Heilfasten kann bei bestimmten chronischen Erkrankungen therapeutisch interessant sein. Bei Bluthochdruck, Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder rheumatischen Erkrankungen gibt es durchaus klinische Daten, die günstige Veränderungen zeigen. Bei Diabetes, Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, Gicht, Krebs oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme verändert sich dagegen das Risiko erheblich.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Hilft Fasten bei meiner Krankheit?“ Sondern zuerst: Welche Erkrankung liegt vor, wie stabil ist sie, welche Medikamente werden eingenommen und welche Form des Fastens ist überhaupt gemeint?
Auf dieser Seite gebe ich Ihnen zunächst die Orientierung. Für die einzelnen Erkrankungen finden Sie anschließend ausführliche Beiträge, in denen Nutzen, Studienlage, Risiken und Besonderheiten genauer behandelt werden.
Das Wichtigste vorweg:
- Gesunde, belastbare Erwachsene können eine begrenzte Heilfastenkur häufig selbstständig durchführen.
- Wer wegen einer Erkrankung fasten möchte, sollte Nutzen und Risiken krankheitsspezifisch prüfen.
- Bei Diabetes, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Lebererkrankungen, Krebs, Essstörungen, Untergewicht und regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört mehrtägiges Fasten nicht in einen unkontrollierten Selbstversuch.
- Verschreibungspflichtige Medikamente werden nicht eigenmächtig abgesetzt oder reduziert.
- Fasten ersetzt keine notwendige Diagnostik oder Behandlung einer Erkrankung.
Wenn Sie zunächst klären möchten, ob Heilfasten für Sie überhaupt infrage kommt, lesen Sie meinen Beitrag Wer darf nicht fasten? Gegenanzeigen und Risikogruppen.
Was bedeutet „Heilfasten bei Krankheiten“ überhaupt?
Wenn ich hier von Heilfasten spreche, meine ich in erster Linie ein zeitlich begrenztes, strukturiertes und meist modifiziertes Fasten, wie es beispielsweise beim Buchinger-Fasten üblich ist. Dabei werden neben Wasser und Tee in begrenztem Umfang Gemüsebrühe, Saft und gegebenenfalls etwas Honig eingesetzt.
Das ist etwas anderes als mehrtägiges reines Wasserfasten. Es ist auch nicht dasselbe wie Intervallfasten, eine ketogene Ernährung oder schlicht das Auslassen des Frühstücks.
Diese Unterscheidung ist bei Erkrankungen besonders wichtig. Ein Mensch mit Diabetes unter Insulintherapie hat bei einer 16-stündigen Essenspause ein anderes Risikoprofil als bei sieben Tagen Heilfasten. Dasselbe gilt für Menschen mit niedrigem Blutdruck, Nierenproblemen oder einer chronischen Darmerkrankung.
Mehr zu den unterschiedlichen Methoden finden Sie unter Fastenmethoden und Fastenvarianten.
Was kann Fasten bei chronischen Erkrankungen verändern?
Während einer längeren Nahrungspause verändert sich der Stoffwechsel deutlich. Insulinspiegel sinken, Glykogenspeicher werden geleert, die Fettverbrennung steigt und Ketonkörper übernehmen zunehmend einen Teil der Energieversorgung. Gleichzeitig verändern sich Flüssigkeits- und Salzhaushalt, Blutdruck, Harnsäure, Hormonsignale und verschiedene Entzündungsmarker.
Genau darin liegt die therapeutische Chance – und zugleich das Problem.
Wenn beispielsweise ein erhöhter Blutdruck während des Fastens deutlich sinkt, kann das erwünscht sein. Nimmt der Betroffene jedoch gleichzeitig mehrere blutdrucksenkende Medikamente ein, kann aus dem erwünschten Effekt ein Kreislaufproblem werden. Sinkt der Blutzucker bei einem Menschen mit Typ-2-Diabetes, kann das günstig sein. Unter bestimmten blutzuckersenkenden Medikamenten kann derselbe Vorgang aber eine gefährliche Unterzuckerung auslösen.
Fasten wirkt nicht neben einer bestehenden Therapie, als wäre diese gar nicht vorhanden. Es verändert die Bedingungen, unter denen Medikamente und Stoffwechsel arbeiten.
Bei welchen Krankheiten ist Heilfasten besonders interessant?
