Kann Heilfasten Allergien bessern?
Diese Frage wird mir seit vielen Jahren gestellt. Und die Antwort fällt heute differenzierter aus, als ich sie noch vor 20 Jahren gegeben hätte.
Denn zunächst muss man unterscheiden, worüber wir überhaupt sprechen. Eine Pollenallergie ist etwas anderes als eine Erdnussallergie. Eine Nickelallergie funktioniert anders als allergisches Asthma. Und auch bei Neurodermitis oder chronischer Nesselsucht steckt längst nicht immer eine klassische Allergie dahinter.
Trotzdem gibt es einen gemeinsamen Nenner: Das Immunsystem reagiert auf bestimmte Reize unangemessen stark oder befindet sich in einem Milieu, das überschießende Entzündungsreaktionen begünstigen kann.
Genau an dieser Stelle wird das Fasten interessant.
Allerdings gleich vorweg: Heilfasten ist keine Allergie-Immuntherapie und beseitigt eine bestehende IgE-vermittelte Allergie nicht einfach. Wer auf Erdnüsse mit einer Anaphylaxie reagiert, kann nach einer Fastenkur nicht plötzlich Erdnüsse essen.
Das wäre eine gefährliche Fehlinterpretation.
Sehr wohl kann Fasten aber Stoffwechsel, Nahrungszufuhr, Darmmilieu und verschiedene immunologische Regulationsmechanismen beeinflussen. Und genau das kann bei einigen allergischen oder allergieähnlichen Beschwerden interessant werden.
Allergie ist nicht gleich Allergie
Unter dem Begriff Allergie landet im Alltag erstaunlich vieles.
Bei einer klassischen Allergie vom Typ I bildet das Immunsystem IgE-Antikörper gegen bestimmte Allergene. Dazu gehören beispielsweise viele Pollen-, Hausstaubmilben- und Tierhaarallergien sowie zahlreiche Nahrungsmittelallergien.
Daneben gibt es Kontaktallergien, bei denen andere immunologische Mechanismen beteiligt sind. Nickel ist das bekannte Beispiel.
Bei Neurodermitis spielen Hautbarriere, Immunsystem, genetische Faktoren, Umweltreize und oftmals auch die Ernährung zusammen. Allergien können beteiligt sein, müssen aber keineswegs die alleinige Ursache sein.
Noch komplizierter wird es bei der chronischen Urtikaria, also wiederkehrenden Quaddeln. Diese Erkrankung wird häufig vorschnell als „Allergie“ bezeichnet, obwohl sich bei vielen Betroffenen gar kein bestimmtes Allergen als Ursache finden lässt. Ausführlicher beschreibe ich das in meinem Beitrag über Nesselsucht beziehungsweise Urtikaria.
Und schließlich gibt es Beschwerden durch Histamin oder andere Nahrungsbestandteile, die allergieähnlich aussehen können, ohne eine klassische IgE-vermittelte Allergie zu sein.
Diese Unterscheidung ist für das Fasten ausgesprochen wichtig.
Denn je nachdem, welcher Mechanismus hinter den Beschwerden steckt, kann eine Fastenperiode etwas völlig anderes bewirken.
Warum sich Allergiebeschwerden beim Fasten bessern können
Der banalste Effekt wird manchmal übersehen: Beim Fasten verschwinden fast alle Nahrungsmittel aus dem täglichen Leben.
Wer auf einen Nahrungsbestandteil reagiert, nimmt diesen während des Fastens nicht mehr zu sich.
Die Beschwerden können dadurch zurückgehen.
Das ist zunächst keine Immuntherapie, sondern schlicht Allergen- beziehungsweise Reizvermeidung.
Trotzdem kann dieser Effekt diagnostisch interessant sein. Wenn beispielsweise chronische Hauterscheinungen, Juckreiz, Verdauungsbeschwerden oder Schleimhautreaktionen während des Fastens deutlich abnehmen und nach dem Kostaufbau wieder auftreten, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ernährung.
Damit ist noch keine Nahrungsmittelallergie bewiesen. Aber man hat eine Spur.
Und genau deshalb finde ich bei solchen Patienten den Kostaufbau nach dem Fasten fast genauso interessant wie das eigentliche Fasten.
Dazu komme ich weiter unten noch ausführlicher.
