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Hyposensibilisierung - Nein Danke!

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Kennen Sie SIT, PIT und PSIT? Nein, hier versucht niemand auf Englisch seinen Hund abzurichten. Die drei Kürzel sind Akronyme für:

SIT = spezifische Immuntherapie, PIT = perennial immunotherapy = ganzjährige Immuntherapie und PSIT = präsaisonale spezifische Immuntherapie.

SIT ist dabei der Oberbegriff für die beiden Anderen.

Ein anderes, wesentlich bekannteres Wort für SIT lautet „Hyposensibilisierung“ oder früher auch „Desensibilisierung“. PIT und PSIT sind Varianten derselben.

Mit einer Erfolgsrate von geschätzten 45 Prozent ist die SIT eigentlich keine besonders erfolgreiche Therapie. Denn ein spezifisches Vorgehen, wie es der Name vermuten lässt, sollte eine höhere Erfolgsrate aufweisen als 45 Prozent.

Ähnlich wie beim Impfen werden hier Hypothesen zur Grundlage der Therapie gemacht, für die bislang noch jeder evidenzbasierte Beweis fehlt. Denn bei einer SIT wird der Leidtragende mit genau dem Allergen malträtiert, gegen das er allergisch ist. Ziel der Bemühungen ist, den Organismus mit geringen Dosen an Allergenen an das Selbige zu gewöhnen und dadurch die Lust am Reagieren zu nehmen.

Ich persönlich weiß nicht, warum der Organismus sich zu so einer Entscheidung durchringen sollte? Denn hier soll die Modifikation des Immunsystems durch die Maßnahme so aussehen, dass bei einem Reiz die Produktion von allergieauslösenden Immunglobulinen der Klasse E (IgE) unterdrückt wird, und statt dessen IgG Antikörper gebildet werden, die keine allergische Symptomatik nach sich ziehen. Warum und wie dieses Umschalten auf eine andere Art von Antikörper durch die Präsentation von Allergenen funktionieren soll, dafür scheint es keine abgesicherten Erkenntnisse zu geben. Schlimmstenfalls kann es passieren, dass der Behandelte eine tüchtige allergische Reaktion bekommt, trotz geringer Mengen an Allergenen, die unter die Haut gespritzt werden. Alleine deswegen sage ich schon: "Nein Danke!".

Da also die evidenzbasierte Schulmedizin mit der SIT ein Behandlungsprogramm anbieten kann, dessen Erfolgschancen im besten Fall 50:50 sind (womit man zugleich noch ein Wettbüro aufmachen könnte), ist man hier bemüht, diese zweifelhaften Erfolgschancen noch zu erhöhen!

Eine mögliche Konsequenz wäre, sich nach anderen Behandlungsmethoden umzusehen, die besser wirken. Aber in der Schulmedizin ist man von der Richtigkeit seiner Hypothesen so überzeugt, dass sie nicht mehr als Hypothesen, sondern als Dogmen angesehen und gehandelt werden. Auch hier sind die Impfungen ein beredter Zeuge dieser Einstellung.

Da also die Hyposensibilisierung "so hoch wirksam" ist, muss ein modifiziertes Verfahren her, dass dann die entsprechenden Erfolgszahlen herbeizaubert. Und dieses Verfahren ist jetzt da und hat auch bewiesen, dass die Zahlen besser aussehen:

Eine polnische Studie aus dem Jahr 2013 (Perennial is more effective than preseasonal subcutaneous immunotherapy in the treatment of seasonal allergic rhinoconjunctivitis) hat nämlich jetzt zeigen können, dass das alte Verfahren der Hyposensibilisierung (PSIT) mit der neuen Variante (PIT) verglichen hat und zu unglaublichen Erfolgszahlen verholfen hat!

Die „ÄrzteZeitung online“ (1) hatte sich auch dieser Veröffentlichung angenommen unter dem Titel: Ganzjährige SIT hilft besser als Kurzzeittherapie. In dieser Studie wurden 120 Gräserallergiker und Pollenallergiker, die noch nie in ihrem Leben hyposensibilisiert worden waren, mit PIT oder PSIT behandelt. Da bei PSIT die Behandlung nach wenigen Wochen aufhört, wurden die Teilnehmer dieser Gruppe nach Beendigung der Behandlung mit den Allergenen weiter mit einem Plazebo behandelt. Die Studie war eine doppelblinde Studie, bei der weder Patienten, noch behandelnde Ärzte wussten, welche Gruppe die PIT oder PSIT Gruppe war.

Nur am Rande, aber für mich amüsant: Die ÄrzteZeitung vermerkt diese Tatsache als „Besonderheit“: „Das Besondere an der Studie war ihr doppelblindes Design“. Ist das etwa das unfreiwillige Eingeständnis, dass medizinwissenschaftliche Studien normalerweise nicht unter einem doppelblinden Design durchgeführt werden? Wenn dem so ist, dann ließe die Aussagekraft solcher Studien schon alleine deswegen mehr als zu wünschen übrig.

