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Chondroitin und Chondroitinsulfat: Anwendung, Wirkung, Kritik und Studien

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

In unserem Knorpelsystem findet man eine Reihe von Stoffen, die der Körper im Normalfall selbst produziert, hierzu gehört Chondroitinsulfat, eine Zuckerverbindung, die die Flüssigkeit in den Knorpeln bindet und somit dafür sorgt, dass die Gelenke bei Beanspruchung ausreichend "abgefedert" werden.

Fehlt dieser Stoff, bzw. kann es der Körper nicht mehr selbst in ausreichender Menge produzieren, kann es zu Gelenkschmerzen kommen.

Nun gibt es die Möglichkeit, diesen Stoff dem Körper als Nahrungsergänzung selbst zu verabreichen: Chondroitin wird aus dem Knorpelgewebe von Tieren gewonnen, meist von Kühen oder Schweinen.

In der Medizin wird es zur Behandlung von Arthrose eingesetzt, meist zusammen mit Glucosamin, ebenfalls eine Zuckerverbindung.

Über die Wirkung dieser Präparate gibt es unterschiedliche Meinungen, einige Patienten, an denen Chondroitin oder Chondroitinsulfat getestet wurde, sprachen tatsächlich von einer Besserung ihrer Beschwerden, da Chondroitin und Glucosamin zusammen das Knorpelwachstum und die Flüssigkeitsbindung anregen.

Und genau dieser Gelenkknorpel ist bei einer Arthrose "angegriffen": Eine Arthrose kann ein relativ schmerzhafter Prozess sein - muss es aber nicht. Meist findet man eine Einschränkung der Beweglichkeit der Gelenke und zahlreiche schmerzhafte Punkte in der umgebenden Muskulatur. Die Verschleißerscheinung beginnt mit einer Ausdünnung der Knorpelschicht und führt letztlich zur Deformation der Knochen-Struktur. Im Anfangs-Stadium ist man daher bemüht, den Knorpel vor dem völligen Abbau zu schützen.

Medikamentös bieten sich hier zwei Alternativen an:

1. Chondroitin ist ein Präparat, das auch der Körper selbst im Gelenk bildet, um den Knorpel auf zu bauen. Durch medikamentöse Zufuhr der Substanz wird dieser Bildungs-Prozess unterstützt.

2. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die entzündungshemmend wirken und so die Degeneration vermindern sollen. Besonders sogenannte „COX-2-Hemmer“ hier zum Einsatz. Diese Medikamente blockieren die hormonelle Kaskade des Endzündungs-Prozesses. Ein gängiges NSAR zur Behandlung von Arthrose ist zum Beispiel das Celecoxib. Allerdings werden mit diesen Mitteln nur die Schmerzen "abgestellt", quasi betäubt. Eine Alternative ist das meines Erachtens nicht. Ich erinnere mich auch noch gut an die Cox 2 Hemmer Vioxx und Celebrex. Im Sommer 2008 wurde schließlich bekannt, dass zahlreiche Studien zu Vioxx von Ghostwritern erstellt wurden, die dann von den Professoren "nur" noch unterschrieben wurden. Lesen Sie hierzu auch meinen Blog-Beitrag: Der Vioxx-Skandal.

Schon der Laien versteht, dass eine körpereigene Substanz wie Chondroitin für den Körper schonender ist als ein synthetisches Präparat mit seinen potentiellen Nebenwirkungen.

Doch lange war fraglich, ob der Knorpelbildner Chondroitin auch genau so effektiv oder besser wirkt als zum Beispiel Celecoxib. Ein Team von Medizinern hat die Frage für die Arthrose des Knies in einer Studie untersucht und kam zu dem Schluss, dass Chondroitin dem Hormon-Moderator Celecoxib sogar überlegen ist. Fast 200 Freiwillige mit Knie-Arthrose nahmen an der Studie teil. Eine Gruppe bekam Chondroitin, die zweite Celecoxib. In einem Zeitraum von 2 Jahren stellten sich die Patienten zu Kontroll-Untersuchungen vor. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Gruppe unter Chondroitin ihren Knorpel viel besser erhalten konnte als die Patienten, die Celecoxib nahmen. Auch die entzündlichen Erscheinungen waren durch Chondroitin weniger ausgeprägt. Studienleiter Dr. Jean-Pierre Pelleiter präsentierte die Forschungsergebnisse im November 2015 auf dem Jahres-Kongress der Ärztevereinigung „American College of Rheumatology“ in San Francisco.

