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Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem und auch etabliert. Aber diese Theorie war schon immer ziemlich unlogisch.  Nach neuerer Forschung zeigen sich ganz andere Theorien als stimmig, die ich u.a in folgenden Beiträgen darlege:

Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem. Sie ist etabliert. Und sie ist biologisch zu kurz gedacht.

Die Cholesterin-Theorie – ein überholtes Erklärungsmodell

Die Vorstellung, Arteriosklerose entstehe primär durch „zu viel Cholesterin im Blut“, gehört zu den hartnäckigsten Dogmen der modernen Medizin. Sie war schon immer erklärungsbedürftig und ist durch neuere Forschung zunehmend ins Wanken geraten. Cholesterin ist kein Fremdkörper, der sich zufällig in Gefäßwänden ablagert. Es ist ein essenzieller Baustoff, ohne den weder Zellmembranen noch Hormone funktionieren würden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie viel Cholesterin im Blut zirkuliert, sondern unter welchen Bedingungen es in die Gefäßwand einwandert – und warum es dort verbleibt.

Entzündung und Insulin – die unterschätzten Treiber der Arteriosklerose

Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Arteriosklerose weniger ein Fettproblem als vielmehr ein Entzündungs- und Stoffwechselproblem ist. Chronisch erhöhte Insulinspiegel, oxidativer Stress, dauerhafte Reizung der Gefäßinnenhaut und eine Fehlregulation des Immunsystems spielen eine zentrale Rolle.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Rolle der Kohlenhydrate. Während Fette lange pauschal verteufelt wurden, zeigt sich heute immer klarer, dass Zucker und raffinierte Stärke das Gefäßsystem erheblich stärker belasten als natürliche Fette.

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum führt zu wiederholten Insulinspitzen. Insulin wirkt dabei nicht nur blutzuckersenkend, sondern auch wachstumsfördernd und entzündungsaktivierend. Die Gefäßinnenhaut reagiert auf diese Signale mit erhöhter Durchlässigkeit. Immunzellen wandern ein, LDL-Partikel werden oxidiert, Makrophagen nehmen diese auf und verwandeln sich in sogenannte Schaumzellen. Diese verbleiben in der Gefäßwand und bilden die Grundlage für Plaques.

Ketogene Ernährung und Fasten – warum Kohlenhydratreduktion biologisch Sinn ergibt

Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass Ernährungsformen, die Zucker und Stärke konsequent reduzieren, zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Die ketogene Ernährung ist ein Beispiel dafür. Sie vermeidet Kohlenhydrate weitgehend und zwingt den Organismus, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, unter anderem ß-Hydroxybutyrat.

Auch beim Heilfasten kommt es durch den Mangel an Kohlenhydraten zur verstärkten Fettverbrennung und zur Bildung von Ketonkörpern. Der Stoffwechsel schaltet von Wachstum und Speicherung auf Erhaltung und Reparatur um.

Zu dieser Ketose und zur ketogenen Ernöhrung hatte ich ebenfalls einiges verfasst:

ß-Hydroxybutyrat und Gefäßregeneration – neue Erkenntnisse aus der Forschung

Lange galten Ketonkörper lediglich als Nebenprodukte eines „Notstoffwechsels“. Inzwischen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Ketonkörper sind hochaktive Signalmoleküle mit direktem Einfluss auf Zellfunktionen.

US-amerikanische Forscher um Ming-Hui Zou konnten zeigen, dass ß-Hydroxybutyrat genetische Programme in Endothelzellen aktiviert, die mit Zellerneuerung und Differenzierung in Verbindung stehen. Dabei wird unter anderem der Transkriptionsfaktor Oct4 beeinflusst, der eine zentrale Rolle bei Wachstum und Reparatur spielt. In den untersuchten Gefäßen nahm die Zahl funktionstüchtiger Endothelzellen zu – ein Hinweis darauf, dass Fasten aktiv zur Regeneration der Gefäßinnenhaut beitragen kann. Link zur Studie: https://www.cell.com/molecular-cell/fulltext/S1097-2765(18)30605-1

Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen.

Fasten und Arteriosklerose – Übertragbarkeit auf den Menschen

Auch wenn diese Untersuchungen zunächst an Tiermodellen durchgeführt wurden, ist der zugrunde liegende Mechanismus biologisch fundamental. Weniger Zucker, weniger Insulin, weniger oxidative Belastung und eine verbesserte Endothelfunktion sind Effekte, die sich auch beim Menschen beobachten lassen.

Für mich ist das kein rein theoretisches Konzept. Ich habe die beschriebenen Effekte über Jahre an mir selbst erfahren – ohne dass ich diese Entwicklung mit bildgebenden Verfahren dokumentiert hätte, aber mit eindeutigen Veränderungen im Stoffwechselprofil.

Dasselbe beobachte ich bei vielen Patienten in der Praxis. Allerdings unter einer klaren Voraussetzung: Heilfasten ist kein isoliertes Wundermittel. Es wirkt nur dann nachhaltig, wenn anschließend konsequent weitergearbeitet wird – mit einer entzündungsarmen Ernährung, einer stabilen Insulinregulation und einer gezielten Versorgung mit Vitalstoffen. Ohne diese Schritte verpufft der Effekt.

Darmflora und Arteriosklerose – der Einfluss des Mikrobioms

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Darmflora. Studien an eineiigen Zwillingen zeigen, dass die Arteriosklerose umso stärker ausgeprägt ist, je geringer die Vielfalt der Darmbakterien ausfällt. Besonders Bakterien aus der Familie der Ruminococcaceae scheinen einen positiven Einfluss auf die Elastizität der Blutgefäße zu haben.

Diese Mikroorganismen produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die stark entzündungshemmend wirken. Fasten beeinflusst das Darmmilieu positiv, reduziert Zuckerzufuhr und fördert genau jene bakteriellen Stoffwechselprodukte, die Gefäße schützen statt belasten.

Zur Darmflora und dessen Einflüsse hatte ich ebenfalls zahlreiche Beiträge veröffentlicht:

Warum Statine den Prozess nicht aufhalten

Statine senken Cholesterinwerte. Sie verändern jedoch weder dauerhaft erhöhte Insulinspiegel noch chronische Entzündungsprozesse oder eine gestörte Endothelfunktion. Sie greifen an einem Marker an, nicht an der Ursache.

Fasten hingegen setzt genau dort an, wo Arteriosklerose entsteht: im Stoffwechsel. Nicht als Ersatz für jede Therapie, aber als ernstzunehmendes biologisches Werkzeug.

Fazit: Arteriosklerose ist ein Prozess – und Prozesse sind veränderbar

Arteriosklerose ist keine unabwendbare Alterserscheinung und kein reines Zahlenproblem. Sie ist Ausdruck eines chronisch überlasteten Stoffwechsels. Wer diesen entlastet, kann den Krankheitsverlauf bremsen und unter günstigen Bedingungen sogar teilweise umkehren.

Fasten wirkt nicht über Kalorienreduktion, sondern über biologische Signalwege. Genau darin liegt seine therapeutische Bedeutung.

Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Otto Buchinger hat das Heilfasten nicht erfunden. Aber er hat es aus der Ecke von Askese, Notzeiten und religiösem Verzicht herausgeholt – und in eine Form gebracht, die man ernsthaft als Therapie verstehen kann: mit klarer Struktur, physiologischem Verständnis, Hilfsmethoden und einer erstaunlich modernen Sicht auf das, was Fasten im Körper auslöst.

Wer glaubt, Heilfasten sei einfach „ein paar Tage nichts essen und Tee trinken“, hat Buchinger nicht verstanden. Schon ein Blick in sein Hauptwerk Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden zeigt: Er dachte in Systemen, nicht in Kalorien. In Abläufen, nicht in Motivation. In Beobachtung, nicht in Wunschdenken.

Fasten war für ihn kein Lifestyle, sondern ein Eingriff. Und genau deshalb muss es auch so durchgeführt werden.

In diesem Beitrag will ich einen Überblick geben wie Buchinger das fasten für seine Patienten gestaltet hat. Dabei stütze ich mich auf sein Werk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden aus dem Jahr 1935.

Im Folgenden zeige ich Ihnen zuerst Fotografien des Inhaltsverzeichnisses, sodass Sie hier bereits sehen was Dr. Buchinger wichtig war:

Inhaltsverzeichnis aus Buchingers Buch „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden“ mit Kapiteln zu Geschichte, Physiologie des Fastens und Methode

Inhaltsverzeichnis zu „Wirkung des Fastens auf Krankheiten“ und „Hilfsmethoden“ im Buch „Das Heilfasten“ von Otto Buchinger

Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln zu Röder-Methode, Homöopathie, heilender Seelenführung und Zusammenfassung in Buchingers „Das Heilfasten“

Fasten ist alt – Buchinger machte es klinisch

Sie sehen bereits am Inhaltsverzeichnis: Buchinger beginnt nicht mit Speiseplänen, sondern mit Geschichte. Fasten existiert seit Jahrtausenden: in Religionen, in der Volksmedizin, in Krisenzeiten, in Heiltraditionen vieler Kulturen. Das allein beweist noch keine therapeutische Wirkung – aber es zeigt etwas Entscheidendes: Fasten ist kein modernes „Biohacking“, sondern ein menschliches Grundprogramm.

Der Unterschied ist Buchingers Perspektive. Für ihn war Fasten nicht nur Verzicht, sondern ein Zustand, in dem der Organismus umschaltet – von ständiger Verarbeitung auf Regulation. Fasten bedeutet: weniger Reiz von außen, mehr Ordnung von innen.

Das ist der Grund, warum Buchinger Fasten nicht als kurzfristige Maßnahme sah, sondern als Kurform mit Vorbereitung, Verlauf, Beobachtung und Aufbauphase.

Physiologie des Fastens: Buchingers Kernstück

Hier geht es um „klinisches Denken“.

Was passiert im Körper?

Buchinger beschreibt Fasten als Umstellung in Etappen: Der Körper verlässt die Dauerverwertung von Nahrung und wechselt in einen Modus, in dem er Reserven nutzt, Stoffwechselwege verschiebt und innere Ordnungssysteme hochfährt.

Heute würden wir Begriffe wie Ketose, Insulinabsenkung, Entzündungsmodulation und Autophagie nennen. Buchinger hatte diese Worte nicht. Aber er hatte das Entscheidende: Beobachtung, Erfahrung, Systematik.

Fasten ist messbar – nicht nur „ein Gefühl“

Buchinger beobachtete klassische Parameter:

  • Kreislaufveränderungen
  • Puls und Blutdruck
  • Harnausscheidung und Stoffwechselprodukte
  • Reaktionen von Magen, Leber und Darm

Damit macht er klar: Fasten ist nicht bloß Stimmung. Fasten ist Physiologie – und die kann man sehen, spüren und messen.

Leber, innere Sekretion und der „innere Arzt“

Buchinger schreibt ausführlich über die Leber und über hormonelle Steuerung (er spricht von „innerer Sekretion“). Und er bringt eine Idee, die heute fast altmodisch klingt, aber in der Praxis oft erschreckend zutrifft: den inneren Arzt.

Gemeint ist: Der Körper kann regulieren, wenn man ihn lässt.

Das klingt banal – ist es aber nicht. Viele Menschen leben so, dass der Körper kaum noch Gelegenheit bekommt, in einen Reparaturmodus zu wechseln. Ständige Zufuhr, ständiger Stress, ständiger Reiz. Fasten ist dann nicht „Verzicht“, sondern eine Art Zwangspause für das System.

Hunger, Sensibilisierung, Gewichtsabnahme

Buchinger widmet dem Hunger ein eigenes Kapitel. Er behandelt Hunger nicht als Feind, sondern als Signal – und er beschreibt etwas, das viele Fastende kennen: eine Sensibilisierung.

Geruch, Geschmack, Körperwahrnehmung, Schlaf, Stressreaktion – vieles wird feiner. Nicht magisch, sondern physiologisch.

Gewichtsabnahme passiert dabei fast zwangsläufig. Aber Buchinger war nicht auf Kilos fixiert. Er war auf Umstimmung fixiert.

Fasten als Ausscheidungs- und Umstimmungskur

Buchinger spricht nicht nur von „Entgiftung“ – ein Begriff, der heute oft zu Werbezwecken missbraucht wird – sondern von Umstimmung. Und das ist einer seiner stärksten Begriffe.

Der Körper schaltet um:

  • von Aufnahme auf Regulation
  • von Dauerreiz auf Rhythmus
  • von Stressstoffwechsel auf Reparaturmodus

Man kann das biologisch erklären. Man kann es klinisch beobachten. Und man kann es bei vielen Menschen sogar im Gesicht sehen.

Die Buchinger Methode: Fasten Tagesablauf

Buchinger beschreibt seine Methode nicht als „Konzept“, sondern als Kurplan. Und genau hier liegt der Unterschied zu vielen modernen Internet Fastenkuren.

Buchinger wusste: Der Erfolg hängt nicht am Willen, sondern an der Struktur.

1. Selbstfasten – ja, aber nicht naiv

Buchinger unterscheidet zwischen Fasten unter Führung und Selbstfasten. Er war kein Freund von blindem Selbstversuch. Fasten ist einfach – bis es nicht mehr einfach ist:

Kreislaufprobleme, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Kältegefühl, emotionale Reaktionen, Unterzuckerungssymptome, Reizbarkeit. Wer das nicht einordnen kann, bricht ab oder macht Fehler.

2. Wann Fasten? Die Jahreszeiten

Buchinger nimmt die Jahreszeiten ernst. Nicht als Folklore, sondern als Physiologie:

  • Licht
  • Temperatur
  • Aktivitätsniveau
  • Stimmungslage

Fasten im Frühling fällt vielen leichter als im tiefen Winter. Das ist keine Theorie. Das ist Erfahrung.

3. Aufnahme und Vorbereitung: Der Einstieg entscheidet

Wer einfach „ab morgen esse ich nichts mehr“ macht, fastet oft gegen den Körper. Buchinger behandelt Vorbereitung als Teil der Therapie. Der Körper braucht einen Übergang.

4. Obsttage: Entlastung vor dem Fasten

Die klassischen Obsttage dienen dem Runterfahren:

  • Verdauung beruhigen
  • Insulinspitzen senken
  • Reizstoffe reduzieren
  • sanfter Übergang in den Fastenstoffwechsel

Heute würde man sagen: metabolisch klüger Einstieg.

5. Glaubersalz: Darmentleerung als Startsignal

Das ist der Buchinger Klassiker – und gleichzeitig der Teil, über den sich manche am meisten echauffieren.

