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Heilerde - Wirkung, Anwendung und Nutzen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Heilerde: ein ganz altes Naturheilmittel. Es hat zwar den Charme von ungewaschenen Vorhängen, aber es hat eine sehr gute "Bilanz".

Heilerde wird unter anderem zur innerlichen Anwendung beim Fasten genutzt, hat aber auch äußerlich angewandt viele heilkräftige Wirkungen.

Sie wurde bereits in der Antike eingesetzt und hat auch noch heute in der Naturheilkunde einen festen Platz. Schon die alten Ägypter nutzten Nilschlamm für unterschiedliche Anwendungen. Und auch die Römer und Griechen kannten die heilkräftige Wirkung bestimmter Erden.

Viele bekannte Naturheilrt vergangener Zeiten, zum Beispiel Hippokrates, Hildegard von Bingen oder Pfarrer Sebastian Kneipp setzten Heilerde ein.

Heilerde zur innerlichen Anwendung 

Abb.1: Heilerde als Pulver zur innerlichen Anwendung. Achtung: Die Heilerde sollte auch zur "innerlichen Anwendung" (!) geeignet sein.

Selbst viele Tierarten nehmen instinktiv Erde zu sich und wählen dabei gezielt bestimmte Erden, die reich an Mineralstoffen sind, die Nahrung verträglicher machen oder die Säuren und Gifte im Verdauungstrakt neutralisieren.

Für die medizinische Anwendung beim Menschen wird bis heute als Heilerde eine von Adolf Just Anfang des letzten Jahrhunderts empfohlene spezielle Lehmart genutzt: Löss. Diese in der letzten Eiszeit entstandene Erde ist besonders reich an Spurenelementen und Mineralstoffen. Um sie für medizinische Zwecke nutzbar zu machen, wird sie gereinigt und meist bei einer Temperatur von etwa 130°C getrocknet, um Keime abzutöten.

Zur innerlichen Anwendung wird der Löss besonders fein gemahlen und hat deshalb eine große Oberfläche an Mineralstoffen. So kann die Heilerde Gifte binden und Säuren puffern. Aus diesem Grund wird Heilerde gerne im Rahmen einer Darmsanierung, einer Entgiftung und Entschlackung oder auch zur Stabilisierung der Darmflora eingesetzt.

Beim Fasten ist die Heilerde vor allem bei innerlicher Anwendung hilfreich, da sie einen zu sauren Magen beruhigen und Sodbrennen lindem kann. Sodbrennen war sowieso die traditionelle Anwendung der Heilerde. Sie war bei diesem Problem ähnlich beliebt wie Natron. Heilerde kann auch bei verschiedenen Darmreizungen eingesetzt werden.

Die genaue Wirkweise der Heilerde ist wissenschaftlich noch nicht genau geklärt. Wahrscheinlich kann sie Stoffwechselprodukte der Darmbakterien binden und so eine gesunde Darmflora fördern. Aus diesem Grund wird Heilerde gerne und wirkungsvoll gegen Blähungen (Blähbauch) und Durchfall eingenommen.

In der Heilerde sind viele wichtige Mineralstoffe enthalten, wie zum Beispiel:

  • Kalium
  • Calcium
  • Magnesium und
  • Natrium

sowie die Spurenelemente:

  • Chrom
  • Kupfer
  • Eisen
  • Selen und
  • Zink

An den leicht erdigen Geschmack gewöhnt man sich recht schnell.

Heilerde erhalten Sie in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern. Andere Formen und Bezeichnungen sind Tonerde oder Mineralerde. Die bekannteste Heilerde, die Sie auch in jedem Reformhaus finden, ist von der Firma Luvos. Aber natürlich gibt es auch noch andere Produkte:

Die Firma Bullrich (bekannt vom Bullrich Salz) stellt ebenfalls Heilerde aus Löss her, genau wie weitere Anbieter.

Die „Argiletz Grüne Heilerde“ stammt aus Frankreich und ist besonders naturbelassen: Sie wird nicht zusätzlich erhitzt, sondern nur an der Sonne getrocknet.

Die „Mineralische braune Lavaerde“ von Logona ist besonders zur äußerlichen Anwendung empfehlenswert, zum Beispiel zur Herstellung von natürlichen Duschlotionen oder Haarwaschmitteln. Sie stammt aus dem marokkanischen Atlasgebirge.

Welche Produkte für Sie infrage kommen, ist auch Geschmackssache. Probieren Sie ruhig ein wenig herum.

