Homöopathie - Mehr als hilfreich
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die klassische Homöopathie wurde von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann vor ca. 200 Jahren begründet.
Grundgedanke dieser Therapieform ist, den Patienten nicht nur als Symptomträger zu sehen, sondern in der
Diagnose und Therapie dessen Gefühle, familiären und sozialen Hintergrund etc. mit zu berücksichtigen.
Dieses Denken ähnelt der ganzheitlichen Vorgehensweise, wie sie besonders in der traditionellen chinesischen
Medizin gehandhabt wird. Beide Therapieformen, die traditionelle chinesische Medizin und die Homöopathie, legen
großen Wert auf die Aktivierung und Unterstützung der Selbstheilungskräfte des Körpers. Beide sind der Auffassung,
dass der Körper immer noch der beste Arzt ist, der am effektivsten um seine Bedürfnisse weiß und dementsprechend
reagieren kann.
In der Homöopathie wird von therapeutischer Seite aus versucht, diese Selbstheilungskräfte über individuell
angepasste Mittel zu beeinflussen. Von daher ist es gut möglich, dass Patienten mit einer vergleichbaren Diagnose
vollkommen anders therapiert werden, bzw. unterschiedliche Arzneien bekommen. Diese Arzneien bestehen zumeist aus
Kügelchen, Globuli genannt, die aus Stärke oder Zucker bestehen, die den Wirkstoff in unterschiedlichen
Konzentrationen enthalten.
Diese Konzentrationen werden in der Homöopathie "Potenzen" genannt. Es ist etwas verwirrend, dass der
homöopatische Begriff der Potenz einen Konzentrationsabfall des Wirkstoffs beschreibt und keine Zunahme, wie das
Wort vermuten lassen würde.
Die homöopathische Potenzierung ist eine Verdünnung einer Ursubstanz bei gleichzeitiger Verschüttelung oder
Verreibung. Bei ausreichend starker Verdünnung kann man davon ausgehen, dass kein Wirkstoff mehr in den Globuli
enthalten sein kann, so argumentieren die Kritiker der Homöopathie. Wenn das zutreffen würde, dann besteht der
homöopathische Heileffekt nur in einem Plazeboeffekt oder basiert auf dem Glauben des Patienten an den Erfolg.
Bevor ich allerdings der Frage der Wirksamkeit nachgehen möchte, zuerst etwas zur Erstattung und Kostenübernahme
durch die Krankenkassen.
Homöopathie, Kostenübernahme, Krankenkasse und integrierte Versorgung
Trotz der Einwände seitens der medizinischen Wissenschaft, dass Homöopathie nichts als fauler Zauber oder
Placebo-Wirkung sei, wurde bei der Gesundheitsreform 2004 die Homöopathie in den Katalog der Leistungen der
Krankenkassen aufgenommen. Aber informierten Patienten und Therapeuten war bald klar, dass eine
Kostenübernahme seitens der Krankenkasse alles andere ist als eine Selbstverständlichkeit.
Die Krankenkassen und die integrierte Versorgung
In Pressemeldungen der Deutschen Homöopathischen Union war zu lesen:
„Seit dem 1. Mai 2006 übernehmen mehr als 50 Gesetzliche Krankenkassen die Behandlungskosten der
ärztlichen Homöopathie. In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere, zum Teil sehr große Krankenkassen,
Verträge zur Integrierten Versorgung (IV) mit Klassischer Homöopathie mit dem Deutschen Zentralverein
homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) abschließen. Für die Mitglieder dieser
Kassen bedeutet das die Kostenübernahme der homöopathischen Leistungen bei einem Vertragsarzt mit der
Zusatzbezeichnung 'Homöopathie'.“
Wenn ich eine homöopathische Behandlung haben möchte, dann muss ich also als Kassenpatient in einer Krankenkasse
versichert sein, die einen IV (integrierte Versorgung) Vertrag mit dem DZVhÄ (Deutscher Zentralverein
homöopathischer Ärzte) hat.
