Fertiggerichte aus dem Supermarkt?
von: René Gräber -
Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Wir wissen es ja selbst eigentlich am besten: Frisch selbstgekochte Speisen aus qualitativ hochwertigen Zutaten
bringen uns den höchsten Nährwert und natürlich auch Lebensqualität.
Aber wonach greifen wir, wenn wir keine Zeit oder aber auch keine Lust haben
selbst zu kochen?
Zu Fertiggerichten im Supermarkt.
Und dort ist das Angebot schwindelerregend vielfältig:
Der Becher, der nur noch mit heißem Wasser gefüllt werden muss, um fünf Minuten später angeblich einen
vollwertigen Kartoffel-Pilz-Topf zu bieten, die Tüte, die mit Wasser in der Pfanne gekocht nach 3 Minuten eine
Spätzlepfanne verspricht, der eingeschweißte Fisch mit Gemüseklecks und Reishäufchen für die Mikrowelle –
willkommen in der Welt der Fertiggerichte.
Wir finden sie in der Dose, in der Tüte, im Tiefkühlfach, und sie alle versprechen maximalen Genuss bei
minimalem Zeitaufwand. Alles selbstverständlich „light“ und mit „natürlichen Aromen“.
In der Obst- und Gemüseabteilung locken appetitlich angerichtete Salate, kleine Snacks und ganze Gerichte vom
Salat mit Tunfisch und Ei über Milchreis oder Grünkohl mit Kochwurst bis hin zur fertig belegten Baguetteflöte für
den Backofen.
Die Lichtverhältnisse gerade in dieser Abteilung gaukeln dem Verbraucher vor, hier besonders frische und
hochwertigere Fertiggerichte zu erwerben als aus der Tüte oder dem Tiefkühl-Fach. Aber ein Blick auf die
Inhaltsstoffe zeigt auch hier diverse Konservierungsstoffe , Farb- und künstliche Aromastoffe.
Sie erkennen Ihren eigenen Einkauf hier wieder?
Bevor Sie jetzt trotzig sagen: „Der hat gut reden, schließlich dauert meine Mittagspause gerade mal 20 Minuten“,
lesen Sie bitte weiter.
Ich will Fertiggerichte nicht per se verdammen.
Lösung 1: Greifen Sie lieber zum hochwertigen Tiefkühlgericht als zum schnellen Cheeseburger
mit extra Pommes im Fastfood-Tempel!
Ich möchte Ihnen nur die Augen öffnen und eine kleine Anleitung für die richtige Wahl bei den Fertiggerichten
aus dem Supermarkt mit geben.
Was darf drin sein – und wovon sollte ich lieber die Finger
lassen?
„Light“, „Fruchtzubereitung“, „natürliche und naturidentische Aromastoffe“ - ich helfe Ihnen gerne, hier als
aufgeklärter Verbraucher den Weg durch das Dickicht der Lebensmittelchemie zu finden.
Ihre Teewurst trägt den Aufdruck „light“?
Gratuliere, dann wurde wahrscheinlich ein Teil des enthaltenen Zuckers durch Süßstoffe ersetzt. Über den
vorhandenen Fettgehalt und die Kalorienzahl sagt diese Bezeichnung leider nichts aus, der kann genauso hoch sein
wie das „Originalprodukt“ der selben Firma.
Andersherum kann es natürlich sein, dass der Fettgehalt um 10% reduziert wurde – das geht jedoch zumeist
mit einer Erhöhung des Zuckeranteils einher.
Der Pudding hat gerade mal 1% Fett?
Da Fett jedoch als Geschmacksträger fungiert, wird hier höchstwahrscheinlich mit mehr Zucker nachgeholfen worden
sein, um den Geschmack des Originalproduktes zu erreichen.
Ihr Fruchtjoghurt verspricht eine Befüllung „mit Fruchtzubereitung“? Na, dann beinhaltet er zumindest schon mal
ganze 6% Frucht, ist es weniger, ist lediglich die Bezeichnung „mit Fruchtgeschmack“ vorgesehen.
Mehr als 6% Frucht erlauben dann sogar die volltönende Bezeichnung „Fruchtjoghurt“. Wieviel 6% eines ganzen
Bechers so ausmachen, können Sie sich ja bestimmt selbst ausrechnen...
Der Joghurt schmeckt aber trotzdem wie versprochen nach
Kirschen?
