Nahrungsergänzung

Huminsäure – Wirkung und Wissenschaft

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber
René Gräber

Bei den Huminsäuren handelt es sich um sogenannte polymere organische Verbindungen, die „neben anderen Huminstoffen während des Abbauprozesses von biologischem Material gebildet werden (Humifizierung)“ (https://www.chemie.de/lexikon/Humins%C3%A4ure.html).

Die großen, weit verzweigten Moleküle bestehen aus miteinander verknüpften Komponenten wie Phenolen, Zuckern, Peptiden und so weiter. Das Ergebnis der Humifizierung ist „Humus“, der aus schwer abbaubaren Substanzen besteht. Den höchsten Humus-Anteil weisen Moorböden mit 10 bis 20 % auf.

Die darin enthaltenen Huminsäuren haben eine wichtige Funktion als biologische Ionenaustauscher. Sie binden basische Stickstoffe, die im Austausch gegen metallische Kationen zur Freisetzung kommen. Durch diese Fähigkeit, Chelat-Komplexe zu bilden, kommt den Huminsäuren die wichtige biologische Eigenschaft zu, die ökologische Bioverfügbarkeit von Metallionen zu regulieren.

Chelat-Komplexe und Chelat-Therapie sind wichtige Anwendungen bei der Entgiftung von Schwermetallen (Die Chelattherapie – Entgiftung oder Humbug? und Entgiftung durch Chelattherapie?).

Konzipiert für diese Indikation ist das Präparat Activomin® mit “Huminsäuren WH 67”  (activomin.de, Stand Januar 2021). Hier erfahren wir, dass durch die Einnahme der Kapseln Schadstoffe im Darm gebunden werden:

„Huminsäuren besitzen die Fähigkeit, Schadstoffe im Körper des Menschen fest an sich zu binden. Da sie nicht vom Körper aufgenommen werden und auch nicht in die Blutbahn gelangen können, werden die so gebundenen Körpergifte über den Darm wieder ausgeschieden, bevor eine schädigende Wirkung entstehen kann.“

WH 67 bindet die Schadstoffe noch im Dünndarm, wodurch die Komplexe ausgeschieden werden.

Huminsäuren in der Schulmedizin

In der „Apotheken-Umschau“ gibt es einen bemerkenswerten Artikel über die heilende Wirkung von Moorbädern. Diese Wirkung beruht unter anderem, aber nicht nur, auf der Anwesenheit von Huminsäure in den „Schlammpackungen“.

Aufgrund der Wärme der Packungen (39 – 40 Grad) werden laut Bericht die Hautporen geöffnet, was zur Folge hat, dass „bestimmte Substanzen des Moores, insbesondere Huminsäure und ihre Vorstufen sowie Phytoöstrogene, in den Körper geschleust werden“. Wie signifikant hier diese Einschleusung von Huminsäure ist und welchen Effekt sie auf den Genesungsprozess hat, dazu konnte ich keine Literatur finden. Dass diese Art der Moorbäder eine heilende Wirkung bei einer Reihe von Indikationen hat, das ist unbestritten. Die Frage ist hier, in welchem Maß die Huminsäure daran beteiligt ist.

In einem weiteren Beitrag über Activomin® betont die Apotheken-Rundschau die Wirkung des Präparates auf die Darmschleimhaut. Die hochmolekularen Verbindungen in Activomin® WH 67 werden zwar nicht resorbiert, bilden aber einen Schutzfilm auf dem Epithel. Das wirkt Virusinfektionen entgegen und trägt zur Regeneration der Schleimhaut bei.

Diese Befunde wurden in Tierversuchen bestätigt, wie dies auch für bakterielle und mykotische Infektionen gilt. In Laborexperimenten konnte WH 67 Salmonellen und Staphylokokken im Wachstum hemmen. Daneben kann WH 67 das darmeigene Immunsystem unterstützen und so entzündliche Prozesse dämpfen. Auch die Verdauung wird durch WH 67 optimiert.

Die Zusammensetzung ist wichtig

Eine andere Webseite/Shop (entgiftung-darmreinigung.com/huminsäure/) zählt eine „ganze Latte“ an positiven Wirkungen auf, die man so von den klassischen Heilpflanzen und Heilpilzen her kennt. Meine Überlegungen sind dabei, dass solche Wirkungen nur dann einsetzen können, wenn die Substanz bis in die zelluläre Ebene vordringen kann.

Und dazu müsste sie erst einmal „ordentlich“ resorbiert werden, wenn man eine parenterale Gabe (Injektionen zum Beispiel) vermeiden will. Hochmolekulare Huminsäuren wie in WH 67 werden nicht aufgenommen, die kleineren Polymere allerdings schon, wie bei Ratten nachgewiesen wurde. Die Entgiftungswirkung in den inneren Milieus des Körpers hängt demnach davon ab, welche Huminsäure-Fraktionen ein Huminsäure-Präparat enthält.

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Ich würde nicht sofort kritisieren wollen, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar seien. Wenn dem so wäre, warum macht man dann Millionen von Tierversuchen? Und Schweine, Hunde, Katzen, Rinder etc. kennen Erkrankungen, die auch beim Menschen auftreten. Warum sollten also bei den gleichen Erkrankungen nicht auch die gleichen Substanzen gleich wirksam sein?

