René Gräber erklärt, warum Trockenfasten für die meisten Menschen keine gute Idee ist

In Fastenkreisen taucht seit einiger Zeit immer wieder eine Behauptung auf, die sich offenbar prächtig verbreitet: Ein Tag Trockenfasten solle angeblich ungefähr so viel bewirken wie drei Tage Wasserfasten.

Das klingt beeindruckend und einige Studien scheint es auch dazu zu geben.

Nur: Ich bin sehr skeptisch. Der menschliche Körper funktioniert nicht nach solchen „Rabattmodellen“.

Nur mal kurz was Trockenfasten bedeutet: keine feste Nahrung und keine Flüssigkeit. Kein Wasser, kein Tee, keine Brühe. Nichts. Der Organismus wird also nicht nur in den Fastenstoffwechsel geführt, sondern gleichzeitig in einen massiven Regulationsdruck beim Wasserhaushalt, beim Kreislauf, bei den Elektrolyten und bei der Nierenarbeit.

Und genau hier beginnt mein Problem mit dieser Methode.

Warum ich Trockenfasten kritisch sehe

Ich begleite seit über 25 Jahren Fastengruppen. Meine Erfahrung ist klar: Rund 90 Prozent der Teilnehmer bringen die eine oder andere Beschwerde mit. Das sind keine kerngesunden Askese-Athleten, die mal eben testen wollen, wie weit man den Körper reizen kann. Da kommen Menschen mit Bluthochdruck, Erschöpfung, Gelenkbeschwerden, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen, Migräne, Wechseljahresbeschwerden, Stoffwechselproblemen, Medikamenteneinnahme, Schilddrüsenthemen oder schlicht mit einem Körper, der seit Jahren zum Teil völlig überfordert ist. Viele dieser Menschen kennen gar keinen Fastenstoffwechsel, keine Autophagie, usw. mehr. Viele Enzyme die dazu benötigt werden, können diese Menschen gar nicht mehr adhoc produzieren. Das dauert.

Und diesen Menschen soll man dann auch noch das Wasser entziehen?

Aus meiner Sicht wäre das bei den allermeisten Teilnehmern kein „therapeutischer Fortschritt“, sondern ein unnötiges Risiko mit hoher „Nebenwirkungsrate“.

Schon die Entlastungstage sind für manche bereits eine Herausforderung. Kaffee weg, Zucker weg, weniger Brot, weniger „Gewohnheit“ usw. Da merkt man bereits, wie stark der Körper und oft auch der Kopf an den täglichen Routinen hängen. Manche bekommen Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Gereiztheit, Müdigkeit oder Verdauungsreaktionen. Das ist nicht ungewöhnlich, aber es zeigt: Fasten ist bereits mit Wasser eine Umstellung.

Warum also die Schraube noch weiter anziehen?

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Fasten muss nicht immer extremer werden

Fasten soll entlasten und letztlich den Fastenstoffwechsel erreichen. Es soll dem Körper Raum geben, Stoffwechselprozesse zu ordnen, Verdauungspause zu schaffen, Insulinspiegel zu senken, Entzündungsprozesse zu beruhigen und Regeneration zu ermöglichen. Dafür braucht es keinen künstlichen Härtegrad. Der Körper muss nicht erst in einen Durststress geraten, damit Fasten „richtig“ wirkt.

Ich halte diese moderne Suche nach immer extremeren Fastenformen ohnehin für fragwürdig. Heute reicht vielen das klassische Heilfasten nicht mehr. Es muss trockener, länger, radikaler, ketogener, kälter, härter sein. Am besten noch mit Atemtechnik, Eisbad und App zur Messung der spirituellen Zellreinigung. Manchmal frage ich mich, ob hier wirklich Heilung gesucht wird oder eher das nächste Leistungsabzeichen im Selbstoptimierungszirkus. Das Gegenteil ist leider auch der Fall: Menschen die sich rund um die Uhr alles reinstopfen…

Natürlich kann es Menschen geben, die kurzes Trockenfasten gut vertragen. Gesunde, erfahrene Personen, bei guter Vorbereitung, kurzer Dauer und ohne relevante Vorerkrankungen. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber daraus eine allgemeine Empfehlung zu machen, halte ich für falsch.

Für wen Trockenfasten besonders problematisch sein kann

Besonders vorsichtig wäre ich bei Nierenschwäche, Gicht, Herz Kreislauf Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Migräne, starker Erschöpfung, höherem Alter, Medikamenteneinnahme, Hitze oder körperlicher Belastung. Gerade die Niere ist kein Organ, das man beim Fasten nebenbei ignorieren sollte. Sie braucht Durchblutung und Flüssigkeit, um Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Wer ausgerechnet beim „Entgiften“ das Wasser weglässt, sollte schon sehr gute Gründe haben.

Mein Fazit

Meine Position ist deshalb klar:

Für die meisten Menschen ist klassisches Heilfasten mit ausreichend Flüssigkeit, Ruhe, Bewegung, Darmunterstützung, Leberwickel, guter Begleitung und vernünftigem Kostaufbau vollkommen ausreichend. Mehr noch: Es ist in vielen Fällen (für mich) der klügere Weg.

Fasten wirkt nicht besser, weil man es extremer macht. Es wirkt besser, wenn es zum Menschen passt.

Und genau das wird in vielen Trockenfasten-Diskussionen vergessen. Da wird von Autophagie, Ketonen, Zellreinigung und „tiefer Entgiftung“ gesprochen, während der reale Mensch mit Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck, Medikamentenplan, Schlafmangel und zwei Jahrzehnten Stressgeschichte vor einem sitzt.

Deshalb empfehle ich Trockenfasten nicht als Standard. Schon gar nicht für Menschen mit Beschwerden. Wer fasten möchte, sollte zuerst lernen, gut und richtig zu fasten. Mit Wasser, mit Vorbereitung und auch den richtigen Unterstützungsmitteln. Alles andere kann schnell nach hinten losgehen.

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René Gräber prüft Kijimea, Probiotika und Darmflora mit Blick auf Werbung, Studienlage und Anwendererfahrungen

Eine Fernsehwerbung aus dem Jahr 2010 weckte mein „gesteigertes Interesse“ an Kijimea. Da war das Produkt über 20 Jahre auf dem Markt, und es wurden ständig neue Produkte hinzugefügt.

Warum ich diesen Beitrag ergänze: Ich beobachte massive Werbung für diese Produkte. Besonders auffällig ist Werbung auf Webseiten, die wie  „Redaktionsartikel“ aussehen, wie hier zum Beispiel:

Dort lesen wir von einem Frank Mehrbach, der „Darmexperte“ und Chefredakteur bei Spiegel der Gesundheit sei. Wer mehr zu Frank Mehrbach erfahren kann: Bitte in die Kommentare schreiben. Ich finde da nämlich nichts, bzw. nicht viel.

Im Nachrichtennetzwerk msn sieht man massenhaft solcher Anzeigen. Das „Spiel“ ist bei all diesen „Anzeigen“ ähnlich. Ein Artikel, ein angeblicher „Vergleichstest“. Und man findet fast immer die gleichen Produkte.

Dabei auch: Kijimea.

Nur, dass wir uns nicht falsch verstehen: Werbung ist grundsätzlich nicht schlecht. Im Gegenteil. Ich bin durch Werbung auf einige Dinge aufmerksam geworden, von denen ich sonst nie gehört hätte. Und klar: Dann gibt es auch Werbung im Stil von…

Naja… lassen wir das lieber und schauen uns mal das Kijimea an.

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Im Jahr 2026 suchen und Fragen Leser mich vor allem zum Kijimea K53 Advance. Deswegen will ich gleich was dazu sagen… danach geht´s Allgemein weiter.

Kijimea K53 Advance Erfahrungen: Was berichten Anwender?

Wer nach „Kijimea K53 Advance Erfahrungen“ sucht, will meist keine Werbebroschüre lesen (wie ich eben schrieb). Die meisten suchen eine ehrliche Einschätzung: Hilft das Präparat wirklich? Verträgt man es? Lohnt sich der Preis? Und warum berichten manche von deutlicher Besserung, während andere eher mehr Blähungen bekommen?

Kijimea K53 Advance ist ein Nahrungsergänzungsmittel für das Darmmikrobiom. Es enthält eine Mischung aus 53 Mikrokulturenstämmen sowie die Vitamine B3 und B7. Der Hersteller bewirbt es als breit angelegtes Mikrobiom Produkt. Das klingt beeindruckend. Entscheidend bleibt aber die Frage, ob diese konkrete Mischung für das jeweilige Beschwerdebild untersucht wurde. Bei Probiotika reicht es wissenschaftlich nicht, einfach „viele Stämme“ oder „viele Milliarden Keime“ zu zählen. Entscheidend sind Stamm, Dosierung, Beschwerdebild und Studiendesign.

