Basica gehört zu den bekanntesten Basenpräparaten in Deutschland. Der Name ist inzwischen beinahe zu einem Synonym für Basenpulver geworden. Dabei gibt es längst nicht „das“ Basica: Unter der Marke werden Tabletten, Granulate, Direktsticks, Getränkepulver und ein spezielles Sportprodukt angeboten. Die Zusammensetzungen unterscheiden sich teilweise erheblich.
Und genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick. Was steckt wirklich in Basica? Kann man damit den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen? Welches Produkt ist sinnvoll – und welches enthält Bestandteile, die man vielleicht gerade nicht haben möchte? Was ist von Aussagen zur „Übersäuerung“ zu halten? Und gibt es auch Nachteile oder Nebenwirkungen?
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema Übersäuerung und Säure-Basen-Haushalt. Dabei halte ich zwei extreme Positionen für gleichermaßen wenig hilfreich: Auf der einen Seite wird nahezu jedes Zipperlein mit einer angeblichen Übersäuerung erklärt. Auf der anderen Seite wird inzwischen manchmal so getan, als hätten Ernährung, Mineralstoffversorgung und Säurelast überhaupt nichts mit dem Stoffwechsel zu tun. Beides greift zu kurz.
Wer steckt hinter Basica?
Basica ist eine Marke der Protina Pharmazeutische GmbH aus Ismaning bei München. Die Wurzeln des Unternehmens reichen nach eigenen Angaben bis zum Jahr 1900 zurück. Basica selbst gibt es seit 1929. Protina stellt heute verschiedene Mineralstoff- und Nahrungsergänzungsprodukte her; zu den bekanntesten Marken des Unternehmens gehören Basica und Magnesium-Diasporal.
Das ist durchaus bemerkenswert: Wir haben es hier nicht mit einer Marke zu tun, die gestern von irgendeinem Online-Marketing-Unternehmen erfunden wurde. Allerdings gilt auch hier: Eine lange Tradition sagt etwas über Erfahrung und Marktbeständigkeit aus – nicht automatisch über die Wirksamkeit jeder einzelnen gesundheitsbezogenen Aussage.
Was ist Basica überhaupt?
Die Basica-Produkte sind überwiegend Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen und Spurenelementen. Je nach Produkt werden Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium, Zink und weitere Spurenelemente miteinander kombiniert. Ein Teil dieser Mineralstoffe liegt als Citrat vor. Citrate sind Salze der Zitronensäure und können im Stoffwechsel unter anderem zur Bildung von Bicarbonat beitragen. Genau daraus leitet sich die Verwendung entsprechender Präparate im Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Haushalt ab.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Basica den pH-Wert des Blutes eines gesunden Menschen nach Belieben „basisch macht“. Der Blut-pH wird vom Organismus ausgesprochen eng reguliert, vor allem über Lunge, Niere und verschiedene Puffersysteme. Größere Abweichungen wären kein Fall für ein Basenpulver, sondern ein medizinisches Problem.
Ernährung kann dennoch die Säurelast verändern, die der Organismus verarbeiten und über die Nieren ausscheiden muss. In der wissenschaftlichen Literatur wird dafür häufig der Begriff „dietary acid load“, also ernährungsbedingte Säurelast, verwendet. Das ist eine wesentlich präzisere Beschreibung als die populäre Vorstellung, der gesamte Körper werde einfach immer „saurer“.
Wer tiefer in diese Zusammenhänge einsteigen möchte, findet dazu meinen ausführlichen Beitrag über die Übersäuerung des Körpers und die verschiedenen Bedeutungen dieses Begriffs.