Damit sind alle Homöopathen ohne ärztliche Zulassung außen vor. Ich darf zwar deren Dienste in Anspruch nehmen;
die anfallenden Kosten für Behandlung und Medikation sind aber mein Privatvergnügen und werden von keiner Kasse mit
und ohne IV anerkannt und erstattet.
Ok, dann such ich mir halt einen guten Arzt mit den entsprechenden Homöopathie Kenntnissen. Wenn ich den
gefunden habe, dann kommt allerdings die nächste kalte Dusche:
Die Krankenkasse mit IV erstattet nur das Beratungsgespräch, nicht aber die Medikation. Aber auch diese
Erstattung ist dezidiert geregelt.
Die Webseite von „Krankenkasse Deutschland“ verrät uns auch, wie diese Regelung aussieht: „Die IV-Verträge
bieten sowohl Krankenkassen als auch homöopathischen Ärzten neue Gestaltungsspielräume im ansonsten engen Rahmen
der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Wichtigster Aspekt des IV-Tarifs mit Homöopathie ist die Übernahme der
Kosten für das ärztliche Gespräch, Anamnese genannt. Diese dauert laut Vertrag bei Erwachsenen und Jugendlichen ab
dem 13. Lebensjahr mindestens eine Stunde (bei Kindern mindestens 40 Minuten) und kann höchstens einmal im Jahr
erstattet werden.
Eine mindestens 30minütige Folgeanamnese wird höchstens einmal pro Quartal bezahlt, eine 15minütige
Folgeanamnese höchstens zweimal pro Quartal. Eine homöopathische "Beratung" kann fünfmal pro Quartal auf
Kassenkassenkosten stattfinden. Der Versicherte muss keinen Cent aus der eigenen Tasche für die Homöopathie dazu
zahlen. Anders sieht es mit homöopathischen Arzneimitteln aus: diese werden von den Krankenkassen nicht
übernommen.
Wenn man dieses Bild auf die Schulmedizin überträgt, dann sähe dies für einen Hypertoniker, Diabetes- oder
Krebspatienten so aus, dass er trotz monatlicher Beiträge seine Arztbesuche nur einmal im Jahr erstattet bekommt
bzw. Nachfolgebehandlungen nur einmal pro Quartal, und dass er alle seine Medikamente selbst zahlt. Für den Rest
notwendiger medizinischer Fürsorge darf er selber zahlen oder, wenn das Budget es nicht erlaubt, auf ein
kostenloses Wunder hoffen.
Der finanzielle Anreiz für ein untaugliches System
Bei so viel finanzieller „Unterstützung“ von staatlicher Seite für die traditionellen Verfahren der
Schulmedizin, bzw. mangelnder bis gar keiner Unterstützung für deren Alternativen, taucht die Frage auf, warum das
so ist.
Die offizielle Ideologie ist, dass ja Homöopathie und all die anderen alternativen Heilformen nichts als fauler
Budenzauber sei. Dies ist auch der Grund, warum man sich nicht weiter mit diesem Thema befassen muss, die Sache ist
gegessen:
"Alle seriösen Übersichtsarbeiten der vergangenen Jahre haben die Vermutung bestätigt, dass sich der
Nutzen der Homöopathie nicht belegen lässt. Die Globuli taugen allenfalls für einen Placebo-Effekt: Die Wirkung
basiert auf Einbildung." So der Spiegel im Juli 2010 in "Tausendmal gerührt"
Damit ist auch klar, dass alle Übersichtsarbeiten, die zu einem gegenteiligen Ergebnis gekommen sind, nicht
als seriös einzustufen sind.
Auch hier wieder das alte Lied: statt Argumente, über die man dann diskutieren kann, werden Diffamierungen und
Unterstellungen als Basis einer Beurteilung dessen genommen, was man nicht mag. Damit wäre bewiesen, was bewiesen
werden sollte.
Umgekehrt hat es den Anschein, dass der Verzicht, noch weiter über die Wirksamkeit der Homöopathie zu
diskutieren, das Ziel hat, nicht weiter über die Wirksamkeit der Schulmedizin zu verhandeln. Denn deren Wirksamkeit
wird ebenso undiskutiert und unkritisch als erwiesen betrachtet wie die Homöopathie als nicht existent.
