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DMAE – Studien, Wirkung und Nebenwirkungen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Dimethylaminoethanol (DMAE), auch Deanol, (N,N-) Dimethylethanolamin oder Norcholin, ist ein Alkohol, der chemisch mit den Neurotransmittern Acetylcholin und Cholin verwandt ist und im Körper eine Vorstufe von Acetylcholin darstellt. Durch sein Stickstoffatom zählt DMAE zudem als Amin, ist jedoch keine Aminosäure.

Der Mensch produziert selbst kleine Mengen Deanol. Im Körper kann der Stoff bei Bedarf zu Acetylcholin oder Cholin umgewandelt werden. So kann er helfen, stets eine ausreichende Menge dieser wichtigen Botenstoffe bereitzustellen. Als Neurotransmitter werden Cholin sowie Acetylcholin für die Kommunikation der Nervenzellen benötigt. Acetylcholin spielt eine wichtige Rolle für Lernen und Gedächtnisleistung. DMAE wird als Vitalstoff zur Nahrungsergänzung angeboten, in der Regel in der Form eines Bitartratsalzes, welches 37 % DMAE enthält. Die Vertreiber der Mittel werben mit allerlei Versprechen, unter anderem mit geistiger Fitness selbst im hohen Alter über weniger Müdigkeit bis zur gesteigerten Intelligenz oder gar Lebensverlängerung. Daneben wird DMAE in der Anti-Aging-Kosmetik eingesetzt. Dabei sollen sich entzündungshemmende und hautstraffende Eigenschaften der Substanz gezeigt haben. (1) 

DMAE kann aggressive Sauerstoffradikale neutralisieren und wirkt so antioxidativ, wie in vitro Studien zeigten. (2) DMAE kommt in tierischen Lebensmitteln, vor allem einigen Fischen wie Sardinen oder Lachs, natürlich vor. Daneben wird es synthetisch hergestellt.

Die Einnahme von DMAE als Nahrungsergänzung gilt als weitgehend sicher und nur wenige, ungefährliche Nebenwirkungen sind beschrieben, darunter Übelkeit, Muskelkrämpfe oder Schwindel. Das Problem jedoch ist, dass Aussagen über die Wirkung von verabreichtem DMAE auf den Menschen nur von einer unzureichenden Datenlage gestützt werden. Von den 1950er bis in die 80er Jahre wurde DMAE als Mittel gegen neurologische Defekte, etwa Alzheimer untersucht. Besonders in den 70er Jahren hoffte man, ermutigt durch erste Studienergebnisse, auf große Erfolge mit diesem natürlichen Mittel. In den USA war DMAE tatsächlich von 1957 bis in die 70er als Wirkstoff im Medikament Deaner (Riker Laboratories, heute integriert in 3M) gegen ADHS im Einsatz (3), wurde jedoch von den Behörden schließlich vom Markt genommen. Ein DMAE-Ester mit der Bezeichnung Centrophenoxin (auch Meclofenoxat) war in Deutschland als Mittel gegen Senilität und Alzheimer im Handel. Da sich die erhoffte Wirkung nicht wissenschaftlich untermauern ließ, es jedoch zu Nebenwirkungen kam, wurde dem Mittel in Deutschland die Zulassung entzogen. Centrophenoxin, auch als Lucidril bezeichnet erhältlich, wird im Ausland weiterhin verkauft, auch weltweit über das Internet.