Die folgende Übersicht ist bewusst keine Liste nach dem Schema „Krankheit X – Fasten heilt“. Die Studienlage ist je nach Erkrankung sehr unterschiedlich. Bei einigen Themen liegen kontrollierte Humanstudien vor, bei anderen hauptsächlich Beobachtungen, kleine Untersuchungen oder physiologische Überlegungen.
| Erkrankung oder Problem | Was man über Fasten sagen kann | Besonders beachten |
|---|---|---|
| Bluthochdruck | Unter medizinisch begleitetem längerem Fasten wurden deutliche Blutdrucksenkungen beobachtet. | Blutdruckmedikamente, Kreislauf, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt müssen berücksichtigt werden. |
| Typ-2-Diabetes | Kleine kontrollierte Studien und Untersuchungen zu verschiedenen Fastenformen zeigen günstige Effekte auf Gewicht und Glukosestoffwechsel. | Unterzuckerung und Medikamentenwirkung. Insulin und bestimmte Antidiabetika machen Selbstversuche riskant. |
| Rheumatoide Arthritis | Hier existieren tatsächlich kontrollierte Humanstudien. Beschwerden können sich während des Fastens bessern; langfristig scheint die Ernährung nach dem Fasten entscheidend zu sein. | Erkrankungsaktivität, Gewichtsverlust und antirheumatische Medikamente beachten. |
| Übergewicht und metabolische Störungen | Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck und einige Stoffwechselparameter können sich kurzfristig verbessern. | Der dauerhafte Nutzen entscheidet sich nach dem Fasten. Muskelverlust und Jo-Jo-Effekte müssen vermieden werden. |
| Gicht und erhöhte Harnsäure | Gewichtsreduktion kann langfristig günstig sein, während stärkeres Fasten die Harnsäure vorübergehend erhöhen kann. | Ein Gichtanfall kann gerade während einer Fastenphase ausgelöst werden. Begleitung ist sinnvoll. |
| Gastritis und empfindlicher Magen | Manche Menschen empfinden die Nahrungspause als entlastend, bei anderen verstärken Säure, Kaffeeentzug oder ungeeignete Getränke die Beschwerden. | Ulkus, Blutung, starke Schmerzen und anhaltendes Erbrechen müssen abgeklärt werden. |
| Chronisch entzündliche und autoimmune Erkrankungen | Entzündungs- und Stoffwechselmechanismen machen Fasten interessant. Die klinische Evidenz ist jedoch stark von der konkreten Erkrankung abhängig. | Keine pauschale Übertragung von Rheuma-Daten auf jede Autoimmunerkrankung. |
| Herz-, Nieren- und schwere Lebererkrankungen | Hier kann Fasten den Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Medikamentenhaushalt erheblich verändern. | Kein mehrtägiges Selbstfasten ohne fachliche Beurteilung. |
Fasten bei Bluthochdruck
Bluthochdruck gehört zu den Erkrankungen, bei denen die Wirkung einer Fastenperiode vergleichsweise gut beobachtbar ist. In Untersuchungen mit medizinisch begleitetem längerem Fasten sank der Blutdruck bei vielen Teilnehmern deutlich.
Das ist physiologisch plausibel: Körpergewicht, Insulinspiegel, Salz- und Flüssigkeitshaushalt sowie die Aktivität des autonomen Nervensystems verändern sich. Entscheidend ist aber, was daraus praktisch folgt.
Wer bereits Blutdrucksenker einnimmt, muss seinen Blutdruck während des Fastens kontrollieren. Die gleiche Medikamentendosis kann unter veränderten Stoffwechselbedingungen plötzlich zu stark wirken. Daraus folgt ausdrücklich nicht, dass Sie Tabletten selbst reduzieren sollen. Eine notwendige Anpassung gehört in fachkundige Hände.
Ausführlicher dazu in meinem Beitrag: Heilfasten bei Bluthochdruck.
Fasten bei Diabetes: interessant – aber kein Selbstversuch
Gerade beim Typ-2-Diabetes ist Fasten interessant, weil Nahrungspausen unmittelbar in den Glukose- und Insulinstoffwechsel eingreifen. Eine kleine randomisierte Untersuchung mit einer einwöchigen Buchinger-Fastenphase zeigte, dass ein solches Konzept bei ausgewählten Patienten mit Typ-2-Diabetes durchgeführt werden kann und Stoffwechselparameter beeinflusst.