Ich erwähne diese Studie bereits jetzt schon weil ich diese sehr überzeugend fand. Zur weiteren Studienlage nehme ich weiter unten noch ausführlicher Stellung. Vorher noch ein paar Worte zu den unzähligen Mitteln, die auf dem Markt sind.

In Drogeriemärkten sind sehr viele chodroitinhaltige Präparate zu finden, ebenso in Apotheken. Am häufigsten findet man Chondroitin in Verbindung mit Glucosamin in Kapselform. Tetesept ist, bei den Produkten aus den Drogeriemärkten, wohl eine der bekannteren Marken. Tetesept wirbt mit dem Präparat "Gelenk-Komplex" für Knorpelaufbau und Gelenkschmiere.

Im Internet sind diverse Produkte, deren Wirkstoff Chondroitin ist, zu bekommen. Superflex-3 Tabletten von Newton-Everett Biotech verspricht zusätzlich noch eine entzündungshemmende Wirkung seiner Tabletten.

Auch als Granulat, welches in Wasser gelöst und getrunken werden kann, wird eine Chondroitin-Glucosamin Verbindung, angeboten. Die Firma Synomed bietet hier ein "Basis-Osteo Granulat" an.

Chondroitin ist auch in Hundefutter (Eukanuba) und Tierpräparaten zu finden, da auch Hunde, Pferde und andere Tiere an Arthrose leiden.

Kritik und Studienlage

Chondroitin scheint eine Substanz zu sein, die besonders im Kreuzfeuer der Kritik steht, vor allem bezüglich seiner Wirksamkeit bei Arthritis. Klar: Die Substanz ist relativ billig. Und wenn man bösartig wäre, könnte man behaupten so etwas schadet dem Absatz der Pharmaindustrie.

Und auch gegen das Chrondroitin wird einiges ins Feld geführt: Die Liste der Negativpunkte ist ellenlang. Besonders originell ist ein Bericht auf einer Webseite des Instituts für Pharmakologie in Innsbruck (www2.i-med.ac.at/pharmakologie/info/info10-3.html#Condro), in dem ein wichtiger Kritikpunkt war, dass praktisch alle Veröffentlichungen, die zu guten Ergebnissen kamen, in Fachzeitschriften ohne besondere wissenschaftliche Bedeutung erschienen. Falls Sie die Webseite versucht haben aufzurufen: geht leider nicht mehr, da die Seite vom Netz genommen wurde...

Die Veröffentlichungen seitens des Kritikers, die eine Wirkungslosigkeit "bewiesen", erschienen dagegen in sogenannten "Fachzeitschriften" wie: die Deutsche Apotheker Zeitung, Arzneimittelforschung, Symposiumsberichte, Der informierte Arzt, und so weiter.

Symposiumsberichte und der Rest der "Fachzeitschriften", die hier ins Feld geführt wurden, sind aber auch nicht die wissenschaftlichen Journale, sondern bestenfalls Informationsblättchen für Mediziner auf (Verzeihung!) "gebremsten wissenschaftlichen Verständnisniveau".

Diese Form der methodologischen Kritik ist schon bezeichnend für die Vorgehensweise der "evidenzbasierten" schulmedizinischen Wissenschaft, die alle Formen der Evidenz geflissentlich zu übersehen bemüht ist: Man wirft der Gegenseite die Ungereimtheiten vor, die man selbst tagtäglich zu begehen pflegt. Nun denn... Übrigens: Wenn Sie das weitergehend interessiert, dann lesen Sie meinen Report zur "Schulmedizin".

Zwei besonders „gelungene“ Beispiele für die Kritik an Nahrungsergänzungsmitteln mit Chondroitinsulfat und Glucosamin bringen Ökotest und das Deutsche Ärzteblatt. Ich bezeichne beide Beiträge als „gelungen“, da sie das typische Bild einer aus der Luft gegriffenen Kritik zeichnen.

