Bio Siegel und Öko Siegel – Welche sind gut bzw. besser?

Bio Siegel oder Öko Siegel oder was ist eigentlich was?

„Bio“ und „Öko“ sind Bezeichnungen für Produkte nach Richtlinien der EU-Öko-Verordnung. Das bedeutet, dass weder Gentechnik noch chemische und synthetische Pflanzendünger verwendet werden dürfen. Die Tiere müssen artgerecht aufgezogen werden und dürfen nicht mit Hormonen und Antibiotika behandelt werden. Kranke Tiere dürfen natürlich Medizin erhalten. Bei Lebensmitteln mit der Bezeichnung „Bio“ und „Öko“ dürfen weder synthetische Farb- oder Konservierungsstoffe noch Geschmacksverstärker, Süßstoffe, künstliche Stabilisatoren oder künstliche Aromen verwendet werden.

Lebensmittel, die nach den entsprechenden Richtlinien hergestellt sind, dürfen als „Bio-“ oder „Öko-Lebensmittel“ bezeichnet werden. Insofern stehen die beiden Begriffe „Bio“ und „Öko“ im Gegensatz zu den vielen anderen Bezeichnungen wie „ungespritzt“, „alternative Haltung“, „staatlich anerkannte Bauernhöfe“, „kontrollierter Anbau“ unter dem Qualitätssiegel der EU-Ökoverordnung.

Gar nicht „Öko“

Zu erkennen sind diese Qualitätsprodukte an dem sechseckigen Biosiegel „Bio nach EG-Öko-Verordnung“. Allerdings erlauben die gesetzlichen Mindestanforderung viele Praktiken, die streng genommen die Bezeichnung „Öko“ gar nicht verdienen. Noch nicht einmal die Grünfütterung für Mastvieh ist vorgeschrieben und sogar Fischmehl im Schweinetrog gilt als unbedenklich.

Mit 170 kg pro Hektar und Jahr ist der erlaubte Stickstoffeintrag der höchste unter allen Bio-Siegeln. In puncto artgerechte Haltung setzt die EU überwiegend auf Freiwilligkeit der Produzenten. So bleiben Enthornung, Kupieren und Elektroschocks („Kuhtrainer“) praktisch erlaubt. Der Tierbestand pro Hektar ist laut der EU-Kriterien höher gegriffen als bei allen privatwirtschaftlichen Öko-Siegeln.

Für Masthähnchen sind dies 580 Tiere pro Hektar, das sind rund doppelt so viele wie bei anderen Labeln. Tiertransporte dürfen nach Ansicht der Brüsseler Bürokraten bis zu 8 Stunden dauern. Freiwillige Bio-Deklarationen beschränken die Tortur auf höchstens 4 Stunden. Immerhin schreibt die EU eine jährliche Kontrolle der Höfe vor und begrenzt den Anteil genetisch veränderter Organismen (GVO) in Öko-Lebensmitteln auf 0,9 %. Dabei wird eine zufällige Verunreinigung als unvermeidlich unterstellt (auch interessant!). Zur Sache mit der Gentechnik sollten Sie auch mal meinen Report lesen: Wie Gentech-Konzerne unsere Welt verändern.

Die „besseren“ Bio-Siegel

Qualitativ besser sind die Produkte in Deutschland, die mit dem Siegel anerkannter Anbauverbände versehen sind, da sie nach strengeren Kriterien als die der EU-Ökoverordnung hergestellt wurden. Stickstoffeintrag, Tierdichte und das Verbot von Kuhtrainern und GVOs wird von allen privatwirtschaftlichen Vereinigungen gleichermaßen beurteilt und als bindend angesehen:

Demeter

Demeter setzt die höchsten Maßstäbe. Die Bewirtschaftung der vereinigten Betriebe erfolgt auf der Grundlage biologisch-dynamischer Prinzipien. GVOs sind hier absolut verboten und Grünfutter als einzige Tiernahrung erlaubt. Artgerechte Tierhaltung ist durch die strengsten Auflagen unter allen Biosiegel am besten realisiert. Lediglich Tiertransporte gestattet Demeter, allerdings nur bis 200 km (ca 2,5 Stunden). Zwar verbietet Demeter seinen Partnern die Stickstoffdüngung nicht, doch nur bis zum Grenzwert von 112 kg pro Hektar und Jahr. Die angeschlossenen Höfe dürfen nur 13 biologische Zusatzstoffe in der Produktion verwenden und sollen wenn immer möglich bei Tierkrankheiten keine Antibiotika geben. Statt dessen empfiehlt Demeter Naturheilverfahren.

