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Bluthochdruck gehört zu den Erkrankungen, bei denen sich beim Heilfasten mitunter erstaunlich schnell etwas tut. Und mit „schnell“ meine ich tatsächlich nicht erst nach mehreren Wochen oder nachdem 15 Kilogramm Körpergewicht verschwunden sind.

Bei manchen Fastenden beginnen die Blutdruckwerte bereits während der ersten Tage zu fallen.

Das ist zunächst erfreulich. Es hat allerdings eine zweite Seite, über die viel zu selten gesprochen wird: Wer bereits Medikamente gegen Bluthochdruck einnimmt und zu fasten beginnt, kann plötzlich eine stärkere Blutdrucksenkung erleben als beabsichtigt.

Deshalb lautet die entscheidende Frage für mich nicht mehr nur:

Kann Heilfasten bei Bluthochdruck helfen?

Nach den heute verfügbaren Daten kann man diese Frage durchaus mit Ja beantworten.

Viel wichtiger ist:

Für wen ist Fasten sinnvoll, wie stark kann der Blutdruck sinken und was bedeutet das für eine bereits bestehende Blutdruckmedikation?

Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Was gilt überhaupt als Bluthochdruck?

Die klassische Definition der Hypertonie ist in Europa weiterhin ein wiederholt in der Praxis gemessener Blutdruck ab 140/90 mmHg.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2024 allerdings zusätzlich die Kategorie „erhöhter Blutdruck“ eingeführt. Darunter fallen Praxiswerte von systolisch 120 bis 139 mmHg oder diastolisch 70 bis 89 mmHg. Damit soll vor allem deutlich werden, dass das Herz-Kreislauf-Risiko nicht plötzlich bei 140/90 beginnt, sondern mit zunehmendem Blutdruck kontinuierlich ansteigt.

Eine einzelne Messung sagt allerdings wenig aus. Blutdruck schwankt. Aufregung, körperliche Belastung, Kaffee, Schmerzen, Schlafmangel und selbst die Messsituation können die Werte verändern.

Wer sich ausführlicher dafür interessiert, wie der Blutdruck überhaupt reguliert wird, findet dazu meinen Beitrag Wie die Blutdruckregulation funktioniert.

Und wenn es Ihnen nicht nur um das Fasten geht, sondern generell um naturheilkundliche Möglichkeiten bei erhöhten Blutdruckwerten, lesen Sie auch meinen ausführlichen Beitrag Bluthochdruck natürlich senken – Möglichkeiten der Naturheilkunde.

Was passiert mit dem Blutdruck beim Heilfasten?

Dass Übergewicht und Bluthochdruck häufig gemeinsam auftreten, ist nichts Neues. Ebenso wenig überrascht es, dass eine längerfristige Gewichtsabnahme den Blutdruck senken kann.

Beim Fasten geschieht allerdings noch etwas anderes. Der Blutdruck kann bereits fallen, bevor ein wesentlicher Fettabbau stattgefunden hat.

Das spricht dafür, dass mehrere Mechanismen gleichzeitig beteiligt sind.

Schematische Darstellung des systolischen und diastolischen Blutdrucks während des Heilfastens

Blutdruck beim Heilfasten: Schematische Darstellung der möglichen Entwicklung von systolischem und diastolischem Blutdruck während einer Fastenkur. Wie stark die Werte sinken, hängt unter anderem vom Ausgangsblutdruck ab.

Der Körper scheidet zunächst Natrium und Wasser aus

Während der ersten Fastentage verändert sich die Regulation von Wasser und Elektrolyten. Typisch ist eine verstärkte Natriumausscheidung über die Nieren. Dieses Phänomen wird als Fastennatriurese bezeichnet.

Mit Natrium geht Wasser verloren. Das zirkulierende Blutvolumen kann dadurch abnehmen und damit auch der Blutdruck.

Das erklärt zugleich, weshalb ich wenig davon halte, während des Fastens irgendwelche starren Trink- oder Salzregeln für jeden Menschen gleichermaßen aufzustellen. Ein übergewichtiger Patient mit salzsensitivem Bluthochdruck und ein schlanker Mensch mit einem Blutdruck von 100/60 mmHg haben schlicht nicht dieselbe Ausgangslage.

Auch bei der klassischen Fastensuppe spielt das eine Rolle. Wie ich diese zubereite und weshalb ich normalerweise auf zusätzliches Salz verzichte, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastensuppe beim Heilfasten: Rezept und praktische Hinweise.

Der Insulinspiegel sinkt

Während des Fastens sinkt die Insulinausschüttung erheblich. Das ist nicht nur für den Zuckerstoffwechsel und die Fettverbrennung interessant.

Insulin beeinflusst auch die Natriumrückresorption in den Nieren. Sinkt Insulin, kann vermehrt Natrium ausgeschieden werden. Gleichzeitig kann sich bei Menschen mit Übergewicht und Insulinresistenz die Insulinempfindlichkeit verbessern.

Bluthochdruck, Bauchfett, erhöhte Insulinwerte, Fettleber und Typ-2-Diabetes treten nicht zufällig häufig gemeinsam auf. Wir haben es oftmals mit verschiedenen Erscheinungsformen derselben Stoffwechselentgleisung zu tun.

Gerade bei dieser Konstellation halte ich Heilfasten für besonders interessant. Zum Zusammenhang mit dem Zuckerstoffwechsel finden Sie ergänzend meinen Beitrag Heilfasten bei Diabetes. Und weshalb insbesondere das Bauchfett metabolisch problematisch ist, erläutere ich hier: Bauchfett wirkt wie ein Organ.

Auch das vegetative Nervensystem reagiert auf längeres Fasten

Früher wurde häufig recht pauschal behauptet, Fasten dämpfe einfach den Sympathikus, also jenen Teil unseres vegetativen Nervensystems, der unter anderem Herzfrequenz und Kreislauf beeinflusst.

So einfach ist es offenbar nicht.

Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung aus der GENESIS-Studie beobachtete 16 Teilnehmer während eines zwölftägigen Buchinger-Fastens. In den ersten Fastentagen zeigte sich zunächst eine vorübergehende Zunahme sympathischer Aktivität. Im weiteren Verlauf nahm dagegen die parasympathische Aktivität zu und die sympathische Aktivität ab.

Auch der systolische Blutdruck sank in dieser kleinen Gruppe im Mittel um knapp 7 mmHg.

Das ist interessant, aber man sollte aus 16 Teilnehmern keine allgemeingültige Theorie ableiten. Die Studie liefert vielmehr einen Hinweis darauf, dass sich das vegetative Nervensystem während längeren Fastens dynamisch verändert und nicht einfach vom ersten Fastentag an auf „Entspannung“ schaltet.

Die interessanteste Studie zum Heilfasten und Blutdruck

Besonders aufschlussreich ist eine Untersuchung mit 1.610 Fastenden, deren Ergebnisse 2020 im Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurden.

Die Teilnehmer fasteten zwischen vier und 41 Tagen nach einem Buchinger-ähnlichen Konzept. Die durchschnittliche Fastendauer betrug zehn Tage, die tägliche Energiezufuhr ungefähr 250 Kilokalorien.

Unter den Teilnehmern waren:

  • 920 Menschen mit normalem Blutdruck,
  • 313 Menschen mit Hypertonie ohne Blutdruckmedikamente und
  • 377 Menschen mit Hypertonie unter medikamentöser Behandlung.

Über alle Teilnehmer hinweg sank der Blutdruck durchschnittlich von etwa 126/81 auf 120/78 mmHg.

Das klingt zunächst gar nicht spektakulär.

Der Durchschnitt verschleiert allerdings den wichtigsten Befund:

Je höher der Blutdruck zu Beginn des Fastens war, desto ausgeprägter fiel die Blutdrucksenkung aus.

Bei den nicht medikamentös behandelten Hypertonikern mit Ausgangswerten über 140/90 mmHg sank der Blutdruck durchschnittlich um:

16,7 mmHg systolisch und 8,8 mmHg diastolisch.

Bei den 76 Teilnehmern mit Ausgangswerten über 160/100 mmHg waren es sogar:

24,7 mmHg systolisch und 13,1 mmHg diastolisch.

Das ist eine Größenordnung, die man nicht mehr als belanglose Schwankung abtun kann. Bei den Teilnehmern mit normalen Blutdruckwerten sank der Blutdruck dagegen lediglich um ungefähr 3/2 mmHg.

Noch interessanter finde ich eine kleine Untergruppe von 69 Frauen, die bereits vor dem Fasten Werte unter 100/60 mmHg hatten. Bei ihnen stieg der Blutdruck im Durchschnitt sogar leicht an.

Das könnte darauf hindeuten, dass Fasten den Blutdruck nicht einfach bei jedem Menschen möglichst weit nach unten drückt.

Man muss allerdings die Grenzen der Untersuchung klar benennen: Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie ohne randomisierte Kontrollgruppe. Die Teilnehmer befanden sich zudem in einem strukturierten und betreuten Fastenprogramm.

Wir können daraus also nicht ableiten, dass jeder Mensch mit Bluthochdruck nach zehn Fastentagen seinen systolischen Wert um 20 oder 25 mmHg senkt. Die Größenordnung der beobachteten Veränderungen ist dennoch bemerkenswert.

Genau solche Zusammenhänge sind beim Heilfasten wichtig: Nicht nur „nichts essen“, sondern verstehen, was sich mit Blutdruck, Kreislauf, Stoffwechsel und Medikamenten während der Fastentage verändert. Wenn Sie sich mit Heilfasten beschäftigen oder selbst eine Fastenkur planen, können Sie sich hier kostenlos zu meinem Heilfasten-Newsletter eintragen. Dort bekommen Sie regelmäßig praktische Hinweise aus meiner Fastenarbeit und Naturheilpraxis:

 

Besonders wichtig: Fasten bei Einnahme von Blutdrucktabletten

Jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich für wesentlich wichtiger halte als manche Diskussion über den exakten Fastenmechanismus.

Von den 1.610 untersuchten Personen nahmen 377 Blutdruckmedikamente ein.

Auch bei ihnen sank der Blutdruck während des Fastens weiter: durchschnittlich von etwa 135/86 auf 127/81 mmHg.

Gleichzeitig wurde unter medizinischer Betreuung bei 23,6 Prozent die blutdrucksenkende Medikation abgesetzt und bei weiteren 43,5 Prozent reduziert.

Bitte verstehen Sie diese Zahlen nicht als Aufforderung, beim nächsten Fasten die Tabletten in die Schublade zu legen.

Das Gegenteil ist der Fall.

Diese Zahlen zeigen, weshalb Menschen mit medikamentös behandeltem Bluthochdruck während einer Fastenkur genauer hinsehen müssen.

Die Wirkung der Medikamente besteht weiter, während das Fasten gleichzeitig den Blutdruck senken kann. Hinzu kommen Veränderungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts.

Eine Dosierung, die unter normaler Ernährung passend war, kann während einer Fastenkur plötzlich zu stark sein.

Typische Warnzeichen können beispielsweise sein:

  • ungewöhnlicher Schwindel,
  • Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen,
  • ausgeprägte Schwäche,
  • Beinahe-Ohnmacht oder Ohnmacht,
  • auffallend niedrige Blutdruckwerte.

Gerade bei Diuretika kommt hinzu, dass diese ebenfalls Wasser und Elektrolyte beeinflussen.

Wichtig: Blutdruckmedikamente sollten beim Heilfasten nicht eigenmächtig reduziert oder abgesetzt werden. Wer behandelt wird, sollte vor Beginn klären, wie der Blutdruck kontrolliert wird und was bei deutlich sinkenden Werten mit der Medikation geschehen soll.

Dieser Punkt ist übrigens nicht nur bei Bluthochdruck relevant. Auch Diabetesmedikamente, Insulin und entwässernde Medikamente können während einer Fastenkur Anpassungen erforderlich machen. Deshalb habe ich das Thema inzwischen auch ausführlicher in meine Heilfasten-Anleitung aufgenommen.

Was sagen Meta-Analysen?

Bei der Bewertung der Studien muss man genau hinschauen. Unter dem Begriff „Fasting“ werden sehr unterschiedliche Verfahren zusammengefasst: intermittierendes Fasten, Alternate-Day-Fasting, Kalorienrestriktion, mehrtägiges Fasten und Buchinger-Fasten sind physiologisch keineswegs identisch.

Entsprechend unterschiedlich fallen die Ergebnisse aus.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 wertete 23 Untersuchungen mit insgesamt 1.397 Teilnehmern aus. Über alle Fasten- und Kalorienrestriktionsverfahren hinweg sank der systolische Blutdruck durchschnittlich um etwa 1,9 mmHg und der diastolische um etwa 1,3 mmHg.

In den eigentlichen Fasten-Untergruppen fiel die systolische Blutdrucksenkung mit gut 3 mmHg stärker aus.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit zum intermittierenden Fasten bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas umfasste 15 Studien mit 929 Teilnehmern. Im Vergleich zu Kontrollgruppen sank der systolische Blutdruck durchschnittlich um 4,43 mmHg, der diastolische um 2,0 mmHg.

Besonders deutlich waren die Effekte bei Menschen mit Adipositas, bei Teilnehmern ab 45 Jahren sowie bei bereits erhöhtem Blutdruck.

Das widerspricht der großen Buchinger-Beobachtungsstudie nicht. Es zeigt vielmehr, warum man genau sagen muss, welche Fastenmethode und welche Patientengruppe untersucht wurden.

Bedeutet das: Fasten statt Blutdrucktabletten?

Nein. Eine solche Schlussfolgerung wäre zu simpel. Bluthochdruck ist kein einzelner Messwert, der losgelöst vom restlichen Menschen behandelt werden sollte. Entscheidend ist das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko.

Dazu gehören unter anderem Alter, Nierenfunktion, Diabetes, Gefäßkrankheiten, Rauchen, bereits vorhandene Organschäden und weitere Risikofaktoren.

Medikamente können bei entsprechendem Risiko notwendig sein und schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern.

Aber ebenso falsch wäre es, Lebensstilmaßnahmen nur als freundliche Beigabe zu betrachten. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie empfiehlt ausdrücklich:

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
  • regelmäßige körperliche Aktivität,
  • eine geeignete Ernährungsweise und
  • bei Hypertonie weniger als 6 Gramm Kochsalz pro Tag.

Gerade die Salzreduktion wird dort aufgrund der Datenlage ausdrücklich stark empfohlen.

Fasten ist zwar keine Standardtherapie dieser Leitlinie. Es setzt aber gleichzeitig an mehreren Faktoren an, die bei vielen Hypertonikern eine Rolle spielen: Körpergewicht, Insulinresistenz, Ernährung, Natriumhaushalt und Essgewohnheiten.

Fasten ist für mich kein Ersatz, sondern ein therapeutischer Neustart

Das eigentliche Potential des Heilfastens sehe ich nicht darin, zehn Tage nichts zu essen und anschließend genauso weiterzumachen wie vorher.

Dann steigt häufig nicht nur das Gewicht wieder. Auch der Blutdruck bewegt sich irgendwann zurück in seine alte Richtung.

Deshalb sage ich seit Jahren: Das Fasten ist nicht das Ziel. Es ist der Einstieg.

Während einer Fastenkur verschwinden plötzlich zahlreiche Dinge aus dem Alltag, die vorher selbstverständlich waren: Alkohol, Fertigprodukte, ständiges Naschen, große Mahlzeiten und ein erheblicher Teil der täglichen Salzmenge.

Gleichzeitig verändert sich häufig das Geschmacksempfinden. Viele Fastende stellen nach einigen Tagen fest, wie überwürzt oder übersüßt Lebensmittel tatsächlich sind.

Genau deshalb sind auch die Tage nach dem Fasten so wichtig. Wer nach dem letzten Fastentag sofort wieder in seine alte Ernährung zurückkehrt, verschenkt einen erheblichen Teil dessen, was eine Fastenkur leisten kann.

Wie die Rückkehr zur normalen Ernährung sinnvoll gelingt, beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastenbrechen und Aufbautage nach dem Heilfasten.

Bluthochdruck ist für mich ein gutes Beispiel dafür, warum ich chronische Beschwerden ungern auf einen einzelnen Labor- oder Messwert reduziere. Ernährung, Bewegung, Stoffwechsel, Medikamente, Schlaf und Stress greifen ineinander. Wenn Sie solche Zusammenhänge interessieren und Sie regelmäßig meine Einschätzungen aus Naturheilkunde und Medizin lesen möchten, können Sie sich hier kostenlos in meinen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ eintragen:

 

Wie würde ich bei Bluthochdruck praktisch vorgehen?

Wer wegen erhöhter Blutdruckwerte fasten möchte, sollte meiner Ansicht nach nicht an Tag eins einfach die Nahrung weglassen und anschließend schauen, was passiert. Ich würde zunächst einige Tage vor Beginn morgens und abends unter vergleichbaren Bedingungen den Blutdruck messen und die Werte notieren.

Damit bekommt man überhaupt erst eine vernünftige Ausgangsbasis. Bei bereits behandelter Hypertonie sollte außerdem vorher geklärt sein, wie mit den Medikamenten verfahren wird, falls die Werte deutlich sinken.

Während des Fastens würde ich den Blutdruck täglich kontrollieren. Bei Menschen unter Blutdruckmedikamenten halte ich zumindest in den ersten Fastentagen eine Messung morgens und abends für sinnvoll.

Treten Schwindel oder Kreislaufprobleme auf, ist zusätzlich interessant, was beim Lagewechsel passiert. Wer im Sitzen 125/75 mmHg misst, aber nach dem Aufstehen beinahe umkippt, hat offensichtlich trotzdem ein Kreislaufproblem.

Besonders aufmerksam wäre ich bei:

  • höherem Lebensalter und Gebrechlichkeit,
  • Nierenerkrankungen,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • mehreren gleichzeitig eingesetzten Blutdruckmitteln,
  • Diuretika,
  • Diabetesmedikamenten,
  • bereits niedrigem Ausgangsblutdruck.

Wer genauer wissen möchte, welche Kontrollen beim Fasten sinnvoll sein können, findet dazu meinen Beitrag Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind.

Und einen vollständigen Ablauf von Vorbereitung über Fastentage bis Aufbaukost finden Sie in meinem Heilfasten-Plan Schritt für Schritt.

Wann sollte man mit hohem Blutdruck nicht einfach auf eigene Faust fasten?

Sehr hohe Blutdruckwerte sind kein Anlass für ein Fastenexperiment nach dem Motto: „Dann esse ich jetzt drei Tage nichts und schaue, ob es besser wird.“

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen hohen Messwerten ohne akute Beschwerden und einem hypertensiven Notfall.

Treten bei massiv erhöhtem Blutdruck gleichzeitig Symptome auf wie:

  • Brustschmerzen,
  • ausgeprägte Atemnot,
  • Lähmungen oder andere neurologische Ausfälle,
  • Sprach- oder Sehstörungen,
  • Krampfanfälle,
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen,

dann gehört der Betroffene nicht an den Fastentisch, sondern unverzüglich medizinisch abgeklärt.

Auch instabile Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Nierenfunktionsstörungen und bestimmte weitere Erkrankungen sprechen gegen einen Fastenversuch in Eigenregie.

Eine ausführlichere Übersicht dazu finden Sie in meinem Beitrag Fasten bei Krankheiten: Wann Heilfasten sinnvoll sein kann und wann nicht.

Und was ist mit niedrigem Blutdruck während des Fastens?

Das ist gewissermaßen die andere Seite des Themas. Gerade schlanke Menschen mit ohnehin niedrigen Blutdruckwerten können während des Fastens Kreislaufbeschwerden entwickeln. Flüssigkeitsverschiebungen, Natriumausscheidung und die Stoffwechselumstellung können dazu beitragen.

Deshalb gilt beim Blutdruck keineswegs: je niedriger, desto besser. Wenn jemand beim Aufstehen regelmäßig Schwarz vor Augen wird, sich kaum auf den Beinen halten kann oder beinahe ohnmächtig wird, sollte man dies nicht stolz als „Entgiftungsreaktion“ verbuchen.

Dann sollte man kontrollieren, was tatsächlich los ist. Genau deshalb gehört ein Blutdruckmessgerät bei Menschen mit bekannten Kreislaufproblemen für mich zu den sinnvollen Dingen, die man für eine Fastenkur bereithalten kann.

Meine Erfahrung aus der Praxis

Was mich an den neueren Untersuchungen besonders interessiert: Vieles davon passt ziemlich gut zu dem, was ich über viele Jahre bei Fastenden beobachtet habe. Vor allem bei übergewichtigen Patienten mit erhöhtem Blutdruck und weiteren Zeichen eines metabolischen Syndroms können sich die Werte innerhalb erstaunlich kurzer Zeit verändern.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich jedem Bluthochdruckpatienten einfach drei Wochen Fasten verordnen würde. Je höher das Ausgangsrisiko und je umfangreicher die Medikation, desto wichtiger ist die Begleitung.

