Entschlackungskur: Was Entschlacken im Körper wirklich bedeutet

Entschlackungskur mit Autophagie, Stoffwechsel, Leber, Darm und zellulären Recyclingprozessen

„Entschlackung gibt es nicht!“. Diesen Satz höre ich immer noch. Meist folgt dann die Erklärung, der menschliche Körper sei schließlich kein Hochofen und produziere deshalb auch keine Schlacken.

Nun gut. Wenn man unter Schlacken irgendwelche undefinierbaren schwarzen Rückstände versteht, die irgendwo im Bauch herumliegen und bei einer Kur herausgespült werden, kann man die Diskussion an dieser Stelle beenden. So habe ich den Begriff als Naturheilkundler allerdings nie verstanden.

Für mich beschreibt Entschlackung vielmehr einen Sammelbegriff für Vorgänge, bei denen der Organismus Überflüssiges, Geschädigtes oder ungünstig Abgelagertes abbaut, recycelt, mobilisiert oder ausscheidet.

Und plötzlich wird die Sache biologisch ausgesprochen interessant (wovon selbst viele Mediziner keinerlei Ahnung haben). Denn solche Vorgänge gibt es natürlich. Wir kennen heute sogar einige Mechanismen, die erstaunlich gut zu dem passen, was man in der Naturheilkunde seit Jahrzehnten mit Begriffen wie Reinigung, Regeneration oder Entschlackung zu beschreiben versucht.

  • Autophagie: beschädigte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile werden zerlegt und recycelt.
  • Mitophagie: geschädigte Mitochondrien werden gezielt aussortiert.
  • Zellseneszenz: der Organismus muss mit gealterten und funktionsgestörten Zellen umgehen.
  • Mobilisierung von Fettreserven: gespeicherte Energie wird wieder verfügbar gemacht.
  • Umbau von Ablagerungen: selbst Veränderungen in Gefäßen sind biologisch nicht zwangsläufig unveränderlich.
  • Ausscheidung: Leber, Galle, Darm und Nieren verarbeiten und entfernen fortlaufend Stoffwechselprodukte und körperfremde Substanzen.

Das alles ist nicht derselbe Vorgang. Und es lässt sich auch nicht alles durch dieselbe Maßnahme beeinflussen.

Aber genau hier beginnt für mich eine moderne Betrachtung des alten naturheilkundlichen Begriffs „Entschlackung“.

Autophagie: Die Müllabfuhr sitzt in der Zelle

Einer der interessantesten Mechanismen ist die Autophagie.

Wörtlich übersetzt bedeutet das ungefähr „sich selbst essen“. Das klingt zunächst wenig erfreulich, beschreibt aber einen ausgesprochen sinnvollen Recyclingmechanismus.

Zellen besitzen Bestandteile, die ständig beschädigt werden oder irgendwann schlicht nicht mehr richtig funktionieren. Dazu gehören Eiweiße, Zellstrukturen und ganze Zellorganellen.

Diese Bestandteile werden nicht einfach unbegrenzt aufgehoben. Die Zelle kann sie markieren, einschließen, zerlegen und einen Teil der Bausteine erneut verwenden.

Genau das geschieht bei der Autophagie.

Ich habe diesem faszinierenden Mechanismus einen eigenen Beitrag gewidmet: Autophagozytose: Entschlacken und Reparatur der Zellen.

Dass Nahrungsmangel diese Vorgänge beeinflussen kann, wissen wir seit Langem aus Tier- und Zellversuchen. Beim Menschen ist der direkte Nachweis wesentlich schwieriger. Inzwischen gibt es aber auch Untersuchungen am Menschen, bei denen Veränderungen des sogenannten Autophagie-Flusses gemessen werden konnten.

Das ist wichtig. Denn damit verlassen wir langsam die Ebene, auf der Autophagie beim Fasten ausschließlich aus Tierexperimenten abgeleitet wurde.

