Aufgeblähter Bauch, Blähbauch, Blähsucht etc. wird in der Schulmedizin als „Meteorismus“ bezeichnet. Die Symptome sind zahlenmäßig limitiert, dafür aber prägnant: die Betroffenen zeigen einen kugelförmig aufgeblähten Bauch, begleitet oft von Blähungen sowie Bauchschmerzen bzw. -krämpfen, die sich beim Stehen verschlimmern. Diese Symptome können verschiedene Ursachen haben, die Einen weniger bedenklich bis harmlos, die Anderen schwerwiegend bis lebensbedrohlich. Also versuche ich in diesem Beitrag mal eine Übersicht zu liefern. Zuerst einmal die Ursachen und dann etwas zur Therapie…

Hülsenfrüchte und andere Ursachen

Zu den weniger bedenklichen und oft unbeachteten Ursachen für einen aufgeblähten Bauch zählt eine erschlaffte Bauchmuskulatur, die auch bei einer „normalen“ Gasbildung im Gastrointestinaltrakt eine rasche Zunahme des Bauchumfangs zulässt. Hier kann ein wenig Training der Bauchmuskulatur (Bauchmuskeltraining an der Crunchmaschine / Leg raise | Beinheben am Gerät) bereits Abhilfe schaffen.

Unter dem Begriff „normale Gasbildung“ versteht man eine Gasbildung, die im Darm bei der Verdauung üblich ist. „Übeltäter“ ist hier die Darmflora, die diese Gase produziert. Aber auch beim Essen, Atmen oder Sprechen kann Luft in den Verdauungstrakt gelangen. Für die meisten Zeitgenossen ist weder die eine noch die andere Ursache von großer Bedeutung, da ein Teil der Gase über die Darmwand ins Blut diffundiert und dann über die Lunge abgeatmet wird. Der andere Teil der Gase entweicht über den Anus, was von der Schulmedizin als „Flatulenz“, in der volkstümlichen Bezeichnung als „Furz“ bezeichnet wird.
Meteorismus dagegen zeichnet sich durch eine entsprechende Ansammlung von Gasen aus, bei dem es zu keinem wesentlichen Abgang dieser Gase kommt und dann die entsprechenden Symptome verursacht.

Nahrungsmittel mit „Blähpotential“

Neben der „normalen Gasbildung“ gibt es eine Reihe von weiteren Ursachen für eine vermehrte Gasbildung. Zu den häufigsten Ursachen gehören blähende Nahrungsmittel, zu denen nicht nur die von Heinz Erhardt zitierten Hülsenfrüchte gehören. Fall Sie das Ding von Heinz Erhardt nicht (mehr) kennen:

Es gibt Gerüchte,
dass Hülsenfrüchte
in Mengen genommen
nicht gut bekommen.
Das macht ja nichts,
ich finde das fein,
warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein.

Gerüchte um Gerichte, in: Das große Heinz Erhardt Buch 1970

Und mit Verlaub: An dieser Stelle sei mir mal gestattet, darauf hinzuweisen, dass das, was uns heute (2018) in weiten Teilen als „Komik“ geboten wird, bestenfalls „Dünnbrettbohrer-Qualität“ hat. Es gibt natürlich einige Ausnahmen…

Ballaststoffe (Prebiotika) generell haben ein blähendes Potenzial, da sie als „Nahrungsmittel“ für Darmbakterien dienen, die für die Gasbildung verantwortlich sind. Dies trifft vor allem für die löslichen Ballaststoffe zu. Unlösliche Ballaststoffe dagegen scheinen hier ein etwas besseres Profil zu besitzen. Lösliche und unlösliche Ballaststoffe sind jedoch unverzichtbar für die Gesundheit der Darmflora. Eine ungewohnt intensive Ernährung mit Ballaststoffen kann dann zu einer überdurchschnittlichen Gasbildung führen, die jedoch schnell abklingt.

Wenn es zu einem lang anhaltenden aufgeblähten Bauch aufgrund einer vermehrten Gasbildung kommt, dann sind es oft Bakterien, die nicht zu einer normalen Darmflora gehören, die für diese Entwicklung zuständig sind. Solche Fehlbesiedlungen (Darmdysbiose) können zum Beispiel eine Folge einer Antibiotikaeinnahme sein. Die damit einhergehende Gasbildung ist allerdings in diesem Zusammenhang nur das kleinere Problem.

Andere Nahrungsmittel, die die Wahrscheinlichkeit für Blähungen erhöhen, sind Bohnen, Kohl, Zwiebeln etc. Zucker führt zur Fermentation im Darm, die immer mit einer Gasbildung einhergeht. Getränke mit Kohlensäure führt dem Darm eine Extraportion Gas hinzu, da die Kohlensäure relativ instabil ist und zu Wasser und CO2 zerfällt (daher das Prickeln bereits in Glas und das vermehrte Aufstoßen nach Verzehr).

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Art der Nahrungsaufnahme

Während die Reihenfolge beim Essen von Nahrungsmitteln keine große Bedeutung zu haben scheint, können empfindliche Personen hiervon durchaus betroffen sein. Um hier eine „verkehrte Reihenfolge“ zu vermeiden, sollten die Nahrungsmittel zuerst gegessen werden, die vom Verdauungssystem am besten und am schnellsten verarbeitet werden. Das wären in der Regel Früchte. Danach kommen die Salate, gefolgt von Reis und/oder Kartoffeln, Käse und dann Fleisch.

Aber auch beim Essen von Obst sollten diese Personen darauf achten, dass eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird: als erstes sollte das Obst verzehrt werden, was einen hohen Wasseranteil hat. Daher sollten Wassermelonen zum Beispiel die Vorspeise sein und nicht das Dessert.

Prinzipiell ist die Zufuhr von Flüssigkeit durch Trinken während der Mahlzeiten eine fragwürdige Angelegenheit. Dadurch wird die Magensäure verdünnt, was zur Einschränkung von deren Effektivität führen kann. Einer der wichtigsten Funktionen der Magensäure ist die Desinfizierung der aufgenommenen Lebensmittel. Ist diese Funktion eingeschränkt, dann kann dies ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer Fehlbesiedlung im Darm werden. Und diese Fehlbesiedlung führt zu… siehe oben…
Eine weitere Ursache für eine vermehrte Gasbildung und damit einen aufgeblähten Bauch ist hastiges Essen, bei dem vermehrt Luft mit „verzehrt“ wird. Schlecht gekautes Essen kann zudem Fermentationsprozesse begünstigen, die mit einer vermehrten Gasbildung einhergehen.

Zuckerersatz und Unverträglichkeiten

Ich hatte Zucker bereits als mögliche Ursache genannt. Aber auch Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit etc. können hier zu einer Ursache werden. Besonders Unverträglichkeiten (Intoleranzen), wo die Verwertung dieser Austauschstoffe eingeschränkt ist oder vollkommen fehlt, führen zu einer Reihe von Symptomen neben Meteorismus, wie Durchfall und/oder Verstopfung etc.

