Eine neue Studie sorgt gerade für Schlagzeilen: Sucralose und Stevia veränderten Darmflora, bakterielle Stoffwechselprodukte und bestimmte Stoffwechselmarker – und einiges davon war sogar noch bei den Nachkommen nachweisbar. Ein Beweis dafür, dass Süßstoffe beim Menschen „vererbbare Stoffwechselschäden“ verursachen, ist das nicht. Harmlos finde ich die Sache dennoch ganz und gar nicht. Vor allem bei Sucralose nicht.

Bei Light-Produkten funktioniert das Marketing seit Jahrzehnten nach einem verblüffend einfachen Prinzip:

Zucker raus, Süßstoff rein = Kalorien gespart = Problem gelöst.

Nur hat unser Stoffwechsel leider die lästige Angewohnheit, sich nicht nach den Werbeabteilungen der Lebensmittelindustrie zu richten…

Und genau deshalb ist eine neue Studie aus dem Jahr 2026 interessant, die seit Ende August erneut durch die Medien geht. Forscher untersuchten, was passiert, wenn Mäuse über längere Zeit Sucralose beziehungsweise Stevia erhalten – und was anschließend bei ihren Nachkommen zu beobachten ist.

Das Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Kalorienfrei bedeutet nicht biologisch wirkungslos.

Und bei Sucralose fällt das Ergebnis deutlich unangenehmer aus als bei Stevia.

Was die Forscher tatsächlich gemacht haben

Die Studie erschien bereits im April 2026 in Frontiers in Nutrition. Untersucht wurden zunächst 47 männliche und weibliche Mäuse. Sie erhielten entweder normales Wasser, Wasser mit Sucralose oder Wasser mit Stevia.

Die Konzentration betrug jeweils 0,1 mg pro Milliliter Trinkwasser. Die Autoren schätzen daraus eine Aufnahme von ungefähr 5 bis 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Nach sechs Wochen wurden die Tiere miteinander verpaart. Anschließend untersuchten die Forscher nicht nur diese Elterngeneration, sondern auch deren Nachkommen F1 und schließlich die zweite Nachkommengeneration F2.

F1 und F2 bekamen später selbst kein mit Süßstoff versetztes Trinkwasser.

Gemessen wurden unter anderem die Glukosetoleranz, die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, kurzkettige Fettsäuren sowie die Aktivität verschiedener Gene in Darm und Leber.

Und dann wurde es interessant

Bei der Elterngeneration waren die Veränderungen des Blutzuckers zunächst nicht besonders spektakulär. Bei den Nachkommen sah die Sache anders aus. Vor allem in der Sucralose-Gruppe zeigten männliche Tiere der ersten und zweiten Nachkommengeneration Veränderungen der Glukoseregulation. Bei den männlichen F2-Tieren lag beispielsweise der Nüchternblutzucker höher als bei den Kontrollen.

Das allein wäre noch kein Grund, die Sirenen anzuwerfen. Die Tiere entwickelten dadurch keinen nachgewiesenen Diabetes. Interessanter wird es, wenn man die übrigen Befunde dazunimmt.

Sucralose veränderte die Zusammensetzung des Darmmikrobioms deutlich stärker als Stevia. In der ersten Nachkommengeneration unterschieden sich in der Sucralose-Gruppe zahlreiche Bakteriengruppen von den Kontrollen. Selbst in der zweiten Nachkommengeneration waren noch Unterschiede nachweisbar.

Gleichzeitig sanken verschiedene kurzkettige Fettsäuren. Und genau diese Stoffe sind keineswegs irgendein bedeutungsloser Abfall aus dem Dickdarm. Acetat, Propionat und vor allem Butyrat gehören zu den wichtigsten Stoffwechselprodukten unserer Darmflora. Sie spielen unter anderem für Darmschleimhaut, Immunregulation und Stoffwechsel eine Rolle.

Mit anderen Worten: Die Mäuse hatten nicht einfach nur eine etwas „andere Darmflora“. Auch das, was diese Darmflora produzierte, hatte sich verändert.

Entzündungsgene verändert – bis in die Nachkommen

Noch interessanter wurde es bei der Genaktivität. Unter Sucralose waren im Darm unter anderem TLR4 und TNF stärker exprimiert. Beide stehen mit entzündlichen Signalwegen in Zusammenhang. Diese Veränderungen fanden sich nicht nur bei der Elterngeneration, sondern teilweise auch bei deren Nachkommen.

Auch das Gen SREBP1, das an der Stoffwechselregulation beteiligt ist, zeigte Veränderungen, die teilweise bis zur zweiten Nachkommengeneration nachweisbar waren. Bei Stevia sah man ebenfalls Veränderungen, sie waren jedoch insgesamt schwächer und weniger dauerhaft.

Das ist für mich einer der entscheidenden Punkte dieser Arbeit: Sucralose zeigte über mehrere untersuchte Ebenen hinweg die deutlich hartnäckigeren Effekte.

Aber Moment: Sind die Schäden nun wirklich „vererbbar“?

„Süßstoffe schädigen Ihre Enkel.“ — könnte eine plakative Schlagzeile sein.

Aber die Kausalität stimmt so nicht wirklich. Denn wenn eine trächtige Maus einen Stoff bekommt, wird nicht nur die Mutter exponiert. Auch der Embryo ist betroffen – und im Embryo entstehen bereits jene Keimzellen, aus denen später wiederum die nächste Generation hervorgehen kann.

Deshalb ist F2 bei einer solchen Versuchsanordnung nicht automatisch der Beweis einer echten transgenerationalen Vererbung. Dafür müsste man unter diesen Bedingungen noch weiter bis zur F3-Generation schauen und vor allem die Mechanismen genauer untersuchen.

Hinzu kommt: Mikrobiomveränderungen können bei Geburt, Säugezeit und engem Kontakt von Mutter auf Nachwuchs übertragen werden. Man braucht also nicht einmal zwingend eine Veränderung der DNA, um einen biologischen Effekt in der folgenden Generation zu sehen.

Ich würde aber sicher behaupten wollen: Einen „generationenübergreifenden Effekt“ haben wir…

Aber die eigentliche Frage lautet doch (auch noch):

Warum hinterlässt ein angeblich so wunderbar unproblematischer Zuckerersatz überhaupt derartige Spuren?

Sucralose: Ich halte davon NULL

Wer meine Beiträge seit längerem liest, kennt meine Position. Von Sucralose halte ich NULL. Und diese Studie macht meine Begeisterung dafür nicht größer.

Ich habe bereits ausführlich über die Gefahren und möglichen Nebenwirkungen von Sucralose berichtet. Ebenso habe ich mich grundsätzlich mit den bittersüßen Nebenwirkungen der Süßstoffe beschäftigt.

Warum bin ich bei Sucralose so deutlich? Nicht deshalb, weil nach einem Schluck Light-Limonade jemand tot umfällt. Das ist nicht die wirkliche Frage.

Die Frage ist, welchen vernünftigen Grund es gibt, einen Stoff regelmäßig zu konsumieren, der keinerlei ernährungsphysiologischen Nutzen besitzt, dessen Wechselwirkungen mit Mikrobiom und Stoffwechsel zunehmend komplizierter erscheinen und bei dem inzwischen sogar die europäischen Behörden beim Erhitzen offene Fragen sehen.

Und nur zur Erinnerung: Sucralose wird in Fertigprodukten, Proteinpulvern, Getränken, „Fitness“-Produkten, Süßigkeiten, Soßen und zahllosen angeblich gesundheitsbewussten Lebensmitteln eingesetzt. Der Verbraucher bekommt ein Produkt mit dem Etikett „zuckerfrei“ und soll daraus gedanklich gleich „gesund“ machen. Guter Trick. Nur klappen muss er. Leider tut das Trick bei den meisten Konsumenten…

Wenn Sie wissen möchten, bei welchen Lebensmitteln sich der vermeintlich „gesunde Ersatz“ bei genauerem Hinsehen als ziemlich schlechte Idee entpuppt, dann tragen Sie sich auch in meinen Ernährungs-Newsletter ein. Dort zeige ich unter anderem drei Lebensmittel, die ich in meiner Praxis besonders kritisch sehe:

Und was ist mit Stevia?

Stevia würde ich ausdrücklich nicht einfach zusammen mit Sucralose in einen Topf werfen. Darüber habe ich bereits vor Jahren in meinem Beitrag „Stevia – die Zucker-Alternative?“ geschrieben.

Schon damals war mein Einwand: Zwischen einer Stevia-Pflanze und hochgereinigten, industriell isolierten Steviolglycosiden besteht ein Unterschied. In der neuen Mäusestudie zeigte auch die Stevia-Gruppe Veränderungen. Beispielsweise war bei weiblichen Tieren der zweiten Nachkommengeneration der Nüchternblutzucker erhöht. Auch bei den kurzkettigen Fettsäuren gab es Auffälligkeiten.

Die Effekte auf Darmflora und Genaktivität waren jedoch insgesamt weniger ausgeprägt als unter Sucralose. Die entzündungsbezogenen Genveränderungen normalisierten sich bei Stevia in der zweiten Generation wieder.

Deshalb wäre die Schlagzeile „Stevia genauso gefährlich wie Sucralose“ aus meiner Sicht durch diese Arbeit überhaupt nicht gerechtfertigt.

Das bedeutet umgekehrt aber auch nicht, dass jedes beliebige hochkonzentrierte Stevia-Produkt automatisch gesund ist, nur weil die Ausgangspflanze aus Südamerika stammt. „Natürlich“ ist auch kein Freibrief, aber „synthetisch und kalorienfrei“ eben genauso wenig.

Auch die Dosierungsangabe der Studie hat einen Haken

Ein Punkt hat mich bei der Arbeit besonders stutzig gemacht. Die Autoren schreiben, ihre Dosierung entspreche ungefähr dem von der US-amerikanischen FDA festgelegten ADI für Sucralose von 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Das stimmt so nicht – jedenfalls wenn ich das richtig verstanden habe. Die FDA nennt für Sucralose 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. 15 mg/kg ist der europäische ADI der EFSA.

Bei Steviolglycosiden wiederum liegt der ADI bei 4 mg/kg – allerdings ausgedrückt als Steviol-Äquivalente. Das ist chemisch nicht einfach dasselbe wie irgendeine nicht näher charakterisierte Menge eines als „Stevia“ bezeichneten Produktes.

