Schwarzer Stuhlgang erschreckt. Und das ist zunächst durchaus verständlich, denn eine pechschwarze Verfärbung kann auf Blut im Verdauungstrakt hinweisen. Sie kann allerdings auch ganz harmlose Ursachen haben: Eisenpräparate, Aktivkohle, bestimmte Arzneimittel oder stark färbende Lebensmittel verändern die Stuhlfarbe teilweise erheblich.
Entscheidend ist daher nicht allein die Farbe. Konsistenz, Geruch, Begleitsymptome, Medikamente und der zeitliche Verlauf liefern wichtige Hinweise. Ein tiefschwarzer, glänzender, klebriger und auffällig übelriechender Stuhl kann sogenannter Teerstuhl sein. In diesem Fall sollte niemand erst einmal einige Tage abwarten oder mit Hausmitteln experimentieren.
Grundsätzlich gilt: Ein unerklärlich schwarzer Stuhlgang gehört abgeklärt. Ein möglicher Teerstuhl ist ein dringendes Warnzeichen.
Mehr zu Farbe, Form, Konsistenz und Häufigkeit erfahren Sie in meinem ausführlichen Beitrag über den normalen und veränderten Stuhlgang.
Das Wichtigste vorweg:
Rufen Sie den Rettungsdienst unter 112, wenn schwarzer oder teerartiger Stuhl zusammen mit Schwindel, Ohnmacht, kaltem Schweiß, Herzrasen, Atemnot, starker Schwäche, auffälliger Blässe, heftigen Bauchschmerzen oder Erbrechen von Blut auftritt.
Auch sogenanntes Kaffeesatzerbrechen – dunkelbraunes bis schwarzes, körnig aussehendes Erbrochenes – kann auf eine Blutung im oberen Verdauungstrakt hinweisen.
Bei schwarzem, klebrigem und übelriechendem Stuhl ohne akute Kreislaufbeschwerden sollte noch am selben Tag eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Was bedeutet schwarzer Stuhlgang?
Gesunder Stuhl ist normalerweise braun. Die Farbe entsteht unter anderem durch den Abbau von Gallenfarbstoffen während der Verdauung. Abweichungen von Hellbraun über Grün bis Dunkelbraun sind häufig und müssen keinen Krankheitswert haben.
Ein wirklich schwarzer Stuhl fällt dagegen deutlich auf. Medizinisch muss zwischen zwei Situationen unterschieden werden:
- Der Stuhl wurde durch Lebensmittel, Eisen, Aktivkohle oder andere Substanzen dunkel gefärbt.
- Der Stuhl enthält verdautes Blut und ist zum sogenannten Teerstuhl geworden.
Teerstuhl wird medizinisch als Meläna bezeichnet. Er entsteht meist, wenn Blut aus der Speiseröhre, dem Magen oder dem Zwölffingerdarm mit Verdauungssäften in Kontakt kommt. Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin wird dabei chemisch verändert und dunkel gefärbt.
Seltener kann auch eine Blutungsquelle im Dünndarm oder im rechten Teil des Dickdarms zu schwarzem Stuhl führen. Das ist vor allem dann möglich, wenn das Blut längere Zeit im Verdauungstrakt verbleibt.
Wie sieht Teerstuhl aus?
Teerstuhl ist meist nicht lediglich dunkelbraun. Typisch sind mehrere der folgenden Merkmale:
- tiefschwarze bis pechschwarze Farbe
- glänzende Oberfläche
- klebrige oder schmierige Konsistenz
- teer- oder lackartiges Aussehen
- ungewöhnlich strenger, fauliger Geruch
- schwer von der Toilettenschüssel zu entfernen
Das Aussehen liefert einen wichtigen Verdacht, kann eine Blutung aber weder sicher beweisen noch ausschließen. Eisenpräparate können beispielsweise ebenfalls sehr dunklen Stuhl verursachen. Umgekehrt kann eine Blutung zeitweise nur geringe oder unscheinbare Veränderungen hervorrufen.
| Merkmal | Eher harmlose Verfärbung | Möglicher Teerstuhl |
|---|---|---|
| Farbe | Dunkelbraun, grünlich-schwarz oder gleichmäßig schwarz | Tiefschwarz bis pechschwarz |
| Konsistenz | Meist wie gewohnt | Oft klebrig, schmierig oder teerartig |
| Oberfläche | Unauffällig | Häufig glänzend |
| Geruch | Gewohnt oder nur leicht verändert | Oft auffällig streng und unangenehm |
| Begleitsymptome | Meist keine | Möglich sind Schwäche, Schwindel, Blässe, Bauchschmerzen oder Übelkeit |
| Typische Vorgeschichte | Eisen, Aktivkohle oder stark färbende Lebensmittel | Magengeschwür, Gastritis, Gerinnungshemmer oder Schmerzmittel |
Wichtig: Auch eine relevante Blutung kann zunächst ohne Schmerzen oder andere auffällige Beschwerden verlaufen. Wer sich gut fühlt, kann eine Blutung deshalb nicht allein aufgrund seines Befindens ausschließen.
