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Chlorella und Schilddrüse: Gefahr durch Jod?

Ist Jod in Algen bei Schilddrüsen-Problemen gefährlich? Diese Frage stellt sich immer wieder – besonders im Zusammenhang mit Chlorella und anderen Mikroalgen. Hintergrund ist die bekannte Rolle von Jod für die Schilddrüsenfunktion: Zu viel Jod kann eine Überfunktion verschlechtern, zu wenig Jod eine Unterfunktion begünstigen. Entscheidend ist daher nicht das Schlagwort „Alge“, sondern der tatsächliche Jodgehalt des jeweiligen Produkts.

Chlorella vulgaris ist eine Süßwasseralge. Ihr Jodgehalt hängt vom Mineralgehalt des Kultivierungswassers ab – und der ist in Mitteleuropa in der Regel niedrig. Rechnet man gängige Dosierungen durch, zeigt sich: Die über Chlorella aufgenommene Jodmenge liegt meist deutlich unter dem täglichen Bedarf eines Erwachsenen.

Im Artikel kläre ich, wie viel Jod in Chlorella realistisch enthalten ist, welche Bedeutung das bei Hashimoto oder Hyperthyreose hat und wo tatsächlich Risiken liegen – sachlich eingeordnet, ohne Dramatisierung.

Chlorella vulgaris – eine Alge, die gesund ist?

Es ist zwar richtig, dass es sich bei Chlorella vulgaris um eine Alge handelt. Aber das Wort „Alge“ allein ist mehr als missverständlich. Denn vieles, was man einfach als „Alge“ bezeichnet, hat mit Algen nichts zu tun – wie zum Beispiel Spirulina.

Dazu kommt noch, dass (echte) Algen sowohl im Süßwasser vorkommen als auch im Salzwasser. Im Gegensatz zu Spirulina zum Beispiel kann Chlorella ausschließlich im Süßwasser gedeihen.

Damit hängt der Gehalt des Jods dieser Mikroalge vom Jodgehalt des Süßwassers ab, in dem sie gedeiht. Der Jodgehalt des Süßwassers wiederum ist abhängig von dem Boden des Sees beziehungsweise der Flüsse, über die das Wasser in den See gelangt ist.

Da in Europa und speziell in Deutschland die Böden sehr jodarm sind, bestehen keine großen Aussichten auf einen hohen Jodgehalt der in diesen Wassern gezüchteten Chlorella-Algen.

Aber Jod oder fehlendes Jod sind nicht die wahren Markenzeichen von Chlorella vulgaris, wenn es um den gesundheitlichen Nutzen dieser Alge geht. Hier stehen andere Merkmale im Vordergrund. Mehr dazu können Sie hier nachschlagen: Heilkraft aus dem Meer: Chlorella Algen und Spirulina Algen?

Interessant ist in diesem Zusammenhang der in diesem Beitrag angegebene Gehalt an Jod (0,4 Milligramm pro 100 Gramm). Das entspricht 4 µg/g (Mikrogramm pro Gramm).

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Wieviel Jod braucht der Mensch?

Jod wird in der Schwangerschaft benötigt, um beim Fötus und nach der Geburt beim Neugeborenen die Entwicklung des Gehirns voranzutreiben. Ohne Jod kommt es zu irreversiblen Schäden im Verlauf dieser Entwicklung.

Man kann davon ausgehen, dass ein Jodmangel zu diesem Zeitpunkt einen Verlust von 10 bis 15 IQ-Punkten mit sich bringt (Iodine deficiency as a cause of brain damage).

Kinder bis zum 9. Lebensjahr sollten, laut DGE, 100 bis 140 µg Jod pro Tag einnehmen. Alles, was älter ist als 10 Jahre, sollte sich mit Jod zwischen 180 und 200 µg täglich versorgen.

Bei Schwangeren wird der Tageswert bei 230 µg und bei stillenden Müttern bei 260 µg täglich festgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil ein heranwachsender Fötus beziehungsweise Säugling ebenfalls mit Jod versorgt werden muss.

Wenn wir, nur als reines Gedankenexperiment angenommen, uns nur über Chlorella-Tabletten mit Jod versorgen wollten, dann würden wir recht bald an unüberwindbare Grenzen stoßen. Denn eine große Chlorella-Tablette enthält 500 Milligramm Chlorella, also ein halbes Gramm.

