Darmreinigung
Darmreinigung: Den Darm entgiften und entschlacken?
Die Einen behaupten "Der Tod sitzt im Darm" und das alleine sei schon Grund genug für eine Darmreinigung. Andere
behaupten: Das mit der Darmreinigung sei völliger Unsinn. In diesem Beitrag gehe ich dieser Frage auf den
Grund.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge (SKA)
Darmreinigung: Was soll denn da gereinigt werden?
Viele Menschen können mit dem Begriff Darmreinigung nichts anfangen. Und einige bezweifeln, dass es im Darm
überhaupt etwas zum "Reinigen", Entschlacken oder Entgiften gäbe.
Darmreinigung sei auch kein "wissenschaftlicher" Begriff - und überhaupt. Tatsächlich gibt es aus gängiger
schulmedizinischer Sicht keinen Grund für eine Darmreinigung als therapeutische Maßnahme. Selbst Wikipedia beeilt
sich, gleich im zweiten Satz zur "Colon-Hydro-Therapie" zu erklären: "Für die Beeinflussung von Krankheiten
existieren keine wissenschaftlich anerkannten Belege." [Stand: 28.10.2011]
Aber vielleicht haben die Editoren bei Wikipedia ja nicht richtig gesucht?
Zunächst einmal hält die gängige Ansicht der Schulmedizin diese nicht davon ab, selbst Darmreinigungen
durchzuführen. Natürlich dient hier eine Darmreinigung nicht einer Prophylaxe gegen mögliche Erkrankungen, sondern
als Vorbereitung für eine Darmspiegelung oder eine Darmoperation. Dazu werden Abführmittel und Einläufe eingesetzt, die
nicht mit reinem Wasser durchgeführt werden, sondern mit Natriumphosphaten oder PEG (Polyethylenglykol, auch als
Macragole bekannt).
Die oral verabreichten Natriumphosphate wurden dann jedoch mit Nierenproblemen in Verbindung
gebracht(1), so dass es heute eine Empfehlung gibt, diese Substanzklasse nicht mehr zu verwenden.
PEG (Polyethylenglykol) dagegen als orale Form der Darmreinigung durch Abführen ist bei den betroffenen
Patienten nicht sehr beliebt, da der Geschmack der Substanz durchaus eine "Herausforderung" ist. Dazu kommt, dass
PEG deutlich mehr Übelkeit verursacht als eine Natriumphosphat-Lösung.(2)
Um bei einem PEG-Einlauf Elektrolytveränderungen zu begegnen, werden dem Einlauf Elektrolyte hinzugegeben.
Elektrolytverschiebungen sind für das Natriumphosphat bekannt, wurden aber auch in erheblichem Maße bei
Behandlungen mit PEG beobachtet.(3)
Aber es gibt auch innerhalb der Schulmedizin kritische Stimmen, die selbst vor einer Darmoperation sehen keinen
Grund für eine Darmreinigung sehen. Aus Finnland kommt eine Arbeit, die eine rigorose Darmentleerung mittels
Einläufen und/oder Abführmitteln ablehnt und statt dessen auf entsprechend sterile und präzise Operationstechniken
als Lösung des Problems hinweist.(4)
Schulmedizinische Beweise gegen die Darmreinigung als therapeutisches
Konzept
Jetzt stehen wir also vor einem kleinen Wirrwarr bezüglich der Lehrmeinungen der Schulmedizin, wenn es um die
Darmreinigung geht.
Von daher ist es verständlich, dass die Idee der Darmreinigung nur wenig Freunde unter den Schulmedizinern
findet, wenn sie als Gesundheitspflege ins Spiel gebracht wird.
Zu diesem Thema gibt es sogar explizite Stellungnahmen in einschlägigen Fachzeitschriften: Tod
et al.: „Rectal irrigation in the management of functional bowel disorders: a review“; Faculty of
Health and Wellbeing, Sheffield Hallam University, Sheffield. Br J Nurs. 2007 Jul 26-Aug 8;16(14):858-64.
Stuhlinkontinenz und Verstopfung sind Beispiele für funktionelle Störungen des Gastrointestinaltrakts,
die zu unangenehmen psychologischen und physiologischen Symptomen führen können. Diese beeinflussen dann in
erheblichem Ausmaß die Lebensqualität der Betroffenen. Für diese Patienten wurde dann die Darmreinigung per
Einlauf als Therapieoption eingeführt.