Harmloser schwarzer Stuhlgang durch Lebensmittel
Einige Lebensmittel können den Stuhl dunkelbraun bis schwarz erscheinen lassen. Dazu gehören vor allem größere Mengen von:
- Heidelbeeren
- schwarzer Lakritze
- Blutwurst
- dunklen Beeren und Beerensäften
- sehr dunklen Lebensmittelfarbstoffen
Auch Rote Bete kann die Stuhlfarbe verändern, führt allerdings eher zu einer dunkelroten oder rötlich-violetten Färbung. Diese wird gelegentlich mit Blut verwechselt.
Eine lebensmittelbedingte Verfärbung verschwindet normalerweise wieder, sobald die betreffenden Lebensmittel den Verdauungstrakt verlassen haben. Der Stuhl behält meist seine gewöhnliche Form und Konsistenz.
Wer allerdings keine plausible Erklärung findet oder einen klebrigen, teerartigen Stuhl bemerkt, sollte sich nicht mit der Vermutung beruhigen, es werde wohl am Essen liegen.
Schwarzer Stuhlgang durch Eisenpräparate
Eisentabletten, Eisenkapseln und eisenhaltige Säfte können den Stuhl dunkelgrün bis schwarz färben. Das ist eine bekannte Begleiterscheinung und zunächst kein Hinweis darauf, dass das Eisen eine Blutung ausgelöst hat.
Problematisch wird die Sache, wenn der Stuhl zusätzlich klebrig, glänzend oder ungewöhnlich übelriechend ist oder wenn Beschwerden wie Schwindel, Schwäche, Bauchschmerzen oder Übelkeit hinzukommen. Auch unter einer Eisentherapie kann schließlich eine Blutung auftreten.
Ein verordnetes Eisenpräparat sollte nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Bestehen Zweifel, muss geklärt werden, ob lediglich das Präparat die Farbe verändert oder tatsächlich Blut im Stuhl vorhanden ist.
Nach einem größeren Blutverlust werden Eisenwerte häufig kontrolliert. Dabei sollte man sich nicht allein auf das Serumeisen verlassen. Aussagekräftiger sind je nach Situation unter anderem Blutbild, Hämoglobin, Ferritin und Transferrinsättigung.
Aktivkohle und andere Arzneimittel
Aktivkohle ist schwarz und wird vom Körper kaum aufgenommen. Sie verlässt den Darm daher weitgehend unverändert und färbt den Stuhl entsprechend dunkel. Nach dem Ende der Einnahme normalisiert sich die Farbe normalerweise wieder.
Auch bismuthaltige Arzneimittel können Zunge und Stuhl schwarz färben. Solche Präparate sind in Deutschland weniger verbreitet, werden aber unter anderem bei Magenbeschwerden oder im Rahmen bestimmter Behandlungen gegen Helicobacter pylori eingesetzt.
Wer Aktivkohle oder ein bismuthaltiges Präparat eingenommen hat, besitzt somit eine plausible Erklärung. Treten gleichzeitig Warnzeichen auf, darf man sich dennoch nicht allein darauf verlassen.
Wann schwarzer Stuhl durch Blut entsteht
Bei echtem Teerstuhl befindet sich verdautes Blut im Stuhl. Die Blutungsquelle liegt häufig im oberen Verdauungstrakt. Zu diesem Bereich gehören:
- Speiseröhre
- Magen
- Zwölffingerdarm
Im Gegensatz dazu zeigt sich Blut aus dem Enddarm oder After häufig hellrot. Typische Ursachen dafür sind Hämorrhoiden oder eine Analfissur. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in meinem Beitrag Blut im Stuhl: Ursachen und Warnzeichen.
Magengeschwür und Zwölffingerdarmgeschwür
Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm gehören zu den wichtigsten Ursachen einer Blutung im oberen Verdauungstrakt. Ein Geschwür kann kleinere Gefäße, gelegentlich aber auch ein größeres Blutgefäß in der Magen- oder Darmwand verletzen.