Die Erfahrungsberichte zu Kijimea K53 Advance fallen überwiegend positiv aus, aber nicht einheitlich. Viele Anwender berichten über weniger Blähbauch, regelmäßigeren Stuhlgang, weniger Druck im Bauch und ein besseres Bauchgefühl. Das passt zu dem, was man aus der Praxis kennt: Wenn eine Darmflora nach Antibiotika, Stress, Fehlernährung oder langjähriger Verdauungsstörung aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann ein gut gewähltes Mikrobiom Präparat durchaus einen Unterschied machen.

Es gibt aber auch andere Erfahrungen. Manche berichten über mehr Gasbildung, stärkere Blähungen oder das Gefühl, dass der Bauch zunächst unruhiger wird. Das wird gerne als „Anfangsreaktion“ verkauft. Manchmal stimmt das. Manchmal ist es aber schlicht ein Zeichen, dass das Präparat nicht passt. Gerade bei empfindlichem Darm, Histaminproblemen, SIBO Verdacht, starker FODMAP Empfindlichkeit oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann eine solche Reaktion ernster zu nehmen sein. Ein Darm ist kein Blumentopf, in den man einfach ein paar Bakterien streut und dann wächst Gesundheit.

Aus meiner Sicht sollte man Kijimea K53 Advance daher nüchtern betrachten. Es kann ein sinnvoller Versuch sein, besonders nach Antibiotika, bei unregelmäßigem Stuhlgang, Blähbauch oder dem Gefühl einer gestörten Darmflora. Wer jedoch ein klassisches Reizdarmsyndrom mit starken Schmerzen, Durchfällen, Verstopfung oder wechselnden Beschwerden hat, sollte die Kijimea Produkte nicht alle in einen Topf werfen. Für Kijimea Reizdarm beziehungsweise Reizdarm PRO gibt es eine spezifischere Studienlage zu den dort verwendeten MIMBb75 Stämmen. Diese Evidenz lässt sich nicht automatisch auf Kijimea K53 Advance übertragen. Lasst es mich gerne mal in den Kommentaren wissen…

Kommen wir zu Kikimea an sich…

Was ist Kijimea eigentlich?

Kijimea aus der Swahili-Sprache bedeutet  zu Deutsch: Bakterium. Und dieses „Bakterium“ soll meine Abwehrkräfte steigern. Schön. Da fragte ich mich sofort: Wie denn?

Also begab ich mich auf die Suche nach Informationen und Studien zu Kijimea: In meinen Fachmagazinen hatte ich noch nichts gesehen. In den wissenschaftlichen Datenbanken: nichts. Also auf in die Suche im Internet.

Im Folgenden finden Sie erst einmal den Bericht über meine damaligen Recherchen (Jahr 2010), und weiter unten dann die „Erweiterungen“ mit den Aktualisierungen.

Jahr 2010: Außer den Einträgen in einigen Foren und der Herstellerseite selbst finde ich nichts. Also muss ich mich wohl erst einmal mit den Herstellerangaben zu Kijimea begnügen: Bei Kijimea handelt es sich demnach um ein von Münchner Ärzten entwickeltes Produkt aus rein „natürlichen“ Bestandteilen.

Es soll bei Menschen mit Immunschwäche als unterstützende Maßnahme bei der Bekämpfung von Infekten eingesetzt. Zur „Entdeckung“ von Kijimea schreibt der Hersteller:

Wir, ein Ärzteteam aus München, waren über Jahre in Afrika tätig und sind dort auf das legendäre Kriegervolk der Massai, dem eine besondere Widerstandsfähigkeit nachgesagt wird, aufmerksam geworden. Auffällig für uns war, dass sich die Massai von einer traditionellen, fermentierten Milchmischung, ernähren. Diese wird von den Massai oft täglich in großen Mengen eingenommen. Inspiriert von diesen Erfahrungen haben wir in Europa die Wirkung stammspezifisch selektierter Probiotika und Synbiotika näher untersucht und sind nach langer Suche auf die in Kijimea enthaltene Probiotikakombination gestoßen. (kijimea.de/haeufige_fragen.html)

Kijimea besteht also aus mehreren Probiotika. Probiotika sind Bakterien, deren Verzehr unserer Gesundheit generell förderlich sowie einem natürlichen Kohlenhydrat – einem so genannten Präbiotikum.

Bei den Bakterienstämmen soll es sich um drei spezielle Probiotika-Stämme handeln.  Diese sollen anhand klinischer Studien für diese Bakterien-Stämme ausgewählt worden sein, die einen Nutzen bezüglich der Immunabwehr belegen.

Nur: WELCHE Stämme in Kijimea enthalten sind, konnte ich auf der Herstellerseite nicht in Erfahrung bringen. Ich fand keinen Beipackzettel und keine detaillierte Beschreibung der Inhaltsstoffe. Für mich ist das nicht gerade vertrauenserweckend.

Ich erwarte auf der Produktseite schon die Darstellung aller Wirkstoffe, Zusatzstoffe und Füllstoffe etc. Hinweise auf die Studien bezüglich der verwendeten Probiotika hätte ich auch schön gefunden.

Auf der Herstellerseite von Kijimea wird das Präbiotikum FOS erwähnt (ein Fructo-Oligo-Saccharid?), welches den Bakterien als Nahrung dienen soll und  somit deren Wachstum und Vermehrung im Darm zugute kommen möge.

Gleichzeitig soll es den Körper bei der Aufnahme von Magnesium und Calcium unterstützen. Die erwünschte Wirkung von Kijimea  (die Stärkung des Immunsystems) soll aber durch eine gezielte Stärkung der Darmflora erzielt werden, die für ein gut funktionierendes Immunsystem von entscheidender Bedeutung ist. Dass ich davon viel halte, habe ich ja schon mehrfach geschrieben – auch in diesem Blog.

Nebenwirkungen sind laut Hersteller nicht bekannt. Allerdings können zu Beginn der Behandlung Blähungen auftreten, eine Folge der gewünschten Bakterienanhäufung im Darm.

Also auch nichts Neues. Vielleicht sendet mir die Herstellerfirma Dr. Fischer Gesundheitsprodukte GmbH ja einmal einige Produktproben und Informationsmaterial?

Das bringt mich auf die Idee noch mal schnell in den Internetapotheken nachzusehen: Nanu? Da ist als Hersteller die SANDOZ PHARMACEUTICAL GMBH angegeben? Ich dachte das ist Dr. Fischer Gesundheitsprodukte GmbH? Oder vertreiben die das nur?

Wie dem auch sei: Kijimea ist anscheinend in drei Packungsgrößen erhältlich: 7, 14 oder 28 „Rationen“. Bei einer Ration täglich kostet das Produkt zwischen 2,14€ und 1,70€ – wenn die Preisangaben stimmen die ich gefunden habe.

Eine Therapie kostet mich somit ungefähr 60.-€ im Monat. Also dafür möchte ich schon mehr Informationen als ich momentan im Internet finde.

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Jetzt meine Aktualisierung aus dem Juni 2015:

Seit dem Artikel (oben) sind nun bereits fünf Jahre vergangen. In einem solchen Zeitraum sollte man einiges an Entwicklungen erwarten. Und diese sind auch zu verzeichnen, sowohl bei der Kijimea Webseite, als auch in der Wissenschaft, die sich mit diesem Probiotikum befasst hat.

Auf der Kijimea Webseite unter Experteninterview erfährt der Leser, dass der „Wirkstoff“ ein einziger Bakterien-Stamm ist: Bifidobacterium bifidum MIMBb75. Erwähnt wird eine Studie aus der Universität Mailand, der zufolge dieses spezielle Bakterium einen besonders günstigen Effekt auf Reizdarm und verwandte Erkrankungen haben soll. Zu dieser Studie komme ich etwas später.

Die Kijimea Webseite fährt fort mit der Wirkweise dieser Bakterien. Auf der Webseite wird behauptet, dass „kleinste Risse in der Darmwand“ eine Art Schlupflöcher sind, die Schadstoffe und Keime passieren lassen, die bei einer intakten Darmschleimhaut nicht passieren können, sondern ausgeschieden werden.

Die Symptomatik, die dann aufgezählt wird, und die eben erwähnten „Risse“ in der Darmschleimhaut, erinnern sehr an das Leaky-Gut-Syndrom. Aber vergleichen Sie selbst – ich habe das in folgenden Beiträgen genauer beschrieben:

Laut Kijimea Webseite bekämpft das spezielle Bifidobacterium solche Risse und Löcher damit, dass die Bakterien sich an diese Risse und Löcher anlagern und sie somit „zupflastern“.

Es ist auch von einem „Pflastereffekt“ die Rede. Sind die Verletzungen einmal abgedichtet, dann kann erstens nichts mehr durch und zweitens kann der Heilungsprozess ungestört einsetzen. Und das sollte sich in einer Verbesserung der Symptomatik bemerkbar machen. Soweit die Hypothese.

Es war da die Rede von einer Studie aus der Universität Mailand, die dieser Hypothese nachgegangen sein soll. Diese Arbeit wurde im Jahr 2011 veröffentlicht: Randomised clinical trial: Bifidobacterium bifidum MIMBb75 significantly alleviates irritable bowel syndrome and improves quality of life–a double-blind, placebo-controlled study.