Und ich würde heute noch deutlicher zwischen zwei Fragen unterscheiden: Was passiert während des Fastens?

und: Was ist drei oder sechs Monate später noch davon übrig?

Für die erste Frage haben wir inzwischen recht gute Hinweise: Bei erhöhtem Blutdruck können mehrtägige Fastenprogramme die Werte deutlich senken.

Die zweite Frage ist komplizierter. Sie hängt wesentlich davon ab, was anschließend geschieht.

Wer nach dem Fasten zu genau jener Ernährung, jenem Bewegungsmangel, dem Alkohol, dem Übergewicht und dem Stressniveau zurückkehrt, die möglicherweise an der Entstehung seines Bluthochdrucks beteiligt waren, sollte keine Wunder erwarten.

Wer dagegen die Fastenkur als Zäsur nutzt, kann aus wenigen Tagen einen langfristigen Nutzen machen.

Mein Fazit

Heilfasten ist bei Bluthochdruck wesentlich interessanter, als es noch vor einigen Jahren aufgrund der damaligen Studienlage erschien. Ich könnte jetzt einfach schreiben, dass mir diese spätestens seit Anfang der 2000er Jahre klar wurde, nachdem ich die ersten Patienten beim Heilfasten begleitete und auch  durch die Erfahrung mit Fastengruppen.

Besonders bei Übergewicht, Insulinresistenz und metabolischem Syndrom können sich die Blutdruckwerte bereits innerhalb weniger Tage deutlich verändern. Die bisher größte Untersuchung mit 1.610 Fastenden zeigt dabei einen ausgesprochen interessanten Zusammenhang:

Je höher der Ausgangsblutdruck war, desto stärker fiel im Durchschnitt die Blutdrucksenkung aus. Bei nicht medikamentös behandelten Teilnehmern mit Werten über 160/100 mmHg betrug die durchschnittliche Senkung fast 25/13 mmHg.

Das ist beachtlich. Es macht Heilfasten dennoch nicht automatisch zu einem Ersatz für Blutdruckmedikamente. Gerade bei bereits medikamentös behandelten Menschen ist die mögliche rasche Blutdrucksenkung ein Grund, genauer hinzusehen. Eine Dosierung, die vor der Fastenkur richtig war, kann während des Fastens plötzlich zu stark wirken.

Für mich liegt der besondere Wert des Heilfastens deshalb an anderer Stelle: Es kann innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Stoffwechselprozesse verändern und gleichzeitig eine Unterbrechung jener Gewohnheiten schaffen, die über Jahre zum Problem beigetragen haben.

Entscheidend wird dann, was man daraus macht. Eine Fastenkur dauert einige Tage. Die eigentliche Therapie beginnt häufig erst danach.

Studien und Quellen

  1. Grundler F, Mesnage R, Michalsen A, Wilhelmi de Toledo F.: Blood Pressure Changes in 1610 Subjects With and Without Antihypertensive Medication During Long-Term Fasting. J Am Heart Assoc. 2020;9:e018649. PubMed
  2. Guo Y, Lu L, Chen L et al.: Effectiveness and safety of intermittent fasting on blood pressure in adults with overweight or obesity: a systematic review. Int J Obes. 2025;49:1240–1251. PubMed
  3. Kord-Varkaneh H et al.:  The Influence of Fasting and Energy Restricting Diets on Blood Pressure in Humans: A Systematic Review and Meta-Analysis. High Blood Press Cardiovasc Prev. 2020;27:271–280. PubMed
  4. Mesnage R, Holley A, Grundler F et al.: Long-term fasting-induced parasympathetic and sympathetic autonomic nervous system modulation in a subgroup of the GENESIS study. Int J Obes. 2025;49:2125–2128. PubMed
  5. European Society of Cardiology. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal
  6. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0., NVL Hypertonie

Die Breuss-Kur gehört zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Fastenkuren überhaupt. Rudolf Breuss empfahl Menschen mit Krebs, 42 Tage lang auf feste Nahrung zu verzichten und lediglich bestimmte Gemüsesäfte und Kräutertees zu sich zu nehmen.

Die Erklärung von Breuss: der Tumor sollte gewissermaßen ausgehungert werden, während der übrige Organismus von den Säften weiterleben könne. gut: Breuss wurde 1899 geboren. Die Wissenschaft wusste vor 50 Jahren nicht allzuviel vom Krebsgeschehen — die Frage ist ob sie heute mehr weiß… Gut – anderes Thema.

Jedenfalls war Breuss Vorstellung davon, dass eine Krebszelle von „fester Nahrung“ lebe, biologisch natürlich nicht korrekt. Die wesentlich interessantere Frage lautet aber: Kann eine drastische Veränderung der Nährstoffzufuhr den Stoffwechsel von Tumorzellen und das Tumormilieu beeinflussen?

Und da lautet die Antwort inzwischen eindeutig: Ja, das kann sie.

Ob daraus wiederum folgt, dass die Breuss-Kur Krebs behandeln oder sogar heilen kann, ist eine völlig andere Frage. Hier ist die Datenlage sehr viel dünner.

Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Wer war Rudolf Breuss?

Rudolf Breuss wurde 1899 in Österreich geboren und starb 1990. Bekannt wurde der Naturheilkundige vor allem durch seine Massage und die später als „Krebskur total“ bezeichnete Saftfastenkur.

1978 veröffentlichte er sein Buch über Krebs, Leukämie und andere schwere Erkrankungen. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erreichte eine enorme Verbreitung.

Breuss selbst berichtete von Tausenden Menschen, die nach seiner Methode erfolgreich behandelt worden seien. Später war sogar von Zehntausenden Fällen die Rede. Als Grundlage dienten vor allem Briefe und Rückmeldungen ehemaliger Patienten.

Solche Angaben sind historisch interessant, aber natürlich keine klinische Statistik. Wir wissen bei diesen Fällen meist nicht zuverlässig, wie die Diagnose gestellt wurde, welches Tumorstadium bestand, welche Behandlungen vorher oder gleichzeitig durchgeführt worden waren und wie lange die Patienten anschließend beobachtet wurden.

Wie funktioniert die Breuss-Kur?

Das Kernstück ist ein 42-tägiges Saftfasten. Während dieser Zeit wird keine feste Nahrung aufgenommen. Breuss erlaubte lediglich eine begrenzte Menge Gemüsesaft und verschiedene Kräutertees.

Der klassische Saft besteht unter anderem aus Roter Bete, Karotten, Sellerie und Rettich. Die tägliche Saftmenge sollte nach Breuss 500 Milliliter nicht überschreiten. Hinzu kamen verschiedene Tees, beispielsweise aus Salbei und anderen Heilpflanzen. Abhängig von der Erkrankung gab Breuss zusätzliche Empfehlungen. Für Prostata- und Hodenerkrankungen spielte bei ihm beispielsweise das kleinblütige Weidenröschen eine besondere Rolle.

Wer die Breuss-Kur mit dem üblichen Heilfasten vergleicht, sollte allerdings einen wesentlichen Unterschied berücksichtigen: 42 Tage sind eine völlig andere Größenordnung als eine klassische Fastenwoche.

Beim Heilfasten, wie ich es seit vielen Jahren praktiziere und begleite, stehen meist einige Entlastungstage, fünf bis sieben eigentliche Fastentage und anschließend die Aufbautage im Mittelpunkt. Eine sechswöchige Phase mit extrem geringer Energie- und Eiweißzufuhr stellt erheblich andere Anforderungen an den Organismus.

Breuss wollte den Tumor „aushungern“

Breuss ging davon aus, dass Tumorgewebe insbesondere auf Eiweiß und feste Nahrung angewiesen sei. Entziehe man diese Nahrung lange genug, beginne der Organismus gewissermaßen, den Tumor abzubauen. Er sprach sinngemäß von einer „Operation ohne Messer“. Die Vorstellung, eine Krebszelle könne feste Nahrung von flüssiger Nahrung unterscheiden, ist biologisch nicht haltbar. Nahrung wird schließlich im Verdauungstrakt zerlegt. An der einzelnen Zelle kommen Glukose, Aminosäuren, Fettsäuren und andere Stoffwechselprodukte an – keine Karotte und kein Schnitzel.

An dieser Stelle könnte man Breuss also leicht als widerlegt betrachten.

Nur ist damit die interessantere Frage noch gar nicht beantwortet.

Denn eine Krebszelle reagiert sehr wohl darauf, welche Nährstoffe verfügbar sind und welche hormonellen und metabolischen Signale im Organismus herrschen.

Kann man Krebs tatsächlich „aushungern“?

Der Ausdruck ist problematisch, weil er etwas sehr Einfaches suggeriert, wo die Biologie ausgesprochen kompliziert ist. Tumorzellen besitzen einen veränderten Stoffwechsel. Viele Krebszellen nehmen große Mengen Glukose auf. Andere sind besonders von bestimmten Aminosäuren, Fettsäuren oder Wachstumsfaktoren abhängig. Und vor allem: Tumor ist nicht gleich Tumor.

Fasten verändert gleichzeitig eine ganze Reihe von Stoffwechselwegen.

  • Blutzucker und Insulin sinken.
  • Auch der Wachstumsfaktor IGF-1 kann zurückgehen.
  • Die Bildung von Ketonkörpern steigt.
  • Nährstoffabhängige Signalwege wie mTOR werden verändert.
  • AMPK als Sensor des zellulären Energiestatus wird aktiviert.
  • Autophagie und andere zelluläre Recyclingprozesse verändern sich.
  • Auch Immunreaktionen und Entzündungssignale werden beeinflusst.

Was bei dieser Stoffwechselumschaltung im Einzelnen geschieht, beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag Fasten und Fastenphysiologie – was passiert beim Fasten eigentlich?

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Autophagie als zellulärer Recycling- und Reinigungsprozess. Gerade beim Thema Krebs ist sie allerdings komplex: Je nach Tumorart und Krankheitsstadium kann Autophagie sowohl tumorsuppressive als auch tumorschützende Funktionen besitzen.

Was moderne Fastenforschung mit Breuss zu tun hat

In den vergangenen Jahren ist eine ganze Forschungsrichtung entstanden, die untersucht, wie Nahrungsentzug oder eine sogenannte Fasting-Mimicking-Diet nach Valter Longo auf Tumorzellen und Krebstherapien wirken können.

Besonders intensiv untersucht werden Veränderungen von Glukose, Insulin, IGF-1, Aminosäureverfügbarkeit und verschiedenen Wachstumssignalwegen.

In Tiermodellen zeigen sich zum Teil deutliche antitumorale Effekte. Besonders interessant erscheinen Kombinationen mit etablierten Krebstherapien. Bei Menschen gibt es inzwischen erste klinische Studien mit metabolischen und immunologischen Veränderungen. Einen allgemeinen Nachweis, dass Fasten allein eine Krebserkrankung behandeln kann, liefern diese Studien jedoch nicht.

Ich habe zu diesem Themenkomplex bereits mehrfach geschrieben, unter anderem über Fasten bei Krebs und über die interessante Kombination von Fasten beziehungsweise Fasting-Mimicking-Diet und Vitamin C in der Krebsforschung.

Damit befinden wir uns jedoch in einer wesentlich interessanteren Situation als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Breuss Erklärung des Geschehens war falsch. Seine Beobachtung, dass ein massiver Nahrungsentzug den Stoffwechsel einer Tumorerkrankung beeinflussen könnte, erscheint aus heutiger Sicht dagegen keineswegs mehr so abwegig.

Und genau das ist einer der Gründe, weshalb ich beim Fasten immer wieder auf die Physiologie zurückkomme. Es geht eben nicht nur darum, einige Tage „nichts zu essen“. Insulin, Ketonkörper, Autophagie, Entzündungsprozesse und zahlreiche Regulationsmechanismen verändern sich dabei gleichzeitig. Wenn Sie solche Zusammenhänge interessieren und Sie meine Erfahrungen aus vielen Jahren Heilfasten-Praxis regelmäßig erhalten möchten, dann tragen Sie sich hier in meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter ein:

 

 

Was geschieht mit gesunden und kranken Zellen beim Fasten?

Ein besonders interessanter Forschungsansatz stammt unter anderem aus den Arbeiten um Valter Longo. Gesunde Zellen reagieren auf Nährstoffmangel, indem sie Wachstum und Zellteilung zurückfahren und verstärkt in Erhaltungs- und Reparaturprogramme wechseln. Biologisch ist das durchaus sinnvoll: Schlechte Zeiten sind kein günstiger Moment für Wachstum.

Tumorzellen haben dagegen häufig genau jene Signalwege verändert, mit denen eine normale Zelle auf solche Umweltbedingungen reagiert. Sie versuchen weiterzuwachsen. Daraus entstanden die Konzepte der sogenannten differential stress resistance und differential stress sensitization. Vereinfacht gesagt lautet die Hypothese:

Fasten könnte gesunde Zellen gegenüber bestimmten Belastungen widerstandsfähiger machen, während Tumorzellen gleichzeitig empfindlicher werden.

In einer klinischen Untersuchung mit 101 Krebspatienten wurde eine zyklische fünftägige Fasting-Mimicking-Diet zusammen mit einer Standard-Krebstherapie untersucht. Dabei zeigten sich deutliche Veränderungen von Blutzucker, Wachstumsfaktoren und verschiedenen Immunzellpopulationen.

Die Autoren sahen darin eine Grundlage für weitere Phase-II- und Phase-III-Studien. Ein Nachweis, dass die Patienten allein aufgrund dieser Ernährungsintervention länger lebten oder ihre Tumoren verschwanden, war die Untersuchung ausdrücklich nicht.

Gibt es überhaupt eine Untersuchung zur Breuss-Kur?

Ja. Und erstaunlicherweise wird sie in vielen Darstellungen zur Breuss-Kur gar nicht erwähnt. 1984 veröffentlichten Douwes und Mitarbeiter eine kleine Untersuchung mit acht Patienten mit fortgeschrittenen metastasierten Tumorerkrankungen. Eine Kontrollgruppe gab es nicht.

Die Autoren berichteten über:

  • zwei komplette Remissionen,
  • zwei partielle Remissionen,
  • ein besseres Allgemeinbefinden bei mehreren Patienten und
  • weniger Schmerzen als erwartet.

Ein Patient starb während der Untersuchung, zwei weitere kurz nach deren Abschluss. Gleichzeitig wurden erhebliche Gewichtsverluste zwischen etwa 9 und 16 Kilogramm beobachtet.

Die Untersuchung wird auch in der aktuellen Darstellung zur Breuss-Diät bei Onkopedia erwähnt.

Was lässt sich daraus schließen?

Zunächst wenig.

Acht Patienten ohne Kontrollgruppe ergeben keinen Wirksamkeitsnachweis. Bei verschiedenen Tumorerkrankungen, unterschiedlichen Vorbehandlungen und einer derart kleinen Gruppe kann man aus den beobachteten Remissionen nicht ableiten, dass die Breuss-Kur dafür verantwortlich war.

Aber auch die häufig anzutreffende Behauptung, die Breuss-Kur sei niemals untersucht worden, stimmt so nicht. Es gab diese kleine klinische Beobachtung. Ihre Ergebnisse waren zumindest interessant genug, um weitere Untersuchungen zu rechtfertigen. Die kamen allerdings nicht. Und das ist für mich einer der bemerkenswertesten Punkte an der ganzen Geschichte.

Was sagt die aktuelle Krebsleitlinie?

Seit 2026 liegt eine aktualisierte deutsche S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Onkologie vor. Darin wird die Breuss-Diät ausdrücklich behandelt.

Die Leitliniengruppe kommt zu dem Ergebnis, dass keine ausreichend belastbaren Untersuchungen vorliegen, mit denen nachgewiesen werden könnte, dass die Breuss-Diät beim Menschen Tumorwachstum oder Metastasierung zurückdrängt oder die Wirksamkeit einer Krebstherapie verbessert. Entsprechend wird sie nicht empfohlen.

Interessant ist allerdings ein kleines Detail: Die Leitlinie spricht davon, dass bei ihrer systematischen Recherche keine verwertbaren klinischen Studien gefunden wurden. Onkopedia führt dagegen die ältere unkontrollierte Untersuchung von Douwes mit acht Patienten auf.

Das ist kein wirklich großer Widerspruch. Die Douwes-Arbeit erfüllt schlicht nicht die Anforderungen, die wir heute an einen klinischen Wirksamkeitsnachweis stellen.

Die korrekte Aussage lautet deshalb meines Erachtens: Es gibt eine kleine historische klinische Beobachtung mit interessanten Ergebnissen. Einen kontrollierten Nachweis für die Wirksamkeit der Breuss-Kur gibt es nicht.

Warum mich gerade die Berichte bei Prostatakrebs interessieren

Bei der Beschäftigung mit der Breuss-Kur stoße ich seit vielen Jahren immer wieder auf Berichte von Männern mit Prostatakarzinom. Einen solchen Fall habe ich bereits ausführlicher unter Prostatakrebs und Breuss-Kur beschrieben.

Bei diesem Leser war ein Prostatakarzinom diagnostiziert worden. Nach seiner Schilderung war eine Operation nicht mehr möglich. Er erhielt unter anderem eine Hormontherapie und entschied sich später für die 42-tägige Breuss-Kur. Jahre danach berichtete er mir, seine Blutwerte lägen weiterhin im Normbereich.

Ich kann einen solchen Fall aus der Ferne selbstverständlich nicht nachträglich klinisch bewerten. Dazu müsste man unter anderem Histologie, Tumorstadium, Bildgebung, sämtliche PSA-Werte und den Einfluss der vorausgegangenen Hormonbehandlung kennen. Aber der Verlauf ist bemerkenswert.

Solche Berichte sind für mich kein Beweis für die Breuss-Kur. Sie sind aber sehr wohl ein Grund, eine Frage nicht vorschnell für erledigt zu erklären.

Und gerade beim Prostatakarzinom wird diese Frage inzwischen wissenschaftlich ausgesprochen interessant.

Fasten und Prostatakrebs? Sehr interessant!

Das Wachstum vieler Prostatakarzinome wird wesentlich über den Androgenrezeptor gesteuert. Genau deshalb gehören Behandlungen, welche die Wirkung männlicher Geschlechtshormone beziehungsweise die Androgenrezeptor-Signalgebung vermindern, zu den zentralen Verfahren bei fortgeschrittenem Prostatakrebs.

2025 erschien in der Fachzeitschrift Cancer Research eine bemerkenswerte experimentelle Untersuchung. Die Forscher untersuchten eine Kalorienrestriktion durch Alternate-Day-Fasting – also Fasten an wechselnden Tagen – in verschiedenen Prostatakrebsmodellen. Dabei wurde die Bildung beziehungsweise Signalwirkung des Androgenrezeptors vermindert. Gleichzeitig verstärkte das Fasten die antitumorale Wirkung des Androgenrezeptorblockers Enzalutamid.

Besonders interessant war der vorgeschlagene Mechanismus: Der Nährstoffmangel und insbesondere die eingeschränkte Verfügbarkeit von Aminosäuren störten die Herstellung des Androgenrezeptor-Proteins innerhalb der Tumorzelle. Die Arbeit kann bei PubMed nachgelesen werden.

Ich betone ausdrücklich: Das waren überwiegend präklinische Modelle. Das war keine Breuss-Kur an Männern mit Prostatakrebs.

Breuss stellte vor Jahrzehnten ausgerechnet die Einschränkung der Nahrungs- und Eiweißzufuhr in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Heute findet man beim Prostatakarzinom einen Mechanismus, bei dem Nährstoff- und Aminosäuremangel tatsächlich die Androgenrezeptor-Signalgebung beeinflussen kann.

2026 erschien dazu sogar eine systematische Übersichtsarbeit

Im Jahr 2026 erschien eine systematische Übersichtsarbeit speziell zum Zusammenhang zwischen intermittierendem Fasten, Stoffwechsel und Androgenrezeptor-Signalwegen beim Prostatakarzinom. Die Autoren diskutieren unter anderem:

  • Insulin und IGF-1,
  • AMPK und mTOR,
  • den Fettstoffwechsel,
  • mitochondriale Funktionen,
  • oxidativen Stress und
  • verschiedene Formen des Androgenrezeptors.

Die präklinischen Daten sprechen dafür, dass Fasten die Androgenrezeptor-Aktivität beeinflussen und möglicherweise die Wirkung antihormoneller Behandlungen verändern kann. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass klinische Daten noch nicht ausreichen, um daraus eine etablierte therapeutische Strategie abzuleiten. Die Arbeit finden Sie ebenfalls bei PubMed.

Was zeigen Untersuchungen mit Prostatakrebspatienten?