Die Blutung kann schleichend verlaufen und zunächst lediglich Müdigkeit, Leistungsabfall oder eine Blutarmut verursachen. Sie kann ebenso plötzlich stärker werden und zu Teerstuhl, Bluterbrechen oder einem Kreislaufzusammenbruch führen.
Zu den häufigsten Auslösern von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren gehören:
- eine Infektion mit Helicobacter pylori
- die regelmäßige Einnahme bestimmter Schmerzmittel
- Acetylsalicylsäure beziehungsweise ASS
- eine Kombination mehrerer schleimhaut- oder gerinnungswirksamer Medikamente
Mehr zu den Ursachen und begleitenden naturheilkundlichen Möglichkeiten lesen Sie in meinem Beitrag über das Magengeschwür.
Gastritis: Entzündete Magenschleimhaut
Auch eine ausgeprägte Magenschleimhautentzündung beziehungsweise Gastritis kann bluten. Die Schleimhaut ist dabei gereizt, entzündet oder oberflächlich verletzt.
Mögliche Beschwerden sind:
- Brennen oder Schmerzen im Oberbauch
- Übelkeit
- Völlegefühl
- Appetitlosigkeit
- Aufstoßen
- Erbrechen
Allerdings kann eine Gastritis auch relativ unscheinbar verlaufen. Das Fehlen von Magenschmerzen beweist daher nicht, dass im Magen alles in Ordnung ist.
Blutungen aus der Speiseröhre
Eine Blutung kann ebenso in der Speiseröhre entstehen. Mögliche Ursachen sind:
- eine schwere Entzündung der Speiseröhre
- Geschwüre der Speiseröhre
- Verletzungen nach starkem oder wiederholtem Erbrechen
- Krampfadern der Speiseröhre, sogenannte Ösophagusvarizen
- Tumoren der Speiseröhre
Ein Schleimhauteinriss am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen wird als Mallory-Weiss-Läsion bezeichnet. Er kann nach heftigem Würgen oder Erbrechen entstehen.
Ösophagusvarizen treten vor allem bei einem erhöhten Druck in der Pfortader auf, häufig im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Lebererkrankung. Reißt eine solche erweiterte Vene, kann die Blutung sehr stark werden. Bluterbrechen oder Teerstuhl bei bekannter Leberzirrhose sind daher ein akuter Notfall.
Weitere mögliche Ursachen
Weitere, teilweise seltenere Ursachen eines schwarzen oder teerartigen Stuhls sind:
- Gefäßveränderungen im Magen-Darm-Trakt
- Tumoren des Magens oder Dünndarms
- Blutungen aus dem Dünndarm
- Blutungen aus dem rechten Dickdarm
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen
- verschlucktes Blut, beispielsweise nach stärkerem Nasenbluten
Bei Darmentzündungen, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist das Blut häufiger rot oder dunkelrot. Je nach Blutungsstelle und Darmpassage sind jedoch auch dunklere Stühle möglich.
Ist schwarzer Stuhl ein Zeichen für Darmkrebs?
Schwarzer Stuhl kann in seltenen Fällen mit einer Tumorerkrankung des Verdauungstrakts zusammenhängen. Bei Darmkrebs sind kleinere, mit bloßem Auge nicht erkennbare Blutverluste allerdings häufiger als ein ausgeprägter Teerstuhl.
Unsichtbares Blut wird als okkultes Blut bezeichnet. Es kann mit einem immunologischen Stuhltest nachgewiesen werden. Ein solcher Test dient vor allem der Früherkennung und ersetzt bei sichtbarem schwarzen oder teerartigem Stuhl keine ärztliche Untersuchung.
Mehr dazu lesen Sie in meinen Beiträgen über den Darmkrebstest und über Darmpolypen.
Schmerzmittel als unterschätzte Ursache
Ein besonderes Augenmerk verdient die Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Dazu gehören unter anderem:
- Ibuprofen
- Diclofenac
- Naproxen
- Acetylsalicylsäure beziehungsweise ASS
Diese Mittel sind alltäglich geworden. Genau darin liegt das Problem. Was ohne Rezept in der Apotheke erhältlich ist, gilt vielen Menschen automatisch als harmlos. Die Magenschleimhaut hat dazu eine andere Meinung.
