Die Milch-Semmel-Kur nach F. X. Mayr: Ablauf, Wirkung und heutige Bewertung
Milch und ein altbackenes Brötchen: Das klingt zunächst nicht gerade nach einem großen naturheilkundlichen Therapiekonzept. Eher nach einem kargen Frühstück in einer Bahnhofsgaststätte der 1950er-Jahre.
Und dennoch gehört die Milch-Semmel-Kur zu den bekanntesten Methoden der europäischen Naturheilkunde. Entwickelt wurde sie vom österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr, der sich über Jahrzehnte mit der Diagnostik und Behandlung von Verdauungsstörungen beschäftigte.
Dabei wird die Methode häufig missverstanden. Die Semmel war bei Mayr kein Heilmittel. Sie war vor allem ein Trainingsgerät für das Kauen. Und die Milch war keine wundersame Medizin, sondern eine damals als leicht verdaulich angesehene Ergänzung.
Der eigentliche Kern der Mayr-Kur liegt also nicht in der Kombination aus Milch und Weißbrot. Es geht um Entlastung, Essdisziplin, gründliches Kauen, längere Pausen zwischen den Mahlzeiten und die Wiederentdeckung eines natürlichen Sättigungsgefühls.
Wer sich einen allgemeinen Überblick über das gesamte Verfahren verschaffen möchte, findet diesen in meinem Beitrag über die F.-X.-Mayr-Kur und ihre verschiedenen Formen.
Was wollte F. X. Mayr erreichen?
Mayr ging davon aus, dass viele chronische Beschwerden zumindest teilweise mit einer gestörten Verdauungsfunktion zusammenhängen. Dabei dachte er nicht nur an offensichtliche Darmbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall.
Er beobachtete auch Veränderungen der Körperhaltung, des Bauchumfangs, der Atmung und des allgemeinen Kräftezustands. Diese führte er unter anderem auf Fehlgärungen, Darmträgheit und eine dauerhafte Überlastung des Verdauungssystems zurück.
Ein in der Mayr-Medizin überlieferter Leitsatz lautet:
„Richtige Ernährung ist richtige Nahrung plus richtige Verdauung.“
Das klingt schlicht. Tatsächlich steckt darin ein Gedanke, den die moderne Ernährungsdiskussion häufig übersieht: Es reicht nicht, hochwertige Lebensmittel einzukaufen. Entscheidend ist auch, wie viel davon gegessen wird, wie schnell, zu welchen Zeiten und unter welchen Bedingungen.
Mayrs ursprüngliche Behandlung beruhte auf drei Grundprinzipien:
Schonung
Der Verdauungstrakt sollte vorübergehend möglichst wenig belastet werden. Dazu wurde die Nahrungsmenge reduziert und die Kost stark vereinfacht.
Das bedeutete allerdings nicht, dass der Darm „stillgelegt“ wurde. Der Darm arbeitet selbstverständlich weiter. Er erhält jedoch weniger Nahrungsvolumen und weniger unterschiedliche Substanzen, die verarbeitet werden müssen.
Säuberung
Unter Säuberung verstand Mayr eine geregelte Darmentleerung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und verschiedene unterstützende Anwendungen. Traditionell wurde dafür häufig Bittersalz eingesetzt.
Heute sollte man diesen Begriff nicht mit der Vorstellung verwechseln, der Darm müsse von jahrelang festgeklebten „Schlacken“ freigespült werden. Solche Ablagerungen findet man in dieser Form nicht. Sinnvoll kann dagegen eine vorübergehende Entlastung bei Darmträgheit, ungünstiger Ernährung und übermäßigem Nahrungsangebot sein.
Schulung
Dies ist vermutlich der wichtigste und dauerhaft wertvollste Bestandteil der Mayr-Methode.
Der Patient sollte lernen,
- langsam zu essen,
- jeden Bissen gründlich einzuspeicheln,
- erste Sättigungssignale wahrzunehmen,
- Mahlzeiten ohne Ablenkung einzunehmen,
- auf Zwischenmahlzeiten zu verzichten und
- den Verdauungsorganen ausreichend Ruhe zu gönnen.
Die später hinzugekommene Substitution – also der gezielte Ersatz fehlender Mineralstoffe, Vitamine oder anderer Substanzen – gehörte nicht zu Mayrs ursprünglichen drei Grundprinzipien. Sie wurde von der modernen Mayr-Medizin ergänzt.