Die aktuellen Basica-Produkte im Vergleich
Das derzeitige deutsche Kernsortiment umfasst sechs Varianten: Basica Pur, Basica Compact, Basica Direkt, Basica Vital, Basica Instant und Basica Sport. Sie verfolgen keineswegs alle denselben Zweck. Vor allem deshalb halte ich die häufige Frage „Welches Basica ist das beste?“ für berechtigt.
| Produkt |
Form |
Besonderheit |
Meine Einschätzung |
| Basica Pur |
Pulver / Sticks |
Mineralstoffe ohne Zucker, Süßungsmittel und Aroma |
Für mich die klarste Variante, wenn ein schlichtes Basenpräparat gesucht wird |
| Basica Compact |
Tabletten |
Calcium, Magnesium und mehrere Spurenelemente |
Praktisch unterwegs, aber sechs Tabletten täglich und relativ breite Mineralstoffmischung |
| Basica Direkt |
Direktgranulat |
400 mg Magnesium pro Tagesportion, Einnahme ohne Wasser |
Sehr praktisch, bei empfindlichem Darm wegen Magnesium und Sorbit nicht unbedingt meine erste Wahl |
| Basica Vital |
Granulat |
Zum Einrühren in Speisen |
Traditionelle Variante, enthält allerdings Lactose |
| Basica Instant |
Getränkepulver |
Mit Vitamin C, Vitamin B2 und Orangengeschmack |
Bequem, enthält aber unter anderem Saccharose und Aroma |
| Basica Sport |
Sportgetränk |
Kohlenhydrate, Elektrolyte und Mikronährstoffe |
Spezialprodukt für sportliche Belastung, kein normales tägliches Basenpulver |
Basica Pur: Für mich die „klarste“ Basica-Variante
Basica Pur kommt dem klassischen Gedanken eines Basen- beziehungsweise Mineralstoffpulvers innerhalb dieser Produktreihe am nächsten. Eine Tagesportion aus zwei Sticks liefert unter anderem 550 mg Calcium, 150 mg Magnesium, 350 mg Kalium und 375 mg Natrium sowie Zink, Chrom, Molybdän und Selen. Verwendet werden Calciumlactat sowie Natrium-, Kalium-, Magnesium- und Zinkcitrat.
Das Produkt enthält laut Hersteller keine Aromen, keine Süßstoffe und keinen zugesetzten Zucker. Auch Lactose und Gluten sind nicht enthalten. Das gefällt mir grundsätzlich besser als Rezepturen, bei denen man zusätzlich Zucker, Aromen oder diverse Hilfsstoffe mit einkauft, obwohl man eigentlich nur Mineralstoffe einnehmen möchte.
Ein interessantes Detail: Trotz der häufigen Verbindung von Basica mit „Citraten“ liegt Calcium bei Basica Pur als Calciumlactat vor. Calciumlactat enthält übrigens keine Lactose. Das wird aufgrund der ähnlich klingenden Begriffe gelegentlich verwechselt.
Wenn mich jemand allein anhand der Rezeptur fragen würde, welches Basica ich als klassisches Basenpräparat bevorzugen würde, läge Basica Pur deshalb ziemlich weit vorne.
Basica Compact – Basica als Tablette
Basica Compact liefert die Mineralstoffe in Tablettenform. Die Tagesportion besteht aus sechs Tabletten, normalerweise drei morgens und drei abends. Enthalten sind unter anderem Calcium, Magnesium, Zink, Eisen, Kupfer, Chrom, Molybdän und Selen.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Es muss nichts angerührt werden und unterwegs genügt etwas Flüssigkeit zur Einnahme. Allerdings enthält Basica Compact eben nicht nur Calcium und Magnesium, sondern zusätzlich mehrere Spurenelemente. Wer bereits ein Multivitaminpräparat oder andere Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte deshalb einmal zusammenrechnen, welche Mengen insgesamt zusammenkommen.
Ich halte wenig von dem inzwischen verbreiteten Prinzip, möglichst viele Vitalstoffe gleichzeitig einzunehmen, nur weil sie technisch gemeinsam in eine Tablette passen. Bei einem tatsächlichen Mangel kann eine gezielte Gabe wesentlich sinnvoller sein.