Die Arbeit selbst greift für die Beurteilung der Effektivität dieses Vorgehens auf Daten von älteren
Studien zurück, die auf diese Fragestellung nachanalysiert worden waren. Dabei wurden 1051 Arbeiten per
Literatursuche gefunden, von denen aber nur 9 eine spezifische Beurteilung der Effektivität von Einläufen bei
funktionellen Störungen im Darmbereich ablieferten.
Diese Daten ließen die Vermutung zu, dass eine Darmreinigung per Einlauf eine wirkungsvolle
Behandlungsoption für diese Patientengruppe sein kann.
Aber – die Variationen zwischen den gefundenen Studien und die methodischen Einschränkungen bedeuten
unter dem Strich, dass die Effektivität der rektalen Reinigung per Einlauf nicht als bewiesen angesehen werden
kann.
Fazit: Ich weiß nicht, warum die Autoren zu einem Schluss kommen, der diametral
den eigenen Beobachtungen entgegengesetzt ist. Umso mehr, da die Autoren keine eigene Studie unter klinischen
Bedingungen, also mit Patienten, gemacht haben, sondern eine Art Metaanalyse durchgeführt haben, die oft durch
gezielte Fragestellungen die Ergebnisse bringen soll und dann auch bringt, die man sich erwünscht.
In diesem Fall hat die Metaanalyse einmal nicht zu dem gewünschten
Ergebnis geführt, sondern deutliche Hinweise gegeben, dass die Darmreinigung mittels Einläufen eine Option zu
sein scheint, die sogar für die Schulmedizin interessant sein könnte.
Wesentlich drastischere Worte findet eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2009: Acosta und
Cash: „Clinical effects of colonic cleansing for general health promotion: a systematic
review“;
Division of Gastroenterology, National Naval Medical Center, Bethesda, Maryland, USA.
Erratum in Am J Gastroenterol. 2010 May;105(5):1214.
Am J Gastroenterol. 2009 Nov;104(11):2830-6
Der Glaube, dass eine Darmreinigung allgemein Gesundheit und Wohlbefinden fördere, hat immer noch eine große
Anhängerschaft unter den medizinischen Laien. Diese Praktiken werden als Zusätze beworben, die die Vitalität
verbessern und die Symptome lindern bzw. die Entwicklung von chronischen Erkrankungen gleich ganz verhindern.
Bislang gibt es aber keine genauen und systematischen Untersuchungen zur Darmreinigung und „Entgiftung“ des
Körpers.
Diese Arbeit, so die Autoren, liefert die erforderliche systematische Untersuchung anhand der schon
veröffentlichten Daten aus anderen Studien von Seiten der traditionellen und komplementären Medizin, als auch der
alternativen Medizin.
Die ausgewählten Arbeiten beziehen sich auf die Bewertung der Effektivität von Darmreinigung seitens dieser
Studien. So kamen die Autoren dann zu dem Schluss, dass es für diese Fragestellung keine kontrollierten und
methodisch einwandfreien Studien gäbe, die die Darmreinigung als ein Mittel zur Verbesserung der Gesundheit und des
allgemeinen Wohlbefindens überzeugend darstellen könnten.
Im Gegenteil, es gäbe eine Reihe von Fallbeispielen, die beträchtliche Nebenwirkungen durch die Darmreinigung
gezeigt hätten.
Schlussfolgerung der Autoren: Es gibt in der Literatur keine Daten, die den gesundheitsfördernden Charakter der
Darmreinigung belegen könnten und damit ließe sich diese Behandlung nicht empfehlen.
Fazit: Die Autoren merken nicht in ihrem Eifer, "Beweise" für den Unsinn der Darmreinigung
zu finden, dass sie selbst einem methodologischen Fehler aufsitzen. Denn, wie schon kurz zuvor bemerkt, sind
Literaturrecherchen, Metaanalysen und dergleichen noch weniger geeignet, einen "Beweis" zu erbringen als klinische
Studien, die auch nur statistische Zusammenhänge, aber keine Ursachen darstellen können.