Besonders gute Erfahrungen konnte man in diesem Zusammenhang mit diversen Erden machen, denen eine heilende und therapeutische Wirkung nachgesagt wird. Hierzu gehören vor allem die klassische Heilerde, aber auch Zeolithe, zum Beispiel Klinoptilolith sowie Bentonit. Es wird aufgrund seiner bindenden Eigenschaften vor allem als Entgiftungsmittel verwendet. Dabei kann die Mineralerde sowohl bei Schimmelpilzgiften als auch bei klassischer Schadstoffbelastung zum Einsatz kommen.

Innerliche Anwendung der Heilerde

Während des Fastens ist die Einnahme von Heilerde als Pulver empfehlenswert: Lösen Sie dazu ein bis zwei leicht gehäufte Teelöffel in einem Glas Wasser (ca. 200-300 ml).

Rühren Sie mit einem Löffel die Heilerde gut auf, sodass diese im Wasser ordentlich "herumwirbelt". Lösen kann sich Heilerde im Wasser sowieso nicht ...

Trinken Sie diese "rotierende Lösung" am besten in einem Zug aus. Füllen Sie das Glas noch einmal mit etwas Wasser, damit Sie die verbliebenen Reste der Heilerde noch mitbekommen (wäre doch schade um dieses schöne Heilmittel ...).

Halten Sie für "danach" noch ein Glas Wasser bereit, mit dem Sie den Mund ausspülen können, damit Reste der Heilerde zwischen den Zähnen nicht so knirschen.

Die meisten Menschen gewöhnen sich sehr schnell an den Geschmack und das „Mundgefühl“ der Erde. Wer sich gar nicht daran gewöhnen kann, kann auch auf Heilerde-Kapseln zurückgreifen.

Äußerliche Anwendung der Heilerde

Heilerde äußerlich angewendet

Abb.2: Neben der inneren Anwendung findet Heilerde auch häufig Einsatz in der äußeren Anwendung.

Besonders bestimmte Hautleiden (zum Beispiel Akne) oder Gelenkbeschwerden (z.B. Rheuma) kommen hier als Indikation infrage. Generell wirkt die Heilerde bei äußerlicher Anwendung abschwellend, beruhigend, austrocknend, anti-entzündlich und stillt Juckreiz und Schmerz.

Je nachdem, ob die Heilerde für einen warmen oder kalten Umschlag verwendet wird, unterscheidet sich die Wirkung ein wenig: Kalte Umschläge mit Heilerde dämpfen den Stoffwechsel, lindern Entzündungen und bewirken ein Zusammenziehen der Gefäße. Warme Anwendungen entspannen die Muskulatur und regen die Durchblutung an (bekannt von den „Fangopackungen“, die als Wellness- oder Medizinbehandlung angeboten werden). Die Anwendung spezieller Lehmarten bei Hautinfektionen war schon im Altertum bekannt.

Um Heilerde äußerlich anzuwenden, rührt man sie mit kaltem oder warmem Wasser zu einem dicken Brei. Dieser wird entweder auf ein feuchtes Tuch aufgebracht, das dann auf die betroffene Hautstelle gelegt wird, oder er wird direkt auf die Haut gestrichen und mit einem trockenen Tuch abgedeckt. In beiden Fällen kann der Umschlag noch mit einem Wolltuch umwickelt werden.

Ist die Behandlung dem Patienten angenehm, bleibt der Umschlag etwa eine halbe Stunde liegen (idealerweise bis die Heilerde eingetrocknet ist) und kann durchaus mehrmals am Tag wiederholt werden. Wird der Umschlag als unangenehm empfunden, sollte er sofort abgenommen werden.

Mögliche Indikationen für die äußere Anwendung von Heilerde sind:

  • Insektenstiche
  • Sonnenbrand
  • Neurodermitis 
  • Schuppenflechte
  • allergische Hautausschläge
  • Abszesse
  • Akne
  • rheumatische Erkrankungen 
  • Arthrose
  • Quetschungen, Prellungen
  • Sehnenscheidenentzündungen
  • Hexenschuss
  • Muskelverspannungen
  • chronische Entzündungen an der Wirbelsäule

Außerdem kommt Heilerde auch zur kosmetischen Anwendung zum Einsatz, zum Beispiel als Peeling, als Pflegemaske bei unreiner, fettiger Haut oder zur unterstützenden Behandlung von Cellulite. Im Badewasser pflegt Heilerde die Haut und versorgt sie mit wichtigen Mineralstoffen. Auch als Dusch- oder Haarwaschmittel ist Heilerde verwendbar.

Einige Produkte zur äußeren Anwendung sind bereits in Pastenform in der Tube erhältlich.