Von größerer Bedeutung sind jedoch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Fructoseintoleranz und Laktoseintoleranz, die relativ häufig anzutreffen sind. In beiden Fällen werden Fruchtzucker und Milchzucker nicht resorbiert und gelangen somit in den Dickdarm, wo sie von der dortigen Darmflora als Nährstoffe vergoren werden – mit den entsprechenden Folgen. Für diese Betroffenen empfiehlt es sich, Milchprodukte und fructosehaltige Nahrungsmittel (besonders industriell produzierte Nahrungsmittel, da diese keine Ballaststoffe und hohe Mengen an Fructose unter anderem aufweisen) zu vermeiden.

Da Früchte ebenfalls Fructose enthalten, müssen die Betroffenen für sich herausfinden, welches Obst und welche Früchte für sie genießbar sind. In der Regel binden die Ballaststoffe von Obst und Gemüse Fructose und behindern eine Verwertung. Aber da die Menge an Fructose und Ballaststoffe von Obst zu Obst und Frucht zu Frucht variiert, und auch Ballaststoffe von Darmbakterien verwertet werden, was gebundene Fructose freisetzt, ist es notwendig, über ein Ernährungsprotokoll die Früchte für sich zu „entdecken“, die keinen großen Einfluss auf eine bestehende Fructoseintoleranz haben.

Zöliakie

Eine weitere Intoleranz in diesem Zusammenhang ist die Zöliakie oder Glutenallergie/-intoleranz. Ähnlich wie bei den bereits erwähnten Intoleranzen von Fructose und Laktose kommt es bei der Zöliakie zu einer Einschränkung der Verwertung von Nährstoffen, in diesem Fall von Eiweiß und Eiweißkomponenten von Weizen, Roggen, Gerste etc. Die Zöliakie geht hier noch einen Schritt weiter und sorgt über Entzündungen der Darmschleimhaut für deren Zerstörung (Leaky-Gut-Syndrom).

Damit verbunden sind weitere Störungen der Verwertung von Nährstoffen wie Fette Vitamine und Mineralstoffe. Bei einer Zöliakie und einem Leaky-Gut-Syndrom sind Verdauungsstörungen mit Blähungen und Völlegefühl „an der Tagesordnung“ und zählen zu den vergleichsweise unbedenklichen Symptomen. Die Entzündungen und das Autoimmungeschehen haben hier eine schwerwiegendere pathophysiologische Bedeutung für die Betroffenen.

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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Mit Zöliakie und Leaky-Gut-Syndrom sind wir bereits im Bereich der Erkrankungen angelangt, die mit dem Symptom „Blähbauch“ einhergehen können. Andere Erkrankungen, die ebenfalls häufig von einem aufgeblähten Bauch begleitet sind beziehungsweise sein können, sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Hier kommen neben dem Blähbauch und Blähungen noch weitere Symptome hinzu, wie Bauchkrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall und/oder Verstopfung, Gewichtsabnahme und so weiter.

Andere Darmprobleme in Verbindung mit einem aufgeblähten Bauch können sein: Reizdarm, zuvor durchgeführte operative Eingriffe im gastrointestinalen Bereich, rheumatische Beschwerden etc.

Medikamente

Medikamente als Ursache für Meteorismus? Wir sind alle gewöhnt, dass Medikamente heilen und nur Gutes tun. Aber spätestens seit ValproinsäureAvandiaVioxxLipobay, Koate etc. wissen wir, dass Medikamente gefährlichere Nebenwirkungen als Blähungen verursachen können. Ich erwähnte in diesem Zusammenhang bereits Antibiotika, die nützliche Darmbakterien eliminieren und damit Platz schaffen für eine Neubesiedlung mit weniger vorteilhaften Bakterien beziehungsweise Pathogenen, und somit zu einer Dysbiose führen.

Aber auch Antidiabetika und Schmerzmittel, wie Diclofenac, das bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen schubauslösend wirken kann und für vermehrte gastrointestinale Nebenwirkungen „berüchtigt“ ist, können die Ursache für einen aufgeblähten Bauch sein.

Medikamente zur Gewichtsabnahme sind ebenfalls dafür bekannt, die Ursache für einen Blähbauch zu sein.

Andere Ursachen

Es gibt noch andere Ursachen, die mit einem Blähbauch einhergehen können aber nicht müssen. Dazu zählen psychische Faktoren wie Stress und Angst, Hormonumstellungen in Pubertät und Wechseljahren etc. Eine weitere, wenig beachtete mögliche Ursache ist der Bewegungsmangel. Denn das ständige Sitzen führt zu einer Kompression der Därme, was zu einer Beeinträchtigung der für die Verdauung notwendigen Peristaltik führen kann, was wiederum Gärungsvorgänge fördert, die zu einer unverhältnismäßig hohen Gasbildung führen.

Bei einer extremen Beeinträchtigung der Peristaltik kommt es zu einer Darmlähmung bis hin zum Darmverschluss. Die sich daraus ergebende Aufblähung des Bauchs ist dann nicht nur Resultat der Gasbildung, sondern auch Resultat eines Staus von Speisebrei, der an einer Weiterleitung gehindert wird. Hier haben wir es bereits mit akut lebensbedrohlichen Komplikationen zu tun.

Selbiges gilt auch für Darmkrebs, bei dem ein aufgeblähter Bauch ebenfalls mit von der Partie sein kann, wenn es um Symptome geht.

Bei Lebererkrankungen und damit verbundenem Pfortader-Hochdruck kommt es zu einem Rückstau von Blut, der die Verdauungstätigkeit beeinträchtigt.

Bewertung der Symptome

Angesichts der Menge der möglichen Ursachen muss man sich natürlich die Frage stellen, was man tun soll, wenn sich so ein Blähbauch einstellt. In der Regel sind die Ursachen harmlos, wenn auch mit einigen Beschwerden verbunden. Von daher sollte der Blähbauch relativ rasch wieder verschwinden. Bei hartnäckigen Zuständen jedoch sollte der Betroffene darüber nachdenken, die Ursachen abklären zu lassen. Denn hier könnte eine ernstzunehmende Grunderkrankung vorliegen, bei der der Blähbauch „nur“ ein Symptom darstellt. Gleichzeitig sollte der Betroffene in diesem Zusammenhang auch nach anderen Symptomen Ausschau halten, wie zum Beispiel Blut im Stuhl, Durchfall oder Verstopfung, Atembeschwerden, Herzprobleme etc.

Wenn der Betroffene feststellt, dass die Symptome immer dann auftreten, wenn bestimmte Nahrungsmittel eingenommen werden, dann sollte man Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen, um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit auszuschließen.