Das Fazit vom Fazit: Die von der Schulmedizin erbrachten Beweise gegen die Wirksamkeit der
Darmreinigung stehen auf tönernen Füßen, da bei den hier zitierten Arbeiten nur deren formelle Ausführung in Frage
gestellt wird. Mit dem Inhalt beschäftigen sich die Autoren nur sekundär, wenn überhaupt. Aber, wer höchste
Ansprüche an die Form von Studien stellt, damit diese überhaupt als aussagekräftig akzeptiert werden können, sollte
nicht als erster seine eigenen Regeln brechen.
Für mich "beweisen" die Veröffentlichungen dieser Skeptiker mitnichten eine mangelhafte oder gar fehlende
Effektivität der Darmreinigung bei der Behandlung und Prophylaxe von Erkrankungen. Sie beweisen vielmehr die
mangelnde Fähigkeit der Autoren, wissenschaftlich hieb- und stichfeste Fakten zu präsentieren. Solche Praktiken
sind besonders gut geeignet, dass oben erwähnte Wirrwarr zu untermauern.
Naturwissenschaftlich-medizinische Einschätzungen der Darmreinigung als
Therapieoption
Es geht im Folgenden nicht darum, diese hieb- und stichfesten Beweise für eine quasi "Allmacht" der
Darmreinigung zu liefern. Ich bin überzeugt, dass es diese Allmacht nicht gibt. So hat die Darmreinigung ihre
Schwächen und Stärken, wie jede andere Therapieform auch.
Im Folgenden geht es mir vielmehr darum, Arbeiten zusammenzutragen, die die gängige (schulmedizinische) Meinung
relativieren und die positiven Wirkungen der Darmreinigung erörtern – wenn es sie gibt.
Zu diesem Thema fand ich bei meiner Studienrecherche einige Arbeiten, so dass ich aus Zeit- und Platzgründen nur
die Arbeiten hier zitiere, die in den letzten vier Jahren (Stand November 2011)veröffentlicht wurden.
Fangen wir im Jahr 2007 an: Núñez et al.: „Rectal irrigation and bowel decontamination for the prevention of postoperative enterocolitis in
Hirschsprung's disease“;
Servicio de Cirugía Pediátrica, Hospital Universitario Materno Infantil, Badajoz; Cir Pediatr. 2007
Apr;20(2):96-100.
Das Ziel dieser Arbeit war, den Nutzen einer Darmreinigung und Dekontaminierung bei der Hirschsprung-Krankheit
(kongenitalen Megakolon) und der Vermeidung von Enterokolitis nach einer Operation abzuschätzen.
Bei der Hirschsprung-Krankheit handelt es sich um einen angeborenen Mangel an Ganglienzellen im Darmbereich, was
zu einer Vergrößerung der dort befindlichen Nervenzellen führt. Dies wiederum bewirkt eine vermehrte
Acetylcholin-Ausschüttung und einer dauerhaften Stimulation der Darmmuskulatur, speziell der Ringmuskulatur.
Durch die Dauerkontraktion werden Darmsegmente, meist im Rektumbereich, eingeengt. Diese Konfiguration erschwert
die Darmentleerung beträchtlich. Durch den Stau von Kot vor der Verengung kommt es dann zu einer Aufblähung des
Darms, dem Megakolon. Diese Komplikation geht dann einher mit Entzündungsprozessen, Erbrechen, Meteorismus usw.
Eine Behandlung besteht dann oft nur in einer Beseitigung der Stenose durch einen operativen Eingriff. Und hier
versuchten die Autoren nachzuvollziehen, inwieweit eine Darmreinigung und Dekontaminierung (Entgiftung) in der Lage
war, Komplikationen nach der Operation des Megakolon zu verhindern.
Da es sich hier um eine eher seltene genetische Erkrankung handelt, gab es auch nur ein relativ kleines
Kollektiv von 37 Patienten, die alle einer Operation unterzogen wurden.
Gruppe 1 enthielt 19 Patienten, bei denen keine postoperative Prophylaxe durchgeführt wurde. Gruppe 2 enthielt
18 Patienten, bei denen nach der Operation eine Darmreinigung per Einlauf und Dekontaminierung durchgeführt wurde. Die Menge der Flüssigkeit für
die Einläufe betrug mindestens 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht des betroffenen Patienten. Leider wurde
nicht angegeben, welche Flüssigkeit benutzt wurde.