Bei so vielen Anwendungsmöglichkeiten sollte sich das ja auch in den "wissenschaftlichen Ausarbeitungen" niederschlagen...

Studien und Erfahrungen

  • Evaluation of the medicinal use of clay minerals as antibacterial agents.

Diese Studie befasst sich mit der antibiotischen Wirkung von französischem Grünlehm, einer Lehmart, die reich an Eisen-Smectiten ist. Dieser Lehm ist besonders wirksam bei Buruli-Ulkus, einer gewebezersetzenden Infektion durch das Mykobakterium ulcerans. Besonders interessant ist der Einsatz dieser Heilerde, da die Infektion durch kein Antibiotikum effektiv zu therapieren ist. Eine Heilerde als effektive Therapie würde auch gleichzeitig bedeuten, dass die Therapie selbst kostengünstig, nebenwirkungsfrei und äußerst praktikabel ist. Der französische Grünlehm und andere Heilerden auf Lehmbasis, die in der alternativen Medizin zum Einsatz kommen, brachten drei Sorten hervor, die in der Lage sind, ein breites Spektrum an Pathogenen zu eliminieren. Es muss aber betont werden, dass man sinnvollerweise zwischen Heilerde zur inneren Anwendung und den antibakteriellen Heilerden zur äußeren Anwendung unterscheiden muss.

Die außerordentlich hohen Adsorptionskapatizäten der verschiedenen Heilerden (also die Fähigkeit, an der Oberfläche verschiedenste Gase und Flüssigkeiten anzureichern) kann mit ein Grund für die heilende Wirkung dieser Erden sein. Der antibakterielle Wirkmechanismus für die drei spezifischen Heilerden ist jedoch noch unbekannt. Durch Vergleiche verschiedener Heilerden kamen die Autoren zu dem Schluss, dass eine chemische Reaktion vonseiten der Elemente in der Heilerde auf die Mikroorganismen die antibiotische Wirkung verursacht. Um welche Elemente es sich genau handelt, wissen die Autoren nicht. Sie vermuten, dass elektrochemische Reaktionen (Kationentransfer) eine zentrale Rolle spielen. Durch Erhitzen der drei fraglichen Heilerden in verschiedenen Hitzestufen gelang es ihnen nachzuweisen, dass verschiedene redox-sensible hitzebeständige Metalle verblieben, die in allen antibiotisch wirksamen Heilerden anzutreffen sind. Aus diesen Beobachtungen zogen die Autoren den Schluss, dass pH-Wert und Oxidationsstatus von den Mineralien der Heilerde abgepuffert werden. Dies hat einen für die Mikroorganismen ungünstigen Einfluss auf die Redox-Vorgänge an deren Zellwänden. Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20640226

  • Bentonite, Bandaids, and Borborygmi.

Die Einnahme von Lehm als Heilerde gegen Margen-Darm-Störungen und als Verband auf Hautstellen mit Infektionen ist so alt wie die Menschheit. Bentonite sind besonders beliebt in der traditionellen Medizin, in der die Wirkung empirisch sichergestellt worden ist. Mit der heutigen modernen Technik, die ihre Untersuchungen im Nanobereich durchführen kann, sind wir jetzt in der Lage, die Lehmminerale und die humanen Pathogene in ihren Interaktionen zu untersuchen. Hier können wir lernen, welche Mechanismen Mutter Natur uns zur Verfügung stellt, um Heilwirkungen zu erzielen. Die riesige Oberfläche und chemische Variabilität von hydrothermisch veränderten Bentoniten ist in der Lage, ein natürliches Medikament gegen humane Pathogene zu liefern. Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20607126

  • Observation of changes in urinary excretion of thorium in humans following ingestion of a therapeutic soil.

Mit der Einnahme von Heilerde werden auch potenziell schädliche Substanzen mit eingenommen. Besonders sind hier radioaktive Elemente wie Thorium zu beachten. Thorium ist ein schwach radioaktives Element mit der Ordnungszahl 90. Es hat eine immens lange Halbwertszeit von 14,05 Milliarden Jahren und emittiert alpha-Partikel. Alpha-Partikel können nicht die menschliche Haut durchdringen. Deshalb ist das ohnehin schwache radioaktive Potenzial des Elements nicht als gefährlich einzustufen. Anders sieht es aus, wenn das Element durch die Einnahme der Heilerde im Gastrointestinaltrakt absorbiert wird und in den Blutkreislauf gelangt. Hier würden dann vermehrt Organschäden auftreten, die mit Krebserkrankungen einhergingen.