In dieser Arbeit sollte die Wirksamkeit von Bifidobacterium bifidum MIMBb75 bei Reizdarmsyndrom ermittelt werden. Insgesamt nahmen an der Studie 122 Patienten teil, die in eine Plazebogruppe mit 62 Teilnehmern und eine Verumgruppe mit 60 Teilnehmern aufgeteilt wurden.

Alle Teilnehmer bekamen einmal täglich ihr Plazebo oder ihr MIMBb75 für die Dauer von 4 Wochen. Die Schwere der Symptomatik wurde anhand einer spezifischen Skala ermittelt.

Resultat: MIMBb75 reduzierte die allgemeinen Symptome der Reizdarmstörungen signifikant im Vergleich zu Plazebo. Die Bakterien verbesserten signifikant Schmerzen und Unwohlsein, Blähungen, Stuhldrang und Verdauungsstörungen. Es zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität bei den Teilnehmern der Verumgruppe.

Eine ausreichende allgemeine Besserung berichteten 47 Prozent der Teilnehmer in der Verumgruppe gegen nur 11 Prozent in der Plazebogruppe. Insgesamt sprachen 57 Prozent der Patienten der Verumgruppe auf die Therapie an gegenüber 21 Prozent in der Plazebogruppe. MIMBb75 wurde gut vertragen und Zahl und Natur der Nebenwirkungen entsprachen denen in der Placebogruppe.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Bifidobacterium bifidum MIMBb75 effektiv das Reizdarmsyndrom lindert und deren Symptomatik verbessert, bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Daher sehen die Autoren diesen Bakterien-Stamm als eine Bereicherung in der Therapie des Reizdarmsyndroms an.

Fazit: Eine Studie mit 122 Patienten ist noch keine „gesicherte Erkenntnis“, die eine Hypothese zur These oder Theorie reifen lassen wird. Von daher halte ich die Aussagen auf der Kijimea Webseite für etwas zu euphorisch.

Auf der anderen Seite handelt es sich bei der Studie um eine ernstzunehmende Arbeit seitens der Italiener, die zwar der Bestätigung bedarf, aber im Moment als sehr glaubwürdig einzustufen ist.

Und weil es sich bei diesem Bakterien-Stamm nicht um eine potentiell hochgiftige Substanz handelt, kann man davon ausgehen, dass der gezielte Einsatz keinen Schaden anrichten wird. Ob der Einsatz einen signifikanten therapeutischen Effekt hat, das müssten weitere Untersuchungen bestätigen.

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Die Sache mit dem „Darmpflaster“

Da war ja noch die Rede von diesem „Darmpflaster“ (siehe oben). Eine Arbeit aus dem Jahr 2009 ging der Frage mit dem „Pflastereffekt“ des Bakteriums nach: Study of the adhesion of Bifidobacterium bifidum MIMBb75 to human intestinal cell lines.

Verantwortlich für die Bindungsfähigkeit der Bakterien ist ein von den Bakterien produziertes Lipoprotein, das BopA genannt wird. Wie es aussieht, werden nicht nur „Risse und Löcher“ in der Darmschleimhaut mit Hilfe von BopA „zu gekleistert“. Vielmehr scheint sich auch eine erhöhte Anhaftungsneigung der Bakterien bei Tumorzellen zu ergeben.

Allerdings wird die Fähigkeit zur Anhaftung entscheidend von einigen Faktoren beeinflusst, wie der Anwesenheit von bestimmten Zuckermolekülen, Gallenflüssigkeit und dem pH-Wert. Die Autoren vermuten, dass die unterschiedlichen Bedingungen im Verlauf des Gastrointestinaltrakts zu unterschiedlichen Besiedlungsdichten führt. Sie vermuten, dass die Bakterien nur in begrenzten Arealen im Endbereich des Dickdarms sich ansiedeln können.

Fazit: Vorausgesetzt dass sich diese Annahme als richtig erweist, dann würde sich das in der Kijimea Webseite dargestellte Modell des Gastrointestinaltrakts (aus Glas oder durchsichtigem Plastik) als unzulässige Vereinfachung herausstellen.

Denn im Video wirft eine Frau im weißen Kittel vielsagend einen grünen Kijimea-Ball ins Röhrchen mit den vielen inneren Rissen, die vom Ball versiegelt werden. Hier entsteht der Eindruck, dass der gesamte Gastrointestinaltrakt von dem positiven Adhäsionseffekt betroffen ist.

Eine Arbeit aus der Universität Ulm aus dem Jahr 2012 kommt hier zur Hilfe: Improved adhesive properties of recombinant bifidobacteria expressing the Bifidobacterium bifidum-specific lipoprotein BopA.

In dieser Arbeit wurden 15 verschiedene Stämme von Bifidobacterium auf ihre Adhäsionsfähigkeit überprüft. Die Vertreter von B. bifidum zeigten die höchste Adhäsionsfähigkeit an den getesteten gastrointestinalen Epithelzellen. Auch hier war das Lipoprotein BopA für den Adhäsionseffekt verantwortlich.

Obwohl das Lipoprotein ein B. bifidum-spezifisches Protein zu sein scheint, kann es auch von E. coli exprimiert werden. Weiter scheint die Stärke der Anhaftung mit der Menge an produziertem Lipoprotein korreliert zu sein.

Es wurden keine Angaben gemacht, ob Umwelteinflüsse (im Gastrointestinaltrakt), wie wir sie in der Arbeit zuvor diskutiert hatten, hier eine Rolle spielen.

Um die ganze Sache noch ein wenig weiter zu verwirren, stürze ich mich auf die nächste Arbeit aus Finnland aus dem Jahr 2013: BopA does not have a major role in the adhesion of Bifidobacterium bifidum to intestinal epithelial cells, extracellular matrix proteins, and mucus.

In dieser Arbeit hatte man, vereinfacht ausgedrückt, mit Hilfe eines eigens geschaffenen Antiserums die Aktivität von BopA bei B. bifidum blockiert und geschaut, ob die Anhaftungsfähigkeit der Bakterien durch die Behandlung abnimmt.

Da dies jedoch nicht erfolgte, folgerten die finnischen Wissenschaftler, dass es sich beim BopA nicht um ein Adhäsin handeln kann. Umgekehrt wurde rekombinantes BopA erzeugt und getestet. Es zeigte eine nur schwache Bindungsfähigkeit zu menschlichen Darmepithelzellen und/oder deren Mukosa.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Adhäsionsfähigkeit von B. bifidum weniger auf der Wirksamkeit von BopA beruht, sondern dass vielmehr andere, noch unbekannte Mechanismen hier wirksam sein müssen.

Zwischenfazit: Falls BopA keinen signifikanten Einfluss auf die Adhäsionsfähigkeit von B. bifidum hat, dann wären auch die in der ersten Arbeit diskutierten Einflüsse, wie Gallenflüssigkeit, pH-Wert und so weiter möglicherweise nicht relevant und die Bakterien könnten sich mehr oder weniger gleichmäßig im gesamten Gastrointestinaltrakt ansiedeln und so ihrer „Pflastertätigkeit“ nachgehen.

So lange jedoch diese Mechanismen noch ungeklärt sind, halte ich Erklärungen, wie sie auf der Kijimea Webseite gemacht werden, für reine Spekulation.

Impact of Bifidobacterium bifidum MIMBb75 on mouse intestinal microorganisms. – Diese Arbeit aus dem Jahr 2013 untersuchte die Verteilung des Bakteriums im Darm von Mäusen. Auch hier ergibt sich ein eher heterogenes Bild. Bevorzugter Ort der Kolonialisierung ist der Teil des Dickdarms, der dem Caecum (Krummdarm) am nächsten liegt.

Hier verdrängten sie zum Beispiel Clostridium coccoides, eine Art, die anscheinend nur in Mäusen vorkommt. Weitere temporär erhöhte Kolonienzahlen wurden am Anfang und Ende des Dickdarms beobachtet.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Eigenschaften als Probiotikum von MIMBb75 im Wesentlichen von seiner Fähigkeit zur Kolonialisierung abhängen und dem Einfluss der Kolonienbildung auf die anderen Bakterienarten.

Fazit: Auch hier wieder ein kleines Fragezeichen. Die Fähigkeit als Probiotikum ist diesem Bakterien-Stamm nicht abzusprechen. Jedoch scheint es keine durchgehende Kolonienbildung im gesamten Bereich des Darms zu geben, so dass die probiotischen Aktivitäten nur in den Segmenten gegeben sind, wo eine ausreichend hohe Besiedlung erfolgt.

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Doch noch gute Nachrichten

Die Autorengruppe aus Mailand, die den ersten hier besprochenen Artikel veröffentlicht hatte (klinische Studie mit 122 Patienten mit Reizdarmsyndrom), gab sich die Ehre und veröffentlichte 2014 eine weitere Untersuchung, bei der der Einfluss von MIMBb72 auf das Immunsystem untersucht wurde.

