Sind Gummibärchen gesund oder schaden sie?
Sind Gummibärchen gesund? Diese Frage wirkt auf den ersten Blick harmlos. Tatsächlich führt sie direkt zu einem grundsätzlichen Problem unserer Ernährung: der Verwechslung von Süßigkeit und Lebensmittel. Gummibärchen bestehen zu rund drei Vierteln aus Zucker und Glukosesirup, liefern praktisch keine Ballaststoffe, keine relevanten Mikronährstoffe und kaum physiologisch sinnvolle Fette oder Proteine. Hinzu kommen Gelatine aus tierischen Reststoffen sowie – je nach Produkt – Farbstoffe, die seit Jahren kontrovers diskutiert werden.
Trotzdem gelten sie vielen als „leichte“ Nascherei, weil sie nahezu fettfrei sind. Genau hier liegt der Denkfehler. Fettfreiheit ist kein Gesundheitskriterium. Entscheidend ist die Stoffwechselwirkung. Und die ist bei hochkonzentriertem Zucker eindeutig.
In diesem Beitrag analysiere ich die Zusammensetzung, die ernährungsphysiologische Bedeutung und die gesundheitliche Einordnung von Gummibärchen – sachlich, faktenbasiert und ohne Werbebrille.
Werfen wir mal einen Blick auf den bekanntesten Hersteller:
Haribo und seine Gummibärchen
Gummibärchen gibt es für die meisten von uns, so lange wir denken können. Und die Werbung für die Gummibärchen dazu. Beides hat sich in den letzten rund 50 Jahren nicht geändert, was als wichtiger Beitrag zum Erfolg der Firma HARIBO angesehen wird.
Was die Firma wann, wie und wo produziert, darüber gibt es einen Beitrag von „Galileo“, der in Youtube (Das Geheimnis des Goldbären von HARIBO | Galileo | ProSieben) abgerufen werden kann. Der Beitrag ist aber keine verkappte Werbung für die Firma und deren Produkte.
Vielmehr erfahren wir hier, was man nicht alles zu sich nehmen muss, wenn man „auf Gummibärchen steht“… Und das ist entweder ekelhaft oder einfach nur ungesund.
Einer der wesentlichen Bestandteile von Gummibärchen ist Gelatine. Und die wird meist aus Schweineschwarte hergestellt.
Im Film sieht man dann auch etwas in großen Plastiksäcken oder -kübeln, was mehr nach Schlachtabfällen als nach Lebensmitteln aussieht, das dann als Ausgangsstoff für die Gelatineherstellung dient.

Für Leute, die aus religiösen oder einfach „nur“ gesundheitlichen Gründen auf Produkte aus Schweinefleisch verzichten wollen, ist somit diese Produktpalette obsolet. Gelatine, die aus Rinderresten hergestellt wird, kam seinerzeit in den Verdacht, an der Verbreitung des Rinderwahnsinns BSE mit beteiligt zu sein.
Die meiste Gelatine wird meines Wissens allerdings aus „Schweineabfällen“ gewonnen. Und ich rate (nicht nur meinen Patienten!) Schweinefleisch strikt zu meiden.
Eine Begründung dazu liefere ich im Beitrag „Krank durch Fleisch?“. Keine Sorge: Es ist kein Beitrag der zum Veganismus aufruft. Aber ein Plädoyer auf Schweinefleisch in jeglicher Form zu verzichten und überhaupt die ständige Proteinmast (des eigenen Körpers) zu beenden.
Weiter mit den Gummibärchen: Damit ist der Zweifel am „guten Geschmack“ aber noch lange nicht zu Ende. Unter „https://das-ist-drin.de/Haribo-Goldbaeren-200-g–1256/“ erfahren wir, wie im Galileo-Film auch, dass so ein Gummibärchen und seine süße Verwandtschaft bei Haribo zu 46 Prozent Zucker enthält.
Dazu gesellen sich dann noch Fructose- und Glukosesirup, so dass zusammen genommen der Anteil an Kohlenhydraten auf über 77 Prozent anschwillt.
Was Zucker für unseren Organismus bedeutet und was „viel Zucker“ langfristig anrichten kann, das möchte ich hier nicht noch einmal „breit treten“.
Selbiges tat ich bereits des öfteren – siehe auch diesen Beitrag: Zucker – der süße Kassenschlager. Dieser Artikel enthält weitere Links zu anderen Beiträgen, die ich zu diesem Thema bereits veröffentlicht hatte.
Welche Bedeutung Ballaststoffe als Prebiotika für unsere Gesundheit haben, das habe ich hier diskutiert: Prebiotika. In kurzen Worten: Lebensmittel, die den Anspruch haben, gesundheitsfördernd zu sein, enthalten ohne Ausnahme ein gerütteltes Maß an Ballaststoffen.
Die Goldbärchen dagegen enthalten nur 0,1 Gramm auf 100 Gramm, also nur ein Promille. Schon alleine dieser Wert zeigt die Nutzlosigkeit als Lebensmittel und die Gefährlichkeit solcher Erzeugnisse: Keine Ballaststoffe, dafür umso mehr Zuckersorten verschiedener Art, damit die Schweineschwarte überhaupt nach was schmeckt.
Und weil man ja voll im Trend der Ernährungswissenschaft steht, die die Fette als die Hauptübeltäter in Sachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgemacht hat – daher der Boom der Cholesterin-Senker und fettreduzierten Industrieprodukte – gibt es im Bär auch nur 0,1 Gramm Fett.