Allerdings lässt sich daraus keine simple Stundenzahl ableiten nach dem Motto:

„Nach genau 16 oder 18 Stunden beginnt die Autophagie.“

Solche Angaben geistern zwar munter durchs Internet, sind aber in dieser Genauigkeit nicht seriös.

Autophagie läuft ohnehin ständig ab. Nährstoffmangel, Bewegung und andere Reize können die Regulation verändern und bestimmte Autophagieprozesse verstärken. Wann und wie stark das geschieht, dürfte unter anderem vom Gewebe, Ernährungszustand, Trainingszustand und der jeweiligen Stoffwechsellage abhängen.

Mitophagie: Wenn die alten Kraftwerke ausgetauscht werden

Ein Spezialfall der Autophagie ist die sogenannte Mitophagie.

Mitochondrien werden gerne als die Kraftwerke unserer Zellen bezeichnet. Das Bild ist nicht schlecht, denn hier wird ein erheblicher Teil der für die Zelle verfügbaren Energie bereitgestellt.

Aber auch diese Kraftwerke altern.

Beschädigte Mitochondrien können weniger effizient arbeiten und vermehrt reaktive Sauerstoffverbindungen produzieren. Der Organismus verfügt deshalb über Mechanismen, mit denen solche Mitochondrien erkannt und aussortiert werden können.

Diesen Vorgang bezeichnet man als Mitophagie.

Fasten, Energiemangel und körperliche Aktivität gehören zu den Reizen, die mit dieser mitochondrialen Qualitätskontrolle in Verbindung stehen.

Beim Menschen ist die Datenlage allerdings noch deutlich dünner, als manche hübschen Schaubilder in sozialen Medien vermuten lassen.

Das Prinzip finde ich dennoch bemerkenswert:

Gesundheit bedeutet offenbar nicht nur, dem Körper ständig etwas zuzuführen. Gesundheit braucht auch Phasen des Abbaus, der Reparatur und der Erneuerung.

Und genau deshalb halte ich die heute übliche nahezu permanente Nahrungsaufnahme vom Frühstück über Zwischenmahlzeiten, Mittagessen, Kaffee und Kuchen bis zum späten Abendessen für physiologisch wenig überzeugend.

Schon regelmäßige Nahrungspausen können hier sinnvoll sein. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag über das Intervallfasten sowie über das intermittierende Fasten.

Und was ist mit den sogenannten Zombie-Zellen?

Noch spannender wird die Sache bei den seneszenten Zellen. Das sind Zellen, die sich nicht mehr normal teilen, aber trotzdem im Gewebe verbleiben. In einem gewissen Umfang ist Zellseneszenz vollkommen normal und erfüllt sogar wichtige biologische Aufgaben.

Problematisch wird eine zunehmende Ansammlung solcher Zellen. Seneszente Zellen können Botenstoffe freisetzen, die Entzündungsprozesse fördern und umliegendes Gewebe beeinflussen. Deshalb gilt Zellseneszenz inzwischen als einer der wichtigen Mechanismen des biologischen Alterns.

Ausführlich habe ich diese Zellen hier beschrieben: Zombie-Zellen: Wie unser Körper sich selbst sabotieren kann.

Nun wäre die Versuchung natürlich groß zu schreiben: Fasten beseitigt alte Zellen. Tut es sicherlich, die Frage ist allerdings in welchem Ausmaß.

Es gibt interessante Daten dazu, dass Kalorienrestriktion und bestimmte Fastenreize Marker beeinflussen können, die mit Zellseneszenz und den von diesen Zellen ausgeschütteten Entzündungsstoffen in Verbindung stehen.

Der direkte Nachweis, dass eine normale Heilfastenkur beim Menschen in großem Umfang seneszente Zellen „wegfastet“, fehlt allerdings bislang.

Ich würde deshalb derzeit eher sagen: Fasten kann ein Stoffwechselmilieu schaffen, in dem Reparatur-, Recycling- und Alterungsprozesse anders reguliert werden als unter permanenter Nährstoffzufuhr.