Auch hierzu gibt es inzwischen erste Daten am Menschen. In einer prospektiven Pilotstudie wurden 35 Männer mit Prostatakrebs aufgenommen. 29 absolvierten drei monatliche Zyklen einer jeweils viertägigen Fasting-Mimicking-Diet. Nach drei Monaten waren unter anderem Körpergewicht und Bauchumfang gesunken. Auch der Blutdruck verbesserte sich. Die Intervention erwies sich in dieser kleinen Gruppe als grundsätzlich durchführbar.

Die Autoren selbst weisen jedoch darauf hin, dass größere Studien notwendig sind, insbesondere wenn es um Lebensqualität, Tumorprogression und progressionsfreies Überleben geht.

Die Studie kann hier nachgelesen werden: Fasting-Mimicking-Diet bei Patienten mit Prostatakrebs.

Das ist zunächst eine Stoffwechselstudie. Sie zeigt nicht, dass Fasten ein Prostatakarzinom beseitigt. Was sich daraus aber durchaus ergibt: Gerade beim Prostatakarzinom gibt es heute biologische und erste klinische Gründe, den Zusammenhang zwischen Ernährung, Fasten, Stoffwechsel und Tumorentwicklung wesentlich ernster zu nehmen als noch vor einigen Jahrzehnten.

Ein sinkender PSA-Wert ist allerdings noch keine Heilung

Hier muss man aufpassen.

Wer bei Prostatakrebs fastet und anschließend einen sinkenden PSA-Wert beobachtet, darf daraus allein noch keine Tumorheilung ableiten.

PSA wird von Prostatazellen produziert und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem antihormonelle Behandlungen können den Wert drastisch verändern.

Entscheidend ist deshalb immer der Gesamtverlauf:

  • Ausgangsbefund,
  • Histologie,
  • Gleason- beziehungsweise ISUP-Einstufung,
  • Bildgebung,
  • PSA-Verlauf,
  • vorangegangene und laufende Behandlungen und
  • die weitere Entwicklung über längere Zeit.

Das größte Problem der Breuss-Kur ist nicht der Gemüsesaft

Es sind die 42 Tage. In der kleinen Untersuchung von Douwes verloren die Patienten zwischen 9 und 16 Kilogramm Körpergewicht.

Bei einem kräftigen, vielleicht sogar übergewichtigen Mann mit einem frühen Prostatakarzinom ist das eine völlig andere Ausgangssituation als bei einem Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- oder Magenkrebs, der bereits zehn oder fünfzehn Kilogramm ungewollt verloren hat.

Viele Tumorerkrankungen können zu einer Kachexie führen. Dabei geht nicht nur Fett verloren, sondern vor allem Muskelmasse.

Und Muskelmasse ist gerade bei einer schweren Erkrankung keine kosmetische Größe. Sie beeinflusst Belastbarkeit, Stoffwechsel, Therapieverträglichkeit und Prognose.

Deshalb halte ich wenig von pauschalen Fragen wie: „Dürfen Krebspatienten fasten?“

Die vernünftigere Frage lautet: Welcher Patient mit welcher Tumorerkrankung, in welchem Stadium und mit welchem Ernährungszustand soll welche Form des Fastens für wie lange durchführen?

Das ist etwas völlig anderes. Zu den allgemeinen Grenzen und Gegenanzeigen des Fastens habe ich im Beitrag Wer darf nicht fasten? ausführlicher geschrieben.

42 Tage Breuss sind nicht dasselbe wie modernes Kurzzeitfasten

Das ist auch wichtig, wenn heutzutage Studien zum Fasten bei Krebs zitiert werden. Die neueren klinischen Untersuchungen arbeiten häufig mit kurzen Fastenzeiten oder sogenannten Fasting-Mimicking-Diets von etwa vier bis fünf Tagen. Anschließend wird wieder normal beziehungsweise kontrolliert gegessen.

Solche Interventionen kann man nicht einfach auf eine 42-tägige Breuss-Kur übertragen. Auch Erkenntnisse zum Kurzzeitfasten vor oder während einer Chemotherapie sind kein Beweis dafür, dass sechs Wochen Saftfasten dieselben Wirkungen besitzen.

Die moderne Forschung bewegt sich eher in Richtung kurzer und gezielt wiederholter metabolischer Interventionen.

Vielleicht ist gerade das langfristig die interessantere Weiterentwicklung des Breuss-Gedankens.

Und was ist mit den Kräutern?

Dieser Teil der Breuss-Kur wird meiner Meinung nach oft etwas vernachlässigt. Breuss kombinierte das Fasten mit verschiedenen Heilpflanzen. Neben Salbei und anderen Kräutertees setzte er abhängig von der Erkrankung unterschiedliche Pflanzen ein.

Beim Prostatakarzinom beziehungsweise bei Prostatabeschwerden spielte bei ihm insbesondere das kleinblütige Weidenröschen eine Rolle.

Ob solche Pflanzen zu den von Breuss berichteten Ergebnissen beigetragen haben, wissen wir nicht. Eine Breuss-Kur ist deshalb streng genommen nicht nur eine Fastenmethode. Sie besteht aus mehreren Komponenten:

  • massiver Kalorienrestriktion,
  • sehr geringer Proteinzufuhr,
  • Gemüsesäften,
  • Heilpflanzentees und
  • einer 42 Tage dauernden Stoffwechselumstellung.

Wenn man mögliche Wirkungen wissenschaftlich untersuchen wollte, müsste man diese Faktoren eigentlich voneinander trennen. Das wurde meines Wissens nie systematisch gemacht.

Was ich an Breuss heute noch interessant finde

Breuss entwickelte seine Methode zu einer Zeit, als Begriffe wie mTOR, AMPK, IGF-1-Signalweg, metabolische Flexibilität oder Autophagie nicht zum normalen medizinischen Wortschatz gehörten. Seine Erklärungen waren entsprechend einfach, teilweise zu einfach. Aber man wusste es zu Breuss Zeiten eben noch nicht. Breuss war Praktiker. Heute wissen wir, dass der Nährstoffstatus unmittelbar mit zellulären Wachstumsprogrammen verbunden ist.

Wenn reichlich Glukose, Aminosäuren und Wachstumssignale vorhanden sind, bekommt eine Zelle andere Signale als während eines längeren Nahrungsentzugs. Fasten verändert zudem nicht nur die Tumorzelle selbst. Es beeinflusst Leber, Fettgewebe, Hormone, Immunsystem, Darm und praktisch den gesamten Stoffwechsel.

Gerade deshalb halte ich die Frage hinter Breuss weiterhin für interessant: Kann man durch eine gezielte metabolische Veränderung Bedingungen erzeugen, unter denen gesunde Zellen besser zurechtkommen als bestimmte Tumorzellen?

Diese Frage wird heute tatsächlich wissenschaftlich untersucht. Nur nennt man es nicht mehr Breuss-Kur.

Solche Themen zeigen für mich übrigens sehr schön, weshalb man Naturheilkunde weder unkritisch übernehmen noch vorschnell entsorgen sollte. Mich interessiert immer: Was wurde tatsächlich beobachtet? Was ist biologisch plausibel? Und was lässt sich inzwischen durch Forschung belegen? Wenn Sie solche Analysen und meine Einschätzungen aus der Naturheilpraxis regelmäßig lesen möchten, können Sie hier meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ anfordern:

 

 

Wo ich persönlich eine Grenze ziehen würde

Eine 42-tägige Saftkur ist keine Fastenkur, die ich einem Krebspatienten anhand einer Internetseite einfach empfehlen würde.

Dafür sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Erkrankungen und Patienten zu groß.

Wer bereits stark abgenommen hat, wenig Muskelmasse besitzt, unter einer ausgeprägten Tumorkachexie leidet oder aufgrund der Erkrankung beziehungsweise Therapie kaum noch Nahrung aufnehmen kann, befindet sich in einer völlig anderen Situation als ein übergewichtiger Patient mit stabilem Allgemeinzustand.

Ebenso muss berücksichtigt werden, welche Medikamente eingenommen werden und welche onkologische Behandlung gerade erfolgt.

Das ist für mich keine Frage von „Schulmedizin gegen Naturheilkunde“. Es ist schlicht eine Frage der Physiologie. Historisch gehört außerdem zur Wahrheit, dass Breuss während seiner Kur konventionelle Krebsbehandlungen ablehnte beziehungsweise unterbrechen wollte. Diesen Teil seines Konzepts würde ich heute keinesfalls einfach übernehmen.

Gleichzeitig würde ich aus den möglichen Risiken einer 42-tägigen Breuss-Kur auch nicht den Schluss ziehen, Fasten habe bei Krebs grundsätzlich nichts verloren. Dazu ist die moderne Forschung inzwischen viel zu interessant.

Und noch etwas: Nach sehr langen Fastenzeiten ist auch das richtige Fastenbrechen und der schrittweise Kostaufbau ein eigenes Thema. Nach 42 Tagen darf man nicht einfach zur normalen Ernährung zurückkehren, als sei nichts gewesen.

Mein Fazit zur Breuss-Kur

Rudolf Breuss hat mit seiner Vorstellung, Krebszellen würden sich von „fester Nahrung“ ernähren, den Tumorstoffwechsel falsch erklärt.

Damit ist die Geschichte für mich aber nicht beendet. Die moderne Forschung zeigt inzwischen sehr deutlich, dass Nährstoffverfügbarkeit, Glukose, Insulin, IGF-1, Aminosäuren und zelluläre Energiesensoren erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Tumorzellen haben können.

Besonders interessant finde ich die neueren Arbeiten zum Prostatakarzinom. Dass Fasten und Aminosäureverfügbarkeit experimentell sogar die Androgenrezeptor-Signalgebung verändern können, hätte Breuss nicht erklären können.

Seine Beobachtung, dass gerade bei bestimmten Tumoren eine drastische Veränderung der Nahrungszufuhr möglicherweise etwas bewirkt, erscheint vor diesem Hintergrund zumindest untersuchenswert.

Zur eigentlichen Breuss-Kur fehlt dieser Nachweis weiterhin.

Wir haben historische Erfahrungsberichte, eine winzige unkontrollierte Untersuchung mit interessanten Ergebnissen und inzwischen eine wachsende moderne Forschung über Fasten und Tumorstoffwechsel.

Mehr lässt sich derzeit seriös nicht sagen — aber weniger eben auch nicht. Und deshalb halte ich es für falsch, Rudolf Breuss entweder zum bewiesenen Krebsheiler zu erklären oder seine Beobachtungen mit einem Handstreich vom Tisch zu fegen. Die spannende Frage lautet heute nicht mehr, ob Krebszellen „feste Nahrung“ brauchen.

Die spannende Frage lautet: Welche Tumoren besitzen metabolische Schwachstellen, die sich durch zeitlich begrenztes Fasten oder eine gezielte Nährstoffrestriktion nutzen lassen?

Darauf bekommen wir aus der Forschung inzwischen erste Antworten. Und ich vermute, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist.

Quellen die ich mir angesehen habe

Kann Heilfasten Allergien bessern?

Diese Frage wird mir seit vielen Jahren gestellt. Und die Antwort fällt heute differenzierter aus, als ich sie noch vor 20 Jahren gegeben hätte.

Denn zunächst muss man unterscheiden, worüber wir überhaupt sprechen. Eine Pollenallergie ist etwas anderes als eine Erdnussallergie. Eine Nickelallergie funktioniert anders als allergisches Asthma. Und auch bei Neurodermitis oder chronischer Nesselsucht steckt längst nicht immer eine klassische Allergie dahinter.

Trotzdem gibt es einen gemeinsamen Nenner: Das Immunsystem reagiert auf bestimmte Reize unangemessen stark oder befindet sich in einem Milieu, das überschießende Entzündungsreaktionen begünstigen kann.

Genau an dieser Stelle wird das Fasten interessant.

Allerdings gleich vorweg: Heilfasten ist keine Allergie-Immuntherapie und beseitigt eine bestehende IgE-vermittelte Allergie nicht einfach. Wer auf Erdnüsse mit einer Anaphylaxie reagiert, kann nach einer Fastenkur nicht plötzlich Erdnüsse essen.

Das wäre eine gefährliche Fehlinterpretation.

Sehr wohl kann Fasten aber Stoffwechsel, Nahrungszufuhr, Darmmilieu und verschiedene immunologische Regulationsmechanismen beeinflussen. Und genau das kann bei einigen allergischen oder allergieähnlichen Beschwerden interessant werden.

Allergie ist nicht gleich Allergie

Unter dem Begriff Allergie landet im Alltag erstaunlich vieles.

Bei einer klassischen Allergie vom Typ I bildet das Immunsystem IgE-Antikörper gegen bestimmte Allergene. Dazu gehören beispielsweise viele Pollen-, Hausstaubmilben- und Tierhaarallergien sowie zahlreiche Nahrungsmittelallergien.

Daneben gibt es Kontaktallergien, bei denen andere immunologische Mechanismen beteiligt sind. Nickel ist das bekannte Beispiel.

Bei Neurodermitis spielen Hautbarriere, Immunsystem, genetische Faktoren, Umweltreize und oftmals auch die Ernährung zusammen. Allergien können beteiligt sein, müssen aber keineswegs die alleinige Ursache sein.

Noch komplizierter wird es bei der chronischen Urtikaria, also wiederkehrenden Quaddeln. Diese Erkrankung wird häufig vorschnell als „Allergie“ bezeichnet, obwohl sich bei vielen Betroffenen gar kein bestimmtes Allergen als Ursache finden lässt. Ausführlicher beschreibe ich das in meinem Beitrag über Nesselsucht beziehungsweise Urtikaria.

Und schließlich gibt es Beschwerden durch Histamin oder andere Nahrungsbestandteile, die allergieähnlich aussehen können, ohne eine klassische IgE-vermittelte Allergie zu sein.

Diese Unterscheidung ist für das Fasten ausgesprochen wichtig.

Denn je nachdem, welcher Mechanismus hinter den Beschwerden steckt, kann eine Fastenperiode etwas völlig anderes bewirken.

Warum sich Allergiebeschwerden beim Fasten bessern können

Der banalste Effekt wird manchmal übersehen: Beim Fasten verschwinden fast alle Nahrungsmittel aus dem täglichen Leben.

Wer auf einen Nahrungsbestandteil reagiert, nimmt diesen während des Fastens nicht mehr zu sich.

Die Beschwerden können dadurch zurückgehen.

Das ist zunächst keine Immuntherapie, sondern schlicht Allergen- beziehungsweise Reizvermeidung.

Trotzdem kann dieser Effekt diagnostisch interessant sein. Wenn beispielsweise chronische Hauterscheinungen, Juckreiz, Verdauungsbeschwerden oder Schleimhautreaktionen während des Fastens deutlich abnehmen und nach dem Kostaufbau wieder auftreten, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ernährung.

Damit ist noch keine Nahrungsmittelallergie bewiesen. Aber man hat eine Spur.

Und genau deshalb finde ich bei solchen Patienten den Kostaufbau nach dem Fasten fast genauso interessant wie das eigentliche Fasten.

Dazu komme ich weiter unten noch ausführlicher.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die bei Allergien nicht nur wissen möchten, welches Antihistaminikum die Symptome unterdrückt, sondern was hinter der Reaktionsbereitschaft des Körpers stecken kann, dann dürfte mein Allergie-Naturheilkunde-Newsletter für Sie interessant sein. Dort schreibe ich über Ernährung, Darm, Histamin, Naturheilverfahren und weitere Zusammenhänge, die in der üblichen Allergieberatung häufig zu kurz kommen. Sie können ihn hier kostenlos anfordern:

 

 

Fasten und Entzündungen: So einfach ist es nicht

Über Fasten wird inzwischen gerne behauptet, es sei grundsätzlich „entzündungshemmend“.

So pauschal würde ich das nicht formulieren.

Gerade beim längeren Fasten zeigt die Forschung ein wesentlich differenzierteres Bild. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte Humanstudien zu Fastenperioden von mindestens 48 Stunden. Das Ergebnis: Entzündungsmarker wie CRP, IL-6 und TNF-alpha sanken keineswegs durchgehend. In mehreren Studien blieben sie unverändert oder stiegen während der Fastenphase sogar vorübergehend an.

Interessanterweise normalisierten sich manche Veränderungen nach Wiederaufnahme der Nahrung wieder.

Eine weitere Untersuchung an Menschen während eines medizinisch überwachten längeren Wasserfastens fand ebenfalls eine vorübergehende Aktivierung bestimmter Entzündungs- und Gerinnungssignale.

Das widerspricht positiven Fastenerfahrungen nicht unbedingt.

Es zeigt aber, dass Fasten biologisch kein simpler „Entzündung-aus-Schalter“ ist. Der Organismus befindet sich während längeren Fastens in einer ausgeprägten Anpassungsphase.

Wer sich grundsätzlich dafür interessiert, bei welchen Erkrankungen Fasten sinnvoll sein kann und wann Vorsicht geboten ist, findet dazu meinen ausführlichen Beitrag Fasten bei Krankheiten: Wann Heilfasten helfen kann – und wann nicht.

Interessant für Allergien: Ketonkörper und Mastzellen

Beim längeren Fasten steigt die Bildung von Ketonkörpern deutlich an. Besonders Beta-Hydroxybutyrat, kurz BHB, hat in den vergangenen Jahren wissenschaftliches Interesse geweckt.

Und hier kommen wir tatsächlich in einen Bereich, der für Allergien spannend ist.

Mastzellen gehören zu den zentralen Zellen allergischer Sofortreaktionen. Bei ihrer Aktivierung setzen sie unter anderem Histamin und weitere Entzündungsmediatoren frei.

Experimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass Beta-Hydroxybutyrat bestimmte mastzellabhängige und allergische Reaktionen beeinflussen kann. So wurde 2025 in einem experimentellen Modell allergischer Dermatitis eine Abschwächung von Mastzellaktivierung und Störungen der Hautbarriere durch BHB beschrieben.

2026 erschien außerdem eine Untersuchung, in der BHB allergische Reaktionen gegen das Cashew-Allergen Ana o 3 in einem experimentellen Modell abschwächte.

Das klingt interessant. Man muss allerdings genau hinsehen: Aus solchen experimentellen Ergebnissen sollte man nicht zwangsläufig ableiten, dass ein Mensch durch Fasten seine Nahrungsmittelallergie behandelt oder gar beseitigt.

Die Arbeiten liefern zunächst einen möglichen biologischen Mechanismus. Nicht mehr, aber eben auch nicht nichts.

Der Darm und Allergien – was wir heute tatsächlich wissen

Hier hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan.

Als Naturheilkundler wurde man früher gelegentlich etwas belächelt, wenn man bei Allergien nach dem Darm fragte. Inzwischen beschäftigt sich eine ganze Forschungsrichtung mit Darmbarriere, Mikrobiom und sogenannter oraler Toleranz.

Unser Immunsystem steht im Darm permanent vor einer schwierigen Aufgabe. Es muss Krankheitserreger abwehren, gleichzeitig aber Milliarden Darmbakterien und unzählige Nahrungsproteine tolerieren.

Regulatorische T-Zellen, Schleimhaut, Darmbarriere, das Immunsystem des Darms und die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien spielen dabei zusammen.

Besonders interessant sind kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat. Sie entstehen vor allem bei der bakteriellen Verarbeitung bestimmter Ballaststoffe und können sowohl die Darmbarriere als auch immunologische Regulationsprozesse beeinflussen.

Gerade bei Nahrungsmittelallergien wird deshalb heute intensiv untersucht, welchen Anteil Veränderungen des Mikrobioms an einer gestörten Immuntoleranz haben könnten.

Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, findet dazu auch meinen Grundsatzbeitrag über die Bedeutung der Darmflora beziehungsweise des Darmmikrobioms. Damit ist eine alte naturheilkundliche Beobachtung keineswegs aus der Luft gegriffen.

Aber auch hier sollten wir einen Fehler vermeiden: Dass der Darm bei Allergien eine Rolle spielt, bedeutet nicht automatisch, dass Fasten den Darm saniert und anschließend ist die Allergie verschwunden.

Biologie ist selten so bequem.

Was passiert mit dem Mikrobiom beim Fasten?

Auch dazu gibt es inzwischen Humanstudien.

Untersuchungen zeigen, dass längere Fastenperioden die Zusammensetzung des Darmmikrobioms zum Teil deutlich verändern können. Das ist eigentlich wenig überraschend: Wenn keine oder nur sehr wenig Nahrung in den Darm gelangt, verändert sich auch die Nahrungsgrundlage der dort lebenden Mikroorganismen.

Ein Teil dieser Veränderungen scheint nach Wiederaufnahme der Nahrung wieder zurückzugehen.

Deshalb halte ich wenig von der simplen Vorstellung, eine Woche Fasten würde automatisch eine dauerhaft „gute Darmflora“ erzeugen.

Der entscheidende Punkt beginnt meines Erachtens häufig nach dem Fasten.

