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Das Klistier - Anwendung und Durchführung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ein Klistier ist grundsätzlich nichts anderes als ein Einlauf. Jedoch wird dazu eine geringere Menge Flüssigkeit als beim Einlauf verabreicht. Der Begriff Klistier kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „spülen“ oder „reinigen“.

Ein Klistier wird zur Förderung des Stuhlganges angewendet. Dafür werden in der Regel Klysos, Klistier-Spritzen oder Klistier-Bälle verwendet.

Der Einlauf hingegen - die Spülung von Mastdarm und Dickdarm- ist eines der ältesten Naturheilmittel und wird durchgeführt, um bei hartnäckiger Verstopfung (Obstipation) den Stuhl im Enddarm aufzuweichen und abzuführen.

Einlauf und Klistier werden bei ganzheitlichen Fastenmethoden eingesetzt, um eine schonende und gründliche Reinigung des Körpers von innen zu erreichen.

Lange Tradition: Die Geschichte des Klistiers

Das Klisiter ist schon seit der griechischen Antike bekannt. Man setzte sie ein, um den Stuhlgang anzuregen oder auch, um Nährstoffe und Medikamente in den Darm einzubringen. Neben Wasser verwendete man auch Milch, Wein, Eidotter, Brühe oder andere Stoffe als Klistierlösung. Man ernährte auf diese Weise Menschen, die keine Speisen mehr zu sich nehmen konnten. Diese „Nährklistiere“ spielen heute allerdings keine Rolle mehr. Aber nicht nur zum Ernähren, auch zum Gesundhalten und Heilen spielte das Klistier im Alten Griechenland eine bedeutende Rolle. Hippokrates hielt es für eine wichtige Maßnahme, um die Körpersäfte wieder in Einklang zu bringen. Diese Lehre von den Körpersäften war bis ins 19. Jahrhundert hinein entscheidend für die Medizin in Europa. Klistiere spielten deshalb auch weiterhin eine sehr große Rolle.

Auch die alten Ägypter verwendeten Klistiere, wie man von Bildern aus dem Pyramidenfeld von Gizeh weiß. Der geregelte Stuhlgang war für die Ägypter essenziell wichtig, um Krankheiten zu vermeiden. Es gab sogar einen Arzt, der als „Hüter des königlichen Darmausgangs“ für diese regelmäßigen Ausscheidungen sorgte. Mit Klistieren und Einläufen sorgte er dafür, dass die „Krankheitsdämonen“ schneller den Körper verließen.

Bis weit über das Mittelalter hinaus wurden Einläufe zur Gesunderhaltung sehr häufig eingesetzt. Im 16. und 17. Jahrhundert nahm die Begeisterung für Klistiere sogar noch weiter zu. Neben der Gesundheit sollten sie auch der Schönheitspflege dienen und jung halten. Ein Klistier gehörte zur täglichen Körper- und Schönheitspflege.

Die ersten „Klistiergerätschaften“ bestanden aus Kuhhörnern, bei denen die Spitze abgesägt war. Im Lauf der Jahrhunderte wurden aber immer bessere Geräte entwickelt, die angenehmer und einfacher in der Anwendung waren. Da schon im Mittelalter das Schamgefühl viele Menschen davon abhielt, einen Einlauf von einem Apotheker oder Arzt durchführen zu lassen, arbeitete man vor allem an Gerätschaften, die eine Eigenbehandlung zuließen. Die ersten Modelle waren noch kompliziert und konnten zu Verletzungen führen, doch sie wurden schnell weiterentwickelt. Im 17. Jahrhundert, als die Darmreinigung eine regelrechte Modeerscheinung war, gab es Klistierspritzen aus wertvollen Materialien, die man auch gerne herzeigte oder sogar sammelte.

Heute gibt es Gerätschaften aus modernen, hygienischen Materialien, die eine einfache Anwendung zu Hause möglich machen. Die meiner Meinung nach beste Methode stelle ich Ihnen in diesem Artikel vor.

Vorbereitung und Durchführung eines Klistiers:

Für den Hausgebrauch ist ein Irrigator-Set, ein Klistier oder eine Klyso-Pumpe sehr gut geeignet, um ein Klistir durchzuführen.

Viele Patienten haben großen Respekt (um nicht zu sagen: Abscheu) vor der Vorstellung, einen Einlauf oder ein Klistier durchzuführen. Das hat mit zwei Faktoren zu tun:

Erstens haben wir als Kinder gelernt, dass alles, was „hinten rauskommt“, „pfui“ ist. Auch Erwachsene können nur selten entspannt über ihre Ausscheidungen sprechen. Das ist nicht nur unnötig, sondern kann auch gesundheitlich problematisch werden, nämlich dann, wenn nötige Maßnahmen aus falschem Ekel nicht durchgeführt werden. Deshalb sei hier noch einmal festgehalten: Es ist völlig normal und natürlich, dass der Körper überflüssige Verdauungs- und Stoffwechselprodukte als Kot abgibt. Lassen Sie sich von einem anerzogenen Ekel nicht von einem Klistier abhalten!