Das ist bereits interessant genug. Wir müssen daraus keine Wunderbehauptung machen.

Heilfasten: Eine der konsequentesten Formen der Stoffwechselentlastung

An dieser Stelle sind wir zwangsläufig beim Heilfasten. Denn während einer mehrtägigen Fastenphase verändert sich die Stoffwechsellage wesentlich deutlicher als durch das bloße Weglassen eines Frühstücks.

Insulinspiegel sinken, Fettreserven werden mobilisiert, Ketonkörper steigen an und Signalwege, die auf permanente Nährstoffverfügbarkeit reagieren, verändern ihre Aktivität. Der Organismus wechselt zumindest teilweise vom dauernden Speichern und Aufbauen in Richtung Mobilisierung, Erhaltung, Reparatur und Recycling.

Genau deshalb halte ich das klassische Heilfasten im Zusammenhang mit einer sinnvollen „Entschlackung“ für so interessant.

Wer nicht nur gelegentlich eine Mahlzeit auslassen, sondern verstehen möchte, wie eine Fastenkur vernünftig aufgebaut wird, findet hier meine ausführliche Heilfasten-Anleitung Schritt für Schritt.

Und wenn Sie solche Zusammenhänge rund um Fasten, Stoffwechsel, Autophagie und naturheilkundliche Begleitmaßnahmen interessieren, möchte ich Ihnen meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter ans Herz legen. Dort gehe ich regelmäßig auf genau solche Fragen ein, die in kurzen Artikeln oft nur angerissen werden können:

 

Können sich sogar Ablagerungen in den Gefäßen verändern?

Umgangssprachlich sprechen wir bei der Arteriosklerose gerne von „verkalkten Gefäßen“. Das erweckt den Eindruck, dort klebe irgendwann eine starre Kalkschicht an der Gefäßwand, die bis ans Lebensende unverändert bleibt. Auch nicht ganz richtig.

Atherosklerotische Plaques sind biologisch aktive Strukturen. Ihre Zusammensetzung kann sich verändern. Sie können wachsen, instabil werden, sich stabilisieren und unter günstigen Bedingungen zumindest teilweise zurückbilden.

Für eine solche Plaqueregression gibt es inzwischen auch bildgebende Nachweise. Besonders gut untersucht ist dies bei einer starken Senkung bestimmter Blutfette. Aber auch Bewegung, Nichtrauchen, Blutdruckkontrolle, Stoffwechselverbesserungen, Ernährung und Gewichtsreduktion spielen eine wesentliche Rolle.

Ich habe zu diesem Thema auch aus persönlichem Grund ausführlich geschrieben. Bereits in meinen Dreißigern waren bei mir Ablagerungen in Gefäßen nachweisbar. Später waren diese nach wiederholtem Fasten und grundlegenden Veränderungen meines Lebensstils sonografisch nicht mehr nachweisbar. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag: Arterienverkalkung und Arteriosklerose.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass eine ausgeprägte Arteriosklerose nach sieben Tagen Heilfasten verschwunden wäre. Aber es zeigt etwas Entscheidendes: Auch Ablagerungsprozesse, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben, sind biologisch nicht zwangsläufig eine Einbahnstraße.

Es gibt sehr wohl Ablagerungen im Körper

Genau an dieser Stelle wird die übliche Diskussion über „Schlacken“ manchmal merkwürdig. Natürlich existiert kein medizinisch einheitlich definierter Stoff namens „Schlacke“. Daraus folgt aber nicht, dass sich im menschlichen Körper nichts ablagern könnte.

