth Factor 1) nach Glucose-Aufnahme eine der Ursachen der Krebsentstehung. Cantley legte dafür Forschungsergebnisse als Belege vor.

Die Mutation zur Krebszelle nimmt nach dieser Vorstellung ihren Ausgang mit dem Umschalten in einen anderen Stoffwechsel-Modus. Dadurch kommt es auch zur Veränderung von Genen, die die Zell-Kommunikation und den Zellteilungs-Rhythmus steuern.

Beide Faktoren führen dazu, dass die Krebszellen genügend Glucose erhalten und sich ungehemmt vermehren. Ein dritter Mechanismus sorgt für eine gesteigerte Durchblutung des Tumors: die entarteten Zellen produzieren Wachstums-Faktoren, die neue Blutgefäße in die Geschwulst hineinwachsen lassen.

Diese „Angiogenese“ ist in der Schulmedizin bereits ein zusätzlicher Ansatzpunkt in der Chemotherapie. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch pflanzliche Stoffe (Grüner Tee, Süßholz) den Prozess bremsen.

Fassen wir zusammen: Meidet der Krebspatient Kohlenhydrate, entzieht er den Tumorzellen die Lebensgrundlage, denn viele von ihnen sind nicht wie die gesunden Körperzellen in der Lage, sich von Ketonen zu ernähren. Für diese Annahme haben auch Untersuchungen aus neuerer Zeit Belege geliefert.

Zum Beispiel lässt sich der „Zuckerhunger“ vieler Tumorzellen mit einem Positronen-Emissions-Tomographen darstellen. Dabei wird dem Patienten radioaktiv markierte Glucose gespritzt, die deren Anreicherung in den Tumorzellen dann auf einem Spezialgerät sichtbar gemacht werden kann.

Die Ernährung mit Zucker (genauer gesagt durch die Vergärung von Zucker) hat für die Tumorzellen noch weitere Vorteile. Zum Beispiel werden durch die Gärprozesse Immunzellen lahmgelegt, sodass das Immunsystem die Krebszellen nur noch schwer angreifen kann.

Und auch die umliegenden Zellen leiden unter den Gärstoffen. Dadurch können die Krebszellen leichter in das umgebende Gewebe eindringen. Entzieht man ihnen allerdings den Zucker, soweit die Annahme, haben sie kaum Ausweichmöglichkeiten auf andere Energiespender und können nicht mehr so gut wachsen. Hat man es mit solchen Zucker vergärenden Tumorzellen zu tun, kann die Ketogene Diät das Tumorwachstum auf diese Weise hemmen.

Doch auch gesunde Menschen profitieren von der Ketogenen Diät. Werden schwerpunktmäßig hochwertige Eiweiße und Fette verzehrt, wird die Verbrennung von gespeichertem Körperfett aktiviert.

Das Körpergewicht kann so reduziert werden. Mittlerweile wird die Ketogene Diät auch zur Prävention von Tumoren angesehen. Denn die Energie-Gewinnung aus Glucose erzeugt mehr freie Radikale als der Abbau der Fette und Eiweiße. Gerade die reaktiven Sauerstoff-Spezies gelten hier als besonders kritisch.

Diese aggressiven Neben-Produkte des Stoffwechsels zerstören organisches Material und können die DNA schädigen. Auch das kann Krebs verursachen.

Der oxidative Stress schädigt auch die Mitochondrien. Die Zellorganellen produzieren den Großteil unserer Stoffwechselenergie. Ketonkörper hingegen sorgen für eine Vervielfältigung der Mitochondrien, sodass die Zellen und damit der gesamte Organismus leistungsfähiger werden.

Suche nach neuen Wegen in der Krebsbehandlung

Die allgemein übliche konventionelle Krebsbehandlung mit nebenwirkungsreichen Behandlungsansätzen wie Chemotherapie und Strahlentherapie hat verheerende Folgen für die Patienten.

Die Zellgifte, die während einer Chemotherapie verabreicht werden, schädigen nicht nur die wuchernden Krebszellen, sondern auch jede gesunde Zelle im Körper, die sich gerade im Teilungs-Stadium befindet. Das schädigt nachgerade das Immunsystem, das ja auch entartete Zellen bekämpfen soll!   Ähnlich verhält es sich bei der Strahlentherapie.

Oft ist es nicht der Krebs, an dem die Patienten versterben. In vielen Fällen sind die zytotoxische Behandlung und die Strahlentherapie für den Tod der Krebspatienten verantwortlich. Dr. Seyfried ist der Meinung, dass es höchste Zeit ist, dies nicht mehr einfach zu akzeptieren.