Die Prophylaxe wurde am 10. Tag nach der Operation begonnen. Die Behandlungen erfolgten täglich für die Dauer
von 2 Monaten bis hin zu mehreren Jahren bei Patienten mit einem künstlichen Darmausgang.
Die "Dekontaminierung" wurde im Wechsel mit der Darmreinigung mit Antibiotika und Antimykotika (Gentamicin,
Metronidazol oder Nystatin) durchgeführt. Danach wurde das Aufkommen von entzündlichen
Prozessen bei diesen Patienten beurteilt.
In der unbehandelten Gruppe (Gruppe 1) entwickelten 9 Patienten eine Enterokolitis, wovon 2 verstarben. In
Gruppe 2 entwickelten 2 Patienten eine zeitlich begrenzte Episode von Enterokolitis während der Behandlung. Einer
dieser beiden hatte eine weitere Episode, nachdem er die Behandlung hatte unterbrechen lassen. Die ursprüngliche
Episode mit Enterokolitis jedoch entwickelte sich schon vor Beginn der regulären Behandlung von 10 Tagen nach der
Operation. Es wurden in dieser Gruppe keine Todesfälle verzeichnet.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Einläufe zur Darmreinigung und Dekontaminierung mittels Antibiotika und
Antimykotika signifikant das Auftreten von entzündlichen Prozessen im Darm nach einer Operation verhindern können
bzw. die Schwere einer Enterokolitis bei dieser speziellen Form der Darmerkrankung abschwächen.
Der Grund dafür liegt in der Verhinderung eines Staus der Fäkalien im Darm und der Verhinderung von
unkontrolliertem Wachstum der Bakterien.
Fazit: Diese Studie beweist zwar nicht, dass eine Darmreinigung das allgemeine Wohlergehen
fördert. Sie zeigt aber in einer extremen gesundheitlichen Situation, dass diese Form der Therapie notwendig wird,
um schädliche Entwicklungen im Gastrointestinaltrakt zu verhindern und um damit noch mehr gesundheitlichen Schaden
abzuwenden. Der gesundheitliche Zustand der Patienten erforderte sogar eine tägliche Darmreinigung, was den
extremen Zustand der Situation nochmals unterstreicht. Diese Häufigkeit gilt natürlich nicht als eine Empfehlung
für gesunde Menschen, die eine Darmreinigung durchführen wollen.
Was mir an obiger Studie weniger gefallen hat, ist der Einsatz der Antibiotika und Antimykotika
(Antipilzmittel). Mich hätte da ein weitere Gruppe interessiert, der man stattdessen Probiotika und Heilpilze verabreicht hätte... Nun denn.
Schauen wir uns mal die nächste Studie, die ohne Medikamente durchgeführt wurde: Lestár et
al.: „Antegrade colonic enema is a choice for the treatment of faecal incontinence and
constipation“
Szent Rókus Kórház, Sebészeti Osztály, Budapest.
Magy Seb. 2007 Aug;60(4):210-4.
Diese Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Stuhlinkontinenz und Verstopfung nicht immer erfolgreich mittels einer
Operation behandelt werden können. In diesem Fall können Einläufe Symptome mildern und eine Art Pseudokontinenz
herbeiführen.
Die Autoren präsentieren in der Arbeit eine Methode der Darmreinigung, die sich in der Praxis schon bewährt hat.
Sie ist seit 1990 in der klinischen Anwendung zu finden. Es handelt sich hier um einen Einlauf, der nicht über das
Rektum appliziert wird, sondern ein sogenannter antegrader Einlauf, der ins Caecum, dem ersten Dickdarmabschnitt
appliziert wird. Durch diesen operativen Eingriff wird sichergestellt, dass der gesamte Dickdarm durchspült wird.
Für die Spülung wird normales Leitungswasser (300 – 450 Milliliter) genommen und durch einen dünnen Katheter
appliziert. Nach nur kurzer Zeit kommt es dann beim Patienten zum Stuhlgang.