NSAR hemmen Botenstoffe, die an Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind. Gleichzeitig schwächen sie jedoch Schutzmechanismen der Magen- und Darmschleimhaut. Das Risiko für Schleimhautschäden, Geschwüre und Blutungen steigt insbesondere bei:
- regelmäßiger oder hoch dosierter Einnahme
- höherem Lebensalter
- früheren Magengeschwüren oder Blutungen
- gleichzeitiger Einnahme von Cortison
- gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
- einer Infektion mit Helicobacter pylori
Wer bei schwarzem Stuhl wiederholt Schmerzmittel einnimmt, sollte dies bei der ärztlichen Abklärung unbedingt angeben. Weitere Tabletten aus dieser Wirkstoffgruppe sollten bei einem Blutungsverdacht nicht auf eigene Faust eingenommen werden.
Blutverdünner und schwarzer Stuhlgang
Gerinnungshemmende Medikamente verursachen nicht zwangsläufig ein Geschwür. Sie können eine vorhandene Blutungsquelle jedoch stärker oder länger bluten lassen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Phenprocoumon
- Apixaban
- Rivaroxaban
- Edoxaban
- Dabigatran
- Heparin
- ASS
- Clopidogrel
- Prasugrel
- Ticagrelor
Besonders relevant sind Kombinationen aus mehreren gerinnungshemmenden Wirkstoffen.
Wichtig: Verordnete Gerinnungshemmer dürfen bei schwarzem Stuhl nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Ein unkontrolliertes Absetzen kann das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt, Thrombose oder eine Embolie erhöhen.
Bei Verdacht auf eine akute Blutung muss ein Arzt entscheiden, ob und wie lange die Behandlung unterbrochen, verändert oder gegebenenfalls antagonisiert wird.
Welche Warnzeichen sprechen für eine stärkere Blutung?
Je mehr Blut verloren geht, desto deutlicher können sich Kreislauf- und Sauerstoffmangelzeichen bemerkbar machen. Achten Sie besonders auf:
- Schwindel beim Aufstehen
- Benommenheit
- Ohnmacht
- ungewöhnliche Schwäche
- auffällige Blässe
- kalten Schweiß
- Herzrasen
- schnelle oder erschwerte Atmung
- Verwirrtheit
- starken Durst
- Blut- oder Kaffeesatzerbrechen
Bei diesen Zeichen sollte der Betroffene nicht selbst mit dem Auto fahren. Rufen Sie den Rettungsdienst.
Eine langsamere Blutung kann sich dagegen durch zunehmende Müdigkeit, nachlassende Belastbarkeit, Konzentrationsprobleme, Kurzatmigkeit bei Anstrengung oder Kopfschmerzen bemerkbar machen.
Schwarzer Stuhlgang: Was sollte ich jetzt tun?
Gehen Sie Schritt für Schritt vor:
1. Prüfen Sie Lebensmittel und Präparate
Überlegen Sie, was Sie in den vergangenen ein bis zwei Tagen gegessen oder eingenommen haben. Besonders wichtig sind:
- Eisenpräparate
- Aktivkohle
- bismuthaltige Arzneimittel
- Blutwurst
- schwarze Lakritze
- größere Mengen dunkler Beeren
2. Beurteilen Sie die Beschaffenheit
Ist der Stuhl lediglich dunkel oder tatsächlich pechschwarz, glänzend, klebrig und teerartig? Eine normale Konsistenz spricht eher für eine Verfärbung, bietet aber keine absolute Sicherheit.
3. Achten Sie auf Begleitsymptome
Schwindel, Schwäche, Blässe, Herzrasen, Atemnot, Bauchschmerzen und Erbrechen erhöhen die Dringlichkeit.
4. Prüfen Sie Ihre Medikamente
Notieren Sie sämtliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungen. Denken Sie besonders an Schmerzmittel, ASS, Gerinnungshemmer und Cortison. Nehmen Sie die Liste oder die Packungen zur Untersuchung mit.
5. Dokumentieren Sie die Veränderung
Ein Foto des Stuhls kann für den behandelnden Arzt hilfreich sein. Notieren Sie außerdem Zeitpunkt, Häufigkeit und mögliche Beschwerden. Das ist unangenehm, aber wesentlich nützlicher als die spätere Beschreibung, der Stuhl sei „irgendwie sehr dunkel“ gewesen.
6. Lassen Sie einen möglichen Teerstuhl zügig abklären
Ein unerklärlich schwarzer, teerartiger Stuhl sollte noch am selben Tag beurteilt werden. Bei Kreislaufzeichen, starken Schmerzen oder Bluterbrechen gilt: 112.