Das klingt zunächst verlockend. Der entscheidende Zusatz lautet jedoch: Die Teilnehmer waren Patienten innerhalb eines kontrollierten Studienprotokolls.
Insulin, Sulfonylharnstoffe und andere blutzuckersenkende Medikamente können während einer Fastenperiode eine Unterzuckerung begünstigen. Gleichzeitig kann Flüssigkeitsmangel problematisch werden. Bei Typ-1-Diabetes kommen weitere Risiken hinzu.
Deshalb gilt hier besonders: Fasten kann therapeutisch diskutiert werden, aber nicht nach einer Tabelle aus dem Internet durchgeführt werden.
Weiterlesen in meinem Beitrag: Heilfasten bei Diabetes.
Rheuma und rheumatoide Arthritis: eine der interessantesten Indikationen
Bei kaum einer chronisch entzündlichen Erkrankung ist die Fastentradition so eng mit klinischer Forschung verbunden wie bei der rheumatoiden Arthritis.
Bereits ältere kontrollierte Studien zeigten eine deutliche Besserung verschiedener Beschwerden während einer Fastenperiode mit anschließender pflanzenbetonter Ernährung. Neuere Untersuchungen bestätigen, dass das Thema weiterhin interessant ist. Allerdings zeigen Übersichten auch etwas, das gerne unterschlagen wird: Der reine Fasteneffekt kann vorübergehend sein.
Die spannendere Frage lautet deshalb nicht nur, was während sieben Fastentagen geschieht, sondern wie danach gegessen wird. Eine entzündungsbewusste, pflanzenbetonte Ernährung kann aus meiner Sicht wesentlich wichtiger sein als die heroische Verlängerung einer Fastenkur.
Zum Thema lesen Sie weiter unter Fasten bei Rheuma.
Fasten bei Arthrose ist nicht dasselbe wie Fasten bei Rheuma
Rheumatoide Arthritis ist eine entzündlich-autoimmune Erkrankung. Arthrose ist dagegen primär eine Erkrankung des Gelenks mit degenerativen und ebenfalls entzündlichen Komponenten. Beide können Schmerzen verursachen, sind medizinisch aber nicht dasselbe.
Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme bei Arthrose schon deshalb hilfreich sein, weil Knie und Hüfte mechanisch entlastet werden. Ob eine längere Fastenperiode darüber hinaus einen eigenständigen krankheitsmodifizierenden Effekt hat, ist wesentlich weniger klar als manchmal behauptet wird.
Zur allgemeinen Einordnung der Erkrankung: Arthrose und Gelenkverschleiß.
Gicht: Warum Fasten einen Anfall provozieren kann
Gicht ist ein gutes Beispiel dafür, warum „Fasten wirkt entzündungshemmend“ als alleinige Empfehlung nicht genügt.
Während stärkerer Fastenphasen steigt die Ketonkörperbildung. Gleichzeitig kann die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere vorübergehend vermindert sein. Der Harnsäurespiegel kann dadurch zunächst ansteigen – und bei dafür anfälligen Menschen einen Gichtanfall begünstigen.
Langfristig können Gewichtsnormalisierung, eine günstigere Stoffwechsellage und eine veränderte Ernährung sehr sinnvoll sein. Der Weg dorthin muss bei ausgeprägter Hyperurikämie oder bekannten Gichtanfällen jedoch vernünftig geplant werden.
Wer bereits Gichtanfälle hatte oder Medikamente gegen erhöhte Harnsäure einnimmt, sollte eine mehrtägige Fastenkur vorher abklären.
Fasten bei Magen- und Darmbeschwerden
Viele Menschen denken bei Verdauungsbeschwerden zuerst: Wenn Essen Probleme macht, müsste Nichtessen doch automatisch helfen. So einfach ist es leider nicht.
Bei Völlegefühl und ernährungsabhängigen Beschwerden kann eine kontrollierte Nahrungspause entlastend wirken. Eine Gastritis, ein Magengeschwür, eine aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Gallenerkrankungen oder ungeklärte Bauchschmerzen benötigen jedoch eine eigene Beurteilung.
Gerade bei Magenschleimhautentzündung können Kaffeeentzug, saure Säfte, größere Mengen Tee oder ein leerer Magen Beschwerden auch verstärken.