Schulmedizinische Therapie

Sogar die Schulmedizin rät in diesen Fällen zu sehr alternativmedizinisch aussehenden Lösungen, zumindest als „Behandlungseinstieg“: Essgewohnheiten untersuchen beziehungsweise umstellen, Nahrungsmittel, die Blähungen fördern, vermeiden, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke vermeiden. Das gleiche gilt für Rohkost, Kaffee und schwarzen Tee.

Wenn Tee, dann solche, die helfen, die Symptome zu lindern, wie zum Beispiel Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander, Kamille etc. Weitere Tipps der Schulmedizin sind Bauchmassagen, Wärme (feuchtheiße Wickel ca. 30 Minuten auf dem Bauch)  und Bewegung nach dem Essen.

In Sachen medikamentöse Therapie scheint die Schulmedizin in diesem Fall keine große Auswahl empfehlen zu können. Krampflösende Medikamente werden hier in erster Linie empfohlen, wie zum Beispiel Parasympatholytika (Buscopan).

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Alternativmedizinische Therapien

In dieser Kategorie haben wir eine Reihe von Maßnahmen, die auch von der Schulmedizin unterstützt werden. Dies ist neben den bereits oben erwähnten Tees der Einsatz von Schüsslersalzen Nummer 6, Nummer 9, Nummer 7 und Nummer 3 als bewährte Methoden gegen Blähbauch.

Sollte eine ausführliche Stuhldiagnostik eine veränderte Zusammensetzung des Darmmilieus feststellen, dann ist eine Darmsanierung angezeigt und gegebenenfalls der Einsatz von Probiotika.

Ein Präparat, das auch von der Schulmedizin nicht verachtet wird, ist Iberogast, das ein Potenzial zu haben scheint, welches über eine reine symptomatische Behandlung hinausgeht: Iberogast gegen Magen-Darmbeschwerden.

Die Homöopathie stellt mit „Nux vomica“ (Brechnuss) ebenfalls ein bewährtes Mittel zur Verfügung, welches niedrig dosiert harntreibend und verdauungsfördernd wirkt.
Die Zahl der angebotenen Therapievorschläge scheint deswegen relativ begrenzt zu sein, weil ein aufgeblähter Bauch ohne ernsthaften Hintergrund sich in der Regel relativ schnell wieder „von alleine verabschiedet“. Fast alle Therapievorschläge, sei es die von der Schulmedizin oder alternativmedizinische Vorschläge, zielen auf eine Linderung der Symptomatik ab, die den Leidensdruck vermindern hilft.

Wie bereits erwähnt – ein aufgeblähter Bauch als Symptom einer ernstzunehmenden Erkrankung ist ein vollkommen anderes Kapitel. Hier helfen die Symptome vermindernden Therapien nur bedingt. Im Vordergrund sollte hier eine gründliche Identifizierung und Abklärung der Grunderkrankung erfolgen, bei deren Beseitigung dann auch der Blähbauch mit therapiert wird.

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Beitragsbild: 123rf-.com – subbotina

Zu den häufigsten Beschwerden im Enddarmbereich zählen Hämorrhoiden, eine Darmfistel und Analfissuren.

Unter einer Analfissur versteht man Längsrisse der Schleimhaut des Afters. Die akut oder chronisch ausgeprägten Fissuren entzünden sich rasch, verheilen schlecht und haben die Tendenz zur Geschwürbildung.

Wodurch entsteht so eine Analfissur?

Die Risse entstehen meist durch zu harten Stuhlgang (z.B. bei Verstopfung) oder zu starkes Pressen bei der Defäkation (Absetzen von Stuhl).

Neben analen Sexualpraktiken können auch Durchfälle (vor allem chronischer Durchfall und Schmierstuhl) die empfindliche Haut schnell reizen. Die Schleimhaut entzündet sich, trocknet aus oder verliert ihre Elastizität und reißt ein. Die ungehindert in den Wundbereich eindringenden Darmbakterien bewirken eine verzögerte oder schlechte Abheilung.

Symptome und Beschwerden

Ein Riss in der Schleimhaut macht sich durch starken After Juckreiz und Brennen der Analregion bemerkbar.

Zudem klagen Betroffene über starke Schmerzen, besonders beim Toilettengang, die sich über Stunden halten können.

Hoch akute Formen führen zu einem nässenden Wundbereich, der durch zusätzliche Reizung (z.B. Toilettenpapier) auch bluten kann.

Der Schmerz wird als unerträglich empfunden und führt häufig zu einem Stuhlverhalt, sodass sich die Patienten gar nicht mehr auf die Toilette trauen. Durch das „Zurückhalten“ soll der Schmerz vermieden werden, die Verkrampfung fördert aber eine Obstipation (Verstopfung), die dann zusätzliche Schmerzen verursacht.

Unbehandelt können Analfissuren u.a. chronisch werden. Die andauernde Reizung lässt das Gewebe verhärten, die Haut wird dicker (Vorpostenfalte).

Im weiteren Verlauf kann sich eine Stenose (Verengung) ausbilden, die den Prozess der Defäkation zusätzlich erschwert.

Daneben bieten Analfissuren durch einen möglichen Keimbefall Nährboden für die Entstehung von Geschwüren und eitrigen Abszessen, die zu einer starken Schwellung und Rötung des Gewebes sowie zu hohen Fieberschüben führen.

Bei weiterer Zerstörung des Gewebes droht eine Einwanderung der Keime ins Innere des Körpers. Folge ist die Fistelbildung, bei der sich Verbindungsgänge z.B. zwischen Scheide und Darm ausbilden können, wodurch schwerwiegende Folgeerkrankungen entstehen können.

Analfissur Therapie

Normalerweise sollte eine Analfissur in wenigstens sechs Wochen abheilen. Als Sofortmaßnahme kann eine Salbe dienen. Ich empfehle die Calendula Salbe von Weleda. Zuvor erfolgt eine vorsichtige Reinigung des Analbereichs (mit einem Waschlappen mit lauwarmen Wasser) – nicht mit Feuchttüchern.

Die Calendulasalbe wird auf ein Stück Toilettenpapier Fingerdick aufgetragen und der Afterbereich damit vorsichtig eingecremt. Die Salbe nimmt auch den Afterjuckreiz und lindert auch Schmerzen.

Sind bereits Verwachsungen oder eine Fistel vorhanden, sollte man eventuell eine Operation in Erwägung ziehen.

Das wichtigste bei der Analfissur-Therapie ist allerdings die Regulation des Stuhlgangs und der Darmflora.

Der pH Wert des Stuhlgangs muss überprüft werden, ebenso empfiehlt sich oftmals eine qualitative Stuhldiagnostik.

Zur „Beruhigung“ des gesamten Magen-Darmtraktes und des Enddarmbereichs, empfehle ich weiterhin meist ein therapeutisch unterstütztes Heilfasten. Wenn die Entlastungstage und Abführtage beendet sind, setzt der Stuhlgang aus und alle Schleimhäute haben die Gelegenheit vollkommen abzuheilen.