Was Sie bei möglichem Teerstuhl nicht tun sollten
Bei Verdacht auf eine Blutung sind folgende Selbstversuche keine gute Idee:
- kein Heilfasten beginnen oder fortsetzen
- keine Darmreinigung durchführen
- keinen Einlauf anwenden
- keine zusätzlichen Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder ASS einnehmen
- keine Aktivkohle zur „Entgiftung“ einnehmen
- die Verfärbung nicht mit Heilerde überdecken
- keine verordneten Gerinnungshemmer eigenmächtig absetzen
- nicht mehrere Tage auf eine spontane Besserung warten
Aktivkohle würde den Stuhl zusätzlich schwarz färben und die weitere Beobachtung erschweren. Heilerde kann Arzneimittel binden und deren Aufnahme verändern. Beides ist in einer unklaren Akutsituation eher Sand im diagnostischen Getriebe als eine Lösung.
Wie wird schwarzer Stuhl medizinisch untersucht?
Am Anfang stehen Fragen nach Aussehen und Dauer des Stuhls, Begleitsymptomen, Vorerkrankungen und Medikamenten. Anschließend werden Kreislauf, Puls, Blutdruck und Allgemeinzustand beurteilt.
Je nach Situation folgen Blutuntersuchungen. Dazu können gehören:
- Blutbild und Hämoglobin
- Gerinnungswerte
- Nierenwerte
- Leberwerte
- Blutgruppe und gegebenenfalls Kreuzblut
- Entzündungswerte
- Eisenstatus bei längerem Blutverlust
Bei Verdacht auf eine Blutung aus Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm ist die Magenspiegelung meist die entscheidende Untersuchung. Sie dient nicht nur der Diagnose. Viele Blutungsquellen können während der Spiegelung direkt behandelt werden, beispielsweise durch:
- Metallclips
- Unterspritzung
- thermische Blutstillung
- spezielle Blutstillungspulver
- Gummibandligatur bei Krampfadern der Speiseröhre
Wird im oberen Verdauungstrakt keine Ursache gefunden, können je nach Befund eine Darmspiegelung, Kapselendoskopie, Computertomografie oder Gefäßdarstellung folgen.
Ein einfacher Stuhltest auf verborgenes Blut reicht bei einem sichtbaren möglichen Teerstuhl nicht aus. Hier geht es nicht um eine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung, sondern um die Suche nach einer konkreten Blutungsquelle.
Wie wird Teerstuhl behandelt?
Teerstuhl selbst ist keine eigenständige Krankheit. Behandelt wird die Blutungsquelle und deren Ursache.
Je nach Befund kommen infrage:
- endoskopische Blutstillung
- säurehemmende Medikamente
- Behandlung einer Helicobacter-pylori-Infektion
- Anpassung schleimhautschädigender Medikamente
- Behandlung von Speiseröhren- oder Magenvarizen
- Ausgleich von Flüssigkeits- und Blutverlusten
- kontrollierte Anpassung der Gerinnungshemmung
- radiologische oder operative Verfahren bei nicht beherrschbarer Blutung
Nach erfolgreicher Blutstillung ist die Arbeit noch nicht beendet. Die Ursache muss beseitigt oder zumindest so weit behandelt werden, dass die Blutung nicht kurze Zeit später erneut auftritt.
Naturheilkunde bei schwarzem Stuhlgang: Was ist sinnvoll?
Bei einem möglichen Teerstuhl besteht die wichtigste naturheilkundliche Maßnahme zunächst in einer vernünftigen Entscheidung: Die Blutungsquelle wird geklärt, bevor man versucht, den Magen mit Hausmitteln zu beruhigen.
Eine akute Blutung lässt sich weder mit Kamillentee noch mit Heilerde, Leinsamen, Homöopathie oder einer Fastenkur zuverlässig behandeln. In dieser Situation kann eine Magenspiegelung Leben retten, weil sie Diagnose und Blutstillung miteinander verbindet.
Nach der medizinischen Abklärung sieht die Sache anders aus. Dann können naturheilkundliche Maßnahmen die Schleimhautregeneration, Verträglichkeit der Ernährung und allgemeine Erholung unterstützen. Die Auswahl richtet sich allerdings nach der Ursache.
1. Helicobacter pylori abklären
Bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sollte geprüft werden, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt. Geeignete Untersuchungen sind unter anderem Atemtest, Stuhlantigentest oder eine Gewebeprobe während der Magenspiegelung.
