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Schwarzkümmel gegen Candida: Was Studien zeigen – und wo die Grenzen liegen

Schwarzkümmel gegen Candida – Studien zu Nigella sativa und Thymochinon bei Pilzinfektionen

Schwarzkümmel gehört zu den Heilpflanzen, bei denen traditionelle Anwendung und moderne Forschung erstaunlich häufig in dieselbe Richtung weisen. Gerade gegenüber Pilzen finden sich interessante Ergebnisse. Das gilt auch für Candida albicans.

Allerdings muss man dabei sauber unterscheiden. Eine Substanz, die Candida in einer Petrischale hemmt, ist noch lange kein bewiesenes Candida-Mittel für den Menschen. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, die vorhandenen Befunde als bedeutungslos abzutun. Inzwischen liegen nämlich nicht mehr nur Labor- und Tierexperimente vor, sondern auch erste klinische Untersuchungen.

Die spannendere Frage lautet deshalb nicht: „Tötet Schwarzkümmel Candida – ja oder nein?“ Sie lautet vielmehr: Wie belastbar sind die Hinweise, welche Zubereitung wurde überhaupt untersucht und welchen Platz könnte Schwarzkümmel im Rahmen einer vernünftigen Candida-Therapie haben?

Candida nachgewiesen – und nun?

Zunächst etwas, das in der ganzen Candida-Diskussion gerne untergeht: Candida albicans ist nicht automatisch ein Krankheitserreger, nur weil man ihn nachweisen kann. Hefepilze können Bestandteil der menschlichen Mikroflora sein. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, ob Candida vorhanden ist, sondern in welcher Menge, an welcher Stelle und ob tatsächlich Beschwerden oder Zeichen einer Infektion vorliegen.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig. Ich habe das ausführlicher in meinem Beitrag „Was ist Darmpilz Candida albicans – Freund oder Feind?“ beschrieben. Die Vorstellung „Candida gefunden = Candida-Krankheit“ ist zu simpel. Ebenso simpel wäre allerdings die Gegenposition, nach der Candida im Darm grundsätzlich keine Rolle spielen könne.

Problematisch kann Candida werden, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern. Dazu gehören beispielsweise eine gestörte mikrobielle Konkurrenz nach Antibiotikabehandlungen, Veränderungen des Schleimhautmilieus, Diabetes beziehungsweise dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, Immunsuppression, bestimmte Medikamente oder lokale Faktoren im Genitalbereich.

Gerade beim Darm lohnt deshalb der Blick auf das gesamte Ökosystem. Über die Bedeutung der mikrobiellen Besiedlung habe ich ausführlich in meinem Beitrag zur Darmflora und ihren zahlreichen Aufgaben geschrieben. Candida ist in diesem System eben nicht isoliert zu betrachten.

Was steckt im Schwarzkümmel?

Schwarzkümmel, botanisch Nigella sativa, hat übrigens mit unserem gewöhnlichen Kümmel botanisch nicht viel zu tun. Schwarzkümmel gehört zu den Hahnenfußgewächsen, der echte Kümmel dagegen zu den Doldenblütlern.

Die schwarzen Samen enthalten fettes Öl, flüchtige beziehungsweise ätherische Bestandteile sowie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders intensiv untersucht wird Thymochinon. Daneben finden sich unter anderem Thymohydrochinon, Thymol, Carvacrol und p-Cymol.

Bei älteren Angaben zum Thymochinongehalt ist allerdings Vorsicht angebracht. Man liest immer wieder, Thymochinon mache 30 bis 48 Prozent „des Schwarzkümmels“ aus. Das ist missverständlich. Solche hohen Prozentangaben beziehen sich auf bestimmte Fraktionen des flüchtigen Öls und keineswegs auf den gesamten Samen.

Das ist keine akademische Spitzfindigkeit, sondern für die praktische Beurteilung ausgesprochen wichtig. Ein Methanolextrakt, ein wässriger Extrakt, isoliertes Thymochinon, ätherisches Öl, kaltgepresstes Schwarzkümmelöl und gemahlene Schwarzkümmelsamen sind pharmakologisch nicht dasselbe.