Die Prozedur wurde bei 12 Patienten vorgenommen. Die Indikationen, die eine solche Darmreinigung notwendig
machten, waren, Stuhlinkontinenz, die durch eine nervale Schädigung im Beckenbodenbereich bei drei Patienten
bedingt war, Schließmuskelverletzung bei zwei Patienten und angeborenen Anomalien des Schließmuskels bei zwei
Patienten. Stuhlinkontinenz und Verstopfung, bedingt durch nervale Probleme im Beckenboden, lagen bei drei weiteren
Patienten vor. Die letzten beiden Patienten litten unter einer therapieresistenten Verstopfung.
Nach der Spülung kam es zum Stuhlgang, wobei das funktionelle Ergebnis bei den verschiedenen Patienten
variierte. 8 von 12 Patienten waren mit dem Ergebnis zufrieden; zwei Patienten berichteten von einer Verbesserung
der Verstopfung; ein Fall zeigte keine Veränderungen. In dem letzten Fall konnte die antegrade Applikation aufgrund
von chirurgischen Problemen nicht ausgeführt werden. In einem Fall kam es zu einem signifikanten
Reflux-Syndrom.
Schlussfolgerung der Autoren: Nach einer adäquaten Auswahl der Patienten kann dieses spezielle Verfahren der
Darmreinigung mit Erfolg ausgeführt werden.
Fazit: Diese Form der Darmreinigung ist natürlich nicht für zuhause gedacht. Es zeigt
jedoch, dass die Autoren sich Gedanken gemacht hatten, wie der gesamte Dickdarm zuverlässig durchgespült werden
konnte, was bei der klassischen Applikation von Einläufen nicht notwendigerweise gesichert ist. Dieses Vorgehen
zeugt von der Bedeutung, eine komplette Darmreinigung durchzuführen, um zu zufriedenstellenden Ergebnissen zu
gelangen.
Nächste Studie: Koch et al.: „Colonic irrigation for defecation disorders after dynamic graciloplasty“; Department of
Surgery, University Hospital Maastricht, Maastricht, Netherlands.
Int J Colorectal Dis. 2008 Feb;23(2):195-200
Patienten mit Stuhlinkontinenz leiden durchweg unter einer verminderten Lebensqualität. In vielen Fällen kann eine
Schließmuskeloperation diesen Zustand verbessern. Aber nicht jeder Patient spricht auf eine Operation gut an. Bei
diesen Patienten kommt es nicht zu der gewünschten Abnahme der Inkontinenz. Dazu kommt, dass Verstopfungen eine
häufige „Nebenwirkung“ einer solchen Operation sind. Ihre Häufigkeit wird mit 13 bis 90 Prozent beziffert.
Hier ist die Darmreinigung per Einlauf eine mögliche Lösung des Problems. Diese Arbeit untersucht die
Effektivität der Darmreinigung bei diesen Patienten.
Diese Studie wurde mit 46 Patienten durchgeführt, mit einem durchschnittlichen Alter von fast 60 Jahren. 80
Prozent der Patienten waren Frauen. Im Durchschnitt begannen die Patienten die Darmreinigung per Einlauf 21 Monate
nach deren Operation. Nur 8 Patienten begannen die Darmreinigung vor der OP. 52 Prozent der Patienten benutzten die
Einläufe als Zusatztherapie gegen die Stuhlinkontinenz, 24 Prozent gegen Verstopfung und 24 Prozent gegen beides.
Die Einläufe wurden täglich vorgenommen mit durchschnittlich etwas mehr als 2 Liter Wasser und einer Spüldauer von
39 Minuten. 4 Patienten unterzogen sich einer antegraden Spülung mit gutem Erfolg. 81 Prozent der Patienten waren
mit dem Erfolg der Einläufe zufrieden. 37 Prozent mit Stuhlinkontinenz erreichten eine (Pseudo)Kontinenz. Bei 30
Prozent der Patienten wurden die Verstopfungen vollkommen beseitigt. In 61 Prozent der Fälle kam es zu
Nebenwirkungen. Dies waren nachträglicher Wasseraustritt aus dem After nach abgeschlossener Spülung, abdominale
Krämpfe und aufgeblähte Bauchhöhlen. 7 Patienten (16 Prozent) unterbrachen die Einläufe.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Darmreinigung per Einlauf eine effektive Alternative in der
Behandlung von chronischer Stuhlinkontinenz nach einer Schließmuskeloperation ist und/oder chronischer
Verstopfung.