Murein lytic enzyme TgaA of Bifidobacterium bifidum MIMBb75 modulates dendritic cell maturation through its cysteine- and histidine-dependent amidohydrolase/peptidase (CHAP) amidase domain. – Hier erfahren wir, dass das Bakterium ein Protein auf seiner Zelloberfläche exprimiert, das TgaA genannt wird.

Dieses Protein ist homolog zu anderen immunoaktiven Proteinen anderer Bakterien-Stämme. Dieses Protein hat 2 aktive Bereiche – LT und CHAP – mit enzymatisch lysierenden Eigenschaften.

Der CHAP-Bereich erwies sich als der immunoaktive Bereich. Denn Versuche mit dem Bakterium und TgaA zeigten eine Erhöhung der Il-2-Produktion im Wirtsorganismus.

Interleukin-2 hat einen direkten Einfluss auf das Immunsystem, indem es die T-Zellen steuert. Im Thymus, wo diese T-Zellen heranreifen, verhindert Il-2 Autoimmunerkrankungen, indem es die Differenzierung von unreifen T-Zellen zu regulatorischen T-Zellen vorantreibt.

Il-2 fördert ebenfalls die Differenzierung von T-Zellen zu T-Helferzellen und T-Gedächtniszellen. Il-2 zählt zudem zu den Wachstumsfaktoren.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass MIMBb75 über sein Oberflächenprotein TgaA zu einer immunmodulierenden Wirkung beim Wirtsorganismus führt.

Nachschlag

Eine interessante Webseite ist die Beneficial Bacteria Site. Unter Review Post: The Five Best Probiotics for Irritable Bowel Syndrome wird Bifidobacterium bifidum MIMBb75 als das zweitbeste Probiotikum aufgeführt. Grund dafür war die oben diskutierte klinische Studie.

Ein weiterer Vertreter, über den ich auch schon einen Beitrag geschrieben habe, ist das VSL-3, das hier auf Platz 5 landet: VSL-3 Probiotische Balance.

Meine Einschätzung bei einem Vergleich der beiden Bakterien-Stämme: Über VSL-3 gibt es mehr wissenschaftliche Untersuchungen als über MIMBb75 im Kijimea.

Dazu kommt noch, dass VSL-3 nicht nur einen Stamm enthält, sondern deren gleich acht, unter anderem drei verschiedene Bifidobacterium-Stämme. Daher sehe ich VSL-3 nicht unbedingt auf Platz 5 der „Hitparade“, eher umgekehrt.

Zwischenfazit: Platz 2 oder 5, das tut eigentlich nur wenig zur Sache. Ich stimme zu, dass Kijimea (MIMBb75) und VSL-3 zu den wichtigeren Probiotika gehören. Die bessere Variante wäre, beide in einem neuen Produkt zu vereinen – ein Produkt mit 9 Stämmen.

Denn unsere Mikroflora im Darm ist auch nicht aus nur einem oder acht Bakterienarten aufgebaut. Wie viele es sind?

Niemand weiß das bislang. Man kennt heute um die 2000 verschiedene Bakterienarten, die das Darmmilieu benötigt, um seinen Dienst zu tun. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind es aber noch weitaus mehr.

Damit wäre auch der „Pflastereffekt“, der hier eingangs von Kijimea angesprochen wurde, eher ein Sekundäreffekt, vorausgesetzt, die Bakterien verhalten sich so wie im Video dargestellt. Aber auch ohne „Pflastereffekt“ haben Probiotika zeigen können, dass diese ein sehr gutes therapeutisches Potential besitzen.

Jahr 2024: Werbung für Kijimea ohne Ende…

Die Produktpalette hat sich mittlerweile deutlich erweitert. Hier die wichtigsten Beispiele für das erweiterte Angebot:

  1. Kijimea Reizdarm: Dieses Produkt soll speziell für die Behandlung des Reizdarmsyndroms formuliert sein und enthält den probiotischen Stamm B. bifidum MIMBb75. Es soll helfen, typische Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Unregelmäßigkeiten im Stuhl zu lindern.
  2. Kijimea Reizdarm PRO: Eine Weiterentwicklung des klassischen Kijimea Reizdarm, mit zusätzlichen Inhaltsstoffen zur weiteren Unterstützung der Darmgesundheit.
  3. Kijimea K53 Advance: Dies wird als ein „Breitband-Probiotikum“ beworben und soll eine „einzigartige Kombination aus 53 aufeinander abgestimmten Bakterienstämmen bieten“. Es enthält 21 Milliarden lebendige Mikrokulturen pro Kapsel und ist zusätzlich mit Biotin angereichert, das zur Erhaltung normaler Schleimhäute beiträgt.
  4. Kijimea Derma: Entwickelt zur Unterstützung der Hautgesundheit, enthält probiotische Bakterien und andere Inhaltsstoffe, die helfen können, Hautirritationen und allergische Reaktionen zu lindern.
  5. Kijimea Immun: Ein Produkt zur Stärkung des Immunsystems, das verschiedene probiotische Stämme und weitere Zusätze enthält, die das Immunsystem unterstützen sollen.
  6. Kijimea Regularis und Regularis Plus: Entwickelt zur Unterstützung einer regelmäßigen Verdauung und zur Verbesserung der Darmflora.

Darürberhinaus gibt es noch Kijimea Magen, Kijimea Basis 10, Kijimea Synpro 20, usw. — Die Produkt-Palette ist mittlerweile so breit geworden, dass der Verbraucher schon ein bisschen den Überblick verlieren kann.

Hypersensible Marketing-Abteilung?

Es kann juristisch problematisch sein, medizinische Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel zu kritisieren. Das gilt insbesondere dann, wenn ein konkreter Artikel eines genannten Herstellers in der Betrachtung steht. In aller Regel verhalten sich Produzenten aber zurückhaltend, weil sie keinen Staub aufwirbeln wollen.

Die meisten Hersteller werden auch intelligent genug sein, übertriebene Werbeversprechen oder auch die Zusammensetzung eines Präparates zu verändern, wenn Kritik aufkommt. Denn sie kann ja durchaus berechtigt sein.

Die Online-Plattform arznei-telegramm.de (a-t) versteht sich als unabhängiger Informationsdienst für Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister. Die Mitarbeiter prüfen Studien über Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel und versuchen, daraus die Beweiskraft der Wirksamkeit abzuleiten.

Auch Werbekampagnen schaut sich die Redaktion des a-t an, wodurch ein kritischer Abgleich mit den Herstellerversprechen möglich ist. Das a-t scheint so akkurat zu arbeiten, dass die Redaktion nach eigenen Angaben noch nie mit gravierenden juristische Problemen zu kämpfen hatte.

Als aber das a-t 2020 einen Artikel über Kijimea Reizdarm PRO veröffentlichte, bekam die Redaktion Post von einer Anwaltskanzlei des heutigen Herstellers Synformulas. Das war die Reaktion auf einen a-t-Beitrag über Kijimea in der Rubrik „Vorsicht Desinformation“. Schon Recherche-Anfragen, die a-t fairerweise direkt an Synformulas richtete, gingen den Juristen zu weit.

Die Fragen beinhalteten „unzutreffenden Grundannahmen“. So äußerte die Redaktion Zweifel an der „wissenschaftliche Anerkennung“ der Beweiskraft der Herstellerstudien über Kijimea Reizdarm PRO. Die Strategie hinter der Recherche-Anfrage sei vermutlich der Versuch, Betriebsgeheimnisse zu erfahren und sei überhaupt von „Wettbewerbern instrumentalisiert“. Damit sei, so die Anwälte, die Unabhängigkeit von a-t infragezustellen.

Indes enthielt die Korrespondenz auch Gegenfragen der Synformulas-Anwälte an a-t. Ob man sich denn auch mit Konkurrenz-Produkten befasst hätte. Öffentlich bekundete a-t, dass dies nicht der Fall gewesen wäre, weil die „Marktbedeutung oder Werbung“ ausschlaggebend für eine Begutachtung eines Präparates sei. Laut a-t ist die Reklame für Kijimea „irreführend“.

Die Juristen der Firma sollen auch behauptet haben, dass Informationen vorliegen, dass ein Konkurrent die Berichte von a-t über Kijimea initiiert hätte. a-t bat um Offenlegung dieser „Informationen“, erhielt aber keine Antwort.

Die Frage der Anwälte, ob a-t Wissenschaftler um Stellungnahmen zu Kijimea gebeten hat, hat a-t verneint. Grund dafür sei, dass Einzelmeinungen keine Beweiskraft hätten.

Ein anderer Punkt in dem ganzen Hickhack war ein kritischer Beitrag von a-t über den Slogan „99% mehr Lebensqualität“, der sich stets nur an Fachkreise richtete. Synformulas wies darauf hin, dass der Werbespruch nicht mehr verwendet werde.