Da darf doch mal die Frage erlaubt sein: Wenn die Schulmedizin derartig wirksam ist, warum hat sie die
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs und andere Langzeiterkrankungen mit hoher Inzidenz noch nicht in den
Griff bekommen?
Man hat ja diese Erkrankungen nicht erst letztes Jahr entdeckt. Nein, man redet schon seit Jahrzehnten darüber.
Aber es hat sich trotz aller medizinischer Wissenschaft nichts an Häufigkeit und Krankheitsbild bei diesen
Erkrankungen geändert. Und das liegt nicht nur am steigenden Lebensalter der Bevölkerung und den damit "kränker"
werdenen Senioren.
Da darf auch einmal die Frage gestellt werden, ob hier ein untaugliches System mittels gezielter
"Subventionierung" durch Krankenkassen am Leben erhalten wird?
Und ist damit die rudimentäre Abdeckung der Homöopathie durch einige Krankenkassen ein "Zückerli" für die
alternativ denkende Kundschaft?
Immerhin schwören, laut Allensbacher Demoskopie Institut, über 50 Prozent der Bundesbürger auf Homöopathie und
haben bereits zu homöopathischen Mitteln gegriffen. Bedenkt man, dass im Jahr 1970 nur rund 25 Prozent der
Deutschen solche Arzneien eingenommen haben, so ist die steigende Akzeptanz offensichtlich.
Über die Wirksamkeit der Unwirksamkeit
Laut Spiegel sind nur die Untersuchungen seriös, die auch die Unwirksamkeit der Homöopathie beweisen.
Immerhin galten vor 600 Jahren nur die als gute Christen, die die Erde im Zentrum des Weltalls sahen und als
Scheibe betrachteten.
Diese Betrachtungsweise und die Vehemenz, mit der diese durchgesetzt wird, wirken verdächtig. Soll hier etwa
eine Medizinrichtung totgeschrieen werden (Scheiterhaufen sind in der Neuzeit verboten), die eine massive
Konkurrenz für die etablierte Medizin darstellen, weil sie die Heilung des Patienten als ultimatives Ziel ihrer
Bemühungen auf ihre Fahnen geschrieben haben?
Welche anderen Interpretationsmöglichkeiten gibt es angesichts von (totgeschwiegenen) Studien, die auf
wissenschaftlich saubere Art und Weise zu beeindruckenden Ergebnissen gekommen sind?
Stellvertretend sei dafür eine Studie erwähnt vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und
Gesundheitsökonomie des Medizinischen Zentrums der Charité in Berlin unter der Leitung von Prof. Claudia Witt. In
dieser Studie wurden 4000 Patienten zwei Jahre homöopathisch behandelt. Nach nur 3 Monaten waren die
Beschwerden bei allen Erkrankungen zu 40 Prozent gemildert.
Diese Phänomene lassen sich mit den Selbstheilungskräften des Körpers alleine nicht erklären. Bei einer
Wirkungslosigkeit oder Placebo-Wirkung hätte man einen deutlich geringeren Effekt auf die Symptomatik der
Erkrankungen erwartet. Acht Jahre nach Studienbeginn wurden die Patienten nochmals befragt. Auch sechs Jahre nach
Abschluss der Studie zeigte sich, dass die Lebensqualität der Teilnehmer noch so hoch war wie bei Studienabschluss.
Verschlechterungen waren nicht eingetreten. Dieser Effekt war unabhängig davon, ob die Patienten auch nach
Studienabschluss noch weiterhin homöopathische Mittel einnahmen oder nicht.