Gerade Mineralstoffe werden gerne nach dem Motto „viel hilft viel“ eingenommen. Dabei lohnt es sich, ihre Aufgaben, Dosierungen und Wechselwirkungen genauer zu kennen. Wenn Sie solche Zusammenhänge interessieren, habe ich dafür einen eigenen kostenlosen Newsletter rund um Vitalstoffe und einige der Mittel eingerichtet, mit denen ich mich in meiner Praxis seit vielen Jahren beschäftige.
Sie erhalten dort unter anderem meine „5 Wundermittel“ – ein etwas provokanter Titel, zugegeben. Gemeint sind Stoffe, die ich persönlich für besonders interessant halte und über die ich regelmäßig neue Erkenntnisse veröffentliche.
Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand einer der beliebtesten Newsletter, die meine Patienten und Leser gerne anfordern.
Basica Direkt – bequem, aber mit sehr viel Magnesium
Basica Direkt wird direkt aus dem Stick auf die Zunge gegeben und kann ohne Wasser eingenommen werden. Das ist praktisch – gerade unterwegs. Bemerkenswert ist allerdings die Magnesiumdosis: Zwei Sticks liefern insgesamt 400 mg Magnesium und damit 107 Prozent des angegebenen Nährstoffbezugswertes.
Zusätzlich steht Sorbit an erster Stelle der Zutatenliste. Der Hersteller weist selbst darauf hin, dass das Produkt bei übermäßigem Verzehr beziehungsweise empfindlichen Personen abführend wirken kann. Das überrascht nicht: Höhere orale Magnesiumdosen können Wasser in den Darm ziehen und damit Durchfälle verursachen. Sorbit kann diesen Effekt bei empfindlichen Menschen zusätzlich begünstigen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln eine Tageshöchstmenge von 250 mg vorgeschlagen. Dabei geht es nicht um eine toxische Grenze, sondern hauptsächlich um die Vermeidung von Durchfällen. Therapeutisch können höhere Magnesiumdosen selbstverständlich sinnvoll sein – aber dann möchte ich eigentlich wissen, warum ich diese Menge gebe.
Wer sich näher für Magnesium interessiert, findet auf meiner Vitalstoffseite einen ausführlichen Grundsatzbeitrag über Magnesium, Magnesiummangel, Einnahme und Dosierung.
Basica Vital – das traditionelle Granulat
Basica Vital gehört zu den klassischen Produkten der Marke. Das Granulat wird morgens und abends in kalte oder warme Speisen eingerührt und kann laut Hersteller auch zum Kochen und Backen verwendet werden. Eine Tagesportion beträgt 32 Gramm.
Enthalten sind Calcium-, Magnesium-, Kalium- und Natriumverbindungen sowie Zink, Eisen, Kupfer, Chrom, Molybdän und Selen. Ein Punkt gehört allerdings deutlich auf den Tisch: An erster Stelle der Zutatenliste steht Lactose. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass Basica Vital für Menschen mit Lactoseintoleranz nicht geeignet ist.
Unser früherer Beitrag auf dieser Seite stellte Basica Vital noch sehr stark in den Mittelpunkt. Das würde ich heute nicht mehr tun. Innerhalb des eigenen Sortiments gibt es inzwischen Varianten, die aus meiner Sicht für viele Menschen klarer zusammengesetzt und einfacher einzuordnen sind.
Basica Instant – Basengetränk mit Zucker
Basica Instant wird als Getränkepulver angeboten und liefert zusätzlich Vitamin C und Vitamin B2. Geschmacklich ist das natürlich angenehmer als ein geschmacksneutrales Mineralstoffpulver. Die Zutatenliste beginnt allerdings mit Saccharose. Hinzu kommen unter anderem Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, Natriumhydrogencarbonat und Aroma.
Das macht Basica Instant nicht automatisch zu einem schlechten Produkt. Aber man sollte wissen, was man kauft. Wenn ich gezielt ein möglichst schlichtes Mineralstoff- beziehungsweise Basenpräparat suche, sehe ich keinen zwingenden Grund, dafür zusätzlich Zucker und Aroma einzunehmen.