Wir kennen zahlreiche vollkommen unterschiedliche Beispiele:

  • Fett kann sich in der Leber einlagern.
  • Viszerales Fett sammelt sich um die inneren Organe.
  • Harnsäurekristalle können sich bei Gicht in Gelenken und Geweben ablagern.
  • Cholesterin, Lipide, Bindegewebe und Calcium sind Bestandteile atherosklerotischer Plaques.
  • Calcium kann sich auch an anderen unerwünschten Stellen ablagern.
  • Bestimmte Eiweiße können aggregieren und sich im Gewebe ansammeln.
  • Bei verschiedenen Erkrankungen können Stoffwechselprodukte oder Pigmente im Gewebe gespeichert werden.

All diese Vorgänge haben vollkommen unterschiedliche Ursachen. Deshalb wäre es ebenso falsch, alles einfach als „Schlacken“ zu bezeichnen und dieselbe Kur dagegen einzusetzen. Aber genauso wenig überzeugt mich die Behauptung, der menschliche Körper könne grundsätzlich nichts ansammeln, weil Leber und Nieren schließlich alles zuverlässig entsorgen würden.

Entschlackung und Entgiftung sind nicht dasselbe

Diese beiden Begriffe werden häufig durcheinandergeworfen. Ich würde diese trennen, denn sie beschreiben zwei völlig unterschiedliche Prozesse:

Entgiftung betrifft vor allem körperfremde oder tatsächlich toxische Substanzen: beispielsweise Alkohol, bestimmte Medikamente und deren Abbauprodukte, Umweltchemikalien oder Schwermetalle.

Entschlackung würde ich wesentlich weiter verstehen: als Abbau, Recycling, Mobilisierung und Ausscheidung von Substanzen und Strukturen, die nicht mehr benötigt werden oder deren Anhäufung ungünstig ist.

Wer sich speziell mit der Entgiftung beschäftigen möchte, findet dazu meinen Grundsatzbeitrag: Gifte im Körper: So funktioniert Entgiftung.

Damit wird auch klar, warum ein „Detox-Tee“ alleine kaum das leisten kann, was Werbung gerne verspricht.

Was wäre also eine vernünftige Entschlackungskur?

Wenn wir Entschlackung auf diese Weise verstehen, verändert sich auch der Blick auf die eigentliche Kur.

Dann geht es nicht darum, für 49,90 Euro irgendein Pulver zu bestellen, das angeblich innerhalb einer Woche „alle Schlacken ausleitet“.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Welche Bedingungen können wir schaffen, damit körpereigene Regulations-, Abbau-, Recycling- und Ausscheidungsprozesse möglichst gut funktionieren?

Und jetzt wird es interessant, denn die Möglichkeiten sind tatsächlich Legion.

1. Heilfasten

Eine der konsequentesten Möglichkeiten ist für mich das bereits erwähnte mehrtägige Heilfasten.

Dabei geht es keineswegs nur darum, weniger Kalorien aufzunehmen.

Der entscheidende Punkt ist die Stoffwechselumstellung.

Der Organismus muss nun auf gespeicherte Energie zurückgreifen. Fett wird mobilisiert, Ketonkörper entstehen und zahlreiche hormonelle und zelluläre Signalwege verändern sich.

Wer eine solche Kur durchführen möchte, sollte allerdings nicht einfach morgen früh beschließen, jetzt sieben Tage nichts mehr zu essen.

Wie ich das Heilfasten vorbereite und durchführe, beschreibe ich ausführlich in meiner Heilfasten-Anleitung.

2. Nahrungspausen und Intervallfasten

Es muss nicht immer gleich eine vollständige Fastenwoche sein.

Eine ganz banale Maßnahme besteht darin, dem Körper überhaupt wieder längere Phasen ohne Nahrungszufuhr zu erlauben.

Drei Hauptmahlzeiten plus Frühstückssnack, Nachmittagskuchen, Abendknabberei und noch ein Glas Milch vor dem Schlafengehen lassen praktisch keine nennenswerte Nahrungspause mehr übrig.

Eine längere nächtliche Pause kann deshalb bereits ein guter Anfang sein.

Mehr dazu: Intervallfasten: Wirkung, Anleitung und Vorteile.

