Bierhefe: Wirkung, Anwendung, Studien
Viel Geld wird ständig in die Entwicklung neuester Schönheitsprodukte und Nahrungsergänzungsmittel gesteckt - dabei ist Altbewährtes oft immer noch am
besten.
Dies trifft auch auf die Bierhefe zu, ein Produkt, wie der Name schon verrät, welches in der Kunst des
Bierbrauens eingesetzt wird, aber auch als Supplement in Form von Bierhefe-Tabletten sehr interessant ist.
Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) enthält eine Fülle an essentieller Aminosäuren, welche wichtig für die
Funktionen des Körpers sind. Aminosäuren sind letztenendes nichts anderes als die Bestandteile der Proteine, der Baustoff
für unsere Zellen.
Doch das ist bei weitem noch nicht alles, denn dieses "Anti-Aging-Supplement" enthält darüber hinaus auch noch
die Vitamine E, H, B1, B2, B3, B5, B6, B9 und B12. Neben der Vielzahl an Vitaminen sind auch viele Mineralien und
Spurenelemente wie etwa Zink, Natrium, Kalium, Magnesium, Phosphor, Schwefel und Kupfer enthalten, welche alle in
einem gesunden Körper benötigt werden.

Natürlich finden sich all diese Elemente auch in anderen gesunden Lebensmitteln, jedoch lässt Stress und
sonstige Probleme nicht immer eine absolut perfekte Ernährung zu, welche alle Vitamine und Spurenelemente
umfasst.
In solchen Situationen bietet sich Bierhefe in Form von Bierhefetabletten an. Aber auch für Sportler ist
Bierhefe sehr interessant, denn auch bei bereits guter Ernährung benötigt ein Sportler zumeist mehr Vitamine und
Mineralien als ein Nicht-Sportler, sodass Bierhefe eine gute und natürliche Nahrungsergänzung sein kann, die der
Sportler haben kann, welche auch schnell und unkompliziert in Form von Bierhefetabletten eingenommen werden
kann.
Schon im 16. Jahrhundert wurde Bierhefe als Anti-Aging-Produkt gefeiert und heute erfährt es eine kleine
Renaissance, denn es hilft sehr gut bei Problemen mit der Haut, den Nägeln und den Haaren.
Letztenendes scheint Bierhefe auch noch den Stoffwechsel positiv zu beeinflussen, weshalb Bierhefetabletten auch
zum Abnehmen im Rahmen einer Diät eingesetzt werden.
Bierhefe steht also in dem Ruf, eine Reihe von gesundheitlichen Vorteilen aufzuweisen. In der Wissenschaft
wird die Hefe aber eigenartigerweise auf ganz andere Art und Weise genutzt. Hier ist die Hefe von Interesse als
Modellorganismus für biologisch-genetische Untersuchungen und für die Bestimmung von Gensequenzen der Hefezelle.
Untersuchungen bezüglich der gesundheitsfördernden Qualitäten der Bierhefe muss man mit der Lupe suchen. Aber wer
sucht, der findet...
Studien und Untersuchungen
Im Jahr 2005 wurde eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss eines sehr nahen Verwandten der Bierhefe auf
Durchfälle bei Kindern untersuchte.
Saccharomyces boulardii und Saccharomyces cerevisiae werden in der Literatur durchgängig als
praktisch identische Hefesorten diskutiert, so dass die durch die Studien gewonnenen Ergebnisse auf die Bierhefe
übertragen werden können.
1. “Effects of Saccharomyces boulardii in children with acute diarrhoea.” Kurugöl Z,
Koturoglu G. Department of Paediatrics, Faculty of Medicine, Ege University, Izmir, Turkey.
Die Idee der Studie war, dass Probiotika, wie Lactobacillus rhamnosus GG,
einen bedeutenden klinischen Effekt bei der Behandlung von Durchfall bei Kindern gezeigt haben. Aber dagegen
gab es praktisch kaum Untersuchungen, die den Effekt von Bierhefe auf Durchfälle untersucht hätte.
So wurden 200 Kinder per Zufallsauswahl in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt S. boulardii
(Bierhefe) in granulierter Form, 250 mg pro Tag. Die andere Gruppe erhielt ein Plazebo. Die Behandlung dauerte
insgesamt 5 Tage. Es wurde darauf geachtet, dass die klinischen und demographischen Eigenschaften bei beiden
Gruppen vergleichbar waren.