Das ist übrigens ein Punkt, der mir bei Nahrungsergänzungsmitteln generell wichtig ist: Nicht nur die groß gedruckten Wirkstoffe auf der Vorderseite betrachten. Die eigentliche Wahrheit einer Rezeptur steht häufig klein gedruckt auf der Zutatenliste.
Basica Sport – ein völlig anderes Produkt
Basica Sport würde ich gedanklich von den übrigen Varianten trennen. Dabei handelt es sich um ein Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränk für sportliche Belastungen. Eine Portion von 30 Gramm enthält rund 25 Gramm Kohlenhydrate, davon etwa neun Gramm Zucker, sowie Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und verschiedene Mikronährstoffe.
Bei längerer sportlicher Belastung können Kohlenhydrate und Elektrolyte durchaus sinnvoll sein. Der Hersteller beschreibt das Produkt auch ausdrücklich als Getränk zur Unterstützung der Ausdauerleistung bei längerem Ausdauertraining sowie zur Regeneration nach sehr intensiver Belastung.
Wer dagegen lediglich ein Präparat zur Unterstützung des Säure-Basen-Stoffwechsels sucht und sich wenig bewegt, benötigt meines Erachtens kein Pulver, das gleichzeitig relevante Mengen Kohlenhydrate liefert. Basica Sport ist ein Sportprodukt – und sollte auch so betrachtet werden.
Was ist mit Basica Energie, Basica Haut und Basica Immun?
Diese Bezeichnungen tauchen weiterhin in Suchmaschinen und teilweise im Handel auf. Besonders nach „Basica Energie“ wird noch erstaunlich häufig gesucht. Im aktuellen deutschen Kernsortiment des Herstellers werden derzeit jedoch sechs andere Produkte geführt: Pur, Compact, Direkt, Vital, Instant und Sport.
Gerade bei älteren Produktbezeichnungen sollte man deshalb nicht ungeprüft irgendeine zehn Jahre alte Internetseite zur Zusammensetzung heranziehen. Rezepturen, Produkte und Vertrieb ändern sich. Entscheidend ist die aktuelle Zutaten- und Nährstoffdeklaration der Packung, die tatsächlich gekauft wird.
Wirkt Basica wirklich gegen Übersäuerung?
Hier wird es interessant – und hier wurde in der Vergangenheit leider von beiden Seiten reichlich vereinfacht.
Zunächst: Ein gesunder Mensch läuft normalerweise nicht mit einem krankhaft sauren Blut herum. Das verhindern mehrere Regulationssysteme des Körpers sehr zuverlässig. Der Blut-pH wird eng kontrolliert. Eine echte metabolische Azidose ist eine medizinische Stoffwechselstörung und nicht das, was im Alltag gewöhnlich mit „Ich bin übersäuert“ gemeint ist.
Das bedeutet aber keineswegs, dass Ernährung und Mineralstoffe für den Säure-Basen-Stoffwechsel bedeutungslos wären. Nahrung beeinflusst die Menge nichtflüchtiger Säuren beziehungsweise Basenäquivalente, die im Stoffwechsel anfallen und letztlich insbesondere über die Nieren verarbeitet werden müssen. Die Forschung spricht hier von der ernährungsbedingten Säurelast.
Genau diese Unterscheidung halte ich für wichtig. „Ernährungsbedingte Säurelast“ ist etwas anderes als eine gefährliche Azidose. Und Sodbrennen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelbeschwerden oder ein saurer Urin beweisen für sich allein ebenfalls keine systemische Übersäuerung.
Ich habe diese Kontroverse ausführlicher in meinem Beitrag „Übersäuerung des Körpers – was ist davon zu halten?“ beschrieben.
Was sagen Studien speziell zu Basica?
Zu Basica existieren tatsächlich klinische Untersuchungen. Das sollte man erwähnen – ebenso wie deren Grenzen.
