Bluthochdruck gehört zu den Erkrankungen, bei denen sich beim Heilfasten mitunter erstaunlich schnell etwas tut. Und mit „schnell“ meine ich tatsächlich nicht erst nach mehreren Wochen oder nachdem 15 Kilogramm Körpergewicht verschwunden sind.
Bei manchen Fastenden beginnen die Blutdruckwerte bereits während der ersten Tage zu fallen.
Das ist zunächst erfreulich. Es hat allerdings eine zweite Seite, über die viel zu selten gesprochen wird: Wer bereits Medikamente gegen Bluthochdruck einnimmt und zu fasten beginnt, kann plötzlich eine stärkere Blutdrucksenkung erleben als beabsichtigt.
Deshalb lautet die entscheidende Frage für mich nicht mehr nur:
Kann Heilfasten bei Bluthochdruck helfen?
Nach den heute verfügbaren Daten kann man diese Frage durchaus mit Ja beantworten.
Viel wichtiger ist:
Für wen ist Fasten sinnvoll, wie stark kann der Blutdruck sinken und was bedeutet das für eine bereits bestehende Blutdruckmedikation?
Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.
Was gilt überhaupt als Bluthochdruck?
Die klassische Definition der Hypertonie ist in Europa weiterhin ein wiederholt in der Praxis gemessener Blutdruck ab 140/90 mmHg.
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2024 allerdings zusätzlich die Kategorie „erhöhter Blutdruck“ eingeführt. Darunter fallen Praxiswerte von systolisch 120 bis 139 mmHg oder diastolisch 70 bis 89 mmHg. Damit soll vor allem deutlich werden, dass das Herz-Kreislauf-Risiko nicht plötzlich bei 140/90 beginnt, sondern mit zunehmendem Blutdruck kontinuierlich ansteigt.
Eine einzelne Messung sagt allerdings wenig aus. Blutdruck schwankt. Aufregung, körperliche Belastung, Kaffee, Schmerzen, Schlafmangel und selbst die Messsituation können die Werte verändern.
Wer sich ausführlicher dafür interessiert, wie der Blutdruck überhaupt reguliert wird, findet dazu meinen Beitrag Wie die Blutdruckregulation funktioniert.
Und wenn es Ihnen nicht nur um das Fasten geht, sondern generell um naturheilkundliche Möglichkeiten bei erhöhten Blutdruckwerten, lesen Sie auch meinen ausführlichen Beitrag Bluthochdruck natürlich senken – Möglichkeiten der Naturheilkunde.
Was passiert mit dem Blutdruck beim Heilfasten?
Dass Übergewicht und Bluthochdruck häufig gemeinsam auftreten, ist nichts Neues. Ebenso wenig überrascht es, dass eine längerfristige Gewichtsabnahme den Blutdruck senken kann.
Beim Fasten geschieht allerdings noch etwas anderes. Der Blutdruck kann bereits fallen, bevor ein wesentlicher Fettabbau stattgefunden hat.
Das spricht dafür, dass mehrere Mechanismen gleichzeitig beteiligt sind.

Blutdruck beim Heilfasten: Schematische Darstellung der möglichen Entwicklung von systolischem und diastolischem Blutdruck während einer Fastenkur. Wie stark die Werte sinken, hängt unter anderem vom Ausgangsblutdruck ab.
Der Körper scheidet zunächst Natrium und Wasser aus
Während der ersten Fastentage verändert sich die Regulation von Wasser und Elektrolyten. Typisch ist eine verstärkte Natriumausscheidung über die Nieren. Dieses Phänomen wird als Fastennatriurese bezeichnet.
Mit Natrium geht Wasser verloren. Das zirkulierende Blutvolumen kann dadurch abnehmen und damit auch der Blutdruck.
Das erklärt zugleich, weshalb ich wenig davon halte, während des Fastens irgendwelche starren Trink- oder Salzregeln für jeden Menschen gleichermaßen aufzustellen. Ein übergewichtiger Patient mit salzsensitivem Bluthochdruck und ein schlanker Mensch mit einem Blutdruck von 100/60 mmHg haben schlicht nicht dieselbe Ausgangslage.