Je nach Produkt und Hersteller kann das variieren. Es gibt Varianten mit 250 Milligramm oder 400 Milligramm pro Tablette und so weiter. Zum besseren Rechnen bleiben wir der Einfachheit halber bei den 500-mg-Tabs.

Wenn also 1 Gramm Chlorella 4 Mikrogramm Jod enthält, dann enthält eine 500-mg-Tablette nur 2 Mikrogramm Jod. Wenn wir als Erwachsene beziehungsweise älter als 10 Jahre mit einem täglichen Bedarf an Jod von 180 bis 200 µg diesen Bedarf über diese Tabletten decken wollten, dann müssten wir bis zu 100 Tabletten á 500 Milligramm einnehmen oder 50 Gramm Chlorella.

Wir können an dieser Stelle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das des Guten eindeutig zu viel sein wird. Denn Chlorella vulgaris enthält noch eine Menge an anderen nützlichen „Stoffen“, die mit einer solchen Dosierung vollkommen überdosiert werden würden, was den gesundheitlichen Wert wieder zunichte machen würde. Denn des Guten zu viel ist eben nicht gut.

Eine ähnliche Bewertung von Chlorella bezüglich Jod und Jodgehalt kommt auch aus der Klinghardt-Academy. Im Blogbeitrag „Chlorella Vulgaris – Medicinal Food“ erfährt der Leser folgendes (übersetzt): „Da Chlorella eine Süßwasser-Alge ist, hat sie keinen signifikanten Gehalt an Jod zu verzeichnen.

Und von daher können Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen Chlorella vulgaris ohne jegliche Einschränkungen zu sich nehmen.“ (Because Chlorella is a freshwater algae, it has no significant iodine content, therefore people with a dysfunction of the thyroid may take Chlorella without any restrictions.)

Die in diesem Beitrag angegebenen Dosierungen von 1 bis 2 Gramm zwei- bis dreimal täglich für eine allgemeine Prävention ergäben maximal 6 Gramm Chlorella oder 24 µg Jod am Tag. Das entspräche weniger als einem Achtel der minimalen Tagesdosis für Erwachsene. Ich sehe das übrigens genauso.

Aber selbst für den Fall, dass mit Chlorella eine Entgiftung durchgeführt werden würde (wozu sich diese Alge ausgezeichnet eignet), kommen bei einer maximalen Dosierung von 12 Gramm für die Entgiftung weniger als 50 µg Jod pro Tag zusammen.

Und da Entgiftungen keine Langzeittherapien sind, sondern zeitlich sehr begrenzt, werden die zu diesem Zeitpunkt leicht erhöhten Jodzufuhren aus meiner Sicht kein Problem für den Organismus darstellen.

Die abschließende Beurteilung der Klinghardt Academy lautet: „Im Jahr 2001 befand Dr. R.E. Merchant, Professor für Anatomy und Neurochirurgie an der Medical School of Virginia: „Es wurden keine toxischen Effekte jemals unter der Gabe von Chlorella bei Labortieren oder Menschen gesehen, gleichgültig ob die Zellwände der Alge noch intakt oder bereits aufgebrochen waren.“

Die bessere Alternative zur optimalen Jod-Versorgung sind Meesresfrüchte, insbesondere Meeresalgen. In Betracht kommt auch die Lugolsche Lösung, die eine wässrige Lösung aus Jod mit Kaliumjodid im Verhältnis 1:2 ist. Aufgrund möglicher Überdosierungen ist die Tinktur allerdings heute nicht mehr aktuell.

Ob die Lugolsche Lösung tauglich ist, den in der Bevölkerung vorherrschenden Jod-Mangel zu beheben, ist fraglich. Bevor ich das alte traditionelle Mittel empfehle, werde ich ab Ende 2017 einen Selbestversuch vornehmen. Mein Hauptanliegen dabei ist auch die Feststellung, ob die entgiftende Wirkung des Jods spürbar wird.

Wie die Ergebnisse ausfallen und in welcher Dosierung die Lugolsche Lösung vertretbar und zuträglich ist, kann ich Ihnen in meinem Newsletter mitteilen. Wenn Sie das interessiert, dann fordern Sie einfach meinen kostenlosen Newsletter an.

Fazit

Chlorella ist definitiv keine adäquate Alternative bei der Therapie einer Hypothyreose.