Doch a-t konnte den Slogan noch  ausfindig machen. Nun bedankten sich die Anwälte auf einmal bei a-t für den Hinweis, nicht aber, ohne nachzusetzen. Diesen Vorgang interpretiere man nun als „rechtsverbindliche Unterlassungsaufforderung“, zu der a-t nicht berechtigt sei. Das heißt aber doch wohl nicht, dass Fragen stellen verboten sein kann!

Die Anwälte forderten auch im Beitrag von a-t zitierte E-Mails in vollem Wortlaut heraus. Grund dafür seien Zweifel daran, ob die Mails in Gänze zitiert wurden. a-t wiederum versichert, dass dies der Fall gewesen wäre.

Die Kanzlei kündigte an, den Vorgang beim Presserat anzuzeigen. a-t sieht in der bizarren Auseinandersetzung den Versuch, durch juristischen Druck mundtot gemacht zu werden.

Fazit

Kijimea ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem grundsätzlich interessanten Thema eine große Marketingmaschine werden kann.

Probiotika können sinnvoll sein. Daran habe ich keinen Zweifel. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Darmtherapie, Symbioselenkung, Ernährung, Fasten und gezielten Mikrobiom Präparaten. Der Darm ist in der Naturheilkunde kein Nebenschauplatz, sondern oft einer der zentralen Ansatzpunkte. Aber genau deshalb sehe ich solche Produkte auch kritisch. Denn Darmtherapie ist mehr als eine hübsch verpackte Kapsel mit vielen Bakterienstämmen und einem Werbeversprechen.

Kijimea hat inzwischen eine ganze Produktfamilie aufgebaut: Reizdarm, Reizdarm PRO, K53 Advance, Immun, Derma, Regularis und weitere Varianten. Für den Verbraucher klingt das nach Spezialisierung. In der Praxis wird es dadurch aber eher unübersichtlicher. Welches Produkt passt zu welchem Beschwerdebild? Welche Studienlage gilt für welches Präparat? Und wo wird eine Untersuchung zu einem bestimmten Bakterienstamm auf eine ganze Produktwelt übertragen, obwohl das fachlich so nicht sauber ist?

Besonders bei Kijimea K53 Advance wäre ich zurückhaltend. 53 Mikrokulturenstämme klingen beeindruckend. Aber „viel“ ist in der Darmtherapie nicht automatisch „besser“. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Stämme, sondern ob die Stämme zum Menschen, zum Beschwerdebild und zur Situation im Darm passen. Gerade empfindliche Patienten reagieren auf breit angelegte Probiotika manchmal mit mehr Blähungen, Unruhe im Bauch oder dem Gefühl, dass der Darm noch mehr durcheinandergerät. Das wird dann gerne als Anfangsreaktion erklärt. Manchmal mag das stimmen. Manchmal passt das Präparat einfach nicht.

Ich selbst setze Kijimea in meiner Praxis nicht ein. Nicht, weil ich Probiotika ablehne, sondern weil ich mit anderen Herstellern und anderen Konzepten bessere Erfahrungen gemacht habe. Für mich zählen in der Praxis nicht Werbedruck, Fernsehspots oder Hochglanzseiten, sondern Verträglichkeit, nachvollziehbare Zusammensetzung, therapeutische Erfahrung und die Reaktion des Patienten.

Und ich sage gleich dazu: Ich erhalte von keinem Hersteller Geld, Provisionen, Rabatte oder sonstige Vorteile, wenn ich ein Präparat empfehle. Wenn ich ein Produkt gut finde, dann deshalb, weil es sich aus meiner Sicht bewährt hat. Wenn ich ein Produkt kritisch sehe, dann ebenfalls aus diesem Grund. Diese Unabhängigkeit ist mir wichtig, gerade in einem Markt, in dem Werbung, Affiliate Empfehlungen und redaktionell getarnte Verkaufsartikel oft kaum noch auseinanderzuhalten sind.

Mein abschließendes Urteil zu Kijimea lautet deshalb: Nicht alles daran ist fachlich uninteressant. Vor allem zu einzelnen Bakterienstämmen gibt es durchaus Daten, die man ernst nehmen kann. Aber die Art, wie daraus eine immer größere Produktpalette mit sehr viel Werbung gemacht wurde, überzeugt mich nicht. Für manche Menschen mag ein Kijimea Präparat einen Versuch wert sein. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Weitere Artikel zum Thema Probiotika finden Sie unter:

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Dieser Beitrag wurde erstmalig 2010 erstellt und letztmalig am 2.6.2026 ergänzt.

Eine kurze Sequenz aus meiner Online-Sprechstunde zum Thema „Darmsanierung – Was wirklich funktioniert und was nicht!“.

Chronische Verstopfung? Diese natürlichen Maßnahmen bringen den Darm wieder in Bewegung – auch im Alter

Verstopfung ist kein „Altersleiden“, sondern oft Folge von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Medikamenten oder gestörter Darmflora. In diesem Video zeige ich Ihnen, wie Sie mit natürlichen Mitteln Ihre Verdauung aktivieren – sanft, nachhaltig und ohne Abführspirale.

Was Sie erwartet – mit kurzer Erklärung, warum es wirkt:

Flohsamenschalen & Co. – Volumen schaffen, ohne zu reizen
Flohsamenschalen quellen im Darm auf und vergrößern das Stuhlvolumen. Das reizt die Darmwand sanft zur Bewegung – ohne die Nebenwirkungen synthetischer Abführmittel. Wichtig: immer mit ausreichend Wasser kombinieren.

Richtig trinken – nicht zu viel, sondern gezielt
Flüssigkeit ist Voraussetzung für einen weichen Stuhl. Aber: Wer den ganzen Tag über nur schluckweise trinkt, bringt kaum Bewegung in den Stoffwechsel. Besser: morgens warmes Wasser auf nüchternen Magen – das regt die Darmreflexe an.

Bewegung – das natürliche Peristaltik-Training
Schon 10–15 Minuten Gehen, leichtes Dehnen oder gezielte Bauchmuskelbewegung reichen oft aus, um die Darmtätigkeit zu fördern. Bewegung wirkt auf das enterale Nervensystem – das „zweite Gehirn“ im Bauch –, das für die Darmmotilität zuständig ist.

Pflanzliche Mittel – Hilfe ja, Gewohnheit nein
Bitterstoffe aus Enzian, Löwenzahn oder Artischocke regen Leber und Galle an – das verbessert die Fettverdauung und kann den Stuhlgang erleichtern. Andere Pflanzen wie Faulbaum oder Sennes sind nur kurzfristig geeignet – sie reizen den Darm direkt und machen auf Dauer abhängig.

Fermentierte Pflaumen – lebendige Hilfe aus dem Glas
Produkte wie die „Share Pflaume“ kombinieren natürliche Ballaststoffe mit probiotischer Wirkung. Die enthaltenen Enzyme und Mikroorganismen unterstützen den Aufbau einer gesunden Darmflora – oft ein entscheidender Faktor bei chronischer Obstipation.

Gezielte Mikronährstoffe – Magnesium & Vitamin C
Magnesium wirkt entspannend auf die glatte Muskulatur – auch im Darm. Vitamin C in höheren Dosen (als Ascorbat) zieht Wasser in den Darm und macht den Stuhl weicher. Beide Substanzen wirken ohne Reizwirkung und können individuell dosiert werden.

Wer sich für das Thema Darmsanierung interessiert, hier einige meiner Artikel dazu:

Die komplette Aufzeichnung der Online-Sprechstunde finden Sie übrigens hier:

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Dieser Beitrag wurde am 07.07.2025 erstellt.

Digitale Illustration: Vergleich zwischen beschädigten „Zombie-Zellen“ und gesunden Zellen mit aktiver Autophagie, Zellreinigung und Regeneration.

Man nennt sie „Zombie-Zellen“ – und das ist ausnahmsweise mal kein übertriebener Begriff. Es handelt sich um sogenannte seneszente Zellen, also alte, beschädigte Körperzellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht abgebaut werden. Sie bleiben wie Untote im Gewebe und senden dabei ein Dauerfeuer an schädlichen Botenstoffen aus. Entzündung, Erschöpfung, beschleunigte Alterung – vieles lässt sich heute mit diesen Zellen in Verbindung bringen.

Die gute Nachricht: Wir sind ihnen nicht ausgeliefert. Wer seinen Körper kennt, kann aktiv gegensteuern – auf ganz natürliche Weise.

Was Zombie-Zellen im Körper anrichten

Solange wir jung und gesund sind, entsorgt unser Organismus seneszente Zellen zügig. Mit zunehmendem Alter aber häufen sie sich an – besonders in Geweben mit hoher Zellteilung wie Haut, Blutgefäßen, Gelenken oder dem Immunsystem.

Darstellung der Ausbreitung zellulärer Seneszenz: Eine primär seneszente Zelle löst durch parakrine Signalweitergabe die Seneszenz benachbarter Zellen aus.

Typische Folgen:

  • Stille Entzündungen, die das gesamte Körpersystem belasten
  • Immunschwäche und erhöhte Infektanfälligkeit
  • Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf vertreiben lässt
  • Hautalterung, Gelenkschmerzen, Muskelschwäche

Was man früher einfach als „Alterserscheinung“ abgetan hat, ist heute messbar – und in Teilen reversibel.