Fazit: Auch hier haben wir es mit einer eher extremen gesundheitlichen Situation zu tun.
Aber auch hier zeigt sich wieder, dass die Darmreinigung die Symptomatik einschränken kann bzw. sogar bei einer
großen Zahl der Patienten zu einer Lösung der Beschwerden führen kann. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang
die Bemerkung, dass die Spülungen nur mit ganz normalem Wasser durchgeführt worden sind und nicht mit Medikamenten
oder Zusätzen.
Vom gleichen Autorenteam ein weiterer interessanter Bericht von etwas allgemeinerer Natur: Koch et al.:
„Prospective study of colonic irrigation for the treatment of defaecation disorders“
Department of Colorectal Surgery, University Hospital Maastricht, Maastricht, Netherlands. Br J Surg. 2008
Oct;95(10):1273-9.
Die Autoren führten eine prospektive Studie durch, die zeigen sollte, ob eine Darmreinigung per Einlauf eine
effektive Alternative bei Störungen des Stuhlgangverhaltens ist, vor allem wenn konservative Therapien oder eine
Operation versagt haben.
Hierzu wurden die Patienten in 3 Gruppen aufgeteilt: Gruppe A mit Stuhlinkontinenz, Gruppe B mit Verstopfung und
Gruppe C mit beiden Problemen. Die Studie enthielt 39 Patienten. In Gruppe A waren nach 3 Monaten 11 der 18
Teilnehmer pseudokontinent. Die Häufigkeit der Inkontinenz (nach Parks Incontinence Score)(5) nahm
für alle Patienten dieser Gruppe stetig über den gesamten Zeitraum ab, nach 3, 6 und 12 Monaten.
In Gruppe B berichteten 3 von 10 Patienten über einen signifikanten Erfolg. Auch hier nahm die Häufigkeit eines
inkompletten Stuhlgangs im Laufe von 3, 6 und 12 Monaten signifikant ab.
In Gruppe C wurden 6 von 10 Teilnehmern pseudokontinent und 3 berichteten über eine deutliche Verbesserung der
Verstopfung. Die allgemeine Lebensqualität wurde von allen als signifikant verbessert beurteilt.
Die Autoren kamen aufgrund dieser Beobachtungen zu dem Schluss, dass die Darmreinigung per Einlauf eine
unterschätzte, aber effektive alternative Behandlungsmöglichkeit für Störungen des Stuhlgangverhaltens ist.
Fazit: Auch hier haben wir es mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu tun, die aber
weit weniger extrem ausfällt als in den zuvor diskutierten Arbeiten. Aber auch hier zeigt die Darmreinigung einen
für die Betroffenen positiven Effekt.
Leider wurden die allermeisten Untersuchungen immer nur mit dem Fokus "Verstopfung" durchgeführt. Andere
Parameter wurden scheinbar gar nicht untersucht. Eine Ärztin aus Großbritannien kommt in ihrer Arbeit zu dem
Schluss, dass die Darmreinigung bei funktionellen Darmstörungen eine wertvolle Behandlungsoption darstellt.
Grundlage für diese Einschätzung ist die praktische Erfahrung der Autorin, die sie in ihrer Tätigkeit im
Krankenhaus gewonnen hat.
McWilliams D.: „Rectal irrigation for patients with functional bowel disorders“ St Peter's Hospital,
Chertsey, Surrey. Nurs Stand. 2010 Mar 3-9;24(26):42-7.
Fazit: Bei dieser Arbeit handelt es sich streng genommen um die Beobachtung einer praktischen Ärztin und nicht
um eine wissenschaftliche Schlussfolgerung. Es ist interessant zu sehen, dass die praktische Einschätzung eines
Schulmediziners nicht unbedingt lehrbuchkonform ausfallen muss. Denn es ist zu erwarten, dass wissenschaftliche
Ergebnisse auch in der Praxis ihre Bestätigung finden, was in diesem Fall offensichtlich zu sein scheint.
Nächste Arbeit: Lundby und Duelund-Jakobsen: „Management of fecal incontinence after treatment for rectal cancer“; Surgical Research Unit,
Department of Surgery P, Aarhus University Hospital, Aarhus, Denmark. Curr Opin Support Palliat Care. 2011
Mar;5(1):60-4.