Bioland

Bioland ist ebenfalls ein recht strenges Siegel. Beim Tierschutz allerdings wird mehr auf Freiwilligkeit als Verpflichtendes gesetzt und biogene Aromastoffe sind nicht grundsätzlich verboten. Pestizide dürfen die angeschlossenen Produzenten gar nicht anwenden. Nur heimische Feldfrüchte sind erlaubt. Bioland-Produkte gibt es bereits seit 1971.

Biokreis

Biokreis hat etwas höhere Ansprüche beim Tierschutz. Zwar erlaubt der Verband Tiertransporte bis zu 4 Stunden, jedoch sind Kuhtrainer und Kupieren verboten. Grünfutter ist keine Pflicht, sodass leider auch Fischmehl verwendet werden darf. In der Produktion müssen die Hersteller 80 % der Rohstoffe von regionalen Anbietern aus einem Umkreis von 200 km beziehen. Biokreis-Produkte gibt es seit 1979 und stammen traditionell aus Bayern.

Biopark

Biopark hat die Anforderungen der EU für seine Mitglieder ebenfalls erweitert. Das betrifft die eingesetzte Stickstoffmenge ebenso wie die erlaubte Tierdichte im Betrieb. In der Richtlinienkommission sind auch ein Experte des Bundes Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) vertreten. Neben den jährlichen Routine-Kontrollen führt Biopark auch spontane Visiten der Betriebe durch. Biopark ist ein relativ junges Unternehmen mit Stammsitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Naturland

Naturland fordert von seinen Mitgliederbetrieben artgerechte Tierhaltung überwiegend auf der Basis von Freiwilligkeit. Ansonsten gelten ähnlich strenge Bestimmungen wie bei Demeter. Der 1982 gegründete Verband leistet viel Unterstützung in kleinen Entwicklungsprojekten im Ausland. Deswegen ist auch der faire Handel ein Hauptanliegen der Vereinigung.

Ecovin

Ecovin umschließt die ökologisch verarbeitenden Winzer. Die enormen Pestizid-Mengen des konventionellen Weinbaus sollen durch strengste Kontrollen ausgeschlossen werden.

Gäa

Gäa garantiert biologischen Anbau und die ökologische Produkt-Verarbeitung gleichermaßen. Daneben hat die Kreislaufwirtschaft einen hohen Stellenwert, wodurch zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit beigetragen wird. Ein wichtiges Ziel ist auch die Rettung alter Tier- und Pflanzenrassen. Gäa-Produkte kommen vorzugsweise aus den neuen Bundesländern und haben ihren Ursprung in der Umweltbewegung der ehemaligen DDR.

IFOAM

IFOAM steht für Bioprodukte aus Ländern außerhalb der EU. Ziel ist es, die internationalen Standards für Bio-Produkte anzugleichen. Dadurch soll die Zertifizierung von EU-Importen erleichtert und transparenter gestaltet werden.

Auch discountereigene Produkte wie Alnatura-, BioBio-, Naturkind- und Füllhorn-Produkte und die mit dem grünen Blatt und der Aufschrift „Bio“ versehenen Lebensmittel der Reformhäuser sind wirklich Bioprodukte.

In Deutschland müssen echte Bioprodukte auch eine Nummer der Öko-Kontrollstelle tragen, der ein DE für Deutschland vorangestellt ist. Dieses bedeutet eine mindestens einmal vorgenommene Prüfung pro Jahr der Bio-Betriebe. Aus den Anbauverbände stammende Biolebensmittel unterliegen noch strengeren Prüfungen und gewährleisten somit optimale Qualität.

Dieser Beitrag wurde im Februar 2008 erstellt und letztmalig am 5.9.2017 überarbeitet.

