Leberversagen
Leberversagen - Wenn die Leber
aufgibt...
Bei einem Leberversagen kommt es zu einem vollständigen Funktionsverlust mit weitreichenden Folgen für den
gesamten Organismus. Wird keine Lösung für dieses Problem gefunden, endet das Leberversagen tödlich...
Leberfunktion: Der gesunden Leber kommen zentrale Aufgaben u.a. bei
unterschiedlichen Stoffwechselprozessen, der Fettverdauung sowie der Entgiftung des Blutes zu. Hierfür ist das
Gewebe speziell strukturiert, die Leber besonders aufgebaut.
Die Prozesse der Leber werden dann gestört, wenn es zu einer Schädigung oder Zerstörung von Leberzellen
(Hepatozyten) kommt. Bedingt durch die unterschiedlichen Funktionen sind die Ursachen für ein vollständiges
Versagen vielfältig.
Das akute oder fulminante Leberversagen droht bei einer Zellschädigung durch Noxen (Leberschäden durch Gifte) oder bei schwere Entzündungen mit folgender Nekrose
(Zelluntergang). Und auch eine massive Leberzellverfettung (siehe Fettleber) kann
zum Ausfall der Leberfunktionen führen.
Ursachen und Auslöser für ein Leberversagen
Auslöser sind v.a. verschiedene Hepatitis-Formen
(Virushepatitis, alkoholische Fettleberhepatitis), die Cholangitis (Entzündung der Gallengänge), toxische
Substanzen (Pilzgifte, Medikamente, Halothan), Kräuter (z.B. Johanniskraut) und auch das Reye-Syndrom (spezielle
Erkrankung mit Enzephalopathie und massiver Leberverfettung).
Symptome für ein Leberversagen
Das akute Leberversagen ist gekennzeichnet durch die Kombination verschiedener "Lebersymptome". Deutlich sichtbare Leberzeichen sind die Gelbfärbung von Haut und Skleren (Ikterus) sowie der häufig auftretende Aszites
(Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle). Daneben kommt es zu Gerinnungsstörungen, hepatischer
Enzephalopathie (mit drohendem hepatischem Koma), Störungen des Hormonsystems sowie drohendem Nierenversagen. Eine
deutliche Abweichung verschiedener Leberwerte läßt sich
feststellen.
Das Leberversagen lässt sich unterteilen in fulminant, akut und subakut. Zum fulminanten
Leberversagen kommt es innerhalb von sieben Tagen nach Erkrankung. Die akute Form zeigt sich (wie auch die anderen
Formen) mit enzephalopathischen Symptomen und führt innerhalb von vier Wochen zum totalen Ausfall aller
Leberfunktionen, während das subakute Leberversagen erst nach einer Erkrankungsphase von über vier Wochen
droht.
Bedingt durch die gestörte oder vollständig eingestellte Funktion der Leber kommt es zu einer Vielzahl
unterschiedlicher klinischer Bilder. Durch den Verlust der Entgiftungsfunktion wird das ZNS (Zentrales
Nervensystem) in Mitleidenschaft gezogen.
Der Ammoniakspiegel (NH3) steigt und führt durch Umbauprozesse zu einer Anhäufung von Glutamin (dient
physiologisch der Wassereinlagerung = Vergrößerung von Zellen). Es drohen die hepatische Enzephalopathie
(Beeinträchtigung der Hirnfunktion durch Vermehrung von Hirnzellen (Gliose) und einströmendem Chlorid in die
Neurone, was den gesamten Organismus schädigen kann und u.U. zum Koma führt), sowie Hirnödeme (besonders bei
raschem Anstieg von Ammoniak), die bei schweren Enzephalopathieformen ausgebildet werden, das ZNS schädigen,
ebenfalls zum Koma führen und als Haupttodesursache des fulminanten Verlaufs gelten.
Durch Ausfall der Regulationsfunktion des Zuckerhaushaltes kommt es zu einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) mit
drohendem Bewusstseinsverlust. Die Gerinnungsstörung kann zu gastrointestinalen Blutungen führen.
Die Lunge kann ödematös anschwellen und so zu Atemproblemen führen. Zusätzlich ist der gesamte Organismus extrem
anfällig in Bezug auf Infektionen (v.a. durch eine gestörte Phagozytosefunktion, verantwortlich für ca. 10 Prozent
aller Todesfälle).
Ein (drohendes) Leberversagen stellt immer eine Indikation zur sofortigen Therapie dar.
Die intensivmedizinische Betreuung zielt vor allem auf eine Beseitigung der Störungen im ZNS ab.
In schweren Fällen kann nur die Transplantation einer Spenderleber als lebenserhaltende Maßnahme gewählt
werden.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert
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