Weizenkleie - Wirkung, Anwendung und
Nutzen
Bereits der berühmte Pastor und Naturheiler Sebastian Kneipp empfahl im 19. Jahrhundert seinen
Patienten Weizenkleie als gesunden und kräftigenden Wirkstoff.
von: René Gräber
Denn: Die Kleie ist reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Eisen und Flavonoiden. Vor allem bei
Verdauungsproblemen wirkt Weizenkleie oft wahre Wunder. Die Rückstände aus den harten Bestandteilen des
Getreides, bestehend aus Schalen und Keimlingen, die nach dem Mahlen und Absieben von Weizenmehl zurückbleiben,
regen die Peristaltik an und beugen damit auch Verstopfungen vor.
Wann liegt eine Verstopfung vor?
Von einer Verstopfung (Obstipation) sprechen wir,
wenn die unverdaulichen Nahrungsbestandteile zu lange im Darm bleiben. Oft haben wir dabei das Gefühl, uns beim
Stuhlgang nur unvollständig entleeren zu können. Gleichzeitig ist die Kotmenge sehr gering, die Anzahl der
Stuhlgänge selten und die Kotabgabe stark erschwert.
Mediziner sprechen in der Regel erst dann von Verstopfung, wenn wir seltener als drei Mal pro Woche Stuhlgang
haben. Individuell kann das Gefühl, an Verstopfung zu leiden, allerdings stark davon abweichen. So fühlen sich
einige Personen selbst bei einer regelmäßigen täglichen Darmentleerung unwohl. Dies kann oft daran liegen,
dass die Nahrungsbestandteile nicht am folgenden Tag wieder ausgeschieden werden, sondern sich bis zu vier Tage
dort aufhalten. Fäulnis- und Gärungsprozesse sind die Folge. Hierbei entstehen Giftstoffe, die sowohl die
Darmschleimhaut angreifen als auch Leber und Stoffwechsel
belasten können - vor allem wenn eine Schädigung der Darmschleimhaut vorliegt, ein sog. Leaky-Gut-Syndrom.
Welche Ursachen kann eine Verstopfung haben?
In den allermeisten Fällen sind Bewegungsmangel, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme und eine ballaststoffarme
Ernährung die Auslöser einer Darmträgheit. Mit der
Erhöhung der Trinkmenge, regelmäßiger Bewegung und einer gesunden, ballaststoffreichen Ernährung lässt sich dies
recht leicht beheben.
Alltagsstress und Zeitdruck können ebenfalls zu einer chronischen Obstipation führen. Denn wenn wir den Drang,
auf Toilette zu gehen, regelmäßig unterdrücken, so hält auch der Körper dieses Gefühl irgendwann zurück. Am
besten nehmen wir uns täglich genügend Zeit für das "große Geschäft" - beispielsweise immer nach dem
Frühstück.
Eine Verstopfung kann allerdings, in seltenen Fällen, auch organische Gründe haben. Hämorrhoiden, ein Mangel an
Gallenflüssigkeit, Afterrisse und Tumoren sind nur einige der Auslöser einer Obstipation. Eine
Schilddrüsenunterfunktion oder die Hormonumstellung während der Schwangerschaft können ebenfalls die Darmtätigkeit
verlangsamen. Um sicher zu gehen, dass organische Gründe für die chronische Verstopfung ausgeschlossen werden
können, sollten Sie sich daher von einem Facharzt gründlich durchchecken lassen.

Welche Abführmittel helfen bei Verstopfung?
Sennesblätter gelten als natürliche und milde Abführmittel. Allerdings kann eine regelmäßige Einnahme zu
einem starken Kaliummangel führen. Synthetisch hergestellte Abführmittel haben ebenfalls bei längerer Einnahme
einen gefährlichen Verlust verschiedener Mineralstoffe zur Folge. Deshalb sollten diese Abführmittel im Allgemeinen
nur über einen kurzen Zeitraum und dann auch immer in Absprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker eingenommen
werden.
Viel gesünder und einfacher ist es außerdem oft, die Darmtätigkeit mithilfe von Weizenkleie anzuregen.
Dazu nimmt man im allgemeinen täglich ein bis drei Mal Weizenkleie (jeweils ein bis drei Esslöffel
voll) zu sich. Passen Sie die Menge individuell an Ihre Bedürfnisse an. Es soll nach der Einnahme ein nicht zu
fester, aber auch nicht zu flüssiger Stuhl entstehen. Sehr wichtig ist bei Weizenkleie: immer
ausreichend trinken. Da die Kleie im Darm stark quillt, trinken Sie über den Tag verteilt
unbedingt wenigstens einen bis 1,5 Liter Flüssigkeit.