Buchinger nutzt Glaubersalz nicht aus Darmmystik, sondern aus Erfahrung:

  • Ein voller Darm macht Fasten schwer
  • Übelkeit, Druck, Unruhe werden häufiger
  • Nach der Entleerung fühlen sich viele sofort leichter und klarer

Ob man heute immer Glaubersalz braucht, kann man diskutieren. Aber als historischer Kernbestandteil der Methode gehört es dazu.

6. Mittagspackung, Spaziergang, Abend, Nacht

Hier erkennt man Buchinger als Praktiker. Fasten ist nicht „leer“. Es wird gefüllt mit Rhythmus:

  • Wärme
  • Ruhe
  • Bewegung
  • Tagesstruktur

Die Mittagspackung ist ein klassisches Reiz Reaktions Prinzip: Wärme, Durchblutung, vegetative Entspannung.

Der Spaziergang: Bewegung ohne Stress. Nicht Training. Nicht Leistung. Kreislaufpflege und Stoffwechselaktivierung.

Der Abend: Runterfahren statt stimulieren.

Die Nacht: Schlaf ist Therapie. Punkt.

7. Morgen Klistier und Morgen Beratung

Buchinger bleibt konsequent: Der Darm bleibt auch im Fasten ein Thema. Nicht weil „alles vom Darm kommt“, sondern weil der Körper im Fasten anders reagiert.

Und die Morgen Beratung ist psychologisch klug: Fasten ist nicht nur Stoffwechsel, sondern Prozessführung.

8. Warme Bäder, Hautpflege, Mundpflege, Sonnen und Luftbad

Das klingt nach Kurhotel – ist aber in Wahrheit Physiologie.

Fastende frieren häufig. Warme Bäder stabilisieren Kreislauf und Nervensystem.

Mundpflege ist wichtig, weil Fasten Mundflora und Belagbildung verändert. Wer das ignoriert, fühlt sich irgendwann „unsauber“ und bricht ab.

Und Sonnen Luftbad: Licht wirkt. Punkt. Heute würden wir circadianen Rhythmus, Stimmung, Schlaf und Vitamin D erwähnen. Buchinger nannte es Luftbad.

9. Arzt und Patient: Beziehung ist Teil der Therapie

Buchinger endet die Methodik nicht mit „Ernährung“, sondern mit Beziehung.

Das ist eine klare Aussage: Fasten ist eine Therapie, die Führung braucht.

Wirkung bei Krankheiten: Buchinger war mutig – und differenziert

Buchinger beschreibt Einsatzfelder, die erstaunlich breit sind: Rheuma und Arthritis, Arteriosklerose und Angina pectoris, Asthma, Hautkrankheiten, Gastritiden und Enteritiden, Nierenentzündung, Migräne, akute und chronische Entzündungen – sogar „Krebsanlage“ in damaliger Sprache.

Buchinger berichtet zu seiner Zeit über klinische Erfahrungen, nicht moderne randomisierte Studien. Die gab es damals nämlich nicht. Buchinger war Pionier auf diesem Gebiet!

Heute wissen wir, dass Fasten tief auf Stoffwechsel, Entzündungen und vieles mehr wirkt – und genau diese Achsen sind bei chronischen Krankheiten oft zentral. Buchinger bringt es sinngemäß auf den Punkt: Fasten wirkt tiefer als seine Hilfsmethoden (die er im Buch ebenfalls beschreibt).

Gegenanzeigen: Fasten ist kein Kinderspiel

Buchinger nennt auch klare Gegenanzeigen. Das zeigt: Er war kein Fasten Fanatiker. Fasten ist kein Spiel. Es ist ein Eingriff. Ich habe ausführlich zu den Gegenanzeigen in folgendem Beitrag berichtet: Wer darf nicht fasten?

Hilfsmethoden: Fasten als Gesamtpaket

Buchinger nennt sie Hilfsmethoden, weil Fasten für ihn die Haupttherapie ist – unterstützt durch Maßnahmen, die den Prozess stabilisieren und unterstützen.

Luftbad und Sonnenbad

Licht ist biologischer Taktgeber.

Packungen und Ganzwaschung

Kneipp lässt grüßen. Wasseranwendungen sind gezielte Reize – richtig dosiert können sie regulierend wirken und enorm viel bewirken!

Vegetarismus

Buchinger diskutiert vegetarische Kost als Aufbau und Lebensstilfrage. Er wollte nicht, dass Menschen nach dem Fasten direkt in die alte Überlastung zurückfallen.

Fasten ohne Änderung danach ist wie Reset drücken und sofort wieder denselben Fehler machen.

Röder Methode und Homöopathie

Spannend ist, wie breit Buchinger dachte. Er integrierte Methoden, die damals im naturheilkundlichen Umfeld üblich waren. Diese beiden Methoden werden heute gerne „vergessen“. Das Rödern kennt kaum noch jemand: Rödern – Mandeln behandeln statt entfernen [Mandeln absaugen]. Und zur Homöopathie muss ich nicht viel sagen – oder? Wenn doch, schauen Sie bitte in meinen Artikel: Homöopathie Lexikon: Anwendung, Prinzipien, Mittel und Studien

Die meisten Fastenleiter die ich heute kenne, haben von diesen beiden wichtigen Verfahren leider keine oder nur sehr wenig Ahnung.

Heilende Seelenführung: der Teil, der fast immer vergessen wird

Und noch ein Abschnitt, den viele „moderne Fastenprogramme“ am liebsten weglassen, weil er nicht in eine Checkliste passt: Seelenführung.

Buchinger spricht über:

  • Leib und Seele
  • Fasten und Beten
  • heilsame Selbstansprache
  • Ur Angst
  • Mut gegenüber Sachverständigen Urteilen
  • Elementarschule und Hochschulschule

Man kann das religiös lesen. Oder psychologisch.

In der Praxis ist es vor allem eines: der Beweis, dass Buchinger wusste, was Fasten mit Menschen macht. Fasten macht nicht automatisch glücklich. Es macht oft erstmal ehrlich. Und das ist für viele der Beginn von Veränderung.

Fastenbrechen und Aufbautage: hier entscheidet sich viel…

Buchinger widmet dem Fastenbrechen große Aufmerksamkeit: Fastenbrechen, Ausgefastetsein, Technik des Fastenbrechens, Störungen der ersten Aufbautage, Schwierigkeiten der ersten Aufbautage, der rechte Ausklang.

Das zeigt: Für Buchinger war der Aufbau keine Nebensache. Er war der zweite Teil der Therapie.

Viele machen den Fehler: Fasten läuft gut – und dann kommt der Belohnungstag.

Buchinger wusste: Der Körper ist nach dem Fasten empfindlich. Genau dann muss man führen.

Fazit: Was Buchinger wirklich geschaffen hat

Buchinger hat Fasten nicht einfach populär gemacht. Er hat Fasten in eine Form gebracht, die man klinisch anwenden kann: Vorbereitung, strukturierter Tagesablauf, Begleitung, Hilfsmethoden, psychische Führung, Aufbauphase, Indikationen und Gegenanzeigen.

Fasten ist bei Buchinger weder Selbstkasteiung noch Lifestyle. Es ist Regulationsmedizin. Und genau deshalb wirkt sein Ansatz heute wieder so modern: Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nicht an akuten Krankheiten scheitern, sondern an chronischer Überlastung.

Fasten ist nicht für jeden. Aber für viele ist es genau das, was die Medizin oft nicht mehr liefert: Eine Pause. Ein Reset. Und die Chance, dass der innere Arzt wieder arbeiten kann.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Heilfasten-Newsletter dazu an:

Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

 

Otto Buchinger (1878–1966) war ein Pionier auf seinem Gebiet. Er war Arzt, Marinearzt während seiner Militärzeit. Aber vor allem war er jemand, der am eigenen Körper erlebt hat, wie schnell ein Mensch medizinisch „abgehakt“ werden kann, wenn die üblichen Werkzeuge nicht mehr greifen.

Was Dr. Buchinger später entwickelte, war nicht die nächste Modekur für den Strandkörper, sondern ein umfassendes therapeutisches Konzept. Geboren aus der Idee: Wenn mir niemand hilft, muss ich selbst etwas finden, das funktioniert.

Fasten war für ihn keine Idee. Es war seine Rettung und später auch für tausende seiner Patienten.

Kindheit, Studium und ein erstaunlich menschlicher Start

Otto Buchinger wurde am 16. Februar 1878 in Darmstadt geboren. Sein Vater war Regierungsrat, die Familie akademisch geprägt, der Weg schien vorgezeichnet. Kindheit und Jugend beschreibt man später als unbeschwert: Karl May, Waldwanderungen, Eislaufen, Käfer sammeln. Es klingt fast zu harmlos für jemanden, der später als unbequemer Grenzgänger zwischen Medizin, Lebensreform und Spiritualität bekannt wurde.

Und dann dieses Detail, das ich persönlich liebe, weil es ihn entmythologisiert: Buchinger hätte sein Abitur beinahe nicht bestanden. Mathematik ungenügend. Kein Wunderkind, kein Überflieger. Sondern ein junger Mann mit Ecken, der sich durchbeißt.

1897 begann er zunächst mit Jura in Gießen, wechselte aber bald zur Medizin. Nicht aus romantischer Berufung, sondern aus einem ganz praktischen Grund: Die Vorlesungen begannen später am Morgen. Auch das macht ihn menschlich. Er war nicht der Typ „Heiliger in Weiß“. Er war ein Realist, ein Suchender, ein Beobachter.

In Gießen wurde er Korpsstudent. Die damaligen Trinksitten, dieses ritualisierte Saufen als „Männlichkeitsbeweis“, prägten ihn nachhaltig – allerdings nicht in der Weise, wie es das Korps vermutlich beabsichtigt hatte. Buchinger entwickelte eine deutliche Abneigung gegen den Trinkzwang. Diese frühe Erfahrung wird später noch wichtig, denn Buchinger war einer der wenigen Ärzte seiner Zeit, die Alkohol nicht als „Kultur“, sondern als Problem verstanden.

Marinearzt: Weltreise statt Kurpark

1902 trat Buchinger in den Dienst der Kaiserlichen Marine. Sein erster Einsatz auf hoher See war als Unterarzt auf einem Torpedoboot. Kurz darauf folgte die SMS Hertha, ein ostasiatisches Kreuzergeschwader. Er reiste über Aden, Ceylon, Singapur bis nach Tsingtau, weiter nach Korea, nach Wladiwostok, besuchte Japan – Nagasaki und Kyoto – und kam über Afrika zurück.

Man muss sich das vorstellen: Das war keine gemütliche Bildungsreise. Das war eine Welt, in der Hygiene, Tropenkrankheiten, Mangelversorgung, Stress und medizinische Improvisation Alltag waren. Buchinger lernte dort etwas, das man heute in vielen Arztpraxen vergeblich sucht: Demut vor dem Leben – und Respekt vor anderen Kulturen.

Er war nicht einer dieser deutschen Kulturmissionare, die damals durch die Welt liefen, als wäre Europa das Maß aller Dinge. Buchinger betrachtete fremde Völker und Kulturen als gleichwertig. Er nannte die Kolonialpolitik des Kaiserreichs einmal ein „Schuldbuch des weißen Mannes“. Das ist bemerkenswert. Und es passt zu seinem späteren Denken: Wer den Menschen als Ganzes sieht, kann ihn nicht gleichzeitig als Objekt betrachten.

Auf See hatte er Zeit. Er las Nietzsche, Goethe, beschäftigte sich mit Lebensreform, Askese, Monismus. Und er begann Vorträge zu halten – über Tropenhygiene, aber auch über Lebensführung. Das war kein Arzt, der nur Medikamente kannte. Das war ein Arzt, der früh verstand: Der Lebensstil ist keine Nebensache. Er ist die Bühne, auf der Krankheit entsteht oder Gesundheit zurückkehrt.

Die Alkoholfrage: Buchinger gegen den „normalen Wahnsinn“

Während seiner Marinezeit wurde für Buchinger die Alkoholfrage immer zentraler. 1909 trat er einem Marine-Alkoholgegnerbund bei und ließ sich mit seiner Frau in den Guttemplerorden aufnehmen. Er sah Abstinenz nicht als Moralpredigt, sondern als volkswirtschaftliches Heilmittel und als Grundlage für körperliche und geistige Klarheit.

Man kann darüber diskutieren, ob er damit manchmal zu missionarisch war. Aber eines ist sicher: Buchinger hatte früh verstanden, dass die Gesellschaft ihre chronischen Probleme gern mit „Normalität“ tarnt. Wenn alle trinken, ist Trinken normal. Wenn alle zu viel essen, ist Überessen normal. Wenn alle ständig stimuliert sind, ist Überstimulation normal.

Und genau da liegt der Kern seines späteren Fastenkonzepts: Fasten ist nicht nur „weniger Essen“. Fasten ist der radikale Gegenentwurf zur permanenten Reizüberflutung.

Der Absturz: Krankheit, Sepsis, Invalidität

Der Erste Weltkrieg begann, und wie viele seiner Generation zog auch Buchinger mit. Er diente zunächst an Bord eines Admiralschiffes, später wurde er Chefarzt eines Quarantäne-Festungslazaretts in Cuxhaven.

1917 kam ein entscheidender Wendepunkt.

Im September erkrankte er an einer Mandelentzündung, die sich zu einem septischen Gelenkrheumatismus entwickelte, inklusve Sepsis und Lebensgefahr. Danach kam eine Invalidität. Buchinger überlebte – aber nicht als „gesundet“, sondern als gebrochener Mann. Er ging an zwei Stöcken. Seine Leber funktionierte kaum noch. Er war bord- und garnisonsdienstunfähig. 1918 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen, mit dem Titel Marine-Generaloberarzt.

Buchinger war also immer noch Arzt der aber selbst ein Patient mit einem „schweren Fall war“. Die Medizin, die er gelernt hatte, konnte ihm nicht helfen.

Eine Kur im Wiesbadener Offiziersgenesungsheim verlief erfolglos. Für Buchinger muss das eine Enttäuschung gewesen sein, die in Verzweiflung. mündete. Die Frage stand im Raum: Was wird aus meinem Leben, wenn ich körperlich am Ende bin?

Das ist der Moment, in dem viele resignieren. Buchinger tat etwas anderes. Er suchte.

Die Fastenkur, die alles veränderte

Die entscheidende Wende kam durch eine Fastenkur bei Dr. Gustav Riedlin in Freiburg. Dieses Detail ist wichtig, weil es Buchingers Geschichte aus dem Nebel holt. Buchinger fastete rund 19 Tage. Und was danach geschah, beschreibt er als radikale Veränderung: Beweglichkeit kehrte zurück, Lebensqualität, ein Gefühl von Kraft und innerer Ordnung. Es war kein „kurzes Hoch“. Es war der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Ich verstehe diese Erfahrung sehr gut, weil ich in meiner eigenen Arbeit mit Fastengruppen seit Jahrzehnten sehe, was Fasten auslösen kann, wenn es richtig geführt wird: Der Körper schaltet um. Entzündung verändert sich. Schlaf wird tiefer. Schmerzen werden weniger oder verschwinden. Und viele Menschen merken zum ersten Mal seit Jahren wieder, dass sie nicht nur „Patient“ sind, sondern ein Organismus mit echten Selbstregulationskräften.