Zweitens sind die Beschreibungen eines Einlaufs oft mehr als abschreckend. Da werden Patienten auf dem Badboden auf alle Viere gezwungen, während das Einlaufgerät an der Türklinke hängt. Diese Haltung ist nicht nur entwürdigend, sondern für Menschen mit Knie- oder Rückenproblemen oft schlicht unmöglich.

Da habe ich allerdings eine gute Nachricht für Sie: Es gibt eine Technik für Einläufe und Klistiere, die viel einfacher, bequemer und würdevoller durchzuführen ist. Sie brauchen dafür eine Klyso-Pumpe (auch: Klistier-Pumpe). Diese können Sie im Sanitätshaus oder in der Apotheke beziehen. Mit einem Anschaffungswert von etwa 20 – 30 Euro halten sich die Kosten in Grenzen. Und so gehen Sie mit der Klistier-Pumpe um:

Durchführung eines Klistiers mit der Klistier-Pumpe:

Vorsicht: Ein Klistier sollte aufgrund der möglichen Kreislaufbelastung immer im Liegen durchgeführt werden!

Vorbereitung eines Klistiers:

1. Legen Sie zusätzlich zur Klyso-Pumpe zuerst folgende Hilfsmittel bereit:

• Schutzfolie oder Zellstofftücher

• Einmal-Handschuhe

• Schüssel

• Vaseline oder Fett-Creme

2. Prüfen Sie den festen Sitz des Kistier-Stücks am Schlauchende

3. Bereiten Sie die Spülflüssigkeit vor. Füllen Sie dafür circa 200 - 500ml körperwarmes Wasser (ca. 37°C) in die Schüssel. Wenn Sie Wirkstoffe wie zum Beispiel Natron, Kochsalz oder Kamillentinktur hinzugeben möchten, halten Sie sich bitte an die Dosieranleitung dieser Wirkstoffe, da eine Überdosierung zu einer Darmschleimhautreizung führen kann!

4. Fetten Sie das Klistierrohr ein, zum Beispiel mit Vaseline.

5. Bedecken Sie das Bett oder die Liegefläche mit der Schutzfolie oder den Zellstofftüchern - es tut auch ein Badehandtuch.

6. Stellen Sie die Schüssel mit der Spülflüssigkeit in erreichbare Nähe.

Durchführung eines Klistiers:

1. Ziehen Sie die Einmal-Handschuhe an. Wenn Sie wollen, können Sie auch darauf verzichten. Entscheiden Sie einfach, wie Sie sich wohler fühlen.

2. Legen Sie sich mit Ihrer linken Seite auf Ihr Bett oder eine andere bequeme Liegefläche. Da der Dickdarm linksseitig verläuft, wird so der Flüssigkeitsaufstieg in den Darm begünstigt. Das Klistier kann auch in einer flachen Rückenlage mit aufgestellten Beinen vorgenommen werden. Bereitet Ihnen die Selbstdurchführung Schwierigkeiten, bitten Sie eine Person Ihres Vertrauens um Mithilfe.

3. Ziehen Sie die Knie leicht an, um Ihre Bauchmuskulatur zu entspannen.

4. Führen Sie das Klistier-Rohr mit einer leichten Drehbewegung ca. 2 - 3 cm in den After ein.

5. Das Schlauchende mit dem Ansaugventil tauchen Sie in die Spülflüssigkeit. Durch Pumpen des Balles wird die Flüssigkeit angesaugt und über den Ball und das Klistier-Rohr in den Darm gebracht. Bei einem starken Entleerungsdrang beenden Sie das Pumpen.

6. Ziehen Sie das Klistier-Rohr aus dem After.

Achtung: Ziehen Sie dabei nicht am Schlauch, sondern am Klistier-Rohr. Versuchen Sie, die Flüssigkeit möglichst lange zu halten. Bei einer Verweildauer der Flüssigkeit von circa sieben Minuten erhalten Sie eine optimale Wirkung des Klistiers.

7. Entleeren Sie den Darminhalt auf der Toilette.

Reinigung der Klyso-Pumpe:

1. Spülen Sie die Klyso-Pumpe mit reichlich Wasser gründlich durch.

2. Das Klistier-Rohr kochen Sie anschließend aus und desinfizieren es gegebenenfalls.

3. Entsorgen Sie die benutzten Einmal-Artikel wie Handschuhe, Schutzfolie oder Zellstofftücher.

Erfolgt die Anwendung von einem Klistier im pflegerischen Bereich, müssen Sie vorher Ihren Arzt befragen. Klistiere gehören dann zu den ärztlichen Verordnungen!

Weitere Informationen erhalten Sie im Beitrag „Einlauf – Notwendig oder überflüssig“: http://www.gesund-heilfasten.de/Einlauf-Darmeinlauf.html.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.12.2016 aktualisiert