Und jetzt wird es für den Menschen interessant

Der übliche Einwand lautet natürlich: „Das sind doch nur Mäuse.“ Ja… schon. Deshalb darf man aus dieser Arbeit keine menschlichen Diabetesfälle, Fehlbildungen oder vererbten Krankheiten konstruieren. Nur ist die Mausarbeit eben nicht der einzige Hinweis darauf, dass Süßstoffe biologisch mehr tun können als nur süß zu schmecken.

Bereits 2022 erschien eine randomisierte kontrollierte Studie mit 120 gesunden Erwachsenen. Die Teilnehmer erhielten zwei Wochen lang Saccharin, Sucralose, Aspartam oder Stevia – und zwar in Mengen unterhalb der jeweils erlaubten täglichen Aufnahmemengen.

Das bemerkenswerte Ergebnis: Alle untersuchten Süßstoffe veränderten auf unterschiedliche Weise das Darm- und Mundmikrobiom sowie Teile des Stoffwechsels.

Bei Saccharin und Sucralose verschlechterte sich zusätzlich auf Gruppenebene die Reaktion auf Glukose. Auch das bedeutet nicht, dass jeder Sucralose-Konsument Diabetes bekommt. Es bedeutet aber sehr wohl, dass man den alten Satz „Süßstoffe gehen praktisch unverändert durch den Körper und sind metabolisch bedeutungslos“ so langsam in Rente schicken darf.

Selbst die WHO empfiehlt Süßstoffe nicht mehr zum Abnehmen

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass selbst die Weltgesundheitsorganisation inzwischen davon abrät, nichtkalorische Süßstoffe zur langfristigen Gewichtskontrolle einzusetzen. Ja… ich weiß… die WHO. Aber viele glauben alles was von der WHO kommt.

Also: die WHO verweist darauf, dass sich daraus langfristig kein überzeugender Vorteil für die Gewichtskontrolle ergibt und Beobachtungsdaten sogar Zusammenhänge mit Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit zeigen. Wichtig: Die WHO bezeichnet diese Empfehlung ausdrücklich als bedingt. Sie ist auch keine toxikologische Neubewertung der einzelnen Süßstoffe.

Die EFSA hält Sucralose weiter für sicher – mit einem bemerkenswerten „Aber“

Der Vollständigkeit halber: Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Sucralose Anfang 2026 erneut bewertet und den bisherigen ADI von 15 mg/kg Körpergewicht bestätigt. Nach ihrer Bewertung liegen die üblichen Aufnahmemengen in Europa darunter. Damit könnte man die Sache eigentlich für erledigt erklären.

Eigentlich… Denn im selben Gutachten räumt die EFSA ein, dass beim längeren Erhitzen von Sucralose Unsicherheiten bestehen. Konkret geht es um mögliche chlorhaltige Reaktions- beziehungsweise Abbauprodukte. Und die Behörde schreibt ausdrücklich, dass diese Unsicherheit auch beim Backen und Braten im Haushalt gilt. Aha! Das finde ich zumindest bemerkenswert für einen Stoff, der jahrelang gerade auch als Zuckerersatz zum Kochen und Backen angepriesen wurde.

Das eigentliche Problem: Wir wollen den süßen Geschmack nicht aufgeben

Und damit komme ich zu dem Punkt, der in fast allen Süßstoffdiskussionen verloren geht. Wir versuchen ständig, Zucker durch etwas anderes zu ersetzen, ohne unser Bedürfnis nach extremer Süße zu verändern.

Zucker raus –> Aspartam rein.

Aspartam raus –> Sucralose rein.

Sucralose raus –> Steviolglycoside rein.

Dann vielleicht Erythrit, Xylit oder der nächste Stoff, der gerade durch die Marketingabteilung geschoben wird?

Ich halte das langfristig für den falschen Ansatz. Wer seine Ernährung wirklich verändern möchte, sollte nicht nur die Kalorienquelle austauschen. Man sollte sich wieder an weniger Süße gewöhnen. Das dauert einige Wochen. Danach schmecken viele Produkte, die vorher vollkommen normal erschienen, plötzlich geradezu absurd süß.

Mein Fazit

Klar scheint zu sein: Eine längerfristige Süßstoffaufnahme kann offenbar biologische Veränderungen anstoßen, die nicht zwingend mit dem letzten Schluck des süßen Getränks verschwinden.

Bei den Mäusen betraf das Darmflora, kurzkettige Fettsäuren, bestimmte Entzündungs- und Stoffwechselgene sowie Teile der Glukoseregulation. Und manche Effekte waren noch in nachfolgenden Generationen messbar. Sucralose fiel dabei deutlich negativer auf als Stevia.

Für mich ändert die Studie deshalb weniger meine Meinung als vielmehr die Zahl der Fragezeichen hinter einem Stoff, von dem ich ohnehin nichts halte.

Sucralose? Für mich weiterhin: NULL.

Und wer seinen Zuckerkonsum reduzieren will, sollte meiner Ansicht nach nicht nach dem nächsten 600-mal süßeren Ersatzstoff suchen.

Die bessere Lösung ist wesentlich unspektakulärer:

Weniger süß essen.

Das bekommt zwar keine bunte „Zero“-Aufschrift.

Aber unser Stoffwechsel könnte durchaus etwas damit anfangen.

Gerade bei Ernährung, Zusatzstoffen und angeblich „gesunden“ Ersatzprodukten lohnt es sich, genauer hinzusehen. Wenn Sie solche Studien und Entwicklungen ohne Werbeprospekt und ohne tägliches Gesundheitsblabla verfolgen möchten, dann empfehle ich Ihnen meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“:

 

Sind Gummibärchen gesund? Diese Frage wirkt auf den ersten Blick harmlos. Tatsächlich führt sie direkt zu einem grundsätzlichen Problem unserer Ernährung: der Verwechslung von Süßigkeit und Lebensmittel. Gummibärchen bestehen zu rund drei Vierteln aus Zucker und Glukosesirup, liefern praktisch keine Ballaststoffe, keine relevanten Mikronährstoffe und kaum physiologisch sinnvolle Fette oder Proteine. Hinzu kommen Gelatine aus tierischen Reststoffen sowie – je nach Produkt – Farbstoffe, die seit Jahren kontrovers diskutiert werden.

Trotzdem gelten sie vielen als „leichte“ Nascherei, weil sie nahezu fettfrei sind. Genau hier liegt der Denkfehler. Fettfreiheit ist kein Gesundheitskriterium. Entscheidend ist die Stoffwechselwirkung. Und die ist bei hochkonzentriertem Zucker eindeutig.

In diesem Beitrag analysiere ich die Zusammensetzung, die ernährungsphysiologische Bedeutung und die gesundheitliche Einordnung von Gummibärchen – sachlich, faktenbasiert und ohne Werbebrille.

Werfen wir mal einen Blick auf den bekanntesten Hersteller:

Haribo und seine Gummibärchen

Gummibärchen gibt es für die meisten von uns, so lange wir denken können. Und die Werbung für die Gummibärchen dazu. Beides hat sich in den letzten rund 50 Jahren nicht geändert, was als wichtiger Beitrag zum Erfolg der Firma HARIBO angesehen wird.

Was die Firma wann, wie und wo produziert, darüber gibt es einen Beitrag von „Galileo“, der in Youtube (Das Geheimnis des Goldbären von HARIBO | Galileo | ProSieben) abgerufen werden kann. Der Beitrag ist aber keine verkappte Werbung für die Firma und deren Produkte.

Vielmehr erfahren wir hier, was man nicht alles zu sich nehmen muss, wenn man „auf Gummibärchen steht“… Und das ist entweder ekelhaft oder einfach nur ungesund.

Einer der wesentlichen Bestandteile von Gummibärchen ist Gelatine. Und die wird meist aus Schweineschwarte hergestellt.

Im Film sieht man dann auch etwas in großen Plastiksäcken oder -kübeln, was mehr nach Schlachtabfällen als nach Lebensmitteln aussieht, das dann als Ausgangsstoff für die Gelatineherstellung dient.

Schlachtabfälle

Für Leute, die aus religiösen oder einfach „nur“ gesundheitlichen Gründen auf Produkte aus Schweinefleisch verzichten wollen, ist somit diese Produktpalette obsolet. Gelatine, die aus Rinderresten hergestellt wird, kam seinerzeit in den Verdacht, an der Verbreitung des Rinderwahnsinns BSE mit beteiligt zu sein.

Die meiste Gelatine wird meines Wissens allerdings aus „Schweineabfällen“ gewonnen. Und ich rate (nicht nur meinen Patienten!) Schweinefleisch strikt zu meiden.

Eine Begründung dazu liefere ich im Beitrag „Krank durch Fleisch?“. Keine Sorge: Es ist kein Beitrag der zum Veganismus aufruft. Aber ein Plädoyer auf Schweinefleisch in jeglicher Form zu verzichten und überhaupt die ständige Proteinmast (des eigenen Körpers) zu beenden.

Weiter mit den Gummibärchen: Damit ist der Zweifel am „guten Geschmack“ aber noch lange nicht zu Ende. Unter „https://das-ist-drin.de/Haribo-Goldbaeren-200-g–1256/“ erfahren wir, wie im Galileo-Film auch, dass so ein Gummibärchen und seine süße Verwandtschaft bei Haribo zu 46 Prozent Zucker enthält.

Dazu gesellen sich dann noch Fructose- und Glukosesirup, so dass zusammen genommen der Anteil an Kohlenhydraten auf über 77 Prozent anschwillt.

Was Zucker für unseren Organismus bedeutet und was „viel Zucker“ langfristig anrichten kann, das möchte ich hier nicht noch einmal „breit treten“.

Selbiges tat ich bereits des öfteren – siehe auch diesen Beitrag: Zucker – der süße Kassenschlager. Dieser Artikel enthält weitere Links zu anderen Beiträgen, die ich zu diesem Thema bereits veröffentlicht hatte.

Welche Bedeutung Ballaststoffe als Prebiotika für unsere Gesundheit haben, das habe ich hier diskutiert: Prebiotika. In kurzen Worten: Lebensmittel, die den Anspruch haben, gesundheitsfördernd zu sein, enthalten ohne Ausnahme ein gerütteltes Maß an Ballaststoffen.

Die Goldbärchen dagegen enthalten nur 0,1 Gramm auf 100 Gramm, also nur ein Promille. Schon alleine dieser Wert zeigt die Nutzlosigkeit als Lebensmittel und die Gefährlichkeit solcher Erzeugnisse: Keine Ballaststoffe, dafür umso mehr Zuckersorten verschiedener Art, damit die Schweineschwarte überhaupt nach was schmeckt.