Mehr dazu finden Sie unter Fasten bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung sowie in meiner Übersicht zu Darmproblemen und Darmstörungen.
Nicht weiterfasten und medizinisch abklären lassen sollten Sie insbesondere: starke oder zunehmende Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Blut im Stuhl, schwarzen teerartigen Stuhl, einen stark geblähten harten Bauch, Fieber mit deutlicher Verschlechterung oder die Unfähigkeit, ausreichend Flüssigkeit bei sich zu behalten.
Fasten bei Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen werden häufig gemeinsam genannt, obwohl Multiple Sklerose, Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoide Arthritis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen biologisch und therapeutisch erheblich voneinander abweichen.
Zwar sind Stoffwechsel, Darmmikrobiom und Entzündungsregulation bei vielen dieser Erkrankungen interessante Forschungsgebiete. Daraus folgt aber nicht, dass ein Fastenprotokoll, das bei rheumatoider Arthritis untersucht wurde, automatisch bei jeder Autoimmunerkrankung wirkt.
Für einzelne Erkrankungen habe ich deshalb eigene Beiträge:
Gerade bei Autoimmunerkrankungen ist außerdem die Medikation entscheidend. Cortison, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormone und andere Arzneimittel werden nicht eigenmächtig verändert, nur weil eine Fastenkur begonnen wird.
Fasten bei Neurodermitis, Allergien und Asthma
Bei allergischen und entzündlichen Erkrankungen berichten Fastende nicht selten über Veränderungen ihrer Beschwerden. Hier muss man jedoch besonders sauber zwischen Erfahrung, biologischer Plausibilität und belastbarer klinischer Evidenz unterscheiden.
Für rheumatoide Arthritis gibt es kontrollierte klinische Daten. Bei Allergien, Neurodermitis oder Asthma ist die Datenlage für mehrtägiges therapeutisches Fasten wesentlich dünner. Aussagen über eine zuverlässige Senkung von Histamin oder eine dauerhafte Besserung der Bronchien sind deshalb nicht pauschal auf jeden Patienten übertragbar.
Die krankheitsspezifischen Einordnungen finden Sie hier:
- Fasten bei Allergien
- Heilfasten bei Neurodermitis und Hautkrankheiten
- Fasten bei Asthma und chronischer Bronchitis
Bei Asthma gilt selbstverständlich: Eine notwendige inhalative oder systemische Therapie wird nicht spontan abgesetzt. Atemnot und ein akuter Asthmaanfall sind keine Gelegenheit für einen Fastenversuch.
Fasten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Zwischen einem ansonsten gesunden Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck und einem Patienten mit Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen oder fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit liegen medizinisch Welten.
Fasten verändert Blutdruck, Flüssigkeitsvolumen, Elektrolyte und häufig auch die notwendige Medikamentendosis. Diuretika, Blutdrucksenker und andere Herzmedikamente verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.
Wer eine relevante Herzerkrankung hat, sollte mehrtägiges Fasten nur nach individueller Beurteilung durchführen. Das gilt umso mehr nach Herzinfarkt, bei Herzinsuffizienz, ausgeprägten Rhythmusstörungen oder eingeschränkter Belastbarkeit.
Weiterführend: Fasten bei Herzproblemen und Fasten und Arteriosklerose.
Leber- und Nierenerkrankungen: Nicht mit „Entgiftung“ verwechseln
Ausgerechnet bei Leber- und Nierenproblemen wird häufig besonders unkritisch zum „Entgiften“ durch Fasten geraten. Dabei sind beide Organsysteme entscheidend für Stoffwechsel, Flüssigkeitshaushalt und Ausscheidung.
Eine Fettleber im Zusammenhang mit Übergewicht und Insulinresistenz ist etwas völlig anderes als eine fortgeschrittene Leberzirrhose. Auch eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion ist nicht mit einer schweren Niereninsuffizienz gleichzusetzen.
Bei fortgeschrittener Organerkrankung können Veränderungen von Flüssigkeit, Natrium, Kalium, Eiweißstoffwechsel und Medikamentenwirkung problematisch werden. Hier ist mehr Fasten nicht automatisch mehr Therapie.
Grundlagen zur Leber finden Sie unter Leberfunktion und Lebererkrankungen.