Was essen Sie anschließend? Welche Ballaststoffe führen Sie zu? Wie hoch ist der Anteil hochverarbeiteter Produkte? Wie viel Zucker, Alkohol, Gemüse und pflanzliche Vielfalt kommen wieder auf den Tisch?

Wer sich ausführlicher mit der praktischen Darmtherapie beschäftigen möchte, findet dazu meinen Beitrag Warum eine Darmsanierung? Und warum diese so oft unterschätzt wird.

Der Kostaufbau ist bei Allergikern besonders interessant

Nach mehreren Fastentagen beginnt man nicht mit Pizza, Kuchen und einem halben Käsebrett.

Der Verdauungstrakt wird schrittweise wieder an Nahrung gewöhnt.

Bei Menschen mit unklaren nahrungsabhängigen Beschwerden bietet dieser Kostaufbau eine ausgesprochen interessante Gelegenheit, wieder genauer wahrzunehmen, wie einzelne Lebensmittel vertragen werden.

Ich würde dabei möglichst einfach beginnen.

Wenige unverarbeitete Lebensmittel sind übersichtlicher als Mischgerichte mit 15 Zutaten. Werden Lebensmittel nach und nach ergänzt, lassen sich Zusammenhänge zwischen Ernährung und Beschwerden oftmals leichter erkennen.

Beobachtet werden können beispielsweise:

  • Juckreiz und Hautrötungen,
  • Quaddeln oder Ekzemverschlechterungen,
  • Schwellungen der Schleimhäute,
  • laufende oder verstopfte Nase,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • Kopfschmerzen,
  • Herzklopfen oder Flush-Reaktionen,
  • auffällige Erschöpfung nach bestimmten Mahlzeiten.

Das ersetzt allerdings keine allergologische Provokation.

Wer bereits einmal auf ein Lebensmittel mit Atemnot, Kreislaufproblemen, ausgeprägten Schleimhautschwellungen oder einer anderen schweren allergischen Reaktion reagiert hat, darf dieses Lebensmittel nach einer Fastenkur selbstverständlich nicht zu Hause „probeweise“ wieder essen.

Bei einer bestätigten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie bleibt die konsequente Meidung des auslösenden Allergens beziehungsweise der unverträglichen Form des Lebensmittels entscheidend.

Fasten erzeugt keine Desensibilisierung.

Praktisch: Wie würde ich die Aufbaukost gestalten?

Bei unklaren Nahrungsmittelreaktionen würde ich den Speiseplan in den ersten Tagen bewusst übersichtlich halten. Geeignet sind individuell verträgliche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel.

Man beginnt mit kleinen Portionen und erweitert die Auswahl nach und nach. Dabei sollte nicht jeden Tag gleichzeitig Käse, Brot, Nüsse, Joghurt, Tomaten, Schokolade und drei neue Nahrungsergänzungsmittel eingeführt werden. Wenn anschließend Beschwerden auftreten, weiß kein Mensch mehr, worauf eigentlich reagiert wurde.

Die allgemeinen Regeln für diese Phase beschreibe ich ausführlich in meinem Beitrag Fastenbrechen richtig machen: Aufbautage nach dem Heilfasten.

Und genau an dieser Stelle entscheidet sich häufig, ob das Fasten nur eine Woche Nahrungsverzicht war oder ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Ernährungsumstellung entsteht.

Wenn Sie Heilfasten nicht einfach nach dem Motto „eine Woche nichts essen“ betreiben möchten, sondern Vorbereitung, Fastentage, mögliche Beschwerden und vor allem die wichtigen Aufbautage richtig gestalten wollen, dann tragen Sie sich in meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter ein. Dort erhalten Sie regelmäßig praktische Hinweise aus meiner langjährigen Fastenerfahrung und Naturheilpraxis:

 

 

Heilfasten bei Heuschnupfen

Bei einer Pollenallergie ist die Situation anders als bei einer Nahrungsmittelreaktion.

Die Pollen fliegen schließlich weiter, nur weil Sie nichts essen.

Fasten entfernt den eigentlichen Auslöser also nicht.

Denkbar ist dennoch, dass Veränderungen des Stoffwechsels und des entzündlichen Milieus die allgemeine Reaktionsbereitschaft beeinflussen. Für einen solchen Zusammenhang gibt es interessante mechanistische Hinweise, aber keine überzeugenden klinischen Studien, aus denen ich ableiten würde:

„Eine Woche Heilfasten behandelt Heuschnupfen.“

So weit sind wir nicht.

Wer regelmäßig fastet und gleichzeitig unter Pollenallergie leidet, kann den Verlauf aber durchaus beobachten. Verändern sich Nasenschleimhautschwellung, Augenjucken oder Medikamentenbedarf während und nach der Fastenperiode?

Das ist zunächst eine individuelle Beobachtung und kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis.

Zum Heuschnupfen selbst finden Sie meinen ausführlichen Beitrag unter Heuschnupfen: Pollenallergie erkennen und behandeln.

Heilfasten bei allergischem Asthma

Beim Asthma muss man noch vorsichtiger sein.

Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Allergene können Auslöser sein, daneben existieren aber zahlreiche nichtallergische Formen und Trigger.

Es gibt einige Untersuchungen zum Fasten im Ramadan bei Asthmatikern. Insgesamt liefern diese Studien zumindest keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass kontrolliertes Fasten bei stabilen Patienten grundsätzlich die Lungenfunktion verschlechtern müsste.

Daraus folgt allerdings keineswegs, dass Fasten eine Asthmatherapie ersetzt.

Vor allem eines ist wichtig:

Asthmamedikamente dürfen nicht eigenmächtig wegen des Fastens abgesetzt oder verändert werden.

Bei schlecht eingestelltem oder schwerem Asthma würde ich längeres Fasten nicht ohne entsprechende fachliche Begleitung beginnen.

Das Thema habe ich ausführlicher unter Fasten bei Asthma – Chance zur Regeneration oder Risiko für die Atemwege? besprochen.

Neurodermitis und allergische Hauterkrankungen

Gerade bei Hauterkrankungen berichten Fastende vergleichsweise häufig über Veränderungen.

Die klinische Studienlage speziell zum Heilfasten bei Neurodermitis ist allerdings dünn.

Das muss man so klar sagen.

Trotzdem ist die Fragestellung interessant, weil während des Fastens gleichzeitig mehrere mögliche Einflussgrößen verändert werden: Nahrungsreize fallen weg, der Energiestoffwechsel verändert sich, Ketonkörper steigen an und auch das Darmmikrobiom reagiert auf die Nahrungspause.

Aus meiner Sicht kann deshalb bei geeigneten Patienten ein Fastenversuch sinnvoll sein.

Nur darf daraus kein Heilversprechen entstehen.

Mehr zu meiner praktischen Einschätzung finden Sie im Beitrag Heilfasten bei Neurodermitis – Möglichkeiten und Grenzen.

Nesselsucht: Nicht jede Quaddel ist eine Allergie

Bei chronischer Urtikaria lohnt sich besondere Vorsicht mit dem Begriff Allergie.

Viele Betroffene suchen über Jahre nach einem Lebensmittel oder einer Substanz, die angeblich ihre Quaddeln auslöst. Bei einem erheblichen Teil der chronischen spontanen Urtikaria lässt sich jedoch kein klassisches Allergen als Ursache nachweisen.

Zum Fasten gibt es in diesem Bereich kaum belastbare Daten.

Es existiert beispielsweise ein älterer Fallbericht, in dem die Quaddeln während einer Fastentherapie vollständig verschwanden, wenige Tage nach Beendigung des Fastens jedoch wieder auftraten, wenn auch schwächer.

Interessant?

Ja.

Beweis für eine Therapie?

Nein.

Gerade solche Beobachtungen zeigen sehr schön, warum man Verbesserung während des Fastens und Heilung einer Erkrankung nicht miteinander verwechseln darf.

Histaminintoleranz ist keine klassische Allergie

Ein weiteres Gebiet möchte ich ausdrücklich erwähnen, weil es ständig mit Allergien vermischt wird: die sogenannte Histaminintoleranz.

Hier handelt es sich nicht um die klassische Bildung spezifischer IgE-Antikörper gegen ein bestimmtes Allergen. Zudem ist das Krankheitsbild diagnostisch wesentlich komplizierter, als manche Internetseiten glauben machen. Einen einzelnen Laborwert, mit dem sich jede Histaminintoleranz zweifelsfrei beweisen ließe, gibt es nicht.

Während des Fastens fällt jedoch etwas Entscheidendes weg: die Zufuhr histaminreicher und anderer potenziell unverträglicher Lebensmittel.

Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, wenn entsprechende Beschwerden während einer Fastenperiode zurückgehen.

Interessant wird wiederum die Aufbauphase.

Treten Beschwerden beispielsweise nach gereiftem Käse, Rotwein, bestimmten fermentierten Lebensmitteln oder lange gelagerten Speisen wieder auf, liefert das einen Hinweis, dem man weiter nachgehen kann.

Ausführlicher gehe ich auf die Zusammenhänge in meinem Beitrag Histaminintoleranz – Naturheilkunde und Naturheilmittel ein.

Vorsicht mit der sogenannten „Heilreaktion“

An dieser Stelle korrigiere ich ausdrücklich eine Formulierung, die ich früher selbst verwendet habe. Wenn sich Hauterscheinungen während einer Fastenkur zunächst verstärkten, wurde das in der Naturheilkunde gerne als „Heilreaktion“ bezeichnet.

So pauschal würde ich das heute nicht mehr sagen. Eine vorübergehende Veränderung kann während einer Fastenumstellung durchaus auftreten. Aber Ausschlag, Quaddeln, Schleimhautschwellungen oder Atembeschwerden sollte man niemals automatisch als positives Zeichen interpretieren.

Besonders aufmerksam werden sollte man bei:

  • zunehmender Atemnot oder pfeifender Atmung,
  • Schwellungen von Zunge, Lippen oder Rachen,
  • Kreislaufproblemen, ausgeprägtem Schwindel oder Kollaps,
  • rasch zunehmender generalisierter Urtikaria,
  • einer bekannten Vorgeschichte mit Anaphylaxie.

Das sind keine Beschwerden, die man als „Entgiftung“ aussitzen sollte.

Medikamente beim Fasten

Auch dieser Punkt wird gerne unterschätzt. Antihistaminika, Asthmamedikamente, Kortisonpräparate oder andere verordnete Medikamente sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden, nur weil eine Fastenkur beginnt.

Fasten kann außerdem die Bedingungen verändern, unter denen Medikamente wirken. Gewichtsverlust, veränderte Flüssigkeitszufuhr, Blutdruck, Blutzucker sowie Veränderungen von Leber- und Nierenstoffwechsel können je nach Arzneimittel von Bedeutung sein.

Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte deshalb vor einer längeren Fastenkur klären, wie damit während des Fastens verfahren wird.

Das gilt selbstverständlich nicht nur für Allergiker. Wer unsicher ist, ob eine Fastenkur für ihn überhaupt infrage kommt, sollte zunächst meinen Beitrag Wer darf nicht fasten? lesen.

Kann Heilfasten Allergien heilen?

Nach dem „offiziellen“ Kenntnisstand muss ich diese Frage hier öffentlich im Internet wie folgt beantworten: Für eine Heilung klassischer Allergien durch Fasten gibt es keinen belastbaren Nachweis.

Besonders bei IgE-vermittelten Allergien darf Beschwerdefreiheit während des Fastens keinesfalls mit einer verschwundenen Allergie verwechselt werden.

Gleichzeitig wäre es aus meiner Sicht ebenso voreilig, daraus zu schließen, Fasten sei für Allergiker grundsätzlich uninteressant. Im Gegenteil. Fasten verändert innerhalb weniger Tage zahlreiche Prozesse, die zumindest theoretisch auch bei allergischen Erkrankungen von Bedeutung sein können:

  • die Nahrungszufuhr und damit den Kontakt zu möglichen Nahrungsreizen,
  • den Energiestoffwechsel und die Ketonkörperbildung,
  • das Darmmikrobiom,
  • verschiedene immunologische Signalwege,
  • Gewicht und Stoffwechsellage,
  • und nach dem Fasten häufig auch die gesamte Ernährungsweise.

Gerade die Forschung zu Darmmikrobiom, regulatorischen T-Zellen und oraler Toleranz zeigt inzwischen, wie eng Ernährung, Darm und Immunsystem miteinander verbunden sind.

Mein Fazit

Ich halte Heilfasten bei bestimmten allergischen und allergieähnlichen Erkrankungen weiterhin für einen interessanten therapeutischen Begleiter. Bei chronischen Hautbeschwerden, unklaren nahrungsabhängigen Reaktionen oder einem insgesamt ungünstigen Ernährungs- und Stoffwechselmilieu kann eine Fastenperiode durchaus sinnvoll sein.

Der größte Nutzen liegt dabei möglicherweise gar nicht darin, dass während einiger Tage keine feste Nahrung aufgenommen wird.

Besonders wertvoll finde ich die Kombination aus Fasten, anschließend bewusst aufgebauter Ernährung und genauer Beobachtung der Reaktionen.

Denn häufig wird erst nach einer solchen Unterbrechung sichtbar, was vorher im täglichen Durcheinander aus Brot, Käse, Süßigkeiten, Fertigprodukten, Kaffee, Alkohol und zahlreichen Einzelzutaten unterging.

Bei echten Allergien bleibt allerdings eine klare Grenze: Fasten ersetzt weder eine allergologische Diagnose noch eine notwendige Notfallmedikation oder eine spezifische Immuntherapie.

Aber als zeitlich begrenzter Einschnitt, um Ernährung, Stoffwechsel und möglicherweise auch bestimmte Regulationsprozesse zu beeinflussen, halte ich Heilfasten nach wie vor für eine mehr als interessante Möglichkeit. Und ich könnte zahlreiche Praxisbeispiele nennen…

Wer selbst fasten möchte, findet den kompletten praktischen Ablauf in meiner Heilfasten-Anleitung Schritt für Schritt beziehungsweise im Heilfasten-Plan mit Entlastungstagen, Fastentagen und Aufbaukost. Und wer nicht nur das Fasten, sondern Allergien grundsätzlich aus naturheilkundlicher Sicht betrachten möchte, findet dazu meinen großen Beitrag Allergien natürlich behandeln – Möglichkeiten der Naturheilkunde.

Ausgewählte Quellen, die ich mir angesehen habe

  • de Ciutiis I et al. Long-term fasting and its influence on inflammatory biomarkers: A comprehensive scoping review. Ageing Research Reviews. 2025.  PubMed
  • Commissati S et al. Prolonged fasting promotes systemic inflammation and platelet activation in humans: A medically supervised, water-only fasting and refeeding study. Molecular Metabolism. 2025. PubMed
  • Topical β-hydroxybutyrate suppresses allergic dermatitis via HCAR2-CaMKK-AMPK-mediated barrier protection. 2025. PubMed
  • Exogenous β-Hydroxybutyrate Supplementation Alleviates Ana o 3-Induced Allergic Responses. 2026. PubMed
  • Short-chain fatty acids: linking diet, the microbiome and immunity. 2024. PubMed
  • Dynamics and ecological reassembly of the human gut microbiome and the host metabolome in response to prolonged fasting. 2023. PubMed
  • Oral tolerance to dietary antigens and Foxp3+ regulatory T cells. 2024. PubMed
  • Fasting diet therapy for chronic urticaria: report of a case. PubMed

Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind

Wer fastet, verändert seinen Stoffwechsel. Und das sieht man auch im Blut.

Das klingt zunächst banal, ist aber wichtig. Denn manche Blutwerte verändern sich während des Heilfastens deutlich, ohne dass dahinter automatisch eine Erkrankung steckt. Andere Veränderungen sollte man dagegen ernst nehmen und nicht einfach mit dem Satz abtun: „Das kommt vom Fasten.“

Ich erlebe immer wieder, dass während einer Fastenkur Blutwerte untersucht werden und anschließend Verunsicherung entsteht. Die Harnsäure ist plötzlich deutlich höher. Das Bilirubin steigt. Der Blutzucker liegt niedriger als gewohnt. Vielleicht sieht sogar das LDL-Cholesterin schlechter aus als vor dem Fasten.

Und dann lautet verständlicherweise die Frage:

Ist das beim Fasten noch normal oder muss ich mir Sorgen machen?

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Ich möchte zeigen, welche Blutwerte vor und während einer Fastenkur interessant sein können, welche Veränderungen zum Fastenstoffwechsel passen und bei welchen Befunden man genauer hinsehen sollte.

„Blutbild“ und „Blutwerte“ sind nicht dasselbe

Zunächst eine kleine, aber wichtige Unterscheidung. Umgangssprachlich wird häufig von einem „Blutbild“ gesprochen, obwohl eigentlich verschiedene Laborwerte gemeint sind.

Das kleine oder große Blutbild untersucht vor allem die Blutzellen: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen sowie verschiedene daraus berechnete Werte.

Wenn wir beim Fasten von wichtigen Blutwerten sprechen, interessieren uns zusätzlich beispielsweise:

  • Blutzucker,
  • Natrium und Kalium,
  • Kreatinin und eGFR,
  • Harnsäure,
  • Leberwerte und Bilirubin,
  • je nach Situation Magnesium, Kalzium und Phosphat,
  • gegebenenfalls Ferritin, HbA1c, TSH und weitere Werte.

Welche davon sinnvoll sind, hängt stark davon ab, wer fastet, wie lange gefastet wird und welche Erkrankungen oder Medikamente vorhanden sind.

Muss jeder vor dem Heilfasten Blut abnehmen lassen?

Nein.

Ein gesunder Mensch, der eine überschaubare Fastenkur von einigen Tagen durchführt, braucht aus meiner Sicht nicht automatisch ein umfangreiches Laborprogramm.

Anders sehe ich das bei Vorerkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, bekannten Nieren-, Leber- oder Stoffwechselproblemen, Diabetes, Gicht oder auffälligen Blutwerten in der Vorgeschichte. Auch bei längerem Fasten können Ausgangswerte sinnvoll sein.

Wer nicht genau weiß, wie es um Nierenfunktion, Zuckerstoffwechsel oder Elektrolyte bestellt ist, kann durch einige gezielt ausgewählte Laborwerte deutlich mehr Sicherheit gewinnen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass vor dem Fasten zwanzig oder dreißig Laborparameter bestimmt werden müssen. Einige wenige Werte können bereits sehr hilfreich sein.

Grundsätzlich gilt: Wer ernsthaft erkrankt ist oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte eine Fastenkur nicht einfach auf eigene Faust beginnen. Dazu habe ich ausführlicher im Beitrag Wer darf nicht fasten? geschrieben.

Welche Blutwerte sind vor dem Fasten besonders interessant?

Zu den Basiswerten, die je nach Ausgangssituation interessant sein können, gehören für mich:

  • kleines Blutbild,
  • Kreatinin und eGFR,
  • Natrium und Kalium,
  • Blutzucker,
  • Harnsäure,
  • GPT beziehungsweise ALT,
  • GOT beziehungsweise AST,
  • Gamma-GT,
  • Bilirubin.

Je nach Vorgeschichte können zusätzlich HbA1c, Ferritin, Magnesium, Kalzium, Phosphat, TSH oder weitere Werte sinnvoll sein.

Entscheidend ist dabei immer die Ausgangssituation. Ein gesunder 35-Jähriger, der eine Woche fastet, ist etwas anderes als ein 72-jähriger Patient mit Diabetesmedikamenten, Blutdrucksenkern, einem Diuretikum und eingeschränkter Nierenfunktion.

Wer erstmals fastet, findet den praktischen Ablauf übrigens in meiner Heilfasten-Anleitung Schritt für Schritt.

Gerade bei solchen Fragen zeigt sich, warum Heilfasten eben mehr ist als einige Tage nichts zu essen. Vorbereitung, Medikamente, Stoffwechsel, Kreislauf und Aufbauphase gehören zusammen. Wenn Sie sich für diese praktischen Zusammenhänge interessieren, können Sie hier meinen kostenlosen Heilfasten-Newsletter anfordern:

Heilfasten richtig durchführen

In meinem kostenlosen Heilfasten-Newsletter schreibe ich über Vorbereitung, Durchführung, typische Probleme beim Fasten und darüber, worauf es nach dem Fasten wirklich ankommt.

Blutzucker: Er darf beim Fasten sinken

Eine der deutlichsten Veränderungen beim Fasten betrifft den Zuckerstoffwechsel.

Nach Beginn des Fastens werden zunächst die Glykogenspeicher in Leber und Muskulatur beansprucht. Gleichzeitig sinkt die Insulinausschüttung. Mit zunehmender Fastendauer gewinnt der Organismus einen immer größeren Anteil seiner Energie aus Fettsäuren und Ketonkörpern.

Der Blutzucker sinkt dabei häufig in den unteren Normalbereich.