Der Ökotest stammt aus dem Jahr 2012 (Mittel gegen Glenkbeschwerden/Gelenkpräparate – Auf Biegen und Brechen? - oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=98734&bernr=06). Gleich nach der Einleitung wird dem Leser das Ergebnis des „Tests“ von 27 „Gelenkpräparaten“ mitgeteilt. Acht Präparate waren als Arzneimittel eingestuft und 19 als Nahrungsergänzungsmittel.

Das Ergebnis sah so gut aus wie alle Testergebnisse von Ökotest für eher alternativ einzustufende Präparate (Vitamin D - Präparate im Test): Die Arzneimittel erreichen „mit Ach und Krach ein ausreichend“, während die Nahrungsergänzungsmittel alle durchfielen. Hier verteilte der Oberstudiendirektor von Ökotest nur die Noten „mangelhaft“ und „ungenügend“ (setzen!).

Wie kommt Ökotest auf diese Bewertung? Wie es aussieht, hat man es sich hier wieder einmal ganz einfach gemacht – ähnlich wie bei der Bewertung von Vitamin-D-Präparaten – und einfach seine eigene angebliche Kompetenz als Beweis für die Richtigkeit der gemachten Aussagen genommen. Denn die Begründung für das bestenfalls als „ausreichend“ bezeichnete Abschneiden der Arzneimittel ging so:

„Die Arzneimittel werden angewendet zur "Linderung der Symptome von leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks". Die Belege, dass sie das tatsächlich können, sind aber nur wenig überzeugend.“

Ende der Durchsage! Kein Anflug von Bemühen, diese mangelhaften Belege zu zitieren! Warum werden hier wenig überzeugende Belege nicht als Quelle zitiert? Solche Belege sind eigentlich Wasser auf der Mühle des Kritikers. Hier könnte sich jeder ein Bild machen, wie solche mangelhaften Belege aussehen und wie sie zustande gekommen sind. Statt dessen müssen wir den Aussagen von Ökotest einfach nur glauben, statt wissen.
Bei den Nahrungsergänzungsmitteln wird die Argumentation dann noch bunter:

„Von den Nahrungsergänzungsmitteln im Test haben gesunde Anwender keine Vorteile zu erwarten, ganz gleich ob sie Glucosamin, Chondroitin, Kollagen oder Hagebuttenpulver als maßgebliche Inhaltsstoffe enthalten.“

Wer sagt das? Kein Hinweis von Ökotest. Warum? Niemand anderes als Ökotest sagt dies. Und wir müssen glauben. Und warum bezieht man sich auf „gesunde Anwender“, wo die meisten Studien mit bereits erkrankten Probanden durchgeführt worden sind. So viel ich weiß gibt es keine Studien mit gesunden Probanden, die in einer Langzeitstudie unter randomisierten Bedingungen beobachtet worden sind, ob Chondroitinsulfat besser Arthrose verhindern kann als Placebo oder nicht. Logik von Ökotest: Weil es keine solchen Studien gibt, ist das ein Beweis dafür, dass es keinen prophylaktischen Effekt gibt. Aber es wird noch heftiger:

„Die Herstellung erinnert jedenfalls an Resteverwertung: So wird Glucosamin aus Shrimps, Garnelen und Krabbenschalen gewonnen, Chondroitin überwiegend aus Haifischknorpel, aber auch aus Rinderlunge und Schweineohren oder -schnauzen.“

Es ist richtig, dass die Gewinnung von Glucosamin und Chondroitinsulfat noch nicht aus Diamanten und Edelsteinen gelungen ist. Die beiden Substanzen sind nun einmal biologische Substanzen und werden somit aus biologischem Material gewonnen. Warum hat Ökotest jetzt auf einmal Probleme mit der Herstellung? Welche „Resteverwertungs-Substanzen“ kippt die pharmazeutische Industrie in ihre Impfseren, ohne dass Ökotest hier Alarm schlägt! Zahnpasta mit Fluor, ein Abfall aus der Aluminiumgewinnung, damit hat Ökotest auch kein Problem! Die Abfälle, die in der Tierhaltung verfüttert werden und damit über diesen Umweg auf unseren Teller gelangen, damit hat Ökotest noch weniger Probleme! Die Galenik von Tabletten wird ebenfalls mit Substanzen durchgeführt, die gemäß Ökotest im Verdacht stehen müssen, aus der Resteverwertung zu stammen (Pharmazeutische Hilfsstoffe).