Und weil man ja voll im Trend der Ernährungswissenschaft steht, die die Fette als die Hauptübeltäter in Sachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgemacht hat – daher der Boom der Cholesterin-Senker und fettreduzierten Industrieprodukte – gibt es im Bär auch nur 0,1 Gramm Fett.

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Spätestens hier glaubt der gläubige Ernährungsapostel vom fettfreien Glaubensbekenntnis, dass die Bärchen doch noch einen Hauch von Gesundheit versprühen: Sie schmecken ja so toll und sind so gut wie fettfrei. Und das ist ja die Hauptsache.

Die Webseite „Das-ist-drin“ rechnet dann noch vor, dass bei einem Tagesbedarf von 2000 Kcal eine Ladung von 100 Gramm Bärchen schon 50 Prozent des täglichen Zuckerbedarfs abdeckt. Allerdings zweifle ich dann doch, ob wir wirklich jeden Tag 90 Gramm Zucker benötigen.

Aber mit diesen 100 Gramm schaufeln wir zumindest schon mal fast 20 Prozent dieser 2000 Kcal in uns hinein, ohne dabei nicht nur keine wichtigen Fette und Eiweiße nebst Ballaststoffen zu uns zu nehmen, sondern komplett auf Vitamine, Mineralien und Mikronährstoffe zu verzichten.

Da hilft auch nicht der scheinheilige Verweis der Firma, dass die Farb- und Geschmacksstoffe ja aus Früchten gewonnen werden. Die Farben und Geschmacksstoffe vielleicht ja.

Aber was haben die mit Vitaminen und Mineralien und Mikronährstoffen zu tun? Oder besteht so ein Apfel nur aus Farb- und Geschmacksstoffen und sonst gar nichts?

Unter der weiterführenden Webseite, die Test- und Qualitätssiegel aufführt, bekommen wir zu sehen, dass die Goldbären das Qualitätssiegel der deutschen Landwirtschaft (DLG) in Gold, 2009, abbekommen haben.

Wenn man liest, wofür so ein „Goldener Preis“ verliehen wird, dann kann man nur noch an dem gesunden Verstand der Landwirtschaftsleute (ver)zweifeln. Was in aller Welt macht ein Produkt zu einem hochwertigen Produkt, wenn es zu fast 80 Prozent aus verschiedenen Formen von Zuckern besteht?

Wäre dann ein Stück Würfelzucker, der aus 100 Prozent Zucker besteht, nicht noch hochwertiger und verdiente den Preis in Platin oder Gold mit Diamanteinfassung? Aber laut Aussage der Webseite der DLG beschränken sich die Qualitätsprüfungen auf folgende für sie wichtige Aspekte:

Die Qualitätsprüfungen sind produktgruppenspezifisch konzipiert. Im Zentrum steht bei allen Produktgruppen die sensorische Analyse der Lebensmittel (Farbe, Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack). Ergänzend dazu finden produktgruppenabhängig Zubereitungsprüfungen, Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen sowie chemische, mikrobiologische und physikalische Analysen in akkreditierten Laboratorien statt.“ (Die Testmethoden der DLG-Qualitätsprüfungen)

Also, wie die Produkte aussehen und wie sie schmecken, darauf kommt es an. Was drin ist und welchen Effekt die Produkte auf die Gesundheit haben, wird erst gar nicht unter die Lupe genommen.

Jetzt verstehe ich auch, wie so ein Goldbärchen die Goldmedaille bekommen hat. Es sieht ja wirklich irgendwie putzig aus und es schmeckt ja auch, weil süß… Auch wenn es sich hier nur um gezuckerte und entfettete Schweineschwarte handelt. Für eine solche Verwandlung würde ich sogar David Copperfield den ersten Preis zugestehen.

Fazit

Der Spruch mit dem „… macht Kinder froh, und Erwachsene“ usw.  – dieser Spruch sollte mal in die evidenzbasierte Realität übersetzt werden: … macht den Hersteller froh, und später Ärzte und Pharmaindustrie ebenso.

Wenn Sie etwas Süßes wollen, warum tut es dann nicht ein reifer Apfel oder Orange? Warum muss es ein synthetisches Produkt eines Copperfield der Lebensmittelindustrie sein, das oben auf der Wunschliste steht? Ich habe für solchen synthetischem Abfall keinen Bedarf. Und manche zahlen dafür sogar noch Geld.

ABER: oben hatte ich es ja angedeutet. Die Frabstoffe sind ein Problem, wenn diese nicht natürlich sind. Achten Sie darauf, denn: In Bezug auf die Verwendung von Farbstoffen in Gummibärchen gibt es einige Bedenken, insbesondere im Hinblick auf künstliche Farbstoffe und eben nicht nur wegen des Zuckers. Es wird diskutiert, dass bestimmte künstliche Farbstoffe, insbesondere Azofarbstoffe wie Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot A (E 124), Allurarot (E 129) und Chinolingelb (E 104), die Hyperaktivität bei Kindern erhöhen können. Seit dem 20. Juli 2010 müssen Lebensmittel in der EU, die diese Farbstoffe enthalten, mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein. Dieser Hinweis weist darauf hin, dass die Farbstoffe die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen können?. Mehr zur Hyperaktivität von Kindern in meinem Beitrag: Hyperaktivität (ADS / ADHS) bei Kindern: Die Therapie-Katastrophe (naturheilt.com)

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Bildquellen: Schlachtabfälle – fotolia: svetoid, Gummibärchen – fotolia: fotomomentfoto

Dieser Beitrag wurde im September 2016 erstmalig erstellt und letztmalig am 15.2.2026 überarbeitet.

Der Pink Lady Apfel gehört zu den meistverkauften Apfelsorten im deutschen Handel. Doch hinter der perfekt gefärbten Schale verbirgt sich ein komplexes wirtschaftliches System, das zunehmend kritisch diskutiert wird. Pink Lady ist keine klassische Apfelsorte, sondern eine geschützte Marke innerhalb eines sogenannten Clubs. Produzenten zahlen Lizenzgebühren, unterliegen festen Qualitätsvorgaben und sind vertraglich an bestimmte Vermarktungsstrukturen gebunden.

Hinzu kommen Fragen zur Klimabilanz durch internationale Transporte, zu Pestizidrückständen sowie zur abnehmenden Sortenvielfalt im Obstbau. Auch gesundheitlich unterscheidet sich Cripps Pink in relevanten Punkten von traditionellen Apfelsorten, insbesondere im Gehalt an Polyphenolen.

Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Aspekte sachlich ein: wirtschaftliche Struktur, ökologische Auswirkungen, gesundheitliche Unterschiede und die Folgen für heimische Obstbauern. Ziel ist eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Verbraucher, die beim Apfelkauf mehr berücksichtigen möchten als nur Aussehen und Markenimage.

Ist Pink Lady nur ein Lifestyle-Produkt?

Die erste Merkwürdigkeit besteht schon mal darin, dass es sich hierbei gar nicht um eine Apfelsorte handelt, sondern um eine geschützte Marke.

Ausgefeilte Marketing-Kampagnen haben aus Pink Lady längst einen verlässlichen Partner für Wohlbefinden und körperliche Fitness gemacht. Was wirklich hinter dem Apfel steckt, ist ein ziemlich einzigartiges, wirtschaftliches Konzept:

  • Pink Lady ist eine Clubsorte. Das bedeutet, dass die Apfelproduzenten einem Club beitreten, Lizenzgebühren zahlen und sich an strikte Vorgaben halten müssen mit Blick auf die Größe und Färbung der Äpfel.
  • Mit dem vorrangigen Anbau von Cripps Pink machen sich viele Apfel-Bauern geradezu hörig gegenüber der „International Pink Lady Alliance“. Zunächst müssen sie die Apfelbäume zu überhöhten Preisen einkaufen, um sich gleichzeitig dazu zu verpflichten, die Äpfel ausschließlich an die Pink Alliance zu verkaufen, wobei ihnen im Gegenzug ein relativ hoher Abnahmepreis garantiert wird. Der Verkauf auf dem Hof oder eigene Kooperationen mit Supermärkten werden den Bauern untersagt.
  • Cripps Pink wird in großem Stil importiert, und zwar saisonabhängig aus Spanien, Italien, Frankreich oder auch aus Südamerika, Australien, Neuseeland. Vor diesem Hintergrund hat die Marke Pink Lady selbstverständlich eine schlechte Klimabilanz. Unsere heimischen Apfelproduzenten gucken dabei in die Röhre, denn sie bleiben regelmäßig auf ihren guten deutschen Äpfeln sitzen, können bestenfalls Most daraus machen.
  • Pink Lady wird in der Werbung gern als gesunde Alternative zu Süßigkeiten angepriesen. Tatsächlich enthalten diese Äpfel weniger Polyphenole, die für den sauren Geschmack und zuweilen für die braunen Stellen verantwortlich sind. Doch damit verschwinden auch deren gute Eigenschaften, denn Polyphenole wirken Allergenen entgegen. Menschen, die dazu neigen, auf Äpfel etwas allergisch zu reagieren, sind gut beraten, gerade Züchtungen wie Pink Lady nicht anzufassen. Sie sind auf jeden Fall mit alten, deutschen Apfelsorten besser bedient.
  • Über groß angelegte Werbekampagnen werden die Äpfel der Marke Pink Lady als besonders gesund angepriesen. Überdies wird ständig an einer diesbezüglichen Online-Community gebastelt, die einen Hype darum auslösen soll. Selbstverständlich braucht die Marke überdies auch noch „PinKids“, also extra gesunde Äpfel für Kinder.

Als „Designer-Apfel“ kommt Pink Lady um bestimmte Probleme gar nicht herum. Dies soll im Folgenden etwas begründet werden:

  • Die Kreuzung aus Lady Williams und Golden Delicious führte zu einem insgesamt guten Geschmack und tadelloses Aussehen. Andererseits liegt hierbei eine sogenannte „genetische Verengung“ vor, die zu einer deutlich höheren Anfälligkeit der Bäume für Schädlinge und Apfelkrankheiten führte.
  • Schorf ist eine dafür typische, moderne Apfelkrankheit, die regelmäßig bei Pink Lady Produkten, aber auch Jonagold, Elstar oder Golden Delicious auftritt, wenn die Bäume nicht ausreichend gespritzt werden. Es handelt sich dabei um eine Pilzkrankheit, die durch schwarze Flecken sowohl auf den Früchten als auch auf den Blättern der Bäume gekennzeichnet ist. Um den Apfelschorf loszuwerden, müssen spezielle Fungizide angewendet werden.
  • Es verbleiben immer Rückstände solcher hochgiftigen Spritzmittel auf den Äpfeln und werden zum Teil mitgegessen. Bei Pink Lady Äpfeln wurden Spuren von gleich drei Pestiziden nachgewiesen. Ein guter Grund, sich ab jetzt für Bio-Äpfel zu entscheiden.