2003 hatte eine (inzwischen aufgelöste) private Forschungseinrichtung veröffentlicht, dass das DMAE-Präparat Vitagerin bei Menschen mit dem Borderline-Syndrom stimmungsaufhellend wirkt. (5) 

Laut Packungsbeilage dient das traditionelle Arzneimittel zur Besserung des Allgemeinbefindens. Eine Kapsel Vitagerin enthält jedoch gerade einmal 8 mg DMAE. Daneben finden sich verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und 20 mg Cholin in den Kapseln. (6) 

In Verbindung mit Pyroglutaminsäure kann DMAE dem Vergessen entgegenwirken, so eine Studie an Ratten. (7) Doch Pyroglutaminsäure allein kann bereits eine Steigerung der Gedächtnisleistung bewirken, wie auch am Menschen schon gezeigt wurde. Inzwischen hat die Forschung DMAE weitgehend aufgegeben, da die erhofften Therapieerfolge in klinischen Studien ausblieben. Einzig in der Kosmetikforschung spielt DMAE weiterhin eine Rolle als Anti-Aging-Mittel. (4)

Was die Verlängerung der Lebenszeit angeht, gab es in Tierversuchen widersprüchliche Daten. Zunächst schienen Tiere, die DMAE erhielten, länger zu leben. Doch in folgenden Versuchen war ihre Lebenszeit sogar kürzer als die der Kontrollgruppe. (3) Daten von Menschen gibt es zu dem Thema freilich keine.

Wer ein langes und vitales Leben anstrebt, sollte sich meiner Meinung nach NICHT auf DMAE oder andere (nur) Pülverchen verlassen, sondern lieber auf traditionelle „Mittel“ wie ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, wenig Genussgifte und reichlich Lebensfreude setzen.

Wenn Sie dennoch DMAE ergänzen möchten, können Sie es mit DMAE-Bitartrat in Pulverform versuchen. Viele Anwender scheinen gute Erfahrungen zu machen, wenn man den Produktrezensionen im Internet Glauben schenkt. Vorsichtig sollte man jedoch mit vollmundigen Werbeversprechen umgehen. Eine wissenschaftliche Grundlage für die positive Wirkung von DMAE auf Konzentration, Leistungsfähigkeit oder gar Krankheitssymptome gibt es nicht, auch wenn einige Anbieter dies behaupten. Seriöse Quellen können diese nach meinen Recherchen jedoch nicht angeben. Daher sollten Interessierte mit Vernunft an einen Selbstversuch herangehen und keine Wunder erwarten.

Falls Sie an einer Erkrankung leiden, besprechen Sie mit ihrem behandelnden Therapeuten, ob die Einnahme von DMAE mit Ihrem Therapieplan vereinbar ist. Versuchen Sie keine Selbstbehandlung mit DMAE bei bestehenden Leiden, sondern suchen Sie Rat bei Fachleuten. Schwangere, Stillende und Heranwachsende, insbesondere kleine Kinder, sollten DMAE-Präparate, inklusive Vitagerin, gar nicht einnehmen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.01.2016 aktualisiert

1. Grossman R1.The role of dimethylaminoethanol in cosmetic dermatology. Am J Clin Dermatol. 2005;6(1):39-47. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15675889

2. Malanga et al. New insights on dimethylaminoethanol (DMAE) features as a free radical scavenger. Drug Metab Lett. 2012 Mar;6(1):54-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22300295

3. DMAE. The Doctors' Vitamin and Mineral Encyclopedia. (Auszug). Sheldon Saul Hendler. https://www.erowid.org/smarts/dmae/dmae_info1.shtml

4. Liu et al. Effects of dimethylaminoethanol and compound amino acid on D-galactose induced skin aging model of rat. ScientificWorldJournal. 2014;2014:507351. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4123624/

5. Dimpfel et al. Efficacy of dimethylaminoethanol (DMAE) containing vitamin-mineral drug combination on EEG patterns in the presence of different emotional states. Eur J Med Res. 2003 May 30;8(5):183-91. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12844472

6.
 Beipackzettel von VitaGerin. Klosterfrau.com. tp://media.klosterfrau.com/fileadmin/productmodule/de/vitagerin/pdf/VitaGerin_GI.pdf

7. Blin et al. Effects of dimethylaminoethanol pyroglutamate (DMAE p-Glu) against memory deficits induced by scopolamine: evidence from preclinical and clinical studies. Psychopharmacology (Berl). 2009 Dec;207(2):201-12. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19756528
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