Auch bei der klassischen Fastensuppe spielt das eine Rolle. Wie ich diese zubereite und weshalb ich normalerweise auf zusätzliches Salz verzichte, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastensuppe beim Heilfasten: Rezept und praktische Hinweise.
Der Insulinspiegel sinkt
Während des Fastens sinkt die Insulinausschüttung erheblich. Das ist nicht nur für den Zuckerstoffwechsel und die Fettverbrennung interessant.
Insulin beeinflusst auch die Natriumrückresorption in den Nieren. Sinkt Insulin, kann vermehrt Natrium ausgeschieden werden. Gleichzeitig kann sich bei Menschen mit Übergewicht und Insulinresistenz die Insulinempfindlichkeit verbessern.
Bluthochdruck, Bauchfett, erhöhte Insulinwerte, Fettleber und Typ-2-Diabetes treten nicht zufällig häufig gemeinsam auf. Wir haben es oftmals mit verschiedenen Erscheinungsformen derselben Stoffwechselentgleisung zu tun.
Gerade bei dieser Konstellation halte ich Heilfasten für besonders interessant. Zum Zusammenhang mit dem Zuckerstoffwechsel finden Sie ergänzend meinen Beitrag Heilfasten bei Diabetes. Und weshalb insbesondere das Bauchfett metabolisch problematisch ist, erläutere ich hier: Bauchfett wirkt wie ein Organ.
Auch das vegetative Nervensystem reagiert auf längeres Fasten
Früher wurde häufig recht pauschal behauptet, Fasten dämpfe einfach den Sympathikus, also jenen Teil unseres vegetativen Nervensystems, der unter anderem Herzfrequenz und Kreislauf beeinflusst.
So einfach ist es offenbar nicht.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung aus der GENESIS-Studie beobachtete 16 Teilnehmer während eines zwölftägigen Buchinger-Fastens. In den ersten Fastentagen zeigte sich zunächst eine vorübergehende Zunahme sympathischer Aktivität. Im weiteren Verlauf nahm dagegen die parasympathische Aktivität zu und die sympathische Aktivität ab.
Auch der systolische Blutdruck sank in dieser kleinen Gruppe im Mittel um knapp 7 mmHg.
Das ist interessant, aber man sollte aus 16 Teilnehmern keine allgemeingültige Theorie ableiten. Die Studie liefert vielmehr einen Hinweis darauf, dass sich das vegetative Nervensystem während längeren Fastens dynamisch verändert und nicht einfach vom ersten Fastentag an auf „Entspannung“ schaltet.
Die interessanteste Studie zum Heilfasten und Blutdruck
Besonders aufschlussreich ist eine Untersuchung mit 1.610 Fastenden, deren Ergebnisse 2020 im Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurden.
Die Teilnehmer fasteten zwischen vier und 41 Tagen nach einem Buchinger-ähnlichen Konzept. Die durchschnittliche Fastendauer betrug zehn Tage, die tägliche Energiezufuhr ungefähr 250 Kilokalorien.
Unter den Teilnehmern waren:
- 920 Menschen mit normalem Blutdruck,
- 313 Menschen mit Hypertonie ohne Blutdruckmedikamente und
- 377 Menschen mit Hypertonie unter medikamentöser Behandlung.
Über alle Teilnehmer hinweg sank der Blutdruck durchschnittlich von etwa 126/81 auf 120/78 mmHg.
Das klingt zunächst gar nicht spektakulär.
Der Durchschnitt verschleiert allerdings den wichtigsten Befund:
Je höher der Blutdruck zu Beginn des Fastens war, desto ausgeprägter fiel die Blutdrucksenkung aus.
Bei den nicht medikamentös behandelten Hypertonikern mit Ausgangswerten über 140/90 mmHg sank der Blutdruck durchschnittlich um:
16,7 mmHg systolisch und 8,8 mmHg diastolisch.