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Mayr selbst hatte Zweifel an seiner Milch-Semmel-Diät
Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet die nach Mayr benannte Kur häufig sehr viel dogmatischer dargestellt wird, als Mayr selbst sie offenbar verstand.
Die Internationale Gesellschaft der Mayr-Ärzte gibt aus seinem Werk „Die Darmträgheit“ aus dem Jahr 1920 folgende Passage wieder:
„Diese Milch-Semmel-Diät muss sich den Einwurf gefallen lassen, dass Sie für uns keine vollwertige Nahrung ist.“
Mayr diskutierte anschließend sowohl die damalige Qualität der Milch als auch die Frage, ob eine monatelang durchgeführte Milch-Semmel-Kur zu einseitig und damit schädlich werden könne. Er erlaubte seinen Patienten deshalb durchaus Abweichungen und passte seine Methode im Laufe seines Lebens immer wieder an.
Das ist ein wichtiger Punkt. Mayr betrachtete die Semmel offenbar nicht als heiliges Kurgebäck und die Milch nicht als unverzichtbaren Heiltrank. Sein Ziel war die möglichst starke Entlastung des Verdauungssystems – angepasst an den einzelnen Menschen.
Manche Nachfolger sind bei der Verteidigung einer Methode bekanntlich strenger als deren Erfinder.
Wie läuft die klassische Milch-Semmel-Kur ab?
Bei der traditionellen Methode werden trockene oder altbackene Weißmehlbrötchen verwendet. Das trockene Brot zwingt dazu, kleine Bissen zu nehmen und lange zu kauen.
Der Ablauf einer Mahlzeit sieht ungefähr folgendermaßen aus:
Ein kleines Stück der Semmel wird abgebissen und so lange gekaut, bis daraus ein nahezu flüssiger, gut eingespeichelter Brei geworden ist. Stärke wird bereits im Mund durch Speichelenzyme aufgespalten. Deshalb kann das Brot nach längerem Kauen zunehmend süß schmecken.
Erst danach wird ein Löffel Milch in den Mund genommen und mit dem Brotbrei vermischt. Die Milch soll das Brot nicht einfach hinunterspülen. Entscheidend ist die langsame und bewusste Nahrungsaufnahme.
Gegessen wird nur bis zum ersten leichten Sättigungsgefühl. Zwischen den Mahlzeiten liegen traditionell mehrere Stunden. Snacks, Süßigkeiten, Alkohol und ständiges Probieren entfallen.
Zur klassischen Kur gehörten außerdem Ruhephasen, Spaziergänge, Wärme- und Wasseranwendungen sowie die sogenannte manuelle Bauchbehandlung. Eine vollständige medizinische Mayr-Kur besteht also aus weit mehr als Brötchen und Milch.
Muss jeder Bissen 40- oder 50-mal gekaut werden?
Die Zahl ist nicht magisch.
Niemand wird gesund, weil er exakt beim fünfzigsten Kaudurchgang schluckt. Bei Suppe wäre das ohnehin eine sportliche Herausforderung.
Entscheidend ist, dass die Nahrung gründlich zerkleinert, eingespeichelt und nicht nahezu ungekaut hinuntergeschlungen wird. Die benötigte Zahl hängt von der Konsistenz ab. Ein trockenes Brötchen erfordert naturgemäß mehr Kauarbeit als ein gekochtes Gemüse.
Die Grundidee wird durch moderne Untersuchungen durchaus gestützt. Systematische Auswertungen zeigen, dass langsameres Essen im Durchschnitt mit einer geringeren Energieaufnahme verbunden ist. Auch intensiveres Kauen kann Sättigungssignale und Darmhormone beeinflussen. Daraus folgt allerdings nicht, dass exakt 30, 40 oder 50 Kaubewegungen therapeutisch notwendig wären.
In der Praxis ist eine einfachere Regel sinnvoller:
Erst schlucken, wenn der Bissen weich, gut eingespeichelt und kaum noch als ursprüngliches Lebensmittel erkennbar ist.
Noch wichtiger: Währenddessen nicht auf das Mobiltelefon schauen, Nachrichten lesen oder vor dem Fernseher sitzen. Wer beim Essen geistig überall ist, nur nicht bei seiner Mahlzeit, bemerkt häufig auch die Sättigung erst dann, wenn der Teller leer und der Bauch voll ist.