Als Resultat konnte nach 5 Tagen festgehalten werden, dass die durchschnittliche Stuhlfrequenz schon nach
dem zweiten Tag der Behandlung deutlich niedriger in der Bierhefe-Gruppe war als in der Plazebo-Gruppe. Die
Dauer der Durchfälle war in der Verum-Gruppe signifikant verkürzt. Der Effekt auf wässrigen Durchfall wurde
ebenfalls nach dem zweiten Behandlungstag deutlich. Der Krankenhausaufenthalt war in der Bierhefe-Gruppe
ebenfalls deutlich kürzer als in der Plazebo-Gruppe. Vier Kinder der Plazebo-Gruppe zeigten keine Verbesserung
des Krankheitsbildes. In der Verum-Gruppe war es nur ein Kind.
Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass Bierhefe ein sehr gutes Behandlungskonzept bei akuten
Durchfällen bei Kindern darstellt.
Eine retrospektive Literaturstudie aus dem Jahr 2007 untersuchte Daten aus vorangegangenen Studien
zur Frage, inwieweit eine durch Antibiotika ausgelöste Diarrhöe bei Kindern per Probiotika-Gabe beeinflusst
werden kann. Leider kam die Studie nicht zu sehr zwingenden Ergebnissen, teilweise auch bedingt durch ihren
retrospektiven Charakter. Ein weiterer begrenzender Effekt war, dass nur 10 Studien gefunden wurden, die die
Probiotika als Behandlungskonzept bei antibiotikabedingten Durchfällen bei Kindern einsetzten und untersuchten.
Allerdings zeichnete sich ein Bild ab, das den Probiotika, inklusive Bierhefe, einen günstigen Einfluss bei der
Behandlung von solchen Durchfällen bescheinigte.
Was bislang fast ausschließlich für Kinder gezeigt werden konnte, fasste eine retrospektive Studie (Meta-Analyse) 2008 für Erwachsene zusammen. Auch hier zeigten die für
die Kinder so vorteilhaften Probiotika den gleichen positiven Effekt bei einer antibiotikainduzierten Diarrhöe
bei Erwachsenen. Die Autoren bemerkten dazu, dass das Phänomen des Antibiotika-Durchfalls mit 25 % in
Krankenhäusern kein seltenes Phänomen ist. Hier helfen dann Probiotika, die die Darmflora restaurieren helfen und andere Darmparameter günstig beeinflussen. Aber auch hier
konnten nur 5 Studien gefunden werden, die sich dieses Themas annahmen bzw. die diese Beobachtung als
“Nebenprodukt” zeigten.
Eine kleine Studie, die den Effekt zu erklären versuchte, wurde 2006 veröffentlicht.
2. “Influence of oral intake of Saccharomyces boulardii on Escherichia coli in enteric
flora.” Akil et al. Department of Pediatric Nephrology, Celal Bayar University, Manisa, Turkey.
Wenn man davon ausgeht, dass die bakterielle Besiedlung des Darms 95 Prozent der Gesamtmenge der
Körperzellen des menschlichen Organismus ausmacht, dann kann man sich leicht ausmalen, wie wichtig diese 95
Prozent für unseren Organismus sind. Diese 95 Prozent nämlich werden beeinflusst durch Ernährung und Veränderungen in der Nahrung. Die meisten Harnwegsinfekte werden nach
schulmedizinischer Lehrmeinung bedingt bzw. verursacht durch aufsteigende Infektionen aus dem Darmbereich.
Mit der offensichtlichen Bedeutung der Darmflora für unseren Organismus wollte diese Studie herausfinden,
welchen Einfluss eine orale Bierhefe-Gabe auf die Anzahl an Escherichia coli (E. coli) ausübte. E. coli ist
bekannt dafür, dass eine zu hohe Dichte Durchfälle und andere gastrointestinale Beschwerden auslöst.
Die Studie wurde mit 14 Jungen und 10 Mädchen im Alter von 36 bis 192 Monaten (Durchschnitt 104 Monate)
durchgeführt. Eingesetzt wurde eine kommerziell erhältliche Kapsel, die 5 Milliarden kolonieformierende
Einheiten S. boulardii (Bierhefe) enthielt. Diese Kapsel wurde einmal täglich gegeben für die Dauer von 5
Tagen. Die Zahl an E. coli und Hefekolonien wurde im Stuhl der Probanden vor und nach der Kapsel-Gabe gemessen.