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Beitragsbild: 123rf.com – PAPAN SAENKUTRUEANG

Besonders der Analbereich gilt für viele Menschen als intime Zone und ruft bei Störungen wie z.B. starkem, andauerndem After Juckreiz, eine gesteigerte Form der Scham hervor.

Gerade die wachsende Zahl der auftretenden Missempfindungen macht die Auseinandersetzung mit diesem Tabuthema jedoch unabdingbar.

Jucken am After ist immer nur ein Symptom – kein Krankheit selbst. Deswegen muss jede Hilfe zur Beseitigung eine Behandlung der Ursache sein.

Leider habe ich in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass:

1. Patienten nichts von diesen Beschwerden erzählen.

2. Zahlreiche Therapeuten anscheinend nicht ALLE Ursachen für den quälenden Juckreiz kennen.

Und so kommt es, dass Millionen Tuben verschiedenster Cremes gegen After Juckreiz verkauft werden.

Kommen wir also zu möglichen Ursachen für Jucken am After…

After Juckreiz – Die Ursachen

Ein Juckreiz im Bereich des Afters (Pruritus ani) kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Der Juckreiz zeigt sich, je nach Ausprägungsgrad, als unstillbar und führt z.B. durch Kratzen, Scheuern oder übertriebenes Waschen zu Reizungen, Entzündungen, Blutungen sowie weiteren Krankheitsbildern (z.B. Entartung des betroffenen Hautareals).

Häufigste Ursache: Darmpilze

Der häufigste Auslöser für einen Juckreiz sind Pilzerkrankungen (Mykosen) im Darmbereich (sog. Darmpilze). Häufigster Vertreter ist der Pilz Candida albicans, ein Hefepilz.

Jeder Mensch besitzt einen gewissen Prozentsatz an Pilzen, auch im Darm. Übertriebene Hygiene kann die Hautflora beeinträchtigen und auch Resistenzen fördern, so dass einer Infektion kein Widerstand mehr geleistet werden kann. Pilze können dabei auch Ekzeme auslösen, die sich wiederum u.a. durch Juckreiz bemerkbar machen. Hier steht die Beseitigung der Darmpilze als Therapieansatz im Vordergrund.

Zweithäufigste Ursache: Hämorrhoiden (auch: Hämorriden)

Als weitere Ursache kommen Hämorriden in Frage. Die kleinen Ausstülpungen im Enddarmbereich können durch unterschiedliche Störungen anschwellen, sich aus dem Darmende herausstülpen (Prolaps) und auch platzen.

Deutliches Symptom für eine geplatzte Hämorrhoide sind Frischblut-Auflagen im Stuhl. Kratzen fördert die Blutungsneigung und kann auch zur Entartung der Hämorrhoiden führen.

Eine Behandlung der Ursache, z.B. durch Salben oder operatives Veröden, führt zu einer Linderung mit letztendlicher Abheilung des betroffenen Gebietes, aber nicht zur Beseitigung der tatsächlichen Ursache, die zu den Hämorriden geführt haben.

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Seltenere Ursachen

Ein unstillbarer After Juckreiz kann auch Symptom für einen Wurmbefall sein. Obwohl dies relativ selten ist, werden viel zu wenige Patienten nach meiner Erfahrung auf Würmer getestet.

Wurmkuren sind bei Tieren oft selbstverständlich – aber bei Menschen? Da ist so etwas eher „Pfui“ – Menschen haben natürlich keine Würmer. Aber vor allem Kinder die in der Sandkiste spielen, kommen schnell mit Wurmeiern in Kontakt – das ist schneller passiert als manche Mutter denkt.

Besonders die ca. 1 cm großen Madenwürmer (Enterobius vermicularis) lösen einen Analjuckreiz aus. Die Übertragung und Infizierung erfolgt über Kontakt – zum Beispiel das Kind in der Sandkiste steckt die Finger in den Mund. Deshalb ist gründliches Händewaschen vor dem Essen Pflicht.

Die Würmer zeigen sich durch weißliche Punkte und Striche im Stuhl, von denen sich einige bei genauem hinsehen auch bewegen. Ganz genau sieht man dies aber nur unter dem Mikroskop. Inspektion des Analbereichs, sowie ein Abstrich und eine Stuhlprobe dienen der gesicherten Diagnostik. Einige Medikamente (Wurmmittel) können den Befall stoppen.

Man geht übrigens davon aus, dass ca. 30% der Kinder von Würmern befallen sind. Wenn Sie also sehen, dass sich ihr Kind am Po kratzt, dann sollten Sie genauer hinschauen und auch eine Diagnose anstreben.

Weitere seltene Ursachen

Abszesse der Proktodealdrüsen und Fissuren (Risse) im Analbereich (Analfissuren, Afterrisse), können ebenfalls einen Juckreiz auslösen oder fördern. Um die Entzündung einzudämmen, werden Abszesse z.B. meist eröffnet und Fissuren mit lokal betäubenden Salben beruhigt.

Mit einer naturheilkundlichen / alternativen Therapie können Abszesse aber gut behandelt werden; ebenso Analfissuren. Vor allem ist solch eine Alternative Therapie dazu gut geeignet um dem Wieder-Auftreten vorzubeugen.

Weiterhin muss bei After Juckreiz ein Tumor (z.B. Darmkrebs) ausgeschlossen werden.

Neben tumorösen Veränderungen können auch verschiedene Getränke und Speisen zu einem Analjucken führen. Gerade koffeinhaltige Getränke, Schokolade, Nüsse, Popcorn, aber auch scharfe und stark gewürzte Speisen können als Auslöser dienen. Ein Verzicht auf diese Mittel führt schnell zu einer Linderung der Beschwerden.

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Beitragsbild: 123rf.com – kerdkanno

Darmstörung, Darmproblem, Darmkrankheit: Die modernen Zivilisationskrankheiten lauern im Darm.

Abb1: Hier geht es dem Bauch gut – keine Darmprobleme. Meistens werden Menschen abgebildet, die sich vor Schmerzen krümmen. Ich dachte ich nehme mal ein „netteres“ Bild um das Thema zu illustrieren. In den spezifischen Beiträgen zu den verschiedenen Darmkrankheiten gibt es noch genug „unerfreuliches“ zu sehen…
Bildnachweis: Fotolia.com – C. Henry Schmitt

Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig, dass die Darmkrankheiten und Darmstörungen, die wir in den westlichen Industrienationen finden, vor allem auf unserer Lebensweise beruht.

Und so verwundert es nicht, dass die modernen Zivilisationskrankheiten einfach nur „Darmstörung – Darmproblem oder Darmkrankheit“ heißen.

„Chronische Darmstörungen sind das unbekannteste, weitverbreitetste und verhängnisvollste Leiden des modernen Menschen“, konstatierte bereits der bekannte österreichische Fastenarzt Franz Xaver Mayr, nach dem auch die bekannte F.X. Mayr Kur benannt ist.