In einer randomisierten doppelblinden Untersuchung mit 40 älteren gesunden Probanden wurde eine proteinreiche Ernährung mit beziehungsweise ohne Basica-Supplementierung untersucht. Unter der Mineralstoffsupplementierung stieg unter anderem die Bicarbonatkonzentration im Plasma, ohne dass sich der Blut-pH entsprechend verschob. Die Studie war klein, lief nur über einen begrenzten Zeitraum und wurde von Protina finanziert.
Eine weitere Untersuchung beschäftigte sich mit 80 übergewichtigen Erwachsenen; 68 Teilnehmer beendeten die Studie. Kombiniert wurden körperliches Training, teilweise intermittierendes Fasten und entweder Basica Direkt oder Placebo. In einzelnen Basica-Gruppen zeigten sich stärkere Veränderungen beim Körpergewicht beziehungsweise bei der Laufleistung. Auch diese Untersuchung wurde vom Hersteller finanziert.
Daraus würde ich keinesfalls die Schlagzeile „Basica macht schlank“ ableiten. Dafür liefen viel zu viele Interventionen gleichzeitig: Bewegung, Fasten und Ernährungsänderungen. Solche Studien sind interessant und können Hinweise für weitere Forschung liefern. Sie sind aber kein Freibrief für Werbeversprechen.
Entsäuern mit Basica – was bedeutet das überhaupt?
Der Begriff „Entsäuerung“ ist populär, wissenschaftlich aber unscharf. Man kann durch Ernährung und alkalisch wirkende Mineralstoffverbindungen unter anderem die renale Säureausscheidung, den Urin-pH und bestimmte Parameter des Bicarbonatstoffwechsels beeinflussen. Das ist etwas anderes als die Vorstellung, im Bindegewebe würden literweise Säuren lagern, die anschließend durch ein Pulver wie Kalk aus einem Wasserkocher herausgespült werden.
So funktioniert der menschliche Körper nicht.
Auch die pauschale Behauptung, Citratpräparate seien grundsätzlich jedem Carbonatpräparat überlegen, würde ich heute nicht mehr aufrechterhalten. Citrate besitzen interessante metabolische Eigenschaften. Daraus folgt aber keine automatische Überlegenheit für jeden Menschen und jeden Einsatzzweck.
Wer Basenmittel generell vergleichen möchte, findet von mir auch einen ausführlichen Beitrag zu Basenpulvern und Basentabletten. Außerdem habe ich beispielsweise das Altapharm Basenpulver von Rossmann und das Basen-Pulver PUR von dm separat betrachtet.
Die Ernährung ist wichtiger als das Pulver
Bei allen Diskussionen um Citrate, Carbonate und Mineralstoffmengen wird leicht übersehen, wo die eigentliche Stellschraube sitzt: bei der täglichen Ernährung. Gemüse, Kartoffeln, Salate, Kräuter und viele Obstsorten bringen Kalium, Magnesium und verschiedene organische Anionen mit. Eine Ernährung aus Weißmehlprodukten, Zucker, Fertiggerichten und wenig Gemüse anschließend mit einem Basenpulver „auszugleichen“, erinnert mich dagegen ein wenig daran, jeden Abend die Warnleuchte im Auto abzukleben, statt Öl nachzufüllen.
Wer wissen möchte, was Ernährung jenseits von Kalorien und Modediäten tatsächlich bewirken kann, für den habe ich einen eigenen kostenlosen Ernährungs-Newsletter eingerichtet. Dort geht es unter anderem um Lebensmittel, die auf den ersten Blick harmlos erscheinen, bei genauerem Hinsehen aber erheblichen Einfluss auf Stoffwechsel und Gesundheit haben können.
Wenn Sie sich für diese Zusammenhänge interessieren, können Sie meinen kostenlosen Ernährungs-Newsletter hier anfordern:
Kann man eine Übersäuerung am Urin-pH erkennen?
Auch beim Urin-pH wird häufig mehr hineininterpretiert, als tatsächlich gemessen wurde. Der Urin-pH kann sich durch Ernährung deutlich verändern. Das ist zunächst einmal völlig normal und zeigt unter anderem, dass die Niere Säuren und Basenäquivalente ausscheidet.