Ist die Milch-Semmel-Kur wirklich Fasten?
Nicht im engeren Sinne.
Beim klassischen Heilfasten wird die Energiezufuhr so weit reduziert, dass der Körper zunehmend auf seine eigenen Energiereserven zurückgreift. Nach dem Verbrauch größerer Teile der kurzfristig verfügbaren Kohlenhydratspeicher steigt die Fettverbrennung, und die Leber bildet vermehrt Ketonkörper.
Diesen Vorgang beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag über den Fastenstoffwechsel und seine verschiedenen Phasen.
Bei der Milch-Semmel-Kur werden dagegen weiterhin Kohlenhydrate, Eiweiß und – abhängig von der verwendeten Milch – Fett aufgenommen. Wie stark der Fastenstoffwechsel einsetzt, hängt deshalb von der tatsächlichen Energiemenge, der Zahl der Semmeln, der Milchmenge und dem individuellen Stoffwechsel ab.
Ich würde die klassische Milch-Semmel-Kur daher eher als stark reduzierte Entlastungsdiät oder modifiziertes Fasten bezeichnen.
Das ist keine Abwertung. Nicht jeder Mensch ist für ein strenges Heilfasten geeignet. Eine milde Entlastung kann bei geschwächten, älteren oder sehr schlanken Menschen sinnvoller sein als ein vollständiger Nahrungsverzicht. Sie ist allerdings nicht dasselbe wie Heilfasten und sollte auch nicht mit denselben Stoffwechselwirkungen beworben werden.
Was kann sich durch die Kur verbessern?
Realistisch betrachtet können während einer gut durchgeführten Mayr-Kur mehrere günstige Veränderungen eintreten.
Die Nahrungsmenge sinkt, Alkohol, Süßigkeiten und stark verarbeitete Lebensmittel entfallen, die Mahlzeiten werden geordnet und die Essgeschwindigkeit wird reduziert. Viele Menschen schlafen während einer Kur mehr, bewegen sich regelmäßig und verlassen für einige Zeit ihren belastenden Alltag.
Dadurch können sich Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck, Verdauung und subjektives Wohlbefinden verbessern. Das beweist allerdings noch nicht, dass ausgerechnet die Kombination aus Kuhmilch und Weißmehlsemmel die entscheidende therapeutische Wirkung besitzt.
Eine prospektive Beobachtungsstudie untersuchte 45 Patienten während einer 17-tägigen stationären Mayr-Kur. Das Körpergewicht sank im Durchschnitt um 5,8 Kilogramm, Bauch- und Hüftumfang nahmen ab und auch der Blutdruck verbesserte sich. Es handelte sich jedoch um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht feststellen, welchen Anteil die Ernährung, die Kalorienreduktion, die Bewegung, die Erholung oder die übrigen Behandlungen hatten.
Auch bei den Laborwerten ergibt sich kein einheitliches Wundermittelbild. Gesamt- und LDL-Cholesterin sanken, während beim Entzündungsmarker hsCRP keine signifikante Verbesserung festgestellt wurde. HbA1c und C-Peptid änderten sich ebenfalls nicht signifikant.
Die Daten sind also interessant, aber sie rechtfertigen keine Behauptung, mit einer Milch-Semmel-Kur ließen sich chronische Erkrankungen grundsätzlich behandeln oder verhindern.
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Entgiftet die Milch-Semmel-Kur den Körper?
Der Begriff „Entgiftung“ wird gern verwendet, bleibt aber häufig erstaunlich unbestimmt. Welche Gifte sollen gemeint sein? Wie wurden sie gemessen? Über welchen Weg wurden sie ausgeschieden?
Durch eine Entlastungskur sinkt die tägliche Zufuhr zahlreicher problematischer Stoffe. Alkohol, Nikotin, übermäßig viel Zucker, Zusatzstoffe und stark verarbeitete Lebensmittel fallen zumindest vorübergehend weg. Gleichzeitig verändern sich Stoffwechsel, Darmtätigkeit und Flüssigkeitshaushalt.
Das kann Leber, Darm und Stoffwechsel durchaus entlasten.