Und da stellt sich jetzt sofort die Frage: WIE?

Der natürliche Gegenspieler: Zellreinigung durch Fasten

Ich bin seit 25 Jahren in der Fastenbegleitung tätig, und kaum ein Verfahren hat in dieser Zeit so viele positive Effekte gezeigt wie das Heilfasten. Heilfasten war auch das erste Heilverfahren, das mir Ende der 90er Jahre aus zahlreichen „Gesundheitskrisen“ herausgeholfen hat. Während des Fastens schaltet der Körper von Wachstum auf Reparatur um. Es läuft ein Prozess ab, den man Autophagie nennt – eine Art zelluläre Müllabfuhr. Dabei werden nicht nur beschädigte Zellbestandteile recycelt, sondern auch seneszente Zellen abgebaut.

Diese Autophagie ist mittlerweile wissenschaftlich gut dokumentiert – und sie liefert die biochemische Erklärung für einen Begriff, den wir Naturheilkundler seit Jahrzehnten verwenden: Entschlackung.

Auch wenn dieser Begriff lange belächelt wurde – was wir in der Praxis sahen, hatte Hand und Fuß. Schon damals sprachen wir von „Schlacken“ und „Zellmüll“, von Reizüberflutung und Überlastung der Entgiftungsorgane. Und obwohl es damals noch keine MRT-Bilder oder Biomarker für seneszente Zellen gab, wussten wir: Wer fastet, entlastet – nicht nur den Darm, sondern den ganzen Menschen.

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Seneszente Zellen und Autophagie – wie hängt das zusammen?

Autophagie schützt vor Seneszenz
Wenn die Autophagie gut funktioniert, wird Zellschrott frühzeitig entfernt. Dadurch wird Zellstress reduziert, z.B. durch beschädigte Mitochondrien oder oxidierten Zellmüll. Die Folge: Zellen bleiben länger jung.

Fehlende Autophagie fördert Seneszenz
Wenn die Autophagie blockiert ist (z.B. durch Überernährung, Alter, Entzündung, Medikamente), sammeln sich Schäden an, was Seneszenz auslösen kann. Die Folge: Die Zelle fährt in den Dauerstillstand.

Aber: Seneszente Zellen können sich Autophagie teilweise entziehen
Viele seneszente Zellen sind autophagieresistent. Das heißt:
– Sie sind nicht mehr in der Lage, sich selbst zu „verdauen“.
– Sie überleben trotz massiver innerer Schäden – und scheiden weiter SASP-Faktoren aus.

Immunzellen + Autophagie = doppelte Müllabfuhr
In einem gesunden Organismus werden seneszente Zellen entweder durch Autophagie selbst oder durch das Immunsystem entfernt (z.B. durch zytotoxische T-Zellen). Die Folge:  Wenn beides versagt, akkumulieren sie im Gewebe.

Warum diese Zellen nicht einfach verschwinden

Seneszente Zellen sind keine bloßen Zellleichen – sie sind aktiv. Und eigentlich hat unser Körper Mechanismen, um sie zu beseitigen. Neben der Autophagie spielt dabei vor allem das Immunsystem eine zentrale Rolle: zytotoxische T-Zellen, auch CD8?-T-Zellen genannt, erkennen und zerstören diese Zellen gezielt. Sie tun das ähnlich wie bei virusbefallenen oder entarteten Krebszellen – mit Präzision, nicht mit Flächenbombardement.

Doch mit dem Alter lässt diese Fähigkeit nach:

  • Das Immunsystem verliert an Durchsetzungskraft (Stichwort: Immunseneszenz)
  • Seneszente Zellen tarnen sich – mit Molekülen wie PD-L1 oder HLA-E
  • Manche senden sogar Signale aus, die die Immunabwehr aktiv blockieren

Die Folge: Die „Zombie-Zellen“ bleiben – und breiten sich parakrin weiter aus. Eine entgleiste Kettenreaktion im Gewebe, vergleichbar mit einem faulen Apfel in der Schale.

Seneszente Zellen und Krebszellen – Was ist der Unterschied?

Was viele übersehen: Seneszente Zellen und Tumorzellen sind biologisch grundverschieden – aber funktionell gefährlich nahe beieinander. Seneszente Zellen teilen sich nicht mehr, sie wachsen nicht – und gerade das macht sie trügerisch.

Im Gegensatz zu Tumorzellen sind sie kein wild wucherndes Gewebe.
Aber sie senden entzündliche Botenstoffe aus, verändern ihre Umgebung, treiben Nachbarzellen in die Seneszenz – und schaffen so ein chronisch gestresstes, immunschwaches Milieu. Ein idealer Nährboden für echte Krebszellen.

Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

Merkmal Seneszente Zelle Tumorzelle
Zellteilung dauerhaft blockiert entgleist und unkontrolliert
Wachstum gestoppt aggressiv, invasiv
Zellzyklus blockiert durch p16/p21 durch Onkogene reaktiviert
Zellfunktion metabolisch aktiv, aber gealtert entdifferenziert, funktionslos
Signalwirkung pro-inflammatorisch (SASP) transformierend, oft immunflüchtig
Beseitigung durch Autophagie oder Immunsystem (sollte) häufig Resistenz gegen Apoptose
Immunerkennung möglich, aber mit zunehmender Tarnung häufig maskiert oder immunsuppressiv

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Weitere naturheilkundliche Ansätze

Auch außerhalb des Fastens können wir viel tun, um den Körper im Umgang mit Zombie-Zellen zu unterstützen. Hier nur einige Ideen:

  • Pflanzenstoffe wie Quercetin und Fisetin (in Zwiebeln, Äpfeln, Erdbeeren): wirken senolytisch oder senomorph – also abbauend oder beruhigend.
  • Bewegung: Aktive Muskeln setzen Myokine frei, die Entzündungen hemmen und das Immunsystem schärfen.
  • Schlaf und Licht: Ein stabiler Tag-Nacht-Rhythmus stärkt die zelluläre Regeneration.
  • Kälte- und Wärmereize: Sauna, Kneipp, Eisbäder fördern Mikrozirkulation und Zellstress-Adaption.
  • Stressreduktion: Cortisol unterdrückt die Immunabwehr – Achtsamkeit, Atemübungen, Stille sind tief wirksam.

Fazit aus der Praxis

Wenn Patienten fragen, was sie gegen chronische Entzündung, Abgeschlagenheit oder vorzeitige Alterung tun können, spreche ich längst nicht mehr nur über Laborwerte oder Nahrungsergänzung. Ich rede über Zellhygiene.

Zombie-Zellen sind kein Schicksal. Wer ihren Einfluss begrenzen will, muss seinem Körper wieder erlauben, sich selbst zu regulieren. Fasten aktiviert Prozesse, die früher als Entschlackung belächelt wurden – heute nennen wir sie Autophagie und Senolyse.

Und auch die „Killerzellen“ unseres Immunsystems kann man unterstützen – mit Bewegung, Licht, Naturstoffen und gezielter Immunpflege.

Heilfasten ist dafür mein Mittel der Wahl – ergänzt durch Naturheilkunde, Bewegung und ein bewusstes Leben.

Je weniger Zellmüll wir mit uns herumschleppen, desto klarer wird der Blick.
Und desto lebendiger fühlen wir uns.

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Der Beitrag wurde am 16.6.2025 erstellt und bereits am 19.6.2025 umfassend ergänzt.

 

Eine Frau steht mit dem Rücken zur Kamera in einem Supermarkt und schiebt einen Einkaufswagen durch eine Reihe mit Fertigprodukten.

Wer heute in den Supermarkt geht, hat 80 % Risiko, seiner Gesundheit zu schaden – und nennt das dann Einkaufen.

Es klingt dramatisch, aber genau das ist der Kern einer ernährungspolitischen Tragödie, die wir seit Jahrzehnten erleben. Die Mehrheit der Produkte in deutschen Supermärkten besteht aus sogenannten ultraverarbeiteten Lebensmitteln (Ultra-Processed Foods, UPFs). Sie sind billig, haltbar, praktisch – und machen uns krank. Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Depression, Demenz.

Die Liste der Folgen ist lang. Und der Zusammenhang ist inzwischen gut dokumentiert. Dazu hatte ich bereits einmal hier ausführlicher geschrieben: Supermarkt-Fertiggerichte: Die Gefahr durch industriell verarbeitete Nahrungsmittel

Wir müssen aber nochmal von vorne beginnen und fragen:

Was sind „ultraverarbeitete Lebensmittel“?

Ultraverarbeitete Lebensmittel (UPF) sind keine klassischen Fertigprodukte. Es sind industriell konstruierte Produkte, die mit normalen Lebensmitteln nur noch wenig zu tun haben. Grundlage ist meist ein Gemisch aus Auszugsmehlen, Zucker, Pflanzenfett, Proteinisolaten, Aromen, Verdickungsmitteln und Emulgatoren. Hergestellt werden sie in chemischen oder physikalischen Verfahren, nicht in der Küche.