Wenn Sie zu den Menschen gehören, die bei Allergien nicht nur wissen möchten, welches Antihistaminikum die Symptome unterdrückt, sondern was hinter der Reaktionsbereitschaft des Körpers stecken kann, dann dürfte mein Allergie-Naturheilkunde-Newsletter für Sie interessant sein. Dort schreibe ich über Ernährung, Darm, Histamin, Naturheilverfahren und weitere Zusammenhänge, die in der üblichen Allergieberatung häufig zu kurz kommen. Sie können ihn hier kostenlos anfordern:
Fasten und Entzündungen: So einfach ist es nicht
Über Fasten wird inzwischen gerne behauptet, es sei grundsätzlich „entzündungshemmend“.
So pauschal würde ich das nicht formulieren.
Gerade beim längeren Fasten zeigt die Forschung ein wesentlich differenzierteres Bild. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte Humanstudien zu Fastenperioden von mindestens 48 Stunden. Das Ergebnis: Entzündungsmarker wie CRP, IL-6 und TNF-alpha sanken keineswegs durchgehend. In mehreren Studien blieben sie unverändert oder stiegen während der Fastenphase sogar vorübergehend an.
Interessanterweise normalisierten sich manche Veränderungen nach Wiederaufnahme der Nahrung wieder.
Eine weitere Untersuchung an Menschen während eines medizinisch überwachten längeren Wasserfastens fand ebenfalls eine vorübergehende Aktivierung bestimmter Entzündungs- und Gerinnungssignale.
Das widerspricht positiven Fastenerfahrungen nicht unbedingt.
Es zeigt aber, dass Fasten biologisch kein simpler „Entzündung-aus-Schalter“ ist. Der Organismus befindet sich während längeren Fastens in einer ausgeprägten Anpassungsphase.
Wer sich grundsätzlich dafür interessiert, bei welchen Erkrankungen Fasten sinnvoll sein kann und wann Vorsicht geboten ist, findet dazu meinen ausführlichen Beitrag Fasten bei Krankheiten: Wann Heilfasten helfen kann – und wann nicht.
Interessant für Allergien: Ketonkörper und Mastzellen
Beim längeren Fasten steigt die Bildung von Ketonkörpern deutlich an. Besonders Beta-Hydroxybutyrat, kurz BHB, hat in den vergangenen Jahren wissenschaftliches Interesse geweckt.
Und hier kommen wir tatsächlich in einen Bereich, der für Allergien spannend ist.
Mastzellen gehören zu den zentralen Zellen allergischer Sofortreaktionen. Bei ihrer Aktivierung setzen sie unter anderem Histamin und weitere Entzündungsmediatoren frei.
Experimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass Beta-Hydroxybutyrat bestimmte mastzellabhängige und allergische Reaktionen beeinflussen kann. So wurde 2025 in einem experimentellen Modell allergischer Dermatitis eine Abschwächung von Mastzellaktivierung und Störungen der Hautbarriere durch BHB beschrieben.
2026 erschien außerdem eine Untersuchung, in der BHB allergische Reaktionen gegen das Cashew-Allergen Ana o 3 in einem experimentellen Modell abschwächte.
Das klingt interessant. Man muss allerdings genau hinsehen: Aus solchen experimentellen Ergebnissen sollte man nicht zwangsläufig ableiten, dass ein Mensch durch Fasten seine Nahrungsmittelallergie behandelt oder gar beseitigt.
Die Arbeiten liefern zunächst einen möglichen biologischen Mechanismus. Nicht mehr, aber eben auch nicht nichts.
Der Darm und Allergien – was wir heute tatsächlich wissen
Hier hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan.
Als Naturheilkundler wurde man früher gelegentlich etwas belächelt, wenn man bei Allergien nach dem Darm fragte. Inzwischen beschäftigt sich eine ganze Forschungsrichtung mit Darmbarriere, Mikrobiom und sogenannter oraler Toleranz.
Unser Immunsystem steht im Darm permanent vor einer schwierigen Aufgabe. Es muss Krankheitserreger abwehren, gleichzeitig aber Milliarden Darmbakterien und unzählige Nahrungsproteine tolerieren.
Regulatorische T-Zellen, Schleimhaut, Darmbarriere, das Immunsystem des Darms und die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien spielen dabei zusammen.
Besonders interessant sind kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat. Sie entstehen vor allem bei der bakteriellen Verarbeitung bestimmter Ballaststoffe und können sowohl die Darmbarriere als auch immunologische Regulationsprozesse beeinflussen.