Fasten bei Krebs: Keine pauschale Empfehlung
Zum Fasten bei Krebs werden inzwischen zahlreiche interessante Mechanismen untersucht. Besonders diskutiert werden zeitlich begrenzte Nahrungspausen rund um bestimmte Therapien und sogenannte fastenimitierende Ernährungsformen.
Das darf jedoch nicht mit der Aussage verwechselt werden, Krebspatienten sollten ihre Erkrankung „aushungern“.
Krebs kann mit Gewichtsverlust, Muskelabbau, Mangelernährung und einer stark katabolen Stoffwechsellage einhergehen. Dann kann eine weitere Nahrungsreduktion gerade das Falsche sein. Hinzu kommen Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung und Medikamente, deren Verträglichkeit und Dosierung berücksichtigt werden müssen.
Bei Krebs gehört eine längere Fastenperiode deshalb in die Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und einer entsprechend erfahrenen therapeutischen Begleitung.
Darf man während einer akuten Krankheit fasten?
Eine geplante Heilfastenkur wegen einer chronischen Erkrankung ist nicht dasselbe wie plötzlich nichts mehr zu essen, weil man einen Infekt, Fieber oder eine Magen-Darm-Erkrankung bekommen hat.
Während akuter Erkrankungen hat der Organismus teilweise einen erhöhten Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf. Fieber, Durchfall und Erbrechen können Flüssigkeit und Elektrolyte kosten. Hier kann zusätzliches striktes Fasten die Situation verschlechtern.
Wenn der Appetit bei einem harmlosen Infekt für einen Tag fehlt, muss man sich nicht zum Essen zwingen. Daraus sollte aber keine allgemeine Regel werden, jede akute Erkrankung „wegzufasten“.
Mehr dazu: Fasten bei Fieber und fieberhaften Erkrankungen.
Fasten im höheren Lebensalter
Das Geburtsdatum allein entscheidet nicht darüber, ob jemand fasten darf. Ein trainierter 72-Jähriger ohne relevante Erkrankungen kann belastbarer sein als ein 50-Jähriger mit mehreren chronischen Krankheiten.
Mit zunehmendem Alter werden jedoch Muskelmasse, Ernährungszustand, Gebrechlichkeit, Nierenfunktion und Medikamenteneinnahme wichtiger. Gerade ein unbeabsichtigter Verlust an Muskelmasse sollte nicht leichtfertig in Kauf genommen werden.
Deshalb lautet die Frage nicht „Bin ich zu alt zum Fasten?“, sondern: Wie belastbar bin ich, wie ist mein Ernährungszustand und welche Risiken bringe ich mit?
Ausführlich: Fasten im höheren Lebensalter.
Wann Heilfasten nicht auf eigene Faust durchgeführt werden sollte
Mehrtägiges eigenständiges Heilfasten ist besonders kritisch beziehungsweise nicht angezeigt bei Schwangerschaft und Stillzeit, ausgeprägtem Untergewicht oder Mangelernährung, Anorexie und anderen relevanten Essstörungen sowie bei fortgeschrittener Organinsuffizienz.
Eine vorherige fachliche Abklärung oder therapeutische Begleitung ist außerdem besonders wichtig bei:
- regelmäßiger Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente,
- Diabetes, insbesondere Typ 1 oder Behandlung mit Insulin und bestimmten Antidiabetika,
- Nieren-, Leber- und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Gicht und deutlich erhöhter Harnsäure,
- Krebs und anderen konsumierenden Erkrankungen,
- starkem Untergewicht oder erheblichem unbeabsichtigtem Gewichtsverlust,
- Gebrechlichkeit und höherem Lebensalter mit eingeschränkter Belastbarkeit,
- psychischer Instabilität oder Essstörungsvorgeschichte.
Die ausführliche Übersicht finden Sie unter Wer darf nicht fasten?.
Medikamente sind beim Fasten oft der entscheidende Punkt
In der Praxis ist nicht selten die Erkrankung selbst weniger problematisch als die Kombination aus Fasten und Medikamenten.
Blutdrucksenker können bei fallendem Blutdruck stärker ins Gewicht fallen. Diuretika beeinflussen Flüssigkeit und Elektrolyte. Insulin und bestimmte Diabetesmittel können Unterzuckerungen auslösen. Lithium besitzt eine enge therapeutische Breite und reagiert empfindlich auf Veränderungen im Flüssigkeits- und Salzhaushalt. Auch die Aufnahme anderer Medikamente kann sich verändern, wenn sie plötzlich ohne Nahrung eingenommen werden.