Bei den 76 Teilnehmern mit Ausgangswerten über 160/100 mmHg waren es sogar:
24,7 mmHg systolisch und 13,1 mmHg diastolisch.
Das ist eine Größenordnung, die man nicht mehr als belanglose Schwankung abtun kann. Bei den Teilnehmern mit normalen Blutdruckwerten sank der Blutdruck dagegen lediglich um ungefähr 3/2 mmHg.
Noch interessanter finde ich eine kleine Untergruppe von 69 Frauen, die bereits vor dem Fasten Werte unter 100/60 mmHg hatten. Bei ihnen stieg der Blutdruck im Durchschnitt sogar leicht an.
Das könnte darauf hindeuten, dass Fasten den Blutdruck nicht einfach bei jedem Menschen möglichst weit nach unten drückt.
Man muss allerdings die Grenzen der Untersuchung klar benennen: Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie ohne randomisierte Kontrollgruppe. Die Teilnehmer befanden sich zudem in einem strukturierten und betreuten Fastenprogramm.
Wir können daraus also nicht ableiten, dass jeder Mensch mit Bluthochdruck nach zehn Fastentagen seinen systolischen Wert um 20 oder 25 mmHg senkt. Die Größenordnung der beobachteten Veränderungen ist dennoch bemerkenswert.
Genau solche Zusammenhänge sind beim Heilfasten wichtig: Nicht nur „nichts essen“, sondern verstehen, was sich mit Blutdruck, Kreislauf, Stoffwechsel und Medikamenten während der Fastentage verändert. Wenn Sie sich mit Heilfasten beschäftigen oder selbst eine Fastenkur planen, können Sie sich hier kostenlos zu meinem Heilfasten-Newsletter eintragen. Dort bekommen Sie regelmäßig praktische Hinweise aus meiner Fastenarbeit und Naturheilpraxis:
Besonders wichtig: Fasten bei Einnahme von Blutdrucktabletten
Jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich für wesentlich wichtiger halte als manche Diskussion über den exakten Fastenmechanismus.
Von den 1.610 untersuchten Personen nahmen 377 Blutdruckmedikamente ein.
Auch bei ihnen sank der Blutdruck während des Fastens weiter: durchschnittlich von etwa 135/86 auf 127/81 mmHg.
Gleichzeitig wurde unter medizinischer Betreuung bei 23,6 Prozent die blutdrucksenkende Medikation abgesetzt und bei weiteren 43,5 Prozent reduziert.
Bitte verstehen Sie diese Zahlen nicht als Aufforderung, beim nächsten Fasten die Tabletten in die Schublade zu legen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Diese Zahlen zeigen, weshalb Menschen mit medikamentös behandeltem Bluthochdruck während einer Fastenkur genauer hinsehen müssen.
Die Wirkung der Medikamente besteht weiter, während das Fasten gleichzeitig den Blutdruck senken kann. Hinzu kommen Veränderungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts.
Eine Dosierung, die unter normaler Ernährung passend war, kann während einer Fastenkur plötzlich zu stark sein.
Typische Warnzeichen können beispielsweise sein:
- ungewöhnlicher Schwindel,
- Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen,
- ausgeprägte Schwäche,
- Beinahe-Ohnmacht oder Ohnmacht,
- auffallend niedrige Blutdruckwerte.
Gerade bei Diuretika kommt hinzu, dass diese ebenfalls Wasser und Elektrolyte beeinflussen.
Wichtig: Blutdruckmedikamente sollten beim Heilfasten nicht eigenmächtig reduziert oder abgesetzt werden. Wer behandelt wird, sollte vor Beginn klären, wie der Blutdruck kontrolliert wird und was bei deutlich sinkenden Werten mit der Medikation geschehen soll.
Dieser Punkt ist übrigens nicht nur bei Bluthochdruck relevant. Auch Diabetesmedikamente, Insulin und entwässernde Medikamente können während einer Fastenkur Anpassungen erforderlich machen. Deshalb habe ich das Thema inzwischen auch ausführlicher in meine Heilfasten-Anleitung aufgenommen.
Was sagen Meta-Analysen?