Gerade bei Nahrungsmittelallergien wird deshalb heute intensiv untersucht, welchen Anteil Veränderungen des Mikrobioms an einer gestörten Immuntoleranz haben könnten.
Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, findet dazu auch meinen Grundsatzbeitrag über die Bedeutung der Darmflora beziehungsweise des Darmmikrobioms. Damit ist eine alte naturheilkundliche Beobachtung keineswegs aus der Luft gegriffen.
Aber auch hier sollten wir einen Fehler vermeiden: Dass der Darm bei Allergien eine Rolle spielt, bedeutet nicht automatisch, dass Fasten den Darm saniert und anschließend ist die Allergie verschwunden.
Biologie ist selten so bequem.
Was passiert mit dem Mikrobiom beim Fasten?
Auch dazu gibt es inzwischen Humanstudien.
Untersuchungen zeigen, dass längere Fastenperioden die Zusammensetzung des Darmmikrobioms zum Teil deutlich verändern können. Das ist eigentlich wenig überraschend: Wenn keine oder nur sehr wenig Nahrung in den Darm gelangt, verändert sich auch die Nahrungsgrundlage der dort lebenden Mikroorganismen.
Ein Teil dieser Veränderungen scheint nach Wiederaufnahme der Nahrung wieder zurückzugehen.
Deshalb halte ich wenig von der simplen Vorstellung, eine Woche Fasten würde automatisch eine dauerhaft „gute Darmflora“ erzeugen.
Der entscheidende Punkt beginnt meines Erachtens häufig nach dem Fasten.
Was essen Sie anschließend? Welche Ballaststoffe führen Sie zu? Wie hoch ist der Anteil hochverarbeiteter Produkte? Wie viel Zucker, Alkohol, Gemüse und pflanzliche Vielfalt kommen wieder auf den Tisch?
Wer sich ausführlicher mit der praktischen Darmtherapie beschäftigen möchte, findet dazu meinen Beitrag Warum eine Darmsanierung? Und warum diese so oft unterschätzt wird.
Der Kostaufbau ist bei Allergikern besonders interessant
Nach mehreren Fastentagen beginnt man nicht mit Pizza, Kuchen und einem halben Käsebrett.
Der Verdauungstrakt wird schrittweise wieder an Nahrung gewöhnt.
Bei Menschen mit unklaren nahrungsabhängigen Beschwerden bietet dieser Kostaufbau eine ausgesprochen interessante Gelegenheit, wieder genauer wahrzunehmen, wie einzelne Lebensmittel vertragen werden.
Ich würde dabei möglichst einfach beginnen.
Wenige unverarbeitete Lebensmittel sind übersichtlicher als Mischgerichte mit 15 Zutaten. Werden Lebensmittel nach und nach ergänzt, lassen sich Zusammenhänge zwischen Ernährung und Beschwerden oftmals leichter erkennen.
Beobachtet werden können beispielsweise:
- Juckreiz und Hautrötungen,
- Quaddeln oder Ekzemverschlechterungen,
- Schwellungen der Schleimhäute,
- laufende oder verstopfte Nase,
- Verdauungsbeschwerden,
- Kopfschmerzen,
- Herzklopfen oder Flush-Reaktionen,
- auffällige Erschöpfung nach bestimmten Mahlzeiten.
Das ersetzt allerdings keine allergologische Provokation.
Wer bereits einmal auf ein Lebensmittel mit Atemnot, Kreislaufproblemen, ausgeprägten Schleimhautschwellungen oder einer anderen schweren allergischen Reaktion reagiert hat, darf dieses Lebensmittel nach einer Fastenkur selbstverständlich nicht zu Hause „probeweise“ wieder essen.
Bei einer bestätigten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie bleibt die konsequente Meidung des auslösenden Allergens beziehungsweise der unverträglichen Form des Lebensmittels entscheidend.
Fasten erzeugt keine Desensibilisierung.
Praktisch: Wie würde ich die Aufbaukost gestalten?
Bei unklaren Nahrungsmittelreaktionen würde ich den Speiseplan in den ersten Tagen bewusst übersichtlich halten. Geeignet sind individuell verträgliche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel.