Man sollte daraus jedoch keine Art biologische Waschstraße machen, in der alle Umweltgifte innerhalb von zehn Tagen aus dem Körper gespült werden. Eine gezielte Ausleitung von Schwermetallen oder anderen Schadstoffen ist etwas anderes und erfordert zunächst eine sinnvolle Diagnostik.
Die Stärke der Mayr-Kur liegt nicht in einem mystischen Herauslösen unbekannter Ablagerungen. Sie liegt in der Unterbrechung eines belastenden Ess- und Lebensstils.
Das Problem mit der Milch
Kuhmilch wird nicht von jedem Menschen gleich gut vertragen. Dabei müssen verschiedene Reaktionen unterschieden werden:
Bei einer Laktoseintoleranz kann der Milchzucker nicht ausreichend gespalten werden. Mögliche Folgen sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Kleine Mengen oder fermentierte Milchprodukte werden teilweise dennoch vertragen.
Eine Milcheiweißallergie ist dagegen eine immunologische Reaktion und etwas grundsätzlich anderes.
Daneben gibt es Menschen, die Milch subjektiv schlecht vertragen, ohne dass eine klassische Allergie oder ausgeprägte Laktoseintoleranz nachweisbar ist. Bei bestehenden Beschwerden sollte deshalb nicht automatisch angenommen werden, Milch sei für den Darm besonders „schonend“. Mehr zu den unterschiedlichen Reaktionsformen finden Sie in meinem Beitrag über Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ihre Ursachen.
Das Problem mit der Semmel
Die klassische Weißmehlsemmel ist ballaststoffarm und für eine kurzfristige Schonphase leicht handhabbar. Für eine dauerhafte Ernährung ist sie jedoch keine besonders sinnvolle Grundlage.
Eine ballaststoffarme Kost kann bei bestimmten akuten Verdauungsproblemen vorübergehend entlasten. Daraus darf aber nicht der Schluss gezogen werden, Ballaststoffe seien grundsätzlich schlecht für den Darm. Langfristig sind sie unter anderem für Stuhlregulation und Darmflora von Bedeutung. Für Erwachsene gilt ein Richtwert von mindestens 30 Gramm täglich.
Wichtig ist außerdem eine Korrektur, die in älteren Beschreibungen der Mayr-Kur immer wieder falsch dargestellt wird:
Dinkel ist nicht glutenfrei.
Dinkel gehört wie Weizen, Roggen und Gerste zu den glutenhaltigen Getreidearten. Wer an Zöliakie leidet, darf ein Dinkelbrötchen nicht als glutenfreie Alternative verwenden.
Mehr über die unterschiedlichen Getreidearten und ihre Verträglichkeit finden Sie in meinem Beitrag über Brot und Getreideprodukte.
Kann man die Milch durch einen Pflanzendrink ersetzen?
Grundsätzlich kann das Kautraining auch mit einer anderen Flüssigkeit oder einem milden pflanzlichen Lebensmittel durchgeführt werden. Dadurch entsteht allerdings keine ernährungsphysiologisch identische Kur.
Sojadrinks enthalten meist deutlich mehr Eiweiß als Hafer-, Reis- oder Mandeldrinks. Getreidedrinks liefern häufig relativ viele Kohlenhydrate. Viele Mandelgetränke bestehen zum größten Teil aus Wasser und enthalten nur geringe Mengen Mandeln und Eiweiß.
Wer Pflanzendrinks verwendet, sollte ungesüßte Produkte bevorzugen und auf die Nährwertangaben achten. Bei einer länger dauernden Kostform spielen außerdem Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12 eine Rolle. Nicht angereicherte Pflanzendrinks sind in dieser Hinsicht nicht automatisch mit Milch gleichwertig.
Für wenige Entlastungstage ist das meist weniger entscheidend. Bei einer mehrwöchigen Kur kann aus einer vermeintlich leichten Ernährung jedoch schnell eine nährstoffarme Ernährung werden.
Gehört Bittersalz unbedingt zur Mayr-Kur?
Traditionell wurde morgens häufig eine geringe Menge Bittersalz in Wasser eingenommen. Bittersalz ist Magnesiumsulfat und zieht Wasser in den Darm. Dadurch wird der Stuhl weicher oder es kommt zu einer deutlich abführenden Wirkung.
Die Vorstellung, jeder müsse während einer Kur täglich abführen, halte ich jedoch für zu pauschal.