Dann kommt das alte Argument, dass eine gute Ernährung keinen Mangel aufkommen lässt, was aber nicht erklärt, warum die sich gut ernährenden Patienten dennoch an Arthrose leiden. Dannach jedoch spielt die gute Ernährung keine Rolle mehr. Denn Ökotest bezweifelt nach nur zwei weiteren Sätzen auf einmal, dass eine schlechte Ernährung zu einem Mangel an Glucosamin und Chondroitinsulfat führt. Oder mit anderen Worten: Eine gute Ernährung beugt Mangel vor (kein Grund für den Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln also) und eine schlechte Ernährung bewirkt keinen Mangel (immer noch kein Grund für den Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln).

Dann schießt sich das Revolverblatt auf das Hagebuttenpulver ein. Man gibt zwar gönnerhaft zu, dass der Hauptbestandteil in diesem Pulver, das Litozin, entzündungshemmende Eigenschaften hat. Dies haben angeblich sogar Studien (welche?) bei Osteoarthritis zeigen können. Aber entzündungshemmende Eigenschaften von Substanzen gelten bei Ökotest als unnütz:

„Hagebuttenpulver, Hauptbestandteil der Litozin, Kapseln, mag antientzündliche Eigenschaften haben. Darauf deuten Studien zur Wirksamkeit bei Osteoarthritis hin. Nutzenbelege für den gesunden Anwender finden wir jedoch nicht.“

Und da man sich seiner wackeligen Argumentation bewusst zu sein scheint, wird zum Schluss noch schnell ein Kompagnon mit ins Boot geholt, das BfR. Denn das Institut rät von einem Einsatz bei Kindern unter 18 Jahren ab. Warum? Weil es „Unsicherheiten“ in den Hinweisen auf dem Etikett gibt. Aha! Wenn die Hersteller ein anderes Etikett verwenden würden, dann wäre ja die ganze Argumentationskette von Ökotest für die Katz. Denn laut Ökotest-Artikel hat das BfR keine Probleme mit den Produkten, sondern nur mit den Etiketten. Aber wer isst schon Etiketten? Und trotz problematischer Etikettierung gibt es vom BfR keine Empfehlung, die vom Verzehr von diesen Nahrungsergänzungsmitteln für Erwachsene abrät.

Zum Schluss dann noch der Hammer der Artikelpflege. Der Leser wird darauf aufmerksam gemacht, dass der Artikel aus dem Archiv stammt. Man gibt zu bedenken, dass die Testergebnisse nicht mehr auf dem neuesten Stand sind. Ich frage mich hier, warum lasse ich als Testbetrieb, der gerne ernst genommen werden möchte, falsche und überholte Artikel einfach auf der Webseite stehen, ohne sie zu korrigieren oder durch neue Inhalte zu ersetzen? Mir scheint, dass man bei Ökotest sehr an der Verbreitung falscher oder halbwahrer Ergebnisse interessiert ist, solange sie den eigenen Standpunkt unterstreichen. Wer neue Ergebnisse haben will, der kann sie sich gefälligst selber suchen. Bei Ökotest gibt es nur den schwarzen Schnee von gestern und den Hinweis, dass Neuschnee nicht eingeplant ist.

Das Ärzteblatt (aerzteblatt.de/nachrichten/42771/Arthrose-Chondroitin-und-Glucosamin-unwirksam) macht es kurz und bündig. Es verkündet schon in der Überschrift, worum es geht und wie das Ergebnis aussieht: „Arthrose: Chondroitin und Glucosamin unwirksam“.

Der Artikel ist kurz, weil man kurz und bündig zur Sache kommt und Chondroitinsulfat etc. aburteilt. Schon im zweiten Satz wird der Kronzeuge der Anklage verhört, eine Metaanalyse, die ganz klar und deutlich bewiesen hat, dass es keine therapeutische Wirkung von den oben genannten Substanzen gibt.

Das Ärzteblatt erklärt sich das idiotische Verlangen der Patienten mit Arthrose über den Leidensdruck, der die Patienten schier in die Hände der Produzenten dieser „Chondroprotektiva“ treibt. Verständlich – wer einiges an Schmerzen ertragen muss, der kann nachher nicht mehr klar denken und wird zum willfährigen Opfer. Daher auch die 2 Milliarden Dollar Umsatz weltweit jedes Jahr.