Das ist zunächst genau das, was beim Fasten zu erwarten ist. Ein niedrigerer Blutzuckerwert bedeutet bei einem gesunden Fastenden deshalb nicht automatisch eine gefährliche Unterzuckerung.

Entscheidend sind der tatsächliche Messwert und die Beschwerden.

Ganz anders sieht die Situation bei Menschen aus, die Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente einnehmen. Hier kann eine unverändert fortgeführte Medikamentendosis zusammen mit dem Fasten tatsächlich problematisch werden.

Besondere Vorsicht ist unter anderem bei sogenannten SGLT2-Hemmern wie Empagliflozin oder Dapagliflozin erforderlich. Unter bestimmten Umständen kann es dabei zu einer Ketoazidose kommen, obwohl der Blutzucker nicht extrem hoch sein muss.

Wer an Diabetes leidet und therapeutisch fasten möchte, sollte deshalb nicht einfach Medikamente weiternehmen wie bisher. Ausführlicher gehe ich darauf in meinem Beitrag Heilfasten bei Diabetes ein.

HbA1c: Während einer Fastenwoche wenig interessant

Der HbA1c zeigt vereinfacht gesagt die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der zurückliegenden Wochen. Vor einer Fastenkur kann dieser Wert ausgesprochen interessant sein, weil er Hinweise darauf gibt, wie der Zuckerstoffwechsel grundsätzlich aussieht.

Während einiger weniger Fastentage verändert er sich dagegen nicht so schnell, dass daraus eine sinnvolle Beurteilung des Fastenerfolgs möglich wäre.

Wer wissen möchte, was Fasten, Gewichtsabnahme und eine anschließende Ernährungsumstellung langfristig für den Zuckerstoffwechsel gebracht haben, sollte den HbA1c erst später erneut bestimmen lassen.

Blutzucker, Insulinresistenz und Diabetes sind Themen, bei denen Ernährung und Fasten unmittelbar ineinandergreifen. Wenn Sie sich damit intensiver beschäftigen möchten, können Sie auch meinen kostenlosen Diabetes-Newsletter anfordern:

Blutzucker und Diabetes besser verstehen

Im Diabetes-Newsletter geht es um Blutzucker, Insulinresistenz, Ernährung, Bewegung und naturheilkundliche Möglichkeiten – mit dem Ziel, nicht nur einzelne Messwerte anzuschauen, sondern den Stoffwechsel dahinter zu verstehen.

Harnsäure: Beim Fasten häufig deutlich erhöht

Dieser Wert sorgt während des Fastens immer wieder für Überraschungen. Die Harnsäure kann während einer längeren Fastenperiode erheblich ansteigen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde auch in neueren Fastenuntersuchungen beobachtet.

Die Erklärung lautet allerdings nicht, dass beim „Entgiften“ große Mengen irgendwo im Bindegewebe eingelagerter Purine herausgespült würden.

Ein wesentlicher Mechanismus hängt vielmehr mit der Ketose zusammen. Wenn während des Fastens die Konzentration der Ketonkörper steigt, verändert sich auch die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Besonders in der frühen Fastenphase kann dadurch weniger Harnsäure ausgeschieden werden.

In älteren kontrollierten Fastenuntersuchungen wurden innerhalb einer Woche teilweise ausgesprochen starke Anstiege der Harnsäure beobachtet. Später kann der Wert trotz weiter bestehender Ketose wieder zurückgehen.

Ein erhöhter Harnsäurewert während des Fastens bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich der Stoffwechsel dauerhaft verschlechtert hat.

Bei Menschen mit Gicht sieht die Sache allerdings anders aus. Wer bereits Gichtanfälle hatte, sehr hohe Harnsäurewerte aufweist oder bestimmte Nierensteine kennt, sollte längeres Fasten nicht unkontrolliert durchführen.

Kreatinin und eGFR: Wie geht es den Nieren?

Kreatinin gehört zu den wichtigsten Laborwerten zur Abschätzung der Nierenfunktion. Aus Kreatinin, Alter und weiteren Faktoren wird die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, die eGFR, berechnet.

Beim Fasten muss man allerdings etwas genauer hinschauen. Kreatinin hängt nicht ausschließlich von den Nieren ab. Muskelmasse, körperliche Belastung und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen den Wert ebenfalls.

Gerade der Flüssigkeitshaushalt kann sich während einer Fastenkur deutlich verändern. Ein einzelner Kreatininwert sollte deshalb nie völlig isoliert betrachtet werden. Ein deutlicher Anstieg des Kreatinins zusammen mit fallender eGFR, sehr geringer Urinmenge, Austrocknung oder erheblichen Beschwerden gehört dagegen abgeklärt.

Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Fastenkur ohnehin kein Gebiet für Experimente auf eigene Faust.

Harnstoff: Niedriger ist nicht automatisch besser

Auch Harnstoff wird häufig zusammen mit den Nierenwerten bestimmt. Während des Fastens kann sich dieser Wert verändern. Dabei sollte man bedenken, dass Harnstoff stark vom Eiweißstoffwechsel beziehungsweise von der aufgenommenen Proteinmenge abhängt.

Wenn über mehrere Tage praktisch kein Nahrungseiweiß aufgenommen wird, verändert sich zwangsläufig auch die Harnstoffproduktion. Ein niedriger Harnstoffwert während des Fastens ist deshalb nicht automatisch der Beweis dafür, dass die Nieren plötzlich besser arbeiten.

Für die Beurteilung der Nierenfunktion sind Kreatinin, eGFR, Verlauf, Flüssigkeitshaushalt und der klinische Zustand wesentlich aussagekräftiger.

Natrium und Kalium: Diese Werte verdienen Aufmerksamkeit

Beim Fasten verändert sich nicht nur der Energiestoffwechsel, sondern auch der Wasser- und Salzhaushalt.

Besonders zu Beginn des Fastens kommt es häufig zu einer vermehrten Ausscheidung von Wasser und Natrium. Deshalb besteht ein Teil des schnellen Gewichtsverlustes der ersten Tage keineswegs nur aus Körperfett.

Bei gesunden Menschen bleiben die Elektrolyte während einer vernünftig durchgeführten, zeitlich begrenzten Fastenkur meistens in einem unproblematischen Bereich.

Trotzdem gehören Natrium und Kalium zu den Werten, auf die ich bei längeren Fastenzeiten und bei Vorerkrankungen besonders achten würde.

Das gilt vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von:

  • Diuretika,
  • bestimmten Blutdruckmitteln,
  • Herzmedikamenten,
  • Medikamenten, die die Nierenfunktion oder den Kaliumhaushalt beeinflussen.

Ausgeprägte Elektrolytstörungen können erhebliche Beschwerden verursachen. Herzrhythmusstörungen, starke Muskelschwäche, Verwirrtheit oder massive Kreislaufprobleme sollte man deshalb nicht als normale „Fastenkrise“ abhaken.

Auch die Trinkmenge spielt dabei eine Rolle. Viel hilft nicht automatisch viel. Wer mehrere Liter Wasser zusätzlich trinkt, obwohl der Körper diese Menge gar nicht benötigt, kann die Elektrolytkonzentration ebenfalls ungünstig beeinflussen.

Mehr zum Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt während des Fastens finden Sie auch bei meiner Fastensuppe und Gemüsebrühe fürs Heilfasten.

Magnesium: Der Serumwert erzählt nicht die ganze Geschichte

Magnesium wird beim Fasten ebenfalls gerne kontrolliert. Dabei hat der übliche Serum-Magnesiumwert eine Schwäche: Nur ein kleiner Teil des gesamten Magnesiums im Körper befindet sich im Blutserum. Ein normaler Serumwert schließt deshalb eine unzureichende Magnesiumversorgung nicht sicher aus.

Trotzdem kann die Bestimmung bei längerem Fasten, bei bestimmten Medikamenten, starken Muskelkrämpfen oder Herzrhythmusstörungen sinnvoll sein.

Phosphat: Vor allem nach sehr langer Nahrungskarenz wichtig

Phosphat spielt bei einer normalen kurzen Fastenkur eines gut ernährten Menschen meistens keine zentrale Rolle. Anders sieht es nach sehr langen Nahrungspausen, bei deutlichem Untergewicht, Mangelernährung oder erheblichen Gewichtsverlusten aus.

Dann muss man an das sogenannte Refeeding-Syndrom denken. Wenn nach längerer Unterernährung wieder größere Mengen Nahrung aufgenommen werden, steigt die Insulinausschüttung. Dadurch werden unter anderem Phosphat, Kalium und Magnesium verstärkt in die Zellen aufgenommen. Im Blut können diese Werte teilweise stark absinken.

Eine übliche Heilfastenwoche bei einem gut ernährten Menschen ist damit nicht gleichzusetzen. Wer allerdings sehr lange praktisch keine Nahrung aufgenommen hat oder bereits mangelernährt ist, sollte weder das Fasten noch den anschließenden Kostaufbau nach eigenem Gutdünken durchführen.

Zum richtigen Übergang zurück zur normalen Ernährung habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Fastenbrechen und Aufbautage richtig gestalten.

Kalzium: Nicht vorschnell an die Knochen denken

Beim Kalzium wird gelegentlich zu schnell interpretiert.

Ein etwas niedrigeres Gesamt-Kalzium bedeutet nicht automatisch, dass der Körper während einiger Fastentage plötzlich große Mengen Kalzium aus den Knochen verloren hat.

Der Kalziumspiegel im Blut wird vom Organismus eng reguliert.

Außerdem hängt das gemessene Gesamt-Kalzium unter anderem vom Albuminspiegel ab. In speziellen Situationen kann die Bestimmung des ionisierten Kalziums deshalb aussagekräftiger sein.

Für die Beurteilung der Knochengesundheit ist ein einzelner Serum-Kalziumwert ohnehin nur sehr begrenzt geeignet.

Leberwerte: Fasten kann sie verändern

Bei den sogenannten Leberwerten geht es vor allem um ALT beziehungsweise GPT, AST beziehungsweise GOT, Gamma-GT und alkalische Phosphatase.

Gerade bei Menschen mit Stoffwechselproblemen oder einer Fettleber können sich Leberwerte im Verlauf von Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung günstig entwickeln.

Während intensiver Fastenphasen sind allerdings auch vorübergehende Veränderungen möglich.

Deshalb gilt auch hier: Nicht jeder Laborwert, der während des Fastens aus dem Referenzbereich läuft, bedeutet automatisch eine neue Lebererkrankung.

Umgekehrt sollte ein deutlicher Anstieg der Leberwerte nicht einfach mit einer angeblichen besonders starken „Entgiftung“ erklärt werden.

Bei deutlich erhöhten Transaminasen oder zusätzlichen Beschwerden wie starkem Krankheitsgefühl, Schmerzen im rechten Oberbauch, sehr dunklem Urin oder einer Gelbfärbung von Haut beziehungsweise Augen gehört die Ursache abgeklärt.

Was GPT, GOT, Gamma-GT, alkalische Phosphatase und Bilirubin tatsächlich aussagen, erkläre ich ausführlicher in meinem Beitrag Leberwerte erhöht? GPT, GOT und GGT richtig verstehen.

Bilirubin: Beim Fasten besonders interessant

Bilirubin ist für Fastende ein ausgesprochen interessanter Laborwert.

Bei manchen Menschen steigt es während einer stärkeren Kalorienrestriktion deutlich an, obwohl die übrigen Leberwerte völlig unauffällig bleiben.

Dahinter kann das sogenannte Gilbert-Meulengracht-Syndrom stecken.

Dabei ist die Aktivität des Enzyms UGT1A1 vermindert, das für die Verarbeitung beziehungsweise Konjugation von Bilirubin eine wichtige Rolle spielt.

Viele Betroffene wissen überhaupt nicht, dass sie diese genetische Besonderheit haben.

Fasten ist ein typischer Auslöser für einen Anstieg des unkonjugierten Bilirubins. Bei manchen Menschen werden dadurch sogar die Augen leicht gelblich.

Das kann verständlicherweise erschrecken. Beim bekannten Gilbert-Meulengracht-Syndrom ist diese Reaktion jedoch etwas völlig anderes als eine akute Schädigung der Leber.

Genau deshalb sollte Bilirubin nicht isoliert betrachtet werden. Interessant ist beispielsweise, ob vor allem das indirekte Bilirubin erhöht ist und wie GPT, GOT, Gamma-GT und alkalische Phosphatase aussehen.

Mehr dazu lesen Sie in meinem ausführlichen Beitrag zum Gilbert-Meulengracht-Syndrom.

Cholesterin beim Fasten: Hier wird es interessant

Beim Cholesterin wird häufig erwartet, dass sämtliche Werte während des Fastens zwangsläufig besser werden.

So einfach ist es nicht.

Die Untersuchungen zu längerem Fasten zeigen durchaus unterschiedliche Ergebnisse. LDL kann sinken, unverändert bleiben oder während einer Fastenperiode vorübergehend sogar steigen.

Auch HDL und Triglyceride verhalten sich nicht in jeder Untersuchung gleich.

Das erscheint zunächst überraschend, ist physiologisch aber durchaus nachvollziehbar.

Während des Fastens befindet sich der Fettstoffwechsel in einer völlig anderen Situation als unter normaler Ernährung. Gespeicherte Triglyceride werden mobilisiert, freie Fettsäuren gelangen verstärkt in den Kreislauf und die Leber bildet daraus unter anderem Ketonkörper.

Das ist also kein gewöhnlicher Stoffwechselzustand.

Deshalb halte ich ein Lipidprofil mitten in einer längeren Fastenperiode nur eingeschränkt für geeignet, um daraus das langfristige Herz-Kreislauf-Risiko abzuleiten.

Wer wissen möchte, wie sich Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride langfristig entwickelt haben, sollte die Werte nach Rückkehr zu einer stabilen Ernährung noch einmal kontrollieren lassen.

Triglyceride: oft günstig, aber nicht immer sofort

Triglyceride reagieren häufig relativ deutlich auf Ernährungsweise, Alkohol, Zuckerzufuhr, Insulinresistenz und Körpergewicht.

Deshalb können sie nach Fasten und anschließender Ernährungsumstellung deutlich niedriger liegen.

Auch hier interessiert mich langfristig allerdings weniger, wie der Wert mitten in der Ketose aussieht, sondern was einige Wochen später unter normalen Alltagsbedingungen übrig geblieben ist.

Blutdruck gehört zwar nicht zum Blutbild – sollte aber mitbeobachtet werden

Der Blutdruck ist kein Laborwert, gehört für mich bei längeren Fastenkuren aber unbedingt zur Beobachtung dazu.

Bei vielen Menschen sinkt der Blutdruck während des Fastens.

Das kann ausgesprochen erwünscht sein. Es kann aber zum Problem werden, wenn gleichzeitig Blutdrucksenker und entwässernde Medikamente unverändert weitergenommen werden.

Schwindel, Schwarzwerden vor Augen und Kreislaufprobleme sind dann nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass der Körper „besonders intensiv entgiftet“. Manchmal ist der Blutdruck schlicht zu niedrig.

Mehr zum Thema finden Sie unter Heilfasten bei Bluthochdruck.

Blutbild: Veränderungen nicht überinterpretieren

Auch beim eigentlichen Blutbild kann das Fasten Spuren hinterlassen.

Dabei spielt der Flüssigkeitshaushalt eine wichtige Rolle. Wer beispielsweise zu wenig trinkt und dadurch Flüssigkeit verliert, kann scheinbar höhere Werte für Hämoglobin und Hämatokrit bekommen.

Umgekehrt bedeutet ein niedriger Hämoglobinwert nicht automatisch Eisenmangel.

Für die Beurteilung eines möglichen Eisenmangels sind unter anderem MCV, MCH, Ferritin und gegebenenfalls die Transferrinsättigung interessant.

Auch auffällige Leukozytenwerte sollte man nicht vorschnell interpretieren.

Ein niedriger Leukozytenwert beweist weder eine Virusinfektion noch eine „Vergiftung“. Medikamente, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Vitaminmängel und zahlreiche weitere Ursachen kommen infrage.

Ferritin: Nicht nur ein Eisenspeicherwert

Ferritin wird häufig als Eisenspeicherwert bezeichnet. Das ist grundsätzlich richtig, aber nicht die ganze Geschichte.

Ferritin ist gleichzeitig ein sogenanntes Akutphaseprotein und kann bei Entzündungen ansteigen.

Ein hoher Ferritinwert bedeutet deshalb nicht automatisch hervorragend gefüllte Eisenspeicher.

Ebenso wichtig für Fastende: Eine normale, zeitlich begrenzte Fastenkur verursacht nicht plötzlich einen Eisenmangel. Eisenmangel entsteht nicht dadurch, dass jemand fünf oder sieben Tage keine eisenhaltigen Lebensmittel isst.

CRP und Entzündungswerte

Das C-reaktive Protein, kurz CRP, ist ein unspezifischer Marker für Entzündungsprozesse.

Bei metabolisch belasteten Menschen können Entzündungsmarker im Zusammenhang mit Gewichtsabnahme und Fasten langfristig sinken.

Ein erhöhtes CRP während des Fastens sollte jedoch nicht als besonders eindrucksvolle „Entgiftungsreaktion“ gefeiert werden.

Bei einem deutlichen Anstieg sollte vielmehr geprüft werden, ob ein entzündlicher oder infektiöser Prozess vorliegt.

Welche Veränderungen beim Fasten sind grundsätzlich zu erwarten?

Als grobe Orientierung lässt sich sagen:

  • Blutzucker: sinkt häufig.
  • Insulin: sinkt typischerweise.
  • Ketonkörper: steigen deutlich.
  • Harnsäure: kann besonders zu Beginn deutlich steigen.
  • Bilirubin: kann steigen, besonders bei Gilbert-Meulengracht.
  • Blutdruck: sinkt bei vielen Menschen.
  • Gewicht: sinkt, anfangs zu einem beträchtlichen Teil durch Wasserverlust.
  • LDL, HDL und Triglyceride: können unterschiedlich reagieren.
  • Elektrolyte: bleiben bei Gesunden häufig stabil, verdienen bei längerem Fasten und Medikamenteneinnahme aber Aufmerksamkeit.

Diese Übersicht ist keine Sollwerttabelle. Sie beschreibt lediglich häufig beobachtete Reaktionen. Menschen reagieren unterschiedlich, und genau deshalb ist der Ausgangswert so wichtig.

Wann sollte während des Fastens Blut kontrolliert werden?

Eine allgemeine Regel nach dem Muster „Am fünften Fastentag muss Blut abgenommen werden“ halte ich für wenig sinnvoll.

Bei einem gesunden Menschen während einer kurzen Fastenkur ist meist keine wiederholte Laborkontrolle erforderlich.

Ganz anders kann es bei längeren Fastenzeiten aussehen.

Entscheidend sind:

  • Dauer des Fastens,
  • Ausgangswerte,
  • Vorerkrankungen,
  • Medikamente,
  • Alter und allgemeine Belastbarkeit,
  • auftretende Beschwerden.

Bei einem Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Medikamenten, die Blutdruck, Blutzucker, Natrium oder Kalium beeinflussen, würde ich wesentlich genauer hinschauen als bei einem gesunden Menschen ohne Medikamente.

Für eine vernünftige Planung der einzelnen Fastentage empfehle ich auch meinen Heilfasten-Plan: Schritt für Schritt durch die Fastenkur.

Wann sollte man auffällige Blutwerte nicht einfach dem Fasten zuschreiben?

Genau dieser Punkt ist mir wichtig.

Dass Fasten Blutwerte verändert, darf nicht dazu führen, jeden auffälligen Befund automatisch zur „Fastenreaktion“ zu erklären.

Genauer hingeschaut werden sollte beispielsweise bei:

  • deutlich zunehmender Nierenfunktionsstörung,
  • ausgeprägten Natrium- oder Kaliumveränderungen,
  • stark erhöhten Leberwerten,
  • schweren oder zunehmenden Beschwerden,
  • Bewusstseinsstörungen,
  • anhaltendem Erbrechen oder Durchfall,
  • sehr geringer Urinmenge,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • echten Hypoglykämien,
  • Zeichen einer starken Austrocknung.

Ich halte wenig davon, für jede Reaktion während einer Fastenkur den Begriff „Entgiftung“ heranzuziehen. Manche Beschwerden sind tatsächlich vorübergehende Anpassungsreaktionen. Andere sind Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt.

Diese Unterscheidung ist wichtiger als jede Fastenideologie.

Ein wichtiger Unterschied: nüchtern zur Blutabnahme ist kein Heilfasten

Hier gibt es häufig ein Missverständnis.

Wenn ein Labor verlangt, dass Sie „nüchtern“ zur Blutabnahme erscheinen, bedeutet das normalerweise eine Nahrungspause über Nacht.

Das ist physiologisch etwas völlig anderes als vier, sieben oder vierzehn Tage Heilfasten.