Bei der Bewertung der Studien muss man genau hinschauen. Unter dem Begriff „Fasting“ werden sehr unterschiedliche Verfahren zusammengefasst: intermittierendes Fasten, Alternate-Day-Fasting, Kalorienrestriktion, mehrtägiges Fasten und Buchinger-Fasten sind physiologisch keineswegs identisch.
Entsprechend unterschiedlich fallen die Ergebnisse aus.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 wertete 23 Untersuchungen mit insgesamt 1.397 Teilnehmern aus. Über alle Fasten- und Kalorienrestriktionsverfahren hinweg sank der systolische Blutdruck durchschnittlich um etwa 1,9 mmHg und der diastolische um etwa 1,3 mmHg.
In den eigentlichen Fasten-Untergruppen fiel die systolische Blutdrucksenkung mit gut 3 mmHg stärker aus.
Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit zum intermittierenden Fasten bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas umfasste 15 Studien mit 929 Teilnehmern. Im Vergleich zu Kontrollgruppen sank der systolische Blutdruck durchschnittlich um 4,43 mmHg, der diastolische um 2,0 mmHg.
Besonders deutlich waren die Effekte bei Menschen mit Adipositas, bei Teilnehmern ab 45 Jahren sowie bei bereits erhöhtem Blutdruck.
Das widerspricht der großen Buchinger-Beobachtungsstudie nicht. Es zeigt vielmehr, warum man genau sagen muss, welche Fastenmethode und welche Patientengruppe untersucht wurden.
Bedeutet das: Fasten statt Blutdrucktabletten?
Nein. Eine solche Schlussfolgerung wäre zu simpel. Bluthochdruck ist kein einzelner Messwert, der losgelöst vom restlichen Menschen behandelt werden sollte. Entscheidend ist das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko.
Dazu gehören unter anderem Alter, Nierenfunktion, Diabetes, Gefäßkrankheiten, Rauchen, bereits vorhandene Organschäden und weitere Risikofaktoren.
Medikamente können bei entsprechendem Risiko notwendig sein und schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern.
Aber ebenso falsch wäre es, Lebensstilmaßnahmen nur als freundliche Beigabe zu betrachten. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie empfiehlt ausdrücklich:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
- regelmäßige körperliche Aktivität,
- eine geeignete Ernährungsweise und
- bei Hypertonie weniger als 6 Gramm Kochsalz pro Tag.
Gerade die Salzreduktion wird dort aufgrund der Datenlage ausdrücklich stark empfohlen.
Fasten ist zwar keine Standardtherapie dieser Leitlinie. Es setzt aber gleichzeitig an mehreren Faktoren an, die bei vielen Hypertonikern eine Rolle spielen: Körpergewicht, Insulinresistenz, Ernährung, Natriumhaushalt und Essgewohnheiten.
Fasten ist für mich kein Ersatz, sondern ein therapeutischer Neustart
Das eigentliche Potential des Heilfastens sehe ich nicht darin, zehn Tage nichts zu essen und anschließend genauso weiterzumachen wie vorher.
Dann steigt häufig nicht nur das Gewicht wieder. Auch der Blutdruck bewegt sich irgendwann zurück in seine alte Richtung.
Deshalb sage ich seit Jahren: Das Fasten ist nicht das Ziel. Es ist der Einstieg.
Während einer Fastenkur verschwinden plötzlich zahlreiche Dinge aus dem Alltag, die vorher selbstverständlich waren: Alkohol, Fertigprodukte, ständiges Naschen, große Mahlzeiten und ein erheblicher Teil der täglichen Salzmenge.
Gleichzeitig verändert sich häufig das Geschmacksempfinden. Viele Fastende stellen nach einigen Tagen fest, wie überwürzt oder übersüßt Lebensmittel tatsächlich sind.
Genau deshalb sind auch die Tage nach dem Fasten so wichtig. Wer nach dem letzten Fastentag sofort wieder in seine alte Ernährung zurückkehrt, verschenkt einen erheblichen Teil dessen, was eine Fastenkur leisten kann.