Um es gleich vorweg zuschicken – die Zahl der Arbeiten zur Huminsäure ist gewaltig und spärlich zur gleichen Zeit. Huminsäure und ihre Bedeutung in der Ökologie und Umwelt ist bemerkenswert gut und detailliert untersucht. Damit finden wir eine überwältigend hohe Zahl an wissenschaftlichen Arbeiten zu Fragen in diesem Segment. Zur Frage der medizinischen beziehungsweise physiologischen Anwendung und Effekte gibt es nur „Schonkost“ im Angebot.

Induction of macrophage cell-cycle arrest and apoptosis by humic acid. – Es handelt sich hier um eine Laborstudie an Makrophagen von Mäusen, die aus einem viral bedingten Tumor stammen. Eine Inkubation mit Huminsäure bewirkte einen Zellzyklusarrest und eine Apoptose (natürlicher Zelltod). Darüber hinaus erhöhte Huminsäure das Tumorsuppressor-Protein p53 und induzierte DNA-Schäden. Dies erklärt, warum in der Einleitung des Artikels von einem Zusammenhang von Huminsäure im Grundwasser und einer Reihe von Krebsformen gesprochen wird.

Leider liefert die Studie keine Informationen über das Molekular-Gewicht der untersuchten Huminsäuren. Daher ist durch die Labor-Studie nicht abschätzbar, ob sich die Wirkung nach einer eventuell möglichen Resorption im Körperinneren entfaltet.

Microscopic examination of the intestinal wall and selected organs of minipigs orally supplemented with humic acids. Diese Arbeit an Minischweinen (3 Tiere als Kontrolle ohne und 3 Tiere als Verumgruppe mit Huminsäure) zeigte nach einer 2-wöchigen „Behandlung“ der Tiere mit 1 Gramm Huminsäure pro Kilogramm Körpergewicht keine Spuren von Huminsäure in einer Reihe von untersuchten Gewebeteilen der Tiere. Hier wurden offensichtlich nur hochmolekulare Humin-Polymere untersucht. Anders ist dieses Ergebnis nicht zu interpretieren.

Die (fast) gleiche Autorengruppe hatte 3 Jahre zuvor genau gegenteilige Beobachtungen gemacht: Microscopic evidence for the uptake of orally given humic acids by the intestinal mucosa in piglets – Bei gleicher Dosierung und identischem Beobachtungszeitraum zeigten 10 verschiedene Gewebeteile von Ferkeln Anzeichen von Huminsäure. Allerdings wurden nur 3 Tiere untersucht, 2 davon wurden mit Huminsäure gefüttert, während das Dritte ohne Huminsäure als Kontrolle diente. In dieser Arbeit sind wahrscheinlich niedermolekulare Huminsäuren verwendet worden.

Fazit: Es fehlt an Studien mit klar definierten Huminsäure-Fraktionen. Wenn solche Arbeiten vorlägen, könnten die sicher vorhandenen Wirkungen differenzierter beschrieben werden.

Humic Acid and Glucan: Protection Against Liver Injury Induced by Carbon Tetrachloride. Diese Arbeit berichtet von einem leberschützenden Effekt von Huminsäure in Verbindung mit beta-Glucan. Leider erfahren wir im Abstract nichts über die genaue Methode der Arbeit.

Neuroprotective effect of humic Acid on focal cerebral ischemia injury: an experimental study in rats. Wieder eine Tierstudie an Ratten. Die Verumgruppe wurde intraperitoneal (Einspritzen in die Bauchhöhle) versorgt. Die Behandlung mit Huminsäure zeigte eine deutliche Verbesserung einer zerebralen Ischämie durch die Verhinderung von oxidativem Stress.

The ultrastructural organization of the liver of rats with experimental hepatitis after drinking mineral water containing humic acids. Auch hier wieder eine Tierstudie. Hier wurden Leberschädigungen durch eine hochdosierte Gabe von Paracetamol ausgelöst. Die Autoren sahen unter der Gabe von Huminsäure eine Veränderung der Ultrastrukturen der Leberzellen, was auf einen Reparatureffekt von Huminsäure hinweisen könnte.
Fazit: Resorbierbare niedermolekulare Huminsäure kann ultrastrukturelle Veränderungen bewirken.

The Antiinflammatory Properties of Humic Substances: A Mini Review. Die Arbeit zeigt die entzündungshemmende Wirkung von Huminsäuren bei Ratten mit Pfoten-Ödemen. So sanken bei den Tieren die Konzentrationen der Cytokine und des C-reaktiven Proteins.

Fazit

Obwohl die Studienlage ziemlich “dünn” ist, zeichnen sich positive Wirkungen der Huminsäure ab. Dies gilt sowohl für die hochmolekularen Humin-Poylmere, die den Darm schützen als auch für die niedermolekularen Varianten, die resorbiert werden. Empfehlenswert sind die Präparte von Sonnenmoor (sonnenmoor.at), mit denen mir gute Erfahrungen vorliegen. Dies gilt für den Bereich “Entgiftung” und “Entzündungshemmung”.

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Beitragsbild: 123rf.com – subbotina

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.09.2021 aktualisiert.


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