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Angriff auf die Sortenvielfalt

Wenn immer mehr Menschen nur noch diese eine Sorte Cripps Pink einkaufen, führt dies mittelfristig unweigerlich dazu, dass kaum noch andere Apfelsorten angebaut werden. Damit gehen uns ernsthaft ihre Samen für immer verloren. Das ist auch deshalb problematisch, weil es so kaum noch möglich ist, die Apfelsorten weiterzuentwickeln, beispielsweise um robustere Sorten zu kreieren, die mit dem Klimawandel besser klarkommen. Von den früher bekannten circa 3.000 Apfelsorten sind relativ wenige übrig geblieben.

Stefan Eschek vom Bundessortenamt in Hannover versuchte den Teufelskreis zu erläutern. Er sagt, dass jene Obstbauern, die keine Club-Sorten anbauen, früher oder später finanzielle Probleme bekommen. In der Folge werden ihre kleinen Unternehmen von größeren Produzenten geschluckt, die ja gerade deshalb wirtschaftlich erfolgreicher waren, weil es ihre Angewohnheit ist, ihre Flächen ausschließlich mit Clubsorten zu bepflanzen. In der Konsequenz gibt es am Ende nur noch drei bis vier Sorten auf dem Markt.

Fazit

Unter der Marke „Pink Lady“ finden Sie viele makellos anmutende Äpfel in den Supermarktregalen. Sie stammen von südeuropäischen oder südamerikanischen Apfelplantagen, die ganz und gar auf Effizienz getrimmt sind. Da diese Apfel-Kreuzungen sehr anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind, müssen die Bäume ständig intensiv chemisch behandelt werden. Diese Gifte finden den Weg bis in unseren Magen.

Die Apfel-Bauern zahlen Lizenzgebühren und es ist ihnen untersagt, ihre Äpfel an andere Abnehmer zu verkaufen. Wegen der wachsenden Nachfrage nach bestimmten Sorten werden andere, wertvolle Apfelsorten nicht mehr angebaut, die Sortenvielfalt schwindet unwiederbringlich.

Mein Tipp für den nächsten Einkauf

  • Bestimmt gibt es ganz in Ihrer Nähe einen Wochenmarkt oder sogar einen kleinen Hofhandel. Äpfel mit kleinen Frostschäden oder „kosmetischen“ Unzulänglichkeiten sind sehr wohl essbar und büßen dadurch nichts von ihrem Geschmack ein.
  • Sprechen Sie den Obstbauer explizit auf alte Apfelsorten an. Indirekt tragen Sie damit auf längere Sicht zur Sortenvielfalt bei. Vereine wie „Arche Noah“ oder „VERN“ bemühen sich übrigens seit längerer Zeit um den Erhalt alter oder seltener Sorten.
  • Es gibt auch in größeren Städten Streuobstwiesen, wo jeder Äpfel pflücken darf. Wenn bei diesem Obst gewisse Schönheitsfehler zu beklagen sind, ist dies ja nur ein Hinweis darauf, dass chemische Spritzmittel gewiss nicht zum Einsatz kamen.

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Dieser Beitrag wurde am 09.09.2021 erstellt und am 14.2.2026 überarbeitet.

Die Illusion ist perfekt: süß genießen, ohne Reue. Kein Zucker, keine Kalorien – was soll da schon passieren? Genau das fragen sich Millionen, die jeden Tag Light-Produkte, „Zero“-Limonaden oder Diätpuddings konsumieren. Die Antwort: eine ganze Menge – nur nichts Gutes. Denn was als raffinierte Alternative zum Zucker verkauft wird, entpuppt sich immer mehr als tickende Zeitbombe für Stoffwechsel und Gefäße.

Ich habe in meiner Praxis unzählige Menschen erlebt, die verzweifelt „gesünder süßen“ wollten – und sich unbewusst in ein anderes Problem manövrierten: chronisch erhöhte Insulinspiegel, Entzündungen, Arteriosklerose. Die neueste Studie aus Cell Metabolism bestätigt nun genau das: Aspartam – einer der am häufigsten eingesetzten Süßstoffe – kann Entzündungen in den Arterien anfeuern und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

Für mich ist das keine Überraschung. Der Körper lässt sich nicht täuschen – auch nicht von chemischen Molekülen, die Zucker nur imitieren. Er reagiert, als wäre Zucker da. Und diese Reaktion kann gefährlich werden.

Ich hatte in den letzten 20 Jahren auch bereits mehrfach dazu berichtet:

Jetzt also wieder mal was Neues!

In folgenden Beitrag geht es deshalb nicht nur um biochemische Details, sondern auch um die praktische Konsequenz: Wie man sich vor dieser Süßstoff-Falle schützt, was die Forschung tatsächlich zeigt – und welche naturheilkundlichen Wege sinnvoll sind, um den Stoffwechsel zu regulieren und Entzündungen zu bremsen: durch Ernährung, Bitterstoffe, Heilpflanzen und Mikronährstoffe, die wirken, statt zu täuschen.

Bahnbrechende Studie: Aspartam verschlimmert Arteriosklerose

Die Meldung klingt trocken, die Tragweite ist enorm: Forscher der Universität Shenzhen konnten erstmals zeigen, dass Aspartam selbst entzündliche Prozesse in den Blutgefäßen auslöst. Ich erlebe seit Jahren, dass viele meiner Patienten zu Süßstoffen greifen, um „Kalorien zu sparen“ – und sich wundern, warum ihre Blutwerte, ihr Blutdruck oder ihre Gefäße trotzdem Probleme machen. Jetzt liefert die Forschung eine mögliche Erklärung.

In Tierversuchen führte Aspartam innerhalb weniger Wochen zu messbaren Plaques in den Arterien, verbunden mit erhöhtem Insulin und massiven Entzündungswerten. Besonders auffällig: Schon kleine Mengen, vergleichbar mit dem Konsum von zwei bis drei Dosen Diätlimonade pro Tag, reichten aus, um diese Effekte auszulösen. Genau hier liegt das Problem: Der Körper reagiert nicht auf Kalorien, sondern auf Signale – und das Signal „süß“ reicht offenbar, um den Stoffwechsel aus dem Takt zu bringen.[8][9]

Wo künstliche Süßstoffe überall lauern

Künstliche Süßstoffe werden häufig in Backwaren, Erfrischungsgetränken, Süßigkeiten, Puddings, Konserven, Marmeladen, Milchprodukten und vielen anderen Lebensmitteln verwendet – besonders in solchen, die als „zuckerfrei“ oder „Diätprodukte“ vermarktet werden.

Sechs künstliche Süßstoffe wurden von der amerikanischen FDA zugelassen: Aspartam, Saccharin, Acesulfam-Kalium, Sucralose, Neotam und Advantam. Sie verstecken sich nicht nur in süßen Produkten, sondern auch in herzhaften Fertiggerichten, Ketchups, Saucen und sogar Brot.

Auch in Europa (und damit selbstverständlich im deutschsprachigen Raum) sind Süßstoffe überall drin. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat derzeit elf zugelassene Süßstoffe, darunter sechs synthetisch hergestellte („künstliche“) und fünf weiteren nicht-synthetischen Ursprunges.

Zu den künstlichen Süßstoffen zählen: Aspartam (E951), Acesulfam-K (E950), Saccharin (E954), Sucralose (E955), Cyclamat (E952), Neotam (E961) und Advantam (E969). Diese Substanzen werden chemisch hergestellt und gehören damit (wie in den USA) zur Kategorie der high-intensity artificial sweeteners. Sie sind zwischen 30- und 13 000-mal süßer als Zucker und werden in der EU mit einem sogenannten ADI-Wert („Acceptable Daily Intake“) reguliert.

Nicht als künstlich, sondern als natürlich oder halbsynthetisch gelten: Steviolglycoside (E960), Thaumatin (E957), Aspartam-Acesulfam-Salz (E962) und Neohesperidin-DC (E959). Diese werden zwar ebenfalls industriell verarbeitet, basieren aber auf pflanzlichen oder natürlichen Ausgangsstoffen.

In der Praxis bedeutet das: Die meisten „Light“- und „Zero“-Produkte enthalten eine Mischung aus mehreren künstlichen Süßstoffen, um Geschmack und Mundgefühl zu optimieren. Typisch sind Kombinationen aus Acesulfam-K und Aspartam oder Sucralose und Cyclamat – also genau jene Stoffe, die in der aktuellen Forschung zunehmend kritisch bewertet werden. Und ich will hier gleich ergänzen: ich würde die noch nicht einmal mit der Kneifzange anpacken!

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:

Der Problemfall Aspartam

Aspartam (E951) gehört auch in Europa zu den am häufigsten eingesetzten Süßstoffen. Es ist etwa 200-mal süßer als Zucker, liefert theoretisch Kalorien, wird aber in so minimalen Mengen verwendet, dass diese praktisch keine Rolle spielen.

In der Lebensmittelindustrie findet man Aspartam in zahllosen Produkten – von Diätlimonaden über Kaugummis, Desserts und Milchprodukte bis hin zu Vitaminpräparaten und Medikamenten. Besonders häufig wird es in Kombination mit Acesulfam-K eingesetzt, um Geschmack und Stabilität zu verbessern.

Süßstoffe lösen gefährliche Insulinspitzen aus?

