Gicht
Die Gicht oder "Das Zipperlein"...
Die Gicht galt bis vor ca. 100 Jahren fast ausschließlich als Krankheit der "Reichen". Warum?
Die Gicht (=Arthritis urica) ist eine symptomatische Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut
(=Hyperurikämie). Harnsäure ist ein Endprodukt des Purinstoffwechsels und wird zu zwei Dritteln
über die Nieren und zu einem Drittel über den Darm ausgeschieden. Das Alter, das Geschlecht und die Ernährung
beeinflussen den Harnsäurespiegel im Blut.
Die primäre Hyperurikämie wird meist (>99% der Fälle) durch eine verminderte Ausscheidung von Harnsäure durch
die Nieren verursacht. Die Ausscheidung der normalen Harnsäuremenge erfolgt erst bei einem erhöhten
Harnsäurespiegel im Blut.
Diese Stoffwechselstörung ist vererbar und gewinnt bei purinreicher Ernährung (Fleisch, Innereien, Bier, Cola,
Hülsenfrüchte) und Übergewicht an Bedeutung. Und weil sich Fleisch, Wurst etc. früher nur die Reichen leisten
konnten, hatten diese auch Gicht.
Heute ist es zunehmend umgekehrt! Bessere Bildung und Einkommen gehen mit vernünftigeren Essgewohnheiten einher,
wie es erst 2008 durch die Nationale Verzehrstudie II belegt wurde.
Doch zurück zur Gicht...
In seltenen Fällen wird eine primäre Hyperurikämie durch einen vererbten Enzymmangel oder eine
Enzymaktivitätsverminderung ausgelöst (=Lesch-Nyhan-Syndrom: Hyperurikämie, Nierenschwäche, neurlogische Symptome
mit Selbstverstümmelung; Kelley-Seegmiller-Syndrom: Hyperurikämie, Nierensteine, neurologische Störungen aber ohne
Selbstverstümmelung).
Sekundäre Hyperurikämien können durch eine vermehrte Harnsäurebildung bei Leukämien, Tumoren und bei einer
Chemo- und Strahlentherapie entstehen.
Auch durch eine verminderte Harnsäureausscheidung über die Nieren bei Nierenerkrankungen, Stoffwechselentgleisungen
(z.B. Ketoazidose bei entgleistem Diabetes mellitus oder Fastenkur) oder bestimmte Medikamente (z.B. Diuretika)
kann eine sekundäre Hyperurikämie entstehen.
Eine reine Hyperurikämie verursacht keine Beschwerden.
Überschreitet die Blutharnsäurekonzentration allerdings die Löslichkeitsgrenze, kommt es zur Ausfällung von
Harnsäurekristallen (=Uratkristallen) im Körpergewebe. Die Ausfällung von Uratkristallen in der Gelenkschmiere
(=Synovia) verursacht eine Entzündungsreaktion im betroffenen Gelenk (=kristallinduzierte Synovitis).
Diese Entzündung wird als akuter Gichtanfall bezeichnet.
Auslösende Faktoren sind meist Ess- oder Trinkexesse oder Stress. Es kommt oft nachts aus völliger Gesundheit
heraus zu einer stark schmerzhaften Entzündung eines Gelenkes (in 60% der Fälle des
Großzehengrundgelenkes=Podagra). Das Gelenk ist überwärmt und geschwollen, die Haut über dem Gelenk gerötet. Auch
Sprunggelenke, Fußwurzel, Kniegelenke, andere Zehengelenke, Fingergelenke (vor allem das
Daumengrundgelenk=Chiragra), Handgelenke und Ellbogengelenke können von einem akuten Gichtanfall betroffen
sein.
Ein Gichtanfall klingt nach einigen Tagen bis drei Wochen spontan ab. Er wird von allgemeinen Entzündungszeichen
(Fieber, Krankheitsgefühl) begleitet. Gichtanfälle kommen schubweise vor. Zwischen zwei Gichtanfällen liegt ein
symptomloses Stadium.
Wegen der guten Therapiemöglichkeiten kommt die chronische Verlaufsform der Gicht heute nur noch selten vor.
Dabei finden sich Harnsäureablagerungen (=Tophi) in Ohrmuschel, Großzehe, Ferse, Ellbogenknochen, Sehnenscheiden
und Schleimbeuteln, aber auch im Knochengewebe. Meist bilden sich Nierensteine, es entwickeln sich
Nierenentzündungen, im Extremfall kann es zum Nierenversagen kommen.
Als Alternative Therapie kommt das Fasten in Frage und ist auch
bei einer Gicht möglich, wobei aber einige Punkte beachtet werden müssen. Mehr dazu im Artikel: Fasten bei Gicht.
Akut einsetzende Gelenkschmerzen mit Entzündungszeichen können auch bei einer reaktiven Arthritis
(=Gelenkentzündung), einer aktivierten Arthrose (=Entzündung an vorgeschädigtem Gelenk) und als Pseudogicht
(=Ablagerung von calciumhaltigen Kristallen im Knorpelgewebe) vorkommen.
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