Typische UPFs sind:

  • Frühstücksflocken mit Vitaminen
  • Proteinriegel, Fitnessdrinks
  • Vegane Wurst oder pflanzlicher Käse
  • Tiefkühllasagne, Mikrowellenmahlzeiten
  • Chips, Kekse, Schokoriegel
  • Softdrinks, Light-Getränke, „Zero“-Limos

Wer die Zutatenliste nicht versteht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein UPF in der Hand.

Die NOVA-Klassifikation teilt Lebensmittel in vier Gruppen ein. UPFs entsprechen der Stufe 4: industriell formulierte Mischungen mit wenig bis gar keinem echten Lebensmittelanteil.

Die Verarbeitungstiefe, nicht die Zutaten selbst, macht das Risiko aus.

Was die Wissenschaft sagt: Zahlen, die aufrütteln

Die Heart and Stroke Foundation of Canada hat 2024 gemeinsam mit der Universität Montreal eine Analyse veröffentlicht:

  • Über 17.000 Todesfälle pro Jahr in Kanada lassen sich direkt auf UPF-Konsum zurückführen
  • 96.000 neue Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen pro Jahr
  • Fast 400.000 verlorene gesunde Lebensjahre aufgrund von Schlaganfällen, Herzinfarkten und chronischer Herzinsuffizienz
  • Männer besonders betroffen: 61 % der UPF-bedingten Fälle traten bei ihnen auf

Eine weitere Studie aus den USA, veröffentlicht im Fachjournal Neurology, zeigte: Bereits eine Steigerung des UPF-Anteils um 10 % erhöht das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen um 16 %, das Schlaganfallrisiko um 8 %.

Die bisher größte „Umbrella Review“ im British Medical Journal (2024) analysierte Daten von fast 10 Millionen Menschen und kam zu folgendem Ergebnis:

  • 32 nachgewiesene Gesundheitsrisiken, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Depressionen, Asthma, Krebs und Demenz
  • Jede weitere UPF-Portion pro Tag erhöht das Risiko für:
    • Fettleibigkeit um 7 %
    • Bauchfett um 5 %
    • Diabetes Typ 2 um 12 %
  • Besonders bedenklich: verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, Hot Dogs und Schinken. Deswegen essse ich weder Schinken, Würstchen oder ähnliches. Überhaupt: Schwein meide ich wie die Pest. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema, siehe: Ist Schweinefleisch ungesund? Ausführlicher Bericht von Dr. Reckeweg

Warum diese Produkte so gefährlich sind

  1. Appetithijacking durch gezielte Rezeptur

UPFs kombinieren gezielt Zucker, Fett, Salz und Geschmacksverstärker in einem Verhältnis, das unser Belohnungssystem maximal stimuliert. Dopamin wird ausgeschüttet, Sättigungssignale werden unterdrückt. Ergebnis: Man isst weiter, obwohl man längst genug hat. Das ist kein Zufall – das ist „industrielle Absicht“; zumindest ist das meine Meinung.

  1. Darmbarriere und Mikrobiom leiden

Emulgatoren wie Polysorbat 80 oder Carboxymethylcellulose greifen die Schleimschicht im Darm an. Die Folge: „Leaky Gut“ und chronische Entzündungen.

Süßstoffe wie Sucralose oder Acesulfam-K stören die Mikrobiota – mit Auswirkungen auf Immunabwehr, Psyche und Stoffwechsel. Auch dazu habe ich bereist hinreichend berichtet.

  1. Oxidativer Stress und Zellalterung

UPFs enthalten oxidationsanfällige Fette, erhitzen Proteine bei hoher Temperatur (Maillard-Reaktionen) und liefern kaum Antioxidantien. Das fördert Zellschäden, beschleunigt Alterungsprozesse und triggert chronische Krankheiten.

Die politische Dimension: Kein individuelles Versagen

UPFs sind kein Lebensstilproblem. Sie sind das Ergebnis eines Systems, das falsche Anreize setzt:

  • Subventionen für Agrarindustrie, nicht für Vielfalt oder Regionalität
  • Kindermarketing für Snacks und Zuckerbomben, auch interessant: Zucker – der süße Kassenschlager
  • Schulverpflegung voller Billigprodukte
  • Etikettenschwindel: „Mit Vitamin D“ oder „Bio“ überdecken industrielle Machart

Gesunde Lebensmittel sind oft teurer, schwerer verfügbar und zeitaufwendiger zuzubereiten.

Wer auf UPFs zurückgreift, tut das selten aus Ignoranz, sondern weil das System genau diese Entscheidungen begünstigt.

Was Sie stattdessen essen sollten: Praxis statt Panik

  1. Küche entrümpeln

Alles raus, was mehr als 5 Zutaten hat und Zutaten enthält, die Sie selbst nicht verwenden würden. Das ist der erste Schritt. Wenn Sie überfordert sind: Beginnen Sie mit dem Frühstück. Und alle Süßigkeiten auch gleich mit raus.

  1. Echte Lebensmittel einkaufen
  • Eier, Fisch, Fleisch aus artgerechter Haltung
  • Wurzelgemüse, Salate, Sprossen
  • Obst der Saison
  • Fermente (Kefir, Sauerkraut, Miso)
  • Nüsse, Samen, Gewürze

Das sind nur ein paar Ideen. Eine ausführliche Liste habe ich hier: Liste – Gesunde Lebensmittel mit Tabellen – Aber auch die muss man differenziert betrachten vor dem Hintergrund der „Belastung“ (Pestizide, Schwermetalle, Mikroplastik und vor allem auch Verträglichkeit / Allergien).

  1. Trinken umstellen

Statt Limos: Wasser, ungesüßter Tee, verdünnte Gemüsesäfte. Ich sage: Euer Körper besteht aus Wasser und nicht aus Limo! Zur Cola hatte ich bereits hinreichend geschrieben: Warum ist Cola schwarz? Erschreckende Erkenntnisse!

  1. Vorbereiten und vorkochen

Planung verhindert Rückfälle. Kochen Sie Suppen, Eintöpfe, Hühnerkraftbrühe. Schneiden Sie Gemüse vor. Haben Sie gesunde Snacks griffbereit. Ich persönlich bin ein Fan davon Mahlzeiten zu finden die man jeden Tag gerne essen würde UND die gesund sind. Glauben Sie nicht? Macht nichts. Fordern Sie mal meinen kosten Newsletter zur Ernährung an:

Die naturheilkundliche Sicht: Regeneration ist möglich

Wer über Jahre hinweg UPFs gegessen hat, kann die Spuren mildern. Und das ist der „nächste Part“! Das ist auch das womit ich mich täglich in der Naturheilpraxis auseinandersetzen muss.

Hier ein paar Ideen worum es gehen kann:

Wie gesagt: das sind nur ein paar Ideen.

Das sind alles Dinge über die ich seit Jahren schreibe und lehre.

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Fazit

Die Industrie wird nicht aufhören, neue UPFs zu entwickeln. Sie werden bunter, ökologischer, veganer – aber nicht gesünder. Die Entscheidung bleibt bei Ihnen.

Wer auf echte Lebensmittel setzt, tut nicht nur seinem Herzen, Hirn und Darm einen Gefallen. Er setzt ein Zeichen gegen ein krankmachendes System.

Gesunde Ernährung ist kein Trend. Sie ist Widerstand und Naturheilkunde erster Klasse!

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Wenn es um den Einfluss des Fastens auf das Muskelwachstum geht, betreten wir ein Terrain voller Widersprüche. Seit 25 Jahren begleite ich Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Vitalität, und das Fasten ist eines der faszinierendsten Werkzeuge in diesem Bereich. Es birgt große Potenziale für die Selbstheilung des Körpers. Doch eine Frage kommt immer wieder: Was ist mit den Muskeln beim Fasten?

Und die „Fastenkritiker“ führen auch diesen Punkt als Kritik immer wieder an. Schauen wir also mal hin.

Der schmale Grat zwischen Muskelabbau und -aufbau

Fasten bedeutet, dem Körper über einen bestimmten Zeitraum keine oder nur sehr wenige Kalorien zuzuführen. Dabei beginnt er, auf gespeicherte Energiereserven zurückzugreifen. Fettreserven sind dabei bevorzugte Quellen, doch auch Muskelprotein kann als Energiequelle herangezogen werden, wenn die Fastenperiode zu lange andauert oder nicht durch adäquate Ernährung und Training begleitet wird. Im Beitrag Fasten & Fastenphysiologie – Was passiert beim Fasten eigentlich? gehe ich ausführlicher darauf ein.