Dann kommt die Wende. Da man ja biologisch sinnvolle Substanzen zum Einsatz kommen lässt, die in einem engen Zusammenhang mit dem Leiden stehen, scheint es doch noch Hoffnung für den Angeklagten zu geben. Immerhin scheint man den Herstellern der „Chondroprotektiva“ einen guten Willen zu attestieren. Aber diese dummen Zeitgenossen wissen ja nicht einmal, ob bei einer oralen Einnahme dieses Makromolekül überhaupt bis zum Zielort vordringen kann. Und da es die Leute vom Ärzteblatt auch nicht wissen, unterstellen sie jedem anderen, dass er es ebenfalls nicht weiß. Daraus folgt, dass das Unwissen des Ärzteblatts ein Vordringen von Chondroitinsulfat bis hin zu den Gelenken verhindert und damit ist es unwirksam. Damit hätte man sein eigenes Unvermögen zum medizinischen Lehrdogma erhoben. Ich komme später auf eine Studie zu sprechen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht vom Ärzteblatt durchgeführt worden ist. Denn diese kam zu recht eindrucksvollen Ergebnissen, die gleichzeitig auch das Unwissen dieses schulmedizinischen Desinformationsblatts dokumentiert. Die mögliche Ausrede, dass man diese Studie nicht kennen kann, kann nicht gelten. Denn die Studie wurde Ende der 1990er Jahre veröffentlicht. Der Ärzteblatt-Artikel stammt aus dem Jahr 2010.

Auch das Resümee, dass „Experten“ eine mögliche Regeneration der Gelenke durch die Substanzen für äußerst gering halten, ist ein unbewiesener Einwurf, der nicht belegt wird und den wir wie bei Ökotest nur noch glauben dürfen. Denn das Zauberwort „Experte“ ist das wahre Argument, an dem niemand vorbeikommt. Oder sind Sie auch ein „Experte“? Nein? Na, sehen Sie!

Dann kommt der Auftritt eines dieser „Experten“: Prof. Jüni aus der Schweiz. Dieser Professor ist ein Experte für Metaanalysen, aus denen er seine ganze Weisheit zu ziehen scheint. Ich hatte bereits das Vergnügen mit ihm in Die Vitamine im Spiegel des Spiegels. Hier zitierte ich ihn, wie er in genialer Weise mit Hilfe der Metaanalysen bewies, dass Homöopathie nutzlos ist. Wie hat er das gemacht? „Dazu hat er alle die Studien genommen die zum Ziel hatten zu zeigen, dass Homöopathie nichts taugt, hat diese Studien ausgewertet und festgestellt: dass Homöopathie nichts taugt.“ So geht schulmedizinische Wissenschaft.

Selbstredend hat der besagte Professor wieder Studien und nicht die Substanz untersucht, über die er etwas aussagen will. Dabei hat er festgestellt, dass nur wenige (10) Studien für sein Dafürhalten für Aussagen geeignet waren. Welche Studien waren das? Wo ist die Quellenangabe für diese 10 Arbeiten? Fehlanzeige. Wir sind hier nicht um zu wissen, sondern um andächtig zu glauben.

Aber einen Hinweis kann ich dann doch geben. Denn die 10 glaubwürdigen Studien können nur die Studien sein, die keinen Zweifel an der Wirkungslosigkeit der „Chondroprotektiva“ gezeigt haben:

„Unter dem Strich kann Jüni weder in den Schmerzangaben der Patienten, noch in den radiologischen Befunden eine positive Wirkung erkennen.“

Ich vermute hier einmal, dass die Quellenangaben aus bestimmten Gründen unterlassen worden sind. Und das ist die Nachvollziehbarkeit der hier gemachten Aussagen. Die man hat wohl verhindern wollen. Und der Grund dafür kann nur sein, dass man das selektive Vorgehen dieser „Wissenschaftler“ nicht erkannt haben möchte. Es reicht, wenn der Leser dem „Experten“ glaubt, dass alle glaubwürdigen Studien zu einem vernichtenden Ergebnis gekommen sind.