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten der Behandlung von Stuhlinkontinenz nach einer Behandlung von Darmkrebs, speziell im Rektumbereich.
Als therapeutische Möglichkeiten heben die Autoren folgende Maßnahmen hervor: spezielle abgestimmte Ernährung,
Ballaststoffe, Abführmittel und Einläufe. Biofeedback ist eine Option für die Stärkung des externen Schließmuskels,
zur Verbesserung der rektalen Empfindlichkeit und die Koordination der Muskulatur im Beckenboden.
Darmreinigungen per Einlauf haben sich hierbei als erfolgreich erwiesen, um Symptome zu reduzieren und die
Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Weitere Therapieformen werden von den Autoren diskutiert, die aber
direkt nichts mit unserem Thema zu tun haben.
Fazit: Die Darmreinigung scheint auch bei Krebserkrankungen im Darmbereich effektiv zu
sein, zumindest bei der Abschwächung der Symptome. Ebenso kommen hier erstmals Begriffe wie "Verbesserung der
Lebensqualität" vor, die ich bei den anderen Untersuchungen allesamt vermisst habe. Auch hier zeigt diese
Behandlungsform einen gediegenen Grad an Effektivität.
Darmreinigung in Bezug zum Immunsystem
Bisher konnten wir ja "nur" sagen: Ok, Darmreinigungen helfen bei Verstopfungen und verhelfen wahrscheinlich
auch schwer kranken Patienten zu mehr Lebensqualität.
Aber Heilpraktiker und naturheilkundliche Ärzte schreiben der Darmreinigung noch wesentlich mehr Effekte zu -
denn deren Meinung nach sitzt der Tod ja bekanntlich im Darm...
Die für mich aufregendste Studie zum Thema Darmreinigung kommt aus Japan. Sie ist die Einzige, die sich nämlich
auf keine Krankheit bezieht, sondern den Darm als ein wichtiges Immunorgan in die Analyse einbezieht. So wird gemutmaßt, dass
Leute, die an Verstopfung leiden und somit ältere Ablagerungen von Kot im Dickdarm aufweisen, eine
Verschlechterung der Immunlage hinnehmen müssen.
Uchiyama-Tanaka Y.: „Colon irrigation causes lymphocyte movement from gut-associated lymphatic tissues to peripheral
blood“
Yoko Clinic, Yahatahigashi-ku, Kitakyushu, Japan.
Biomed Res. 2009 Oct;30(5):311-4.
Bei dieser Arbeit wurden bei 10 Probanden eine Darmreinigung per Einlauf durchgeführt. Es wurde die Anzahl der
Leukozyten gezählt und deren Lokalisation bestimmt. Das Ergebnis zeigte, dass Zahl und
Verhältnis der Leukozyten im Blut nach der Spülung signifikant zunahmen. Das Resultat gab Grund für die
Vermutung, dass die Darmreinigung eine Migration von Lymphozyten vom lymphatischem Gewebe des
Gastrointestinaltrakts zum Blutkreislauf induzierte. Dieser Vorgang kann als Ausdruck einer Verbesserung der
Funktionen von Dickdarm und Immunsystem gewertet werden.
Fazit: Wenn eine Darmreinigung die Immunfunktion des Darm positiv beeinflusst, dann liegt
der Verdacht nahe, dass, entgegen der schulmedizinischen Lehrmeinung, diese Anwendung über die Verbesserung des
Immunstatus in der Lage sein kann, insbesondere Infektionskrankheiten und andere immunbezogene Krankheiten
einzuschränken.
Sind Darmeinigungen gegen Krankheiten wirksam?
Ob eine Darmreinigung per Einlauf eine effektive Antwort auf alle Krankheiten ist, sollte man aus
wissenschaftlicher Sicht noch nicht beantworten.
Was wir heute aber schon beantworten können, ist, dass diese Behandlungsform eine positive Antwort geben kann
auf einige ernste und weniger ernste gesundheitliche Probleme.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung der japanischen Wissenschaftler (siehe Studien oben), dass
die Darmreinigung einen positiven Einfluss auf das Immungeschehen zu haben scheint. Wenn diese Beobachtung bestätigt werden kann, dann ergibt sich ein Behandlungsfeld für
die Darmreinigung, das selbst die stärksten Befürworter dieser Methode nicht vermutet hätten.