Damit nicht genug: In einer anderen Studie von Prof. Witt wurde die Wirksamkeit der Homöopathie im Vergleich zur
Schulmedizin untersucht. Die Studie untersuchte 493 Patienten mit chronischen Erkrankungen. Davon waren 315
Erwachsene und 178 Kinder. Die Schwere der Symptome wurde von Patienten und Ärzten an einer Skala von 0 bis 10
beurteilt. Diese Bewertung wurde am Studienanfang und nach 6 und 12 Monaten vorgenommen. Gleichzeitig wurden die
Kosten für die Therapie festgehalten. Das Ergebnis zeigte eine effektivere Behandlung bei Erwachsenen und Kindern
zugleich, im Vergleich mit der konventionellen schulmedizinischen Behandlung. Die Kosten waren für beide
Therapievarianten die Gleichen. Die Forscher schlossen daraus, dass Patienten, die sich einer homöopathischen
Behandlung unterzogen, bessere Ergebnisse in der Behandlung ihrer Erkrankungen erwarten konnten. Quelle:http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16036164
Interessant auch in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der Carstens-Stiftung zu dem Spiegel-Artikel:
"Der SPIEGEL behauptet, es gäbe „nicht den geringsten überzeugenden Beweis dafür, dass homöopathische
Kügelchen irgendetwas anderes bewirken als einen Placeboeffekt.“ Diese Aussage ist nachweislich falsch
(es sei denn man interpretiert das Wörtchen „überzeugend“ so, dass nichts überzeugend sein kann, was nicht in
das Weltbild des Autors passt). Moderne Wirksamkeitsnachweise (im Sinne randomisierter placebokontrollierter
Studien) liegen zum Beispiel dafür vor, dass das homöopathische Medikament Galphimia glauca wirksam in der
Behandlung des Heuschnupfens ist, dass eine individualisierte homöopathische Behandlung kindlicher
Durchfallerkrankungen die Häufigkeit und Schwere der Stühle im Vergleich mit einem Placebo deutlich senken
kann, oder dass eine homöopathische Behandlung die Schmerzen von Fibromyalgiepatienten lindert. Deshalb wurde
die Homöopathie in die offizielle Leitlinie zur Behandlung von Fibromyalgie aufgenommen."
Quelle:http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=11477
Mad dogs and English men
Die Anti-Homöopathie Kampagne in England wurde schon vor der Deutschen gestartet. Sie ist ein Teil einer
umfassenden Kampagne gegen alles, was alternativ, komplementär und nicht schulmedizinisch ist. Auch hier soll die
gesamte pharmauntaugliche Medizin per Parlamentsbeschluss verboten und Forschungsgelder verweigert werden. Das wäre
ein harter Schlag, denn die Homöopathie hat in England seit 1948 einen Stammplatz im dortigen Gesundheitswesen.
London hat sogar ein homöopathisches Krankenhaus, das Royal London Homeopathic Hospital, was als internationaler
Eckstein für diese Medizinrichtung steht.
Aber hüben wie drüben kommt man zu den gleichen Ergebnissen. In einem Ausschuss des britischen Unterhauses kommt
man per Gutachten (Evidence Check 2 Homeopathy) zu dem Ergebnis, dass Homöopathie und Placebo synonym zu gebrauchen
sind. Witzigerweise will man Medikamente der Homöopathie nur noch zulassen, wenn randomisierte klinische Studien
vorliegen, die die Wirksamkeit beweisen. Aber gleichzeitig will man alle Forschungsbemühungen in dieser Richtung
ebenfalls unterbinden.
Daneben existiert eine hochschulnahe CAM (Complementary and Aternative Medicine), die zu ganz anderen
Ergebnissen kommt. Im Zusammenspiel mit der International Society for Complementary Medicine Research und CAMbrella
erhalten mehr und mehr Therapieformen im alternativen Bereich das Zertifikat "gemäß den Kriterien der
evidenzbasierten Medizin wirksam."
Und so kommt es auch auf der britischen Insel, wie es kommen muss: Man unterscheidet sich prinzipiell in der
Kritik und der Form der Kritik in Nichts vom kontinentalen Homöopathie Kritiker. Man fordert "Mission Impossible"
von der Homöopathie, wobei man selbst nicht in der Lage ist, die geforderten Auflagen zu erbringen.