Zurück zum immer wieder beliebten Kritikpunkt gegen eine Substitution bei Arthritis oder Arthrose, weil ein solches Makromolekül wie Chondroitinsulfat angeblich überhaupt nicht resorbiert werden kann.

Grund: Die Molekülstruktur sei derart groß, dass es zu keinem Transfer durch die Darmmukosa kommen könne .

Dies mag durchaus richtig sein, handelt es sich beim Chondroitinsulfat um ein Makromolekül. Aber es gibt auch andere Makomoleküle, vor allem andere Polysaccharide, die trotz ihrer Größe resorbiert werden. Aber, um allen Mutmaßungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, werden wir doch einmal evidenzbasiert und schauen uns ein paar Studien an:

Ronca et al.: Anti-inflammatory activity of chondroitin sulfate. Department of Human and Environmental Sciences, University of Pisa, Italy.

Diese Arbeit untersuchte die Pharmakokinetik von Chondroitinsulfat in Ratten und freiwilligen Probanden. Unter Pharmakokinetik versteht man den Einfluss des Organismus auf eine eingenommene Substanz. Sie untersucht, wie der Körper die Substanz aufnimmt, die Bioverfügbarkeit und über welche Wege die Substanz wie schnell abgebaut, verstoffwechselt wird.

Das applizierte Chondroitinsulfat war zu diesem Zweck mit einem schwach radioaktiven Marker versehen worden. So konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Chondroitinsulfat verschieden schnell und intensiv resorbiert wird, in Abhängigkeit von der Darreichungsform. So beobachtete man, dass ein Auflösen des Chondroitinsulfats in Wasser zu einer schnellen Resorption führte, bei Mäusen und Menschen. Eine verzögerte und eingeschränkte Resorption trat auf wenn das Chondroitinsulfat in Kapseln verabreicht wurde, die sich erst im Darm auflösten.

Die absolute Bioverfügbarkeit betrug 15 Prozent für Ratten und 12 Prozent für Menschen. Weiter zeigte sich eine Anreicherung von radioaktiv markiertem Chondroitinsulfat im Knorpelgewebe der Ratten und im Kniegelenk der Menschen. Sichergestellt wurde dieses Ergebnis durch eine szintigraphische Analyse des radioaktiv markierten Chondroitinsulfats. Als weitere interessante Beobachtung sahen die Forscher eine Verteilung von Polysacchariden und Monomeren, die als Abbauprodukte (durch Hydrolyse) des Chondroitinsulfats sich im Blut und Gewebe wiederfanden.

Eine Untersuchung des Effekts dieser Chondroitinsulfat-”Bruchstücke” ergab, dass diese in der Lage waren, chemotaktische Prozesse zu unterbinden (“Chemotaxis bezeichnet die Beeinflussung der Fortbewegungsrichtung von Lebewesen oder Zellen durch Stoffkonzentrationsgradienten“ - Wikipedia). Damit werden entzündungsfördernde Zytokine daran gehindert, Entzündungsmediatoren in die Gelenke zu „locken“. Dies drückt sich aus in einer weniger ausgeprägten Phagozytose und einem Schutz von Zellmembranen vor freien Radikalen.

Bei den Ratten verhinderte auf diese Weise Chondroitinsulfat eine Brustfellentzündung. Verglichen mit NSAR, wie Ibuprofen etc., scheint Chondroitinsulfat einen besseren Effekt auf die zellulären Mechanismen einer Entzündung zu haben als auf die Ödemausbildung.

Die Forscher betonten nochmals, dass Chondroitinsulfat keinen negativen Einfluss hat auf Magen, Niere und Blutplättchenbildung und -funktion. Bei Patienten, die eine Gelenkspunktion benötigten, wurden nach einer 10-tägigen Therapie mit Chondroitinsulfat - 800 mg pro Tag - signifikant erhöhte Konzentrationen von Hyaluronsäure beobachtet und eine signifikante Erhöhung der Viskosität der Gelenksflüssigkeit. Gleichzeitig waren die kollagenauflösenden enzymatischen Aktivitäten deutlich reduziert.

Diese Beobachtungen demonstrieren eindrucksvoll die entzündungshemmenden und knorpelschützenden und knochenschützenden Mechanismen, die auch von einer Reihe von klinischen Studien bestätigt werden konnten. Die Veröffentlichung erschien 1998 in der Fachzeitschrift „Osteoarthritis Cartilage“.