Nach mehreren Fastentagen befindet sich der Organismus in einer ausgeprägten Stoffwechselanpassung mit stärkerer Fettverbrennung, erhöhten Ketonkörpern, niedrigerem Insulin und verändertem Wasser- und Salzhaushalt.

Laborwerte aus dieser Situation dürfen deshalb nicht ohne Weiteres genauso beurteilt werden wie ein Laborwert nach einer gewöhnlichen nächtlichen Nahrungspause.

Welche Blutwerte sind nach dem Fasten wirklich interessant?

Wenn ich wissen möchte, was eine Fastenkur langfristig bewirkt hat, interessieren mich nicht nur die Werte am letzten Fastentag.

Viel spannender ist die Frage:

Wie sehen die Werte aus, wenn der Mensch wieder einige Zeit normal und vernünftig isst?

Dann lassen sich beispielsweise Blutzucker, HbA1c, Triglyceride, LDL, Leberwerte, Harnsäure und gegebenenfalls Entzündungsmarker wesentlich besser im Hinblick auf langfristige Veränderungen beurteilen.

Denn das Ziel des Heilfastens besteht für mich nicht darin, am siebten Fastentag einen besonders schönen Laborzettel vorzeigen zu können.

Entscheidend ist, was danach passiert.

Wenn jemand nach dem Fasten Gewicht reduziert hat, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel deutlich verringert, sich mehr bewegt und seine Ernährung dauerhaft verändert, wird es wirklich interessant.

Die Aufbauphase spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wer nach einer Woche Fasten einfach wieder so isst wie vorher, verschenkt einen großen Teil des möglichen Nutzens. Deshalb habe ich sowohl zum Fastenbrechen und den Aufbautagen als auch zur Ernährung vor, während und nach dem Heilfasten ausführliche Beiträge veröffentlicht.

Gerade nach dem Fasten stellt sich die entscheidende Frage: Was kommt jetzt dauerhaft auf den Teller? Wenn Sie sich für Ernährung, Stoffwechsel und die praktischen Konsequenzen im Alltag interessieren, können Sie hier meinen kostenlosen Ernährungs-Newsletter anfordern:

Was nach dem Fasten auf den Teller kommt, entscheidet mit

In meinem kostenlosen Ernährungs-Newsletter geht es nicht um ständig neue Diäten, sondern um Lebensmittel, Stoffwechsel und die Frage, welche Ernährungsentscheidungen sich im Alltag tatsächlich bewähren.

Mein Fazit: Blutwerte beim Fasten richtig beurteilen

Fasten verändert Blutwerte. Das ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern eine logische Folge der veränderten Stoffwechsellage.

Blutzucker und Insulin sinken typischerweise, Ketonkörper steigen. Die Harnsäure kann vorübergehend erheblich zunehmen. Bilirubin kann besonders beim Gilbert-Meulengracht-Syndrom deutlich höher werden. Wasser- und Elektrolythaushalt verändern sich. Und selbst Cholesterinwerte können während einer Fastenperiode in eine Richtung laufen, die man zunächst gar nicht erwartet hätte.

Deshalb halte ich wenig davon, jeden Laborwert während des Fastens nach exakt denselben Maßstäben zu beurteilen wie unter normaler Ernährung.

Genauso falsch wäre allerdings die andere Richtung: auffällige Werte einfach als „Entgiftung“, „Schlackenlösung“ oder harmlose Fastenreaktion abzutun.

Entscheidend sind Ausgangswert, Verlauf, Fastendauer, Beschwerden, Medikamente und die gesamte gesundheitliche Situation.

Und genau deshalb können sinnvoll ausgewählte Blutwerte vor beziehungsweise bei längerem Fasten ausgesprochen hilfreich sein.

Mein Grundsatz lautet: Nicht möglichst viele Laborwerte bestimmen – sondern die richtigen Werte zum richtigen Zeitpunkt und anschließend auch wissen, was sie in der besonderen Stoffwechselsituation des Fastens tatsächlich bedeuten.

Heilfasten kann bei bestimmten chronischen Erkrankungen therapeutisch interessant sein. Bei Bluthochdruck, Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder rheumatischen Erkrankungen gibt es durchaus klinische Daten, die günstige Veränderungen zeigen. Bei Diabetes, Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, Gicht, Krebs oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme verändert sich dagegen das Risiko erheblich.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Hilft Fasten bei meiner Krankheit?“ Sondern zuerst: Welche Erkrankung liegt vor, wie stabil ist sie, welche Medikamente werden eingenommen und welche Form des Fastens ist überhaupt gemeint?

Auf dieser Seite gebe ich Ihnen zunächst die Orientierung. Für die einzelnen Erkrankungen finden Sie anschließend ausführliche Beiträge, in denen Nutzen, Studienlage, Risiken und Besonderheiten genauer behandelt werden.

Das Wichtigste vorweg:

  • Gesunde, belastbare Erwachsene können eine begrenzte Heilfastenkur häufig selbstständig durchführen.
  • Wer wegen einer Erkrankung fasten möchte, sollte Nutzen und Risiken krankheitsspezifisch prüfen.
  • Bei Diabetes, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Lebererkrankungen, Krebs, Essstörungen, Untergewicht und regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört mehrtägiges Fasten nicht in einen unkontrollierten Selbstversuch.
  • Verschreibungspflichtige Medikamente werden nicht eigenmächtig abgesetzt oder reduziert.
  • Fasten ersetzt keine notwendige Diagnostik oder Behandlung einer Erkrankung.

Wenn Sie zunächst klären möchten, ob Heilfasten für Sie überhaupt infrage kommt, lesen Sie meinen Beitrag Wer darf nicht fasten? Gegenanzeigen und Risikogruppen.

Was bedeutet „Heilfasten bei Krankheiten“ überhaupt?

Wenn ich hier von Heilfasten spreche, meine ich in erster Linie ein zeitlich begrenztes, strukturiertes und meist modifiziertes Fasten, wie es beispielsweise beim Buchinger-Fasten üblich ist. Dabei werden neben Wasser und Tee in begrenztem Umfang Gemüsebrühe, Saft und gegebenenfalls etwas Honig eingesetzt.

Das ist etwas anderes als mehrtägiges reines Wasserfasten. Es ist auch nicht dasselbe wie Intervallfasten, eine ketogene Ernährung oder schlicht das Auslassen des Frühstücks.

Diese Unterscheidung ist bei Erkrankungen besonders wichtig. Ein Mensch mit Diabetes unter Insulintherapie hat bei einer 16-stündigen Essenspause ein anderes Risikoprofil als bei sieben Tagen Heilfasten. Dasselbe gilt für Menschen mit niedrigem Blutdruck, Nierenproblemen oder einer chronischen Darmerkrankung.

Mehr zu den unterschiedlichen Methoden finden Sie unter Fastenmethoden und Fastenvarianten.

Was kann Fasten bei chronischen Erkrankungen verändern?

Während einer längeren Nahrungspause verändert sich der Stoffwechsel deutlich. Insulinspiegel sinken, Glykogenspeicher werden geleert, die Fettverbrennung steigt und Ketonkörper übernehmen zunehmend einen Teil der Energieversorgung. Gleichzeitig verändern sich Flüssigkeits- und Salzhaushalt, Blutdruck, Harnsäure, Hormonsignale und verschiedene Entzündungsmarker.

Genau darin liegt die therapeutische Chance – und zugleich das Problem.

Wenn beispielsweise ein erhöhter Blutdruck während des Fastens deutlich sinkt, kann das erwünscht sein. Nimmt der Betroffene jedoch gleichzeitig mehrere blutdrucksenkende Medikamente ein, kann aus dem erwünschten Effekt ein Kreislaufproblem werden. Sinkt der Blutzucker bei einem Menschen mit Typ-2-Diabetes, kann das günstig sein. Unter bestimmten blutzuckersenkenden Medikamenten kann derselbe Vorgang aber eine gefährliche Unterzuckerung auslösen.

Fasten wirkt nicht neben einer bestehenden Therapie, als wäre diese gar nicht vorhanden. Es verändert die Bedingungen, unter denen Medikamente und Stoffwechsel arbeiten.

Bei welchen Krankheiten ist Heilfasten besonders interessant?

Die folgende Übersicht ist bewusst keine Liste nach dem Schema „Krankheit X – Fasten heilt“. Die Studienlage ist je nach Erkrankung sehr unterschiedlich. Bei einigen Themen liegen kontrollierte Humanstudien vor, bei anderen hauptsächlich Beobachtungen, kleine Untersuchungen oder physiologische Überlegungen.

Erkrankung oder Problem Was man über Fasten sagen kann Besonders beachten
Bluthochdruck Unter medizinisch begleitetem längerem Fasten wurden deutliche Blutdrucksenkungen beobachtet. Blutdruckmedikamente, Kreislauf, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt müssen berücksichtigt werden.
Typ-2-Diabetes Kleine kontrollierte Studien und Untersuchungen zu verschiedenen Fastenformen zeigen günstige Effekte auf Gewicht und Glukosestoffwechsel. Unterzuckerung und Medikamentenwirkung. Insulin und bestimmte Antidiabetika machen Selbstversuche riskant.
Rheumatoide Arthritis Hier existieren tatsächlich kontrollierte Humanstudien. Beschwerden können sich während des Fastens bessern; langfristig scheint die Ernährung nach dem Fasten entscheidend zu sein. Erkrankungsaktivität, Gewichtsverlust und antirheumatische Medikamente beachten.
Übergewicht und metabolische Störungen Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck und einige Stoffwechselparameter können sich kurzfristig verbessern. Der dauerhafte Nutzen entscheidet sich nach dem Fasten. Muskelverlust und Jo-Jo-Effekte müssen vermieden werden.
Gicht und erhöhte Harnsäure Gewichtsreduktion kann langfristig günstig sein, während stärkeres Fasten die Harnsäure vorübergehend erhöhen kann. Ein Gichtanfall kann gerade während einer Fastenphase ausgelöst werden. Begleitung ist sinnvoll.
Gastritis und empfindlicher Magen Manche Menschen empfinden die Nahrungspause als entlastend, bei anderen verstärken Säure, Kaffeeentzug oder ungeeignete Getränke die Beschwerden. Ulkus, Blutung, starke Schmerzen und anhaltendes Erbrechen müssen abgeklärt werden.
Chronisch entzündliche und autoimmune Erkrankungen Entzündungs- und Stoffwechselmechanismen machen Fasten interessant. Die klinische Evidenz ist jedoch stark von der konkreten Erkrankung abhängig. Keine pauschale Übertragung von Rheuma-Daten auf jede Autoimmunerkrankung.
Herz-, Nieren- und schwere Lebererkrankungen Hier kann Fasten den Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Medikamentenhaushalt erheblich verändern. Kein mehrtägiges Selbstfasten ohne fachliche Beurteilung.

Fasten bei Bluthochdruck

Bluthochdruck gehört zu den Erkrankungen, bei denen die Wirkung einer Fastenperiode vergleichsweise gut beobachtbar ist. In Untersuchungen mit medizinisch begleitetem längerem Fasten sank der Blutdruck bei vielen Teilnehmern deutlich.

Das ist physiologisch plausibel: Körpergewicht, Insulinspiegel, Salz- und Flüssigkeitshaushalt sowie die Aktivität des autonomen Nervensystems verändern sich. Entscheidend ist aber, was daraus praktisch folgt.

Wer bereits Blutdrucksenker einnimmt, muss seinen Blutdruck während des Fastens kontrollieren. Die gleiche Medikamentendosis kann unter veränderten Stoffwechselbedingungen plötzlich zu stark wirken. Daraus folgt ausdrücklich nicht, dass Sie Tabletten selbst reduzieren sollen. Eine notwendige Anpassung gehört in fachkundige Hände.

Ausführlicher dazu in meinem Beitrag: Heilfasten bei Bluthochdruck.

Fasten bei Diabetes: interessant – aber kein Selbstversuch

Gerade beim Typ-2-Diabetes ist Fasten interessant, weil Nahrungspausen unmittelbar in den Glukose- und Insulinstoffwechsel eingreifen. Eine kleine randomisierte Untersuchung mit einer einwöchigen Buchinger-Fastenphase zeigte, dass ein solches Konzept bei ausgewählten Patienten mit Typ-2-Diabetes durchgeführt werden kann und Stoffwechselparameter beeinflusst.

Das klingt zunächst verlockend. Der entscheidende Zusatz lautet jedoch: Die Teilnehmer waren Patienten innerhalb eines kontrollierten Studienprotokolls.

Insulin, Sulfonylharnstoffe und andere blutzuckersenkende Medikamente können während einer Fastenperiode eine Unterzuckerung begünstigen. Gleichzeitig kann Flüssigkeitsmangel problematisch werden. Bei Typ-1-Diabetes kommen weitere Risiken hinzu.

Deshalb gilt hier besonders: Fasten kann therapeutisch diskutiert werden, aber nicht nach einer Tabelle aus dem Internet durchgeführt werden.

Weiterlesen in meinem Beitrag: Heilfasten bei Diabetes.

Rheuma und rheumatoide Arthritis: eine der interessantesten Indikationen

Bei kaum einer chronisch entzündlichen Erkrankung ist die Fastentradition so eng mit klinischer Forschung verbunden wie bei der rheumatoiden Arthritis.

Bereits ältere kontrollierte Studien zeigten eine deutliche Besserung verschiedener Beschwerden während einer Fastenperiode mit anschließender pflanzenbetonter Ernährung. Neuere Untersuchungen bestätigen, dass das Thema weiterhin interessant ist. Allerdings zeigen Übersichten auch etwas, das gerne unterschlagen wird: Der reine Fasteneffekt kann vorübergehend sein.

Die spannendere Frage lautet deshalb nicht nur, was während sieben Fastentagen geschieht, sondern wie danach gegessen wird. Eine entzündungsbewusste, pflanzenbetonte Ernährung kann aus meiner Sicht wesentlich wichtiger sein als die heroische Verlängerung einer Fastenkur.

Zum Thema lesen Sie weiter unter Fasten bei Rheuma.

Fasten bei Arthrose ist nicht dasselbe wie Fasten bei Rheuma

Rheumatoide Arthritis ist eine entzündlich-autoimmune Erkrankung. Arthrose ist dagegen primär eine Erkrankung des Gelenks mit degenerativen und ebenfalls entzündlichen Komponenten. Beide können Schmerzen verursachen, sind medizinisch aber nicht dasselbe.

Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme bei Arthrose schon deshalb hilfreich sein, weil Knie und Hüfte mechanisch entlastet werden. Ob eine längere Fastenperiode darüber hinaus einen eigenständigen krankheitsmodifizierenden Effekt hat, ist wesentlich weniger klar als manchmal behauptet wird.

Zur allgemeinen Einordnung der Erkrankung: Arthrose und Gelenkverschleiß.

Gicht: Warum Fasten einen Anfall provozieren kann

Gicht ist ein gutes Beispiel dafür, warum „Fasten wirkt entzündungshemmend“ als alleinige Empfehlung nicht genügt.

Während stärkerer Fastenphasen steigt die Ketonkörperbildung. Gleichzeitig kann die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere vorübergehend vermindert sein. Der Harnsäurespiegel kann dadurch zunächst ansteigen – und bei dafür anfälligen Menschen einen Gichtanfall begünstigen.

Langfristig können Gewichtsnormalisierung, eine günstigere Stoffwechsellage und eine veränderte Ernährung sehr sinnvoll sein. Der Weg dorthin muss bei ausgeprägter Hyperurikämie oder bekannten Gichtanfällen jedoch vernünftig geplant werden.

Wer bereits Gichtanfälle hatte oder Medikamente gegen erhöhte Harnsäure einnimmt, sollte eine mehrtägige Fastenkur vorher abklären.

Fasten bei Magen- und Darmbeschwerden

Viele Menschen denken bei Verdauungsbeschwerden zuerst: Wenn Essen Probleme macht, müsste Nichtessen doch automatisch helfen. So einfach ist es leider nicht.

Bei Völlegefühl und ernährungsabhängigen Beschwerden kann eine kontrollierte Nahrungspause entlastend wirken. Eine Gastritis, ein Magengeschwür, eine aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Gallenerkrankungen oder ungeklärte Bauchschmerzen benötigen jedoch eine eigene Beurteilung.

Gerade bei Magenschleimhautentzündung können Kaffeeentzug, saure Säfte, größere Mengen Tee oder ein leerer Magen Beschwerden auch verstärken.

Mehr dazu finden Sie unter Fasten bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung sowie in meiner Übersicht zu Darmproblemen und Darmstörungen.

Nicht weiterfasten und medizinisch abklären lassen sollten Sie insbesondere: starke oder zunehmende Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Blut im Stuhl, schwarzen teerartigen Stuhl, einen stark geblähten harten Bauch, Fieber mit deutlicher Verschlechterung oder die Unfähigkeit, ausreichend Flüssigkeit bei sich zu behalten.

Fasten bei Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen werden häufig gemeinsam genannt, obwohl Multiple Sklerose, Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoide Arthritis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen biologisch und therapeutisch erheblich voneinander abweichen.

Zwar sind Stoffwechsel, Darmmikrobiom und Entzündungsregulation bei vielen dieser Erkrankungen interessante Forschungsgebiete. Daraus folgt aber nicht, dass ein Fastenprotokoll, das bei rheumatoider Arthritis untersucht wurde, automatisch bei jeder Autoimmunerkrankung wirkt.

Für einzelne Erkrankungen habe ich deshalb eigene Beiträge:

Gerade bei Autoimmunerkrankungen ist außerdem die Medikation entscheidend. Cortison, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormone und andere Arzneimittel werden nicht eigenmächtig verändert, nur weil eine Fastenkur begonnen wird.

Fasten bei Neurodermitis, Allergien und Asthma

Bei allergischen und entzündlichen Erkrankungen berichten Fastende nicht selten über Veränderungen ihrer Beschwerden. Hier muss man jedoch besonders sauber zwischen Erfahrung, biologischer Plausibilität und belastbarer klinischer Evidenz unterscheiden.

Für rheumatoide Arthritis gibt es kontrollierte klinische Daten. Bei Allergien, Neurodermitis oder Asthma ist die Datenlage für mehrtägiges therapeutisches Fasten wesentlich dünner. Aussagen über eine zuverlässige Senkung von Histamin oder eine dauerhafte Besserung der Bronchien sind deshalb nicht pauschal auf jeden Patienten übertragbar.

Die krankheitsspezifischen Einordnungen finden Sie hier:

Bei Asthma gilt selbstverständlich: Eine notwendige inhalative oder systemische Therapie wird nicht spontan abgesetzt. Atemnot und ein akuter Asthmaanfall sind keine Gelegenheit für einen Fastenversuch.

Fasten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zwischen einem ansonsten gesunden Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck und einem Patienten mit Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen oder fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit liegen medizinisch Welten.

Fasten verändert Blutdruck, Flüssigkeitsvolumen, Elektrolyte und häufig auch die notwendige Medikamentendosis. Diuretika, Blutdrucksenker und andere Herzmedikamente verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.

Wer eine relevante Herzerkrankung hat, sollte mehrtägiges Fasten nur nach individueller Beurteilung durchführen. Das gilt umso mehr nach Herzinfarkt, bei Herzinsuffizienz, ausgeprägten Rhythmusstörungen oder eingeschränkter Belastbarkeit.

Weiterführend: Fasten bei Herzproblemen und Fasten und Arteriosklerose.

Leber- und Nierenerkrankungen: Nicht mit „Entgiftung“ verwechseln

Ausgerechnet bei Leber- und Nierenproblemen wird häufig besonders unkritisch zum „Entgiften“ durch Fasten geraten. Dabei sind beide Organsysteme entscheidend für Stoffwechsel, Flüssigkeitshaushalt und Ausscheidung.

Eine Fettleber im Zusammenhang mit Übergewicht und Insulinresistenz ist etwas völlig anderes als eine fortgeschrittene Leberzirrhose. Auch eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion ist nicht mit einer schweren Niereninsuffizienz gleichzusetzen.

Bei fortgeschrittener Organerkrankung können Veränderungen von Flüssigkeit, Natrium, Kalium, Eiweißstoffwechsel und Medikamentenwirkung problematisch werden. Hier ist mehr Fasten nicht automatisch mehr Therapie.

Grundlagen zur Leber finden Sie unter Leberfunktion und Lebererkrankungen.

Fasten bei Krebs: Keine pauschale Empfehlung

Zum Fasten bei Krebs werden inzwischen zahlreiche interessante Mechanismen untersucht. Besonders diskutiert werden zeitlich begrenzte Nahrungspausen rund um bestimmte Therapien und sogenannte fastenimitierende Ernährungsformen.

Das darf jedoch nicht mit der Aussage verwechselt werden, Krebspatienten sollten ihre Erkrankung „aushungern“.