Deshalb gilt eine klare Regel: Verschreibungspflichtige Medikamente werden wegen einer Fastenkur nicht eigenmächtig abgesetzt, halbiert oder zeitlich verschoben.
Wenn eine Anpassung notwendig ist, wird sie vor Beginn beziehungsweise unter Kontrolle der behandelnden Fachperson geplant.
Welche Beschwerden beim Fasten noch im Rahmen liegen – und welche nicht
Leichte Kopfschmerzen, Frieren, vorübergehender Hunger, Müdigkeit oder etwas Schwindel beim schnellen Aufstehen können während der ersten Fastentage vorkommen. Auch das ist aber nicht automatisch eine geheimnisvolle „Entgiftung“.
Kopfschmerzen können beispielsweise durch Kaffeeentzug entstehen. Schwindel kann von niedrigem Blutdruck, Flüssigkeitsmangel oder Medikamenten kommen. Muskelschwäche kann auf Elektrolytstörungen hinweisen.
Die Bezeichnung „Fastenkrise“ darf nicht verhindern, dass man nach einer konkreten Ursache sucht.
Fasten abbrechen und medizinische Hilfe suchen beziehungsweise die Ursache zeitnah abklären lassen bei:
- Ohnmacht, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen,
- Brustschmerz, Atemnot oder ausgeprägtem Herzrasen,
- anhaltendem Erbrechen oder wenn keine Flüssigkeit behalten werden kann,
- starken oder zunehmenden Bauchschmerzen,
- schwarzem Teerstuhl oder deutlicher Blutung,
- neurologischen Ausfällen oder Krampfanfällen,
- deutlicher Austrocknung oder sehr geringer Urinausscheidung,
- schwerer anhaltender Schwäche,
- starker Unterzuckerung oder deutlich entgleisten Blutzuckerwerten.
Nach längerem Fasten: Auch das Fastenbrechen gehört zur Therapie
Wer wegen einer Erkrankung fastet, sollte nicht nur den Beginn der Kur planen. Der Übergang zurück zur Nahrung ist genauso wichtig.
Nach einer normalen, begrenzten Heilfastenwoche bei einem gut ernährten Menschen ist ein schweres Refeeding-Syndrom nicht das typische Szenario. Bei Untergewicht, Mangelernährung, erheblichem Gewichtsverlust oder längerer fehlender Nahrungsaufnahme sieht es anders aus.
Dabei können insbesondere Phosphat, Kalium und Magnesium im Blut gefährlich abfallen; zusätzlich spielen Flüssigkeitshaushalt und Vitamin B1 eine Rolle. Internationale Leitlinien betrachten unter anderem sehr niedriges Körpergewicht, starken Gewichtsverlust und längere Phasen mit kaum oder keiner Nahrungsaufnahme als Risikofaktoren.
Nach längerem Fasten gilt deshalb nicht: Jetzt habe ich es geschafft, jetzt darf ich wieder alles essen.
Wie der Übergang sinnvoll gelingt, lesen Sie unter Fastenbrechen und Aufbautage.
So würde ich bei einer bestehenden Erkrankung vorgehen
Wenn Sie aufgrund einer Erkrankung heilfasten möchten, klären Sie vor dem Start fünf Punkte:
- Was ist die genaue Diagnose? „Stoffwechselprobleme“ oder „Darmprobleme“ sind noch keine medizinische Diagnose.
- Welche Medikamente nehmen Sie? Auch scheinbar nebensächliche Mittel können während des Fastens relevant werden.
- Wie ist Ihr Ernährungszustand? Starkes Untergewicht, Muskelverlust oder ungewollte Gewichtsabnahme sprechen gegen einen unkritischen Fastenversuch.
- Welche Fastenform und Dauer planen Sie? 16 Stunden Nahrungspause und zehn Tage Wasserfasten gehören nicht in dieselbe Risikokategorie.
- Was geschieht nach dem Fasten? Gerade bei Stoffwechsel- und Entzündungserkrankungen entscheidet die Ernährung danach über den langfristigen Nutzen.