Dazu fällt der Jodgehalt zu verschwindend gering aus. Man kann davon ausgehen, dass der Jodgehalt nicht nur verschwindend gering ist, sondern so insignifikant, dass Chlorella vulgaris selbst bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) nicht in der Lage ist, die Überfunktion durch eine signifikante Mehrzufuhr an Jod zu verschlimmern.

Aktualisierung 6.3.2014

Jetzt konnte ich endlich einmal etwas ausführlicher eine Frage kommentieren, die sicher für alle Leser interessant ist.
Monika, Kommentar Nummer 3.

Die Frage lautete:

Hallo Herr Gräber, darf ich Sie fragen, wie Sie zur Untersuchung von Stiftung Warentest (Jan 2011) und der Aussage der WHO stehen – Zitatanfang: “Düngt man seinen Körper mit den Afa-Algenpräparaten “GSE Afa-Alge”, “Hannes Pharma Blue Green Alge” und “Wilco Blaugrüne Afa-Algen”, sollte man auf eine Überdüngung mit Algengiften achten: Im Labortest fand Stiftung Warentest in allen drei Afa-Algenpräparaten Spuren von in Cyanobakterien vorkommenden Microcystinen, diese Cyanotoxine können die Leber, Niere und Gehirn schädigen.

Zusätzlich stufte sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als vermutlich Krebs erregend ein. Deshalb rät Stiftung Warentest vom Verzehr des blaugrünen Wunders ab.” – Zitatende – Vorab herzlichen Dank und liebe Grüße, Monika

Meine Antwort:

Die Stiftung Warentest hat sich Anfang 2011 ziemlich ins Zeug gelegt, um nachdrücklich vor der „grünen Gefahr“ zu warnen. Erst erschien ein Beitrag am 27.1.2011 (test.de/presse/pressemitteilungen/Algenpraeparate-In-drei-Afa-Algen-Produkten-stecken-riskante-Substanzen-4196697-0/) und dann noch einer am 11.2.2011 (Algenpräparate: Die grüne Gefahr, test.de/Algenpraeparate-Die-gruene-Gefahr-4196341-0/).

Beide Artikel sind sich einig, dass Algen gefährlich seien und keinen Nutzen für den Benutzer haben. Besonders merkwürdig ist die Behauptung im letzten Artikel, dass die Algen keine Wirksamkeitsnachweise vorzeigen können.

Ich gebe zu, dass das „Algen-Marketing“ diverser Anbieter oft über das Ziel hinausschießt – ein typisches Mittel der Propaganda/Werbung, um möglichst vielen das Produkt schmackhaft zu machen. A

ber dass die Warentester die wissenschaftliche Literatur zu den Algen nicht zu kennen scheinen, macht mich dann doch etwas betroffen. Wie kann ich Präparate bewerten, wenn ich nicht einmal die fundamentalen Fakten dazu berücksichtige? Kennen die Warentester diese Fakten wirklich nicht oder wird hier positives Material bewusst unter Verschluss gehalten?

Was immer es ist, die Glaubwürdigkeit solcher „Expertisen“ und der, die sie veranstalten, wird dadurch wohl kaum erhöht.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Und wer behauptet das Gegenteil?

Hier wären zu nennen: NASA und ESA, die Spirulina zum Beispiel als Langzeitnahrungsmittel mit an Bord der Raumfähren nehmen. Eine etwas ältere Veröffentlichung der NASA aus dem Jahr 1988 (als man mit diesen Untersuchungen anfing), habe ich hier gefunden: https://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/19890016190_1989016190.pdf.

In diesem Dokument werden im Wesentlichen die Bedingungen für die Kultivierung von Spirulina beschrieben. Dabei ist es interessant zu erfahren, dass sich unter verschiedenen Bedingungen die Nährstoffinhalte von Spirulina verändern.

Das heißt nichts anderes, als dass die auf dem Markt befindlichen Präparate weniger Inhaltsstoffe haben können, da die Kultivierung nicht unter optimalen Bedingungen erfolgt ist.

Von daher ist es keine schlechte Idee, sich einmal umzuschauen, welcher Anbieter ein wirklich gutes Produkt anbieten kann. Was hier für Spirulina beschrieben wird, gilt ebenso für die echten Algen, wie zum Beispiel Chlorella vulgaris.

In der Datenbank von PubMed sind dann die relevanten wissenschaftlichen Arbeiten auch einsehbar. Für Chlorella gibt es über 4300 Arbeiten. Für Spirulina sind es über 1100.