Eine nachgewiesene Infektion sollte zuverlässig behandelt und der Behandlungserfolg später kontrolliert werden. Pflanzliche Mittel können eine solche Therapie gegebenenfalls begleiten, ersetzen aber keinen sicheren Eradikationsnachweis.
2. Schleimhautschädigende Medikamente prüfen
Viele Patienten benötigen Schmerzmittel oder Gerinnungshemmer aus guten Gründen. Trotzdem sollte nach einer Blutung geklärt werden:
- Ist das Medikament weiterhin notwendig?
- Ist die Dosis noch angemessen?
- Gibt es eine magenverträglichere Alternative?
- Ist ein Magenschutz erforderlich?
- Werden mehrere problematische Mittel kombiniert?
Diese Fragen gehören mit dem behandelnden Arzt besprochen. Das eigenmächtige Absetzen ist ebenso unklug wie das gedankenlose Weiternehmen.
3. Magenverträgliche Ernährung
Nach einer abgeklärten und behandelten Blutung vertragen viele Patienten vorübergehend kleinere, einfache Mahlzeiten besser als große und schwere Portionen.
Bewährt haben sich je nach persönlicher Verträglichkeit:
- gekochte Kartoffeln
- Reis
- Haferbrei
- gedünstetes Gemüse
- milde Suppen
- reife Banane
- gedünsteter Apfel
- leicht verdauliche Eiweißquellen
Eine starre „Magendiät“ braucht es selten. Kaffee, scharfe Gewürze, Rohkost, Zitrusfrüchte oder Tomaten müssen nicht lebenslang verboten werden. Entscheidend ist die individuelle Reaktion.
Alkohol und Nikotin belasten die Schleimhautregeneration und sollten zumindest während der Heilungsphase konsequent gemieden werden.
Eine ausführlichere Anleitung finden Sie in meinem Beitrag zur Schonkost bei Magen- und Darmbeschwerden.
4. Leinsamenschleim
Leinsamen bilden in Verbindung mit Wasser Schleimstoffe. Diese können sich beruhigend auf gereizte Schleimhäute legen und werden traditionell bei leichten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.
Für einen einfachen Leinsamenschleim kann ungeschroteter Leinsamen in Wasser eingeweicht werden. Nach ausreichender Quellzeit wird die schleimige Flüssigkeit langsam getrunken. Manche Patienten vertragen den Leinsamen selbst gut, andere verwenden zunächst nur den abgeseihten Schleim.
Zu Medikamenten sollte vorsichtshalber ein zeitlicher Abstand eingehalten werden, da Schleimstoffe deren Aufnahme verzögern können.
Bei Schluckstörungen, einer bekannten Darmverengung oder einem Verdacht auf Darmverschluss ist Leinsamen ungeeignet. Außerdem muss ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung stehen.
5. Eibischwurzel
Auch die Eibischwurzel enthält Schleimstoffe. Sie wird traditionell als Kaltauszug verwendet, da sich die Schleimstoffe in kaltem oder lauwarmem Wasser gut lösen.
Ein solcher Auszug kann bei leichten, bereits abgeklärten Reizungen von Speiseröhre und Magen angenehm sein. Zu Arzneimitteln sollte ebenfalls Abstand gehalten werden.
Eibisch ist eine begleitende Maßnahme. Ein blutendes Geschwür lässt sich damit selbstverständlich nicht abdichten.
6. Kamille
Kamillentee wird traditionell bei leichten krampfartigen und entzündlichen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich verwendet. Er kann in kleinen Schlucken getrunken werden, sofern er vertragen wird.
Hoch konzentrierte Kamillenpräparate oder lange Rollkuren sind nicht automatisch besser. Bei empfindlichen Patienten kann bereits ein milder Tee ausreichen.
7. Heilerde mit Abstand zu Medikamenten
Heilerde kann Säuren und verschiedene Substanzen binden. Bei abgeklärten Magenbeschwerden empfinden manche Patienten sie als hilfreich.
Der Haken: Heilerde unterscheidet nicht zuverlässig zwischen unerwünschten Stoffen und notwendigen Arzneimitteln. Deshalb muss zu Medikamenten ein ausreichender zeitlicher Abstand eingehalten werden.
Weitere Hinweise finden Sie in meinem Beitrag über Heilerde bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung.