3. Bewegung

Bewegung ist für mich eine der am meisten unterschätzten „Entschlackungsmaßnahmen“ überhaupt.

Muskulatur ist kein bloßer Bewegungsapparat, sondern ein hochaktives Stoffwechselorgan.

Körperliche Belastung verbessert unter anderem die Insulinempfindlichkeit, erhöht den Energieumsatz und setzt Reize für die mitochondriale Anpassung und zelluläre Qualitätskontrolle.

Gerade beim Fasten halte ich angemessene Bewegung deshalb für ausgesprochen sinnvoll.

Das heißt allerdings nicht, während einer Fastenkur plötzlich persönliche Bestleistungen aufstellen zu wollen.

Spazierengehen, moderate Ausdauerbelastung und je nach Trainingszustand auch etwas Krafttraining können sinnvoll sein. Mehr dazu beschreibe ich in meinem Beitrag Sport während des Fastens – Erfahrungen und Empfehlungen aus der Praxis.

4. Metabolischen Überschuss abbauen

Viele Menschen benötigen gar keine exotische „Ausleitung“.

Ihr entscheidendes Problem ist zunächst der dauernde Stoffwechselüberschuss.

Zu viel Energie. Zu wenig Bewegung. Zu häufiges Essen.

Die möglichen Folgen kennen wir:

  • viszerales Bauchfett,
  • Fettleber,
  • erhöhte Insulinspiegel,
  • Insulinresistenz,
  • erhöhte Blutfette,
  • chronisch niedriggradige Entzündungsprozesse.

Eine sinnvolle „Entschlackung“ beginnt deshalb manchmal ganz banal damit, den permanenten Energieüberschuss zu beenden.

5. Leber und Galle

Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan und an unzähligen Abbau-, Umbau- und Entgiftungsvorgängen beteiligt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Leber wie ein verschmutzter Kaffeefilter einmal im Jahr „durchgespült“ werden müsste.

Bei den sogenannten Leberreinigungen muss man deshalb genauer hinschauen. Ich habe das ausführlich in meinem Beitrag Leberreinigung nach Hulda Clark und Andreas Moritz besprochen.

Viel entscheidender ist für die meisten Menschen, die Leber dauerhaft weniger zu belasten und günstige Stoffwechselbedingungen zu schaffen.

6. Darm und Ausscheidung

Auch der Darm gehört selbstverständlich in dieses Thema.

Ich würde allerdings nicht behaupten, im Dickdarm klebten jahrzehntealte „Schlacken“, die dringend herausgespült werden müssten.

Eine vernünftige Darmfunktion, regelmäßiger Stuhlgang und eine gesunde Darmflora sind dennoch wichtige Bestandteile einer naturheilkundlichen Behandlung.

Beim Heilfasten arbeite ich zudem seit Jahrzehnten mit einer gezielten Darmentleerung beziehungsweise Darmunterstützung.

Was ich unter Darmreinigung verstehe und welche Verfahren infrage kommen, habe ich hier ausführlich beschrieben: Darmreinigung: Kann man den Darm damit entgiften und entschlacken?.

Die Ernährung nach der Kur entscheidet mit

Eine Entschlackungskur endet nicht mit dem ersten Brötchen nach dem Fasten. Eigentlich beginnt jetzt der wichtigere Teil. Wer sieben Tage fastet und danach sofort wieder in exakt dieselbe Ernährungsweise zurückkehrt, die möglicherweise zur metabolischen Überlastung beigetragen hat, verschenkt einen erheblichen Teil des Effekts.

Deshalb sind die Aufbautage nach dem Fasten keine lästige Formalität. Sie sind die Brücke zwischen Fastenkur und Alltag. Wie das praktisch aussehen kann, beschreibe ich in meinem Beitrag Fastenbrechen und Aufbautage nach dem Heilfasten.

Und danach?

Gemüse, Kräuter, natürliche Lebensmittel, vernünftige Eiweißquellen, hochwertige Fette und möglichst wenig hochverarbeitete Produkte sind sicher kein spektakuläres Detox-Programm.