Ein saurer Morgenurin beweist deshalb noch keine krankhafte Übersäuerung des Körpers. Umgekehrt beweist ein alkalischer Urin nach Einnahme eines Basenpulvers auch nicht, dass nun sämtliche Gewebe erfolgreich „entsäuert“ wurden.
Urinmessungen können im Rahmen bestimmter Fragestellungen interessant sein. Man sollte lediglich wissen, was damit gemessen wird – und vor allem, was nicht.
Was ist mit Knochen und Osteoporose?
Eine häufig erzählte Geschichte lautet, eine „saure Ernährung“ zwinge den Organismus dazu, Calcium aus den Knochen zu holen und führe deshalb zwangsläufig zu Osteoporose. So einfach ist es nicht.
Systematische Übersichtsarbeiten konnten diese simple Säure-Knochen-Theorie nicht überzeugend bestätigen. Untersuchungen mit alkalischen Mineralstoffen oder Kaliumcitrat zeigen zwar zum Teil interessante Effekte auf Calciumausscheidung und einzelne Knochenparameter, die Ergebnisse sind aber nicht einheitlich.
Das bedeutet wiederum nicht, dass Mineralstoffe für den Knochen unwichtig wären. Natürlich sind Calcium und Magnesium relevant. Nur sollte aus dieser Tatsache nicht rückwärts eine komplette Krankheitslehre konstruiert werden.
Nachteile von Basica – was sollte man wissen?
Der Suchbegriff „Nachteile von Basica“ wird erstaunlich häufig eingegeben. Und tatsächlich gibt es einige Punkte, die man kennen sollte.
Der erste ist die teilweise recht umfangreiche Mineralstoffzufuhr. Wer mehrere Nahrungsergänzungsmittel kombiniert, kann Calcium, Magnesium, Zink, Eisen, Selen, Kupfer oder andere Spurenelemente schnell aus mehreren Quellen gleichzeitig zuführen. Gerade bei längerfristiger Einnahme halte ich es deshalb für sinnvoll, nicht jedes Produkt isoliert zu betrachten.
Bei Basica Direkt fällt insbesondere die hohe Magnesiumzufuhr von 400 mg täglich auf. Zusammen mit Sorbit kann dies bei empfindlichen Menschen zu Durchfall oder anderen Darmbeschwerden führen.
Basica Vital enthält Lactose. Basica Instant enthält Saccharose. Basica Sport liefert relevante Mengen Kohlenhydrate und Zucker. Einige Varianten enthalten zusätzlich Eisen und Kupfer, obwohl nicht jeder Mensch diese Spurenelemente ergänzen muss.
Das heißt nicht, dass Basica grundsätzlich gefährlich wäre. Es bedeutet lediglich: Auch ein Mineralstoffpräparat sollte man passend auswählen und nicht nach dem Motto einnehmen, Basen und Mineralien könnten grundsätzlich nie zu viel sein.
Basica und die Nieren
Besondere Vorsicht ist bei eingeschränkter Nierenfunktion angebracht. Die Niere reguliert unter anderem Magnesium, Kalium und den Säure-Basen-Haushalt. Bei stärker eingeschränkter Nierenleistung können Mineralstoffmengen, die für einen gesunden Menschen problemlos ausgeschieden werden, plötzlich relevant werden.
Das gilt insbesondere für Kalium und Magnesium. Auch verschiedene Medikamente können den Kaliumhaushalt verändern. Bei einer relevanten Nierenerkrankung würde ich deshalb kein Mineralstoff- oder Basenpräparat auf eigene Faust dauerhaft einsetzen.
Dass Elektrolyte sorgfältig betrachtet werden müssen, gilt übrigens auch beim längeren Fasten. Dazu habe ich im Beitrag „Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind“ unter anderem Kalium, Natrium und Calcium ausführlicher besprochen.
Wann sollte man Basica einnehmen?