Und am häufigsten werden die Darmstörungen durch die Ernährung beeinflusst: wir essen generell zu schnell, zu viel und das Falsche sowieso. Dabei lenken wir uns auch noch ab (Fernsehen, Zeitung), kauen nicht gründlich genug, bewegen uns zu wenig und wundern uns dann über:

Da unsere Lebensweise in zunehmendem Maße „unnatürlicher” wird, steigt auch die Zahl der Darmerkrankungen in der industrialisierten Welt weiter an. Denn die meisten Darmerkrankungen sind typische „Zivilisationskrankheiten”.

Erkrankungen dieser Organe können für Verdauungsstörungen sorgen:

• Magen
• Leber
• Gallenblase
• Bauchspeicheldrüse

So kann beispielsweise die Nahrungsverwertung im Darm behindert sein, wenn Magen oder Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme herstellen.

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Eine weitere mögliche Störquelle ist die Darmflora

Die Darmflora ist vor allem im Dickdarm beheimatet und setzt sich aus über 400 verschiedenen Bakterienarten zusammen – den Darmbakterien. Die bekanntesten sind Milchsäurebakterien (Laktobazillen und Bifidobakterien), sowie die Coli-Bakterien.

Wenn die Zusammensetzung Ihrer Darmflora gestört ist, kann dies zu erheblichen Verdauungsproblemen führen. Einen schädlichen Einfluss auf die Darmflora haben u. a. bestimmte Medikamente (z. B. Antibiotika), eine ballaststoffarme Ernährung, aber auch Infektionen mit Krankheitserregern (z. B. Hefepilze). Bei langjährigen Problemen entsteht so auch das Syndrom-Bild des Leaky-Gut-Syndroms.

Und was die wenigsten Menschen wissen (und viele Ärzte nicht beeachten), ist:

Ihr Darm stellt den Großteil Ihres Immunsystems! Mehr dazu lesen Sie im Artikel: Immunsystem Darm

Und noch was: falls Sie bisher dachten, Ihr Darm sei nur für die Verdauung da, sollten Sie auch einmal den Artikel zum sog. Bauchgefühl lesen.

Die gute Nachricht die für fast alle Darmstörungen und Darmkrankheiten gilt ist:

Ihr Darm ist zwar zahlreichen schädlichen Einflüssen ausgesetzt, aber wie bei fast keinem anderen Organ können Sie dessen Funktion und Gesundheit direkt beeinflussen.

Die Gesundheit Ihres Darms hängt ganz direkt von Ihrer Lebensweise ab.

Auf dieser Webseite zeigen wir Ihnen, wie eine darmgesunde Ernährung aussehen sollte und wie Sie durch körperliche Bewegung die Darmtätigkeit anregen können.

Sie finden hier die wichtigsten Symptome bei Darmkrankheitenn und Darmerkrankungen, die auf gefährliche Darmentzündungen oder sogar Darmkrebs hinweisen können. Darüber hinaus erfahren Sie, welche natürlichen Mittel Ihre Verdauung bei Verstopfung oder Durchfall wieder normalisieren.

Der Darm spricht in der Regel sehr gut auf pflanzliche Präparate an. Die Wirkstoffe können hier sehr einfach direkt an den Ort des Geschehens gebracht werden. Wie so oft hat die Naturheilkunde auch im Bereich der Darmkrankheiten und Darmstörungen deutlich die Nase vorn.

Naturheilverfahren und Naturheilkunde

Unter den Naturheilverfahren liegt das Heilfasten, gerade bei Darmstörungen ganz weit vorne. Mir ist kein anderes Verfahren bekannt, mit dem eine so bedeutende Umstimmung erzielt werden kann. Darüberhinaus gibt es zahlreiche „Mittel“ und Heilpflanzen, die eine sehr gute Wirkung bei verschiendesten Darmproblemen zeigen, wie zum Beispiel:

Mehr zum Fasten bei bestimmten Darmstörungen und Darmkrankheiten finden Sie in folgenden Beiträgen:

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Beitragsbild: fotolia.com – Tonpor Kasa

Schwarzkümmel gehört zu den Heilpflanzen, bei denen traditionelle Anwendung und moderne Forschung erstaunlich häufig in dieselbe Richtung weisen. Gerade gegenüber Pilzen finden sich interessante Ergebnisse. Das gilt auch für Candida albicans.

Allerdings muss man dabei sauber unterscheiden. Eine Substanz, die Candida in einer Petrischale hemmt, ist noch lange kein bewiesenes Candida-Mittel für den Menschen. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, die vorhandenen Befunde als bedeutungslos abzutun. Inzwischen liegen nämlich nicht mehr nur Labor- und Tierexperimente vor, sondern auch erste klinische Untersuchungen.

Die spannendere Frage lautet deshalb nicht: „Tötet Schwarzkümmel Candida – ja oder nein?“ Sie lautet vielmehr: Wie belastbar sind die Hinweise, welche Zubereitung wurde überhaupt untersucht und welchen Platz könnte Schwarzkümmel im Rahmen einer vernünftigen Candida-Therapie haben?

Candida nachgewiesen – und nun?

Zunächst etwas, das in der ganzen Candida-Diskussion gerne untergeht: Candida albicans ist nicht automatisch ein Krankheitserreger, nur weil man ihn nachweisen kann. Hefepilze können Bestandteil der menschlichen Mikroflora sein. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, ob Candida vorhanden ist, sondern in welcher Menge, an welcher Stelle und ob tatsächlich Beschwerden oder Zeichen einer Infektion vorliegen.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Ich habe das ausführlicher in meinem Beitrag „Was ist Darmpilz Candida albicans – Freund oder Feind?“ beschrieben. Die Vorstellung „Candida gefunden = Candida-Krankheit“ ist zu simpel. Ebenso simpel wäre allerdings die Gegenposition, nach der Candida im Darm grundsätzlich keine Rolle spielen könne.

Problematisch kann Candida werden, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern. Dazu gehören beispielsweise eine gestörte mikrobielle Konkurrenz nach Antibiotikabehandlungen, Veränderungen des Schleimhautmilieus, Diabetes beziehungsweise dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, Immunsuppression, bestimmte Medikamente oder lokale Faktoren im Genitalbereich.

Gerade beim Darm lohnt deshalb der Blick auf das gesamte Ökosystem. Über die Bedeutung der mikrobiellen Besiedlung habe ich ausführlich in meinem Beitrag zur Darmflora und ihren zahlreichen Aufgaben geschrieben. Candida ist in diesem System eben nicht isoliert zu betrachten.

Was steckt im Schwarzkümmel?

Schwarzkümmel, botanisch Nigella sativa, hat übrigens mit unserem gewöhnlichen Kümmel botanisch nicht viel zu tun. Schwarzkümmel gehört zu den Hahnenfußgewächsen, der echte Kümmel dagegen zu den Doldenblütlern.