Die vorliegende doppelblinde Arbeit aus Polen kam zu dem günstigen Ergebnis, dass PIT „deutlich überlegen“ sei. Sowohl bei den Symptomen, als auch bei den sonst notwendigen Medikamenten sah man in der Studie eine signifikant bessere Reduzierung unter PIT – 73 Prozent Reduktion für PIT und 56 Prozent unter PSIT nach 3 Jahren. Laut Aussagen der Autoren gab es 21 Ausfälle (11 in PSIT und 10 in PIT), die aber nicht auf ein Therapieversagen zurückzuführen waren. Nebenwirkungen, wie allergische Reaktionen oder Anaphylaxien, gab es nicht. Lediglich gab es leichte bis mittelgradige Nebenwirkungen vom Grad I und II in beiden Gruppen in gleicher Häufigkeit.

Im Land der Blinden, ist der Einäugige König

Fazit der Studie: PIT ist besser. Statt 67.000 Therapie-Einheiten, wie sie unter PSIT verabreicht werden, empfängt der geneigte Patient unter PIT stolze 158.000 Therapie-Einheiten. Und diese Menge scheint aber immer noch nicht ausreichend zu sein, den Patienten zu 100 Prozent von seinen Qualen zu befreien. Aber im Lande der Blinden ist der Einäugige ja bekanntlich ein König.

Bezeichnend der Abschlusssatz des Beitrags der ÄrzteZeitung: „Die ganzjährig durchgeführte SIT ist offenbar besser geeignet als eine Kurzzeittherapie, um die Symptome einer Pollenallergie zu bessern, schlussfolgern Tworek und Kollegen, und zwar bei vergleichbar gutem Sicherheitsprofil.

Genau! Ohne es zu wollen haben die Vertreter der Schulmedizin wieder einmal zugegeben, worum es auch bei ihren Bemühungen mit und ohne „Besonderheiten“ geht: Um Symptome und deren Besserung. Da darf man sich nicht wundern, warum man trotz Verbesserung noch weit von den 100 Prozent entfernt ist. Eine Beseitigung der Ursache wäre dagegen mit einer 100-prozentigen Reduzierung der Symptome verbunden. Leider kommt ein solcher Patient dann nicht mehr die nächsten 3 Jahre in die Praxis, um sich behandeln zu lassen...

Falls Sie jetzt denken: "Der hat es nötig! Ich soll wohl lieber zum Heilpraktiker gehen und mich ein Jahr lang homöopathisch behandeln lassen?" In diesem Fall sage ich Ihnen ganz klar: "Nein, Sie sollen mein Buch: Die biologische Allergietherapie bestellen" - aber das ist ja leider noch nicht fertig. :-)

Aber keine Sorge: Zu mir in die Praxis dürften Sie schon kommen, sollten sich aber nicht wundern, wenn ich sie wieder nach Hause schicke, mit dem Auftrag, die nächsten Wochen Sauerkraut zu essen und sich in zwei Wochen wieder zu melden. Aber kommen wir lieber wieder zurück zur Hyposensibilisierung ...

 

1 Punkt von 24 möglichen als Nachweis

Selbst das renommierte Paul-Ehrlich-Institut bedient sich im Zulassungsverfahren neuer SIT-Präparate fragwürdiger Studien. So geschehen in der Beurteilung von Allergenen, die gegen Hausstaub-Allergie helfen sollen. 2015 kamen die Tabletten mit Hausstabmilben-Extrakt Acarizax auf den Markt.

Geprüft wurde das Medikament zunächst in einer Studie, die den Verlauf rhinitischer Symptome unter Acarizax ermittelte. In der „MERIT-Studie“ maßen die Wissenschaftler den Erfolg über einen Fragebogen, in dem die Probanden ihre Beschwerden in einer 24-Punkte-Skala angeben mussten. Eine Verbesserung um mindestens 1 Punkt legte das Paul-Ehrlich-Institut als Nachweisgrenze fest. Glück für den Acarizax-Hersteller Alk Abelló: Um 1,1 Punkte ging die Symptomatik bei den Studien-Teilnehmern zurück. Wohlgemerkt reden wir hier über die Schätzung einer Tropfenmenge aus der allergischen Schnupfennase. Eine andere Angabe betraf die Einsparung der Kortison-Stöße aus dem Inhalator. 1 Punkt entspricht dann einem halbem Pump am Tag. Bei so vagen Beurteilungs-Kriterien erntete die Studie auch herbe Kritik. Ein weiterer Einwand betrifft die grundlegende Methodik. So wurde kein „Vorher-Nachher-Test“ durchgeführt, sondern nur ein Vergleich innerhalb der drei Probanden-Gruppen (2 Dosierungen Acarizax, 1 Mal Plazebo). Zum Untersuchungsbeginn erfolgte überhaupt gar keine Evaluierung der Symptome.