Wer sich grundsätzlich für die erstaunlich breite Forschung zu dieser Pflanze interessiert, findet dazu auch meinen ausführlichen Beitrag „Schwarzkümmelöl heilt jede Erkrankung – Ausnahme Tod?“. Der etwas provokante Titel greift eine traditionelle arabische Überlieferung auf – der Beitrag selbst schaut selbstverständlich genauer hin.

Im Labor hemmt Schwarzkümmel Candida

Die antimykotische Wirkung von Nigella sativa ist experimentell recht gut dokumentiert. Verschiedene Extrakte sowie einzelne Inhaltsstoffe können das Wachstum von Candida-Arten unter Laborbedingungen hemmen. Besonders Thymochinon steht dabei im Mittelpunkt der Forschung.

Interessant ist dabei nicht nur die unmittelbare Wachstumshemmung. Untersuchungen beschäftigen sich inzwischen auch mit Eigenschaften wie der Hyphenbildung und der Ausbildung von Biofilmen. Genau diese Mechanismen sind bei Candida von Bedeutung, weil der Pilz je nach Umweltbedingungen unterschiedliche Wachstumsformen annehmen kann.

Biofilme sind dabei besonders interessant. Mikroorganismen können sich in solchen komplexen Strukturen organisieren und dadurch andere Eigenschaften entwickeln als frei schwimmende Einzelzellen. Das kann unter anderem ihre Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Substanzen verändern.

Neuere Laborarbeiten deuten darauf hin, dass Thymochinon nicht nur das Wachstum von Candida albicans beeinflussen kann, sondern auch Prozesse, die mit Biofilmbildung und Virulenz zusammenhängen. Das macht die Substanz pharmakologisch interessant. Es bleibt aber zunächst genau das: ein experimenteller Befund.

Man sollte aus einer Petrischale keine Therapieempfehlung machen. Diesen Fehler sehe ich leider sowohl bei Heilpflanzen als auch bei Nahrungsergänzungsmitteln regelmäßig. Ein Stoff kann im Labor spektakulär aussehen und im menschlichen Organismus trotzdem enttäuschen, weil Aufnahme, Stoffwechsel, Konzentration am Wirkort und zahlreiche andere Faktoren völlig anders sind.

Andererseits beginnt praktisch jede Arzneimittelforschung genau dort: mit biologischen Effekten, die zunächst im Labor sichtbar werden. Die Laborbefunde zu Schwarzkümmel sind deshalb keineswegs wertlos. Sie sagen lediglich noch nicht, wie gut das Ganze beim Patienten funktioniert.

Gerade solche Beispiele zeigen sehr schön, warum ich Heilpflanzen weder romantisch verklären noch vorschnell als „unbewiesen“ abtun würde. Wenn Sie solche naturheilkundlichen Zusammenhänge interessieren, schreibe ich darüber regelmäßig auch in meinem Heilpflanzen-Newsletter.

Dort geht es nicht um Kräuterromantik, sondern um Heilpflanzen, ihre Wirkstoffe, Studien und die Frage, wie ich sie aus Sicht der Naturheilpraxis beurteile:

 

 

Der bemerkenswerte Mäuseversuch

Eine der häufig zitierten Untersuchungen zu Schwarzkümmel und Candida stammt aus dem Jahr 2003. Wissenschaftler infizierten Mäuse intravenös mit Candida albicans. Anschließend konnten Pilzkolonien unter anderem in Nieren, Leber und Milz nachgewiesen werden.

24 Stunden nach der Infektion erhielten die Tiere drei Tage lang einen wässrigen Extrakt aus Schwarzkümmelsamen. Das Ergebnis war bemerkenswert: Im Vergleich zu den unbehandelten Tieren sank die Candida-Belastung etwa um den Faktor fünf in den Nieren, acht in der Leber und elf in der Milz. Auch die histologische Untersuchung der Organe bestätigte den Effekt.