Bei einem noch ungeklärten schwarzen Stuhl gehört Heilerde dagegen zurück in den Schrank. Sie kann weder eine Blutung ausschließen noch deren Ursache behandeln.
8. Eisenmangel nach Blutverlust gezielt behandeln
Nach einer längeren oder stärkeren Blutung kann ein Eisenmangel zurückbleiben. Dieser sollte anhand geeigneter Blutwerte festgestellt und gezielt behandelt werden.
Die Einnahme hoher Eisendosen auf Verdacht ist nicht sinnvoll. Eisen kann die Verdauung belasten, Verstopfung auslösen und den Stuhl schwarz färben. Dadurch wird die weitere Beobachtung zusätzlich erschwert.
Dosierung, Präparat und Dauer sollten sich nach Blutbild, Eisenspeicher, Verträglichkeit und Ursache des Blutverlusts richten. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass die Blutungsquelle tatsächlich behandelt wurde.
9. Fasten erst nach vollständiger Stabilisierung
Während einer akuten oder noch ungeklärten Magen-Darm-Blutung ist Heilfasten nicht angezeigt. Der Körper benötigt Kreislaufstabilität, Eiweiß, Mikronährstoffe und gegebenenfalls Eisen für die Regeneration.
Auch kurz nach einer stärkeren Blutung ist Zurückhaltung geboten. Eine Fastenkur kommt frühestens infrage, wenn:
- die Blutungsquelle behandelt wurde
- keine erneuten Blutungszeichen bestehen
- der Kreislauf stabil ist
- das Blutbild kontrolliert wurde
- kein ausgeprägter Eisenmangel vorliegt
- der behandelnde Arzt keine Einwände hat
Fasten kann bei bestimmten chronischen Stoffwechsel- und Verdauungsproblemen wertvoll sein. Es ist allerdings kein Verfahren zur Behandlung einer akuten Blutung.
Kann Stress schwarzen Stuhl verursachen?
Stress allein färbt den Stuhl nicht pechschwarz. Dauerhafter Stress kann jedoch Magenbeschwerden verstärken, Essgewohnheiten verändern und bei empfindlichen Menschen die Schleimhaut belasten.
Ein schwarzer, teerartiger Stuhl darf daher nicht mit dem Hinweis auf eine „stressige Phase“ abgetan werden. Stress erklärt vieles. Verdautes Blut erklärt er nicht.
Verursacht Heilfasten schwarzen Stuhl?
Während des Fastens verändert sich der Stuhlgang. Er wird seltener, kann dunkler erscheinen und nach Abführmaßnahmen eine andere Konsistenz zeigen. Auch zuvor eingenommene Eisenpräparate oder Aktivkohle können noch sichtbar sein.
Ein pechschwarzer, klebriger, glänzender und übelriechender Stuhl ist jedoch keine normale Fastenreaktion. In diesem Fall muss eine Blutung ausgeschlossen werden.
Wer während des Fastens Schwindel oder Schwäche verspürt, führt dies leicht auf die geringe Nahrungsaufnahme zurück. Zusammen mit schwarzem Stuhl kann dahinter jedoch ein Blutverlust stecken. Die Fastenkur sollte dann beendet und die Situation medizinisch abgeklärt werden.
Schwarzer Stuhlgang in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sind Eisenpräparate eine häufige Ursache für dunklen oder schwarzen Stuhl. Das ist meist harmlos.
Ein teerartiger, klebriger Stuhl, Kreislaufbeschwerden, Bauchschmerzen oder Bluterbrechen müssen dennoch abgeklärt werden. Schwangere sollten ein verordnetes Eisenpräparat nicht eigenmächtig absetzen, sondern sich an Frauenarzt, Hausarzt oder Geburtsklinik wenden.
Schwarzer Stuhl bei Babys und Neugeborenen
In den ersten Lebenstagen ist ein dunkelgrüner bis schwarz wirkender, klebriger Stuhl normal. Es handelt sich um Mekonium, auch Kindspech genannt.
Dieser erste Darminhalt besteht unter anderem aus abgeschilferten Zellen, Schleim, Gallenbestandteilen und Stoffen, die das Kind während der Schwangerschaft aufgenommen hat. Mit Beginn der Milchverdauung verändert sich die Farbe normalerweise über Grünbraun hin zu Gelb- oder Brauntönen.
Schwarzer Stuhl außerhalb der ersten Lebenstage sollte bei einem Baby kinderärztlich beurteilt werden, sofern er nicht durch ein bekanntes Eisenpräparat erklärbar ist.