Dann wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit mit sogenannten „Aromen“ nachgeholfen, die im Labor kostengünstig
hergestellt wurden, um dem Verbraucher den gewünschten Geschmack anzubieten. Und damit sie auch auf so etwas
ähnlichem wie Kirschen kauen, werden auch mal Sägespäne aromatisiert.
Den Rest erledigt dann der zusätzlich zugefügte Zucker, der sich jedoch auch gern unter anderem Namen in der
Liste der Inhaltsstoffe verbirgt.
Überhaupt – die Inhaltsstoffe! Sie stehen auf dem Etikett, bitte nutzen Sie die Gelegenheit und lesen Sie sie
gründlich! Was findet sich da alles neben den bekannten Zutaten? Konservierungsstoffe, Aromen, Süßstoffe.
Die Tütensuppe hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum, welches weit in das übernächste
Jahr hineinreicht?
Das fertige Joghurtdressing aus der Flasche hält auch ungekühlt noch drei Monate, während Ihr Naturjoghurt
bereits nach zwei Tagen neben dem Kühlschrank erste Anzeichen von intelligentem Leben aufweist?
Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass hier Konservierungsstoffe die industriellen Hilfsmittel sind.
Doch auch die oben genannten Aromen zum Beispiel in Joghurts haben es in sich. Da unterscheidet die
Lebensmittelindustrie ganz genau in die „künstlichen Aromen“, die komplett im Labor entwickelt wurden, in
„naturidentische Aromastoffe“, die auch chemischer Basis eine Grundlage in der Natur haben, und dann gibt es auch
noch die „natürlichen Aromen“.
Letztere sind jedoch mitnichten das Mark ausgepresster Kirschen oder das Öl aus gehackten Nüssen, sondern Pilze,
die aus unterschiedlichen Stoffen hergestellt wurden und zufällig dem Geschmack der Obstsorten so ähneln, dass sie
den Weg in Ihren Joghurt finden.
Ebenfalls ein sehr beliebter Zusatzstoff für den "guten" Geschmack eines Produktes ist natürlich ganz simpel –
Zucker. Doch auch hier sind die Feinheiten von großer Bedeutung. Denn nicht nur der Begriff "Zucker" kann in den
Inhaltsstoffen auftauchen, sondern auch andere Bezeichnungen des selben Stoffes, wie z.B. Glukosesirup,
Einfachzucker, Saccharose oder einfach Kohlenhydrate.
Und über das Problem der Zuckersucht hatte ich ja schon einmal einen Beitrag verfasst.
Alles in allem kann man sagen, dass eine Zutatenliste, die zum größten Teil aus Lebensmitteln besteht, besser
für Sie und Ihre Gesundheit ist als alle anderen.
Und doch sollten Sie sich die Frage stellen – muss es wirklich ein Fertiggericht
sein?
Denn im Grunde sind Fertiggerichte nur: zerlegt, zusammengesetzt und wieder aufgewärmt. Die Vitalstoffe sind
größtenteils dahin und wir schütten die Dose in den Kochtopf oder schieben die Packung in die Mikrowelle. Danach
kommt
totes Essen und tote Nahrung auf den Teller - frisch ist daran nichts mehr und Vitalstoffe: Fehlanzeige.
Gleichzeitig nehmen wir heute kaum noch Ballaststoffe auf. Diese Fasersubstanzen aus Vollkornprodukten, Obst
oder Gemüse sind quasi kalorienfrei, haben jedoch ein großes Volumen und tragen so sehr zur Sättigung
bei.
Nicht allein deshalb sollten Sie täglich 5 Portionen Obst und Gemüse essen (natürlich NICHT aus der Dose). Außer
Ballaststoffen erhalten Sie so auch alle nötigen Vitamine und Mineralstoffe -- und: bereiten Sie so viele
Mahlzeiten wie möglich selbst zu.
Vermeiden Sie industriell verarbeitete Nahrungsmittel soweit wie möglich.
Doppelter Vorteil: Sie wissen genau, welche „Dickmacher” eventuell darin enthalten sind, und Sie belasten sich
nicht mit o.g. schädlichen Lebensmittelzusatzstoffen.
Weitere Artikel in diesem Zusammenhang:
Leberschaden durch Fastfood? An der Linköping Universität in Schweden führten
Wissenschaftler eine vierwöchige Untersuchung durch, um Aussagen über die etwaigen Schäden bei einer
reinen Ernährung mit Fastfood, machen zu können.
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