Da fallen Argumente einer zuvor abgehaltenen öffentlichen Anhörung, die nicht die eigenen Standpunkte vertreten,
einfach unter den Tisch. Andere werden wie selbstverständlich übernommen. Das Gutachten, ganz in der Tradition der
Schulmedizin, stützt sich auf eine einzige (lächerliche) Studie (Shang et al. 2005, The Lancet http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589 ), die aber alles
andere ist, als die bei der Homöopathie geforderten doppelblinden, randomisierten, Placebo-kontrollierten
Studie.
Die Shang Studie ist nichts als eine butterweiche Meta-Studie, die alles beweisen kann, wenn man die
Fragestellung sorgfältig genug auswählt. Die Kritik an der Kritik hat dann den Lancet Herausgeber dazu veranlasst
eine Pressemeldung herauszugeben, die „new evidence for homeopathy“ einräumte. Dies wurde jedoch von der Kommission
und seinem heimlichen Vorsitzenden, Prof. Edzard Ernst, ein Lehrstuhlinhaber der Universität Exeter für
Komplementärmedizin, vollkommen ignoriert. Eine interessante Kritik an der Shang-Studie wurde im PubMed
veröffentlicht unter dem Titel „Homeopathy and The Lancet,“ von Peter Fisher, Director of Research, Royal London
Homoeopathic Hospital, Great Ormond Street, London WC1N 3HR, UK (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1375230/).
Aber selbst unter den Gegnern der Homöopathie stieß die Evidenz-Studie auf Unverständnis und Kritik (http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2805%2967878-6/fulltext).
Hier wurden nicht die Resultate kritisiert, denn man ist sich einig in der Beurteilung der Homöopathie.
Vielmehr wurde die Vorgehensweise in der Auswertung der Daten und deren Selektion kritisiert. Und das beschreibt
damit zur Genüge die Qualität dieses Gutachten als die Basis der Urteilsfindung im britischen Parlament, ob
Homöopathie nun wirkt oder nicht, beibehalten oder vom Gesundheitssystem gestrichen werden soll.
Die Pharmalobby in England: "Same procedure as every year, James!"
Auch in diesem Bereich gibt es nur graduelle Unterschiede zum Festland. Die Politik geht anscheinend Arm in Arm
mit der Pharmaindustrie, die alle Macht, Geld und Einfluss einsetzt, um ihre Vorstellungen von einer "gesunden"
Gesundheitspolitik durchzusetzen.
Wenn es darum geht, eine unliebsame Konkurrenz-Therapie zu beseitigen, dann scheut man sich nicht davor, die
Betreiber derselben zu verunglimpfen. So werden falsche oder erfundene Zeugen präsentiert, schnell aus der Taufe
gehobene Experten geboren, die öffentliche Meinung per Medien infiltriert und manipuliert.
Auch das Internet spielt für diese Leute eine wichtige Rolle. Dies wird eingesetzt, um durch gezieltes
Networking mittels moderner IT Technologie die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der unmittelbare
Schulterschluss von Parlamentarier und „Pharmavertreter“ bzw. –lobbyist hat in England Tradition. Diese Tradition
geht sogar so weit, dass man von speziell ausgebildeten Juristen Schützenhilfe bekommen kann, um gezielt sein
unternehmerisches Anliegen ins Parlament eingeschleust zu bekommen.
Der Schulterschluss ist mittlerweile so eng geworden, dass Abgeordnete, die Zweifel an den Eingaben der
Pharmaindustrie haben, so auch am Evidenz-Gutachten, öffentlich als "dämlich" oder "schwer von Begriff"
verunglimpft werden.
Ihre Namen und Handynummern werden im Internet veröffentlicht „A handy list of dimwitted members of parliament”
(Einen Link werde ich zu diese Verunglimpfungsseite nicht setzen). Der Veröffentlicher ist ein 74jähriger
Pharmakologe, der alle "Quacksalber" dieser Welt bekämpfen will. Und das sind die Komplementärmedizin, Chinesische
Medizin, Akupunktur, Homöopathie und alles, was nicht nach Schulmedizin riecht. God Save The Queen.