Die neue Studie untersuchte die Wirkung von Aspartam an Mäusen und fand heraus, dass es Insulinspitzen auslöst, die zur Bildung von Fettablagerungen in den Arterien führen. Die Forscher fütterten Mäuse 12 Wochen lang täglich mit Nahrung, die 0,15% Aspartam enthielt – das entspricht dem Konsum von drei Dosen „Diät-Limonade“ pro Tag beim Menschen.[10]

Vergleichsgruppen zeigen dramatische Unterschiede

Die Wissenschaftler verglichen drei Gruppen:

  • Aspartam-Gruppe: 0,15% Aspartam täglich
  • Kontrollgruppe: Keine Süßstoffe
  • Zucker-Gruppe: 15% Saccharose (Haushaltszucker)

Die Ergebnisse waren erschreckend: Aspartam-gefütterte Mäuse entwickelten größere und fetthaltigere Plaques in ihren Arterien sowie höhere Entzündungswerte – beides Kennzeichen einer beeinträchtigten Herz-Kreislauf-Gesundheit. Bei der Analyse des Blutes fanden die Forscher einen Anstieg der Insulinwerte nach Aspartam-Konsum.[11]

Der gefährliche Mechanismus: Wie Aspartam die Arterien schädigt

Süßstoff täuscht die Geschmacksrezeptoren

Das Forschungsteam stellte fest, dass Mund, Darm und andere Gewebe mit Süße-erkennenden Rezeptoren ausgestattet sind, die die Insulinausschüttung steuern. Aspartam, das 200-mal süßer als Zucker ist, scheint diese Rezeptoren zu täuschen und eine deutlich höhere Insulinausschüttung auszulösen.[11]

Chronisch erhöhte Insulinwerte

Besonders bedenklich: Nicht nur direkt nach dem Aspartam-Konsum stiegen die Insulinwerte – Mäuse auf der Aspartam-Diät hatten dauerhaft hohe Insulinspiegel. Dies deutet darauf hin, dass langfristiger Konsum zu Insulinresistenz führen kann, was das Risiko für Typ-2-Diabetes stark erhöht.[10]

Entzündungskaskade in den Blutgefäßen

Die Studie entdeckte einen bisher unbekannten Mechanismus: Das Chemokin CX3CL1 war das am stärksten hochregulierte Gen in den insulin-stimulierten arteriellen Endothelzellen.[8] [12] Insulin wirkt auf verschiedene Zelltypen (!), darunter Muskelzellen, Fettgewebe, Leber, Gehirn und die die Blutgefäße auskleidenden Endothelzellen.

Der CX3CL1-Signalweg als Schlüssel

Dr. Yi vom Forschungsteam erklärte gegenüber Medical News Today: „Diese Studie liefert überzeugende Beweise dafür, dass der Konsum von Aspartam über einen insulinvermittelten Entzündungsweg mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose in Zusammenhang steht.“[10]

Der Schlüssel liegt in der Produktion von CX3CL1, einem Molekül, das die Anhaftung von Immunzellen an Arterienwänden erleichtert. Dieser Prozess löst eine Kettenreaktion aus, bei der sich Monozyten und Makrophagen in der Gefäßwand ansammeln und chronische Entzündungen sowie Arteriosklerose fördern.[9]

Zeitlicher Verlauf der Gefäßschäden

Die Studie dokumentierte die schrittweise Entwicklung der Arterienschäden:

  • Nach 4 Wochen: Erste atherosklerotische Plaques in Aspartam-Mäusen
  • Nach 8-12 Wochen: Deutliche Zunahme der Plaques
  • Zucker-Gruppe: Plaques entstanden erst nach 12 Wochen, obwohl diese Mäuse an Gewicht zunahmen

Besonders aufschlussreich: Als die Forscher CX3CL1-Rezeptoren in bestimmten Immunzellen eliminierten, blieb die schädliche Plaque-Bildung vollständig aus.[8][12]

Experten-Einschätzungen zur Studie

Die Studie legt nahe, dass künstliche Süßstoffe nicht metabolisch inert sind und tiefgreifende Auswirkungen auf die Insulinregulation und Entzündung haben können. Ein ausgewogener Ansatz – mit Fokus auf Vollwertkost und Minimierung künstlicher Zusätze – scheint vernünftig zu sein.[10]

Dr. Christopher Yi, ein Gefäßchirurg, der nicht an der Studie beteiligt war, kommentierte: „Angesichts der Studienergebnisse könnte es ratsam sein, dass Personen – besonders solche mit Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Insulinresistenz – den Konsum künstlicher Süßstoffe einschränken.“[10]

Andere „Experten“ mahnen zur Vorsicht bei der Übertragung auf den Menschen: „Diese Befunde müssen beim Menschen reproduziert werden, bevor sie ernst genommen werden können. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse die Wichtigkeit weiterer Forschung.“[13]

War ja klar… Solche Sätze fallen bei jeder neuen Studie, sobald es unangenehm wird: „Diese Ergebnisse müssen erst am Menschen bestätigt werden BLABLABLA.“ Dabei reden wir längst nicht mehr von Einzelfällen. Über Jahre haben sich Hinweise aus Tier-, Zell- und Humanstudien aufaddiert – alle in dieselbe Richtung: Künstliche Süßstoffe verändern den Stoffwechsel, fördern Entzündungen, beeinflussen die Darmflora und können Gefäße schädigen.

Ich habe in der Praxis mehr als genug Patienten gesehen, deren Blutzuckerwerte, Insulin, Appetitregulation oder Blutdruck sich erst besserten, nachdem sie die Süßstoffe weggelassen haben. Ich meide das Zeug wie die Pest – und rate jedem, der gesund bleiben will, dasselbe zu tun.

Fazit: Süßstoffe verschlimmern genau das, was sie verhindern sollen

Kalorieneinsparung durch Süßstoffe bewirkt genau das, was man durch Zuckervermeidung verhindern will: Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und anderen chronischen Leiden. Der entscheidende Unterschied: Bei Glukose sinkt der Insulinspiegel, wenn der Glukosespiegel sinkt. Bei Süßstoffen scheint der erhöhte Insulinspiegel ein dauerhafter Effekt zu sein – mit allen fatalen Konsequenzen für die Gesundheit der Blutgefäße. [12]

Süßstoffe sind kein Ausweg, sondern ein Umweg – und zwar einer, der gefährlich werden kann. Was als kalorienfreie Lösung verkauft wird, führt am Ende zu genau jenen Prozessen, die man eigentlich verhindern will: chronische Entzündung, Insulinentgleisung, Gefäßschäden.

Der Körper lässt sich nicht täuschen. Er reagiert auf Reize, nicht auf Werbeslogans. Und wenn ein Molekül die Süßrezeptoren stimuliert, ohne Energie zu liefern, gerät das fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Der Stoffwechsel arbeitet gegen uns, statt für uns.

Wer wirklich etwas für seine Gefäße, seinen Blutzucker und sein Gewicht tun will, braucht keine künstliche Chemie, sondern natürliche Regulation – durch Ernährung, Bewegung, Bitterstoffe und Stoffwechselruhephasen wie das Fasten. Das funktioniert. Der Rest ist reines Marketing!

Zum Weierlesen:

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Quellenverzeichnis:

Ein langfristiger Joghurtkonsum war somit mit der Inzidenz von proximalem Dickdarmkrebs assoziiert, allerdings nur bei nach Bifidobakterien-positiven Tumoren. Dies deutet laut der Autoren auf eine mögliche Antitumorwirkung des Joghurtkonsums bei spezifischen Tumoruntergruppen hin.

Zu Joghurt hatte ich bisher nicht sehr viele Beiträge geschrieben. Wenn, dann auch nur beiläufig.

Zu den Probiotika dagegen gibt es reichlich Stellungnahmen:

Bahnbrechende Studie aus Februar 2025

Jetzt gibt es eine interessante Studie, die Mitte Februar 2025 veröffentlicht wurde und der Frage nachging, ob Joghurt helfen könnte, Dickdarmkrebs zu verhindern.

Die wichtigsten Studienergebnisse

Dickdarmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass er mehr als 10 % aller Krebsdiagnosen ausmacht.

Risikofaktoren und Prävention

Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen, Fettleibigkeit und übermäßiger Alkoholkonsum sowie ein hoher Verzehr von verarbeitetem Fleisch und ein geringer Obst- und Gemüsekonsum können das Risiko einer Person erhöhen, an Dickdarmkrebs zu erkranken.

Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Kalzium und Milchprodukten ist mit einem geringeren Dickdarmkrebsrisiko verbunden.

Durchbruch bei Bifidobacterium-positiven Tumoren

Eine von Forschern des „Mass General Brigham“ geleitete und in der Zeitschrift „Gut Microbes“ veröffentlichte Studie hat herausgefunden, dass Joghurt das Risiko einiger Arten von Dickdarmkrebs senken könnte.

Bei Teilnehmern, die zwei oder mehr Portionen Joghurt pro Woche aßen, beobachteten die Forscher eine um 20 % niedrigere Rate an Bifidobacterium-positiven Tumoren im Vergleich zu denjenigen, die weniger als einmal pro Monat Joghurt aßen. Vor allem im proximalen Dickdarm schien diese Schutzwirkung am stärksten zu sein.

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen, die jede Woche zwei oder mehr Portionen Joghurt mit lebenden Bakterien aßen, ein um 20 % geringeres Risiko hatten, kolorektale Tumore zu entwickeln, die positiv auf Bifidobacterium waren – einen Bakterienstamm, der im Darmmikrobiom häufig vorkommt.

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Wissenschaftliche Einordnung der Ergebnisse

Gemma Balmer-Kemp, PhD, Forschungsleiterin bei „Cancer Grand Challenges“ von „Cancer Research UK“, einer der Geldgeber der Studie, erklärte:

„Endogene Bakterienarten sind für ihre Anwendung in der menschlichen Gesundheit von großem Interesse. Diese Studie liefert neue Erkenntnisse über den potenziellen Nutzen von Joghurt (der lebende Bakterien enthält) bei der Verringerung des Risikos eines bestimmten Subtyps von Dickdarmkrebs.“

„Obwohl diese Studie einen Zusammenhang zwischen langfristigem Joghurtkonsum und einer geringeren Rate an proximalem kolorektalem Krebs mit Bifidobacterium-Infektion gezeigt hat, sind weitere Arbeiten erforderlich, um die mögliche ursächliche Rolle von Bifidobacterium und die damit verbundenen Mechanismen zu verstehen.“

Probiotika und Krebsprävention

Wie Probiotika das Immunsystem stärken

„Lebendiger“ Joghurt enthält mehrere Bakterienstämme. Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophiles werden häufig verwendet, um Milch zu fermentieren und Joghurt herzustellen, aber es können auch viele andere Bakterienstämme oder Probiotika hinzugefügt werden.

Untersuchungen haben ergeben, dass Probiotika das Immunsystem stärken, die Darmgesundheit verbessern, das Risiko von Osteoporose, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern und sogar das Risiko einiger Krebsarten senken können.