Wie die Rückkehr zur normalen Ernährung sinnvoll gelingt, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastenbrechen und Aufbautage nach dem Heilfasten.
Bluthochdruck ist für mich ein gutes Beispiel dafür, warum ich chronische Beschwerden ungern auf einen einzelnen Labor- oder Messwert reduziere. Ernährung, Bewegung, Stoffwechsel, Medikamente, Schlaf und Stress greifen ineinander. Wenn Sie solche Zusammenhänge interessieren und Sie regelmäßig meine Einschätzungen aus Naturheilkunde und Medizin lesen möchten, können Sie sich hier kostenlos in meinen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ eintragen:
Wie würde ich bei Bluthochdruck praktisch vorgehen?
Wer wegen erhöhter Blutdruckwerte fasten möchte, sollte meiner Ansicht nach nicht an Tag eins einfach die Nahrung weglassen und anschließend schauen, was passiert. Ich würde zunächst einige Tage vor Beginn morgens und abends unter vergleichbaren Bedingungen den Blutdruck messen und die Werte notieren.
Damit bekommt man überhaupt erst eine vernünftige Ausgangsbasis. Bei bereits behandelter Hypertonie sollte außerdem vorher geklärt sein, wie mit den Medikamenten verfahren wird, falls die Werte deutlich sinken.
Während des Fastens würde ich den Blutdruck täglich kontrollieren. Bei Menschen unter Blutdruckmedikamenten halte ich zumindest in den ersten Fastentagen eine Messung morgens und abends für sinnvoll.
Treten Schwindel oder Kreislaufprobleme auf, ist zusätzlich interessant, was beim Lagewechsel passiert. Wer im Sitzen 125/75 mmHg misst, aber nach dem Aufstehen beinahe umkippt, hat offensichtlich trotzdem ein Kreislaufproblem.
Besonders aufmerksam wäre ich bei:
- höherem Lebensalter und Gebrechlichkeit,
- Nierenerkrankungen,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- mehreren gleichzeitig eingesetzten Blutdruckmitteln,
- Diuretika,
- Diabetesmedikamenten,
- bereits niedrigem Ausgangsblutdruck.
Wer genauer wissen möchte, welche Kontrollen beim Fasten sinnvoll sein können, findet dazu meinen Beitrag Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind.
Und einen vollständigen Ablauf von Vorbereitung über Fastentage bis Aufbaukost finden Sie in meinem Heilfasten-Plan Schritt für Schritt.
Wann sollte man mit hohem Blutdruck nicht einfach auf eigene Faust fasten?
Sehr hohe Blutdruckwerte sind kein Anlass für ein Fastenexperiment nach dem Motto: „Dann esse ich jetzt drei Tage nichts und schaue, ob es besser wird.“
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen hohen Messwerten ohne akute Beschwerden und einem hypertensiven Notfall.
Treten bei massiv erhöhtem Blutdruck gleichzeitig Symptome auf wie:
- Brustschmerzen,
- ausgeprägte Atemnot,
- Lähmungen oder andere neurologische Ausfälle,
- Sprach- oder Sehstörungen,
- Krampfanfälle,
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen,
dann gehört der Betroffene nicht an den Fastentisch, sondern unverzüglich medizinisch abgeklärt.
Auch instabile Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Nierenfunktionsstörungen und bestimmte weitere Erkrankungen sprechen gegen einen Fastenversuch in Eigenregie.
Eine ausführlichere Übersicht dazu finden Sie in meinem Beitrag Fasten bei Krankheiten: Wann Heilfasten sinnvoll sein kann und wann nicht.
Und was ist mit niedrigem Blutdruck während des Fastens?
Das ist gewissermaßen die andere Seite des Themas. Gerade schlanke Menschen mit ohnehin niedrigen Blutdruckwerten können während des Fastens Kreislaufbeschwerden entwickeln. Flüssigkeitsverschiebungen, Natriumausscheidung und die Stoffwechselumstellung können dazu beitragen.