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte zuerst die Ausgangslage klären. Fasten kann ein starkes therapeutisches Werkzeug sein. Gerade deshalb sollte man es nicht einsetzen wie einen Hammer, bei dem anschließend jede Krankheit wie ein Nagel aussieht.
Weiterführende Beiträge zu einzelnen Krankheiten und Beschwerden
Je nach Diagnose finden Sie hier die ausführlichere Einordnung:
| Thema | Weiterführender Beitrag |
|---|---|
| Bluthochdruck | Heilfasten bei Bluthochdruck |
| Diabetes | Heilfasten bei Diabetes |
| Rheuma | Fasten bei Rheuma |
| Arthrose | Arthrose und Gelenkverschleiß |
| Asthma | Fasten bei Asthma und Bronchitis |
| Allergien | Fasten bei Allergien |
| Neurodermitis | Fasten bei Neurodermitis |
| Multiple Sklerose | Fasten bei Multipler Sklerose |
| Hashimoto | Heilfasten bei Hashimoto |
| Gastritis und Magenschleimhautentzündung | Fasten bei Gastritis |
| Herzerkrankungen | Fasten bei Herzproblemen |
| Arteriosklerose | Fasten bei Arteriosklerose |
| Kopfschmerzen und Migräne | Fasten bei Kopfschmerzen und Migräne |
| Neurologische Erkrankungen | Fasten bei neurologischen Erkrankungen |
| Fieber und akute Erkrankungen | Fasten bei Fieber |
| Höheres Lebensalter | Fasten im Alter |
| Schwangerschaft | Fasten in der Schwangerschaft |
| Kinderwunsch | Fasten bei Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit |
Mein Fazit: Je kränker der Mensch, desto individueller muss das Fasten werden
Heilfasten ist für mich weder ein Wundermittel noch eine gefährliche Marotte. Es ist ein tiefgreifender Stoffwechselreiz. Genau deshalb kann es bei bestimmten Erkrankungen interessant sein – und bei anderen Situationen besondere Vorsicht verlangen.
Seit 1998 arbeite ich in eigener Naturheilpraxis und begleite Menschen beim Fasten. Dabei ist für mich ein Grundsatz wichtiger geworden als jede starre Fastenregel: Nicht die Diagnose allein entscheidet darüber, ob jemand fasten sollte. Entscheidend ist der ganze Mensch – einschließlich Ernährungszustand, Medikamente, Belastbarkeit, Krankheitsaktivität und Fastenmethode.
Wer gesund ist, braucht vor allem einen guten Plan. Wer wegen einer Erkrankung fasten möchte, braucht zusätzlich eine gute Einordnung.
Wenn Sie noch am Anfang stehen, lesen Sie als Nächstes entweder Wer darf nicht fasten? oder meinen Heilfasten-Plan. Die krankheitsspezifischen Beiträge oben führen anschließend tiefer in die jeweilige Fragestellung.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wilhelmi de Toledo F, Buchinger A, Burggrabe H et al. Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines. Forsch Komplementmed. 2013;20(6):434–443. DOI: 10.1159/000357602.
- Grundler F, Mesnage R, Michalsen A, Wilhelmi de Toledo F. Blood Pressure Changes in 1610 Subjects With and Without Antihypertensive Medication During Long-Term Fasting. J Am Heart Assoc. 2020;9:e018649. DOI: 10.1161/JAHA.120.018649.
- Kjeldsen-Kragh J, Haugen M, Borchgrevink CF et al. Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritis. Lancet. 1991;338:899–902. DOI: 10.1016/0140-6736(91)91770-U.
- Hartmann AM et al. To eat or not to eat – an exploratory randomized controlled trial on fasting and plant-based diet in rheumatoid arthritis. NutriFast-Studie.
- Schmidt S et al. Effects of a One-week Fasting Therapy in Patients with Type-2 Diabetes Mellitus and Metabolic Syndrome – A Randomized Controlled Explorative Study.
- Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. Leitlinien und Fachpublikationen zur Fastentherapie.
- National Institute for Health and Care Excellence. Nutrition support for adults – Recommendations. Abschnitt zu Mangelernährung und Refeeding-Risiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Diagnose oder Therapie. Das gilt besonders bei chronischen Erkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, Untergewicht, längerer Fastendauer und akuten Beschwerden.