Man beginnt mit kleinen Portionen und erweitert die Auswahl nach und nach. Dabei sollte nicht jeden Tag gleichzeitig Käse, Brot, Nüsse, Joghurt, Tomaten, Schokolade und drei neue Nahrungsergänzungsmittel eingeführt werden. Wenn anschließend Beschwerden auftreten, weiß kein Mensch mehr, worauf eigentlich reagiert wurde.
Die allgemeinen Regeln für diese Phase beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastenbrechen richtig machen: Aufbautage nach dem Heilfasten.
Und genau an dieser Stelle entscheidet sich häufig, ob das Fasten nur eine Woche Nahrungsverzicht war oder ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Ernährungsumstellung entsteht.
Wenn Sie Heilfasten nicht einfach nach dem Motto „eine Woche nichts essen“ betreiben möchten, sondern Vorbereitung, Fastentage, mögliche Beschwerden und vor allem die wichtigen Aufbautage richtig gestalten wollen, dann tragen Sie sich in meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter ein. Dort erhalten Sie regelmäßig praktische Hinweise aus meiner langjährigen Fastenerfahrung und Naturheilpraxis:
Heilfasten bei Heuschnupfen
Bei einer Pollenallergie ist die Situation anders als bei einer Nahrungsmittelreaktion.
Die Pollen fliegen schließlich weiter, nur weil Sie nichts essen.
Fasten entfernt den eigentlichen Auslöser also nicht.
Denkbar ist dennoch, dass Veränderungen des Stoffwechsels und des entzündlichen Milieus die allgemeine Reaktionsbereitschaft beeinflussen. Für einen solchen Zusammenhang gibt es interessante mechanistische Hinweise, aber keine überzeugenden klinischen Studien, aus denen ich ableiten würde:
„Eine Woche Heilfasten behandelt Heuschnupfen.“
So weit sind wir nicht.
Wer regelmäßig fastet und gleichzeitig unter Pollenallergie leidet, kann den Verlauf aber durchaus beobachten. Verändern sich Nasenschleimhautschwellung, Augenjucken oder Medikamentenbedarf während und nach der Fastenperiode?
Das ist zunächst eine individuelle Beobachtung und kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis.
Zum Heuschnupfen selbst finden Sie meinen ausführlichen Beitrag unter Heuschnupfen: Pollenallergie erkennen und behandeln.
Heilfasten bei allergischem Asthma
Beim Asthma muss man noch vorsichtiger sein.
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Allergene können Auslöser sein, daneben existieren aber zahlreiche nichtallergische Formen und Trigger.
Es gibt einige Untersuchungen zum Fasten im Ramadan bei Asthmatikern. Insgesamt liefern diese Studien zumindest keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass kontrolliertes Fasten bei stabilen Patienten grundsätzlich die Lungenfunktion verschlechtern müsste.
Daraus folgt allerdings keineswegs, dass Fasten eine Asthmatherapie ersetzt.
Vor allem eines ist wichtig:
Asthmamedikamente dürfen nicht eigenmächtig wegen des Fastens abgesetzt oder verändert werden.
Bei schlecht eingestelltem oder schwerem Asthma würde ich längeres Fasten nicht ohne entsprechende fachliche Begleitung beginnen.
Das Thema habe ich ausführlicher unter Fasten bei Asthma – Chance zur Regeneration oder Risiko für die Atemwege? besprochen.
Neurodermitis und allergische Hauterkrankungen
Gerade bei Hauterkrankungen berichten Fastende vergleichsweise häufig über Veränderungen.
Die klinische Studienlage speziell zum Heilfasten bei Neurodermitis ist allerdings dünn.
Das muss man so klar sagen.
Trotzdem ist die Fragestellung interessant, weil während des Fastens gleichzeitig mehrere mögliche Einflussgrößen verändert werden: Nahrungsreize fallen weg, der Energiestoffwechsel verändert sich, Ketonkörper steigen an und auch das Darmmikrobiom reagiert auf die Nahrungspause.
Aus meiner Sicht kann deshalb bei geeigneten Patienten ein Fastenversuch sinnvoll sein.
Nur darf daraus kein Heilversprechen entstehen.
Mehr zu meiner praktischen Einschätzung finden Sie im Beitrag Heilfasten bei Neurodermitis – Möglichkeiten und Grenzen.
Nesselsucht: Nicht jede Quaddel ist eine Allergie
Bei chronischer Urtikaria lohnt sich besondere Vorsicht mit dem Begriff Allergie.