Das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Basica Pur wird laut Hersteller morgens und abends eingenommen. Gleiches gilt für Basica Direkt und Basica Vital. Bei Basica Compact werden normalerweise drei Tabletten morgens und drei abends empfohlen. Die Einnahme der genannten Produkte kann überwiegend unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Für mich ist allerdings eine andere Frage wichtiger als die Diskussion, ob ein Pulver um 8.00 Uhr oder um 8.30 Uhr genommen werden sollte: Warum soll es überhaupt genommen werden?
Wer seine Ernährung verbessern möchte, sollte Basica nicht dazu benutzen, weiterhin überwiegend hochverarbeitete Lebensmittel, wenig Gemüse und wenig mineralstoffreiche Nahrung zu essen und anschließend ein Pulver als metabolischen Radiergummi hinterherzuschicken. So funktioniert Ernährung nicht.
Wie lange kann man Basica einnehmen?
Der Hersteller sieht bei mehreren Produkten auch eine längerfristige tägliche Einnahme vor. Ich würde trotzdem nicht automatisch jahrelang ein Mineralstoffgemisch einnehmen, ohne gelegentlich die Sinnfrage zu stellen.
Wenn jemand ein Basenpräparat wegen unspezifischer Beschwerden ausprobiert, halte ich es für vernünftiger, nach einigen Wochen Bilanz zu ziehen: Hat sich überhaupt etwas verändert? Wie sieht die Ernährung inzwischen aus? Werden parallel andere Mineralstoffe eingenommen? Gibt es Erkrankungen, Medikamente oder Laborwerte, die berücksichtigt werden müssen?
Ein Nahrungsergänzungsmittel sollte eine Aufgabe erfüllen. „Ich nehme das schon seit fünf Jahren, weil ich irgendwann damit angefangen habe“ ist keine besonders überzeugende Indikation.
Wie schnell wirkt Basica?
Mineralstoffe werden natürlich nicht erst nach Monaten aufgenommen. Veränderungen beispielsweise des Urin-pH oder bestimmter Bicarbonatparameter können wesentlich schneller auftreten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, Verdauungsprobleme oder andere unspezifische Beschwerden innerhalb einer bestimmten Frist verschwinden müssten.
Wer nach drei Tagen einen höheren Urin-pH misst, hat zunächst einmal einen höheren Urin-pH gemessen. Nicht mehr und nicht weniger.
Welches Basica ist das beste?
Wenn ausschließlich ein möglichst schlicht zusammengesetztes Basenpräparat gesucht wird, gefällt mir innerhalb der Basica-Reihe Basica Pur am besten. Es enthält weder Zucker noch Süßungsmittel oder Aromen und verzichtet auf den Versuch, gleichzeitig noch ein Lifestyle- oder Vitaminprodukt zu sein.
Wer Tabletten bevorzugt, findet mit Basica Compact eine praktische Alternative. Basica Direkt hat seinen Vorteil eindeutig in der bequemen Einnahme ohne Wasser, enthält aber mit 400 mg relativ viel Magnesium und zusätzlich Sorbit. Basica Vital lässt sich gut in Lebensmittel einrühren, enthält allerdings Lactose. Basica Instant ist geschmacklich komfortabler, bringt aber Zucker und Aroma mit. Basica Sport wiederum ist für mich keine Alternative zu diesen Präparaten, sondern ein eigenständiges Sportgetränk.
Das „beste“ Basica gibt es deshalb nicht. Es gibt nur das Produkt, dessen Zusammensetzung zum jeweiligen Zweck und zum jeweiligen Menschen passt.
Ist Basica gut zum Abnehmen?
Basica ist kein Abnehmpräparat. Dass eine kleine Studie bei einer Kombination aus Training, intermittierendem Fasten und Basica interessante Resultate gezeigt hat, macht daraus noch keinen Fettverbrenner.
Wer Gewicht verlieren möchte, wird wesentlich mehr davon haben, Ernährung, Bewegung, Schlaf, Insulinstoffwechsel und gegebenenfalls Fasten sinnvoll zu strukturieren. Ein Basenpräparat kann allenfalls ein Begleiter innerhalb eines solchen Gesamtkonzeptes sein.