Doppelt hält besser, besonders wenn 1 Punkt von 24 signifikant sein soll. Deswegen wurde in einer zweiten Untersuchung die Wirkung von Acarizax gegen Bronchialasthma  und Rhinokonjunktivitis untersucht. Die Probanden bekamen in der „MITRA-Studie“ Acarizax oder ein Plazebo und zusätzlich das Kortikosteroid Budesonid und einen Bronchodilatator. Nach einigen Monaten bis einem Jahr wurde die Budesonid-Dosis halbiert, mit der Option das Präparat abzusetzen. Ergebnis: Die Teilnehmer, die Acarizax einnahmen, erlitten seltener eine Verschlechterung der Symptome.

Das ist dann der Wirksamkeitsnachweis: Es wird nicht schlimmer. Und wenn es sehr viel schlimmer wird, fallen die Probanden aus der Studie heraus (was sie aus ethischen Gründen auch müssen). Schwerwiegende Nebenwirkungen ergaben sich nämlich unter Plazebo seltener als unter Acarizax. Die Reaktionen auf die Hausstaubtabletten waren dann unter anderem – wir schlucken, wenn wir können –Pharynx- und Mund-Ödem.
Doch diese Punkte sind nicht die einzige Kritik am Wirkungsbeleg. Standardmäßig reduzierten die Studien-Ärzte die Dosis des Budesonids und die Bronchodilatatoren während des Untersuchungszeitraumes. Laut methodologischer Ethik-Kriterien ist dies nur statthaft, wenn eine dreimonatige stabil kompensierte Phase beim Patienten vorausgegangen ist. Doch selbst daran hielten sich die Prüfer nicht.         

Noch eine Hypothese

Allergien, wie einige andere Erkrankungen auch, sind auf dem Vormarsch. Keiner weiß wirklich, warum das so ist. Man vermutet Umweltfaktoren, eine über-penible Hygiene für Kinder, Stress und psychosomatische Faktoren und so weiter.

Ich habe da meine eigene „Lieblingstheorie“. Denn, falls es stimmt, dass 80 Prozent der immunkompetenten Zellen des Immunsystems im Gastrointestinaltrakt liegen, dann könnte eine Störung hier die Ursache für Immunschwächen und Immunüberreaktionen sein. 

Da wir häufig mit Antibiotika in Kontakt kommen, sei es als ärztliches Rezept für irgendeine Infektion (es gibt glücklicherweise auch Ärzte, die nicht gleich in diese Richtung therapieren) oder aber als Rückstände in den verschiedenen Fleischsorten, die auf unserem Teller und schließlich im Verdauungssystem landen, kommt es notwendigerweise zu einer Störung der Darmflora und damit verbundenen Konsequenzen für das gastrointestinale Immunsystem.

Da diese Störungen nicht vorübergehender Natur sind, kommt es auch zu einer permanenten Störung in diesem Bereich, die die Feineinstellung des Immunsystems verändert. Oder mit anderen Worten: Das Immunsystem wird durch eine gestörte Darmflora falsch informiert über das, was akzeptabel ist und was nicht.

Wenn ich also die Feineinstellung des Immunsystems rejustieren und damit die allergische Neigung beseitigen möchte, dann muss ich was für eine ausgewogene und natürliche Darmflora tun. So meine Hypothese.

Ich erdreiste mich einfach, so etwas in die Welt zu setzen. Denn die Schulmedizin geht in dieser Beziehung locker einen und mehr Schritte weiter, indem sie ihre Hypothesen, und seien sie auch noch so falsch, erst gar nicht mehr diskutieren, sondern gleich in die Praxis umsetzen. Die Erfolge daraus sind bekannt.

Wenn also meine Hypothese stimmt, dann müsste eine Pflege der natürlichen Darmflora in der Lage sein, Schritt für Schritt eine bestehende Allergie zu beseitigen beziehungsweise prophylaktisch erst gar nicht entstehen zu lassen. Wie pflegt man seine Darmflora? Durch die Ernährung. An erster Stelle stehen hier Probiotika und Präbiotika.

Noch eine Zwischenbemerkung: Das mit dem Sauerkraut (siehe oben), war kein Witz...

Präbiotika sind eine unterstützende Maßnahme für die Darmbakterien, also Nahrungsmittel für diese im weiteren Sinne. Daher ist die Gabe von Präbiotika eine sinnvolle Angelegenheit für eine gut funktionierende Darmflora. Für Aufbau und Regeneration einer gestörten Darmflora sind Probiotika etwas besser geeignet.

Daher habe ich mich einmal umgeschaut, ob es zu meiner Hypothese Arbeiten gibt, die sich mit diesem Thema befassen. Diese finden Sie in meinem Beitrag zur "Alternativen Allergie Therapie

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 10.11.2016 aktualisiert

Quellen:

(1) aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/allergien/article/840907/allergie-ganzjaehrige-sit-hilft-besser-kurzzeittherapie.html



   
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