Studiendesign und Teilnehmer

Forschungsteams des Mass General Brigham und der Harvard Medical School analysierten Daten von über 132.000 Angehörigen der Gesundheitsberufe aus mehreren Jahrzehnten. In zwei großen Studien haben Forscher seit 1976 mehr als 100.000 Krankenschwestern und seit 1986 51.000 Männer beobachtet. Alle zwei Jahre beantworteten die Teilnehmer detaillierte Fragen zu ihrer Gesundheit, ihrem Lebensstil und ihrer Krankengeschichte. Alle vier Jahre machten sie spezifische Angaben zu ihrer Ernährung, einschließlich der Menge an Naturjoghurt und aromatisiertem Joghurt, die sie konsumierten. Diese Langzeitbeobachtung ermöglichte es den Forschern, nicht nur den gelegentlichen Joghurtkonsum, sondern auch etablierte Ernährungsmuster über Jahrzehnte hinweg zu verstehen.

Um zu untersuchen, ob der Verzehr von Joghurt das Risiko von Dickdarmkrebs beeinflusst, verwendeten die Forscher Daten aus der „Nurses‘ Health Study“ und der „Health Professionals Follow-up Study“.

Die Teilnehmer beider Studien beantworteten häufig Fragebögen zu Lebensstil, Ernährung und Gesundheit, die Fragen zur Aufnahme von Naturjoghurt und aromatisiertem Joghurt sowie anderen Milchprodukten enthalten. Bei Personen mit Dickdarmkrebs-Diagnose untersuchten die Forscher Gewebeproben auf Bifidobacterium-DNA.

Ergebnisse: Wer profitiert vom Joghurt-Konsum?

Während der Nachbeobachtungszeit traten insgesamt 3.079 Fälle von Darmkrebs auf und für 1.121 Fälle lagen Daten über Bifidobakterien im Gewebe vor. Von den 1.121 Darmkrebsfällen waren 346 (31 Prozent) Bifidobacterium-positiv und 775 (69 Prozent) Bifidobacterium-negativ, berichtet das Team.

Von der Kohorte entwickelten 3.079 Personen Dickdarmkrebs, und für 1.121 von ihnen konnten die Forscher auf Bifidobacterium-Daten zugreifen. Insgesamt 775 Personen hatten Bifidobacterium-negativen Dickdarmkrebs und 346 waren Bifidobacterium-positiv.

Spezifische Wirkung auf bestimmte Tumortypen

Obwohl die Forscher keinen signifikanten Unterschied zwischen langfristigem Joghurtkonsum und der Gesamtinzidenz von Dickdarmkrebs feststellten, stellten sie fest, dass die Inzidenzrate von Bifidobacterium-positiven Tumoren bei denjenigen, die mehr Joghurt aßen, um 20 % niedriger war.

Die Rolle von Bifidobacterium erklärt

Kelsey Costa, eine registrierte Ernährungsberaterin und Inhaberin von „Impactful Nutrition“, die nicht an dieser Studie beteiligt war, erklärte, wie Bifidobacterium das Dickdarmkrebsrisiko beeinflussen könnte:

„Diese Studie legt nicht nahe, dass Joghurt Bifidobacterium im Darm reduziert; ganz im Gegenteil. Tatsächlich hebt sie hervor, dass Bifidobacterium ein wichtiger Bakterienstamm in Joghurt ist, der kurzkettige Fettsäuren (SCFA) im Darm produziert und durch antioxidative, entzündungshemmende und immunstärkende Wirkungen krebshemmende Eigenschaften hat.“

Darmbarriere-Funktion im Fokus

Ein Forscherteam um den Harvard-Professor Shuji Ogino untersuchte nun, ob langfristiger Konsum von Joghurt das Risiko für Darmkrebs senken könnte. Besonderes Augenmerk legten die Forscher dabei auf die Darmbarriere. Wenn sie intakt ist, wird die Darmschleimhaut vor schädlichen Substanzen und Entzündungen geschützt. Das Vorhandensein bestimmter Bakterien, wie etwa Bifidobacterien, gilt als Hinweis auf eine gut funktionierende Darmbarriere. Die Studie zeigt, dass das Risiko für Darmkrebs hauptsächlich dann niedriger ist, wenn diese Bakterien im Darm vorhanden sind – und dass dies auch einen Einfluss darauf hat, inwieweit der Verzehr von Joghurt seine Schutzwirkung entfalten kann.

Ihrer Ansicht nach: „Die Forschung legt nahe, dass das in Bifidobacterium-positivem Tumorgewebe gefundene Bifidobacterium eine beeinträchtigte Darmbarrierefunktion widerspiegeln könnte. Zitierte Studien zeigen, dass Bifidobacterium die Darmbarriere verbessern kann, indem es schädliche Entzündungsproteine wie Tumornekrosefaktor und Interleukin 6 reduziert.“

„Joghurt kann helfen, die Darmbarriere zu stärken und die positive Rolle von Bifidobacterium bei der Unterdrückung von Bifidobacterium-positivem Tumorwachstum zu unterstützen, anstatt Bifidobacterium selbst zu unterdrücken.“

Wichtiger Hinweis: Bei der vorliegenden Studie handelte es sich um eine Beobachtungsstudie, die Ergebnisse zeigen also nur einen Zusammenhang, keine Kausalität.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Welcher Joghurt ist gesund?

Während Naturjoghurt mit lebendigen Bestandteilen eine gute Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung ist, ist nicht jeder Joghurt gesund. Aromatisierter und Fruchtjoghurt enthält oft große Mengen an zugesetztem Zucker und anderen Zusatzstoffen, die mit Gesundheit nichts zu tun haben.

Nährstoffe in Naturjoghurt

Naturjoghurt mit lebendigen Bestandteilen enthält viele Nährstoffe:

Besondere Vorteile verschiedener Joghurtsorten

Einige Joghurtsorten können zusätzliche Vorteile haben. Vollfetter, traditioneller griechischer Joghurt kann die Knochengesundheit fördern, Muskelmasse aufbauen und das Risiko für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und sogar psychische Erkrankungen verringern.

Während das Trinken großer Mengen normaler Milch (etwa 4 Gläser pro Tag) das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann, liefern fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir dieselben wichtigen Nährstoffe ohne bekannte negative Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Wie viel Joghurt sollten Sie essen?

Teilnehmer, die zwei oder mehr Portionen Joghurt pro Woche aßen, hatten ein um 20 Prozent geringeres Risiko, an diesen Tumoren zu erkranken. Dieser Effekt war besonders deutlich bei proximalem Dickdarmkrebs, einer besonderen Art von Darmkrebs, der auf der rechten Seite des Darms auftritt und bei der die Patienten oft schlechtere Überlebenschancen haben.

Diese neue Studie legt nahe, dass die Verringerung Ihres Risikos von Dickdarmkrebs ein weiterer Grund sein könnte, Joghurt in Ihre Ernährung aufzunehmen. Achten Sie darauf, dass es sich um lebendigen, natürlichen Joghurt handelt, um die potenziellen gesundheitlichen Vorteile zu maximieren.

„Es gibt zwar keine genaue Empfehlung, wie oft man Joghurt essen sollte“, sagte Costa, „aber eine typische Portion von 1 Tasse in Ihre Ernährung ein paar Mal pro Woche oder sogar täglich einzubauen, könnte positive Auswirkungen auf das Mikrobiom haben.“

Alternativen zu Joghurt

„Wenn Joghurt nicht Ihr Ding ist, enthalten auch andere fermentierte Lebensmittel wie Kokoskefir, Kimchi, Miso und Sauerkraut Probiotika, die ein gesundes Darmmikrobiom unterstützen können“, riet sie.

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Quellen

Dieser Beitrag wurde am 05.11.2025 erstellt.

Dass der Magen knurrt, ist nur die halbe Wahrheit. Hinter dem Hunger steckt ein Hormon mit erstaunlich vielen Funktionen: Ghrelin. Es wird im Magen produziert, steigt vor den Mahlzeiten an und signalisiert dem Gehirn: „Zeit zu essen.“ Lange galt es als reiner Appetitanreger – heute weiß man: Ghrelin wirkt weit über den Stoffwechsel hinaus, bis tief in die Psyche.

Was die Forschung zeigt

2008 veröffentlichten Forscher in Nature Neuroscience eine Studie, die damals für Aufsehen sorgte. Mäuse, die eine Zeit lang weniger Futter bekamen, produzierten deutlich mehr Ghrelin – und zeigten weniger Angst- und Depressionsverhalten. Die Idee war bestechend: Hunger schützt vor seelischem Stress.

Doch die Jahre danach haben das Bild differenziert:

  • Tiermodelle: Manche Studien bestätigen eine angstlösende und stimmungsaufhellende Wirkung – andere zeigen das Gegenteil. Entscheidend sind Stressniveau, Dauer und Kontext.
  • Humanstudien: Ghrelin beeinflusst das Belohnungssystem, Lernprozesse und die Wahrnehmung negativer Reize. Ob es dadurch langfristig depressionshemmend wirkt, ist nicht eindeutig.
  • Neue Erkenntnisse: Ghrelin wirkt auch entzündungshemmend im Gehirn. Da chronische Entzündung ein zentraler Faktor bei Depression ist, rückt das Hormon hier erneut ins Interesse.

Kurz gesagt: Ghrelin ist kein Wohlfühl-Schalter, sondern ein komplexer Regulator, der in manchen Situationen schützt, in anderen belastet.

Hunger ist nicht Fasten

Wichtig ist die Unterscheidung: Hungern (also unfreiwilliger Nahrungsentzug) ist nicht gleich Fasten. Beim Fasten steigen Ghrelin und andere Hormone zwar ebenfalls an, doch eingebettet in einen Rhythmus, der den Stoffwechsel stabilisiert. Darum berichten viele Fastende von innerer Klarheit und emotionaler Stabilität – etwas, das wissenschaftlich durchaus mit der Ghrelin-Wirkung zusammenpassen könnte, aber weit mehr Faktoren umfasst.

Therapie – noch Zukunftsmusik

Forscher spekulieren, Ghrelin oder seine Rezeptoren einmal therapeutisch zu nutzen, etwa bei Magersucht oder therapieresistenter Depression. Doch: Der Schritt von Mausdaten zu sicherer, wirksamer Humantherapie ist weit. Heute bleibt Ghrelin vor allem ein spannender Marker für das Zusammenspiel von Stoffwechsel, Stress und Psyche.