In dieser Studie wurde also der Frage nachgegangen, ob bei Einnahme von Heilerde vermehrt Thorium im Urin der Probanden auftaucht. Die verwendete Heilerde für diesen Zweck enthielt 10 ppm (parts per million) Thorium und ist ein beliebtes alternativ-medizinisches Produkt in Deutschland, das gegen Durchfälle und Magenübersäuerung gegeben wird. Sechs freiwillige Probanden aßen diese Heilerde in verschieden hohen Mengen über einen Zeitraum von ein bis 15 Tagen. Die verabreichte Menge allerdings korrespondierte mit der auf der Packung angegebenen Referenzmenge von 10 bis 60 mg Heilerde pro Tag. Die Probanden konsumierten dabei Thorium in der Höhe von 0,1 bis 0,6 mg täglich, was 100- bis 600-mal mehr ist als die normale tägliche Dosis von etwa 1 microg in Deutschland. Es wurden 24-Stunden-Urin-Proben vor der Einnahme der Heilerde, während der Einnahme und nach der Einnahme genommen. Diese Proben wurden alle untersucht auf (232)Th per Plasma-Massenspektrometer. Die dabei gemessene Ausscheidung unterlag beträchtlichen Schwankungen. Offensichtlich hatte die hohe Thoriumbelastung keinen Einfluss auf die (232)Th-Ausscheidung im Urin. Dies lässt den Schluss zu, dass eine Heilerdeeinnahme in keiner Weise zu einer Resorption von Thorium führt. Damit kann auch eine längerfristige Einnahme in dieser Hinsicht zumindest als unbedenklich angesehen werden. Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17400343

Wichtige Fragen und Antworten zur Heilerde

Wenn die Heilerde so viele Stoffe aus dem Darm absorbiert, gehen mir dann nicht auch Vitamine und wichtige Mineralstoffe verloren?

Nein, das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Die Wirkung der Heilerde beruht vor allem auf ihrer negativen Ladung. Dadurch ziehen sie nur Stoffe an, die positiv geladen sind, und das sind vor allem die Substanzen, die uns schaden: Säuren, Schwermetalle, radioaktive Partikel und andere. Zusätzlich führt die Heilerde dem Körper wichtige Mineralstoffe zu, statt sie zu entziehen.

Ich habe gehört, dass Heilerde auch Aluminium enthält. Ist das nicht schädlich?

Aluminium ist zu Recht ins Visier geraten, weil es unter anderem mit der Entstehung von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen in Verbindung gebracht wird. Auch viele andere schwere Krankheiten können mit einer zu hohen Aluminiumbelastung zu tun haben.

Tatsächlich ist in vielen Heilerden Aluminium enthalten, allerdings nicht in seiner "schädlichen" Form. Es ist in der Erde oxidiert und kann in diesem Zustand nicht vom Körper aufgenommen werden. Zusätzlich enthält Heilerde große Mengen an Silizium, das den Körper vor der schädlichen Wirkung von Aluminium schützt. In der in Heilerde vorkommenden Form kann das Aluminium sogar nützen: Als Aluminiumhydrosilikat zieht es überflüssige Säuren aus dem Verdauungstrakt.

Ist es nicht ungesund und unnatürlich, Erde zu essen?

Hm... auf diese Frage könnte ich fast antworten: Das sind die gleichen Personen, die mir einreden wollen, gesunde Ernährung sei zu teuer. Aber das wäre natürlich keine vernünftige Antwort...

Also: es gibt unzählige Berichte aus den unterschiedlichsten Kulturen, in denen Menschen Erde essen, um bestimmte gesundheitliche Wirkungen zu erzielen. Und auch viele Tiere nutzen die Wirkung der Heilerde, indem sie sie essen. Unnatürlich ist das Verzehren von Heilerde also sicher nicht, höchstens in unserer Kultur ungewohnt. Auch eine gesundheitliche Gefahr gibt es nicht. Die Heilerde ist stark gereinigt und meist durch Erhitzen keimfrei gemacht, sodass diese meiner Meinung nach als sehr sicher eingstuft werden kann. Ich persönlich rate aber dazu auf eher bekannte Hersteller zu vertrauen.

Noch was in eigener Sache: Ich habe ja einige Namen im Beitrag erwähnt. Selbstverständlich erhalte ich von keiner dieser Firmen irgendwelche Zuwendungen dafür! Um es "wissenschaftlich" zu beschreiben: Interessenkonflikt - Keiner.

Übrigens: Wenn Sie solche Naturheilmittel interessant finden, fordern Sie einfach meinen kostenlosen Newsletter mit den "Wundermitteln" an...

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 9.7.2015 aktualisiert

Bilder von fotolia: Abb1, PhotoSG; Abb2, britta60