Die Originalarbeit ist hier nachzulesen: Khan et al.: The in vivo antifungal activity of the aqueous extract from Nigella sativa seeds.

Das ist ohne Zweifel interessant. Trotzdem sollte man daraus nicht mehr machen, als tatsächlich gezeigt wurde. Eine experimentell erzeugte systemische Candidose bei Mäusen ist etwas völlig anderes als ein Mensch mit wiederkehrendem Scheidenpilz, Mundsoor oder einem auffälligen Candida-Nachweis im Stuhl.

Hinzu kommt ein weiteres Detail: Untersucht wurde ein definierter wässriger Extrakt. Daraus lässt sich keine Dosierung für handelsübliches Schwarzkümmelöl ableiten. Gerade diese Übertragung vom Forschungsextrakt auf irgendein Produkt aus dem Handel ist einer der häufigsten Fehler bei der Interpretation von Heilpflanzenstudien.

Es gibt inzwischen auch eine Humanstudie mit Schwarzkümmelkapseln

Besonders interessant wird es bei einer 2015 veröffentlichten randomisierten, dreifach verblindeten und placebokontrollierten Untersuchung mit 100 Frauen mit Candida-albicans-Vaginitis.

Alle Frauen erhielten sieben Tage lang Clotrimazol-Vaginalcreme. Die Behandlungsgruppe bekam zusätzlich zweimal täglich eine Kapsel mit 500 mg Nigella sativa, während die Kontrollgruppe entsprechende Placebokapseln erhielt.

Nach der Behandlung verbesserten sich die Beschwerden in beiden Gruppen. In der Schwarzkümmelgruppe waren jedoch verschiedene Symptome und klinische Zeichen deutlicher zurückgegangen. Auch die mikrobiologischen Untersuchungen mit Kultur und KOH-Präparat fielen zugunsten der Schwarzkümmelgruppe aus.

Die Studie ist hier veröffentlicht: Adiban Fard et al.: Therapeutic Effects of Nigella Sativa Linn on Candida albicans Vaginitis.

Das ist für mich deutlich interessanter als der hundertste Reagenzglasversuch. Dennoch sollte man auch hier genau hinschauen: Schwarzkümmel wurde nicht allein getestet. Beide Gruppen bekamen gleichzeitig Clotrimazol. Die Studie zeigt deshalb einen möglichen zusätzlichen Effekt von Schwarzkümmel, aber nicht, dass Schwarzkümmel eine vaginale Candidose alleine zuverlässig behandeln kann.

Außerdem handelte es sich um eine relativ kleine Einzelstudie. Frauen mit wiederkehrender Candidose, Schwangerschaft, Stillzeit, Diabetes oder verschiedenen anderen Erkrankungen waren ausgeschlossen. Das Ergebnis lässt sich deshalb nicht beliebig auf alle Patienten übertragen.

Eine zweite Studie: Schwarzkümmel und Honig gegen Vaginal-Candida

2022 erschien eine weitere randomisierte, dreifach verblindete klinische Studie. 84 Frauen mit kulturell bestätigter vulvovaginaler Candidose wurden entweder mit einer 1-prozentigen Clotrimazolcreme oder mit einer speziell hergestellten Vaginalcreme behandelt. Diese enthielt 3 Prozent Nigella-sativa-Extrakt und 30 Prozent Honig.

79 Frauen beendeten die sieben Tage dauernde Behandlung. In beiden Gruppen verbesserten sich Beschwerden und Befunde deutlich. Bei Juckreiz und Ausfluss schnitt die Schwarzkümmel-Honig-Zubereitung sogar besser ab. Bei der Pilzkultur zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Vorteil: 74,4 Prozent der Frauen in der Clotrimazolgruppe und 67,5 Prozent in der Schwarzkümmel-Honig-Gruppe hatten anschließend eine negative Kultur.