Vor der Behandlung betrugen die E. coli Kolonien 384.625. Nach der Behandlung sank dieser Wert deutlich ab auf
6.283. S. boulardii wurde vor der Behandlung nicht im Stuhl entdeckt. Nach der Behandlung wurden 11.047
Kolonien gemessen. Diese Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass der durchfallbremsende Effekt auf eine
Verminderung von zu hohen E. coli Kolonien zurückzuführen ist. Es bleibt aber noch zu erörtern, ob Bierhefe
nicht vielleicht auch in der Lage ist, andere unvorteilhafte Mikroorganismen im Darm zu reduzieren.
2010 zeigte eine Studie an Mäusen, dass Bierhefe noch mehr zu können scheint:
3. “Saccharomyces cerevisiae strain UFMG 905 protects against bacterial translocation, preserves
gut barrier integrity and stimulates the immune system in a murine intestinal obstruction
model.” Generoso et al. Departamento De Análises Clínicas e Toxicológicas, Faculdade de Farmácia,
Universidade Federal de Minas Gerais, Belo Horizonte, Brazil.
Diese Untersuchung an Mäusen offenbarte, dass abgetötete und lebende Bierhefezellen in der Lage waren, die
Aufnahme von schädlichen Bakterien, speziell E. coli, durch die Darmwand zu verhindern. Die Behandlung mit
Bierhefe, tot oder lebendig, stabilisierte die Darmbarriere und verhinderte somit die Aufnahme von
unerwünschten Organismen. Eine Erhöhung von Interleukin-10 fand bei beiden Formen statt, aber nur die
Lebendform erzeugte auch eine Erhöhung von IgA-Antikörpern. Diese Ergebnisse zeigen, dass Bierhefe neben seiner
darmstabilisierenden Wirkung auch das Immunsystem positiv beeinflusst.
2003 untersuchte ein Team die Frage, was passiert, wenn man Bierhefe frühgeborenen Babies verabreicht:
4. “Enteral feeding of premature infants with Saccharomyces boulardii.” Costalos et al.
Department of Neonatal Medicine, Alexandra Hospital Athens, Greece.
Die Idee war, dass Bierhefe (Saccharomyces boulardii) probiotisch wirkt und Polyamine produziert. Probiotika
verhindern ein ausuferndes Wachstum von schädlichen Mikroorganismen im Magen-Darm-Trakt. Polyamine fördern die
Darmentwicklung. So war das Ziel der Studie, zu erfahren, ob Bierhefe die Darmfunktion verbessert und
Mikroorganismen im Darm kontrollieren kann.
Es wurden 87 gesunde Babies in die Studie aufgenommen, die in einem Gestationsalter von 28 bis 32 Wochen
waren. Sie wurden zufallsbedingt aufgeteilt, um eine Standardformulierung für Frühgeborene zu bekommen, die
entweder mit Bierhefe oder Maltodextrin angereichert wurde. Dieser Zusatz wurde für die Dauer von 30 Tagen
gegeben. Beobachtungskriterien waren Verträglichkeit der Bierhefe und Gewichtszunahme, Stuhlprobenanalyse,
D-Xylose Resorption im Darm und Fettausscheidungen im Stuhl.
Als Resultat zeigte sich, dass Bierhefe von diesen Babies gut toleriert wurde. Es gab keinen Unterschied im
Gewichtszuwachs zwischen beiden Gruppen. Der E. coli- und Enterokokken-Gehalt der Stuhlproben war in der
Bierhefe-Gruppe deutlich niedriger als in der Maltodextrin-Gruppe. Auf der anderen Seite war der Gehalt an
Bifidobakterien und Staphylokokken in der Bierhefe-Gruppe deutlich höher. D-Xylose- und Fett-Resorption waren
in beiden Gruppen gleich. Als Resultat hielten die Forscher fest, dass Bierhefe von diesen Babies gut toleriert
wurde und die Darmflora insofern positiv von der Bierhefe beeinflusst wurde, als diese der Darmflora von
gestillten Babies glich.
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