Witzenhausen: Wie aus einer Erfahrung ein Konzept wurde

Nach seiner Genesung wurde Buchinger Dozent für Tropenhygiene an der Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen. Ein Jahresgehalt von 600 Reichsmark. Nicht gerade die goldene Karriereleiter. Aber es gab einen entscheidenden Vorteil: Zeit.

Die Kolonien waren verloren, der Betrieb an der Schule lief reduziert. Buchinger hatte Raum für private Studien und für das, was heute „Entwicklung eines Modells“ heißen würde.

1920 eröffnete er in Witzenhausen sein erstes Kurheim für therapeutisches Fasten. Nicht als Wellness-Oase, sondern als ärztlich begleitete Intervention für Menschen mit chronischen Beschwerden, entzündlichen Prozessen und funktionellen Störungen.

Hier beginnt der Unterschied zu vielen modernen Fastentrends.

Buchinger machte Fasten nicht populär, indem er es vereinfachte. Er machte es medizinisch, indem er es strukturierte.

Er verstand Fasten als Prozess, der vorbereitet, geführt und nachbereitet werden muss. Er beobachtete, dokumentierte, passte an. Und er begriff: Fasten wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auf das gesamte System Mensch.

Zwei Dimensionen: Stoffwechsel und Seele

Buchingers Ansatz war immer zweidimensional.

Erstens die physiologische Seite: Stoffwechsel, Entzündung, Verdauung, Kreislauf, vegetatives Nervensystem. Fasten war für ihn ein Eingriff in Regelkreise. Nicht ein „Weniger“, sondern ein Reset.

Zweitens die geistige und seelische Dimension: Fasten als Chance zur Orientierung. Als Zeit, in der der Mensch sich selbst begegnet, weil die üblichen Ablenkungen wegfallen. Kein Daueressen, kein Dauerreiz, keine ständige Selbstbetäubung durch Konsum.

Buchinger war überzeugt: Wenn der Körper nicht ständig mit Verdauung beschäftigt ist, wird etwas sichtbar. Manchmal körperlich, manchmal psychisch. Fasten ist ein Spiegel. Und nicht jeder mag, was er darin sieht.

Das ist übrigens ein Punkt, den viele Fastenprogramme heute elegant umschiffen. Man verkauft Fasten als „Detox“, als Wellness, als hübsches Ritual. Buchinger war da ehrlicher: Fasten konfrontiert. Und genau deshalb kann es heilsam sein.

Bad Pyrmont: Erfolg, Widerstand und ein unbequemer Charakter

1935 verlegte Buchinger seine Klinik nach Bad Pyrmont. Die Nachfrage wuchs, die Methode wurde bekannter, das Sanatorium entwickelte sich zu einer der gefragten Adressen.

In dieser Zeit veröffentlichte er auch sein Hauptwerk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden (1935). Das ist nicht irgendein Fastenbuch. Das ist die systematische Darstellung eines klinischen Ansatzes, der Fasten als medizinisches Werkzeug beschreibt.

Doch die Zeit war nicht freundlich. Buchinger war gegenüber dem Nationalsozialismus reserviert, seine Ehefrau galt als „Halbjüdin“ und war Schikanen ausgesetzt. Buchinger vergrub verbotene Bücher im eigenen Garten. 1938 zwang man ihn, für die Winterhilfe mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus zu ziehen. Später untersagte man ihm den Ausbau seiner Klinik und begrenzte die Zahl der Patienten. Es kam zu Hausdurchsuchungen, Mitarbeiter wurden verhaftet, Häuser beschlagnahmt.

Das ist keine Nebengeschichte. Es zeigt, was für ein Typ Buchinger war: Kein Mitläufer. Kein „angepasster Arzt“. Sondern jemand, der seine Arbeit gegen Widerstände weiterführte.

Nach 1945 konnte er den Betrieb wieder aufnehmen. 1953 wurde er sogar Ehrenbürger von Bad Pyrmont. Die Ironie der Geschichte: Der ehemals Misstrauisch beäugte wurde später offiziell geehrt.

Der Wanderer und Suchende: Quäker, Bibelstudium, Religionswechsel

Buchinger war nicht nur Arzt, er war auch Suchender. Er betrieb intensives Bibelstudium, kam über verschiedene Strömungen schließlich zum Quäkertum, wurde 1926 aufgenommen, studierte in England am Quäker-College Woodbrooke. Später trat er 1957 zur katholischen Kirche über und verließ die Quäker.

Man kann das als sprunghaft sehen. Oder man versteht es als das, was es war: Ein Mensch, der nicht zufrieden war mit fertigen Antworten.

Und das passt erstaunlich gut zu Fasten. Fasten ist kein Dogma. Fasten ist eine Erfahrung. Wer fastet, merkt schnell: Der Körper ist nicht nur Biochemie. Aber er ist auch nicht nur „Seele“. Er ist beides. Und er reagiert auf Wahrheit oft schneller als der Kopf.

Die Methode: Fasten als strukturierter Prozess

Die klassische Buchinger-Methode ist klar aufgebaut.

Ein oder zwei Entlastungstage bereiten den Organismus vor. Etwa 600 Kalorien, überwiegend Kohlenhydrate, kaum Fett, wenig Eiweiß. Kein Kaffee, kein Alkohol, keine Süßigkeiten, nicht rauchen. Dazu reichlich Flüssigkeit, meist Wasser und Tee.

Der Fastenbeginn erfolgt traditionell mit einer gründlichen Darmentleerung, klassisch mit Glaubersalz. Danach folgt die Fastenphase, oft um die zwei Wochen. Bewegung gehört dazu, ebenso Ruhe. Ausscheidungsvorgänge werden unterstützt: Schwitzen durch Bewegung oder Sauna, regelmäßige Darmtätigkeit, viel trinken.

Das Fastenbrechen ist ein Ritual. Nicht aus Esoterik, sondern aus Physiologie und Psychologie. Der erste Apfel wird langsam gegessen, bewusst, gründlich gekaut. Der Stoffwechsel wird schrittweise wieder hochgefahren. Die Aufbautage steigern die Kalorien: etwa 800, dann 1200, dann 1500, später 1800. Tierisches Fett und Alkohol werden in den ersten Wochen gemieden.

Man kann darüber lächeln, bis man es selbst erlebt. Oder bis man Patienten sieht, die nach Jahren zum ersten Mal wieder spüren, was Hunger eigentlich ist, was Sättigung ist, was Ruhe im Körper bedeutet. Und vor allem auch, wie sich Patienten mit Fasten geheilt haben – so wie ich mich selbst übrigens auch.

Praxisbezug statt Dogma: Regulation statt Restriktion

Buchinger verstand Fasten als klinisches Instrument. Nicht als Askese, nicht als Mode, nicht als moralische Selbstkasteiung. Fasten war für ihn ein Werkzeug, um Muster aufzubrechen, Regelkreise sichtbar zu machen und Menschen in einen Zustand zu bringen, in dem der Körper sich selbst regulieren kann.

Das unterscheidet sein Werk von vielen heutigen Trends. Heute wird Fasten oft verkauft wie ein Fitness-Hack: „Mach das, dann wirst du schlank.“ Buchinger dachte anders: Fasten ist nicht in erster Linie ein Werkzeug zur Gewichtsreduktion. Es ist ein Werkzeug zur Neuordnung.

Und ja: Natürlich verliert man Gewicht. Aber das ist nicht die eigentliche Geschichte. Die eigentliche Geschichte ist, dass Fasten den Menschen aus dem Dauerzustand herausführt. Aus der ständigen Verdauung, dem ständigen Konsum, der ständigen „Selbstbetäubung“. Ich habe dazu vor allem auch auf dieser Webseite oft geschrieben und dies auch begründet.

Vermächtnis: kein Denkmal, sondern ein Verfahren

Otto Buchinger starb 1966 im Alter von 88 Jahren. Was bleibt, ist kein Denkmal und kein Mythos, sondern ein Verfahren, das bis heute klinisch angewandt, weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht wird.

Buchinger hat die Stoffwechselphysiologie nicht erfunden. Er hat die Entzündungsmedizin nicht erfunden. Er hat auch nicht als erster über Psyche und Körper gesprochen.

Aber er hat etwas getan, was viele Theoretiker nie schaffen: Er hat Fasten praktisch operationalisiert. Er hat es methodisch zugänglich gemacht. Er hat es in eine Form gebracht, die man anwenden, beobachten, verbessern konnte.

Und er hat eine Frage gestellt, die bis heute gilt: Was passiert, wenn ein Mensch, frei von Zufuhr, wieder zu sich selbst findet?

Die Antworten sind nicht einfache – sondern sogar eher komplex. Fasten ist auch kein „Trick“, sondern ein ziemlich umfangreicher Prozess, vor allem für den Stoffwechsel. Und Otto Buchinger war einer der ersten Ärzte, der diesen Prozess erkannt und auch ernst genommen hat.

Dass Fasten bis heute mit seinem Namen verbunden ist, ist absolut berechtigt.

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Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

Fasten ist keine Diät. Und wer es dafür hält, hat das Prinzip nicht verstanden. Seit Ende der 1990er Jahre begleite ich Menschen durch Fastenzeiten – und jedes Mal zeigt sich dasselbe Muster: Wer nur auf die Waage schielt, verpasst das Entscheidende. Der Körper reagiert auf Nahrungsverzicht nicht mit bravem Fettabbau, sondern mit evolutionärer Gegenwehr. Stoffwechsel runter, Sparmodus an, Jo Jo Effekt vorprogrammiert.

Fasten wirkt an einer ganz anderen Stelle. Es greift tiefer. Es ordnet den Stoffwechsel neu, beruhigt Entzündungsprozesse, entlastet Leber und Darm, bringt den Hormonhaushalt wieder in ein physiologisches Gleichgewicht. Genau hier liegt seine Stärke: als Heilimpuls, nicht als Abnehmmethode. Wer richtig fastet, erlebt keine Strafe, sondern Klarheit – körperlich wie geistig.

In diesem Beitrag geht es deshalb nicht um Kalorienzählen oder Durchhalteparolen, sondern um das, was Fasten tatsächlich leisten kann: Regeneration, Stoffwechselkorrektur, Einstieg in eine tragfähige Ernährungsumstellung. Mit bewährten Methoden aus dem Heilfasten, mit Blick auf Evolution, Biologie und Erfahrung aus vielen Jahren Praxis. Und mit einer klaren Antwort auf die Frage, warum Fasten als Diät scheitert – und als therapeutisches Werkzeug oft erstaunlich gut funktioniert.

Fasten? Diät? Das passiert mit dem „Abnehmen“ und dem Jo-Jo-Effekt

Fast überall hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass das Fasten zum Abnehmen nicht geeignet ist. Das klingt seltsam, denn wie soll man abnehmen, wenn nicht durch den Verzicht auf Nahrungsmittel?

Aber die Biologie unseres Organismus ist kein Rechenschieber, und von A nach B kommt man am schnellsten über einen Umweg. D.h., dass für unseren Organismus das Fasten keine Neuigkeit ist. Er ist auf Hungersituationen hervorragend vorbereitet.

Im Falle des Fastens wird er alle Register ziehen, die bei einer „Hungerperiode“ – und das Fasten ist im Wesentlichen nichts anderes – notwendig sind, um das Überleben des Betroffenen zu garantieren. Dieser Mechanismus ist ein Produkt der menschlichen (und tierischen) Evolution, die ihre Individuen vor Hungerperioden schützen wollte. Und genau diese Maßnahmen sind dann hauptsächlich dafür verantwortlich, dass der erhoffte Abnehmeffekt nicht so schlagend ausfällt wie die meisten ihn sich erhofft haben.

Mit anderen Worten: die Evolution macht uns das Abnehmen schwer.

Denn beim Fasten schlägt der Organismus als erstes Alarm durch das Hungergefühl. Er vermisst die gewohnte Kalorienzufuhr und „rächt“ sich, indem er den Betroffenen hungrig werden lässt.

Der aber ist standhaft und ignoriert das Gefühl. Nach wenigen Tagen lässt dann das Hungergefühl nach, denn jetzt hat der Organismus den Stoffwechsel herabgefahren, um Energieausgaben zu sparen.

Spätestens hier fangen die Schwierigkeiten mit dem Abnehmen an. Das Gewicht geht ab hier für einen längeren Zeitraum nur noch tendenziell nach unten bzw. viel zu langsam für eine erfolgreiche Abnehmkur.

Wenn der Abnehmwillige zu diesem Zeitpunkt weniger auf die Waage starrt, sondern sich mehr auf sich selbst und seine Selbsterfahrung mit dem Fasten konzentriert, dann wird er viel mehr von seiner Fastenkur haben als von rein statistischen Zahlen zu seinem Gewicht. Denn persönliches Wohlbefinden ist nicht unbedingt mit Körpergewicht oder der Reduktion desselben verbunden.

Während dieser Phase des Fastens kommen viel wichtigere Prozesse zur Geltung, die in erster Linie mit Heilungs- und Regenerationsprozessen zu tun haben. Diese verleihen dem Fastenden ein Gefühl des Wohlbefindens und der Erneuerung, das in keinem Verhältnis steht zu den abstrakten Zahlen auf einer Waage.

Aber: Wenn das Körpergewicht zu hoch ist, wenn man adipös ist, sollte man dann nicht doch….? Ja, man sollte, auf jeden Fall.

Aber das Fasten für einen solchen Zweck einzusetzen, ist ein Kurzschluss in der Logik des Abnehmens. Denn Übergewicht ist nicht die Konsequenz eines Mangels an Fasten.

Es gibt genug Menschen auf diesem Planeten, die nicht oder kaum fasten. Dennoch sind diese nicht übergewichtig. Denn das Fasten hat den „üblen“ Nachteil, dass bei einem unbedachten Fastenbrechen die Kalorienzufuhr unkontrolliert hochgeschraubt wird, während der Organismus seinen Stoffwechsel noch auf „Sparflamme“ fährt.

Die nach dem Fasten verlorenen Pfunde kommen blitzschnell wieder zurück, da die Bilanz zwischen Energieaufnahme durch die Nahrungsmittel und Energieverbrauch durch die Verstoffwechslung zugunsten der Zufuhr ausfällt. Und da ist man dann wieder, wo man schon vor dem Fasten war: zu viel Kalorien und zu wenig Kalorienbedarf.