Die komplette Studie ist frei zugänglich: Comparison between the Efficacy of Nigella sativa-Honey and Clotrimazole on Vulvovaginal Candidiasis.

Auch das ist ein interessantes Ergebnis, aber kein Freibrief für Selbstversuche. Erstens enthielt die untersuchte Creme neben Schwarzkümmelextrakt immerhin 30 Prozent Honig. Wir wissen deshalb nicht, welcher Anteil des Effekts auf welche Komponente zurückzuführen war. Zweitens handelte es sich um eine eigens hergestellte pharmazeutische Zubereitung und nicht um Schwarzkümmelöl aus der Küche.

Bitte nicht einfach Schwarzkümmelöl vaginal anwenden

Gerade an dieser Stelle ist mir ein Hinweis wichtig. Aus der Studie folgt keineswegs die Empfehlung, handelsübliches Schwarzkümmelöl unverdünnt auf empfindliche Schleimhäute aufzutragen.

Schwarzkümmelöl kann Kontaktallergien und ausgeprägte Hautreaktionen auslösen. In medizinischen Fallberichten wurde unter anderem Thymochinon als möglicher auslösender Stoff identifiziert. „Natürlich“ bedeutet eben nicht automatisch „reizfrei“.

Wer bei Scheidenpilz Beschwerden wie starken Juckreiz, Brennen, Rötung oder ungewöhnlichen Ausfluss hat, sollte außerdem bedenken, dass nicht jeder vermeintliche „Pilz“ tatsächlich eine Candidose ist. Bakterielle Vaginosen und andere Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Gerade bei wiederkehrenden Problemen halte ich deshalb eine vernünftige Diagnostik für wesentlich sinnvoller als eine Serie wechselnder Hausmittel.

Und was ist mit Hautpilzen?

Auch gegenüber Dermatophyten, also den Erregern zahlreicher Haut- und Nagelpilzerkrankungen, finden sich interessante experimentelle Daten. Schwarzkümmelextrakte und Thymochinon wurden gegen verschiedene Arten aus den Gattungen Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton getestet.

Dabei zeigte Thymochinon eine stärkere antimykotische Aktivität als der Gesamtextrakt. In älteren Vergleichsversuchen war das konventionelle Antimykotikum Griseofulvin allerdings deutlich potenter. Auch das gehört zur vollständigen Wahrheit und sollte nicht unterschlagen werden.

Wer sich grundsätzlich mit Pilzerkrankungen der Haut beschäftigt, findet dazu auf meiner Seite Naturheilt.com meinen Beitrag „Pilzerkrankungen behandeln – aber natürlich“. Bei unklaren oder hartnäckigen Haut- und Nagelveränderungen ist außerdem die richtige Diagnose einer Pilzinfektion entscheidend. Nicht jeder veränderte Nagel und nicht jede schuppende Hautstelle ist eine Mykose.

Schwarzkümmelöl ist nicht gleich Schwarzkümmelextrakt

Dieser Punkt kann gar nicht deutlich genug gemacht werden. Wenn Wissenschaftler Candida mit einem Methanol-, Chloroform- oder wässrigen Extrakt behandeln, bedeutet das nicht, dass ein Teelöffel kaltgepresstes Schwarzkümmelöl dieselben Konzentrationen derselben Substanzen am selben Wirkort erzeugt.

Ebenso wenig sollte jemand auf die Idee kommen, solche Extrakte selbst herzustellen. Methanol und Chloroform sind Lösungsmittel aus Labor und Technik und haben in einer häuslichen Therapie selbstverständlich nichts verloren.

Auch bei kommerziellen Schwarzkümmelölen ist mit erheblichen Unterschieden zu rechnen. Sorte, Herkunft, Lagerung, Pressverfahren und Alter können die Zusammensetzung beeinflussen. Gerade beim viel untersuchten Thymochinon wäre deshalb eine Standardisierung sinnvoll, wenn man therapeutische Wirkungen wissenschaftlich vergleichen möchte.