Die passende Menge kann sich von Mensch zu Mensch erheblich unterscheiden. Zu viel Bittersalz führt zu Durchfall, Flüssigkeitsverlust und Störungen des Mineralstoffhaushalts. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann Magnesium schlechter ausgeschieden werden und sich im Körper anreichern. Auch bei Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ungeklärten Veränderungen des Stuhlgangs gehört eine Selbstbehandlung nicht an den Anfang.
Ausführlicher bespreche ich Anwendung und Risiken in meinem Beitrag über Bittersalz und Magnesiumsulfat.
Eine geordnete Verdauung ist sinnvoll. Ein morgendlicher Wettlauf zur Toilette ist dagegen noch keine Darmsanierung.
Wie könnte eine zeitgemäße Mayr-Kur aussehen?
Ich würde heute zwischen der historischen Milch-Semmel-Kur und einer modernen Mayr-orientierten Entlastungskost unterscheiden.
Das historische Original kann man aus Interesse oder unter fachlicher Begleitung durchführen. Für den Hausgebrauch halte ich es für sinnvoller, die wertvollen Prinzipien zu übernehmen, ohne an Milch und Weißmehl als unveränderlichen Dogmen festzuhalten.
Eine solche Entlastungsphase könnte für einen grundsätzlich gesunden Erwachsenen folgendermaßen aussehen:
Vorbereitung
Bereits zwei Tage vorher werden Alkohol, Süßigkeiten, Fertiggerichte und große Fleischmahlzeiten weggelassen. Kaffee wird bei hohem Konsum schrittweise reduziert, damit nicht ausgerechnet ein abrupter Koffeinentzug die ersten Kurtage beherrscht.
Zwei oder drei einfache Mahlzeiten
Die Mahlzeiten bestehen aus wenigen, gut verträglichen Lebensmitteln. Je nach Ausgangslage können dies beispielsweise eine milde Gemüsesuppe, gekochte Kartoffeln, etwas Reis, gedünstetes Gemüse oder ein einfaches fermentiertes Milchprodukt sein.
Wer bewusst die klassische Variante erproben möchte, kann eine kleine trockene Semmel als Kautrainer verwenden – vorausgesetzt, Weizen oder Gluten werden vertragen.
Bei Zöliakie kommt ausschließlich zertifiziertes glutenfreies Brot infrage. Dinkel ist hierbei keine Alternative.
Gründliches Kauen
Kleine Bissen nehmen, das Besteck zwischendurch ablegen und erst schlucken, wenn die Nahrung ausreichend zerkleinert ist. Fernseher, Mobiltelefon und Tageszeitung bleiben währenddessen außen vor.
Keine Zwischenmahlzeiten
Zwischen den Mahlzeiten liegen mehrere Stunden. Diese Pausen sind für viele Menschen bereits eine größere Veränderung als der eigentliche Speiseplan.
Viele essen heute nicht dreimal täglich, sondern praktisch ununterbrochen: Frühstück, Pausensnack, Kaffeegebäck, Mittagessen, Müsliriegel, Abendessen und anschließend noch etwas „Kleines“. Der Verdauungstrakt bekommt dabei kaum Gelegenheit, seine Mahlzeit tatsächlich zu Ende zu bearbeiten.
Nur bis zur ersten Sättigung essen
Nicht der leere Teller beendet die Mahlzeit, sondern das nachlassende Hungergefühl. Das klingt banal, muss aber von vielen Menschen tatsächlich wieder gelernt werden.
Ausreichend, aber nicht zwanghaft trinken
Eine starre Vorgabe von drei Litern ist nicht für jeden sinnvoll. Der Flüssigkeitsbedarf hängt unter anderem von Körpergröße, Temperatur, Bewegung, Ernährung, Nierenfunktion und Medikamenten ab.
Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten ihre Trinkmenge nicht nach einer pauschalen Internetanleitung erhöhen.
Bewegung und Ruhe
Tägliche Spaziergänge, Wärme, ausreichend Schlaf und eine Entlastung vom üblichen Termindruck gehören zum Verfahren. Eine Kur, die zwischen Videokonferenzen, Einkauf und Steuererklärung hineingequetscht wird, bleibt erfahrungsgemäß vor allem eine kalorienarme Arbeitswoche.