Naturheilkundliche Sicht

Aus meiner Erfahrung fügt sich Ghrelin in ein größeres Bild: Stoffwechsel, Stimmung und Entzündung sind eng verwoben. Statt auf ein einzelnes Hormon zu setzen, wirkt es nachhaltiger, den Organismus als Ganzes zu regulieren:

  • Fasten: Bewusst und zeitlich begrenzt eingesetzt, stabilisiert es Stoffwechsel und Psyche gleichermaßen.
  • Ernährung: Eiweißreich, nährstoffdicht und ohne Überlastung durch Zucker und Industriekost – das hält auch den Ghrelin-Spiegel in Balance.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität senkt Stresshormone und moduliert Ghrelin auf natürliche Weise.
  • Akupunktur und Entspannungsverfahren: Helfen, das vegetative Nervensystem zu beruhigen – und indirekt auch Hunger- und Stresssignale auszubalancieren.

Fazit

Das alte Narrativ „Hunger schützt vor Depression“ war zu kurz gegriffen. Richtig ist: Ghrelin ist ein Bindeglied zwischen Stoffwechsel und Stimmung. Die Forschung deutet an, dass es Stressreaktionen abfedern kann – aber nur im richtigen Kontext. Wer daraus Hoffnung schöpfen möchte, ist mit klassischen naturheilkundlichen Wegen wie Fasten, Ernährung und Bewegung besser beraten als mit der Vorstellung einer „Ghrelin-Pille“.

Auch interessant: Übergewicht und das Hormon Ghrelin

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Beitragsbild: 123rf.com – Sergey-Nivens

Dieser Beitrag wurde 2009 erstellt und letztmalig am 17.8.2025 komplett überarbeitet.

Es gibt kaum ein Lebensmittel, das so oft für gesund gehalten wird – und so oft das Gegenteil bewirkt. Die Rede ist vom Müsli. Was in vielen Küchen als „Start in den Tag“ gepriesen wird, ist in Wahrheit oft eine Zuckerfalle im Bio-Kleid: aufgeblähte Haferflocken, geröstet in billigen Ölen, mit Schokosplittern und getrockneten Bananen aufgepeppt – und mit einem Gesundheitsversprechen versehen, das keiner Überprüfung standhält.

Ich sehe in meiner Praxis seit Jahren, was solche Frühstücksgewohnheiten auslösen: Blutzuckerschwankungen, Heißhunger, Entzündungsprozesse, schleichende Gewichtszunahme. Und immer wieder die Frage: „Was kann ich denn morgens überhaupt noch essen?“

Meine Antwort ist einfach – und sie basiert auf alten Grundprinzipien der Naturheilkunde: Nährstoffdichte, Stabilisierung des Stoffwechsels, gesunde Fette, keine versteckten Zucker. Deshalb empfehle ich seit Jahren eine eigene Müsli-Mischung – mit hochwertigen Flocken, frischem Obst, Nüssen, Quark, Leinöl. Und wer es pflanzlich will, bekommt auch dafür eine funktionierende Variante.

Mein erster Tipp lautet also: Hände weg von Fertigprodukten, die sich in aller Regel als Zucker- und Kalorienbomben entpuppen. Merke: Nicht jedes Müsli ist gesund.

Mein zweiter Tipp:

Machen Sie Ihr Müsli lieber selber

Ein Ziel dabei sollte es sein, den Blutzuckerspiegel über den Tag möglichst konstant zu halten, um ein Sättigungsgefühl zu erzeugen, das sogar bis zum frühen Abend anhält. Und das sind die Kriterien, auf die Sie beim Müsli achten sollten:

  • Der Hauptbestandteil können Getreideflocken sein, die ausschließlich langsam verdauliche Kohlenhydrate, Eiweiß, lösliche und unlösliche Ballaststoffe, essenzielle Fettsäuren, sowie Vitamine und Spurenelemente enthalten. Als Beispiele seien hier die Haferflocken, Buchweizen und die „UrDinkelflocken“ genannt. Letztere bestechen durch einen kräftigen, nussigen Geschmack. Darüber hinaus sind die Flocken von Gerste, Roggen, Weizen oder „Emmer-Flocken“ ebenfalls gut geeignet.
  • Hinzu kommt viel klein geschnittenes frisches Obst, das zum einen für einen guten Geschmack und zum anderen für Flüssigkeit, Vitamine und Nahrungsfasern sorgt. Zudem wird Fruchtzucker nur langsam ins Blut freigesetzt. Besonders bereichert wird das Müsli durch Apfel, Birne, Zwetschge, Banane und vor allem durch die saisonalen Beeren. In kleinen Mengen (wegen des Zuckergehalts) eignen sich nicht kandierte Trockenfrüchte, die ebenfalls Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthalten. Getrocknete Mangos sind lecker.
  • Gesunde ungesättigte Fettsäuren stecken in Nüssen, Leinsamen, Mandeln und Sonnen- oder Kürbiskernen, die das Müsli so richtig knusprig machen.
  • Dafür wählen wir die Kefir oder einen Naturjoghurt, aber auf keinen Fall das gezuckerte Fruchtjoghurt. Wer sich für Magerquark entscheiden kann, greift sogleich auf eine sehr gute Eiweißquelle zu. Als vegane Alternative sei noch Hafermilch oder Kokosmilch empfohlen, die weder Laktose noch Cholesterin, aber sehr wohl ungesättigte Fettsäuren enthält. Von Sojamilch halte ich nichts, siehe mein Beitrag: Warum ich kein Soja esse.

Wer aber morgens oft etwas in Eile ist und deshalb nach einer gesunden Fertigmischung sucht, dem sei das eiweißreiche, vegane Spezialmüsli nach Dr. Stutz empfohlen.

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Das Müsli mit gesunden Fettsäuren

Ich halte viel von hochwertigem Leinöl – nicht, weil es modisch wäre, sondern weil es zu den wenigen pflanzlichen Ölen gehört, die reich an Alpha-Linolensäure (ALA) sind. ALA ist eine essenzielle Omega-3-Fettsäure, die im Körper zu einem kleinen Teil in EPA und DHA umgewandelt werden kann – zwei Fettsäuren, die eine Schlüsselrolle für das Herz-Kreislauf-System, die Nervenzellen und entzündungshemmende Prozesse spielen.

Während EPA vor allem entzündungshemmend wirkt, ist DHA struktureller Bestandteil der Gehirnzellen und der Netzhaut. Ein Mangel an diesen Fettsäuren ist in westlichen Ernährungsformen weit verbreitet – umso wichtiger, regelmäßig Omega-3-reiche Lebensmittel in den Speiseplan einzubauen. Leinöl ist dafür ein guter Anfang – sofern es frisch, kaltgepresst und lichtgeschützt gelagert wird.

Zutaten für eine Portion

  • Eine Handvoll frisches Obst, zum Beispiel Beeren, Mango, Papaya, Kiwi, Apfel
  • 6 EL Bio-Magerquark
  • 3 EL Bio-Sahne
  • 1 EL Nüsse (Walnüsse, Cashews, ungeschälte Mandeln) oder Leinsamen
  • 20 ml Ölmischung, am besten eignet sich Bio-Lein- und Bio-Weizenkeimöl. Achten Sie dabei auf den Zusatz von Vitamin D3 und DHA aus Bio-Algen.
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 1 TL Honig (optional)

Wem dieses Müsli bekannt vorkommt: das ist eine Abwandlung des Rezepts von Johanna Budwig, das sogenannte Budwig-Müsli, siehe: https://www.gesund-heilfasten.de/oel-eiweiss-kost-budwig-diaet/

Zubereitung

  • Der Magerquark, die Milch und das Leinöl werden mit dem Zitronensaft und dem Honig am besten mit einem Stabmixer cremig gerührt.
  • Danach werden das Obst, die Leinsamen oder die Nüsse hinzugegeben.

Die vegane Variante ist leicht modifiziert

Zutaten, ebenfalls für eine Portion

  • Eine Handvoll frisches Obst
  • 150 ml Pflanzendrink, zum Beispiel Hafer-, Reis-, Mandel- oder Kokosdrink
  • 2 EL Lein- oder Chiasamen
  • 1 EL gehackte Nüsse oder Samen
  • 20 ml Ölmischung, Bio-Lein- und Bio-Weizenkeimöl. Achten Sie dabei auf den Zusatz von Vitamin D3 und DHA aus Bio-Algen.
  • 1 Spritzer Zitronensaft

Zubereitung

  • Die Chia- oder Leinsamen circa eine viertel Stunde lang im Pflanzendrink einweichen.
  • Danach die aufgequollenen Samen mit dem Zitronensaft und dem Leinöl verrühren.
  • Die Nüsse und Früchte hinzugeben.

Wichtig zur Qualität des Leinöls

Bio und kaltgepresst allein reichen nicht. Entscheidend ist, dass das Öl unter Ausschluss von Licht, Sauerstoff und Hitze gepresst wurde – nur so bleiben die empfindlichen Omega-3-Fettsäuren stabil. Achten Sie auf Hinweise wie „omega-sicher gepresst“ oder spezielle Herstellverfahren, die genau das garantieren.

Nach dem Öffnen gilt: Gut verschließen, kühl lagern – und zügig verbrauchen. Oxidierte Öle verlieren nicht nur ihre Wirkung, sondern können den Körper zusätzlich belasten.

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Beitragsbild: 123rf.com – Baiba Opule

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 3. Juli 2025 leicht überarbeitet.

Man kennt das: Aufgeschnittene Wurst, rosafarbener Schinken, knackige Würstchen. Alles sieht frisch aus – appetitlich, sauber, haltbar. Doch die Wahrheit ist: Dieses Rosa ist oft nichts anderes als eine „Chemie-Illusion“.

Die Farbe kommt nicht vom Fleisch

Rohes Fleisch wird grau, wenn es altert. Auch gekochtes Fleisch ist eher grau als rosa. Damit aber Ihre Wurst im Supermarktregal wochenlang frisch wirkt, wird nachgeholfen – mit Nitritpökelsalz. Schon mal gehört. Will man eigentlich nicht essen.

Aber es gibt ja die E-Nummern!

Die üblichen Verdächtigen: E250 bis E252

Werfen wir einen Blick auf die gängigen E-Nummern, die in den meisten verarbeiteten Fleischwaren stecken:

  • E250 (Natriumnitrit)
  • E249 (Kaliumnitrit)
  • E251 (Natriumnitrat)
  • E252 (Calciumnitrat)

Diese Zusätze sorgen für die typisch rosa Farbe, hemmen Bakterienwachstum und verlängern die Haltbarkeit. Ohne sie wäre Ihre Wurst grau und wenig verkaufsfördernd. Für die Industrie ein Albtraum. Für den Verbraucher: ein Gesundheitsrisiko? Offiziell natürlich erlaubt.

