Entzündliche Rheumaformen
Entzündliche Rheumaformen - Was ist das?
Die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen machen einen Großteil der Erkrankungen des gesamten
"rheumatischen Formenkreises" aus.
Sie sind durch entzündliche Veränderungen der betroffenen Körperteile und Entzündungszeichen im Blut mit
allgemeinen Entzündungssymptomen (=Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Fieber, Muskelschmerzen) gekennzeichnet.
Die häufigsten entzündlichen Rheumaformen sind die chronische Polyarthritis (=rheumatoide Arthritis),
der Morbus Bechterew (auch: ankylosierende Spondylitis), die reaktive Arthritis und die
Psoriasis-Arthritis. Außerdem zählen die Kollagenosen und die Vaskulitiden zu den
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die häufigste Mit-Ursache dieser Erkrankungen ist eine genetische
Veranlagung.
Die chronische Polyarthritis ist eine systemische entzündliche Erkrankung, von der am
häufigsten Frauen mittleren Alters betroffen sind. Es kommt schubweise zu Entzündungen der Gelenkflüssigkeit und im
Verlauf zur Zerstörung des Gelenkknorpels. Zu Beginn sind meist die kleinen Fingergelenke symmetrisch betroffen. Es
bestehen Bewegungsschmerzen und Gelenkschwellungen mit Morgensteifigkeit. In einigen Fällen sind auch
Herzstrukturen (z.B. Herzbeutel), Lungenfell (=Pleura) oder Blutgefäße entzündlich verändert.
Beim Morbus Bechterew sind die Wirbelsäule, die Extremitätengelenke und die Sehnenansätze
entzündlich verändert. Besonders nachts und morgens bestehen Kreuz-, Gesäß- und Wirbelsäulenschmerzen. Es kommt zu
einer zunehmenden Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule. Im Verlauf kommt es zur Wirbelsäulenversteifung
(Rundrücken=Kyphose). Er tritt vor allem bei Männern zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr auf.
Die reaktive Arthritis (=infektreaktive Arthritis) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die
nach bakteriellen (z.B. Chlamydien, Yersinien, Salmonellen, Campylobacter jejuni) Magen-Darm-Infekten oder Infekten
der Harnwege und der Genitalorgane auftreten kann. Etwa zwei bis sechs Wochen nach dem auslösenden Infekt treten
asymmetrische Gelenkentzündungen vor allem in den Beinen (z.B. Knie- oder Sprunggelenke) auf.
Kommen eine Harnröhrenentzündung, eine Entzündung der Bindehaut oder Regenbogenhaut des Auges und eventuell ein
schuppenflechtenähnlicher Hautausschlag hinzu, spricht man vom Reiter-Syndrom.
Eine Psoriasis-Arthritis tritt bei 10-20% der Schuppenflechte-Patienten auf. Oft sind wenige
Gelenke asymmetrisch von Entzündungen betroffen.
Kollagenosen kommen bei Frauen häufiger vor, als bei Männern. Zu ihnen zählen der systemische Lupus
erythematodes (Gelenk- und Muskelentzündungen, Blutbildveränderungen, Hautveränderungen, Entzündungen des
Lungenfells und Herzbeutels, Nierenveränderungen, neurologische Veränderungen), die Polymyositis
(entzündliche Veränderungen in der Muskulatur des Bewegungsapparates), die Dermatomyositis
(Polymyositis mit Hautveränderungen), die Sklerodermie (Hautschrumpfungen, Gelenkschmerzen,
Schluckstörungen, Lungenvernarbung, Nierenveränderungen) und das Sjögren-Syndrom (chronische
Entzündung von Tränen- und Speicheldrüsen mit trockenem Auge und trockener Mundschleimhaut).
Vaskulitiden sind Entzündungen der kleinen (z.B. mikroskopische Panarteriitis nodosa, Purpura
Schoenlein-Henoch), mittleren (z.B. Kawasaki-Syndrom) oder großen (z.B. Arteriitis temporalis) Blutgefäße. Sekundär
treten Vaskulitiden auch bei anderen Erkrankungen (z.B. chronische Polyarthritis, Kollagenosen) auf. Die Folge
dieser Gefäßentzündungen ist die Schädigung der betroffenen Organe.
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