Der entscheidende Punkt bei Candida: Warum kann sich der Pilz ausbreiten?

Bei aller Begeisterung für interessante antimykotische Pflanzenstoffe darf man den für mich wichtigsten Punkt nicht übersehen: Candida ist häufig nicht das eigentliche Grundproblem, sondern ein Teil eines gestörten biologischen Milieus.

Wenn beispielsweise eine Antibiotikatherapie große Teile der bakteriellen Konkurrenz dezimiert, verändern sich die ökologischen Bedingungen im Darm. Aus diesem Grund beschäftige ich mich bei entsprechenden Beschwerden nicht nur mit dem Pilz, sondern auch mit der Symbioselenkung und dem Aufbau eines stabileren Darmmilieus.

Ähnliches gilt für die Darmschleimhaut. Bei chronischen Darmbeschwerden kann es sinnvoll sein, nicht ständig nur nach dem nächsten Mittel gegen Candida zu suchen, sondern nach Ursachen einer gestörten Barrierefunktion. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag über das Leaky-Gut-Syndrom verfasst.

Auch die Ernährung gehört dazu. Ich halte allerdings wenig von der simplen Vorstellung, man müsse nur sämtliche Kohlenhydrate streichen und könne den Pilz dadurch „aushungern“. Candida ist metabolisch wesentlich anpassungsfähiger, und eine langfristig extrem einseitige Kost kann neue Probleme schaffen.

Meine Gedanken dazu finden Sie ausführlicher in meinem Beitrag über die Candida-Anti-Pilz-Diät. Aus meiner Sicht sollte Ernährung nicht nur gegen einen Mikroorganismus gerichtet sein, sondern gleichzeitig Darmflora, Schleimhaut, Stoffwechsel und eine vernünftige Nährstoffversorgung unterstützen.

Warum „Pilz weg“ nicht automatisch „Problem gelöst“ bedeutet

Das ist zugleich der Grund, weshalb ich auch einen rein schematischen Einsatz von Antimykotika kritisch sehe. Es gibt Situationen, in denen Medikamente wie Nystatin oder Azole sinnvoll und notwendig sind. Bei einer invasiven Candidose ist eine wirksame antimykotische Arzneitherapie selbstverständlich kein Diskussionsthema, sondern kann lebensrettend sein.

Bei chronischen oder immer wiederkehrenden Beschwerden stellt sich aber zusätzlich die Frage, warum das Problem ständig zurückkehrt. Wird lediglich der Pilz reduziert, während die begünstigenden Faktoren unverändert bleiben, ist ein Rückfall nicht besonders überraschend.

Meine kritischen Überlegungen dazu habe ich unter anderem in meinem Beitrag „Nystatin – kritische Anmerkungen zur Nystatintherapie“ sowie ausführlicher in meiner biologischen Candida-Therapie beschrieben.

Genau an solchen Themen zeigt sich übrigens, was mich an Naturheilkunde seit Jahrzehnten interessiert: nicht „Natur gegen Medizin“, sondern die Frage, welche biologischen Zusammenhänge hinter einem Problem stecken und welche Möglichkeiten möglicherweise über das bloße Unterdrücken eines Symptoms hinausgehen.

Wenn Sie solche naturheilkundlichen Zusammenhänge mögen, empfehle ich Ihnen meinen Newsletter mit den „5 Wundermitteln“. Darin geht es um besonders interessante Mittel und Verfahren, die in der üblichen Gesundheitsberichterstattung oft kaum vorkommen:

 

Kleine Anmerkung: Die „5 Wundermittel“ gehören seit Jahren zu den beliebtesten Informationen, die ich an meine Leser verschicke.

Wie ich den Stellenwert von Schwarzkümmel bei Candida heute sehe

Im Vergleich zur ursprünglichen Fassung dieses Beitrags hat sich meine Beurteilung etwas verändert. Damals musste man noch vor allem mit Labor- und Tierexperimenten argumentieren. Heute gibt es immerhin erste klinische Daten.

Damit ist Schwarzkümmel für mich deutlich mehr als ein traditionelles Hausmittel, zu dem man lediglich ein paar nette Geschichten erzählen kann. Die Kombination aus plausiblen pharmakologischen Mechanismen, In-vitro-Daten, einem Tiermodell und ersten kontrollierten Untersuchungen am Menschen ist interessant.

Was wir dagegen noch nicht haben, sind große, unabhängige und mehrfach reproduzierte klinische Studien, die uns sagen, bei welcher Candida-Erkrankung welche Schwarzkümmelzubereitung in welcher Dosierung wie zuverlässig wirkt. Insbesondere für eine Candida-Problematik im Darm lässt sich aus den vorhandenen Studien keine etablierte Dosierung ableiten.

Deshalb würde ich Schwarzkümmel heute als mögliches ergänzendes Element sehen, nicht als bewiesene alleinige Candida-Therapie.

Mein Fazit

Schwarzkümmel und insbesondere sein Inhaltsstoff Thymochinon zeigen in der Forschung eine bemerkenswerte antimykotische Aktivität. Candida-Wachstum, Biofilmbildung und weitere für den Pilz relevante Eigenschaften lassen sich unter experimentellen Bedingungen beeinflussen. In einem älteren Mausmodell wurde eine deutliche Reduktion einer systemischen Candida-Belastung beobachtet.

Besonders interessant sind inzwischen zwei klinische Untersuchungen bei Frauen mit vulvovaginaler Candidose. Eine Studie fand Vorteile, wenn Schwarzkümmelkapseln zusätzlich zu Clotrimazol gegeben wurden. Eine weitere Untersuchung zeigte mit einer speziell hergestellten Schwarzkümmel-Honig-Creme Ergebnisse, die bei mehreren Beschwerden mindestens konkurrenzfähig mit Clotrimazol waren. Das ist bemerkenswert – allerdings noch kein Beweis für Schwarzkümmel als eigenständiges Antimykotikum.

Die vernünftige Position liegt deshalb wieder einmal zwischen den Extremen. Man muss aus Schwarzkümmel kein „Candida-Wundermittel“ machen. Man muss aber auch nicht so tun, als gäbe es für die traditionelle Anwendung keinerlei wissenschaftliche Grundlage.

Und vor allem sollte eine vernünftige Candida-Therapie nicht bei der Frage enden: „Womit töte ich den Pilz?“ Gerade bei wiederkehrenden Problemen interessiert mich viel mehr: Warum konnte sich Candida überhaupt so stark entwickeln? Was ist mit Darmflora, Schleimhaut, Blutzucker, Ernährung, Medikamenten und Immunlage?

Wer nur den Pilz bekämpft, behandelt möglicherweise einen Mitspieler. Wer die Bedingungen verändert, unter denen er sich ausbreiten konnte, beschäftigt sich mit dem gesamten Spielfeld. Genau darin sehe ich den eigentlichen naturheilkundlichen Ansatz.

Studien und Quellen

  • Khan MAU et al. The in vivo antifungal activity of the aqueous extract from Nigella sativa seeds. Phytotherapy Research. 2003. PubMed
  • Adiban Fard F et al. Therapeutic Effects of Nigella Sativa Linn (Black Cumin) on Candida albicans Vaginitis. Archives of Clinical Infectious Diseases. 2015. Studie
  • Norouzi Allahleh Korabi M et al. Comparison between the Efficacy of Nigella sativa-Honey and Clotrimazole on Vulvovaginal Candidiasis: A Randomized Clinical Trial. 2022. Volltext bei PubMed Central
  • Kurihara F et al. Thymoquinone as a causative allergen in Nigella sativa oil contact dermatitis. Contact Dermatitis. 2020. PubMed
  • Gaudin O et al. Association Between Severe Acute Contact Dermatitis Due to Nigella sativa Oil and Epidermal Apoptosis. JAMA Dermatology. 2018. PubMed

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