Hier sind die Veröffentlichungen mit anderen Algen und Cyanobakterien noch nicht mit berücksichtigt. Diese fast 5500 Arbeiten für Chlorella und Spirulina zusammen haben alle keine gesundheitlichen Wirkungen zeigen können?

Darf nicht sein; denn bei der Stiftung Warentest haben nur zugelassene Medikamente eine gesundheitliche Wirksamkeit. Alles, was nicht vom BfArM zugelassen ist, ist damit für unsere Gesundheit ohne Belang („Auch andere Behauptungen über Süßwasseralgen, wie vielfach im Internet zu finden, dürften einer strengen Überprüfung nicht standhalten.

Das gilt besonders für gesundheitliche Wirkungen. So verfügt keins der in Deutschland erhältlichen Algenprodukte über eine Zulassung als Arzneimittel.“).

Ja, und die 5500 wissenschaftlichen Arbeiten zu Chlorella vulgaris und Spirulina sind in Deutschland auch nicht zugelassen, also kann man sie als insignifikant vernachlässigen. Witzig finde ich auch die Gleichstellung von „strenger Überprüfung“ = „Zulassung als Arzneimittel“. So einfach kann man es sich machen, wenn es um die Verdammung von unliebsamen Therapieformen geht.

Der Mangel an Wissen über die „Algen“ seitens der Stiftung drückt sich noch in einem andern Faktum aus: Die Leute hier scheinen den Unterschied zwischen Algen und Cyanobakterien nicht zu kennen. So wird Spirulina lustig als Alge diskutiert und bewertet, wo diese „Alge“ doch ein Bakterium ist und halt keine Alge. Das sind leider keine Spitzfindigkeiten, sondern ist elementare Biologie.

Sonne und Mond sind auch nicht das Gleiche, nur weil beide kreisrund sind und im Weltall schweben. Dies ist für mich ein weiteres Indiz für den Verdacht, dass die beiden Artikel tendenziös geschrieben wurden.

Auch die Tatsache, dass in einem zeitlich recht kurzen Abstand praktisch zwei „Werke“ gleichen Inhalts verfasst wurden, erinnert mich mehr an Beschwörung als an Aufklärung.

Ein weiterer Punkt, der in diesen Tests unterschwellig vermittelt werden soll, ist die „gottgegebene“ Verunreinigung mit Microcystin. Aber Microcystin ist kein Beiprodukt von Chlorella und Spirulina. Beide Organismen sind nicht in der Lage, dieses Toxin zu synthetisieren. Das Problem liegt vielmehr bei der Kultivierung von Algen und Spirulina.

Denn die Lebensbedingungen, unter denen Algen und Spirulina gedeihen, sind auch optimale Lebensbedingungen für Microcystis aeruginosa (und einige andere Cyanobakterien), die dieses Toxin produzieren.

Wenn also Produkte das Microcystin enthalten, dann ist das kein unumgängliches Problem, das leider Gottes hingenommen werden muss, sondern ein Zeichen, dass die Hersteller schlampig kultiviert haben.

Denn Dioxin in Eiern ist auch keine unumgängliche Substanz, die wir mitessen müssen, wenn wir Eier essen wollen.

Wenn dies als Grund hergenommen wird, vom Verzehr von Algen und Spirulina abzuraten, dann sollte die Stiftung Warentest vor dem Verzehr von Eiern warnen und sich auch einmal um die schlampigen Zulassungen von Medikamenten seitens der Arzneimittelhersteller sorgen. Hier wären dann mindestens zwei Artikel pro Tag notwendig.

Ob Microcystin Krebs erzeugt oder nicht, das halte ich für eine rein akademische Frage. Microcystin gehört nicht in die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel. Es ist vermeidbar durch entsprechende Vorkehrungen seitens des Herstellers.

Um der Akademie zu ihrem Recht zu verhelfen und das krebserzeugende Potential zu diskutieren, kann ich nur sagen, dass es hier keinen Konsens gibt.

Der, so scheint mir, ist aber auch nicht notwendig. Denn Microcystin hat eine so leberschädigende Wirksamkeit, dass der Patient mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher an einer Lebererkrankung stirbt bevor er eine Krebserkrankung entwickeln kann.

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Der Beitrag wurde von mir erstmalig im Februar 2014 erstellt und letztmalig am 15.2.2026 ergänzt.