Weizenkleie als Nahrungsmittel
Da Weizenkleie so gut verträglich ist, können Sie sie regelmäßig auch über längere Zeiträume nutzen.
Selbst Kleinkindern schadet die Mischung aus den harten Bestandteilen des Weizenkorns nicht. Da es sich bei
Weizenkleie um ein Nahrungsmittel handelt, können Sie es auch wie ein solches verwenden.
Streuen Sie die Kleie beispielsweise über den Salat, backen Sie ein gesundes Vollkornbrot oder leckere Muffins
mit dem Weizenprodukt. Grießbrei und Quarkspeisen mit Weizenkleie schmecken auch Kindern gut, ebenso wie Müsli, das
mit Kleie bestreut wird. Damit Sie nicht vergessen, ausreichend zu trinken, können Sie die Weizenkleie auch in
Wasser oder Saft rühren.
Wie wirkt Weizenkleie?
Kleie besteht zu einem Großteil aus für uns Menschen unverdaulichen Fasern.
Bei diesen Ballaststoffen handelt es sich meist um sehr große Kohlenhydratverbindungen, die unser
Verdauungssystem nicht spalten kann. Im Verdauungstrakt quellen sie in Verbindung mit Wasser auf, wodurch sie
einen entsprechenden Druck auf die Darmwand ausüben. Die Dehnung der Darmwand wiederum regt dessen
Darmbewegung an, die den Verdauungsbrei kontinuierlich Richtung Enddarm befördert. Ist die Peristaltik
hingegen gestört, so verbleibt die Nahrung zu lange im Darmtrakt, was zu den oben beschriebenen Problemen
führt.
Gleichzeitig haben Ballaststoffe aber einen weiteren Vorteil: Sie binden auf dem Weg durch den Darm verschiedene
Giftstoffe, um diese auf schnellstem Wege aus unserem Körper heraus zu befördern. Darunter sind auch verschiedene
krebserregende Stoffe.
In Untersuchungen wurde bestätigt, dass bei Personen, die sich regelmäßig ballaststoffreich ernähren, das
Darmkrebsrisiko deutlich gesenkt wird
(Reddy B. S. et al.: Preventive potential of wheat bran fractions against experimental colon carcinogenesis:
implications for human colon cancer prevention; Cancer Res. 2000 Sep 1;60(17):4792-7).
Mittels Laborstudien konnte außerdem gezeigt werden, dass Weizenkleie möglicherweise sogar
vor Brustkrebs schützen kann. Dies liegt möglicherweise an den anderen Inhaltstoffen des gesunden
Nahrungsmittels. Denn neben Ballaststoffen (etwa 50 Prozent) enthält Weizenkleie verschiedene Substanzen, die als
sogenannte Radikalfänger bekannt sind. So binden beispielsweise die in Kleie enthaltene Vanillinsäure und
Kaffeesäure mit ihrer antioxidativen Wirkung zellschädigende, sehr reaktive Moleküle ab. Gleiches gilt für die in
Weizenkleie enthaltene Phenolsäuren und Lignane (Ferguson L. R. & Harris P. J.: Protection against cancer by wheat bran: role of dietary fibre and phytochemicals; Eur J
Cancer Prev; 1999; 8(1); S. 17-25).
Für wen ist Weizenkleie geeignet?
Selbst Kinder, die an Verstopfung leiden, vertragen Weizenkleie sehr gut und können diese regelmäßig mit den
Mahlzeiten einnehmen.
Personen, die sich im Allgemeinen ballaststoffarm ernähren und häufig an Verstopfung leiden, können ihrem
Verdauungssystem mit Hilfe von Weizenkleie auf Dauer nebenwirkungsfrei auf die Sprünge helfen.
Haben Sie hingegen trotz ausgewogener Ernährung oder einer Ernährung mit viel Rohkost eine chronische Verstopfung, so hilft
Weizenkleie eher nicht.
Weitere Mittel die helfen können sind: Flohsamen, Flohsamenschalen, oder Leinsamen. Auch
hilfreich: Pflaumensaft oder Sauerkrautsaft, sowie Heilerde.
Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.08.2012 aktualisiert
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