Monfort et al.: Biochemical basis of the effect of chondroitin sulphate on osteoarthritis articular tissues. Hospital del Mar, Passeig del Mar, Barcelona, Spain.

Diese Untersuchung wird in PubMed nur kurz erwähnt, ohne auf Details einzugehen. Der Abstract erwähnt nur kurz, dass die vorliegende Arbeit verschiedene Komponenten untersucht, die einen positiven Effekt auf die klinischen Symptome der Osteoarthritis haben und die strukturellen Veränderungen verbessern. So zeigen die Forscher, wie Chondroitinsulfat die fortschreitende Veränderung der Gelenkstrukturen unter Osteoarthritis günstig beeinflusst.

Der Wirkmechanismus von Chondroitinsulfat wird anhand von wissenschaftlicher Zusatzliteratur erläutert. Leider bleibt der Abstract sehr unspezifisch. Es ist aber immerhin deutlich ersichtlich, dass die Wissenschaftler sehr genau wissen, wie und warum Chondroitinsulfat bei Osteoarthritis wirksam ist bzw. dass es wirksam ist. Diese unspezifische Veröffentlichung lässt keinen Zweifel zu, dass Chondroitinsulfat für Patienten mit Osteoarthritis von Nutzen ist.

Pipitone VR.: Chondroprotection with chondroitin sulfate. Department of Rheumatology, University of Bari, Italy.

Auch diese Veröffentlichung bleibt eher unspezifisch in ihren Aussagen. Allerdings unterstreicht sie die vorher getroffene Aussage, dass Chondroitinsulfat in der Lage ist, sich in den Gelenksgeweben anzureichern und die Aktivitäten von Enzymen in der Gelenksflüssigkeit herabzusetzen, die den Gelenkknorpel auflösen können (Elastase, Hyalurionidase etc.) Zusätzlich wirkt Chondroitinsulfat wie ein entzündungshemmendes Medikament, da es in der Lage ist, Komplement zu hemmen. Die Wissenschaftler bezeichnen die Substanz als äußerst gut verträglich und frei von toxischen (giftigen) Effekten.

Iovu et al.: Anti-inflammatory activity of chondroitin sulfate. Department of Pharmacology, Faculty of Medicine, University of Montréal, Montréal, Québec, Canada.

Diese Studie hatten wir schon weiter oben?! Nein, diese Arbeit ist 10 Jahre jünger (2008), nicht aus Italien (Kanada) und wurde von anderen Forschern durchgeführt. Nur der Titel ist der Gleiche.

Diese Veröffentlichung beschreibt Osteoarthritis als einen Prozess, bei dem das Knorpelgewebe des Gelenks zerstört wird, begleitet von einem gleichzeitig einsetzenden Entzündungsprozess der Gelenkskapsel. Dieser Entzündungsprozess wird vermittelt durch entzündungsfördernde Zytokine (z.B. Interleukine und Tumor-Nekrose-Faktor), durch Enzyme mit eiweißzersetzenden Fähigkeiten und durch Enzyme mit entzündungsfördernden Eigenschaften. In diesem Zusammenhang berichten die Forscher von der Fähigkeit von Chondroitinsulfat, die Gelenkspalte weit zu halten und Gelenkschwellungen und Gelenkergüsse zu verhindern. Um diese Effekte zu produzieren, wirkt Chondroitinsulfat anti-entzündlich auf das Knorpelgewebe und die Gelenkkapselstrukturen. Chondroitinsulfat und seine Disaccharide reduzieren den Einzug von entzündungsfördernden, körpereigenen Substanzen, wie NF-kappaB, in das Gelenksgewebe. Der Mechanismus beruht sehr wahrscheinlich auf einem Eingreifen von Chondroitinsulfat in die Signalkaskade des Organismus bei der Ausbildung von Entzündungen.

