..

Carnosin – Wirkung, Erfahrungen und Nebenwirkungen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die körpereigene Substanz Carnosin, die vor allem im Muskelgewebe und im Gehirn vorkommt,  gilt als zellverjüngend und vitalisierend.

Denn das Dipeptid schützt die Zellen durch das Abfangen freier Radikale vor einer Oxidation und der damit einhergehenden Schädigung. Außerdem verlängert Carnosin auf beeindruckende Weise das Leben der Zellen. Sportler nutzen Nahrungsergänzungsmittel mit Carnosin für eine bessere Trainingsleistung und zur schnellen Regeneration. Und selbst bei autistischen Kindern führt Carnosin zu einer gesteigerten Lernfähigkeit und zu verbesserten Denkmustern.

Kleine Stoffkunde

Das Dipeptid Carnosin besteht aus den beiden Aminosäuren Beta Alanin (β-Alanin) und Histidin. Unser Körper kann den Stoff selber herstellen, auf der anderen Seite nehmen wir Carnosin aber auch mit der Nahrung – vor allem über tierisches Muskelfleisch – auf. Bei der Produktion von Carnosin ist das Beta Alanin der limitierende Faktor, da es in unserem Körper nicht so häufig vorliegt, wie das in vielen Proteinen vorkommende Histidin. Vegetarier, aber auch alte Menschen haben daher häufig einen erniedrigten Carnosinwert. Bei Frauen ist in den Muskeln ebenfalls deutlich weniger Carnosin enthalten als bei Männern (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20865290).

Was bewirkt Carnosin?

Carnosin ist unter anderem aufgrund seiner vielfältigen antioxidativen Eigenschaften geschätzt. Denn das Dipeptid kann verschiedene gefährliche Substanzen unschädlich machen, bevor diese die menschlichen Zellen oder Zellbestandteile zerstören. So fängt Carnosin beispielsweise die extrem reaktionsfreudigen freien Radikale ab, noch ehe diese andere körpereigene Substanzen angreifen können.   (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9140702).

Gleichzeitig macht Carnosin ungesättigte Aldehyde unschädlich, die durch eine Reaktion der freien Radikale mit  Fettsäuren der Zellmembranen entstanden sind. Aldehyde sind, ähnlich wie die freien Radikale selber, sehr reaktionsfreudig und können Zellen schädigen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12489081).

Bei der Glykation reagieren Kohlenhydrate (Zucker) unkontrolliert mit körpereigenen Proteinen, wodurch diese ihre natürlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Die Glykation tritt besonders gehäuft bei Diabetikern auf, da im Blut der Patienten viele Zuckermoleküle vorhanden sind. Die Zucker-Protein-Komplexe können verschiedene Gewebe auf Dauer schädigen, außerdem scheint die Glykation die Zellalterung zu beschleunigen. Forscher konnten zeigen, dass Carnosin der Glykation entgegenwirkt und daher möglicherweise unter anderem eine Diabetes-induzierte Arteriosklerose abwenden kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12489081).

Auf der anderen Seite ist die Verhinderung der Glykation einer der Gründe dafür, dass Carnosin als zellverjüngend gilt und immer wieder als hervorragendes Anti-Aging-Mittel angepriesen wird.

Seit den 1960er Jahren ist bekannt, dass die Zellen von Eukaryoten (Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern besitzen), nur eine bestimmte Anzahl von Teilungen durchführen können, bevor sie durch den programmierten Zelltod absterben. Diese limitierte Lebensdauer wird als Hayflick-Grenze bezeichnet. Untersuchungen zeigen nun an menschlichen Zellkulturen, dass Carnosin die Anzahl der möglichen Teilungen erhöht. Außerdem kann Carnosin in Zellen, die kurz vor ihrer Hayflick-Grenze stehen, die bereits aufgetretenen Alterserscheinungen rückgängig machen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8187813). Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Carnosin als Anti-Aging-Mittel in aller Munde ist.

Als so genannter Chelatbildner kann Carnosin Komplexe mit verschiedenen zweiwertigen Metallionen eingehen. Bildet das Carnosin einen Chelatkomplex mit Schwermetallen, so können diese giftigen Elemente leichter aus dem Körper ausgeschieden werden (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9765790).

Carnosin ist dafür bekannt, die Frontallappen-Funktion im Gehirn zu verbessern und Nervenzellen vor Schädigungen zu schützen. In einer placebo-kontrollierten Doppelblindstudie konnte ein Forscherteam aus Illinois zeigen, dass sich die Kommunikationsfähigkeit und die Sozialisation autistischer Kinder durch das Dipeptid stark verbesserten (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12585724).

Carnosin kann möglicherweise bei Menschen einer Linsentrübung (Grauer Star) entgegenwirken. Wissenschaftler konnten unter Laborbedingungen zeigen, dass bei Rattenlinsen (Organkultur) Carnosin einen Großteil der Trübung heilte (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19441807).

Da die Sicherheit und die Wirksamkeit von Carnosin-haltigen Medikamenten im Augenbereich aber noch nicht hinreichend bewiesen wurden, ist der Einsatz als Arzneimittel bei Grauem Star bisher nicht zugelassen.

Tierversuche zeigen darüber hinaus, dass Carnosin das Wachstum von Krebszellen verzögern kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2005328) und alkohol-induzierten chronischen Leberschäden entgegenwirkt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18222027). Ob diese positiven Eigenschaften auch auf den menschlichen Organismus übertragbar sind, ist wissenschaftlich bisher nicht geklärt.

Produkte mit Carnosin

Aufgrund der herausragenden antioxidativen Eigenschaft und der nachgewiesenen Verlängerung der Lebensdauer von menschlichen Zellen, ist Carnosin ein beliebter Zusatz in Nahrungsergänzungsmittel. Doch auch Lotions und Faltencremes, die Carnosin enthalten, verlangsamen nachgewiesenermaßen die Hautalterung (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19735523).

Nebenwirkungen und Überdosierung von Carnosin

Als körpereigene Substanz, die auch mit tierischer Nahrung in unseren Stoffkreislauf gelangt, gilt Carnosin als völlig ungefährlich und frei von Nebenwirkungen. Wer die Substanz über Nahrungsergänzungsmittel aufnimmt, sollte sich allerdings an die empfohlene Tagesdosis halten. Denn Carnosin kann zu einer Steigerung des Corticosteronspiegels (Steroidhormon) führen. Dies wiederum hat bei einer regelmäßig hohen Dosierung möglicherweise Hyperaktivität und mangelnde Aufmerksamkeit zur Folge.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 14.07.2015 aktualisiert