Wenn der Bock zum Gärtner wird
Noch ein kurzes Wort zum deutschen Professor mit britischem Pass in Exeter: Professor Ernst. Von diesem
wird behauptet, dass er der unangefochtene König der Experten in Sachen Komplementärmedizin sei, speziell der
Homöopathie.
Immerhin ist er Lehrstuhlinhaber für alternative Heilverfahren in der örtlichen Universität. Und er ist der
Volkswagen unter den Wissenschaftlern, denn er publiziert und publiziert und publiziert - so dass kaum ein
anderer Wissenschaftler sich mit seiner Publikationsflut messen kann.
Als Professor für Komplemantärmedizin jedoch verhält er sich merkwürdigerweise relativ feindselig
seinem auserwählten Fach gegenüber. Und besonders die Homöopathie scheint es ihm angetan zu haben.
In einem Artikel mit dem Titel: „Should We Maintain an Open Mind about Homeopathy?" veröffentlicht in
dem American Journal of Medicine (Baum M, Ernst E (November 2009), 122 (11): 973–4.) schrieb er mit Michael
Baum eine Kritik der Homöopathie für andere Ärzte und Mediziner.
Der Anfang ist bezeichnend: „Homeopathy is among the worst examples of faith-based medicine (…)” Die
Weiterführung und der Schluss sind ähnlich suggestiv und von einer naturwissenschaftlichen Diskussion weit
entfernt.
Herr Professor Ernst sieht sich gerne als besonders kompetent wenn es um die Homöopathie geht. Das lässt er
gerne in Interviews und seinen Werken durchblicken. Er betrachtet sich sogar als ausgebildeten Homöopathen. Eine
Prüfung seiner Kompetenz durch den Zentralverein der Homöopathischen Ärzte ließ dann recht bald klar werden, dass
er keinesfalls diese Expertise besaß bzw. besitzt. Interessant erscheint dann auch, dass er nach einem Interview
den Eintrag auf seiner Webseite über seine Homöopathie-Ausbildung in seinem Curriculum Vitae ersatzlos löschte.
Und im letzten Spiegel-Interview (wo der rote Teppich für ihn ausgerollt war, um gegen die Homöopathie zu
schießen), gab er sich ungewöhnlich zurückhaltend.
Man muss sich schon fragen, mit welchen Qualifikationen ist Herr Professor Ernst eigentlich auf
diesen Lehrstuhl gekommen?
Und warum wird eigentlich immer fast nur Herr Professor Ernst in solchen Artikeln zitiert oder
interviewt?
Und wie geht es nun weiter?
Der wahre Gläubige lässt sich nicht beirren. Die allheilige Mutter Schuldmedizin verhilft zu wahrer Gesundheit
nach den Bestimmungen der Pharmaindustrie, die immer nur unser Bestes will.
Und wenn es Heilungskonzepte gibt, dann müssen die erst einmal ihre Wirksamkeit detailliert darstellen. Der Rest
ist dann nur Verzögerung und/oder Verleumdung.
Ist es tatsächlich so?
So wird in der Medizin argumentiert, wie es einem gerade in den eigenen Kram passt: Die Homöopathie ist nix,
weil in den Kügelchen nix drin ist. Da wird den Homöopathen mal schnell "Geschäftemacherei" vorgeworfen. Das
fördert die Diskussion ja ungemein.
Genauso könnte man im Gegenzug argumentieren: Die "wissenschaftliche Medizin" schafft bei den meisten
chronsichen Erkrankungen keine Heilung. Weil: Ein gesunder Patient ist kein Patient. Und der ist kein (Dauer)Kunde
mehr für die pharmazeutische Industrie. Warum also nicht Sorge tragen, dass es ausreichend Dauerkunden gibt, durch
ein medizinisches System, das keine Krankheiten heilt, sondern nur verwaltet?
Mit dieser Argumentationskette kommen wir keinen Schritt weiter. Zum Glück denken viele Ärzte und Heilpraktiker
nicht in diesen schwarz-weiß-Schemata...
Weitere Heilverfahren, die mit der Homöopathie verwandt sind: Isopathie - Regenaplex - Sanum Therapie
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert
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