Es kommt während der Zeit nach dem Fasten noch verschärfend hinzu, dass der langsame Stoffwechsel, der immer noch auf Hungern eingestellt ist, die Kalorienbilanz „krasser“ ausfallen lässt als zu der Zeit vor dem Fasten. Resultat: man nimmt noch schneller zu als zu normalen Zeiten, bzw. der Jo-Jo-Effekt schlägt zurück.
Aber nicht nur das. Bislang haben wir das Problem nur von der quantitativen Seite aus gesehen – Kalorienzufuhr vs. Kalorienverbrauch bzw. -bedarf. Es gibt aber auch noch eine qualitative Seite.

Diese qualitative Seite liegt in der Güte der Kalorien. Eigentlich sind alle Kalorien gleich, aber es gibt Lebensmittel, die Kalorienträger beherbergen, die „tote“ Kalorien dem Organismus zuführen. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Fructose. Fruktose ist ein Zucker, der in Obst und Früchten vorkommt.

Für den Organismus und seine Kalorienverwertung jedoch hat Fructose absolut keine Bedeutung. Statt verstoffwechselt zu werden und zur Energiegewinnung der Zellen verwandt zu werden, wird es in der Leber deponiert und über Zwischenschritte biochemisch zu Triglyceriden umgewandelt und als Fettdepots abgelegt.

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Die Tatsache, dass Obst und Gemüse nicht dick machen, liegt an der Tatsache, dass der Fructosegehalt hier so knapp bemessen ist, dass es für den Organismus keine Relevanz hat. Die Relevanz stellt sich erst da ein, wo der Hungrige auf industriell gefertigte Nahrungsmittel zurückgreift, schlimmstenfalls als eine Form der Dauerernährung.

Denn in diese Lebensmittel wird Fructose tonnenweise rein gekippt, um den Geschmack zu „verfeinern“ und die höhere Süßkraft im Vergleich zu normalem Haushaltszucker auszunutzen.

In Wirklichkeit wird in erster Linie Fructose als billige Alternative zum Haushaltszucker genommen, also hat diese Wahl ökonomische Überlegungen. Für den Esser hat der Dauerbeschuss mit hohen Fructosemengen die Konsequenz, dass sich über die Jahre Fettpolster aufbauen, und dass, wenn man selbst glaubt (unter Umständen sogar zurecht), dass man ja eigentlich nicht viel isst.

Nur ist hier nicht die Menge an Nahrungsmitteln entscheidend, sondern die Menge an unphysiologischer Fructose in diesen Nahrungsmitteln. Oder mit anderen Worten: lieber eine größere Menge fructosearmer Lebensmittel als wenig Lebensmittel mit hohen Konzentrationen an Fructose.

Das Zauberwort für ein nachhaltiges Abnehmen ist also nicht „Fasten“, sondern „Ernährungsumstellung“.

Weg von der Fructosepappe von der Lebensmittelindustrie und hin zu natürlichen Lebensmitteln. Das ist dann das Geheimnis, warum Leute abnehmen, ohne groß zu hungern. Sie essen einfach das, was nicht dick macht.

Fasten ist also Unsinn? Nein, es ist ein guter Auftakt bzw. Vorbereitung, körperlich und geistig, für diese Ernährungsumstellung nach der Fastenzeit, wenn der Körper des Fastenden gelernt hat, auf fructosehaltige Lebensmittel zu verzichten. Das wäre ein Zweiteffekt des Fastens neben Heilung und Regeneration.

Mehr zum gesunden Abnehmen und Diäten finden Sie auf der Seite: Warum Diäten dick machen und wie Sie dauerhaft und gesund abnehmen.

Und auch die zahlreich angepriesenen „Wunder-Schlank-Mittel“ sind keine dauerhafte Lösung. Viele davon sind eher schädlich als nützlich. Mehr dazu finden Sie unter: Schlankheitsmittel, wo ich zahlreiche Mittel und Pülverchen bewertet habe.

Wenn Sie sich aber gleichzeitig etwas mehr regelmäßige Bewegung verordnen und eine grundsätzliche Veränderung in Ihren Essgewohnheiten in Angriff nehmen, haben Sie gute Chancen, dass sich Ihr Gewicht auf dem von Ihnen gewünschten Niveau stabilisiert.

Ihr Wunschgewicht sollte jedoch realistisch und kein für Ihr Alter unangemessen niedriges Gewicht sein. Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel: Gewichtszunahme und Wechseljahre, sowie im Artikel: Was ist mein Idealgewicht?

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Beitragsbild: iStock

Fasten heißt nicht Stillstand. Im Gegenteil: Gerade in dieser Phase erfährt der Körper eine neue Form der Bewegung – nach innen und nach außen. Doch wie viel Sport ist während des Fastens sinnvoll? Und welche Art von Bewegung unterstützt den Prozess wirklich?

Wer zum ersten Mal fastet: behutsam beginnen

Wer noch nie gefastet hat, sollte den Körper nicht gleich doppelt fordern. Fasten ist bereits eine tiefgreifende Stoffwechselumstellung – jede Bewegung wirkt in dieser Zeit stärker. Deshalb gilt: Beobachten statt überfordern.

In den ersten Tagen reichen Spaziergänge, leichtes Dehnen oder Atemübungen völlig aus. So spürt man, wie der Kreislauf reagiert und wie sich der Körper anfühlt. Müdigkeit, Kälte oder Schwäche sind anfangs normal – Zeichen, dass der Stoffwechsel umschaltet. Bewegung hilft, diesen Prozess zu stabilisieren, ohne den Körper zu belasten.

Ausdauertraining – mal leicht wie eine Feder, mal schwer wie Blei

Viele Fastende erleben diese erstaunliche Polarität: An einem Tag läuft alles wie von selbst – der Atem fließt, die Beine sind leicht, der Kopf klar.
Am nächsten fühlt sich jeder Schritt zäh an, als hätte man Blei in den Knochen.

Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck der Stoffwechseldynamik im Fasten. In den ersten Tagen leert der Körper seine Glykogenspeicher. Sobald diese erschöpft sind, stellt der Organismus auf Fettverbrennung und Ketonkörperbildung um. Dieser Übergang (die sogenannte metabolische Flexibilität) ist physiologisch sinnvoll, kann sich aber temporär wie ein „Leistungsloch“ anfühlen.

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Was dabei passiert:

  • Der Energiefluss verlangsamt sich kurzzeitig, weil Fette mehr Sauerstoff für dieselbe Energiemenge benötigen wie Glukose.
  • Die Mitochondrien adaptieren: Sie lernen, Fettsäuren effizienter zu nutzen. Das dauert ein bis zwei Tage.
  • Die Muskelzellen verändern ihre Enzymaktivität – Glucosekinasen fahren herunter, Lipasen und Carnitin-abhängige Transportwege werden hochreguliert.
  • Der Elektrolythaushalt (insbesondere Natrium, Magnesium, Kalium) kann kurzzeitig schwanken, was sich in Schwäche, Schwindel oder schweren Beinen äußern kann.

Wenn du das verstehst, wird klar: Diese Schwankungen sind kein Abbruchsignal, sondern Zeichen der Anpassung. Der Körper trainiert, Energie auf „biologische Effizienz“ umzuschalten – weg von Zuckerabhängigkeit, hin zur Fettverbrennung.

Praktisch bedeutet das:

  • In den ersten Fastentagen: nur lockere Ausdauer, z. B. Spaziergänge, sanftes Radfahren, leichtes Schwimmen.
  • Nach 3–4 Tagen: Wenn die Ketose stabil ist, stellt sich ein „Flow“-Gefühl ein – der Stoffwechsel läuft dann ruhiger, gleichmäßiger, nachhaltiger.
  • Herzfrequenz: etwa 60–70 % der maximalen Frequenz, also klar im aeroben Bereich.
  • Nie in Sauerstoffschuld gehen. Wenn die Atmung stockt, ist das ein Hinweis, dass der Körper auf Glukoseverbrennung umschaltet – was im Fasten kontraproduktiv ist.

Die beste Tageszeit: der Vormittag. Jetzt ist der Cortisolspiegel natürlich höher – das stabilisiert den Kreislauf, ohne den Körper zu überfordern. Bewegung am Morgen aktiviert die Lipolyse, verbessert die Durchblutung und fördert die Ausleitung über Lunge, Haut und Lymphe.

Wichtige physiologische Effekte:

  • Verbesserte mitochondriale Effizienz: Ausdauerreize im Fasten erhöhen die Anzahl der Mitochondrien („Mitochondrienbiogenese“) – das steigert langfristig die Fettverbrennung.
  • Ketonkörper als „saubere Energie“: Ketone verbrennen mit weniger oxidativem Stress, schützen Nervenzellen und stabilisieren die Stimmung.
  • Fettstoffwechsel-Training ohne Glykogenstress: Der Körper lernt, Energie aus Depotfett zu ziehen, statt ständig Zucker nachzufordern.
  • Hormonelle Anpassung: Adrenalin und Noradrenalin steigen moderat an – das sorgt für Wachheit und Fokus, ohne den Katabolismus zu übertreiben.

Gerade für ambitionierte Ausdauersportler kann das Fasten daher eine wertvolle Trainingsphase sein: eine Art metabolisches Reset-Training, bei dem der Körper lernt, mit weniger Input effizienter zu arbeiten.
Aber – und das ist entscheidend – nur, wenn man die Intensität klug steuert.

Krafttraining – ja, aber „klüger“ im Fasten

Krafttraining während des Fastens ist nicht verboten – im Gegenteil: Es kann den Stoffwechsel sogar gezielt stabilisieren. Entscheidend ist, die veränderte Physiologie zu verstehen und das Training entsprechend anzupassen.

Während des Fastens sinken die Glykogenspeicher deutlich ab. Der Körper wechselt vom Zuckerstoffwechsel in den Fettstoffwechsel, gleichzeitig steigen Wachstumshormon (GH) und Noradrenalin an. Beides schützt die Muskulatur und erhält die Leistungsfähigkeit – solange die Belastung moderat bleibt.

Was jedoch fehlt, ist Insulin. Dieses Hormon wirkt normalerweise anabol, fördert also die Eiweißbildung. Beim Fasten ist Insulin niedrig – das heißt: Der Körper baut nicht auf, sondern ordnet. Alte, funktionsgestörte Proteine werden abgebaut (Autophagie), während die Muskelzellen ihre „Hardware“ neu kalibrieren.

Daher ist in dieser Phase schweres Training kontraproduktiv: Zu hohe Intensität führt zu einem Anstieg von Cortisol, verstärkter Proteolyse und vorübergehender Muskelschwächung. Der Energiebedarf kann dann nicht mehr über Fette gedeckt werden, und der Körper beginnt, Aminosäuren als Notbrennstoff zu nutzen – genau das, was wir vermeiden wollen.

Das Ziel im Fasten ist also nicht Muskelzuwachs, sondern Muskelerhalt und Stoffwechselreinigung.
Dafür genügt:

  • Reduktion der Gewichte auf etwa 50 % der üblichen Last,
  • 1–2 Sätze pro Übung, moderate Wiederholungen (8–12),
  • bewusste, langsame Bewegungsausführung mit Fokus auf Atmung und Muskelgefühl,
  • längere Pausen (2–3 Minuten) zur Vermeidung von Laktatanstieg.

Damit bleibt der Muskelstoffwechsel aktiv, die Durchblutung verbessert sich und die Mitochondrien erhalten gezielte Reize, ohne den Organismus in Stress zu treiben. Viele berichten, dass sie nach solchem Training nicht erschöpft, sondern „neu durchströmt“ sind – als hätte der Körper seine Kraftquellen wieder sortiert.

Physiologisch betrachtet:

  • GH und Adrenalin sorgen für Erhalt von Muskelmasse trotz Kaloriendefizit.
  • Der Fettstoffwechsel wird intensiviert, was die intramuskuläre Energieversorgung verbessert.
  • Moderate Reize aktivieren mTOR-abhängige Reparaturprozesse nach der Fastenphase – also genau dann, wenn Nahrung wieder zugeführt wird.

Beweglichkeit & Faszien – jetzt besonders wirksam

Fasten ist der ideale Zeitpunkt, um Beweglichkeit und Fasziengesundheit zu fördern. Warum? Weil der Organismus in dieser Phase alte, funktionsuntüchtige Proteine abbaut – also genau das, was im Bindegewebe für Verhärtungen und Verklebungen sorgt.
Mit gezielten Dehnungen, leichten Yogaübungen oder Faszienrollen kann dieser Prozess unterstützt werden:

  • Verklebtes Gewebe wird gelockert, die Mikrozirkulation verbessert.
  • Entzündungsstoffe und Eiweißabbauprodukte werden leichter ausgeschieden.
  • Der Körper „entschlackt“ auf Gewebeebene, was sich spürbar in Bewegungsfreiheit und Leichtigkeit zeigt.

Diese Kombination – Fasten plus sanftes Beweglichkeitstraining – ist eine der effektivsten Formen biologischer Regeneration: Der Körper nutzt den Reinigungsimpuls, um sich auch strukturell neu zu ordnen.

Wenn die Energie schwankt

An manchen Tagen läuft alles rund, an anderen ist die Energie einfach nicht da. Das ist völlig normal. An solchen Tagen genügt Bewegung in Zeitlupe – Atemübungen, leichte Dehnung, vielleicht ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft. Fasten ist keine Disziplinübung, sondern ein Dialog mit dem Körper. Wer sich überfordert, stört den Prozess; wer sich führt, unterstützt ihn.

Warum Bewegung im Fasten so heilsam ist

Fasten und Bewegung wirken wie zwei Seiten derselben Münze:

  • Bewegung stimuliert die Durchblutung und aktiviert den Lymphfluss.
  • Sie schützt die Muskulatur vor übermäßigem Eiweißabbau.
  • Sie löst Spannungen, stabilisiert die Stimmung und fördert das seelische Gleichgewicht.
  • Sie hilft, den Kreislauf stabil zu halten und den Stoffwechsel zu harmonisieren.

Viele Fastende berichten nach einer Einheit Bewegung von Klarheit, Wärme und innerer Ruhe. Der Körper fühlt sich nicht erschöpft, sondern durchlässig – als würde etwas Altes losgelassen.

Fazit

Sport während des Fastens ist kein Pflichtprogramm, sondern eine Einladung, den Körper neu zu erleben.
Ob Ausdauer, Kraft oder Beweglichkeit – entscheidend ist die Achtsamkeit.
Denn wer sich im Fasten bewegt, bewegt mehr als Muskeln: Er bringt den gesamten Organismus wieder in Ordnung.

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Dieser Beitrag wurde von mir am 15.10.2025 komplett überarbeitet.

