Kelp Algen als Nahrungsergänzung – Fakten und Bewertungen
Bei Kelp handelt es sich um Braunalgen der Ordnung Laminariales.
Die Kelp-Algen spalten sich in circa 30 verschiedene Gattungen auf. Die aus Braunalgen gewonnenen Alginate finden
als Gelbildner in der Kosmetik-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie Verwendung.
Andere Braunalgen werden verspeist. Während im englischen Sprachraum mit Kelp bestimmte Braunalgenarten gemeint
sind, wird Kelp im Deutschen dagegen häufig als Begriff für Algenwälder gebraucht, die aus verschiedenen Arten
bestehen können.
Seit dem siebzehnten Jahrhundert wird aus Kelp Jod, Alkali und Kalzium gewonnen. Außerdem erhält man durch das
Verbrennen der Algen Natriumcarbonat. Besonders in Nordschottland entwickelte sich eine große Kelp-Industrie, vor
allem nachdem viele Schotten während der Highland Clearances von ihrem Land vertrieben wurden und einen neuen
Broterwerb suchten.
Seit 1820 fielen jedoch die Kelp-Preise und dieser Industriezweig wurde unbedeutend. Heute werden aus Kelp-Algen
unter anderem Nahrungsergänzungsmittel gewonnen, die reich an Mineralien und Vitaminen sind und Menschen mit einer
Unterversorgung oder erhöhtem Bedarf helfen sollen.
Zu den Inhaltsstoffen zählen Jod, Kalzium, Kupfer, Natrium, Schwefel, B-Vitamine, Vitamin A, C und E sowie Zink.
Typisch für Kelp ist der im Gegensatz zu anderen Algen wie Spirulina oder Chlorella, die ebenfalls als
Nahrungsergänzung angeboten werden, der sehr hohe Gehalt an Jod.
Das chemische Element Jod ist in den Kelp-Algen natürlicherweise reichlich enthalten. Oft enthält eine
Kelp-Tablette bereits mehr als die Tagesdosis an Jod, die ein Erwachsener braucht. Da eine Überdosierung von Jod zu
gesundheitlichen Problemen führen kann, dürfen die Mittel nie über die empfohlene Dosis hinaus eingenommen werden.
Zwar brauchen wir Jod in ausreichender Menge, damit die Schilddrüse Hormone bilden kann, jedoch kann ein Zuviel an
Jod der Schilddrüse schaden und Haut- wie Schleimhautreizungen, Bronchitis oder Jodschnupfen hervorrufen.
Kurzfristig kann die Einnahme von Kelp-Präparaten die Schilddrüse stimulieren und die Hormonproduktion anregen.
Dies zeigte eine vierwöchige Anwendungsstudie an 36 gesunden Probanden in den USA. (Clark et al., 2003, in Endocrine Practice, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14583417
)
Unerwünschte Nebenwirkungen traten in dem Versuch nicht auf.
Doch ist die Sachlage, was die Einnahme von Kelp im Körper bewirkt, noch eher dünn. Wie sich die langfristige
Einnahme von Kelp auswirkt, ist zum Beispiel noch kaum geklärt. Allerdings gab es in den USA bereits einen Fall von
Arsen-Vergiftung nach der zweijährigen Einnahme einer Kelp-Nahrungsergänzung in überhöhter Dosis.
Bei Kauf und Einnahme von Kelp-Nahrungsergänzungen ist daher Vorsicht geboten, denn die Produkte können giftige
Schwermetalle enthalten. Nachdem in den USA eine Frau nach der regelmäßigen Einnahme von Kelp-Mitteln die
Arsen-Vergiftung erlitt, untersuchte eine Forschergruppe neun auf dem Markt erhältliche Kelp-Nahrungsergänzungen
auf Giftstoffe. In dieser Untersuchung zeigte sich, dass acht der neun untersuchten Kelp-Präparate nachweisbare
Mengen an Arsen enthielten. Die Menge des Schwermetalls überstieg dabei die von US-Behörden tolerierte Grenze, ohne
dass in der Produktbeschreibung Hinweise oder eine Warnung gegeben wurden. (Amster et al., 2007, in Environmental Health Perspektives,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17450231
)
In Deutschland zugelassene Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch in der Regel streng reguliert und
gut auf ihre Sicherheit untersucht, sodass eine Vergiftung infolge ihrer Einnahme unwahrscheinlich ist. Man sollte
sich stets genau an die empfohlene Dosis halten, um Schäden zu vermeiden.
Das in den Kelp-Algen und den daraus hergestellten Produkten reichlich enthaltene Jod darf nicht überdosiert
werden. So hatte die in den USA an Vergiftung erkrankte Frau eigenmächtig die vom Hersteller empfohlene Tagesdosis
regelmäßig zwei- bis vierfach überschritten.

2006 war in Tübingen eine Frau nach dem Trinken von Kelp-Tee über den Zeitraum von vier Wochen an einer
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erkrankt. Wegen einer vergrößerten Schilddrüse war ihr nach traditioneller
chinesischer Medizin der Tee empfohlen worden. Nach dem Absetzen des Tees und Medikation besserten sich die
Symptome, doch wird Menschen mit Schilddrüsenproblemen generell abgeraten, jodhaltige Mittel einzunehmen.
(Müssig et al., 2006, in Journal of General Internal
Medicine, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16808731
)
Ein ähnlicher Fall war bereits 1998 aus den USA berichtet worden. (Eliason, 1998, Journal of the American Board of Family Practice,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9876004
)
Generell sollten Kräutermedizin und Nahrungsergänzungsmittel nicht grundsätzlich als harmlos oder sanft betrachtet
werden. Man sollte zudem beachten, dass kein Nahrungsergänzungsmittel eine ausgewogene Ernährung ersetzen kann. Wer
es speziell mit einem Kelp-Präparat versuchen möchte, kauft es am besten in der Apotheke und lässt sich von
Apotheker oder Arzt genauer informieren.
Bei Mitteln aus dem Internet, vor allem solchen, die aus dem Ausland kommen, sollte man besonders vorsichtig sein
und darauf achten, dass alle Inhaltsstoffe genau aufgelistet sind und das Mittel in Deutschland zugelassen ist. Von
einer langfristigen Einnahme ist wegen unzureichender Sachlage derzeit abzuraten. Wer wegen einer
Schilddrüsenerkrankung in Behandlung ist, sollte - wenn überhaupt - nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Arztes
jodhaltige Nahrungsergänzungen wie die Kelp-Mittel einnehmen.
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