Gerade das Fasten zeigt sehr schön, warum einzelne Stoffwechselparameter nie isoliert betrachtet werden sollten. Während des Fastens verändert sich die Energiegewinnung grundlegend, Fettsäuren und Ketonkörper gewinnen an Bedeutung und auch Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt verändern sich. Genau deshalb sollte eine vernünftige Fastenkur mehr sein als einfach einige Tage nichts zu essen.
Wenn Sie erfahren möchten, wie ich Heilfasten seit vielen Jahren in meiner Praxis einsetze, worauf ich dabei achte und welche Fehler ich immer wieder sehe, können Sie dazu meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter anfordern:
Hilft Basica Compact bei Lipödem?
Diese Frage wird überraschend häufig gesucht. Mir sind jedoch keine überzeugenden klinischen Daten bekannt, nach denen Basica Compact ein Lipödem behandelt oder dessen Verlauf gezielt beeinflusst. Basica Compact ist ein Mineralstoffpräparat und kein Lipödem-Medikament.
Das schließt nicht aus, dass Ernährung, Gewicht, Bewegung, Entzündungsprozesse und Mineralstoffversorgung bei einzelnen Betroffenen eine Rolle für das allgemeine Befinden spielen können. Daraus darf aber keine spezifische Wirkung von Basica gegen das Lipödem konstruiert werden.
Basica oder Natron?
Auch diese Frage wird häufig gestellt. Basica und Natron sind allerdings nicht dasselbe. Natron ist Natriumhydrogencarbonat und damit eine einzelne chemische Verbindung. Die Basica-Produkte enthalten dagegen Mischungen verschiedener Mineralstoffe und Spurenelemente; manche Varianten enthalten überhaupt kein Natriumhydrogencarbonat.
Natron hat wiederum eigene physiologische Wirkungen, Einsatzgebiete und Nachteile. Insbesondere die Natriumzufuhr sollte nicht ignoriert werden. Mehr dazu lesen Sie in meinem ausführlichen Beitrag „Natron: Was passiert, wenn man täglich Natron nimmt?“.
Meine Bewertung von Basica
Basica ist für mich weder Wundermittel noch Unsinn. Das Unternehmen verfügt über eine lange Erfahrung mit Mineralstoffpräparaten und bietet inzwischen mehrere deutlich unterschiedliche Rezepturen an. Das sollte man anerkennen. Ebenso sollte man anerkennen, dass der Säure-Basen-Stoffwechsel real ist und Ernährung die renale Säurelast beeinflusst.
Was ich nicht mittragen würde, ist die Vorstellung, nahezu jedes unspezifische Symptom sei Folge einer Übersäuerung und lasse sich durch ein Basenpulver beseitigen. Ebenso wenig überzeugt mich das andere Extrem, wonach der Blut-pH streng reguliert werde und damit jede Diskussion über ernährungsbedingte Säurelast automatisch Unsinn sei. Der Körper hält seinen Blut-pH gerade deshalb konstant, weil er permanent reguliert, puffert und ausscheidet.
Wer Basica verwenden möchte, sollte deshalb zunächst wissen, was er erreichen will. Für eine möglichst einfache Basenmischung würde ich innerhalb der Produktfamilie eher zu einer klaren Rezeptur wie Basica Pur greifen. Wer lediglich gelegentlich zu wenig Gemüse isst, sollte dagegen nicht versuchen, diese Lücke dauerhaft mit Pulver zu kaschieren.
Und wer wirklich wissen möchte, wie es um seinen Mineralstoffhaushalt oder bestimmte Stoffwechselprobleme bestellt ist, sollte dort messen und untersuchen, wo es sinnvoll ist – statt aus einem einzelnen Urin-pH-Wert weitreichende Diagnosen abzuleiten.
Das ist weniger spektakulär als die Behauptung, man müsse seinen Körper nur einmal gründlich „entsäuern“. Dafür ist es näher an der Physiologie.
Quellen und weiterführende Informationen