Dass das Heilfasten bei Bluthochdruck, Rheuma oder chronischen Entzündungen hilft, ist längst bekannt. Doch immer häufiger taucht die Frage auf: Kann Fasten auch bei Diabetes helfen? Die Antwort ist komplex – aber ausgesprochen interessant. Denn während die Schulmedizin beim Thema Fasten meist mit erhobenem Zeigefinger warnt, häufen sich inzwischen die Hinweise aus Forschung und Praxis, dass gerade Diabetiker profitieren können – vorausgesetzt, das Fasten wird richtig durchgeführt.

Warum Fasten bei Diabetes überhaupt wirkt

Wer fastet, zwingt den Stoffwechsel zu einer alten, überlebenswichtigen Anpassung: Der Körper wechselt vom Zucker- zum Fettstoffwechsel. Genau hier liegt der Schlüssel. Bei Typ-2-Diabetes – also der häufigsten Form – funktioniert die Zuckerregulation nicht mehr richtig, weil die Zellen „taub“ gegenüber Insulin geworden sind. Fasten durchbricht diesen Zustand, indem es die Insulinspiegel absenkt und die Empfindlichkeit der Zellen wieder verbessert.

Die Wissenschaft spricht hier von einer verbesserten Insulinsensitivität. Und die tritt erstaunlich schnell ein – oft schon nach wenigen Fastentagen. Hinzu kommen zwei weitere Effekte, die kaum zu überschätzen sind:

  • Gewichtsreduktion, insbesondere im Bauchbereich (das viszerale Fett wirkt wie ein Entzündungshormonfabrik).
  • Reduktion chronischer Entzündungen, messbar an Markern wie TNF-α oder IL-6.

Beides wirkt direkt auf die Wurzel des Typ-2-Diabetes: den gestörten Zucker- und Fettstoffwechsel.

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Was die Forschung tatsächlich zeigt

In den letzten Jahren ist das Thema Fasten in der Diabetesforschung regelrecht explodiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich einheitlich – und zugleich vorsichtig formuliert.

Mehrere Metaanalysen, unter anderem von van den Burg et al. (2023) und Xiaoyu et al. (2024), zeigen:
Intermittierendes Fasten – also zeitweise Nahrungs­pausen wie 16:8 oder 5:2 – führt bei Typ-2-Diabetikern zu deutlich größerem Gewichtsverlust als herkömmliche Diäten. Die Blutzuckerkontrolle verbessert sich ähnlich gut wie unter klassischen Ernährungsprogrammen – teilweise sogar besser.

Eine JAMA-Studie (Varady et al., 2023) verglich zeitlich begrenztes Essen (TRE) mit reiner Kalorienrestriktion. Ergebnis: Die Fastengruppe nahm stärker ab, der HbA1c – also der Langzeitblutzucker – blieb stabil. Das zeigt: Fasten ist mindestens genauso sicher und wirksam wie klassische Diätformen, aber mit einem deutlich besseren Stoffwechsel-Reset.

Am spektakulärsten ist jedoch eine BMJ-Fallstudie (Furmli et al., 2018): Drei Männer mit Typ-2-Diabetes konnten nach regelmäßigem Fasten ihre Insulintherapie vollständig beenden. Kein Wundermärchen, sondern ein dokumentierter klinischer Verlauf. Die Forscher sprachen von einer „potenziellen Umkehr“ der Erkrankung – ein Begriff, den man in der Diabetologie sonst kaum hört.

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Fasten ist nicht gleich Fasten

Man muss unterscheiden. Unter dem Begriff „Heilfasten“ laufen heute ganz unterschiedliche Verfahren:

  • Intermittierendes Fasten (IF): 16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essensfenster – oder die 5:2-Methode (zwei Tage Kalorienrestriktion pro Woche).
  • Zeitlich begrenztes Essen (TRE): Alle Mahlzeiten innerhalb von 6–12 Stunden, idealerweise im Tageslichtfenster.
  • Klassisches Heilfasten nach Buchinger: 5–10 Tage Fasten mit Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühe, Saft.
  • Längeres Wasserfasten: 2–5 Tage oder mehr – nur unter erfahrener Anleitung.

Für Diabetiker gilt: Intermittierendes oder klassisches Buchinger-Fasten sind meist die praktikabelsten Formen. Beide senken die Insulinspiegel, entlasten die Leber und regen die Autophagie an – den zellulären Reinigungsmechanismus, der auch bei Diabetes gestört ist.

Autophagie – die stille Zellreinigung

Fasten aktiviert in den Zellen ein uraltes Programm: die Autophagie. Dabei werden geschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt. Das betrifft auch Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen. Bei Diabetikern ist dieser Prozess häufig blockiert. Fasten schaltet ihn wieder frei. Forscher sehen darin eine der wichtigsten regenerativen Wirkungen – nicht nur für den Zuckerstoffwechsel, sondern auch für Gefäße, Nerven und Gehirn.

Typ-1-Diabetes: geht das überhaupt?

Die klassische Lehrmeinung lautet: Fasten ist für Typ-1-Diabetiker zu gefährlich. Doch auch hier verschiebt sich das Bild. In mehreren kontrollierten Studien – etwa von Müller et al. (2021, Frontiers in Endocrinology) – zeigte sich, dass kurze Fastenphasen bis 36 Stunden bei gut eingestelltem Typ 1 sicher sind, wenn sie ärztlich begleitet werden. Weder Hypoglykämien noch Ketoazidosen traten gehäuft auf.

Eine deutsche Pilotstudie mit 7-tägigem Heilfasten fand ebenfalls keine kritischen Zwischenfälle, aber deutliche Verbesserungen von BMI, Blutfetten und Entzündungsmarkern. Fazit der Forscher: Fasten kann auch bei Typ 1 unter kontrollierten Bedingungen positive Effekte entfalten – eine kleine Revolution, wenn man bedenkt, wie lange das als Tabu galt.

Was in der Praxis funktioniert

Aus meiner Erfahrung mit Fastengruppen zeigt sich: Diabetiker profitieren, wenn sie das Fasten nicht als kurzfristige Diät, sondern als metabolische Trainingsphase verstehen. Entscheidend ist, was danach kommt – nämlich die konsequente Umstellung auf natürliche, unverarbeitete Ernährung mit hohem Gemüseanteil, hochwertigen Fetten und Eiweiß in Maßen.

In der Praxis haben sich folgende Punkte bewährt:

  • Ein sanfter Einstieg mit Entlastungstagen (z. B. Gemüse, Obst, Reis, Suppen).
  • Regelmäßige Blutzuckermessung – am besten mit Sensor (CGM).
  • Reduzierung der Medikation nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Fastenarzt.
  • Ausreichend trinken (2,5 – 3 Liter täglich, vorzugsweise Wasser, Kräutertee, Brühe).
  • Nach dem Fasten: langsamer Kostaufbau, ballaststoffreich, wenig Stärke.

Viele berichten schon nach wenigen Tagen über stabilere Werte, weniger Heißhunger und ein völlig anderes Körpergefühl. Nicht selten sinken Blutzucker und Blutdruck parallel – ein Hinweis darauf, dass die metabolische Entlastung weit über die Glukoseregulation hinausgeht.

Risiken und Gegenanzeigen

Natürlich gibt es Grenzen. Unkontrolliertes Fasten bei Insulinpflichtigen kann zu Unterzuckerungen führen. Ebenso riskant: stark ketogene Phasen bei Menschen mit ausgeprägter Stoffwechselentgleisung. Wer Medikamente wie Sulfonylharnstoffe oder Insulin verwendet, sollte immer die Dosis anpassen lassen.
Auch Dehydrierung ist ein unterschätztes Problem – daher stets auf ausreichende Flüssigkeit und Mineralstoffe achten.

Aus naturheilkundlicher Sicht ist die wichtigste Regel: Der Körper darf nicht überfordert werden. Fasten soll entlasten, nicht stressen.

Wie es nach dem Fasten weitergeht

Das eigentliche Geheimnis des Heilfastens beginnt oft erst danach. Viele Diabetiker erleben während des Fastens einen regelrechten Neustart – doch entscheidend ist, was in den Wochen danach passiert. Wer wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt, verschenkt das Potenzial. Der Stoffwechsel braucht jetzt Stabilität, Rhythmus und Unterstützung. Genau hier kommen die bewährten naturheilkundlichen Maßnahmen ins Spiel.

Naturheilkundliche Begleitung – was sich in der Praxis bewährt

Fasten allein ist kein Allheilmittel. Aber es ist der beste Anfang, den ich kenne. Viele Patienten merken erst beim Fasten, wie stark Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel tatsächlich miteinander verbunden sind. Wer danach weitermacht, hat die besten Chancen, den Diabetes langfristig zu stabilisieren – oft sogar ohne Medikamente.

In meiner Praxis hat sich eine Kombination bewährt, die über das reine Fasten hinausgeht:

Ernährung: Nach dem Fasten kohlenhydratarm, aber nicht asketisch. Wichtig sind Bitterstoffe – Chicorée, Löwenzahn, Artischocke, Endivie. Sie entlasten die Leber und verbessern den Gallefluss.

Heilpflanzen: Bewährt haben sich Bittermelone, Zimt, Gymnema sylvestre, Ginseng und Berberin. Alle greifen regulierend in den Zuckerstoffwechsel ein. Einige wirken fast so stark wie Medikamente – nur ohne deren Nebenwirkungen.

Mikronährstoffe: Magnesium, Chrom, Zink, Alpha-Liponsäure und Vitamin D gehören für mich zur Basis. Sie erhöhen die Insulinsensitivität und schützen die Zellen vor oxidativem Stress.

Bewegung: Ohne Bewegung bleibt der Erfolg halbfertig. Schon tägliche Spaziergänge oder moderates Krafttraining helfen, Zucker direkt in die Muskulatur einzuschleusen – ganz ohne Insulin.

Heilpilze: Reishi, Maitake und Coprinus regulieren Leber, Fettstoffwechsel und Zuckeraufnahme. Ich setze sie häufig in Kombination ein, vor allem bei übergewichtigen Diabetikern.

Kneipp-Verfahren: Kalte Armbäder, Wechselduschen, Fußbäder – das klingt unspektakulär, ist aber enorm wirksam. Der Stoffwechsel reagiert auf Temperaturreize fast so sensibel wie auf Bewegung.

Homöopathie: Auch hier kann gezielte Unterstützung viel bewirken. Je nach Konstitution setze ich z. B. Phosphorus C30, Syzygium jambolanum C6 oder Lycopodium C30 ein – individuell abgestimmt, nicht nach Schema.

Fastenwiederholungen: Ich empfehle meist zwei bis drei Kurzfastenphasen im Jahr. Das ist nachhaltiger als ein einmaliges „großes Fasten“. Der Körper braucht diese rhythmische Entlastung – genauso wie Schlaf und Atmung.

Der Unterschied zwischen Theorie und Erfahrung

Die Studienlage ist gut, aber sie bleibt abstrakt. In der Praxis zeigt sich das Entscheidende: Fasten verändert das Bewusstsein. Viele Diabetiker erleben nach Jahren der Medikamentenroutine zum ersten Mal wieder echte Kontrolle über ihren Körper. Der Blutzucker folgt nicht mehr ausschließlich der Tablette, sondern der eigenen Entscheidung – was, wann und wie man isst. Das ist die eigentliche Stärke des Heilfastens: Es gibt die Verantwortung zurück. Und genau das fehlt im sogenannten „modernen Diabetesmanagement“ meines Erachtens oft völlig.

Kritische Stimmen

Selbstverständlich warnt die Schulmedizin. Die Standardformulierung lautet: „Fasten ist für Diabetiker gefährlich.“ Das stimmt – wenn man nichts davon versteht. In der Hand eines erfahrenen Fastenarztes oder unter fachlicher Anleitung ist es hingegen eine der wirksamsten Maßnahmen, um den Stoffwechsel neu zu justieren.

Die Angst vor Hypoglykämie ist verständlich, aber sie lässt sich mit Wissen und Kontrolle vermeiden. Das eigentliche Risiko liegt darin, nicht zu fasten – also im Dauerzustand hoher Insulinspiegel, permanenter Mahlzeiten und chronischer Entzündung.

Fazit

Heilfasten ist kein Wundermittel, aber eines der kraftvollsten Werkzeuge, um den Stoffwechsel bei Diabetes – insbesondere Typ 2 – zu regulieren. Es verbessert die Insulinsensitivität, reduziert Entzündungen, aktiviert die Autophagie und führt zu mehr Eigenverantwortung im Umgang mit Essen und Körper.

Bei Typ 1 ist Vorsicht geboten, doch selbst hier öffnen neue Studien den Blick für eine sichere Anwendung unter Aufsicht.

Wer das Fasten als jährliche Kur oder Teil eines naturheilkundlichen Gesamtprogramms nutzt, kann seinen Stoffwechsel nachhaltig verändern – jenseits der bloßen Blutzuckerwerte.

Hier noch eine Liste der Quellen:
van den Burg et al. (2023): Metabolic Impact of Intermittent Fasting in Patients With Type 2 Diabetes Mellitus
Xiaoyu et al. (2024): Effects of Different Intermittent Fasting Regimens in People With Type 2 Diabetes
Varady et al. (2023): Intermittent Fasting for Weight Loss in People With Type 2 Diabetes (JAMA Network Open)
Furmli et al. (2018): Therapeutic Use of Intermittent Fasting as an Alternative to Insulin (BMJ Case Reports)
Müller et al. (2021): Impact of a Single 36-Hour Fasting Period in Adults With Type 1 Diabetes (Frontiers in Endocrinology)
Scheen et al. (2023): Efficacy of Fasting in Type 1 and Type 2 Diabetes – A Narrative Review

Dieser Beitrag wurde am 9.10.2025 grundlegend überarbeitet.

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Schlacke gibt es nicht. Punkt. So lautet jedenfalls der offizielle Standpunkt der modernen Ernährungswissenschaft. Und wenn es keine Schlacken gibt, dann braucht es natürlich auch keine Entschlackung. Keine Kräuter, keine Heilerde, kein Fasten – alles überflüssig. Sagen sie.

Dumm nur, dass der Körper das anders sieht. Er betreibt nämlich täglich eine Art Müllabfuhr auf Zellebene – und das in einem Ausmaß, das in keinem Lehrbuch unter dem Begriff „Schlacke“ auftaucht, aber genau das beschreibt, was wir in der Naturheilkunde seit über einem Jahrhundert beobachten. Der Fachbegriff dafür? Autophagozytose.

Ein sperriges Wort für einen genialen Prozess: Zellen, die sich selbst reinigen, reparieren und regenerieren – ganz ohne Chemie, aber mit entscheidender Bedeutung für unsere Gesundheit, unser Immunsystem und sogar unsere Lebenserwartung.