Das Problem: Nitrosamine

Die eigentliche Gefahr liegt nicht im Nitrit selbst – sondern darin, was daraus im Körper entstehen kann. Unter Hitzeeinwirkung – etwa beim Braten, Grillen oder Frittieren – reagieren Nitritverbindungen mit Aminen im Fleisch. Daraus entstehen sogenannte Nitrosamine – Substanzen, die seit Jahrzehnten im Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Gut… Aber die Wurst esse ich ja kalt und erhitze die nicht.

Ja. Doch auch ohne Hitze ist Entwarnung nicht angebracht.

Denn: Nitrosamine entstehen nicht nur beim Kochen, sondern auch im Magen, wenn dort Nitrit mit bestimmten Eiweißbestandteilen zusammentrifft – vor allem in saurem Milieu. Genau das geschieht auch beim Verzehr kalter Wurstwaren. Der Magen ist eben keine Tiefkühltruhe.

Dazu kommt: Wer regelmäßig verarbeitetes Fleisch isst, liefert seinem Körper nicht nur das Ausgangsmaterial, sondern schafft ein inneres Mikrobiom-Milieu, das solche Reaktionen begünstigt.

Und das ist kein Verdacht aus der „Aluhut-Ecke“, sondern glasklar belegt:

  • Bereits 1981 zeigte eine Übersichtsarbeit im Journal of the National Cancer Institute, dass Nitrosamine bei Tieren zuverlässig Tumore verursachen – selbst in extrem niedriger Dosis.
  • Eine Metaanalyse in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2009) fand ein um bis zu 50?% erhöhtes Darmkrebsrisiko bei regelmäßigem Konsum verarbeiteter Fleischprodukte.
  • Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt seit Jahren vor einem Zusammenhang zwischen Nitritpökelsalz, Nitrosaminen und Darmkrebs.

Der Hammer kam dann 2015: Sogar die WHO, die sonst eher bei Zucker, Glyphosat und Pharmawirkstoffen einen bemerkenswerten Langmut zeigt, erklärte verarbeitetes Fleisch offiziell für krebserregend beim Menschen (Gruppe 1) – in derselben Kategorie wie Tabakrauch, Benzol und Asbest.

Man stelle sich vor: Würde Wurst geraucht, gäbe es einen Warnhinweis.
Aber gebraten? Kein Problem. Dann wird es bloß noch schädlicher.

Und obwohl man weiß, dass beim Erhitzen krebserregende Nitrosamine entstehen, bleibt alles wie gehabt: rosa Farbe, sauberes Image, freundliche Verpackung. Nur die Risiken sind nicht zu übersehen – wenn man hinschaut.

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Auch Blutdruck und Darm leiden

Nitrat- und Nitritverbindungen belasten nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch das Herz-Kreislauf- und Verdauungssystem. Studien deuten darauf hin, dass sie die Gefäßelastizität verringern, oxidativen Stress fördern und in höheren Mengen den Blutdruck ansteigen lassen – besonders bei Menschen mit bereits bestehender Belastung.

Auch der Darm reagiert empfindlich: Die natürlichen Darmbakterien können durch diese Verbindungen aus dem Gleichgewicht geraten – mit Folgen für Immunabwehr, Stoffwechsel und Nährstoffaufnahme.

Besonders kritisch ist das für Kinder, Schwangere und Menschen mit Reizdarm oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Hier reichen oft schon geringe Mengen aus, um Beschwerden zu verstärken.

Kurz gesagt: Was die Wurst haltbar macht, macht uns anfälliger.

Was tun?

Ich rate meinen Patienten seit Jahren:

  • Weniger Wurst, weniger Schinken, weniger „verarbeitetes Fleisch“. Ich esse überhaupt keine Wurst und auch keine Würstchen.
  • Wenn überhaupt: Bio-Ware ohne Nitritpökelsalz. Ja, das gibt es – und schmeckt auch.
  • Wer regelmäßig verarbeitetes Fleisch isst, sollte den Darm unterstützen (z.?B. mit fermentierter Nahrung, Heilerde oder gezielter Darmreinigung).

Fazit

Rosa Wurst ist kein Zeichen von Frische, sondern von Konservierungschemie.
Was appetitlich aussieht, kann auf Dauer alles andere als gesund sein.

Lieber echtes Essen als schön gefärbte Illusionen.

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Meine neue Lieblingsnahrung: schwarze Linsen.

Warum? Was macht die so besonders? Weiterlesen

Ich dachte ich kenne schon jede Ernährungsform. Aber die SCD? Die war mir vom Begriff her neu. Aber es ist eigentlich „Altbekanntes“ – dazu aber gleich mehr. Seit über 25 Jahren arbeite ich mit Menschen, die an chronischen Verdauungsproblemen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und entzündlichen Darmerkrankungen leiden. Viele von ihnen haben eine Odyssee hinter sich: endlose Arztbesuche, Medikationen, Diäten, die versprechen zu helfen, und am Ende doch nur Enttäuschung bringen.

In all diesen Jahren habe ich eines gelernt: Wenn der Darm aus dem Gleichgewicht gerät, zieht das eine Lawine an gesundheitlichen Problemen nach sich. Doch es gibt Wege, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Was könnte die SCD dazu leisten?

Der vergessene Faktor: Mikroorganismen im Darm

Es ist längst bekannt, dass unser Darm ein hochkomplexes Ökosystem ist, in dem Billionen von Bakterien leben. Die meisten sind unsere Verbündeten, unterstützen die Verdauung, produzieren Vitamine und halten Krankheitserreger in Schach. Dazu hatte ich ausführlicher hier geschrieben: Darmbakterien im Fokus: Wie sie Krankheiten beeinflussen und warum sie wichtig sind

Doch wenn das Gleichgewicht kippt (sei es durch falsche Ernährung, Antibiotika oder chronischen Stress), dann gewinnen pathogene Bakterien die Oberhand. Die Folgen sind weitreichend: Durchfälle, Blähungen, Bauchschmerzen und Entzündungen bis hin zu schweren Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Reizdarmsyndrom.

Ein entscheidender Faktor, der dieses bakterielle Gleichgewicht beeinflusst, ist die Art der Kohlenhydrate, die wir zu uns nehmen.

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Warum Kohlenhydrate den Darm ins Ungleichgewicht bringen können

Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einfachen und komplexen Kohlenhydraten:

  • Einfache Kohlenhydrate (Monosaccharide) wie Glukose, Fruktose und Galaktose bestehen aus einzelnen Zuckermolekülen und können ohne zusätzliche Verdauungsprozesse direkt vom Dünndarm aufgenommen werden.
  • Komplexe Kohlenhydrate (Disaccharide und Polysaccharide) wie Laktose, Saccharose oder stärkehaltige Lebensmittel müssen erst durch Enzyme aufgespalten werden, bevor sie verwertbar sind.

Das Problem: Viele Menschen mit Darmerkrankungen haben nicht ausreichend Enzyme, um diese komplexen Kohlenhydrate zu verdauen. Die unverdaute Nahrung verbleibt im Darm und wird zur perfekten Nahrungsquelle für pathogene Bakterien. Diese vermehren sich rasant und setzen durch den Fermentationsprozess Gase und toxische Stoffwechselprodukte frei, die Entzündungen und Reizungen der Darmschleimhaut verstärken.

Die SCD als Ausweg aus dem Teufelskreis?

Die spezielle Kohlenhydratdiät (SCD) setzt genau an diesem Punkt an. Ihr Prinzip ist simpel und zugleich tiefgreifend: Erlaubt sind nur die Kohlenhydrate, die ohne aufwendige Verdauung direkt aufgenommen werden können.

Das bedeutet konkret:

? Erlaubt sind Monosaccharide wie Honig, Obst, Gemüse und fermentierte Milchprodukte wie laktosefreier Joghurt.

? Nicht erlaubt sind alle Disaccharide und Polysaccharide – also Getreide, Kartoffeln, Zucker, verarbeitete Lebensmittel und herkömmliche Milchprodukte.

Durch diese strikte Auswahl wird den pathogenen Bakterien die Nahrungsgrundlage entzogen. Diese verhungern buchstäblich, und die Darmflora kann sich erholen. Zumindest berichten mir das jetzt Patienten.

Mehr als eine Diät: Ein langfristiges Heilkonzept

Die SCD ist jedoch keine kurzfristige Ernährungsumstellung, sondern eine nachhaltige Strategie zur Darmheilung. Denn selbst wenn sich die Beschwerden verbessern, bleibt das Risiko eines Rückfalls hoch. Die pathogenen Mikroorganismen können monatelang in einer Art „Dornröschenschlaf“ verharren und bei der ersten Gelegenheit wieder aufflammen.

Deshalb gilt die Faustregel: Mindestens ein Jahr nach dem Verschwinden der letzten Symptome muss die SCD strikt eingehalten werden. Erst dann ist der Darm stabil genug, um eventuell langsam und vorsichtig andere Lebensmittel wieder einzuführen.

Geht es auch anders?

Meines Erachtens Ja!

SCD oder doch lieber FODMAP?

Während die SCD für viele Menschen mit chronischen Darmerkrankungen eine lebensverändernde Lösung darstellt, gibt es auch andere Ernährungsansätze, die individuell besser passen können.

Die FODMAP-Diät beispielsweise basiert auf der Idee, bestimmte fermentierbare Kohlenhydrate gezielt zu reduzieren, um Blähungen und Verdauungsprobleme zu lindern. Sie ist wissenschaftlich gut untersucht und bietet eine individuellere Herangehensweise, da nach einer Eliminationsphase getestet wird, welche Lebensmittel gut vertragen werden. Ich hatte dazu hier geschrieben: FODMAP – die Diät gegen das Reizdarm-Syndrom?

Fazit zur SCD: Ich halte den Ansatz für interessant und potenziell wirksam. Persönlich tendiere ich eher zur FODMAP-Diät, da sie flexibler ist und individuell angepasst werden kann. Letztlich muss jedoch jeder für sich selbst herausfinden, welche Ernährungsweise am besten zu ihm passt. Der Schlüssel zur Darmgesundheit liegt nicht in einer einzigen Lösung, sondern in der sorgfältigen Anpassung der Ernährung an die individuellen Bedürfnisse des Körpers.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…