Die schwarzen Samen enthalten fettes Öl, flüchtige beziehungsweise ätherische Bestandteile sowie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders intensiv untersucht wird Thymochinon. Daneben finden sich unter anderem Thymohydrochinon, Thymol, Carvacrol und p-Cymol.

Bei älteren Angaben zum Thymochinongehalt ist allerdings Vorsicht angebracht. Man liest immer wieder, Thymochinon mache 30 bis 48 Prozent „des Schwarzkümmels“ aus. Das ist missverständlich. Solche hohen Prozentangaben beziehen sich auf bestimmte Fraktionen des flüchtigen Öls und keineswegs auf den gesamten Samen.

Das ist keine akademische Spitzfindigkeit, sondern für die praktische Beurteilung ausgesprochen wichtig. Ein Methanolextrakt, ein wässriger Extrakt, isoliertes Thymochinon, ätherisches Öl, kaltgepresstes Schwarzkümmelöl und gemahlene Schwarzkümmelsamen sind pharmakologisch nicht dasselbe.

Wer sich grundsätzlich für die erstaunlich breite Forschung zu dieser Pflanze interessiert, findet dazu auch meinen ausführlichen Beitrag „Schwarzkümmelöl heilt jede Erkrankung – Ausnahme Tod?“. Der etwas provokante Titel greift eine traditionelle arabische Überlieferung auf – der Beitrag selbst schaut selbstverständlich genauer hin.

Im Labor hemmt Schwarzkümmel Candida

Die antimykotische Wirkung von Nigella sativa ist experimentell recht gut dokumentiert. Verschiedene Extrakte sowie einzelne Inhaltsstoffe können das Wachstum von Candida-Arten unter Laborbedingungen hemmen. Besonders Thymochinon steht dabei im Mittelpunkt der Forschung.

Interessant ist dabei nicht nur die unmittelbare Wachstumshemmung. Untersuchungen beschäftigen sich inzwischen auch mit Eigenschaften wie der Hyphenbildung und der Ausbildung von Biofilmen. Genau diese Mechanismen sind bei Candida von Bedeutung, weil der Pilz je nach Umweltbedingungen unterschiedliche Wachstumsformen annehmen kann.

Biofilme sind dabei besonders interessant. Mikroorganismen können sich in solchen komplexen Strukturen organisieren und dadurch andere Eigenschaften entwickeln als frei schwimmende Einzelzellen. Das kann unter anderem ihre Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Substanzen verändern.

Neuere Laborarbeiten deuten darauf hin, dass Thymochinon nicht nur das Wachstum von Candida albicans beeinflussen kann, sondern auch Prozesse, die mit Biofilmbildung und Virulenz zusammenhängen. Das macht die Substanz pharmakologisch interessant. Es bleibt aber zunächst genau das: ein experimenteller Befund.

Man sollte aus einer Petrischale keine Therapieempfehlung machen. Diesen Fehler sehe ich leider sowohl bei Heilpflanzen als auch bei Nahrungsergänzungsmitteln regelmäßig. Ein Stoff kann im Labor spektakulär aussehen und im menschlichen Organismus trotzdem enttäuschen, weil Aufnahme, Stoffwechsel, Konzentration am Wirkort und zahlreiche andere Faktoren völlig anders sind.

Andererseits beginnt praktisch jede Arzneimittelforschung genau dort: mit biologischen Effekten, die zunächst im Labor sichtbar werden. Die Laborbefunde zu Schwarzkümmel sind deshalb keineswegs wertlos. Sie sagen lediglich noch nicht, wie gut das Ganze beim Patienten funktioniert.

Gerade solche Beispiele zeigen sehr schön, warum ich Heilpflanzen weder romantisch verklären noch vorschnell als „unbewiesen“ abtun würde. Wenn Sie solche naturheilkundlichen Zusammenhänge interessieren, schreibe ich darüber regelmäßig auch in meinem Heilpflanzen-Newsletter.

Dort geht es nicht um Kräuterromantik, sondern um Heilpflanzen, ihre Wirkstoffe, Studien und die Frage, wie ich sie aus Sicht der Naturheilpraxis beurteile:

 

 

Der bemerkenswerte Mäuseversuch

Eine der häufig zitierten Untersuchungen zu Schwarzkümmel und Candida stammt aus dem Jahr 2003. Wissenschaftler infizierten Mäuse intravenös mit Candida albicans. Anschließend konnten Pilzkolonien unter anderem in Nieren, Leber und Milz nachgewiesen werden.

24 Stunden nach der Infektion erhielten die Tiere drei Tage lang einen wässrigen Extrakt aus Schwarzkümmelsamen. Das Ergebnis war bemerkenswert: Im Vergleich zu den unbehandelten Tieren sank die Candida-Belastung etwa um den Faktor fünf in den Nieren, acht in der Leber und elf in der Milz. Auch die histologische Untersuchung der Organe bestätigte den Effekt.

Die Originalarbeit ist hier nachzulesen: Khan et al.: The in vivo antifungal activity of the aqueous extract from Nigella sativa seeds.

Das ist ohne Zweifel interessant. Trotzdem sollte man daraus nicht mehr machen, als tatsächlich gezeigt wurde. Eine experimentell erzeugte systemische Candidose bei Mäusen ist etwas völlig anderes als ein Mensch mit wiederkehrendem Scheidenpilz, Mundsoor oder einem auffälligen Candida-Nachweis im Stuhl.

Hinzu kommt ein weiteres Detail: Untersucht wurde ein definierter wässriger Extrakt. Daraus lässt sich keine Dosierung für handelsübliches Schwarzkümmelöl ableiten. Gerade diese Übertragung vom Forschungsextrakt auf irgendein Produkt aus dem Handel ist einer der häufigsten Fehler bei der Interpretation von Heilpflanzenstudien.

Es gibt inzwischen auch eine Humanstudie mit Schwarzkümmelkapseln

Besonders interessant wird es bei einer 2015 veröffentlichten randomisierten, dreifach verblindeten und placebokontrollierten Untersuchung mit 100 Frauen mit Candida-albicans-Vaginitis.

Alle Frauen erhielten sieben Tage lang Clotrimazol-Vaginalcreme. Die Behandlungsgruppe bekam zusätzlich zweimal täglich eine Kapsel mit 500 mg Nigella sativa, während die Kontrollgruppe entsprechende Placebokapseln erhielt.

Nach der Behandlung verbesserten sich die Beschwerden in beiden Gruppen. In der Schwarzkümmelgruppe waren jedoch verschiedene Symptome und klinische Zeichen deutlicher zurückgegangen. Auch die mikrobiologischen Untersuchungen mit Kultur und KOH-Präparat fielen zugunsten der Schwarzkümmelgruppe aus.