Krebs kann mit Gewichtsverlust, Muskelabbau, Mangelernährung und einer stark katabolen Stoffwechsellage einhergehen. Dann kann eine weitere Nahrungsreduktion gerade das Falsche sein. Hinzu kommen Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung und Medikamente, deren Verträglichkeit und Dosierung berücksichtigt werden müssen.

Bei Krebs gehört eine längere Fastenperiode deshalb in die Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und einer entsprechend erfahrenen therapeutischen Begleitung.

Darf man während einer akuten Krankheit fasten?

Eine geplante Heilfastenkur wegen einer chronischen Erkrankung ist nicht dasselbe wie plötzlich nichts mehr zu essen, weil man einen Infekt, Fieber oder eine Magen-Darm-Erkrankung bekommen hat.

Während akuter Erkrankungen hat der Organismus teilweise einen erhöhten Flüssigkeits- und Nährstoffbedarf. Fieber, Durchfall und Erbrechen können Flüssigkeit und Elektrolyte kosten. Hier kann zusätzliches striktes Fasten die Situation verschlechtern.

Wenn der Appetit bei einem harmlosen Infekt für einen Tag fehlt, muss man sich nicht zum Essen zwingen. Daraus sollte aber keine allgemeine Regel werden, jede akute Erkrankung „wegzufasten“.

Mehr dazu: Fasten bei Fieber und fieberhaften Erkrankungen.

Fasten im höheren Lebensalter

Das Geburtsdatum allein entscheidet nicht darüber, ob jemand fasten darf. Ein trainierter 72-Jähriger ohne relevante Erkrankungen kann belastbarer sein als ein 50-Jähriger mit mehreren chronischen Krankheiten.

Mit zunehmendem Alter werden jedoch Muskelmasse, Ernährungszustand, Gebrechlichkeit, Nierenfunktion und Medikamenteneinnahme wichtiger. Gerade ein unbeabsichtigter Verlust an Muskelmasse sollte nicht leichtfertig in Kauf genommen werden.

Deshalb lautet die Frage nicht „Bin ich zu alt zum Fasten?“, sondern: Wie belastbar bin ich, wie ist mein Ernährungszustand und welche Risiken bringe ich mit?

Ausführlich: Fasten im höheren Lebensalter.

Wann Heilfasten nicht auf eigene Faust durchgeführt werden sollte

Mehr­tägiges eigenständiges Heilfasten ist besonders kritisch beziehungsweise nicht angezeigt bei Schwangerschaft und Stillzeit, ausgeprägtem Untergewicht oder Mangelernährung, Anorexie und anderen relevanten Essstörungen sowie bei fortgeschrittener Organinsuffizienz.

Eine vorherige fachliche Abklärung oder therapeutische Begleitung ist außerdem besonders wichtig bei:

  • regelmäßiger Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente,
  • Diabetes, insbesondere Typ 1 oder Behandlung mit Insulin und bestimmten Antidiabetika,
  • Nieren-, Leber- und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Gicht und deutlich erhöhter Harnsäure,
  • Krebs und anderen konsumierenden Erkrankungen,
  • starkem Untergewicht oder erheblichem unbeabsichtigtem Gewichtsverlust,
  • Gebrechlichkeit und höherem Lebensalter mit eingeschränkter Belastbarkeit,
  • psychischer Instabilität oder Essstörungsvorgeschichte.

Die ausführliche Übersicht finden Sie unter Wer darf nicht fasten?.

Medikamente sind beim Fasten oft der entscheidende Punkt

In der Praxis ist nicht selten die Erkrankung selbst weniger problematisch als die Kombination aus Fasten und Medikamenten.

Blutdrucksenker können bei fallendem Blutdruck stärker ins Gewicht fallen. Diuretika beeinflussen Flüssigkeit und Elektrolyte. Insulin und bestimmte Diabetesmittel können Unterzuckerungen auslösen. Lithium besitzt eine enge therapeutische Breite und reagiert empfindlich auf Veränderungen im Flüssigkeits- und Salzhaushalt. Auch die Aufnahme anderer Medikamente kann sich verändern, wenn sie plötzlich ohne Nahrung eingenommen werden.

Deshalb gilt eine klare Regel: Verschreibungspflichtige Medikamente werden wegen einer Fastenkur nicht eigenmächtig abgesetzt, halbiert oder zeitlich verschoben.

Wenn eine Anpassung notwendig ist, wird sie vor Beginn beziehungsweise unter Kontrolle der behandelnden Fachperson geplant.

Welche Beschwerden beim Fasten noch im Rahmen liegen – und welche nicht

Leichte Kopfschmerzen, Frieren, vorübergehender Hunger, Müdigkeit oder etwas Schwindel beim schnellen Aufstehen können während der ersten Fastentage vorkommen. Auch das ist aber nicht automatisch eine geheimnisvolle „Entgiftung“.

Kopfschmerzen können beispielsweise durch Kaffeeentzug entstehen. Schwindel kann von niedrigem Blutdruck, Flüssigkeitsmangel oder Medikamenten kommen. Muskelschwäche kann auf Elektrolytstörungen hinweisen.

Die Bezeichnung „Fastenkrise“ darf nicht verhindern, dass man nach einer konkreten Ursache sucht.

Fasten abbrechen und medizinische Hilfe suchen beziehungsweise die Ursache zeitnah abklären lassen bei:

  • Ohnmacht, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen,
  • Brustschmerz, Atemnot oder ausgeprägtem Herzrasen,
  • anhaltendem Erbrechen oder wenn keine Flüssigkeit behalten werden kann,
  • starken oder zunehmenden Bauchschmerzen,
  • schwarzem Teerstuhl oder deutlicher Blutung,
  • neurologischen Ausfällen oder Krampfanfällen,
  • deutlicher Austrocknung oder sehr geringer Urinausscheidung,
  • schwerer anhaltender Schwäche,
  • starker Unterzuckerung oder deutlich entgleisten Blutzuckerwerten.

Nach längerem Fasten: Auch das Fastenbrechen gehört zur Therapie

Wer wegen einer Erkrankung fastet, sollte nicht nur den Beginn der Kur planen. Der Übergang zurück zur Nahrung ist genauso wichtig.

Nach einer normalen, begrenzten Heilfastenwoche bei einem gut ernährten Menschen ist ein schweres Refeeding-Syndrom nicht das typische Szenario. Bei Untergewicht, Mangelernährung, erheblichem Gewichtsverlust oder längerer fehlender Nahrungsaufnahme sieht es anders aus.

Dabei können insbesondere Phosphat, Kalium und Magnesium im Blut gefährlich abfallen; zusätzlich spielen Flüssigkeitshaushalt und Vitamin B1 eine Rolle. Internationale Leitlinien betrachten unter anderem sehr niedriges Körpergewicht, starken Gewichtsverlust und längere Phasen mit kaum oder keiner Nahrungsaufnahme als Risikofaktoren.

Nach längerem Fasten gilt deshalb nicht: Jetzt habe ich es geschafft, jetzt darf ich wieder alles essen.

Wie der Übergang sinnvoll gelingt, lesen Sie unter Fastenbrechen und Aufbautage.

So würde ich bei einer bestehenden Erkrankung vorgehen

Wenn Sie aufgrund einer Erkrankung heilfasten möchten, klären Sie vor dem Start fünf Punkte:

  1. Was ist die genaue Diagnose? „Stoffwechselprobleme“ oder „Darmprobleme“ sind noch keine medizinische Diagnose.
  2. Welche Medikamente nehmen Sie? Auch scheinbar nebensächliche Mittel können während des Fastens relevant werden.
  3. Wie ist Ihr Ernährungszustand? Starkes Untergewicht, Muskelverlust oder ungewollte Gewichtsabnahme sprechen gegen einen unkritischen Fastenversuch.
  4. Welche Fastenform und Dauer planen Sie? 16 Stunden Nahrungspause und zehn Tage Wasserfasten gehören nicht in dieselbe Risikokategorie.
  5. Was geschieht nach dem Fasten? Gerade bei Stoffwechsel- und Entzündungserkrankungen entscheidet die Ernährung danach über den langfristigen Nutzen.

Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte zuerst die Ausgangslage klären. Fasten kann ein starkes therapeutisches Werkzeug sein. Gerade deshalb sollte man es nicht einsetzen wie einen Hammer, bei dem anschließend jede Krankheit wie ein Nagel aussieht.

Weiterführende Beiträge zu einzelnen Krankheiten und Beschwerden

Je nach Diagnose finden Sie hier die ausführlichere Einordnung:

Thema Weiterführender Beitrag
Bluthochdruck Heilfasten bei Bluthochdruck
Diabetes Heilfasten bei Diabetes
Rheuma Fasten bei Rheuma
Arthrose Arthrose und Gelenkverschleiß
Asthma Fasten bei Asthma und Bronchitis
Allergien Fasten bei Allergien
Neurodermitis Fasten bei Neurodermitis
Multiple Sklerose Fasten bei Multipler Sklerose
Hashimoto Heilfasten bei Hashimoto
Gastritis und Magenschleimhautentzündung Fasten bei Gastritis
Herzerkrankungen Fasten bei Herzproblemen
Arteriosklerose Fasten bei Arteriosklerose
Kopfschmerzen und Migräne Fasten bei Kopfschmerzen und Migräne
Neurologische Erkrankungen Fasten bei neurologischen Erkrankungen
Fieber und akute Erkrankungen Fasten bei Fieber
Höheres Lebensalter Fasten im Alter
Schwangerschaft Fasten in der Schwangerschaft
Kinderwunsch Fasten bei Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit

Mein Fazit: Je kränker der Mensch, desto individueller muss das Fasten werden

Heilfasten ist für mich weder ein Wundermittel noch eine gefährliche Marotte. Es ist ein tiefgreifender Stoffwechselreiz. Genau deshalb kann es bei bestimmten Erkrankungen interessant sein – und bei anderen Situationen besondere Vorsicht verlangen.

Seit 1998 arbeite ich in eigener Naturheilpraxis und begleite Menschen beim Fasten. Dabei ist für mich ein Grundsatz wichtiger geworden als jede starre Fastenregel: Nicht die Diagnose allein entscheidet darüber, ob jemand fasten sollte. Entscheidend ist der ganze Mensch – einschließlich Ernährungszustand, Medikamente, Belastbarkeit, Krankheitsaktivität und Fastenmethode.

Wer gesund ist, braucht vor allem einen guten Plan. Wer wegen einer Erkrankung fasten möchte, braucht zusätzlich eine gute Einordnung.

Wenn Sie noch am Anfang stehen, lesen Sie als Nächstes entweder Wer darf nicht fasten? oder meinen Heilfasten-Plan. Die krankheitsspezifischen Beiträge oben führen anschließend tiefer in die jeweilige Fragestellung.

Quellen und weiterführende Literatur

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Diagnose oder Therapie. Das gilt besonders bei chronischen Erkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, Untergewicht, längerer Fastendauer und akuten Beschwerden.

Fastenbrechen bedeutet nicht, nach dem letzten Fastentag wieder normal zu essen. Es ist der erste Schritt einer kontrollierten Rückkehr zur Nahrung. Bewährt hat sich eine kleine, einfache Mahlzeit – traditionell ein reifer Apfel, bei empfindlichem Magen besser gedünstet. Danach folgen – abhängig von der Fastendauer – mehrere Aufbautage mit kleinen Portionen, gründlichem Kauen und langsam steigender Nahrungsmenge.

Die wichtigste Regel lautet: Je länger und strenger das Fasten war, desto behutsamer muss der Aufbau erfolgen. Nach fünf bis sieben Fastentagen plane ich meist drei bis vier Aufbautage ein. Nach zehn oder mehr Tagen sollte die Aufbauphase länger dauern und bei Risikofaktoren fachlich begleitet werden.

Die Kurzfassung für Eilige:

  • Erste Mahlzeit: ein kleiner reifer Apfel, langsam gegessen; alternativ gedünsteter Apfel, mildes Gemüse oder eine leichte Kartoffel-Gemüse-Suppe.
  • Dauer: nach einer üblichen Heilfastenwoche mindestens drei bis vier Aufbautage.
  • Gut geeignet: gekochtes Gemüse, Kartoffeln, Haferbrei, Reis, milde Suppen, später kleine Mengen hochwertiges Pflanzenöl und leichtes Eiweiß.
  • Zunächst meiden: Alkohol, Süßigkeiten, große Portionen, Frittiertes, sehr fettes Essen, Wurst, viel Fleisch, Hülsenfrüchte, große Rohkostmengen und scharfe Speisen.
  • Wichtig: gründlich kauen, zwischen den Mahlzeiten trinken und beim ersten Sättigungsgefühl aufhören.

Aufbautage nach dem Fasten: Plan für Tag 1 bis 4

Der folgende Plan ist für einen grundsätzlich gesunden Erwachsenen nach etwa fünf bis zehn Tagen modifiziertem Heilfasten gedacht. Er ist kein starres Kalorienprogramm. Entscheidend sind Verträglichkeit, kleine Portionen und eine langsame Steigerung. Wer länger gefastet hat, stark untergewichtig ist, relevante Vorerkrankungen hat oder Medikamente einnimmt, benötigt einen individuellen Plan.

Tag Frühstück Mittag Abend Worauf es ankommt
Tag 1: Fastenbrechen Wasser oder Kräutertee; noch keine große Mahlzeit Ein kleiner reifer Apfel, sehr langsam gegessen; bei empfindlichem Magen gedünstet Eine kleine Kartoffel-Gemüse-Suppe oder mildes Gemüse mit etwas Kartoffel Sehr kleine Portionen. Jeden Bissen gründlich kauen. Nach dem ersten Sättigungsgefühl aufhören.
Tag 2 Dünner Haferbrei mit gedünstetem Apfel oder eine kleine Portion Kartoffel Gedünstete Möhren, Zucchini oder Fenchel mit Kartoffeln Gemüsesuppe oder ein kleines Reis-Gemüse-Gericht Noch wenig Fett, keine schweren Eiweißportionen, keine große Rohkost.
Tag 3 Haferbrei, weiches Obst oder – wenn verträglich – Naturjoghurt Kartoffeln, Reis, Buchweizen oder Hirse mit gedünstetem Gemüse und einem Teelöffel Öl Leichte Gemüsesuppe, Ofengemüse oder eine kleine Gemüsepfanne Die Kost wird vielfältiger. Eine neue Zutat nach der anderen einführen.
Tag 4 Müsli oder Porridge mit Obst; alternativ Brot mit einem leichten Aufstrich Leichte Vollwertkost mit Gemüse, Kartoffeln oder Vollkorngetreide; kleine Eiweißportion Leichte warme Mahlzeit, möglichst früh am Abend Bei guter Verträglichkeit langsam in eine vollwertige Alltagskost übergehen.

Geeignete Eiweißquellen ab dem dritten oder vierten Tag sind (je nach Ernährungsweise und Verträglichkeit) Naturjoghurt, Quark, Ei, Tofu oder kleine Mengen gut gegarter Hülsenfrüchte. Bohnen, Linsen und Kichererbsen können jedoch gerade am Anfang erhebliche Blähungen verursachen. Also aufpassen und genau beobachten.

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Was ist Fastenbrechen?

Als Fastenbrechen bezeichnet man die erste Nahrungsaufnahme nach einer mehrtägigen Fastenperiode. Bei einer Heilfastenkur ist dieser Zeitpunkt keine Nebensache, sondern eine eigene Phase. Eine vollständige Fastenkur besteht aus drei Teilen:

  1. den Entlastungstagen,
  2. den eigentlichen Fastentagen und
  3. dem Fastenbrechen mit anschließenden Aufbautagen.

Wer nur eine Nacht, 16 Stunden oder einen einzelnen Tag nichts gegessen hat, benötigt keine mehrtägige Aufbaukost. Nach mehrtägigem Heilfasten sieht das anders aus: Verdauung, Hormone, Flüssigkeitshaushalt und Energiestoffwechsel müssen sich erneut auf regelmäßige Nahrung einstellen.

Das Fastenbrechen ist deshalb nicht der Moment, in dem die Disziplin endet. Es ist der Moment, in dem sich zeigt, ob aus einer Fastenkur ein wirklicher Neubeginn wird – oder nur eine kurze Unterbrechung alter Gewohnheiten.

Warum die Aufbauphase so wichtig ist

Während des Fastens gewinnt der Körper einen großen Teil seiner Energie aus körpereigenen Reserven. Insulin sinkt, Fettverbrennung und Ketonkörperbildung nehmen zu. Mit der ersten kohlenhydrathaltigen Mahlzeit dreht sich diese Stoffwechsellage wieder: Insulin steigt, Glukose wird aufgenommen, Glykogenspeicher werden gefüllt und der Organismus bindet wieder mehr Wasser.

Gleichzeitig nehmen Magen und Darm ihre Arbeit verstärkt auf. Verdauungssekrete, Gallenfluss, Darmbewegung und Stuhlbildung müssen sich an die neue Situation anpassen. Das Verdauungssystem ist nach dem Fasten keineswegs „abgeschaltet“. Es war aber deutlich weniger gefordert. Wer es nun mit einer großen, fetten und stark gewürzten Mahlzeit überfällt, darf sich über Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall oder Bauchkrämpfe nicht wundern.

In meiner Praxis und in Fastengruppen beobachte ich seit 1998 immer wieder dasselbe: Das Fasten selbst gelingt vielen erstaunlich gut. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt am gedeckten Tisch. Der Geschmack ist geschärft, der Appetit kehrt zurück und plötzlich scheint alles erlaubt. Genau an dieser Stelle werden die meisten Fehler gemacht.

Wie lange dauern die Aufbautage?

Als praktische Faustregel kann die Aufbauzeit ungefähr ein Drittel der Fastendauer betragen. Das ist eine Orientierung, kein Naturgesetz. Gesundheitszustand, Körpergewicht, Fastenmethode und Verträglichkeit sind wichtiger als eine mathematische Formel.

Dauer des Fastens Sinnvolle Aufbauzeit als Orientierung
1 Tag oder Intervallfasten Keine besondere Aufbauphase nötig; normal, aber maßvoll essen
3 Fastentage 1 bis 2 Aufbautage
5 Fastentage 2 bis 3 Aufbautage
7 Fastentage 3 bis 4 Aufbautage
10 Fastentage 4 bis 5 Aufbautage
14 Fastentage mindestens 5 bis 7 Aufbautage
Mehr als 14 Tage Individuell und möglichst fachlich begleitet

Wer während des Fastens nur Wasser zu sich genommen hat, sehr viel Gewicht verlor oder bereits vor dem Fasten mangelernährt war, muss vorsichtiger aufbauen als ein gut ernährter Mensch nach einer moderaten Buchinger-Fastenkur.

Fastenbrechen mit Apfel: sinnvoll, aber kein Dogma

Traditionell wird das Fasten mit einem Apfel gebrochen. Dafür spricht einiges: Ein Apfel ist leicht verfügbar, überschaubar portioniert und zwingt zum Kauen. Nach mehreren Tagen ohne feste Nahrung kann ein einziger Apfel zu einem erstaunlichen Geschmackserlebnis werden.

Der Apfel sollte reif und nicht eiskalt sein. Essen Sie ihn langsam und möglichst ohne Ablenkung. Manche schneiden ihn in sehr kleine Stücke; andere reiben oder dünsten ihn. Entscheidend ist nicht die Zeremonie, sondern die Verträglichkeit.

Ein roher Apfel ist jedoch nicht für jeden die beste Wahl. Bei Fruktosemalabsorption, Reizdarm, akuter Gastritis, ausgeprägtem Sodbrennen oder empfindlicher Darmschleimhaut kann er Beschwerden auslösen. Dann sind folgende Alternativen oft bekömmlicher:

  • gedünsteter oder gebackener Apfel ohne Zucker,
  • eine kleine Portion gedünstete Möhre, Fenchel oder Zucchini,
  • eine dünne Kartoffel-Gemüse-Suppe,
  • ein dünner Hafer- oder Reisschleim.

Wer wegen Magenbeschwerden fastet, findet zusätzliche Hinweise in meinem Beitrag über Fasten bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung.

Die sieben wichtigsten Regeln für das Essen nach dem Fasten

1. Kleine Portionen – wirklich kleine

Der häufigste Fehler ist nicht das falsche Lebensmittel, sondern die Menge. Ein Teller kann vernünftig aussehen und trotzdem zu groß sein. Nehmen Sie zunächst etwa die Hälfte dessen, was Sie spontan essen möchten. Nachnehmen können Sie immer noch. Rückwärts essen ist bekanntlich schwieriger.

2. Kauen Sie, bis aus Nahrung Speisebrei geworden ist

Verdauung beginnt im Mund. Gründliches Kauen zerkleinert die Nahrung, vermischt sie mit Speichel und verlangsamt das Essen. Das Sättigungssignal erhält dadurch überhaupt erst die Chance, rechtzeitig anzukommen.