Aber langfristig ist das erheblich wirkungsvoller als der nächste sieben Tage dauernde „Cleanse“ aus dem Internet. Eine Übersicht dazu finden Sie auch in meinem Beitrag Gesunde Lebensmittel – meine Übersicht und Tabellen.

Gerade nach einer Fasten- oder Entlastungskur stellt sich häufig die Frage: Was esse ich jetzt eigentlich anders als vorher? Wenn Sie sich für solche praktischen Ernährungsfragen interessieren, können Sie meinen kostenlosen Ernährungs-Newsletter anfordern. Dort geht es nicht um ständig neue Diäten, sondern um Lebensmittel, Stoffwechsel und darum, was im Alltag tatsächlich auf den Teller gehört:

 

 

Und was ist mit Sauna, Schwitzen, Bürsten, Wickeln und Kneipp?

Damit kommen wir zum klassischen naturheilkundlichen Teil. Ich halte wenig von der Vorstellung, wir könnten durch Schwitzen literweise irgendwelche unbekannten „Schlacken“ aus dem Körper herausziehen. Die wesentliche Arbeit leisten andere Organe und Systeme.

Trotzdem können Sauna, Kneipp-Anwendungen, Bürstenmassagen, Wickel, Bewegung, Atemübungen und andere klassische naturheilkundliche Maßnahmen eine Entschlackungs- oder Fastenkur sehr sinnvoll begleiten.

Warum?

Weil Durchblutung, Kreislauf, vegetatives Nervensystem, Wärmehaushalt, Bewegung und Stoffwechsel zusammengehören. Eine Maßnahme muss nicht direkt irgendein ominöses Gift „herausziehen“, um therapeutisch sinnvoll zu sein.

Auch Schlaf und Stress gehören dazu

Wer über Regeneration sprechen möchte, sollte nicht nur auf Darm, Leber und Nahrung schauen. Chronischer Schlafmangel und dauernder Stress verändern Hormone, Insulinempfindlichkeit, Entzündungsregulation und Regenerationsprozesse.

Ich würde deshalb eine Woche mit ausreichend Schlaf, Bewegung, wenig Stress und vernünftiger Ernährung eher als „Entschlackungskur“ bezeichnen als sieben Tage Detox-Saft bei fünf Stunden Schlaf und zehn Stunden Bildschirmarbeit. Der Organismus arbeitet schließlich nicht in voneinander getrennten Schubladen.

Entschlackung ist kein Ereignis

Vielleicht liegt hier überhaupt der größte Irrtum. Viele Menschen stellen sich eine Entschlackungskur ungefähr so vor:

Einmal im Jahr sieben Tage Detox – danach ist alles wieder sauber.

So funktioniert es natürlich nicht. Atherosklerotische Veränderungen entstehen über Jahre und Jahrzehnte. Eine Fettleber entwickelt sich nicht an einem Wochenende. Viszerales Fett, Insulinresistenz und chronisch ungünstige Stoffwechsellagen entstehen ebenfalls nicht über Nacht.

Deshalb können wir auch nicht erwarten, sie innerhalb weniger Tage vollständig zurückzudrehen.

Eine gut durchgeführte Fastenkur kann allerdings einen erheblichen Impuls setzen. Sie unterbricht Gewohnheiten.

Sie verändert die Stoffwechsellage. Sie zwingt den Organismus, wieder auf gespeicherte Energie zurückzugreifen. Und sie eröffnet die Möglichkeit, Ernährung, Bewegung und Tagesrhythmus anschließend neu zu gestalten. Genau darin sehe ich den eigentlichen Wert einer guten Entschlackungskur.

Es gibt nicht „die“ Entschlackungsmethode

Und damit kommen wir zu einem Punkt, der mir besonders wichtig ist. Die Wege sind tatsächlich Legion.