Die Studie ist hier veröffentlicht: Adiban Fard et al.: Therapeutic Effects of Nigella Sativa Linn on Candida albicans Vaginitis.

Das ist für mich deutlich interessanter als der hundertste Reagenzglasversuch. Dennoch sollte man auch hier genau hinschauen: Schwarzkümmel wurde nicht allein getestet. Beide Gruppen bekamen gleichzeitig Clotrimazol. Die Studie zeigt deshalb einen möglichen zusätzlichen Effekt von Schwarzkümmel, aber nicht, dass Schwarzkümmel eine vaginale Candidose alleine zuverlässig behandeln kann.

Außerdem handelte es sich um eine relativ kleine Einzelstudie. Frauen mit wiederkehrender Candidose, Schwangerschaft, Stillzeit, Diabetes oder verschiedenen anderen Erkrankungen waren ausgeschlossen. Das Ergebnis lässt sich deshalb nicht beliebig auf alle Patienten übertragen.

Eine zweite Studie: Schwarzkümmel und Honig gegen Vaginal-Candida

2022 erschien eine weitere randomisierte, dreifach verblindete klinische Studie. 84 Frauen mit kulturell bestätigter vulvovaginaler Candidose wurden entweder mit einer 1-prozentigen Clotrimazolcreme oder mit einer speziell hergestellten Vaginalcreme behandelt. Diese enthielt 3 Prozent Nigella-sativa-Extrakt und 30 Prozent Honig.

79 Frauen beendeten die sieben Tage dauernde Behandlung. In beiden Gruppen verbesserten sich Beschwerden und Befunde deutlich. Bei Juckreiz und Ausfluss schnitt die Schwarzkümmel-Honig-Zubereitung sogar besser ab. Bei der Pilzkultur zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Vorteil: 74,4 Prozent der Frauen in der Clotrimazolgruppe und 67,5 Prozent in der Schwarzkümmel-Honig-Gruppe hatten anschließend eine negative Kultur.

Die komplette Studie ist frei zugänglich: Comparison between the Efficacy of Nigella sativa-Honey and Clotrimazole on Vulvovaginal Candidiasis.

Auch das ist ein interessantes Ergebnis, aber kein Freibrief für Selbstversuche. Erstens enthielt die untersuchte Creme neben Schwarzkümmelextrakt immerhin 30 Prozent Honig. Wir wissen deshalb nicht, welcher Anteil des Effekts auf welche Komponente zurückzuführen war. Zweitens handelte es sich um eine eigens hergestellte pharmazeutische Zubereitung und nicht um Schwarzkümmelöl aus der Küche.

Bitte nicht einfach Schwarzkümmelöl vaginal anwenden

Gerade an dieser Stelle ist mir ein Hinweis wichtig. Aus der Studie folgt keineswegs die Empfehlung, handelsübliches Schwarzkümmelöl unverdünnt auf empfindliche Schleimhäute aufzutragen.

Schwarzkümmelöl kann Kontaktallergien und ausgeprägte Hautreaktionen auslösen. In medizinischen Fallberichten wurde unter anderem Thymochinon als möglicher auslösender Stoff identifiziert. „Natürlich“ bedeutet eben nicht automatisch „reizfrei“.

Wer bei Scheidenpilz Beschwerden wie starken Juckreiz, Brennen, Rötung oder ungewöhnlichen Ausfluss hat, sollte außerdem bedenken, dass nicht jeder vermeintliche „Pilz“ tatsächlich eine Candidose ist. Bakterielle Vaginosen und andere Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Gerade bei wiederkehrenden Problemen halte ich deshalb eine vernünftige Diagnostik für wesentlich sinnvoller als eine Serie wechselnder Hausmittel.

Und was ist mit Hautpilzen?

Auch gegenüber Dermatophyten, also den Erregern zahlreicher Haut- und Nagelpilzerkrankungen, finden sich interessante experimentelle Daten. Schwarzkümmelextrakte und Thymochinon wurden gegen verschiedene Arten aus den Gattungen Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton getestet.

Dabei zeigte Thymochinon eine stärkere antimykotische Aktivität als der Gesamtextrakt. In älteren Vergleichsversuchen war das konventionelle Antimykotikum Griseofulvin allerdings deutlich potenter. Auch das gehört zur vollständigen Wahrheit und sollte nicht unterschlagen werden.

Wer sich grundsätzlich mit Pilzerkrankungen der Haut beschäftigt, findet dazu auf meiner Seite Naturheilt.com meinen Beitrag „Pilzerkrankungen behandeln – aber natürlich“. Bei unklaren oder hartnäckigen Haut- und Nagelveränderungen ist außerdem die richtige Diagnose einer Pilzinfektion entscheidend. Nicht jeder veränderte Nagel und nicht jede schuppende Hautstelle ist eine Mykose.

Schwarzkümmelöl ist nicht gleich Schwarzkümmelextrakt

Dieser Punkt kann gar nicht deutlich genug gemacht werden. Wenn Wissenschaftler Candida mit einem Methanol-, Chloroform- oder wässrigen Extrakt behandeln, bedeutet das nicht, dass ein Teelöffel kaltgepresstes Schwarzkümmelöl dieselben Konzentrationen derselben Substanzen am selben Wirkort erzeugt.

Ebenso wenig sollte jemand auf die Idee kommen, solche Extrakte selbst herzustellen. Methanol und Chloroform sind Lösungsmittel aus Labor und Technik und haben in einer häuslichen Therapie selbstverständlich nichts verloren.

Auch bei kommerziellen Schwarzkümmelölen ist mit erheblichen Unterschieden zu rechnen. Sorte, Herkunft, Lagerung, Pressverfahren und Alter können die Zusammensetzung beeinflussen. Gerade beim viel untersuchten Thymochinon wäre deshalb eine Standardisierung sinnvoll, wenn man therapeutische Wirkungen wissenschaftlich vergleichen möchte.

Der entscheidende Punkt bei Candida: Warum kann sich der Pilz ausbreiten?

Bei aller Begeisterung für interessante antimykotische Pflanzenstoffe darf man den für mich wichtigsten Punkt nicht übersehen: Candida ist häufig nicht das eigentliche Grundproblem, sondern ein Teil eines gestörten biologischen Milieus.

Wenn beispielsweise eine Antibiotikatherapie große Teile der bakteriellen Konkurrenz dezimiert, verändern sich die ökologischen Bedingungen im Darm. Aus diesem Grund beschäftige ich mich bei entsprechenden Beschwerden nicht nur mit dem Pilz, sondern auch mit der Symbioselenkung und dem Aufbau eines stabileren Darmmilieus.

Ähnliches gilt für die Darmschleimhaut. Bei chronischen Darmbeschwerden kann es sinnvoll sein, nicht ständig nur nach dem nächsten Mittel gegen Candida zu suchen, sondern nach Ursachen einer gestörten Barrierefunktion. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag über das Leaky-Gut-Syndrom verfasst.