Viele Betroffene suchen über Jahre nach einem Lebensmittel oder einer Substanz, die angeblich ihre Quaddeln auslöst. Bei einem erheblichen Teil der chronischen spontanen Urtikaria lässt sich jedoch kein klassisches Allergen als Ursache nachweisen.
Zum Fasten gibt es in diesem Bereich kaum belastbare Daten.
Es existiert beispielsweise ein älterer Fallbericht, in dem die Quaddeln während einer Fastentherapie vollständig verschwanden, wenige Tage nach Beendigung des Fastens jedoch wieder auftraten, wenn auch schwächer.
Interessant?
Ja.
Beweis für eine Therapie?
Nein.
Gerade solche Beobachtungen zeigen sehr schön, warum man Verbesserung während des Fastens und Heilung einer Erkrankung nicht miteinander verwechseln darf.
Histaminintoleranz ist keine klassische Allergie
Ein weiteres Gebiet möchte ich ausdrücklich erwähnen, weil es ständig mit Allergien vermischt wird: die sogenannte Histaminintoleranz.
Hier handelt es sich nicht um die klassische Bildung spezifischer IgE-Antikörper gegen ein bestimmtes Allergen. Zudem ist das Krankheitsbild diagnostisch wesentlich komplizierter, als manche Internetseiten glauben machen. Einen einzelnen Laborwert, mit dem sich jede Histaminintoleranz zweifelsfrei beweisen ließe, gibt es nicht.
Während des Fastens fällt jedoch etwas Entscheidendes weg: die Zufuhr histaminreicher und anderer potenziell unverträglicher Lebensmittel.
Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, wenn entsprechende Beschwerden während einer Fastenperiode zurückgehen.
Interessant wird wiederum die Aufbauphase.
Treten Beschwerden beispielsweise nach gereiftem Käse, Rotwein, bestimmten fermentierten Lebensmitteln oder lange gelagerten Speisen wieder auf, liefert das einen Hinweis, dem man weiter nachgehen kann.
Ausführlicher gehe ich auf die Zusammenhänge in meinem Beitrag Histaminintoleranz – Naturheilkunde und Naturheilmittel ein.
Vorsicht mit der sogenannten „Heilreaktion“
An dieser Stelle korrigiere ich ausdrücklich eine Formulierung, die ich früher selbst verwendet habe. Wenn sich Hauterscheinungen während einer Fastenkur zunächst verstärkten, wurde das in der Naturheilkunde gerne als „Heilreaktion“ bezeichnet.
So pauschal würde ich das heute nicht mehr sagen. Eine vorübergehende Veränderung kann während einer Fastenumstellung durchaus auftreten. Aber Ausschlag, Quaddeln, Schleimhautschwellungen oder Atembeschwerden sollte man niemals automatisch als positives Zeichen interpretieren.
Besonders aufmerksam werden sollte man bei:
- zunehmender Atemnot oder pfeifender Atmung,
- Schwellungen von Zunge, Lippen oder Rachen,
- Kreislaufproblemen, ausgeprägtem Schwindel oder Kollaps,
- rasch zunehmender generalisierter Urtikaria,
- einer bekannten Vorgeschichte mit Anaphylaxie.
Das sind keine Beschwerden, die man als „Entgiftung“ aussitzen sollte.
Medikamente beim Fasten
Auch dieser Punkt wird gerne unterschätzt. Antihistaminika, Asthmamedikamente, Kortisonpräparate oder andere verordnete Medikamente sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden, nur weil eine Fastenkur beginnt.
Fasten kann außerdem die Bedingungen verändern, unter denen Medikamente wirken. Gewichtsverlust, veränderte Flüssigkeitszufuhr, Blutdruck, Blutzucker sowie Veränderungen von Leber- und Nierenstoffwechsel können je nach Arzneimittel von Bedeutung sein.
Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte deshalb vor einer längeren Fastenkur klären, wie damit während des Fastens verfahren wird.
Das gilt selbstverständlich nicht nur für Allergiker. Wer unsicher ist, ob eine Fastenkur für ihn überhaupt infrage kommt, sollte zunächst meinen Beitrag Wer darf nicht fasten? lesen.
Kann Heilfasten Allergien heilen?
