Darmbakterien
Wichtige Helfer der Gesundheit -
DarmbakterienDen Darmbakterien wird von den meisten Schulmedizinern relativ wenig Beachtung
geschenkt. Sie lesen auch nicht viel darüber - und nach entsprechenden Untersuchungen und Studien muss man schon
suchen.
Bakterien gelten allgemein als "schädlich" und "krankmachend". Schlicht und ergreifend halten die meisten
Menschen Bakterien für gefährlich - etwas was man "töten" muss.
Die wenigstens wissen, dass wir auf Abermillionen von Bakterien zum Überleben angewiesen sind: Unsere "guten"
Darmbakterien nämlich.
Der gesunde Darm des Menschen wird von 100 bis 400 verschiedenen Darmbakterien besiedelt. Diese Darmbakterien
bilden die für die Gesunderhaltung so wichtige Darmflora.
Und erst kürzlich stellten Wissenschaftler fest, dass auch Pilze wichtige Funktionen im Körper erfüllen. Etwa
200 Arten von ihnen scheinen natürlicherweise unseren Verdauungstrakt zu besiedeln. Sind die gesunden Vertreter nur
in geringer Zahl vorhanden, so breiten sich schädliche Pilze im Darm aus, was teilweise mit chronischen
Entzündungen einhergeht (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22674328).
Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hielt sich übrigens noch die Lehrmeinung, dass der Dünndarm
steril sei! Auch heute findet man noch einige Ärzte, die es so gelernt haben und diese Meinung weiter
vertreten.
So finden sich im Zwölffingerdarm (bezogen auf 1ml Stuhl):
10¹ - 10³ Laktobazillen
10¹ - 10³ Enterokokken
bis zu 10² Enterobakterien
bis zu 10² Bacteroides-, Prevotella-, Porphyromonas-Gruppen
Im Dünndarm findet man (bezogen auf 1g Stuhl):
104 - 107 Bacteroides-, Prevotella-, Porphyromonas-Gruppen
10³ - 106 Enterokokken
10³ - 106 Laktobazillen
10³ - 106 Enterobakterien
und viele andere...
Im Dickdarm findet man mit Abstand die meisten Bakterien (bezogen auf 1g Stuhl):
109 - 1010 Bifidobakterien
109 - 1010 Bacteroides-, Prevotella-, Porphyromonas-Gruppen
102 - 107 Enterokokken
103 - 105 Laktobazillen
105 - 107 Enterobakterien
103 - 105 Chlostridien
103 - 105 Fusobakterien
103 Veillonellen
103 Staphylokokken
(Quelle: Beckmann / Rüffer: Mikroökologie des Darms, Hannover 2000, S.
13)
Die bekanntesten sind die Bifidobakterien (auch Lactobacillus bifidus oder Bacillus bifidus genannt)
und das Enterobakterium Escherichia coli (kurz: E. Coli genannt).
Die Bifidobakterien sind ein Milchsäurebakterium und können zum Beispiel aus Milchzucker Essigsäure
bilden und werden deshalb auch in Joghurtprodukten beigesetzt.
Der lebenserhaltende Wert ist daran zu sehen, dass Bifidobakterien in der Muttermilch vorhanden sind und
beim Säugling, der mit Muttermilch versorgt wird, den größten Anteil der Darmflora bildet. Die
milchsäureproduzierenden Bakterien erschwert krankmachenden Keimen die Ansiedlung im Darm und trägt somit stark zum
Schutz der Gesundheit bei.
Die Escherichia coli-Bakterien vergären Traubenzucker und Milchzucker und besiedeln die Darmflora sowohl im
Dünn- als auch im Dickdarm des Menschen.
Die Darmflora spielt eine bedeutende Rolle im Immunsystem des Körpers - auch das wissen die wenigsten. Warum das
so ist lesen Sie in meinem Beitrag: Darm-Immunsystem
Eine internationale Forschergemeinschaft hat Anfang 2013 einen aufsehenerregenden Fachartikel veröffentlicht: So
scheinen auch Autoimmunerkrankungen von der Zusammensetzung der Darmflora abzuhängen.