Langsam kristallisiert sich ein völlig anderes Bild heraus. War ursprünglich immer die Rede von Chondroitinsulfat und einem Ersetzen verlorengegangener Gelenkflüssigkeit, so scheint Chondroitinsulfat weit mehr zu können, als nur einfacher Flüssigkeitsersatz zu sein. Wäre es nur Ersatz, dann hätte es einen deutlich geringeren Effekt auf Osteoarthritis. Wer den entzündungshemmenden Effekt außer Acht lässt und nur nach der “Ersatzwerkstatt” Chondroitinsulfat schaut, übersieht den wichtigsten Wirkmechanismus der Substanz. Kein Wunder also, dass unter solchen Voraussetzungen einige interessierte Kreise zu nicht schlüssigen Ergebnissen kommen (wollen).

Wildi et al.: Chondroitin sulphate reduces both cartilage volume loss and bone marrow lesions in knee osteoarthritis patients starting as early as 6 months after initiation of therapy: a randomised, double-blind, placebo-controlled pilot study using MRI. Osteoarthritis Research Unit, University of Montreal Hospital Research Centre (CRCHUM), Notre-Dame Hospital, Montreal, Canada.

Immer noch skeptisch? Hier sind noch einmal die Kanadier. Diesmal kommt eine klinische Studie aus einem Forschungszentrum eines Hospitals, das sich auf Osteoarthritis-Forschung spezialisiert hat.

Mit dieser Untersuchung wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob eine Behandlung mit Chondroitinsulfat Knorpelsubstanzverlust, Knochenmarksläsionen, Synovitis (Gelenkkapselentzündung) und Krankheitssymptome bei Patienten mit Osteoarthritis des Knies beeinflussen kann.

Dies war eine randomisierte, doppelblinde, Plazebo kontrollierte Studie bei primärer Knie-Osteoarthritis, an der 69 Patienten mit klinischen Symptomen einer Synovitis teilnahmen. Die Patienten wurden randomisiert in eine Plazebo-Gruppe und eine Verum-Gruppe, deren Teilnehmer 800 mg Chondroitinsulfat einmal täglich für die Dauer von 6 Monaten erhielten. Nach diesen 6 Monaten folgte eine “Open-label” Phase von 6 Monaten, in der alle Patienten, also auch die der Plazebo-Gruppe, einmal täglich 800 mg Chondroitinsulfat erhielten. Das Gelenkknorpelvolumen und die Knochenmarksläsionen wurden durch ein MRI zu Beginn der Studie, nach 6 Monaten und nach 12 Monaten bewertet. Die Dicke der Kapselmembran des Kniegelenks wurde zu Beginn und nach 6 Monaten der Studie bewertet.

Resultate: Die Chondroitinsulfat-Gruppe zeigte einen signifikant geringeren Knorpelvolumenverlust als Plazebo nach 6 Monaten für das gesamte Knie, das laterale Kompartment und das Plateau des Schienbeinknochens. Die Signifikanz setzte sich bis zum 12. Monat fort. Es wurden nach 12 Monaten ebenso signifikant geringere Knochenmarksläsionen in der Verum-Gruppe gefunden.

Schlussfolgerung: Die Behandlung mit Chondroitinsulfat reduzierte signifikant den Knorpelverlust im Knie bei Osteoarthritis, beginnend ab dem 6. Monat der Behandlung. Knochenmarksläsionen wurden ab dem 12. Monat verbessert. Diese Befunde lassen auf einen protektiven Effekt von Chondroitinsulfat schließen. Sie geben neue in vivo Informationen über den Wirkmechanismus von Chondroitinsulfat bei Osteoarthritis.

 

Diskutieren Sie mit! Aufgrund vieler Nachfragen, habe ich weitere Informationen im Blogbeitrag zu Chondroitin veröffentlicht. Dort dürfen Sie auch gerne Ihre Erfahrungen und Meinungen hinterlassen. Klicken Sie einfach hier.

Weitere Nahrungsergänzungsmittel die auch bei Arthrose helfen können wären: MSM - Grünlippmuschel und Enzyme im akuteren Enzündungsstadium (z.B. Wobenzym oder Phlogenzym).

Abgesehen von Nahrungsergänzungsmitteln wie Chondroitin, Chondroitinsulfat oder anderen Mittel... eine Übersäuerung der Körpers sollte geprüft werden!

Und Ja: Ich empfehle auch bei fortgeschrittenen Arthroseleiden eine "Umstimmung" durch Heilfasten.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 07.01.2016 aktualisiert