Auch die Ernährung gehört dazu. Ich halte allerdings wenig von der simplen Vorstellung, man müsse nur sämtliche Kohlenhydrate streichen und könne den Pilz dadurch „aushungern“. Candida ist metabolisch wesentlich anpassungsfähiger, und eine langfristig extrem einseitige Kost kann neue Probleme schaffen.

Meine Gedanken dazu finden Sie ausführlicher in meinem Beitrag über die Candida-Anti-Pilz-Diät. Aus meiner Sicht sollte Ernährung nicht nur gegen einen Mikroorganismus gerichtet sein, sondern gleichzeitig Darmflora, Schleimhaut, Stoffwechsel und eine vernünftige Nährstoffversorgung unterstützen.

Warum „Pilz weg“ nicht automatisch „Problem gelöst“ bedeutet

Das ist zugleich der Grund, weshalb ich auch einen rein schematischen Einsatz von Antimykotika kritisch sehe. Es gibt Situationen, in denen Medikamente wie Nystatin oder Azole sinnvoll und notwendig sind. Bei einer invasiven Candidose ist eine wirksame antimykotische Arzneitherapie selbstverständlich kein Diskussionsthema, sondern kann lebensrettend sein.

Bei chronischen oder immer wiederkehrenden Beschwerden stellt sich aber zusätzlich die Frage, warum das Problem ständig zurückkehrt. Wird lediglich der Pilz reduziert, während die begünstigenden Faktoren unverändert bleiben, ist ein Rückfall nicht besonders überraschend.

Meine kritischen Überlegungen dazu habe ich unter anderem in meinem Beitrag „Nystatin – kritische Anmerkungen zur Nystatintherapie“ sowie ausführlicher in meiner biologischen Candida-Therapie beschrieben.

Genau an solchen Themen zeigt sich übrigens, was mich an Naturheilkunde seit Jahrzehnten interessiert: nicht „Natur gegen Medizin“, sondern die Frage, welche biologischen Zusammenhänge hinter einem Problem stecken und welche Möglichkeiten möglicherweise über das bloße Unterdrücken eines Symptoms hinausgehen.

Wenn Sie solche naturheilkundlichen Zusammenhänge mögen, empfehle ich Ihnen meinen Newsletter mit den „5 Wundermitteln“. Darin geht es um besonders interessante Mittel und Verfahren, die in der üblichen Gesundheitsberichterstattung oft kaum vorkommen:

 

Kleine Anmerkung: Die „5 Wundermittel“ gehören seit Jahren zu den beliebtesten Informationen, die ich an meine Leser verschicke.

Wie ich den Stellenwert von Schwarzkümmel bei Candida heute sehe

Im Vergleich zur ursprünglichen Fassung dieses Beitrags hat sich meine Beurteilung etwas verändert. Damals musste man noch vor allem mit Labor- und Tierexperimenten argumentieren. Heute gibt es immerhin erste klinische Daten.

Damit ist Schwarzkümmel für mich deutlich mehr als ein traditionelles Hausmittel, zu dem man lediglich ein paar nette Geschichten erzählen kann. Die Kombination aus plausiblen pharmakologischen Mechanismen, In-vitro-Daten, einem Tiermodell und ersten kontrollierten Untersuchungen am Menschen ist interessant.

Was wir dagegen noch nicht haben, sind große, unabhängige und mehrfach reproduzierte klinische Studien, die uns sagen, bei welcher Candida-Erkrankung welche Schwarzkümmelzubereitung in welcher Dosierung wie zuverlässig wirkt. Insbesondere für eine Candida-Problematik im Darm lässt sich aus den vorhandenen Studien keine etablierte Dosierung ableiten.

Deshalb würde ich Schwarzkümmel heute als mögliches ergänzendes Element sehen, nicht als bewiesene alleinige Candida-Therapie.

Mein Fazit

Schwarzkümmel und insbesondere sein Inhaltsstoff Thymochinon zeigen in der Forschung eine bemerkenswerte antimykotische Aktivität. Candida-Wachstum, Biofilmbildung und weitere für den Pilz relevante Eigenschaften lassen sich unter experimentellen Bedingungen beeinflussen. In einem älteren Mausmodell wurde eine deutliche Reduktion einer systemischen Candida-Belastung beobachtet.

Besonders interessant sind inzwischen zwei klinische Untersuchungen bei Frauen mit vulvovaginaler Candidose. Eine Studie fand Vorteile, wenn Schwarzkümmelkapseln zusätzlich zu Clotrimazol gegeben wurden. Eine weitere Untersuchung zeigte mit einer speziell hergestellten Schwarzkümmel-Honig-Creme Ergebnisse, die bei mehreren Beschwerden mindestens konkurrenzfähig mit Clotrimazol waren. Das ist bemerkenswert – allerdings noch kein Beweis für Schwarzkümmel als eigenständiges Antimykotikum.

Die vernünftige Position liegt deshalb wieder einmal zwischen den Extremen. Man muss aus Schwarzkümmel kein „Candida-Wundermittel“ machen. Man muss aber auch nicht so tun, als gäbe es für die traditionelle Anwendung keinerlei wissenschaftliche Grundlage.

Und vor allem sollte eine vernünftige Candida-Therapie nicht bei der Frage enden: „Womit töte ich den Pilz?“ Gerade bei wiederkehrenden Problemen interessiert mich viel mehr: Warum konnte sich Candida überhaupt so stark entwickeln? Was ist mit Darmflora, Schleimhaut, Blutzucker, Ernährung, Medikamenten und Immunlage?

Wer nur den Pilz bekämpft, behandelt möglicherweise einen Mitspieler. Wer die Bedingungen verändert, unter denen er sich ausbreiten konnte, beschäftigt sich mit dem gesamten Spielfeld. Genau darin sehe ich den eigentlichen naturheilkundlichen Ansatz.

Studien und Quellen

  • Khan MAU et al. The in vivo antifungal activity of the aqueous extract from Nigella sativa seeds. Phytotherapy Research. 2003. PubMed
  • Adiban Fard F et al. Therapeutic Effects of Nigella Sativa Linn (Black Cumin) on Candida albicans Vaginitis. Archives of Clinical Infectious Diseases. 2015. Studie
  • Norouzi Allahleh Korabi M et al. Comparison between the Efficacy of Nigella sativa-Honey and Clotrimazole on Vulvovaginal Candidiasis: A Randomized Clinical Trial. 2022. Volltext bei PubMed Central
  • Kurihara F et al. Thymoquinone as a causative allergen in Nigella sativa oil contact dermatitis. Contact Dermatitis. 2020. PubMed
  • Gaudin O et al. Association Between Severe Acute Contact Dermatitis Due to Nigella sativa Oil and Epidermal Apoptosis. JAMA Dermatology. 2018. PubMed