Jedenfalls konnten die Wissenschaftler dies an einer Mäuselinie im Labor nachweisen. Denn die Darmbakterien
hatten einen starken Einfluss auf die Hormonausschüttung der Tiere – und in der Folge darauf, ob Diabetes Typ I
ausbricht oder nicht (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23328391).
Ob die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Darmflora und bestimmt die Stärke des Immunsystems mit. Neben
der Verdauungsfunktion hat die Darmflora die Aufgabe, wichtige Vitamine zu bilden.
Darunter die B-Vitamine B 1, auch als Thiamin bekannt, B 2, auch als Riboflavin bekannt, B 6, auch als Pyridoxin
bekannt und B 12, auch als Cobalamin bekannt. Die B-Vitamine decken eine Vielzahl an Funktionen im Körper ab. Ein
Mangel an Vitamin B 1 führt zu Appetitlosigkeit, Herzbeschwerden und Wadenkrämpfen, Konzentrationsmangel usw..
Ein Mangel an Vitamin B2 bringt Rhagaden (Einrisse an Schleimhäuten - meist an den Mundwinkeln) und
Veränderungen der Schleimhäute insgesamt hervor.
Das Vitamin B6 ist u.a. für eine gesunde Haut und für gesunde Nerven wichtig.
Weitere Vitamine werden im Darm gebildet, wie zum Beispiel das Vitamin K, das bei der Blutgerinnung hilft und
das Biotin (Vitamin H), das Depressionen und Allergien vorbeugt und gegen Übelkeit und Anorexie wirkt.
Die Darmflora bildet bei ballaststoffreicher Nahrung auch sog. kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure, die,
durch den Darm aufgenommen, dem Körper wertvolle Energie liefern und bei der Aufrechterhaltung der gesunden
Darmfunktionen mitwirkt.
Wenn die Darmflora beschädigt wird, wie dies zum Beispiel durch die Einnahme verschiedener Medikamente (vor
allem Antibiotika) geschieht, muss diese eventuell wieder aufgebaut werden. So einen
"Wiederaufbau" definieren manche auch als "Darmsanierung".
Dazu dienen sog. Probiotika,
die einer solchen Fehlbesiedlung entgegen wirken können. Die Wissenschaft ist sich noch nicht wirklich einig über
diese Vorgänge.
Nachweislich ist dennoch, dass bestimmte Produkte, die die Darmflora zur Selbstregeneration anregen, sehr
hilfreich sind, um den Wiederaufbau der Darmflora zu unterstützen. Dies sind zum Beispiel mit einem hohen Anteil
rechtsdrehender Milchsäurebakterien, wie sie in guten Reformhäusern zu finden sind.
Weniger geeignet ist die breite Palette an konventionell in Supermärkten angebotenen Produkten mit der
Bezeichnung „probiotisch“. Meiner Erfahrung nach ist die Konzentration der Probiotika in diesen Mittel zu gering.
Zudem sind diese Probiotika fast immer an Micherzeugnisse gekoppelt - und Milch ist etwas, was ich bei Darmstörungen generell nicht empfehle.
Das Immunsystem des Körpers hat die Aufgabe, fremde Substanzen und Mikroorganismen wieder zu entfernen und
fehlerhafte Zellen, die der Körper selbst gebildet hat, zu zerstören und dient grundsätzlich dazu, auch
abgestorbene Zellen zu entfernen. Abgestorbene oder defekte Zellen können zur Krebserkrankung beitragen und ein
gesundes Immunsystem ist die beste Abwehr gegen die gefürchtete Krebserkrankung.
Auch der Zusammenhang der Bakterien mit Übergewicht und Fettleibigkeit zeigt interessantes.
Mehr dazu lesen Sie auch im Beitrag: Übergewicht durch Darmbakterien?
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 26.02.2013 aktualisiert
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