Je nachdem, welches Problem im Vordergrund steht, können vollkommen unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Heilfasten,
  • intermittierendes Fasten,
  • längere Essenspausen,
  • Bewegung und Training,
  • Gewichtsreduktion bei viszeralem Fett,
  • eine grundlegende Ernährungsumstellung,
  • Verbesserung des Schlafes,
  • Stressreduktion,
  • Unterstützung einer gestörten Darmfunktion,
  • naturheilkundliche Lebertherapie,
  • Sauna und Wärmebehandlungen,
  • Kneipp-Anwendungen,
  • bestimmte Heilpflanzen,
  • und in ausgewählten Fällen auch gezielte Ausleitungsverfahren.

Aber keine dieser Maßnahmen kann alles. Und genau deshalb halte ich wenig von fertigen „Detox-Paketen“, in denen fünf Pulver und drei Kapseln für angeblich jeden Menschen dieselbe Entschlackung bewirken sollen.

Mein Verständnis von Entschlackung

Wenn mich heute jemand fragt, ob ich an „Entschlackung“ glaube, würde ich deshalb antworten: Ich muss daran nicht glauben.

Klar ist:

  • Der Organismus baut fortwährend beschädigte Proteine und Zellbestandteile ab
  • Er erneuert Mitochondrien.
  • Er entfernt Zellen und Zellreste.
  • Er mobilisiert Fettreserven.
  • Er verarbeitet und scheidet Stoffwechselprodukte aus.

Selbst Ablagerungen in Gefäßen können sich unter bestimmten Bedingungen verändern und teilweise zurückbilden. Das alles sind reale biologische Vorgänge.

Ob wir dafür den alten naturheilkundlichen Sammelbegriff „Entschlackung“ verwenden möchten, ist letztlich eine Frage der Definition.

Ich finde den Begriff durchaus brauchbar – wenn wir erklären, was damit gemeint ist. Eine vernünftige Entschlackungskur besteht für mich deshalb nicht aus irgendeinem Pulver, einem Detox-Drink oder einer geheimnisvollen „Reinigung“.

Die stärksten Hebel sind viel grundlegender:

Fasten beziehungsweise ausreichende Nahrungspausen, Bewegung, eine vernünftige Ernährung, guter Schlaf, eine funktionierende Verdauung und die Reduktion dessen, was den Stoffwechsel permanent belastet.

Das Erstaunliche dabei ist für mich:

Für manches, was Naturheilkundler früher vor allem aus Erfahrung beschrieben haben, liefert die moderne Zell- und Stoffwechselforschung inzwischen ausgesprochen interessante Erklärungsmodelle.

Und genau über diese Schnittstelle zwischen Naturheilkunde, moderner Forschung und meiner Erfahrung aus der Praxis schreibe ich regelmäßig. Wenn Sie solche Beiträge nicht zufällig irgendwann finden, sondern direkt von mir bekommen möchten, können Sie sich hier in meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ eintragen:

 

 

Fazit

„Entschlackung“ ist kein exakt definierter medizinischer Fachbegriff. Daraus folgt aber nicht, dass die dahinterstehende Vorstellung vollkommen unsinnig wäre.

Der menschliche Organismus verfügt über erstaunliche Systeme zum Abbau, Recycling, Umbau und zur Ausscheidung.

Autophagie und Mitophagie gehören ebenso dazu wie der Stoffwechsel von Fettreserven, der Umgang mit gealterten Zellen und die fortlaufende Arbeit von Leber, Darm und Nieren.

Die moderne Forschung gibt uns heute die Möglichkeit, viele dieser Vorgänge wesentlich genauer zu beschreiben als noch vor einigen Jahrzehnten.

Eine gute Entschlackungskur bedeutet für mich deshalb vor allem eines:

Dem Körper Bedingungen zu schaffen, unter denen seine eigenen Regulations- und Regenerationsmechanismen wieder besser arbeiten können.

Und dafür braucht es meistens weniger exotische Mittel, als die Detox-Industrie uns glauben machen möchte.

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