Neue Standards der medizinischen Versorgung und der Therapie von Krebspatienten müssen dringend gefunden werden. Ansonsten wird es auch zukünftig keine großen Fortschritte im Kampf gegen den Krebs geben.

Die Ketogene Diät – eine wirkungsvolle Stoffwechseltherapie

Wie CBN News vor Kurzem in einem Artikel über die Ketogene Diät feststellte, ist das Ergebnis all der Bemühungen im Kampf gegen Krebs sehr ernüchternd. Bei dem unbefriedigenden Angebot an Therapien bei Tumorerkrankungen müssen dringend Alternativen genutzt werden.

Die Medizin kann es sich nicht leisten, so weiterzumachen wie bisher. Nicht nur bei der Therapie von Krebs, auch bei der Prävention müssen neue Wege gegangen werden, wenn etwas gegen die stetig ansteigende Anzahl von Neuerkrankungen in allen Altersgruppen getan werden soll. Es gibt mit der Ketogenen Diät eine Möglichkeit, der Entstehung einer Krebserkrankung vorzubeugen und begeitend zu behandeln.

Das Vermeiden von Kohlehydraten im Rahmen der Spezialdiät sorgt dafür, das Tumorwachstum einzudämmen und die Krankheit zu überwinden, auch ohne den Einsatz von aggressiven Therapien und Zellgiften.

Ein Beispiel dafür ist Dr. Fred Hatfield, ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann und Autor vieler Bücher. Wie Dr. Hatfield selbst sagt, ist jedoch seine größte Lebensleistung, dass er seine Krebserkrankung überwinden konnte. In seinem Körper hatten sich bereits Metastasen gebildet, seine Ärzte gaben ihm nicht mehr als drei Monate zu leben.

Der Patient hatte nichts mehr zu verlieren. Er hörte von der Ketogenen Diät als Therapie des Stoffwechsels gegen Krebs und stellte seine Ernährung um. Dr. Hatfield wurde tumorfrei und vollkommen gesund.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Die Ketogene Diät als Begleittherapie

Auch wer bei einer Krebserkrankung nicht auf eine Chemo- oder Strahlentherapie verzichten möchte, kann von der Ketogenen Diät profitieren. Es gibt Fallberichte, nach denen die Nebenwirkungen dieser Behandlungsmethoden deutlich gelindert wurden, wenn die Patienten sich nach der Ketogenen Diät ernährten.

Sie litten weniger unter Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erschöpfung und verloren auch nicht so viel Gewicht. Bei einer „normalen“ Ernährung werden große Teile der aufgenommenen Kohlenhydrate zum „Füttern“ der Tumorzellen verwendet und der Körper muss viel Eiweiß verstoffwechseln, das in erster Linie aus den Muskeln stammt.

Kein Wunder, dass die Patienten dadurch abnehmen und schwächer werden! Dieser Prozess wird als Tumorkachexie bezeichnet. Zusätzlich produzieren die Tumoren bei ihren Gärprozessen große Mengen an Milchsäure, die den Körper übersäuern.

Um die schädliche Wirkung zu neutralisieren, muss die Milchsäure in der Leber aufwendig in Glukose umgewandelt werden. Diese steht dann wieder den Tumorzellen zur Verfügung, die noch weiter wachsen und noch mehr Milchsäure produzieren können.

Dieser Teufelskreis lässt sich mit der Ketogenen Diät durchbrechen. Wenn der Körper auf die Energiegewinnung aus Fetten und Eiweißen umstellt, die die Tumorzellen nicht verwerten können, hat er wieder viel mehr Energie für sich selbst.

Die wichtigsten Grundsätze der Ketogenen Diät

Der wichtigste Aspekt der Ketogenen Diät ist der fast vollständige Verzicht auf alle Zuckerarten. Damit ist nicht nur der Industriezucker in Kuchen und Süßigkeiten gemeint, sondern auch Fruchtzucker in Obst, Milchzucker in Milchprodukten und Stärke in Nudeln, Brot und Kartoffeln.

Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel sollten auf ein Minimum reduziert werden, bei durchschnittlichem Körpergewicht  sind maximal 50g Kohlenhydrate pro Tag erlaubt, sonst stellen die Körperzellen ihre Energiegewinnung nicht um.

Gleichzeitig wird die Zufuhr von guten Fetten und Ölen deutlich erhöht, denn aus diesen beziehen die Körperzellen während der Diät ihre Energie. Auch die Eiweiße müssen hochwertig sein und in ausreichender Menge vorliegen.

Der Anteil der Kohlenhydrate an der Ernährung sollte höchstens 15 % betragen. Proteine stellen etwa 7 % bis 10 % und Fette rund 75 % bis 80 % der Menge. Diese Relationen beziehen sich auf eine ausreichende, das heißt gemäßigte Ernährung.