Geordneter Kostaufbau
Nach mehreren Entlastungstagen sollte die normale Ernährung nicht mit Pizza, Kuchen und Rotwein wiedereröffnet werden. Die Nahrung wird schrittweise erweitert, zunächst durch Gemüse, Kartoffeln, Reis, fermentierte Lebensmittel, hochwertige Eiweißquellen und später wieder mehr Ballaststoffe.
Hinweise dazu finden Sie in meinem Beitrag über das Fastenbrechen und die richtigen Aufbautage.
Wie lange sollte eine Milch-Semmel-Kur dauern?
Die historischen Mayr-Kuren wurden teilweise über viele Wochen oder sogar Monate durchgeführt. Das ist keine vernünftige Vorlage für ein unbeaufsichtigtes Selbstexperiment.
Für einen gesunden Erwachsenen kann eine kurze Entlastungsphase von einigen Tagen bereits ausreichen, um Essverhalten, Portionsgrößen und Verträglichkeit zu beobachten.
Eine streng kalorienreduzierte oder sehr einseitige Kur über mehr als eine Woche sollte fachlich begleitet werden. Je länger sie dauert, desto wichtiger werden Eiweißversorgung, Mineralstoffhaushalt, Muskelmasse, Medikamente und individuelle Vorerkrankungen.
Wer sollte die Milch-Semmel-Kur nicht allein durchführen?
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Untergewicht, Gebrechlichkeit oder deutlichem Muskelschwund,
- Essstörungen,
- Schwangerschaft und Stillzeit,
- Kindern und Jugendlichen,
- insulinpflichtigem Diabetes,
- schweren Nieren-, Leber- oder Herzerkrankungen,
- akuten entzündlichen Darmerkrankungen,
- wiederholtem Erbrechen oder anhaltendem Durchfall,
- Blut im Stuhl,
- Darmverschluss oder Verdacht darauf,
- ungeklärtem Gewichtsverlust sowie
- Medikamenten, deren Dosierung von Nahrungsaufnahme oder Flüssigkeitshaushalt abhängt.
Bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa muss nicht jede Form einer schonenden Ernährung grundsätzlich verboten sein. Eine akute Entzündungsphase gehört jedoch nicht in die Hände einer selbst zusammengestellten Milch-Semmel-Kur. Hier muss individuell entschieden werden, welche Kostform verträglich und medizinisch sinnvoll ist.
Grundsätzlich gilt auch hier mein Beitrag: Wer darf nicht fasten?
Mein Fazit zur Milch-Semmel-Kur
Die Milch-Semmel-Kur ist kein Wundermittel und keine vollständige Darmsanierung in Brötchenform.
Milch und Weißmehl sind auch nicht deshalb gesund, weil sie besonders langsam gegessen werden. Wer beide Lebensmittel nicht verträgt, wird sie durch fünfzigmaliges Kauen nicht plötzlich verträglich machen.
Trotzdem halte ich die Grundgedanken Mayrs für ausgesprochen wertvoll. Langsames Essen, gründliches Kauen, klare Mahlzeiten, längere Essenspausen und das rechtzeitige Aufhören gehören zu den einfachsten und zugleich am meisten unterschätzten Maßnahmen der Ernährungstherapie.
Mayr erkannte zudem, dass eine Methode an die Konstitution des Menschen angepasst werden muss. Genau deshalb sollte man seine Lehre nicht auf eine starre Kombination aus Kuhmilch und Semmel reduzieren.
Wer vor allem seine Essgewohnheiten verändern und den Verdauungstrakt einige Tage entlasten möchte, kann aus der Mayr-Kur viel lernen.
Wer dagegen gezielt die tieferen Stoffwechselwirkungen des Fastens nutzen möchte, wird mit einer fachgerecht durchgeführten Heilfastenkur meist weiter kommen. Meine Vorgehensweise beschreibe ich in der Heilfastenanleitung nach René Gräber.
Der beste Teil der Milch-Semmel-Kur ist also nicht die Milch. Es ist auch nicht die Semmel.
Es ist die Schulung.
Und die wäre bei unserer heutigen Schnell-, Nebenbei- und Daueresskultur vermutlich notwendiger denn je.
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Dieser Beitrag wurde im Jahr 2009 erstellt und letztmalig am 12.7.2026 komplett überarbeitet.
Rene Gräber:
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Rene Gräber:





