Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind
Wer fastet, verändert seinen Stoffwechsel. Und das sieht man auch im Blut.
Das klingt zunächst banal, ist aber wichtig. Denn manche Blutwerte verändern sich während des Heilfastens deutlich, ohne dass dahinter automatisch eine Erkrankung steckt. Andere Veränderungen sollte man dagegen ernst nehmen und nicht einfach mit dem Satz abtun: „Das kommt vom Fasten.“
Ich erlebe immer wieder, dass während einer Fastenkur Blutwerte untersucht werden und anschließend Verunsicherung entsteht. Die Harnsäure ist plötzlich deutlich höher. Das Bilirubin steigt. Der Blutzucker liegt niedriger als gewohnt. Vielleicht sieht sogar das LDL-Cholesterin schlechter aus als vor dem Fasten.
Und dann lautet verständlicherweise die Frage:
Ist das beim Fasten noch normal oder muss ich mir Sorgen machen?
Genau darum geht es in diesem Beitrag. Ich möchte zeigen, welche Blutwerte vor und während einer Fastenkur interessant sein können, welche Veränderungen zum Fastenstoffwechsel passen und bei welchen Befunden man genauer hinsehen sollte.
„Blutbild“ und „Blutwerte“ sind nicht dasselbe
Zunächst eine kleine, aber wichtige Unterscheidung. Umgangssprachlich wird häufig von einem „Blutbild“ gesprochen, obwohl eigentlich verschiedene Laborwerte gemeint sind.
Das kleine oder große Blutbild untersucht vor allem die Blutzellen: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen sowie verschiedene daraus berechnete Werte.
Wenn wir beim Fasten von wichtigen Blutwerten sprechen, interessieren uns zusätzlich beispielsweise:
- Blutzucker,
- Natrium und Kalium,
- Kreatinin und eGFR,
- Harnsäure,
- Leberwerte und Bilirubin,
- je nach Situation Magnesium, Kalzium und Phosphat,
- gegebenenfalls Ferritin, HbA1c, TSH und weitere Werte.
Welche davon sinnvoll sind, hängt stark davon ab, wer fastet, wie lange gefastet wird und welche Erkrankungen oder Medikamente vorhanden sind.
Muss jeder vor dem Heilfasten Blut abnehmen lassen?
Nein.
Ein gesunder Mensch, der eine überschaubare Fastenkur von einigen Tagen durchführt, braucht aus meiner Sicht nicht automatisch ein umfangreiches Laborprogramm.
Anders sehe ich das bei Vorerkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, bekannten Nieren-, Leber- oder Stoffwechselproblemen, Diabetes, Gicht oder auffälligen Blutwerten in der Vorgeschichte. Auch bei längerem Fasten können Ausgangswerte sinnvoll sein.
Wer nicht genau weiß, wie es um Nierenfunktion, Zuckerstoffwechsel oder Elektrolyte bestellt ist, kann durch einige gezielt ausgewählte Laborwerte deutlich mehr Sicherheit gewinnen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass vor dem Fasten zwanzig oder dreißig Laborparameter bestimmt werden müssen. Einige wenige Werte können bereits sehr hilfreich sein.
Grundsätzlich gilt: Wer ernsthaft erkrankt ist oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte eine Fastenkur nicht einfach auf eigene Faust beginnen. Dazu habe ich ausführlicher im Beitrag Wer darf nicht fasten? geschrieben.
Welche Blutwerte sind vor dem Fasten besonders interessant?
Zu den Basiswerten, die je nach Ausgangssituation interessant sein können, gehören für mich:
- kleines Blutbild,
- Kreatinin und eGFR,
- Natrium und Kalium,
- Blutzucker,
- Harnsäure,
- GPT beziehungsweise ALT,
- GOT beziehungsweise AST,
- Gamma-GT,
- Bilirubin.
Je nach Vorgeschichte können zusätzlich HbA1c, Ferritin, Magnesium, Kalzium, Phosphat, TSH oder weitere Werte sinnvoll sein.
Entscheidend ist dabei immer die Ausgangssituation. Ein gesunder 35-Jähriger, der eine Woche fastet, ist etwas anderes als ein 72-jähriger Patient mit Diabetesmedikamenten, Blutdrucksenkern, einem Diuretikum und eingeschränkter Nierenfunktion.
Wer erstmals fastet, findet den praktischen Ablauf übrigens in meiner Heilfasten-Anleitung Schritt für Schritt.
Gerade bei solchen Fragen zeigt sich, warum Heilfasten eben mehr ist als einige Tage nichts zu essen. Vorbereitung, Medikamente, Stoffwechsel, Kreislauf und Aufbauphase gehören zusammen. Wenn Sie sich für diese praktischen Zusammenhänge interessieren, können Sie hier meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter anfordern:
Heilfasten richtig durchführen
In meinem kostenlosen Heilfasten-Newsletter schreibe ich über Vorbereitung, Durchführung, typische Probleme beim Fasten und darüber, worauf es nach dem Fasten wirklich ankommt.
Blutzucker: Er darf beim Fasten sinken
Eine der deutlichsten Veränderungen beim Fasten betrifft den Zuckerstoffwechsel.
Nach Beginn des Fastens werden zunächst die Glykogenspeicher in Leber und Muskulatur beansprucht. Gleichzeitig sinkt die Insulinausschüttung. Mit zunehmender Fastendauer gewinnt der Organismus einen immer größeren Anteil seiner Energie aus Fettsäuren und Ketonkörpern.
Der Blutzucker sinkt dabei häufig in den unteren Normalbereich.
Das ist zunächst genau das, was beim Fasten zu erwarten ist. Ein niedrigerer Blutzuckerwert bedeutet bei einem gesunden Fastenden deshalb nicht automatisch eine gefährliche Unterzuckerung.
Entscheidend sind der tatsächliche Messwert und die Beschwerden.
Ganz anders sieht die Situation bei Menschen aus, die Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen. Hier kann eine unverändert fortgeführte Medikamentendosis zusammen mit dem Fasten tatsächlich problematisch werden.
Besondere Vorsicht ist unter anderem bei sogenannten SGLT2-Hemmern wie Empagliflozin oder Dapagliflozin erforderlich. Unter bestimmten Umständen kann es dabei zu einer Ketoazidose kommen, obwohl der Blutzucker nicht extrem hoch sein muss.
Wer an Diabetes leidet und therapeutisch fasten möchte, sollte deshalb nicht einfach Medikamente weiternehmen wie bisher. Ausführlicher gehe ich darauf in meinem Beitrag Heilfasten bei Diabetes ein.
HbA1c: Während einer Fastenwoche wenig interessant
Der HbA1c zeigt vereinfacht gesagt die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der zurückliegenden Wochen. Vor einer Fastenkur kann dieser Wert ausgesprochen interessant sein, weil er Hinweise darauf gibt, wie der Zuckerstoffwechsel grundsätzlich aussieht.
Während einiger weniger Fastentage verändert er sich dagegen nicht so schnell, dass daraus eine sinnvolle Beurteilung des Fastenerfolgs möglich wäre.
Wer wissen möchte, was Fasten, Gewichtsabnahme und eine anschließende Ernährungsumstellung langfristig für den Zuckerstoffwechsel gebracht haben, sollte den HbA1c erst später erneut bestimmen lassen.
Blutzucker, Insulinresistenz und Diabetes sind Themen, bei denen Ernährung und Fasten unmittelbar ineinandergreifen. Wenn Sie sich damit intensiver beschäftigen möchten, können Sie auch meinen kostenlosen Diabetes-Newsletter anfordern:
Blutzucker und Diabetes besser verstehen
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Harnsäure: Beim Fasten häufig deutlich erhöht
Dieser Wert sorgt während des Fastens immer wieder für Überraschungen. Die Harnsäure kann während einer längeren Fastenperiode erheblich ansteigen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde auch in neueren Fastenuntersuchungen beobachtet.
Die Erklärung lautet allerdings nicht, dass beim „Entgiften“ große Mengen irgendwo im Bindegewebe eingelagerter Purine herausgespült würden.
Ein wesentlicher Mechanismus hängt vielmehr mit der Ketose zusammen. Wenn während des Fastens die Konzentration der Ketonkörper steigt, verändert sich auch die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Besonders in der frühen Fastenphase kann dadurch weniger Harnsäure ausgeschieden werden.
In älteren kontrollierten Fastenuntersuchungen wurden innerhalb einer Woche teilweise ausgesprochen starke Anstiege der Harnsäure beobachtet. Später kann der Wert trotz weiter bestehender Ketose wieder zurückgehen.
Ein erhöhter Harnsäurewert während des Fastens bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich der Stoffwechsel dauerhaft verschlechtert hat.
Bei Menschen mit Gicht sieht die Sache allerdings anders aus. Wer bereits Gichtanfälle hatte, sehr hohe Harnsäurewerte aufweist oder bestimmte Nierensteine kennt, sollte längeres Fasten nicht unkontrolliert durchführen.
Kreatinin und eGFR: Wie geht es den Nieren?
Kreatinin gehört zu den wichtigsten Laborwerten zur Abschätzung der Nierenfunktion. Aus Kreatinin, Alter und weiteren Faktoren wird die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, die eGFR, berechnet.
Beim Fasten muss man allerdings etwas genauer hinschauen. Kreatinin hängt nicht ausschließlich von den Nieren ab. Muskelmasse, körperliche Belastung und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen den Wert ebenfalls.
Gerade der Flüssigkeitshaushalt kann sich während einer Fastenkur deutlich verändern. Ein einzelner Kreatininwert sollte deshalb nie völlig isoliert betrachtet werden. Ein deutlicher Anstieg des Kreatinins zusammen mit fallender eGFR, sehr geringer Urinmenge, Austrocknung oder erheblichen Beschwerden gehört dagegen abgeklärt.
Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Fastenkur ohnehin kein Gebiet für Experimente auf eigene Faust.
Harnstoff: Niedriger ist nicht automatisch besser
Auch Harnstoff wird häufig zusammen mit den Nierenwerten bestimmt. Während des Fastens kann sich dieser Wert verändern. Dabei sollte man bedenken, dass Harnstoff stark vom Eiweißstoffwechsel beziehungsweise von der aufgenommenen Proteinmenge abhängt.
Wenn über mehrere Tage praktisch kein Nahrungseiweiß aufgenommen wird, verändert sich zwangsläufig auch die Harnstoffproduktion. Ein niedriger Harnstoffwert während des Fastens ist deshalb nicht automatisch der Beweis dafür, dass die Nieren plötzlich besser arbeiten.
Für die Beurteilung der Nierenfunktion sind Kreatinin, eGFR, Verlauf, Flüssigkeitshaushalt und der klinische Zustand wesentlich aussagekräftiger.
Natrium und Kalium: Diese Werte verdienen Aufmerksamkeit
Beim Fasten verändert sich nicht nur der Energiestoffwechsel, sondern auch der Wasser- und Salzhaushalt.
Besonders zu Beginn des Fastens kommt es häufig zu einer vermehrten Ausscheidung von Wasser und Natrium. Deshalb besteht ein Teil des schnellen Gewichtsverlustes der ersten Tage keineswegs nur aus Körperfett.
Bei gesunden Menschen bleiben die Elektrolyte während einer vernünftig durchgeführten, zeitlich begrenzten Fastenkur meistens in einem unproblematischen Bereich.
Trotzdem gehören Natrium und Kalium zu den Werten, auf die ich bei längeren Fastenzeiten und bei Vorerkrankungen besonders achten würde.
Das gilt vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von:
- Diuretika,
- bestimmten Blutdruckmitteln,
- Herzmedikamenten,
- Medikamenten, die die Nierenfunktion oder den Kaliumhaushalt beeinflussen.
Ausgeprägte Elektrolytstörungen können erhebliche Beschwerden verursachen. Herzrhythmusstörungen, starke Muskelschwäche, Verwirrtheit oder massive Kreislaufprobleme sollte man deshalb nicht als normale „Fastenkrise“ abhaken.
Auch die Trinkmenge spielt dabei eine Rolle. Viel hilft nicht automatisch viel. Wer mehrere Liter Wasser zusätzlich trinkt, obwohl der Körper diese Menge gar nicht benötigt, kann die Elektrolytkonzentration ebenfalls ungünstig beeinflussen.
Mehr zum Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt während des Fastens finden Sie auch bei meiner Fastensuppe und Gemüsebrühe fürs Heilfasten.
Magnesium: Der Serumwert erzählt nicht die ganze Geschichte
Magnesium wird beim Fasten ebenfalls gerne kontrolliert. Dabei hat der übliche Serum-Magnesiumwert eine Schwäche: Nur ein kleiner Teil des gesamten Magnesiums im Körper befindet sich im Blutserum. Ein normaler Serumwert schließt deshalb eine unzureichende Magnesiumversorgung nicht sicher aus.
Trotzdem kann die Bestimmung bei längerem Fasten, bei bestimmten Medikamenten, starken Muskelkrämpfen oder Herzrhythmusstörungen sinnvoll sein.
Phosphat: Vor allem nach sehr langer Nahrungskarenz wichtig
Phosphat spielt bei einer normalen kurzen Fastenkur eines gut ernährten Menschen meistens keine zentrale Rolle. Anders sieht es nach sehr langen Nahrungspausen, bei deutlichem Untergewicht, Mangelernährung oder erheblichen Gewichtsverlusten aus.
Dann muss man an das sogenannte Refeeding-Syndrom denken. Wenn nach längerer Unterernährung wieder größere Mengen Nahrung aufgenommen werden, steigt die Insulinausschüttung. Dadurch werden unter anderem Phosphat, Kalium und Magnesium verstärkt in die Zellen aufgenommen. Im Blut können diese Werte teilweise stark absinken.
Eine übliche Heilfastenwoche bei einem gut ernährten Menschen ist damit nicht gleichzusetzen. Wer allerdings sehr lange praktisch keine Nahrung aufgenommen hat oder bereits mangelernährt ist, sollte weder das Fasten noch den anschließenden Kostaufbau nach eigenem Gutdünken durchführen.
Zum richtigen Übergang zurück zur normalen Ernährung habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Fastenbrechen und Aufbautage richtig gestalten.
Kalzium: Nicht vorschnell an die Knochen denken
Beim Kalzium wird gelegentlich zu schnell interpretiert.
Ein etwas niedrigeres Gesamt-Kalzium bedeutet nicht automatisch, dass der Körper während einiger Fastentage plötzlich große Mengen Kalzium aus den Knochen verloren hat.
Der Kalziumspiegel im Blut wird vom Organismus eng reguliert.
Außerdem hängt das gemessene Gesamt-Kalzium unter anderem vom Albuminspiegel ab. In speziellen Situationen kann die Bestimmung des ionisierten Kalziums deshalb aussagekräftiger sein.
Für die Beurteilung der Knochengesundheit ist ein einzelner Serum-Kalziumwert ohnehin nur sehr begrenzt geeignet.
Leberwerte: Fasten kann sie verändern
Bei den sogenannten Leberwerten geht es vor allem um ALT beziehungsweise GPT, AST beziehungsweise GOT, Gamma-GT und alkalische Phosphatase.
Gerade bei Menschen mit Stoffwechselproblemen oder einer Fettleber können sich Leberwerte im Verlauf von Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung günstig entwickeln.
Während intensiver Fastenphasen sind allerdings auch vorübergehende Veränderungen möglich.
Deshalb gilt auch hier: Nicht jeder Laborwert, der während des Fastens aus dem Referenzbereich läuft, bedeutet automatisch eine neue Lebererkrankung.
Umgekehrt sollte ein deutlicher Anstieg der Leberwerte nicht einfach mit einer angeblichen besonders starken „Entgiftung“ erklärt werden.
Bei deutlich erhöhten Transaminasen oder zusätzlichen Beschwerden wie starkem Krankheitsgefühl, Schmerzen im rechten Oberbauch, sehr dunklem Urin oder einer Gelbfärbung von Haut beziehungsweise Augen gehört die Ursache abgeklärt.
Was GPT, GOT, Gamma-GT, alkalische Phosphatase und Bilirubin tatsächlich aussagen, erkläre ich ausführlicher in meinem Beitrag Leberwerte erhöht? GPT, GOT und GGT richtig verstehen.
Bilirubin: Beim Fasten besonders interessant
Bilirubin ist für Fastende ein ausgesprochen interessanter Laborwert.
Bei manchen Menschen steigt es während einer stärkeren Kalorienrestriktion deutlich an, obwohl die übrigen Leberwerte völlig unauffällig bleiben.
Dahinter kann das sogenannte Gilbert-Meulengracht-Syndrom stecken.
Dabei ist die Aktivität des Enzyms UGT1A1 vermindert, das für die Verarbeitung beziehungsweise Konjugation von Bilirubin eine wichtige Rolle spielt.
Viele Betroffene wissen überhaupt nicht, dass sie diese genetische Besonderheit haben.
Fasten ist ein typischer Auslöser für einen Anstieg des unkonjugierten Bilirubins. Bei manchen Menschen werden dadurch sogar die Augen leicht gelblich.
Das kann verständlicherweise erschrecken. Beim bekannten Gilbert-Meulengracht-Syndrom ist diese Reaktion jedoch etwas völlig anderes als eine akute Schädigung der Leber.
Genau deshalb sollte Bilirubin nicht isoliert betrachtet werden. Interessant ist beispielsweise, ob vor allem das indirekte Bilirubin erhöht ist und wie GPT, GOT, Gamma-GT und alkalische Phosphatase aussehen.
Mehr dazu lesen Sie in meinem ausführlichen Beitrag zum Gilbert-Meulengracht-Syndrom.
Cholesterin beim Fasten: Hier wird es interessant
Beim Cholesterin wird häufig erwartet, dass sämtliche Werte während des Fastens zwangsläufig besser werden.
So einfach ist es nicht.
Die Untersuchungen zu längerem Fasten zeigen durchaus unterschiedliche Ergebnisse. LDL kann sinken, unverändert bleiben oder während einer Fastenperiode vorübergehend sogar steigen.
Auch HDL und Triglyceride verhalten sich nicht in jeder Untersuchung gleich.
Das erscheint zunächst überraschend, ist physiologisch aber durchaus nachvollziehbar.
Während des Fastens befindet sich der Fettstoffwechsel in einer völlig anderen Situation als unter normaler Ernährung. Gespeicherte Triglyceride werden mobilisiert, freie Fettsäuren gelangen verstärkt in den Kreislauf und die Leber bildet daraus unter anderem Ketonkörper.
Das ist also kein gewöhnlicher Stoffwechselzustand.
Deshalb halte ich ein Lipidprofil mitten in einer längeren Fastenperiode nur eingeschränkt für geeignet, um daraus das langfristige Herz-Kreislauf-Risiko abzuleiten.
Wer wissen möchte, wie sich Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride langfristig entwickelt haben, sollte die Werte nach Rückkehr zu einer stabilen Ernährung noch einmal kontrollieren lassen.
Triglyceride: oft günstig, aber nicht immer sofort
Triglyceride reagieren häufig relativ deutlich auf Ernährungsweise, Alkohol, Zuckerzufuhr, Insulinresistenz und Körpergewicht.
Deshalb können sie nach Fasten und anschließender Ernährungsumstellung deutlich niedriger liegen.
Auch hier interessiert mich langfristig allerdings weniger, wie der Wert mitten in der Ketose aussieht, sondern was einige Wochen später unter normalen Alltagsbedingungen übrig geblieben ist.
Blutdruck gehört zwar nicht zum Blutbild – sollte aber mitbeobachtet werden
Der Blutdruck ist kein Laborwert, gehört für mich bei längeren Fastenkuren aber unbedingt zur Beobachtung dazu.
Bei vielen Menschen sinkt der Blutdruck während des Fastens.
Das kann ausgesprochen erwünscht sein. Es kann aber zum Problem werden, wenn gleichzeitig Blutdrucksenker und entwässernde Medikamente unverändert weitergenommen werden.
Schwindel, Schwarzwerden vor Augen und Kreislaufprobleme sind dann nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass der Körper „besonders intensiv entgiftet“. Manchmal ist der Blutdruck schlicht zu niedrig.
Mehr zum Thema finden Sie unter Heilfasten bei Bluthochdruck.
Blutbild: Veränderungen nicht überinterpretieren
Auch beim eigentlichen Blutbild kann das Fasten Spuren hinterlassen.
Dabei spielt der Flüssigkeitshaushalt eine wichtige Rolle. Wer beispielsweise zu wenig trinkt und dadurch Flüssigkeit verliert, kann scheinbar höhere Werte für Hämoglobin und Hämatokrit bekommen.
Umgekehrt bedeutet ein niedriger Hämoglobinwert nicht automatisch Eisenmangel.
Für die Beurteilung eines möglichen Eisenmangels sind unter anderem MCV, MCH, Ferritin und gegebenenfalls die Transferrinsättigung interessant.
Auch auffällige Leukozytenwerte sollte man nicht vorschnell interpretieren.
Ein niedriger Leukozytenwert beweist weder eine Virusinfektion noch eine „Vergiftung“. Medikamente, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Vitaminmängel und zahlreiche weitere Ursachen kommen infrage.
Ferritin: Nicht nur ein Eisenspeicherwert
Ferritin wird häufig als Eisenspeicherwert bezeichnet. Das ist grundsätzlich richtig, aber nicht die ganze Geschichte.
Ferritin ist gleichzeitig ein sogenanntes Akutphaseprotein und kann bei Entzündungen ansteigen.
Ein hoher Ferritinwert bedeutet deshalb nicht automatisch hervorragend gefüllte Eisenspeicher.
Ebenso wichtig für Fastende: Eine normale, zeitlich begrenzte Fastenkur verursacht nicht plötzlich einen Eisenmangel. Eisenmangel entsteht nicht dadurch, dass jemand fünf oder sieben Tage keine eisenhaltigen Lebensmittel isst.
CRP und Entzündungswerte
Das C-reaktive Protein, kurz CRP, ist ein unspezifischer Marker für Entzündungsprozesse.
Bei metabolisch belasteten Menschen können Entzündungsmarker im Zusammenhang mit Gewichtsabnahme und Fasten langfristig sinken.
Ein erhöhtes CRP während des Fastens sollte jedoch nicht als besonders eindrucksvolle „Entgiftungsreaktion“ gefeiert werden.
Bei einem deutlichen Anstieg sollte vielmehr geprüft werden, ob ein entzündlicher oder infektiöser Prozess vorliegt.
Welche Veränderungen beim Fasten sind grundsätzlich zu erwarten?
Als grobe Orientierung lässt sich sagen:
- Blutzucker: sinkt häufig.
- Insulin: sinkt typischerweise.
- Ketonkörper: steigen deutlich.
- Harnsäure: kann besonders zu Beginn deutlich steigen.
- Bilirubin: kann steigen, besonders bei Gilbert-Meulengracht.
- Blutdruck: sinkt bei vielen Menschen.
- Gewicht: sinkt, anfangs zu einem beträchtlichen Teil durch Wasserverlust.
- LDL, HDL und Triglyceride: können unterschiedlich reagieren.
- Elektrolyte: bleiben bei Gesunden häufig stabil, verdienen bei längerem Fasten und Medikamenteneinnahme aber Aufmerksamkeit.
Diese Übersicht ist keine Sollwerttabelle. Sie beschreibt lediglich häufig beobachtete Reaktionen. Menschen reagieren unterschiedlich, und genau deshalb ist der Ausgangswert so wichtig.
Wann sollte während des Fastens Blut kontrolliert werden?
Eine allgemeine Regel nach dem Muster „Am fünften Fastentag muss Blut abgenommen werden“ halte ich für wenig sinnvoll.
Bei einem gesunden Menschen während einer kurzen Fastenkur ist meist keine wiederholte Laborkontrolle erforderlich.
Ganz anders kann es bei längeren Fastenzeiten aussehen.
Entscheidend sind:
- Dauer des Fastens,
- Ausgangswerte,
- Vorerkrankungen,
- Medikamente,
- Alter und allgemeine Belastbarkeit,
- auftretende Beschwerden.
Bei einem Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Medikamenten, die Blutdruck, Blutzucker, Natrium oder Kalium beeinflussen, würde ich wesentlich genauer hinschauen als bei einem gesunden Menschen ohne Medikamente.
Für eine vernünftige Planung der einzelnen Fastentage empfehle ich auch meinen Heilfasten-Plan: Schritt für Schritt durch die Fastenkur.
Wann sollte man auffällige Blutwerte nicht einfach dem Fasten zuschreiben?
Genau dieser Punkt ist mir wichtig.
Dass Fasten Blutwerte verändert, darf nicht dazu führen, jeden auffälligen Befund automatisch zur „Fastenreaktion“ zu erklären.
Genauer hingeschaut werden sollte beispielsweise bei:
- deutlich zunehmender Nierenfunktionsstörung,
- ausgeprägten Natrium- oder Kaliumveränderungen,
- stark erhöhten Leberwerten,
- schweren oder zunehmenden Beschwerden,
- Bewusstseinsstörungen,
- anhaltendem Erbrechen oder Durchfall,
- sehr geringer Urinmenge,
- Herzrhythmusstörungen,
- echten Hypoglykämien,
- Zeichen einer starken Austrocknung.
Ich halte wenig davon, für jede Reaktion während einer Fastenkur den Begriff „Entgiftung“ heranzuziehen. Manche Beschwerden sind tatsächlich vorübergehende Anpassungsreaktionen. Andere sind Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt.
Diese Unterscheidung ist wichtiger als jede Fastenideologie.
Ein wichtiger Unterschied: nüchtern zur Blutabnahme ist kein Heilfasten
Hier gibt es häufig ein Missverständnis.
Wenn ein Labor verlangt, dass Sie „nüchtern“ zur Blutabnahme erscheinen, bedeutet das normalerweise eine Nahrungspause über Nacht.
Das ist physiologisch etwas völlig anderes als vier, sieben oder vierzehn Tage Heilfasten.
Nach mehreren Fastentagen befindet sich der Organismus in einer ausgeprägten Stoffwechselanpassung mit stärkerer Fettverbrennung, erhöhten Ketonkörpern, niedrigerem Insulin und verändertem Wasser- und Salzhaushalt.
Laborwerte aus dieser Situation dürfen deshalb nicht ohne Weiteres genauso beurteilt werden wie ein Laborwert nach einer gewöhnlichen nächtlichen Nahrungspause.
Welche Blutwerte sind nach dem Fasten wirklich interessant?
Wenn ich wissen möchte, was eine Fastenkur langfristig bewirkt hat, interessieren mich nicht nur die Werte am letzten Fastentag.
Viel spannender ist die Frage:
Wie sehen die Werte aus, wenn der Mensch wieder einige Zeit normal und vernünftig isst?
Dann lassen sich beispielsweise Blutzucker, HbA1c, Triglyceride, LDL, Leberwerte, Harnsäure und gegebenenfalls Entzündungsmarker wesentlich besser im Hinblick auf langfristige Veränderungen beurteilen.
Denn das Ziel des Heilfastens besteht für mich nicht darin, am siebten Fastentag einen besonders schönen Laborzettel vorzeigen zu können.
Entscheidend ist, was danach passiert.
Wenn jemand nach dem Fasten Gewicht reduziert hat, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel deutlich verringert, sich mehr bewegt und seine Ernährung dauerhaft verändert, wird es wirklich interessant.
Die Aufbauphase spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wer nach einer Woche Fasten einfach wieder so isst wie vorher, verschenkt einen großen Teil des möglichen Nutzens. Deshalb habe ich sowohl zum Fastenbrechen und den Aufbautagen als auch zur Ernährung vor, während und nach dem Heilfasten ausführliche Beiträge veröffentlicht.
Gerade nach dem Fasten stellt sich die entscheidende Frage: Was kommt jetzt dauerhaft auf den Teller? Wenn Sie sich für Ernährung, Stoffwechsel und die praktischen Konsequenzen im Alltag interessieren, können Sie hier meinen kostenlosen Ernährungs-Newsletter anfordern:
Was nach dem Fasten auf den Teller kommt, entscheidet mit
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Mein Fazit: Blutwerte beim Fasten richtig beurteilen
Fasten verändert Blutwerte. Das ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern eine logische Folge der veränderten Stoffwechsellage.
Blutzucker und Insulin sinken typischerweise, Ketonkörper steigen. Die Harnsäure kann vorübergehend erheblich zunehmen. Bilirubin kann besonders beim Gilbert-Meulengracht-Syndrom deutlich höher werden. Wasser- und Elektrolythaushalt verändern sich. Und selbst Cholesterinwerte können während einer Fastenperiode in eine Richtung laufen, die man zunächst gar nicht erwartet hätte.
Deshalb halte ich wenig davon, jeden Laborwert während des Fastens nach exakt denselben Maßstäben zu beurteilen wie unter normaler Ernährung.
Genauso falsch wäre allerdings die andere Richtung: auffällige Werte einfach als „Entgiftung“, „Schlackenlösung“ oder harmlose Fastenreaktion abzutun.
Entscheidend sind Ausgangswert, Verlauf, Fastendauer, Beschwerden, Medikamente und die gesamte gesundheitliche Situation.
Und genau deshalb können sinnvoll ausgewählte Blutwerte vor beziehungsweise bei längerem Fasten ausgesprochen hilfreich sein.
Mein Grundsatz lautet: Nicht möglichst viele Laborwerte bestimmen – sondern die richtigen Werte zum richtigen Zeitpunkt und anschließend auch wissen, was sie in der besonderen Stoffwechselsituation des Fastens tatsächlich bedeuten.