Wer diesen Mechanismus fördern will, braucht keine Tabletten. Er braucht etwas anderes: Zeit, Achtsamkeit, Geduld – und das Fasten. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Autophagozytose und Entschlackung – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Bevor wir über Autophagozytose sprechen, muss eines klargestellt werden: Wenn es nach der Schulmedizin geht, existieren sogenannte „Schlacken“ im menschlichen Körper schlicht nicht. Was es nicht gibt, braucht man auch nicht auszuleiten – so die Logik. Kein Bedarf an Entschlackung, also auch kein Bedarf an Fasten, Heilerde oder pflanzlichen Ausleitungen. Fall geschlossen. In meinem Beitrag Die Macke mit der Schlacke habe ich zu dieser „Diskussion“ ausreichend Stellung genommen.

Doch genau hier beginnt das Problem: Der Körper hat da offenbar eine andere Meinung. Denn er betreibt (permanent!) eine hochkomplexe innere Müllentsorgung. Nur taucht dieser Vorgang eben nicht im ICD-10-Katalog auf. Und „Schlacke“ ist natürlich kein histologisch messbares Gewebe. Es ist ein Ordnungsbegriff, geprägt von der Naturheilkunde, um die Summe nicht mehr benötigter, teils schädlicher Stoffwechselreste zu bezeichnen. Wer den Begriff als unwissenschaftlich verlacht, übersieht das Wesentliche. Wenn Sie möchten lesen Sie dazu auch meinen Beitrag: Die Bedeutung der Entschlackung und des Entschlackens für die Gesundheit.

Denn gäbe es keine dieser Rückstände – warum dann die aufwändigen zellulären Reinigungsprozesse, die selbst die Biomedizin heute als „zelluläre Recyclingfabriken“ bezeichnet?

Einer dieser Prozesse ist die sogenannte Autophagozytose – ein sperriger Name für eine sehr elegante Lösung. Und genau dieser wollen wir uns jetzt widmen.

Ein kurzer Blick auf die Grundlagen:

Autophagozytose ist nicht zu verwechseln mit der klassischen Phagozytose, bei der Immunzellen wie Makrophagen oder dendritische Zellen fremde Eindringlinge oder Zelltrümmer „auffressen“. Bei der Autophagozytose hingegen frisst die Zelle sich (zumindest teilweise) selbst. Defekte Zellbestandteile, falsch gefaltete Proteine, beschädigte Mitochondrien: alles, was die Funktion stört oder toxisch wirken könnte, wird markiert, eingeschlossen und abgebaut.

Der Begriff „sich selbst fressen“ mag dramatisch klingen, ist aber ein lebenswichtiges Prinzip. Ohne diesen Prozess würden Zellen regelrecht an ihrem eigenen Müll ersticken. Autophagozytose ist also kein Notfallprogramm, sondern ein zentraler Bestandteil der zellulären Selbstreinigung – täglich, rund um die Uhr.

Und damit nähern wir uns auch der Wahrheit hinter dem Begriff „Entschlackung“. Denn was die Naturheilkunde traditionell als „Schlacke“ bezeichnet, findet auf zellulärer Ebene längst seine wissenschaftlich beschriebene Entsprechung – nur unter anderen Namen: Autophagozytose, Mitophagie, Proteinfaltung, zellulärer Turnover.

Natürlich gehört dazu mehr: Seneszente Zellen, die nicht mehr richtig funktionieren, aber auch nicht absterben, belasten das Gewebe durch ihre entzündungsfördernde Wirkung – eine Art „zellulärer Müll“, der nicht in den Mitochondrien, sondern im Gewebemilieu selbst liegt. Und auch der sogenannte Pischinger-Raum, also der Extrazellulärraum, spielt eine Rolle bei der Ansammlung oder Ableitung solcher Stoffe.

Doch in diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die Autophagie – jenen zentralen, faszinierenden Selbstheilungsmechanismus der Zelle, der durch einfache Maßnahmen wie Fasten gezielt aktiviert werden kann.

Der Prozess und seine Abläufe

Die Autophagozytose ist kein einheitlicher Prozess, sondern ein fein reguliertes System mit mehreren Wegen, über die Zellen ihren eigenen Müll recyceln. Drei Hauptformen sind heute wissenschaftlich beschrieben – alle verlaufen etwas unterschiedlich, dienen aber dem gleichen Ziel: beschädigte, funktionslose oder potenziell toxische Bestandteile aus dem Verkehr zu ziehen. Zuerst eine Grafik dazu:

 

Makroautophagie – das Zellrecycling in großem Stil

Die Makroautophagie ist der wichtigste Weg der zellulären Selbstreinigung. Dabei werden defekte Zellorganellen – insbesondere beschädigte Mitochondrien – sowie fehlerhafte Proteine gezielt erkannt, isoliert und abgebaut. Die Zelle bildet dafür eine Art innere „Mülltüte“: eine Doppelmembran, das sogenannte Autophagosom. Dieses umschließt die zu entsorgenden Bestandteile und transportiert sie zu einem Lysosom – einer zellulären Abbaukammer mit saurem pH-Wert und Verdauungsenzymen. Dort wird der Zellmüll in seine Einzelteile zerlegt – und oft gleich als neues Baumaterial wiederverwertet.

Das ist nicht nur effizient, sondern auch überlebenswichtig: Denn beschädigte Mitochondrien beispielsweise produzieren kaum noch Energie, dafür aber umso mehr freie Radikale – ein toxisches Szenario, das die gesamte Zelle destabilisieren kann. Makroautophagie verhindert genau das.

Mikroautophagie – die direkte Entsorgungslinie

Bei der Mikroautophagie spart sich die Zelle den Umweg über ein Autophagosom. Stattdessen „schluckt“ das Lysosom direkt kleinere Bestandteile aus dem Zellinneren. Dieser Prozess läuft permanent – wird aber besonders bei Kalorienmangel oder Stress wichtiger, um Ressourcen zu schonen und die Zellintegrität zu bewahren. Man könnte sagen: Mikroautophagie ist die schnelle, unkomplizierte Variante der Selbstreinigung.

CMA – das fein abgestimmte Einzelteil-Recycling

Die dritte Form nennt sich „Chaperone-mediated Autophagy“ (CMA) – ein selektiver Prozess, bei dem bestimmte Proteine gezielt erkannt, entfaltet und ins Lysosom eingeschleust werden. Nur Moleküle mit einer spezifischen Signatur – einer Art Erkennungsmarke – werden zugelassen. Dieser Prozess ist aufwendig, aber präzise und kommt insbesondere bei feinregulierten Stoffwechselprozessen zum Einsatz.

So wird der Müll im Körper entsorgt

Diese drei Prozess-Formen sorgen dafür, dass innerhalb der Zelle eine Vielfalt von „Müll“ entsorgt und somit eine Beeinträchtigung der Zellvorgänge verhindert wird. Der „Müll“ besteht aus zum Beispiel falsch gefalteten Proteinen, die biologisch schädlich oder nicht verwertbar sind; aus großen und kleinen Zellorganellen, die beschädigt sind und ihre Funktion verloren haben etc.

Diese drei Formen der Autophagie sind zudem Teil eines intrazellulären Gleichgewichts zwischen der Produktion von neuen Zellbestandteilen und dem Abbau von alten, verbrauchten Elementen. Mitochondrien von Leberzellen zum Beispiel leben in etwa zehn Tage. Danach werden sie durch die Autophagozytose entsorgt. Die dabei entstehenden Fragmente dienen dann als Baumaterial für neue Strukturen. Diese Sonderform der Autophagozytose für Mitochondrien wird Mitophagie genannt.

Grund für die „bevorzugte“ Behandlung der Mitochondrien für eine für sie spezielle Form der Autophagozytose liegt in ihrer Bedeutung und dem Gefährdungspotential, das von beschädigten Mitochondrien ausgeht. Denn beschädigte Mitochondrien produzieren in der Regel, ohne maßgeblich an der Energieproduktion beteiligt zu sein, ein Übermaß an freien Radikalen, die die Zelle selbst in Mitleidenschaft ziehen können. Das Gleiche gilt auch für alte Mitochondrien.

Eine Sonderform besteht bei roten Blutkörperchen: Die Mitophagie entfernt hier bei der Entstehung beziehungsweise Reifung der Erythrozyten deren zunächst vorhandenen Mitochondrien, da Erythrozyten unter den Körperzellen eine Sonderform darstellen – ohne Mitochondrien, Zellkern, Ribosomen etc. Hier ist also die Autophagozytose in dieser speziellen Form ein Teil des Reifungsprozesses der Erythrozyten.

Die beschriebenen Prozesse werden, wie bereits weiter oben erwähnt, durch Gene kontrolliert. Diese Kontrolle ist sehr komplex und erfolgt über Aminosäure-Sensoren, Wachstumsfaktoren und freie Radikale, die die Aktivitäten von mTOR und die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) bestimmen. Über die Bedeutung von mTOR hatte ich bereits etwas veröffentlicht: Fasten für die DNA Reparatur in Zellen.  AMPK hat die Aufgabe, Zellen vor Energiemangel zu schützen. Dies ist natürlich in Zeiten von Kalorienmangel besonders wichtig, um den Untergang der Zelle zu verhindern. AMPK hemmt dann eine Reihe von Enzymen, die für die Cholesterin- und Fettsäurebiosynthese zuständig sind, was zu einem Umschalten auf einen „Sparmodus“ des Zellstoffwechsels führt.

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Funktionen für die Zelle

Die Autophagozytose hat für die Zelle eine Reihe von Funktionen. Als primäres Untersuchungsobjekt diente den Wissenschaftlern hier die Hefe Saccharomyces cerevisiae. Hier sahen die Wissenschaftler, dass ein Nährstoffmangel zu einer hohen Aktivität an Autophagie führt.

Unter diesen Verhältnissen wurden schädliche und nutzlose Proteine entsorgt, indem die dabei anfallenden Aminosäuren für eine Weiterverwertung für neue, funktionstüchtige Proteine benutzt werden.

Bei Säugetieren und Menschen ist die Autophagozytose unter verschiedenen Bedingungen beobachtet worden, wie zum Beispiel nach der Geburt und Durchtrennung der Nabelschnur, oder bei Zell-und Gewebekulturen, die entsprechend mangelversorgt worden waren.

Von der Hefe weiß man auch, dass ein genetischer Defekt, der die Fähigkeiten zur Autophagozytose einschränkt, zum Untergang der Zellen führt (Isolation and characterization of autophagy-defective mutants of Saccharomyces cerevisiae.).

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Mäusen mit Gendefekt (In vivo analysis of autophagy in response to nutrient starvation using transgenic mice expressing a fluorescent autophagosome marker.). Die Autoren dieser Arbeit konnten zeigen, dass die Regulation der Autophagozytose organspezifisch ist, Kalorienmangel ein zentraler Auslöser zu sein scheint, aber auch ohne Hungerzustände induziert wird.

Prinzipiell scheint man heute in der Naturwissenschaft davon auszugehen, dass die Autophagozytose in ihren verschiedenen Formen ein wichtiger Beitrag zur „Reinhaltung“ der Zellen ist. Ohne diesen Beitrag kommt es zum schnelleren Altern (Autophagy and aging: the importance of maintaining „clean“ cells.). Die Autoren erklären in diesem Beitrag, dass eine herabgesetzte autophage Aktivität eine hauptsächliche Rolle bei altersbedingten Störungen spielt. Sie erklären weiter, dass Kalorienrestriktion und anti-lipolytische Substanzen zur Stimulation der Autophagie bei alten Mäusen geführt haben.

Damit scheint sich das zu bestätigen, was von der Schulmedizin in der Regel so heftig bestritten beziehungsweise als „unwissenschaftlich“ oder „nicht evidenzbasiert“ belächelt wird: Fasten stimuliert die Autophagozytose, die wiederum für die Entfernung von Abfallprodukten in den Körperzellen und deren Reparatur verantwortlich ist. Oder mit anderen Worten: Fasten oder Kalorienrestriktion initiiert die Beseitigung von „Schlacken“, ohne die eine Reparatur der Zellen nicht möglich ist.

Xenophagie ist ein Begriff, der die Auflösung und Entfernung von körperfremden Material umfasst. Dies erinnert an die bereits weiter oben erwähnte Phagozytose durch Makrophagen etc. In diesem speziellen Fall ist die Xenophagie eine autophage Zersetzung von infektiösen Partikeln und ist daher ein integraler Bestandteil der angeborenen Immunabwehr.

Diese tritt immer dann in Aktion, wenn Erreger bereits das Zellinnere erreicht haben, wie zum Beispiel Tuberkuloseerreger. Die „Vernichtungsmaschinerie“, die für die Beseitigung dieser Erreger zuständig ist, ist die Gleiche, die  auch Mitochondrien recycelt (Mitophagie). In der Regel führt dieser Prozess zum erfolgreichen Vernichten der Mikroorganismen. Es gibt jedoch auch hier Ausnahmen, wo Bakterien in der Lage sind, die Entstehung von Phagolysosomen zu verhindern (Autophagy in immunity against mycobacterium tuberculosis: a model system to dissect immunological roles of autophagy.).

Interessanterweise erfahren wir in dieser Arbeit, dass die Th1-Th2-Balance eine zentrale Rolle für die Aktivierung von Autophagie zu spielen scheint. Th1-Zytokine aktivieren sie, während Th2-Zytokine sie abschalten. Damit würde ein Th2-Shift eine günstige Bedingung für das Eindringen von Pathogenen in Körperzellen darstellen.

Diese Sache mit dem „Zelltod“ – Apoptose

Ich hatte bereits in etlichen Beiträgen das Wort „Apoptose“ benutzt. Der natürliche Zelltod ist eine Art „Selbstzerstörungsmechanismus“,  der in die Zelle eingebaut ist, um eine Entartung zu verhindern, wenn Reparaturmaßnahmen nicht mehr greifen können und um alte Zellen schnell aufzulösen, um den Regenerationsprozess zu beschleunigen.

Eine Apoptose ist in der Regel begleitet von dem vermehrten Auftauchen von Autophagosomen. Die Wissenschaftler wissen heute jedoch noch nicht, ob die bei der Apoptose autophagen Aktivitäten Teil des Auflösungsprozesses sind oder das genaue Gegenteil: Der Versuch, die Apoptose zu blockieren. Denn bislang gibt es keine Hinweise, dass die Autophagozytose auch für den Untergang von Zellen verantwortlich sein kann.

Diese ist (wie oben ausführlich diskutiert), das Mittel der Zelle, sich zu regenerieren und am Leben zu erhalten (Another way to die: autophagic programmed cell death).