Nach dem „offiziellen“ Kenntnisstand muss ich diese Frage hier öffentlich im Internet wie folgt beantworten: Für eine Heilung klassischer Allergien durch Fasten gibt es keinen belastbaren Nachweis.
Besonders bei IgE-vermittelten Allergien darf Beschwerdefreiheit während des Fastens keinesfalls mit einer verschwundenen Allergie verwechselt werden.
Gleichzeitig wäre es aus meiner Sicht ebenso voreilig, daraus zu schließen, Fasten sei für Allergiker grundsätzlich uninteressant. Im Gegenteil. Fasten verändert innerhalb weniger Tage zahlreiche Prozesse, die zumindest theoretisch auch bei allergischen Erkrankungen von Bedeutung sein können:
- die Nahrungszufuhr und damit den Kontakt zu möglichen Nahrungsreizen,
- den Energiestoffwechsel und die Ketonkörperbildung,
- das Darmmikrobiom,
- verschiedene immunologische Signalwege,
- Gewicht und Stoffwechsellage,
- und nach dem Fasten häufig auch die gesamte Ernährungsweise.
Gerade die Forschung zu Darmmikrobiom, regulatorischen T-Zellen und oraler Toleranz zeigt inzwischen, wie eng Ernährung, Darm und Immunsystem miteinander verbunden sind.
Mein Fazit
Ich halte Heilfasten bei bestimmten allergischen und allergieähnlichen Erkrankungen weiterhin für einen interessanten therapeutischen Begleiter. Bei chronischen Hautbeschwerden, unklaren nahrungsabhängigen Reaktionen oder einem insgesamt ungünstigen Ernährungs- und Stoffwechselmilieu kann eine Fastenperiode durchaus sinnvoll sein.
Der größte Nutzen liegt dabei möglicherweise gar nicht darin, dass während einiger Tage keine feste Nahrung aufgenommen wird.
Besonders wertvoll finde ich die Kombination aus Fasten, anschließend bewusst aufgebauter Ernährung und genauer Beobachtung der Reaktionen.
Denn häufig wird erst nach einer solchen Unterbrechung sichtbar, was vorher im täglichen Durcheinander aus Brot, Käse, Süßigkeiten, Fertigprodukten, Kaffee, Alkohol und zahlreichen Einzelzutaten unterging.
Bei echten Allergien bleibt allerdings eine klare Grenze: Fasten ersetzt weder eine allergologische Diagnose noch eine notwendige Notfallmedikation oder eine spezifische Immuntherapie.
Aber als zeitlich begrenzter Einschnitt, um Ernährung, Stoffwechsel und möglicherweise auch bestimmte Regulationsprozesse zu beeinflussen, halte ich Heilfasten nach wie vor für eine mehr als interessante Möglichkeit. Und ich könnte zahlreiche Praxisbeispiele nennen…
Wer selbst fasten möchte, findet den kompletten praktischen Ablauf in meiner Heilfasten-Anleitung Schritt für Schritt beziehungsweise im Heilfasten-Plan mit Entlastungstagen, Fastentagen und Aufbaukost. Und wer nicht nur das Fasten, sondern Allergien grundsätzlich aus naturheilkundlicher Sicht betrachten möchte, findet dazu meinen großen Beitrag Allergien natürlich behandeln – Möglichkeiten der Naturheilkunde.
Ausgewählte Quellen, die ich mir angesehen habe
- de Ciutiis I et al. Long-term fasting and its influence on inflammatory biomarkers: A comprehensive scoping review. Ageing Research Reviews. 2025. PubMed
- Commissati S et al. Prolonged fasting promotes systemic inflammation and platelet activation in humans: A medically supervised, water-only fasting and refeeding study. Molecular Metabolism. 2025. PubMed
- Topical β-hydroxybutyrate suppresses allergic dermatitis via HCAR2-CaMKK-AMPK-mediated barrier protection. 2025. PubMed
- Exogenous β-Hydroxybutyrate Supplementation Alleviates Ana o 3-Induced Allergic Responses. 2026. PubMed
- Short-chain fatty acids: linking diet, the microbiome and immunity. 2024. PubMed
- Dynamics and ecological reassembly of the human gut microbiome and the host metabolome in response to prolonged fasting. 2023. PubMed
- Oral tolerance to dietary antigens and Foxp3+ regulatory T cells. 2024. PubMed
- Fasting diet therapy for chronic urticaria: report of a case. PubMed