Besondere Aufmerksamkeit verlangen:
- Trinkschwäche
- Erbrechen
- auffällige Müdigkeit
- Blässe
- ein geblähter Bauch
- Schmerzen oder schrilles Schreien
- Blut im Erbrochenen
Häufige Fragen zu schwarzem Stuhlgang
Ist schwarzer Stuhl immer Blut?
Nein. Eisen, Aktivkohle, Bismut und bestimmte Lebensmittel können den Stuhl schwarz färben. Pechschwarzer, klebriger und übelriechender Stuhl ist jedoch verdächtig auf verdautes Blut.
Wie lange bleibt der Stuhl nach Eisen schwarz?
Die dunkle Färbung kann während der gesamten Einnahme auftreten und noch kurze Zeit danach bestehen bleiben. Bei teerartiger Konsistenz oder zusätzlichen Beschwerden sollte unabhängig von der Eiseneinnahme eine Blutung ausgeschlossen werden.
Können Hämorrhoiden schwarzen Stuhl verursachen?
Hämorrhoiden verursachen typischerweise hellrotes Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier. Schwarzer Teerstuhl passt nicht zu einer gewöhnlichen Hämorrhoidenblutung.
Kann schwarzer Stuhl einmalig auftreten?
Ja. Eine einmalige Verfärbung kann durch Nahrung oder Präparate entstehen. Auch eine Blutung kann jedoch nur vorübergehend sichtbar sein. Ein einzelner Teerstuhl ist daher nicht automatisch harmlos.
Kann man Blut im schwarzen Stuhl selbst testen?
Im Handel erhältliche Tests sind für eine akute Beurteilung nur begrenzt geeignet. Bei einem möglichen Teerstuhl sollte man die medizinische Abklärung nicht von einem Heimtest abhängig machen.
Welcher Arzt ist zuständig?
Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Bei deutlichem Teerstuhl, Kreislaufproblemen oder Bluterbrechen ist die Notaufnahme beziehungsweise der Rettungsdienst zuständig. Die weitere Untersuchung übernimmt häufig ein Gastroenterologe.
Fazit
Schwarzer Stuhl ist nicht automatisch Blut. Eisenpräparate, Aktivkohle, bismuthaltige Arzneimittel und manche Lebensmittel können eine harmlose Verfärbung verursachen.
Ein pechschwarzer, glänzender, klebriger und auffällig übelriechender Stuhl kann dagegen Teerstuhl sein. Dahinter steckt möglicherweise eine Blutung aus Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm. Solche Blutungen können schmerzlos beginnen und trotzdem gefährlich werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Welches Hausmittel hilft gegen schwarzen Stuhl?“ Die richtige Frage lautet: „Ist das nur eine Verfärbung oder verliere ich Blut?“
Bei einer plausiblen Verfärbung ohne Beschwerden kann man die weitere Entwicklung beobachten. Bei einem möglichen Teerstuhl, fehlender Erklärung oder zusätzlichen Symptomen ist eine zügige medizinische Abklärung erforderlich.
Naturheilkundliche Maßnahmen können nach der Diagnose dabei helfen, Schleimhäute zu beruhigen, Ernährung und Verdauung zu stabilisieren und Mangelzustände auszugleichen. Eine akute Blutungsquelle gehört jedoch gefunden und gestillt. An dieser Stelle sind diagnostische Klarheit und eine rechtzeitige Magenspiegelung wertvoller als jedes noch so traditionsreiche Magenmittel.
Weiterführende Beiträge
- Stuhlgang: Was Farbe, Form und Konsistenz bedeuten
- Blut im Stuhl: Ursachen und Warnzeichen
- Gastritis: Naturheilkunde und Hausmittel
- Magengeschwür: Ursachen und naturheilkundliche Begleitung
- Heilerde bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung
- Schonkost bei Magen- und Darmbeschwerden
- Darmentzündung: Ursachen, Symptome und Therapie
- Darmkrebstest: Welche Untersuchungen sinnvoll sind
- Darmpolypen: Bedeutung, Diagnose und Vorsorge
Quellen und weiterführende Literatur
- AWMF: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Blutung, Version 2.0
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie: Gastrointestinale Blutung
- Gesund.bund.de: Magengeschwür und mögliche Komplikationen
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Peptic ulcers
- European Medicines Agency: Eibischwurzel
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 3.8.2026 vollständig überarbeitet.