Eine Arbeit von 2014 zeigt, dass die Autophagozytose eine Stressantwort auf eine Infektion mit Influenza-A-Viren darstellt, die eine Apoptose verhindern hilft (mTOR/p70S6K signaling distinguishes routine, maintenance-level autophagy from autophagic cell death during influenza A infection.). Die auslösenden Faktoren bei einer Infektion für Apoptose und Autophagozytose scheinen die Gleichen zu sein. Sie unterscheiden zwischen einer expandierten Autophagie, die zum Untergang der Zelle führt, und einer moderaten Autophagie, die der Zelle hilft, die Infektion zu überleben. Sie sahen auch, dass eine Hemmung der expandierten Autophagie dazu beitrug, die Reproduktion der Viren in der Zelle zu hemmen. Damit scheinen die Kontrollvorgänge für die protektive und letale Autophagozytose über verschiedene Mechanismen zu erfolgen.

Eine andere interessante Beobachtung ist, dass Kalorienrestriktion bislang die einzige wissenschaftlich nachgewiesene Form der Lebensverlängerung zu sein scheint. Ich hatte dieses Thema auch bei meinen Fastenbeiträgen und Beiträgen zum intermittierenden Fasten erwähnt. Wie es aussieht, erfolgt diese lebensverlängernde Wirkung der Kalorienrestriktion aber nur dann, wenn auch eine entsprechend aktive Autophagozytose mit von der Partie ist. Eine französische Studie aus dem Jahr 2010 (Caloric restriction and resveratrol promote longevity through the Sirtuin-1-dependent induction of autophagy.) zeigte, dass eine Hemmung der Autophagozytose zu metabolischem Stress in der Zelle führte (und deren vorzeitigem Absterben). Resveratrol und Kalorienrestriktion dagegen verlängerte die Lebenserwartung von normalen Nematoden (Fadenwürmer), die eine normale Autophagozytose zeigten. Nematoden, die dazu nicht in der Lage waren, zeigten eine verkürzte Lebenserwartung.

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Autophagozytose und Krebserkrankungen

Hier scheint die Autophagozytose ein sehr ambivalentes Gesicht zu zeigen. Denn sie scheint einerseits vor der Entwicklung von malignen Zellen zu schützen, unterstützt aber andererseits Tumorzellen bei deren Entwicklung. Die Idee, durch Kalorienrestriktion Tumorzellen auszuhungern, kann damit zum Querschläger werden, wenn die Autophagozytose in der Tumorzelle selbige wie eine gesunde Zelle vor dem Untergang bewahrt.

Es ist auch bekannt, dass die Autophagozytose in der Lage ist, Mediatoren für die Apoptose einer Tumorzelle abzubauen, was zu einer Verhinderung der Apoptose und damit Verhinderung des Absterbens der Tumorzelle führt. Hier ergibt sich ein gewisses Potential für pharmazeutische Interventionen, wo mit Hilfe von synthetischen Substanzen (zum Beispiel Chloroquin, ein Medikament gegen Malaria) die Autophagie der Tumorzelle blockiert wird und somit die Wirkung von Apoptose auslösenden Chemotherapeutika verbessert wird (New use for old drugs? Prospective targets of chloroquines in cancer therapy.).

Wie es ausschaut, ist die Frage, ob Autophagozytose nützt oder schadet, auch eine Frage des Stadiums und der Bedingungen, unter denen sie agiert. So scheint sie bei normalen und gesunden Zellen eine wichtige Schutzfunktion zu besitzen, während sie bei malignen Zellen die gleiche Schutzfunktion zum Wohl der Tumorzelle ausübt.

Es hat sich also nichts an der Schutzfunktion geändert, sondern nur an der Frage, wer und was hier geschützt wird. Daher gibt es inzwischen Bemühungen, bei Krebserkrankungen das Maß an Autophagozytose zu senken, damit es zu einer Apoptose der Tumorzellen kommen kann. Aber auch hier kann man sich die Risiken leicht ausmalen. Denn eine generalisierte Hemmung der Autophagozytose würde nicht nur maligne Zellen betreffen. Der Effekt wäre eine Verbesserung der Apoptose bei Tumorzellen, aber auch eine unter Umständen erhöhte Bereitschaft gesunder Zellen, zu entarten.

Fazit: Zellen putzen – Leben verlängern und gesünder leben!

Autophagozytose ist keine Theorie. Es ist ein fundamentaler Selbstreinigungsmechanismus des Körpers – täglich, unaufhaltsam, lebenswichtig. Und ja: Genau das, was die Naturheilkunde seit Jahrzehnten unter „Entschlackung“ versteht. Die Begriffe mögen unterschiedlich sein – die Beobachtung ist dieselbe.

Wer diesen Reinigungsprozess unterstützt, schützt seine Zellen – und damit seine Gesundheit. Denn beschädigte Zellbestandteile, alte Mitochondrien und falsch gefaltete Proteine wirken nicht einfach nur störend. Sie sind ein Brandbeschleuniger für Alterungsprozesse, Entzündungen, Stoffwechselstörungen und degenerative Erkrankungen.

Die gute Nachricht: Es braucht keine Medikamente, keine kostspieligen Therapien, keine synthetischen Interventionen. Es braucht vor allem eines – das, was der moderne Mensch am schwersten erträgt: Verzicht.

Fasten aktiviert Autophagie. Kalorienreduktion tut es auch. Moderate Bewegung, guter Schlaf, weniger Insulinspitzen – all das signalisiert der Zelle: Zeit zum Aufräumen.

Was Sie konkret tun können?

  • Fasten – regelmäßig und bewusst. Ob klassisches Heilfasten, Intervallfasten oder Entlastungstage: Jede Form der Nahrungskarenz aktiviert Autophagie – wissenschaftlich belegt.
  • Bewegung – aber nicht im Hochleistungsmodus. Schon Spaziergänge oder lockeres Ausdauertraining steigern die intrazelluläre Reinigung.
  • Entlastung statt Dauerstress. Auch psychischer Dauerstress kann Autophagie blockieren. Achtsamkeit, Ruhe und Schlaf sind keine „Ist-schön-Sache“ – sie sind Zellschutz!
  • Die Zelle nicht ständig füttern. Wer 16 Stunden am Tag isst, gibt dem Körper keine Pause zur Regeneration. Weniger Mahlzeiten, dafür gehaltvoller, bewirken oft mehr.
  • Bewusst leben statt ständig kompensieren. Alkohol, Süßstoffe, künstliche Zusätze – das alles muss entsorgt werden. Warum nicht gleich weglassen?

Das Ziel ist nicht Askese. Sondern Klarheit. Denn: Wer seine Zellen schützt, schützt sich selbst – vor chronischer Erschöpfung, beschleunigtem Altern, vor Entzündung, Gewebestau, Degeneration.

Man muss Autophagozytose nicht aussprechen können, um sie zu nutzen. Man muss nur aufhören, dem Körper ständig im Weg zu stehen.

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Dieser Beitrag wurde im Jahr 2017 erstellt und letztmalig am 5.8.2025 überarbeitet.

Fasten im Alter – lohnt sich das überhaupt noch?

Manche halten es für gefährlich, andere für überflüssig. Und viele trauen sich einfach nicht mehr.
„Mit 70 noch fasten – ist das nicht zu spät?“ Diese Frage bekomme ich regelmäßig gestellt. Und jedes Mal denke ich: Zu spät wofür?
Für Entlastung? Für Zellreinigung? Für eine sanfte Kurskorrektur, bevor der Medikamentenschrank endgültig überquillt?

Es gibt gute Gründe, gerade im Alter mit dem Fasten zu beginnen – wenn man weiß, wie es geht. Denn während die Lebenserwartung längst nicht mehr steigt, nimmt die Zahl der chronisch Kranken weiter zu. Der Körper altert nicht nur – er verschlackt, überfordert, blockiert.
Doch genau hier setzt der naturheilkundliche Fastenansatz an: Er aktiviert die Autophagie, entsorgt seneszente Zellen, entlastet Leber, Darm, Nieren – und manchmal auch die Seele.

In diesem Beitrag zeige ich, was beim Fasten im Alter wirklich passiert – zellbiologisch, praktisch, und aus Sicht eines Therapeuten, der das seit über 25 Jahren begleitet. Sie erfahren, worauf es bei älteren Menschen ankommt, wann Fasten sinnvoll ist – und wann nicht.

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Lebenserwartung: Der große Fortschritts-Mythos

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass wir heute immer älter werden. Die Realität sieht anders aus: Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt nicht mehr – im Gegenteil. In vielen westlichen Ländern stagniert sie oder geht sogar leicht zurück. In Deutschland sank sie zuletzt mehrfach – trotz Milliardenaufwand im Gesundheitswesen.

Oft wird behauptet, die moderne Medizin habe den Menschen „längeres Leben“ beschert. Doch das greift zu kurz. Der eigentliche Rückgang der Sterblichkeit im 20. Jahrhundert beruhte auf besseren Lebensbedingungen: sauberes Trinkwasser, funktionierende Abwassersysteme, Kühlketten für Lebensmittel, weniger Kinderarbeit, sichere Geburten, sozialer Frieden.

Die großen Seuchen verschwanden, weil Hygiene und Infrastruktur besser wurden – nicht wegen Antibiotika. Alte Menschen gab es auch früher – sie starben nur seltener jung. Heute hingegen stirbt man häufig nicht mehr „plötzlich“, sondern langsam und unter Medikamentencocktails. Die Frage ist also nicht: Wie alt werden wir?
Sondern: Wie gesund bleiben wir dabei?

Altern verstehen: Was im Körper wirklich passiert

Heute wissen wir mehr über das Altern. Die sogenannte Hayflick-Grenze beschreibt, dass sich menschliche Zellen nur rund 50-mal teilen können. Danach tritt ein programmierter Zelltod ein – ein biologischer Selbstschutz gegen unkontrolliertes Wachstum (Krebs).

Aber Altern ist mehr als Zellteilungsgrenze. Zellen können auch in einen sogenannten seneszenten Zustand übergehen: Sie leben zwar noch, aber ohne Funktion. Statt sich zu teilen, senden sie Entzündungsbotenstoffe aus, schädigen umliegendes Gewebe und blockieren die Regeneration. Kurz gesagt: Sie sind biologischer Müll, der sich ansammelt – besonders im Alter.

Die gute Nachricht: Der Körper kann solche Zellen abbauen. Das Stichwort lautet Autophagie – ein natürlicher Selbstreinigungsprozess, bei dem beschädigte Zellbestandteile recycelt und entsorgt werden. Und genau hier kommt das Fasten ins Spiel.

Fasten aktiviert die Zellreinigung – und kann das Altern bremsen

Mehrere Studien zeigen, dass kalorienreduzierte Ernährung und Fastenprozesse die Autophagie anregen. Das heißt: Beim Fasten beginnt der Körper, überflüssigen Zellmüll zu verwerten – und dazu zählen auch seneszente Zellen.

Der Gerontologe Roy Walford konnte an Tiermodellen zeigen, dass sich der Alterungsprozess bei drastisch kalorienreduzierter Ernährung um bis zu 70 % verlangsamen kann (vgl. Walford R. L. et al.: Influence of controlled dietary restriction on immunologic function and aging; Federation proceedings 6; 38; 1979; S. 2007-2016). Und auch wenn sich diese Daten nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen, beobachten viele Ärzte und Fastenleiter regelmäßig: Fasten tut älteren Menschen gut – körperlich wie seelisch.

Fasten kann Entzündungen dämpfen, die Immunfunktion verbessern, überflüssige Medikamente reduzieren und den Stoffwechsel neu ordnen. Allerdings nur, wenn es individuell angepasst wird – gerade im höheren Alter.

Verschlackung, Zellmüll und Stoffwechselblockaden – aus naturheilkundlicher Sicht

Die Naturheilkunde geht seit jeher davon aus, dass sich im Körper „Schlacken“ ansammeln: Rückstände aus schlechter Ernährung, Umweltgiften, Medikamenten und gestörtem Zellstoffwechsel. Diese belasten Zellen, Bindegewebe, Blutgefäße und Organe – und können langfristig Alterungsprozesse beschleunigen.

Wenn Zellen ihre Abfallprodukte nicht mehr effizient entsorgen, kann das zu Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit oder degenerativen Erkrankungen führen. Im Gehirn trägt solcher „Zellmüll“ möglicherweise zur Entwicklung von Alzheimer bei.

Fasten wirkt hier wie ein Reset: Der Körper schaltet von Aufnahme auf Abbau um. Enzyme und Transportproteine bauen Altlasten ab, die Zellerneuerung wird stimuliert – sofern die nötigen Mikronährstoffe bereitstehen.

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Fasten im Alter – worauf es ankommt

Gerade ältere Menschen profitieren vom Fasten, wenn es angepasst ist. Das biologische Alter ist entscheidend – nicht das Datum im Pass.

In meiner Praxis empfehle ich Fastenkuren oft bis zum 75. oder sogar 80. Lebensjahr – aber nur, wenn die Patienten grundsätzlich fit sind, nicht untergewichtig und keine demenzbedingten Einschränkungen vorliegen.

Für Menschen über 80 gilt: Nur wer sein Leben lang gefastet hat und sich damit auskennt, sollte es weiterhin tun. Bei allen anderen ist eine milde Variante besser – z. B. eine teilkalorische Fastenkur mit Buttermilch, Säften, Brühen oder basischer Gemüsebrühe.

Eine Null-Diät ist für ältere Menschen fast nie geeignet. Eiweißzufuhr bleibt wichtig – z. B. in Form von fermentierten Milchprodukten, hochwertigen pflanzlichen Proteinen oder Aminosäurenmischungen.

Wichtig ist außerdem:

  • Mineralstoffe auffüllen, z. B. Magnesium, Zink, Kalium
  • Vitaminstatus prüfen, vor allem B12, D3, K2
  • Bewegung integrieren: Spaziergänge, Atemübungen, sanfte Gymnastik
  • Entspannung fördern, z. B. über Atemtherapie, Kneipp-Anwendungen oder Meditation

Praxis-Erfahrung: Weniger Medikamente, mehr Lebensfreude

Viele ältere Patienten nehmen täglich 5, 10 oder mehr Medikamente. Durch gezieltes Fasten (unter Anleitung) lässt sich der Medikamentenbedarf oft reduzieren – weil der Stoffwechsel wieder besser arbeitet. Blutzucker, Blutdruck, Verdauung, Schlaf und Stimmung stabilisieren sich.

Ein schöner Nebeneffekt: Die Patienten fühlen sich wieder lebendig. Klarer im Kopf. Beweglicher. Motivierter.