Ohne unsere Darmflora hätten wir eine sehr eingeschränkte Abwehrfunktion gegen
Krankheitserreger.
Woran liegt das?
Im Darm gibt es eine "Mikroflora" - die sogenannte Darmflora.
Eine optimale Darmflora macht bei einem gesunden Menschen einen Großteil der körperlichen Abwehr aus. Der Darm
ist ein Mikrokosmos ganz besonderer Art.
Er ist die Heimat von rund 500 verschiedenen Arten von Mikroben: Escherichia und Clostridiurn, Bacteroides und
Pseudomonas, Bifidobacterium, Klebsiella, um nur einige zu nennen.
Die meisten dieser Mikroben verrichten sehr nützliche Aufgaben bei der Verdauung oder halten andere, schädliche
Mikroben in Schach.
Die Mikroben dürfen die Darmwand aber keinesfalls durchdringen und ins Innere des Körpers gelangen.
Wie kompliziert das Wechselspiel mit den baktetiellen Bewohnern ist, sieht man bei Säuglingen, bei denen sich
die Darmflora erst mühsam - und oft unter Schmerzen aufbauen muss.
Später ist die Zusammensetzung der Darmbakterien zwar relativ stabil,
ändert sich aber in gewissem Maß durch Veränderungen bei der Nahrung, Entzündungen oder andere Belastungen des
Immunsystems.
Die Mikroben existieren besonders zahlreich im Dickdarm, in der unvorstellbaren Menge von bis zu 100 Milliarden
und das in nur einem Gramm Darminhalt. Deshalb besteht der Stuhl auch zu mehr als einem Drittel aus abgestorbenen
Bakterien.
Bestandteil einer vernünftigen Darmreinigung muss dementsprechend auch eine
"Wiederaufforstung" sein.
Benötigt werden dazu mikrobiologische Präparate (sog. Probiotika) und auch eine Umstellung der
Ernährungsweise.
Mehr über die Zusammenhänge zwischen dem Darm und Ihrem Immunsystem lesen Sie in meinem Artikel: Immunstärkung durch das Darm-Immunsystem.
Weitere Themen zum Weiterlesen: Darmsanierung - Entgiften und Entschlacken - Symbioselenkung - Die Verdauung des Menschen
und die Darmflora - Darmpilz Candida Albicans -
Mikrobiologische
Therapie
(1) siehe: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19675530 (2) siehe:
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18396744
(3) siehe: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19895448
(4) siehe: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20402036
(5) gebräuchlicher ist der Cleveland Clinic Incontinence Score
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Im folgenden noch eine Erfahrung eines Teilnehmers, der zur Gruppe der wenigen Personen gehört, die nicht fasten
sollten, bzw. dies vorher abklären sollten. Herr Kerschgens hat aber die Maßnahmen zur Darmreinigung durchgeführt.
Lesen Sie selbst:
| BERICHT ZUR HEILFASTENANLEITUNG VON I.
KERSCHGENS |
|
" (...) konnte ich trotzdem Ihre Informationen für die
Darmreinigung nutzen, die ich als sehr angenehm empfand und dies mit einem eintägigen Safttag
verbinden..."
ich habe gerne und mit vollem Interesse Ihre Einführungen zum
Heilfasten studiert. Da ich noch keine Ahnung mit Fasten und vor allem den Vorbereitungen
dazu hatte, konnte ich viele für mich wichtige Informationen daraus ziehen.
Da ich dann aus Ihren Seiten erfahren habe, dass ich zu der Gruppe
gehöre, die eher nicht fasten sollte, konnte ich trotzdem Ihre Informationen für die
Darmreinigung nutzen, die ich als sehr angenehm empfand und dies mit einem eintägigen Safttag
verbinden.
Trotzdem habe ich alle Ihre täglichen Seiten für das Heilfasten
gespeichert, falls ich doch einmal den gesamten Turnus ausprobieren möchte.
Jedenfalls danke ich Ihnen, dass sie sich diese große Mühe machen, um
allen die Möglichkeit zum Fasten zu geben.
Mit freundlichen Grüßen
I.Kerschgens
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