Datum: Dienstag, 5. September 2017
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5 Kommentare

  1. 1

    […] mit dem Bio Siegel werden längst nicht mehr nur von einer ökologisch engagierten Minderheit gekauft. Auch […]

  2. 2

    […] nicht die Bioprodukte (mit Bio-Siegel) umweltfreundlich und nicht in Plastik […]

  3. 3

    Bei Ihrer Aufzählung „strengere Kriterien fehlt meiner Meinung nach für den Bio-weinanbau und seine Produkte der Name „Delinat“

  4. 4

    Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass wir uns um unsere Gesundheit und die Auswirkungen einer intensiven Landwirtschaft auf die Umwelt Gedanken machen.

    Der biologische Anbau stößt allerdings bei zahlreichen Produkten an seine Grenzen. Während beispielsweise Zitrusfrüchte noch verhältnismäßig einfach biologisch angebaut werden können, benötigt man bei BIO Steinobst (Pfirsiche, Kirschen etc.) unglaublich viel Energie und Wasser. Wer schon einmal einen biologischen Rucola Anbaubetrieb besucht hat, möchte in seinem Leben nie wieder BIO Rucola essen. Unfassbar, wie hoch hier der Verbrauch von Wasser, Gas, Benzin und Elektrizität sind! Das hat (bis auf die nicht vorhandenen Pestizidrückstände im Endprodukt, die aber auch bei konventioneller Ware im Bereich von 0,01mg/100g liegen) rein gar nichts mit BIO zu tun! Tomatengewächshäuser, die statt mit Atomenergie mit Pflanzenöl beheizt werden, klingen in der Theorie zwar schön, wenn es sich dabei dann aber um Palmöl aus Plantagen in ehemaligen Regenwaldgebieten handelt?!

    Bioprodukte, vor allem frisches Obst und Gemüse enthalten nachgewiesenermaßen mehr gesundheitsschädliche Schimmelpilze und Bakterien, sind weniger lange haltbar.

    Zu behaupten „Aus den Anbauverbände stammende Biolebensmittel unterliegen noch strengeren Prüfungen und gewährleisten somit optimale Qualität.“ halte ich für sehr gewagt. Es gibt konventionelle Betriebe, die mit einem dermaßen niedrigen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln (PSM) wirtschaften, dass in ihren Produkten keine Rücktände zu finden sind. Viele BIO Betriebe wenden einen Cocktail aus für den biologischen Landbau zugelassenen PSM an, der zwar hinterher im Nahrungsmittel nicht mehr nachzuweisen ist, den Boden aber nachhaltig schädigen kann.

    Bei der Tierhaltung unterschreiben ich BIO ohne wenn und aber, allerdings geht es mir hierbei vor allem um Tierschutz, der bei industrieller Produktion auf der Strecke bleibt und weniger um die Silage und das Kratfutter, das mg an PSM enthalten könnte, oder nicht.

    Die großen LEH haben sehr strenge Kontrollen für PSM Rückstandsmengen, sowohl für konventionell, als auch für biologisch erzeugte Nahrungsmittel. Erzeuger müssen u.a. zertifiziert sein, ein funktionierendes Rückverfolgbarkeitssystem nachweisen können und die Ware schon vor der Ernte beproben. Ein Marktstand in der Fußgängerzone, der oft als „ursprünglich“ oder „natürlicher“ empfunden wird, bezieht seine Ware in den meisten Fällen von x-beliebigen Verkäufern auf Großmärtken. Für diese Ware liegen keine oder nur unzureichend durchgeführte Analysen vor.

    Es ist nachvollziehbar, dass der Konsument mit der Vielzahl an Informationen, die er erhält und der Komplexität der Thematiken, mit denen er nicht vertraut ist, überfordert ist. Bitte einfach beim Thema BIO und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln entspannt bleiben und den gesunden Menschenverstand benutzen.

  5. 5

    In den meisten Fällen ist man erstaunt über diese „Kommentare“, aber nach einer – meist kurzen Zeit – vergisst man das Ganze und begibt sich wieder in den alten Trott – ist ja auch bequemer – weil man sich aus zeitlichen oder bequemen Gründen die Mühe „sparen“ will! Leider ist das die Regel !

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