Fazit: Fasten im Alter – ja, aber individuell angepasst

Fasten ist keine Wundermethode – aber eine der wirksamsten naturheilkundlichen Maßnahmen zur Zellreinigung, Entgiftung und Regeneration. Im Alter ist dabei besondere Sorgfalt geboten. Wer mit Verstand fastet, kann sein biologisches Alter positiv beeinflussen – und vielleicht sogar einen Gang zurückschalten im Prozess des Alterns.

Wenn Sie das interessiert schauen Sie mal in meinen Heilfasten Kurs: Heilfasten nach René Gräber

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 27.6.2025 aktualisiert und ergänzt.

Gicht hat nichts mit Luxus zu tun – sie ist Ausdruck eines Stoffwechsels, der aus dem Takt geraten ist. Und während viele noch immer glauben, ein bisschen weniger Fleisch und ein paar Tabletten würden das schon richten, zeigt die Praxis seit Jahrzehnten etwas anderes: Wer die Gicht wirklich an der Wurzel packen will, muss den Stoffwechsel von Grund auf umstellen. Fasten kann dabei ein mächtiger Hebel sein – wenn man weiß, was man tut. Denn falsch eingesetzt, treibt es die Harnsäure erst recht in die Höhe. In diesem Beitrag zeige ich, worauf Patienten achten müssen, die mit Gicht fasten wollen – mit und ohne Allopurinol. Und welche Rolle Kräuter, Brühen, Bewegung und eine gute Vorbereitung dabei spielen.

Beginnen wir kurz damit:

Was ist Gicht?

Gicht – einst als „Wohlstandskrankheit“ belächelt, heute eine ernsthafte Stoffwechselstörung, die Millionen betrifft. Wer einmal einen Gichtanfall hatte, weiß, dass der Schmerz nicht zu unterschätzen ist: Brennende, geschwollene Gelenke, meist am großen Zeh, aber auch an Fingern, Knien oder Handgelenken. Doch was, wenn Heilfasten hier helfen kann? Und was müssen Patienten beachten, die bereits Allopurinol einnehmen?

Grundlegende Informationen zu „Gicht“ finden Sie in folgenden Beiträgen:

Gicht und Harnsäure: Das Grundproblem verstehen

Gicht ist die Folge einer Hyperurikämie – eines zu hohen Harnsäurespiegels im Blut. Harnsäure ist ein Abbauprodukt von Purinen, die sich in tierischen Produkten, aber auch im eigenen Zellstoffwechsel finden. Normalerweise wird Harnsäure über die Nieren ausgeschieden, doch wenn die Werte steigen, kristallisiert sie aus und lagert sich in Gelenken und Geweben ab. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer heftigen Entzündungsreaktion – der klassische Gichtanfall.

Referenzwerte für Harnsäure:

  • Normalwerte: Männer: < 7 mg/dl, Frauen: < 6 mg/dl
  • Leichte Hyperurikämie: 7-9 mg/dl
  • Kritischer Bereich: > 9 mg/dl (erhöhtes Risiko für Gichtanfälle)
  • Akuter Gichtanfall: Oft Werte > 10 mg/dl

Mehr dazu hier: Harnsäure und Harnsäurewerte – Verständlich Erklärt

Fasten und Gicht: Eine Herausforderung mit Potenzial

Fasten ist ein zweischneidiges Schwert für Gichtpatienten. Einerseits hilft es, die Harnsäure aus den Geweben zu mobilisieren, andererseits steigt durch den Abbau körpereigener Proteine der Harnsäurespiegel im Blut kurzfristig an. Das kann – wenn nicht richtig durchgeführt – sogar einen neuen Gichtanfall auslösen.

Otto Buchinger selbst beschrieb in seinen Aufzeichnungen langwierige, aber erfolgreiche Fastentherapien bei Gicht. Heute, mit Medikamenten wie Allopurinol, sind die Risiken kontrollierbarer – wenn das Fasten richtig angepasst wird.

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Wie Fasten bei Gicht richtig funktioniert

  1. Vorbereitung ist entscheidend
    Ein abruptes Fasten kann riskant sein. Wer Harnsäurewerte über 8 mg/dl hat, sollte vor dem Fasten eine Entlastungswoche mit purinarmer Kost einlegen: viel Gemüse, wenig tierisches Eiweiß, keine Innereien oder Hülsenfrüchte. Diese „Einstimmung“ kann einen plötzlichen Harnsäureanstieg dämpfen.
  2. Medikamenteneinnahme anpassen
  • Allopurinol (Hemmt die Harnsäurebildung): Sollte während des Fastens weitergenommen werden. Es verhindert einen zu starken Harnsäureanstieg.
  • Benzbromaron (Fördert die Ausscheidung): Meist wird dieses Medikament während des Fastens pausiert, da es die Nieren belasten kann.
  1. Flüssigkeit ist der Schlüssel
    Gichtpatienten müssen besonders darauf achten, ausreichend zu trinken – 3 bis 4 Liter täglich sind Pflicht. Harntreibende Mittel oder Diuretika sollten vermieden werden, da sie eine zu starke Entwässerung und damit eine Erhöhung der Harnsäurekonzentration im Blut bewirken können.
  2. Die richtige Fastenmethode wählen
    Nicht jedes Fasten eignet sich für Gichtpatienten. Reines Wasserfasten kann problematisch sein, weil es den Abbau körpereigener Proteine fördert. Besser ist ein modifiziertes Fasten mit:
  • Basischen Brühen
  • Buttermilch oder verdünnten Gemüsesäften
  • Getreideschleim, um den Stoffwechsel zu stabilisieren
  1. Dauer des Fastens
    Kurze Fastenzeiten von 5 bis 7 Tagen reichen oft aus, um positive Effekte zu erzielen. Längere Fastenzeiten (z. B. 21 Tage) sollten nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Häufige Fehler – und wie man sie vermeidet

  1. Zu radikaler Einstieg
    Einfach von heute auf morgen in ein Wasserfasten zu starten, kann einen Gichtanfall auslösen. Wer hohes Risiko hat, sollte vorher eine Entlastungswoche einplanen.
  2. Zu wenig Flüssigkeit
    Gerade beim Fasten muss die Niere unterstützt werden. Weniger als 3 Liter Flüssigkeit pro Tag sind zu wenig!
  3. Fehlerhafte Kost nach dem Fasten
    Viele machen den Fehler, direkt nach dem Fasten wieder Fleisch oder Hülsenfrüchte zu essen – und riskieren einen neuen Anfall. Der Kostaufbau muss basisch sein: Gedämpftes Gemüse, Hirse, Quinoa, Leinöl.

Alternative Unterstützung während des Fastens

Wer das Fasten für sich nutzen will, kann zusätzlich unterstützende Maßnahmen ergreifen:

  • Basische Heilkräutertees: Brennnessel, Goldrute, Birkenblätter – sie helfen, die Harnsäure schneller auszuscheiden.
  • Homöopathische Mittel: Bewährt haben sich Berberis, Lycopodium oder Solidago zur Unterstützung der Nieren. Mehr dazu hier: Gicht und Gichtanfälle: Homöopathische Mittel zur Linderung von Gelenkentzündungen
  • Bewegung: Sanfte Bewegung wie Spazierengehen kann den Stoffwechsel aktivieren – aber exzessives Training vermeiden, da es Harnsäure kurzfristig ansteigen lässt.

Fazit: Fasten als Werkzeug – aber mit Bedacht!

Fasten kann für Gichtpatienten eine sinnvolle Methode sein, den Stoffwechsel zu entlasten und die Harnsäurewerte langfristig zu senken. Doch es erfordert eine genaue Planung und Anpassung, um Risiken zu minimieren.

  • Wer Allopurinol nimmt, kann in der Regel fasten, sollte aber ausreichend trinken.
  • Wer ohne medikamentöse Therapie fasten möchte, sollte besonders auf eine vorbereitende purinarme Ernährung achten.
  • Ein abrupter Fastenstart kann riskant sein – die richtige Methode ist entscheidend.

Wer sich weiterhin nur auf Medikamente verlassen will, kann das tun. Wer aber wirklich an die Wurzel des Problems gehen will, kann Fasten als kraftvolles Werkzeug nutzen – wenn es mit Verstand angewendet wird.

Dieser Artikel beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung aus der Heilfastenpraxis. Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich zu meinem Newsletter anmelden – für unabhängige, natürliche und klare Erkenntnisse jenseits des Mainstreams.

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Beitragsbild: iStock

Dieser Beitrag wurde im August 2012 erstellt und letztmalig am 8.4.2025 aktualisiert.

Es gibt Themen, über die kaum jemand spricht, obwohl sie von größter Bedeutung sind. Heilfasten bei COPD, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, gehört dazu.

Ich sehe es immer wieder in meinen Fastengruppen: Menschen, die jahrzehntelang geraucht haben, sich dann befreien – doch die Lunge bleibt geschädigt. Oder jene, die nie einen Glimmstängel angerührt haben und trotzdem betroffen sind. Sie kommen zu mir mit Hoffnung, mit Zweifeln – und mit der Frage: Kann Heilfasten meine Lunge heilen? Oder ist das riskant?

Die Antwort ist, wie so oft, nicht schwarz oder weiß. Lassen Sie uns das Thema mit klarem Blick betrachten.

COPD und Heilfasten – Eine gute Idee?

COPD ist eine fortschreitende Erkrankung, die die Atemwege verengt. In der Schulmedizin gibt es keine Heilung, nur eine Verlangsamung des Verlaufs. Medikamente wie Beta-2-Sympathomimetika, Steroide, Anticholinergika und Theophyllin helfen, aber sie sind Pflaster, keine Heilung.

Fasten hingegen setzt an einer anderen Stelle an: bei den körpereigenen Regenerationsmechanismen. Die Idee ist nicht, die Lunge zu heilen, sondern Entzündungen zu reduzieren, die Schleimproduktion zu regulieren und dem Körper eine tiefgreifende Reinigung zu ermöglichen.

Doch die Frage bleibt: Geht das mit COPD? Und wie lange?

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Die Möglichkeiten: Was Fasten bewirken kann

Fasten reduziert systemische Entzündungen – und das ist bei COPD entscheidend. Während der Fastenzeit sinkt das entzündungsfördernde C-reaktive Protein, das oft bei COPD-Patienten erhöht ist.

Nach etwa drei Tagen Fasten setzt die Autophagie ein. Der Körper beginnt, beschädigte Zellstrukturen zu recyceln. Theoretisch könnte dies dysfunktionale Lungenzellen abbauen und die Lungenfunktion langfristig stabilisieren.

Viele COPD-Patienten berichten, dass sich die Schleimbildung nach einigen Fastentagen verringert. Das liegt daran, dass Fasten entzündliche Prozesse im Schleimhautgewebe beruhigt.

Cortison ist ein Segen – und ein Fluch. Es hilft kurzfristig, erhöht aber langfristig den Blutzucker und schwächt das Immunsystem. Fasten senkt den Cortisolspiegel, verbessert die Insulinsensitivität und kann so langfristig helfen, Cortison-Dosen zu reduzieren.

Die Grenzen: Wann Fasten problematisch sein kann

Doch es gibt auch Risiken. Fasten ist kein Allheilmittel, und bei COPD müssen einige Dinge besonders beachtet werden:

  • COPD-Patienten brauchen eine starke Atemmuskulatur – doch Fasten kann zu Muskelabbau führen, wenn es zu lange dauert. Ein Mangel kann die Atemmuskulatur schwächen und zu Kurzatmigkeit führen. Zur Sache mit den Muskeln und dem Fasten hatte ich hier geschrieben:
    Ist Fasten gefährlich weil Körpereiweiß verbraucht wird?
  • Beta-2-Sympathomimetika können den Blutzucker erhöhen. Während des Fastens sollte der Spiegel beobachtet werden.
  • Cortison kann den Blutzucker destabilisieren. Wer Cortison nimmt, sollte ein striktes Wasserfasten meiden und stattdessen modifiziertes Fasten mit Brühen und kleinen Mengen gesunder Fette wählen.
  • Theophyllin wird in der Leber abgebaut, und Fasten kann die Leberentgiftung beeinflussen. Wer Theophyllin nimmt, sollte engmaschig überwacht werden.

Wichtig zu Wissen: Ein zu drastisches Fasten kann das Immunsystem vorübergehend schwächen. Bei COPD mit häufigen Infekten ist Fasten daher mit Vorsicht zu genießen.

Welche Fastenform ist bei COPD geeignet?

Wenn ich eine COPD-Patientin oder einen Patienten begleite, empfehle ich oft eine der Folgenden Varianten:

Intermittierendes Fasten, etwa 16:8 oder 18:6, ist kein vollständiges Fasten, aber lange Essenspausen. Es wirkt entzündungshemmend und verbessert die Lungenfunktion ohne Muskelverlust.

Modifiziertes Fasten nach Buchinger, aber sanfter, mit Brühen, Gemüsewasser und Omega-3-Fetten, hilft, die Lunge gut zu versorgen. Kein radikales Hungern, sondern gezielte Entlastung. Darauf ist ja auch meine Heilfasten-Anleitung ausgelegt:

Ketogenes Fasten mit wenig Kohlenhydraten und mehr gesunden Fetten könnte den Blutzucker stabilisieren und das Immunsystem regulieren. Mehr zur ketogenen Ernährung:

Eine häufige Frage meiner Teilnehmer mit COPD: Kann ich mit COPD sechs Tage Vollfasten?

Meine Antwort: Es kommt darauf an. Wer stabil ist, sich gut fühlt und die Elektrolyte im Blick behält, kann drei bis fünf Tage fasten. Aber es sollte mit Bedacht und guter Begleitung geschehen.

Andere Erstfaster mit COPD: Reichen drei Tage, um in den Vollfastenmodus zu kommen?

Meine Antwort: Ja. Schon drei Tage können Autophagie aktivieren und Entzündungen reduzieren. Für viele COPD-Patienten ist das eine gute Alternative zu längeren Fastenperioden.

Mein Fazit nach 25 Jahren Erfahrung

Heilfasten kann eine große Chance für COPD-Patienten sein – aber es braucht eine individuelle Anpassung.

Fasten kann die Entzündung in den Bronchien senken, Schleim reduzieren und die Regeneration anregen.

Doch ein zu langes oder unkontrolliertes Fasten kann Muskelabbau und Elektrolytstörungen begünstigen.

Medikamente müssen während des Fastens gut abgestimmt werden.

Wenn Sie COPD haben und fasten möchten: Tun Sie es nicht allein. Lassen Sie sich begleiten – von einem erfahrenen Fastenleiter oder einem Arzt, der das Fasten versteht.

Denn eines ist sicher: Das Fasten ist ein uraltes Heilmittel – und für die Lunge könnte es ein sanfter, aber wirksamer Verbündeter sein.

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Beitragsbild: 123rf.com – subbotina

Dieser Beitrag wurde am 26.03.2025 erstellt.