Verzichten sollten Sie während der Ketogenen Diät auf:

  • Zucker (also auch Süßigkeiten, Kuchen, süße Getränke, Honig, Ketchup etc.)
  • Reis
  • Mais, Hirse, Grünkern und andere Getreidearten
  • Getreidemehl (also auch Brot und Gebäck)
  • Nudeln
  • • Obst mit sehr hohem Zuckergehalt (beispielsweise Süßkirschen und Birnen)

Spezielle kohlenhydratarme Brote können Sie aus Nuss- und Mandelmehl backen.

Hochwertige Öle sind ein wichtiger Bestandteil der Ketogenen Diät. Besonders förderlich sind Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in Leinöl, Olivenöl, Kokosöl, Hanfnussöl oder Fischölen sowie Krillöl reichlich vorkommen. Öle, die reich an Omega-6-Fettsäuren sind, zum Beispiel in Sonnenblumenöl, Distelöl, Sojaöl oder Getreidekeimölen, sollten dagegen gemieden werden, weil sie im schlimmsten Fall das Tumorwachstum weiter anregen können.

Der Anteil der Omega-6-Fettsäureketten darf maximal 5 % der gesamten Fettaufnahme betragen. Palmkernöl und Kokosnussöl enthalten größere Mengen sogenannter mittelkettiger Triglyceride (MCT), die gerade bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung helfen, den enormen Energiebedarf des Körpers zu decken. Sie sind deshalb in der Ketogenen Diät empfehlenswert, vor allem für Patienten, die Gewicht auf- oder zumindest nicht abbauen wollen.

Bei Milchprodukten empfehlen sich naturbelassene, milchpulverfreie Joghurts, Quark und Sauermilch, weil sie nicht viel Milchzucker enthalten. Wenn Sie frische Milch zu sich nehmen, sollten Sie die fetthaltige Variante bevorzugen. In fettarmer Milch ist der Anteil an Milchzucker höher.

Die meisten Obstsorten enthalten zu viel Fruchtzucker und sollte deshalb gemieden werden. Beeren können Sie in kleinen Mengen zu sich nehmen, auf die meisten anderen Obstsorten, vor allem aber auf Trockenobst oder Smoothies, sollten Sie unbedingt verzichten.

Nüsse und Ölsamen (zum Beispiel Traubenkerne, Sesam etc.) sind reich an hochwertigen Fetten und sollten deshalb bei der Ketogenen Diät eine große Rolle spielen.

Fleisch und Fisch sind wichtige Bestandteile der Ketogenen Diät, weil sie viele Eiweiße bieten. Allerdings sollten Sie unbedingt darauf achten, woher das Fleisch stammt. Die Lebensweise und Ernährung der Tiere haben großen Einfluss auf die Qualität des Fleisches. Wildfleisch und Fleisch von Tieren in Weidehaltung sind besonders reich an Omega-3-Fettsäuren.

Insgesamt müssen Sie sich sehr genau mit den Lebensmitteln auseinandersetzen, die Sie zu sich nehmen. Wussten Sie zum Beispiel, dass in Salami bis zu 15% Zucker enthalten sein kann? Mit solchen versteckten Zuckern können Sie sich bei aller Mühe die Diät sabotieren. Sie sollten deshalb die Ketogene Diät in enger Zusammenarbeit mit einem Arzt und/oder Ernährungsberater durchführen, auch damit Sie trotz der Einschränkungen ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt sind.

Zusätzlich zur Ketogenen Diät ist eine sportliche Betätigung (zum Beispiel Radfahren, Joggen, Spazierengehen) empfehlenswert, sofern das gesundheitlich möglich ist. In vielen Studien wurde schon gezeigt, dass sportlich aktive Menschen weniger leicht Krebs bekommen. Diese Tatsache hat wohl auch mit der positiven Wirkung auf den Blutzucker zu tun: Beim Sport wird besonders viel Glukose verbraucht, sodass der Blutzuckerspiegel niedrig bleibt.

Nach drei Monaten mit der Ketogenen Diät sollte das Tumorwachstum kontrolliert werden. Falls es nicht abgenommen hat und es auch sonst keine positiven Wirkungen auf Ihre Lebensqualität gibt, sollten Sie die Diät nach dieser Zeit abbrechen. In einem solchen Fall haben Sie es vermutlich mit Tumoren zu tun, die nicht von Glukose abhängig sind. Wenn aber der Tumor sich nicht mehr verändert oder sogar schrumpft, sollten Sie die Ketogene Diät beibehalten.

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Beitragsbild: 123rf.com – Alexander Raths

Dieser Beitrag wurde im Januar 2021 erstellt und wurde letztmalig am 11.01.2024 aktualisiert und ergänzt.