Positive Effekte des Fastens auf die Muskulatur

  1. „Schlankere Muskeldefinition“
    Durch das Fasten werden die Glykogenspeicher in den Muskeln abgebaut. Das kann zu einer besseren Definition und einer magereren Muskelstruktur führen – ein Effekt, den viele Sportler gezielt nutzen, um ihre Körperkonturen zu schärfen.
  2. mTOR-Stimulation und Proteinsynthese
    Ein entscheidender Faktor für das Muskelwachstum ist der mTOR-Signalweg, der für die Proteinsynthese verantwortlich ist. Nach einer Fastenperiode kann die gezielte Aufnahme von mindestens 30 Gramm hochwertigem Protein diesen Weg besonders effektiv stimulieren und damit das Muskelwachstum optimieren.
  3. Testosteronsteigerung bei Männern
    Studien zeigen, dass intermittierendes Fasten die Testosteronwerte bei Männern um bis zu 1300 % steigern kann. Testosteron ist einer der Haupttreiber für Muskelwachstum und -erhalt. Diese Hormonantwort kann besonders bei moderaten Fastenfenstern wie dem Intervallfasten von 13 bis 15 Stunden beobachtet werden. Siehe dazu:
  4. Verbesserte Insulinsensitivität
    Insulin ist das Schlüsselhormon für den Nährstofftransport in die Muskelzellen. Ein gesunder Insulinhaushalt bedeutet, dass der Körper Nährstoffe effizienter in die Muskeln schleusen kann, was sich langfristig positiv auf den Muskelaufbau auswirkt.

Die Schattenseite des Fastens – Gefahr des Muskelabbaus

  1. Kataboler Zustand
    Während des Fastens schaltet der Körper auf Energiesparmodus und beginnt, alternative Energiequellen zu erschließen. Besonders bei längeren Fastenphasen kann der Körper Muskelprotein abbauen, um Aminosäuren für die Energiegewinnung zu nutzen. Aber das stimmt nur bedingt, siehe mein Beitrag: Ist Fasten gefährlich weil Körpereiweiß verbraucht wird?
  2. Cortisolanstieg
    Langes Fasten kann die Ausschüttung von Cortisol, dem Stresshormon, erhöhen. Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel fördert den Muskelabbau und hemmt gleichzeitig den Muskelaufbau.
  3. Abnahme der Muskelmasse bei übertriebenem Fasten
    Wer über Wochen hinweg Kalorien unterdrückt oder zu lange Fastenintervalle wählt, riskiert den Abbau der hart erarbeiteten Muskulatur. Besonders Sportler, die Kraft- und Sprinttraining betreiben, sollten darauf achten, ihre Fastenphasen nicht zu lange zu gestalten.

Wie sich Fasten und Muskelaufbau sinnvoll kombinieren lassen

  • Proteinzufuhr nach dem Fasten optimieren:
    Nach dem Fasten sollte eine ausreichende Menge an hochwertigem Protein konsumiert werden, um die Muskelproteinsynthese anzukurbeln und den Muskelabbau zu minimieren. Mehr dazu in meinen Beiträgen: Welches ist das beste Protein / Eiweiß?
  • Krafttraining als Schutzschild nutzen:
    Regelmäßiges Krafttraining ist der entscheidende Faktor, um Muskelmasse während des Fastens zu erhalten. Besonders das Training mit schweren Gewichten setzt starke anabole Reize, die den Abbau von Muskelprotein verhindern. Aber Achtung! Auch hier gibt es einiges zu beachten: Sport und Fasten
  • Moderates Fasten statt radikaler Entbehrung:
    Die optimale Fastendauer hängt vom individuellen Ziel ab. Ein 16:8-Intervallfasten (16 Stunden fasten, 8 Stunden essen) kann Vorteile für Fettabbau und Muskelwachstum kombinieren, während mehrtägiges Fasten gezielt eingesetzt werden sollte, um Regenerationsprozesse zu aktivieren.
  • Individuelle Anpassung statt starrer Dogmen:
    Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Fasten. Während Marathonläufer oft Muskelmasse verlieren, um ihre Energiebereitstellung zu optimieren, profitieren Sprinter und Kraftsportler von einem gezielt eingebauten Fasten mit angepasster Nährstoffzufuhr.

Fazit – Fasten als Werkzeug, nicht als Selbstzweck

Fasten ist ein mächtiges Instrument, das, richtig angewendet, die Muskelgesundheit fördern kann. Wer es jedoch übertreibt oder nicht mit der richtigen Ernährung und dem passenden Training kombiniert, riskiert Muskelverluste. Ein bewusster und individueller Ansatz ist der beste Weg, um von den regenerativen Effekten des Fastens zu profitieren, ohne dabei die mühsam aufgebaute Muskelmasse zu opfern. Denn eines ist sicher: Der Körper braucht Nahrung – nicht nur in Form von Kalorien, sondern auch in Form kluger Strategien, um gesund und stark zu bleiben.

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Eine kurzer Ausschnitt aus meiner Online-Sprechstunde zum Thema „Optimale Dosierung und Anwendung: Ein Leitfaden für natürliche Heilmittel“:

In meinen mehr als 25 Jahren in der Naturheilpraxis habe ich oft beobachtet, dass viele Menschen ein völlig falsches Verständnis davon haben, was ein gesunder Stuhlgang ist. Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist der chronische Missbrauch von Abführmitteln – ein Problem, das ich nicht oft genug ansprechen kann. Ich hatte dazu auch schon einiges veröffentlicht:

Viele Patienten, die in meine Praxis kommen, haben sich im Laufe der Jahre an einen Zustand gewöhnt, den sie für „normal“ halten, der es aber bei Weitem nicht ist. Ein weicher, breiiger Stuhlgang, der oft mit einem hohen Verbrauch an Toilettenpapier einhergeht, wird häufig als Standard angesehen. Doch aus naturheilkundlicher Sicht ist das alles andere als „gesund“.

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Ein gesunder Stuhlgang ist fest, wohlgeformt und wurstartig – um es ganz direkt zu sagen. Er sollte von einer leichten Schleimhülle umgeben sein, was dafür sorgt, dass der Darm seine Arbeit sauber und effizient verrichtet. Wenn Sie nach dem Toilettengang kaum Toilettenpapier benötigen, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass Ihre Darmfunktion intakt ist.

Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Abführmittel werden heute von vielen Menschen regelmäßig eingenommen, häufig ohne sich der langfristigen Folgen bewusst zu sein. Mehr dazu auch hier: Mittel gegen Verstopfung: Helfen Abführmittel (Laxantien)?

Das Problem: Diese Mittel greifen tief in die natürliche Darmtätigkeit ein und führen auf Dauer dazu, dass der Darm träge wird. Die Patienten berichten mir dann oft, dass sie nicht mehr „ohne“ können – ein klassisches Beispiel für einen Teufelskreis.

Die Naturheilkunde verfolgt hier einen ganz anderen Ansatz. Unser Ziel ist es, die natürliche Funktion des Darms wiederherzustellen, anstatt ihn mit chemischen Mitteln zu überfordern. Es geht darum, das Gleichgewicht der Darmflora zu fördern und dem Körper Zeit zu geben, sich selbst zu regulieren. Zur Dramflora übrigens hier mein ausführlicher Grundsatzbeitrag: Darmbakterien im Fokus: Wie sie Krankheiten beeinflussen und warum sie wichtig sind

Aus meiner Sicht wichtig: die eigene Wahrnehmung von „normal“ zu hinterfragen.

Viele Menschen glauben, es sei ausreichend, „irgendwie“ Stuhlgang zu haben, solange sie keine direkten Beschwerden haben. Doch ich sage Ihnen: Qualität ist hier wichtiger als bloße Quantität. Wer ständig mit breiigem Stuhlgang kämpft, muss sich fragen, ob die Ursache vielleicht tiefer liegt – sei es in der Ernährung, der Lebensweise oder eben im dauerhaften Missbrauch von Abführmitteln.

Meine Erfahrung zeigt, dass mit einer Umstellung der Lebens- und Essgewohnheiten erstaunliche Verbesserungen möglich sind. Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und eine bewusste Pflege der Darmflora können oft mehr bewirken als jedes Abführmittel.

Die komplette Aufzeichnung der Online-Sprechstunde finden Sie übrigens hier: Video Online Sprechstunde „Die Kraft der Natur“ mit René Gräber

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Lebensmittel mit dem Bio-Siegel werden längst nicht mehr nur von einer ökologisch engagierten Minderheit gekauft. Auch die Discounter haben bereits vor Jahren den Gesundheitstrend erkannt und ihr Warensortiment um viele Produkte aus kontrolliertem Anbau erweitert, die das Label „Bio“ tragen. Alle wollen 100 % Bio und das hat weit reichende Rückwirkungen auf den weltweiten Anbau umweltverträglicher, gesunder und chemiefreier Agrarerzeugnisse.

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Beim Einkauf schau ich mir gerne die Waren an und die Menschen die das einkaufen. Und ich stelle immer wieder fest: Diese Waren korrelieren mit dem Aussehen der Käufer.

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Welche Butter ist am gesündesten? Dieser Frage ging Ökotest in seiner Veröffentlichung vom Dezember 2022 nach und hatte sich eine Reihe von Buttermarken vorgenommen.

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