Deshalb gilt beim Blutdruck keineswegs: je niedriger, desto besser. Wenn jemand beim Aufstehen regelmäßig Schwarz vor Augen wird, sich kaum auf den Beinen halten kann oder beinahe ohnmächtig wird, sollte man dies nicht stolz als „Entgiftungsreaktion“ verbuchen.
Dann sollte man kontrollieren, was tatsächlich los ist. Genau deshalb gehört ein Blutdruckmessgerät bei Menschen mit bekannten Kreislaufproblemen für mich zu den sinnvollen Dingen, die man für eine Fastenkur bereithalten kann.
Meine Erfahrung aus der Praxis
Was mich an den neueren Untersuchungen besonders interessiert: Vieles davon passt ziemlich gut zu dem, was ich über viele Jahre bei Fastenden beobachtet habe. Vor allem bei übergewichtigen Patienten mit erhöhtem Blutdruck und weiteren Zeichen eines metabolischen Syndroms können sich die Werte innerhalb erstaunlich kurzer Zeit verändern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich jedem Bluthochdruckpatienten einfach drei Wochen Fasten verordnen würde. Je höher das Ausgangsrisiko und je umfangreicher die Medikation, desto wichtiger ist die Begleitung.
Und ich würde heute noch deutlicher zwischen zwei Fragen unterscheiden: Was passiert während des Fastens?
und: Was ist drei oder sechs Monate später noch davon übrig?
Für die erste Frage haben wir inzwischen recht gute Hinweise: Bei erhöhtem Blutdruck können mehrtägige Fastenprogramme die Werte deutlich senken.
Die zweite Frage ist komplizierter. Sie hängt wesentlich davon ab, was anschließend geschieht.
Wer nach dem Fasten zu genau jener Ernährung, jenem Bewegungsmangel, dem Alkohol, dem Übergewicht und dem Stressniveau zurückkehrt, die möglicherweise an der Entstehung seines Bluthochdrucks beteiligt waren, sollte keine Wunder erwarten.
Wer dagegen die Fastenkur als Zäsur nutzt, kann aus wenigen Tagen einen langfristigen Nutzen machen.
Mein Fazit
Heilfasten ist bei Bluthochdruck wesentlich interessanter, als es noch vor einigen Jahren aufgrund der damaligen Studienlage erschien. Ich könnte jetzt einfach schreiben, dass mir diese spätestens seit Anfang der 2000er Jahre klar wurde, nachdem ich die ersten Patienten beim Heilfasten begleitete und auch durch die Erfahrung mit Fastengruppen.
Besonders bei Übergewicht, Insulinresistenz und metabolischem Syndrom können sich die Blutdruckwerte bereits innerhalb weniger Tage deutlich verändern. Die bisher größte Untersuchung mit 1.610 Fastenden zeigt dabei einen ausgesprochen interessanten Zusammenhang:
Je höher der Ausgangsblutdruck war, desto stärker fiel im Durchschnitt die Blutdrucksenkung aus. Bei nicht medikamentös behandelten Teilnehmern mit Werten über 160/100 mmHg betrug die durchschnittliche Senkung fast 25/13 mmHg.
Das ist beachtlich. Es macht Heilfasten dennoch nicht automatisch zu einem Ersatz für Blutdruckmedikamente. Gerade bei bereits medikamentös behandelten Menschen ist die mögliche rasche Blutdrucksenkung ein Grund, genauer hinzusehen. Eine Dosierung, die vor der Fastenkur richtig war, kann während des Fastens plötzlich zu stark wirken.
Für mich liegt der besondere Wert des Heilfastens deshalb an anderer Stelle: Es kann innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Stoffwechselprozesse verändern und gleichzeitig eine Unterbrechung jener Gewohnheiten schaffen, die über Jahre zum Problem beigetragen haben.
Entscheidend wird dann, was man daraus macht. Eine Fastenkur dauert einige Tage. Die eigentliche Therapie beginnt häufig erst danach.
Studien und Quellen
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- European Society of Cardiology. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal
- Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0., NVL Hypertonie