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Spätestens hier glaubt der gläubige Ernährungsapostel vom fettfreien Glaubensbekenntnis, dass die Bärchen doch noch einen Hauch von Gesundheit versprühen: Sie schmecken ja so toll und sind so gut wie fettfrei. Und das ist ja die Hauptsache.
Die Webseite „Das-ist-drin“ rechnet dann noch vor, dass bei einem Tagesbedarf von 2000 Kcal eine Ladung von 100 Gramm Bärchen schon 50 Prozent des täglichen Zuckerbedarfs abdeckt. Allerdings zweifle ich dann doch, ob wir wirklich jeden Tag 90 Gramm Zucker benötigen.
Aber mit diesen 100 Gramm schaufeln wir zumindest schon mal fast 20 Prozent dieser 2000 Kcal in uns hinein, ohne dabei nicht nur keine wichtigen Fette und Eiweiße nebst Ballaststoffen zu uns zu nehmen, sondern komplett auf Vitamine, Mineralien und Mikronährstoffe zu verzichten.
Da hilft auch nicht der scheinheilige Verweis der Firma, dass die Farb- und Geschmacksstoffe ja aus Früchten gewonnen werden. Die Farben und Geschmacksstoffe vielleicht ja.
Aber was haben die mit Vitaminen und Mineralien und Mikronährstoffen zu tun? Oder besteht so ein Apfel nur aus Farb- und Geschmacksstoffen und sonst gar nichts?
Unter der weiterführenden Webseite, die Test- und Qualitätssiegel aufführt, bekommen wir zu sehen, dass die Goldbären das Qualitätssiegel der deutschen Landwirtschaft (DLG) in Gold, 2009, abbekommen haben.
Wenn man liest, wofür so ein „Goldener Preis“ verliehen wird, dann kann man nur noch an dem gesunden Verstand der Landwirtschaftsleute (ver)zweifeln. Was in aller Welt macht ein Produkt zu einem hochwertigen Produkt, wenn es zu fast 80 Prozent aus verschiedenen Formen von Zuckern besteht?
Wäre dann ein Stück Würfelzucker, der aus 100 Prozent Zucker besteht, nicht noch hochwertiger und verdiente den Preis in Platin oder Gold mit Diamanteinfassung? Aber laut Aussage der Webseite der DLG beschränken sich die Qualitätsprüfungen auf folgende für sie wichtige Aspekte:
„Die Qualitätsprüfungen sind produktgruppenspezifisch konzipiert. Im Zentrum steht bei allen Produktgruppen die sensorische Analyse der Lebensmittel (Farbe, Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack). Ergänzend dazu finden produktgruppenabhängig Zubereitungsprüfungen, Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen sowie chemische, mikrobiologische und physikalische Analysen in akkreditierten Laboratorien statt.“ (Die Testmethoden der DLG-Qualitätsprüfungen)
Also, wie die Produkte aussehen und wie sie schmecken, darauf kommt es an. Was drin ist und welchen Effekt die Produkte auf die Gesundheit haben, wird erst gar nicht unter die Lupe genommen.
Jetzt verstehe ich auch, wie so ein Goldbärchen die Goldmedaille bekommen hat. Es sieht ja wirklich irgendwie putzig aus und es schmeckt ja auch, weil süß… Auch wenn es sich hier nur um gezuckerte und entfettete Schweineschwarte handelt. Für eine solche Verwandlung würde ich sogar David Copperfield den ersten Preis zugestehen.
Fazit
Der Spruch mit dem „… macht Kinder froh, und Erwachsene“ usw. – dieser Spruch sollte mal in die evidenzbasierte Realität übersetzt werden: … macht den Hersteller froh, und später Ärzte und Pharmaindustrie ebenso.
Wenn Sie etwas Süßes wollen, warum tut es dann nicht ein reifer Apfel oder Orange? Warum muss es ein synthetisches Produkt eines Copperfield der Lebensmittelindustrie sein, das oben auf der Wunschliste steht? Ich habe für solchen synthetischem Abfall keinen Bedarf. Und manche zahlen dafür sogar noch Geld.
ABER: oben hatte ich es ja angedeutet. Die Frabstoffe sind ein Problem, wenn diese nicht natürlich sind. Achten Sie darauf, denn: In Bezug auf die Verwendung von Farbstoffen in Gummibärchen gibt es einige Bedenken, insbesondere im Hinblick auf künstliche Farbstoffe und eben nicht nur wegen des Zuckers. Es wird diskutiert, dass bestimmte künstliche Farbstoffe, insbesondere Azofarbstoffe wie Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot A (E 124), Allurarot (E 129) und Chinolingelb (E 104), die Hyperaktivität bei Kindern erhöhen können. Seit dem 20. Juli 2010 müssen Lebensmittel in der EU, die diese Farbstoffe enthalten, mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein. Dieser Hinweis weist darauf hin, dass die Farbstoffe die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen können?. Mehr zur Hyperaktivität von Kindern in meinem Beitrag: Hyperaktivität (ADS / ADHS) bei Kindern: Die Therapie-Katastrophe (naturheilt.com)
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Bildquellen: Schlachtabfälle – fotolia: svetoid, Gummibärchen – fotolia: fotomomentfoto
Dieser Beitrag wurde im September 2016 erstmalig erstellt und letztmalig am 15.2.2026 überarbeitet.