3. Wenige Zutaten pro Mahlzeit

Ein Apfel, eine Kartoffelsuppe oder Gemüse mit Reis ist am Anfang günstiger als ein vermeintlich gesunder Teller mit zwölf Zutaten, Rohkost, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten und drei Sorten Öl. Einfachheit ist in den Aufbautagen kein Mangel, sondern eine diagnostische Hilfe: Sie merken schneller, was Ihnen bekommt.

4. Trinken Sie ausreichend – vor allem zwischen den Mahlzeiten

Geeignet sind stilles Wasser und ungesüßte Kräutertees. Die Menge richtet sich nach Körpergewicht, Wetter, Bewegung, Nieren- und Herzfunktion. Pauschale Trinkvorgaben von vier oder fünf Litern halte ich für unsinnig. Wer Herz- oder Nierenprobleme hat, darf die Trinkmenge nicht eigenmächtig erhöhen.

5. Salz sparsam, aber nicht ideologisch einsetzen

Nach dem Fasten werden Glykogen und damit Wasser wieder eingelagert. Eine sehr salzreiche Kost verstärkt das Gefühl, aufgeschwemmt zu sein. Deshalb: zunächst mäßig salzen und Fertigprodukte meiden. Ein vollständiger Salzverzicht ist jedoch nicht für jeden sinnvoll – insbesondere nicht nach starkem Flüssigkeits- oder Elektrolytverlust.

6. Zwischen den Mahlzeiten Pause lassen

Zwei bis drei einfache Mahlzeiten sind meist besser als ständiges Probieren und Naschen. Lassen Sie dem Verdauungssystem einige Stunden Zeit. Wer medizinisch bedingt häufiger essen muss, etwa wegen bestimmter Stoffwechselstörungen, braucht selbstverständlich einen individuellen Rhythmus.

7. Essen Sie sitzend, ruhig und ohne Bildschirm

Aufbautage sind keine lästige Wartezone bis zur ersten Pizza. Sie sind Training für eine neue Esskultur. Riechen, schmecken, kauen, Sättigung wahrnehmen – das klingt banal. Angesichts dessen, wie heute gegessen wird, ist es beinahe revolutionär.

Was sollte man nach dem Fasten zunächst nicht essen?

In den ersten Tagen sollten Sie alles meiden, was viel Verdauungsarbeit verlangt, den Blutzucker stark hochjagt oder zum Weiteressen verführt:

  • Alkohol,
  • Frittiertes und stark Angebratenes,
  • große Mengen Fleisch, Wurst und fetten Käse,
  • Süßigkeiten, Kuchen, Eis und süße Getränke,
  • Fast Food und hochverarbeitete Fertiggerichte,
  • große Mengen Nüsse und Samen,
  • viel Rohkost, insbesondere Kohl, Zwiebeln und Paprika,
  • größere Portionen Bohnen, Linsen oder Kichererbsen,
  • sehr scharfe Gewürze,
  • kohlensäurereiche Getränke.

Das bedeutet nicht, dass all diese Lebensmittel grundsätzlich „schlecht“ sind. Selbst ein Linsengericht kann hervorragend sein – nur eben nicht unbedingt als erste Amtshandlung eines Darms, der mehrere Tage Ruhe hatte.

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Kaffee und Alkohol nach dem Fasten

Alkohol gehört nicht in die Aufbautage. Die Verträglichkeit ist nach dem Fasten häufig deutlich herabgesetzt. Außerdem sabotiert Alkohol genau jene Stoffwechsel- und Verhaltensänderung, für die man sich die Mühe des Fastens gemacht hat. Warten Sie mindestens bis zum Ende der Aufbauphase, besser deutlich länger.

Bei Kaffee ist die Lage weniger dramatisch, aber auch hier rate ich zur Zurückhaltung. Kaffee kann Magensäure, Darmbewegung und Kreislauf spürbar anregen. Wer nach dem Fasten wieder Kaffee trinken möchte, wartet am besten einige Tage und beginnt mit einer kleinen, milden Tasse nach einer Mahlzeit – nicht nüchtern. Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass Sie ihn gar nicht mehr brauchen. Auch das wäre kein medizinischer Notfall.

Stuhlgang nach dem Fasten: Wann ist er zu erwarten?

Nach dem Fasten muss nicht sofort Stuhlgang einsetzen. Wo kaum Nahrung hineingelangt, kann auch wenig herauskommen. Häufig stellt sich der erste spontane Stuhlgang am zweiten bis vierten Aufbautag ein.

Hilfreich sind ausreichend Flüssigkeit, Spaziergänge, gut verträgliches gekochtes Gemüse, Hafer und später etwas Leinsamen oder Flohsamenschalen. Mit Quellstoffen sollte man jedoch nicht am ersten Tag übertreiben; ohne genügend Flüssigkeit können sie das Problem verschärfen.

Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag Verstopfung während und nach dem Fasten.

Bitte abklären lassen: starke oder zunehmende Bauchschmerzen, ein harter geblähter Bauch, anhaltendes Erbrechen, Blut im Stuhl, Fieber oder das Ausbleiben von Stuhl und Winden zusammen mit deutlichen Beschwerden.

Blähungen, Durchfall, Müdigkeit: Was ist noch normal?

Blähungen und Völlegefühl

Meist war die Portion zu groß, zu roh, zu fettreich oder zu vielfältig. Gehen Sie für ein bis zwei Mahlzeiten wieder einen Schritt zurück: Suppe, Kartoffel, Möhren, Fenchel, Reis. Essen Sie langsamer und führen Sie neue Lebensmittel einzeln ein.

Durchfall

Durchfall kann nach großen Mengen Obst, Saft, Fett, Magnesium oder Zuckeralkoholen auftreten. Auch Abführmittel wirken manchmal länger nach als erwartet. Bei starkem, wässrigem oder anhaltendem Durchfall besteht die Gefahr von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten. Dann gehört die Situation abgeklärt.

Müdigkeit und Kreislaufschwäche

Verdauung kostet Energie, und der Kreislauf muss sich umstellen. Eine gewisse Müdigkeit nach den ersten Mahlzeiten ist deshalb nicht ungewöhnlich. Ruhe, kurze Spaziergänge und kleine Portionen helfen meist besser als Kaffee und Zucker. Ausgeprägte Schwäche, Atemnot, Herzrasen oder Verwirrtheit sind dagegen keine normale Aufbauerscheinung.

Gewichtszunahme

Wenn die Waage nach dem Fasten innerhalb weniger Tage ein bis drei Kilogramm mehr anzeigt, ist das nicht automatisch neues Körperfett. Glykogenspeicher füllen sich, Wasser wird gebunden und der Darm enthält wieder Nahrung. Wer daraus in Panik die nächste Hungerphase macht, beginnt den bekannten Jo-Jo-Zirkus. Entscheidend ist die Entwicklung über Wochen, nicht die Waage am zweiten Aufbautag. Mehr dazu: Heilfasten und Abnehmen.

Refeeding-Syndrom: selten, aber ernst

Das Refeeding-Syndrom ist nicht mit gewöhnlichem Völlegefühl nach dem Fasten zu verwechseln. Es kann entstehen, wenn ein stark mangelernährter oder lange nüchterner Mensch plötzlich wieder größere Mengen Energie – vor allem Kohlenhydrate – erhält. Der Insulinanstieg verschiebt Phosphat, Kalium und Magnesium in die Zellen. Im Blut können diese Mineralstoffe gefährlich abfallen; zusätzlich kann ein Mangel an Vitamin B1 zum Problem werden.

Nach einer üblichen, fachgerecht durchgeführten Heilfastenwoche bei einem gut ernährten und gesunden Menschen ist ein schweres Refeeding-Syndrom nicht das typische Szenario. Man sollte es dennoch nicht wegwinken – insbesondere nach langem oder strengem Fasten.

Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:

  • deutlichem Untergewicht,
  • starkem unbeabsichtigtem Gewichtsverlust in den vergangenen Monaten,
  • sehr geringer oder fehlender Nahrungsaufnahme über mehr als fünf bis zehn Tage,
  • bereits erniedrigtem Phosphat, Kalium oder Magnesium,
  • Alkoholabhängigkeit,
  • Essstörungen, Krebs, schweren chronischen Erkrankungen oder ausgeprägter Gebrechlichkeit,
  • bestimmten Medikamenten, darunter Insulin, Diuretika und manche Chemotherapien.

Warnzeichen können rasche Wassereinlagerungen, plötzliches starkes Schwächegefühl, Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Verwirrtheit, Krämpfe oder eine rasche klinische Verschlechterung sein. Das ist kein Fall für Küchentipps, sondern für umgehende medizinische Diagnostik. Bei Risikopatienten sollten vor und während des Aufbaus insbesondere Phosphat, Kalium, Magnesium, Glukose und der Flüssigkeitshaushalt überwacht werden. Vitamin B1 kann notwendig sein, gehört in dieser Situation aber in einen medizinisch abgestimmten Plan.

Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte bereits vor dem Fasten klären, ob und wie gefastet werden darf. Dazu siehe auch: Wer darf nicht fasten? und Welche Blutwerte beim Fasten wichtig sind.

Sonderfälle: Wann der Standardplan nicht passt

Diabetes und blutzuckersenkende Medikamente

Mit der erneuten Nahrungsaufnahme steigen Glukose und Insulinbedarf. Medikamente, die während des Fastens reduziert oder pausiert wurden, dürfen nicht nach Gefühl wieder angesetzt werden. Besonders Insulin und Sulfonylharnstoffe erfordern einen abgestimmten Plan und engmaschige Messungen.

Gastritis, Reflux und empfindlicher Darm

Hier beginne ich eher mit gekochter Kost: gedünsteter Apfel, Haferschleim, Reis, Kartoffel, Möhre, Fenchel oder Zucchini. Rohe Äpfel, Zitrusfrüchte, große Salate, Essig, Kaffee und scharfe Gewürze können unnötig reizen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist ein allgemeiner Internetplan zu grob. Krankheitsaktivität, Engstellen, Operationen, Medikamente und individuelle Unverträglichkeiten entscheiden über die Aufbaukost.

Nieren-, Herz– und Lebererkrankungen

Hier dürfen Trinkmenge, Salz, Kalium und Eiweiß nicht pauschal empfohlen werden. Gerade das, was für einen gesunden Fastenden harmlos ist, kann bei eingeschränkter Organfunktion problematisch werden.

Histaminintoleranz und Allergien

Die Aufbauphase eignet sich gut, um Lebensmittel einzeln und übersichtlich wieder einzuführen. Sie ist aber kein Freibrief für Selbstexperimente bei schweren allergischen Reaktionen. Bei Histaminproblemen sollten Speisen frisch zubereitet und individuelle Auslöser gemieden werden.

Darmflora nach dem Fasten aufbauen?

Während des Fastens verändert sich das Nahrungsangebot für die Darmbakterien. Nach dem Fasten braucht das Mikrobiom vor allem wieder verträgliche Nahrung: unterschiedliche Pflanzenstoffe, lösliche Ballaststoffe und später eine größere Vielfalt. Hafer, gekochtes Gemüse, abgekühlte Kartoffeln oder Reis und kleine Mengen fermentierter Lebensmittel können dabei sinnvoll sein – aber nicht alles gleichzeitig und nicht zwingend am ersten Tag.

Probiotika sind kein obligatorisches Ritual nach jeder Fastenkur. Bei konkreten Beschwerden können sie sinnvoll sein, sollten aber gezielt gewählt werden. Mehr dazu: Symbioselenkung und Aufbau der Darmflora.

Die häufigsten Fehler beim Fastenbrechen

  1. Zu viel auf einmal: Der erste Hunger wird mit einer normalen Erwachsenenportion beantwortet.
  2. Zu viele Zutaten: Der „gesunde“ Teller wird zur Verdauungsprüfung.
  3. Zu viel Rohkost: Salatberge, Kohl und Zwiebeln erzeugen unnötig Gärung und Blähungen.
  4. Zu viel Fett: Nüsse, Käse, Avocado und Öl sind gesundheitsbewusst gemeint, in Kombination aber schnell sehr schwer.
  5. Zucker als Belohnung: Kuchen nach dem Fasten ist kein Aufbau, sondern ein Stoffwechselüberfall.
  6. Alkohol zur Feier: Die Wirkung kann nach dem Fasten erheblich stärker ausfallen.
  7. Keine Zeit eingeplant: Wer am letzten Fastentag aufhört und am nächsten Morgen auf Geschäftsreise geht, hat die Aufbauphase organisatorisch bereits verloren.
  8. Die Waage überbewerten: Wasser und Darminhalt werden mit Fettzunahme verwechselt.

Wie es nach den Aufbautagen weitergeht

Das Ziel ist nicht, möglichst schnell wieder „normal“ zu essen. Vielleicht war das bisherige Normal ja ein Teil des Problems. Nutzen Sie die geschärfte Wahrnehmung nach dem Fasten:

  • Essen Sie überwiegend naturbelassene Lebensmittel.
  • Planen Sie klare Mahlzeiten statt ständiger Zwischenmahlzeiten.
  • Lassen Sie nachts eine längere Essenspause.
  • Behalten Sie Gemüse, Kräuter, hochwertige Öle und ausreichendes Eiweiß im Blick.
  • Reduzieren Sie Zucker, Weißmehl, Alkohol und stark verarbeitete Produkte.
  • Bewegen Sie sich täglich und beginnen Sie nach der Aufbauphase wieder mit angemessenem Krafttraining.

Das Fasten kann einen Stoffwechsel umstimmen. Dauerhaft verändern kann es das Leben aber nur, wenn sich nach dem Fasten auch etwas ändert. Wer nach einer Woche Verzicht wieder exakt dort weitermacht, wo er aufgehört hat, hat vor allem eines absolviert: eine Pause.

Häufige Fragen zum Fastenbrechen

Was isst man als Erstes nach dem Heilfasten?

Traditionell einen kleinen reifen Apfel. Bei empfindlichem Magen sind ein gedünsteter Apfel, mildes Gemüse, Haferschleim oder eine leichte Kartoffel-Gemüse-Suppe oft besser verträglich.

Kann man das Fasten ohne Apfel brechen?

Ja. Der Apfel ist eine bewährte Tradition, aber keine Pflicht. Entscheidend sind eine kleine Portion, einfache Zutaten und gute Verträglichkeit.

Wie viele Aufbautage braucht man nach sieben Tagen Fasten?

In der Regel drei bis vier Tage. Nach strengem Wasserfasten, bei Untergewicht oder Erkrankungen kann ein längerer und fachlich begleiteter Aufbau nötig sein.

Was passiert, wenn man nach dem Fasten sofort normal isst?

Häufig folgen Völlegefühl, Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Durchfall oder starke Müdigkeit. Bei mangelernährten Menschen kann eine zu schnelle Nahrungszufuhr außerdem gefährliche Elektrolytverschiebungen auslösen.

Darf man am ersten Aufbautag Brot essen?

Nach einer kurzen Fastenperiode ist eine kleine Menge oft verträglich. Nach längerem Heilfasten sind Apfel, Kartoffel, Hafer, Reis oder gekochtes Gemüse meist die sanftere Wahl. Brot lässt sich eher ab dem dritten oder vierten Tag einführen.

Darf man nach dem Fasten Eier oder Milchprodukte essen?

Kleine Mengen Naturjoghurt, Quark oder Ei können ab dem dritten oder vierten Aufbautag passen, sofern sie vertragen werden. Notwendig sind Milchprodukte nicht; der Aufbau kann problemlos vegan erfolgen.

Wann darf man nach dem Fasten wieder Sport treiben?

Spaziergänge und leichte Bewegung sind während der Aufbautage sinnvoll. Intensives Kraft- oder Ausdauertraining sollte erst wieder beginnen, wenn Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und Nahrungsaufnahme stabil sind – meist nach einigen Aufbautagen.

Wann kommt der erste Stuhlgang nach dem Fasten?

Häufig am zweiten bis vierten Aufbautag. Ohne Bauchschmerzen oder andere Warnzeichen ist ein verzögerter Stuhlgang zunächst nicht ungewöhnlich.

Warum nehme ich nach dem Fasten sofort wieder zu?

Vor allem, weil sich Glykogenspeicher, Wasserhaushalt und Darminhalt normalisieren. Eine rasche Zunahme in den ersten Tagen besteht nicht automatisch aus Körperfett.

Wann sollte man das Fasten medizinisch begleitet brechen?

Bei langem Fasten, deutlichem Untergewicht, starkem Gewichtsverlust, Essstörungen, Krebs, Diabetes, Organerkrankungen, Gebrechlichkeit, auffälligen Elektrolytwerten oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Mein Fazit

Fastenbrechen ist keine einzelne Mahlzeit, sondern der Beginn einer Übergangsphase. Starten Sie klein, essen Sie langsam und erhöhen Sie Menge und Vielfalt über mehrere Tage. Ein Apfel kann dafür wunderbar geeignet sein – muss es aber nicht. Entscheidend ist, dass die erste Nahrung zu Ihrem Verdauungssystem und Ihrer gesundheitlichen Situation passt.

Nach über 25 Jahren Fastenbegleitung ist mein wichtigster Rat schlicht: Planen Sie die Aufbautage genauso sorgfältig wie die Fastentage. Sie sind kein Anhängsel der Kur. In ihnen entscheidet sich, ob der Fastenerfolg in den Alltag hineinreicht.

Eine vollständige Anleitung zu Vorbereitung, Fastentagen und Aufbau finden Sie in meiner Heilfasten-Anleitung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung: Leitlinien zur Fastentherapie.
  • Wilhelmi de Toledo F. et al.: Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines. Forschende Komplementärmedizin. 2013;20:434–443. DOI: 10.1159/000357602.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Heilfasten.
  • National Institute for Health and Care Excellence: Nutrition support for adults – Recommendations, insbesondere Abschnitt zum Refeeding-Risiko.
  • da Silva JSV et al.: ASPEN Consensus Recommendations for Refeeding Syndrome. Nutrition in Clinical Practice. 2020;35(2):178–195. DOI: 10.1002/ncp.10474.
  • Buchinger Wilhelmi: Fastenbrechen und Ernährung nach der Fastenkur.

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Diesen Beitrag habe ich am 8.8.2026 komplett für Sie überarbeitet.

Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem und auch etabliert. Aber diese Theorie war schon immer ziemlich unlogisch.  Nach neuerer Forschung zeigen sich ganz andere Theorien als stimmig, die ich u.a in folgenden Beiträgen darlege:

Die Arteriosklerose wird landläufig als „Gefäßverkalkung“ bezeichnet. Allein dieser Begriff prägt bereits das Denken: Verkalkung klingt nach etwas Endgültigem, nach Beton, nach irreversibler Abnutzung. Entsprechend resigniert fällt häufig auch der therapeutische Ansatz aus. Ist die Diagnose einmal gestellt, gilt der Prozess als nicht mehr umkehrbar. Bestenfalls lasse er sich verlangsamen. In der Praxis reduziert sich die Behandlung dann meist auf einen Laborwert – das LDL-Cholesterin – und auf die medikamentöse Senkung eben dieser Zahl.

Diese Sichtweise ist bequem. Sie ist etabliert. Und sie ist biologisch zu kurz gedacht.

Die Cholesterin-Theorie – ein überholtes Erklärungsmodell

Die Vorstellung, Arteriosklerose entstehe primär durch „zu viel Cholesterin im Blut“, gehört zu den hartnäckigsten Dogmen der modernen Medizin. Sie war schon immer erklärungsbedürftig und ist durch neuere Forschung zunehmend ins Wanken geraten. Cholesterin ist kein Fremdkörper, der sich zufällig in Gefäßwänden ablagert. Es ist ein essenzieller Baustoff, ohne den weder Zellmembranen noch Hormone funktionieren würden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie viel Cholesterin im Blut zirkuliert, sondern unter welchen Bedingungen es in die Gefäßwand einwandert – und warum es dort verbleibt.

Entzündung und Insulin – die unterschätzten Treiber der Arteriosklerose

Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass Arteriosklerose weniger ein Fettproblem als vielmehr ein Entzündungs- und Stoffwechselproblem ist. Chronisch erhöhte Insulinspiegel, oxidativer Stress, dauerhafte Reizung der Gefäßinnenhaut und eine Fehlregulation des Immunsystems spielen eine zentrale Rolle.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Rolle der Kohlenhydrate. Während Fette lange pauschal verteufelt wurden, zeigt sich heute immer klarer, dass Zucker und raffinierte Stärke das Gefäßsystem erheblich stärker belasten als natürliche Fette.

Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum führt zu wiederholten Insulinspitzen. Insulin wirkt dabei nicht nur blutzuckersenkend, sondern auch wachstumsfördernd und entzündungsaktivierend. Die Gefäßinnenhaut reagiert auf diese Signale mit erhöhter Durchlässigkeit. Immunzellen wandern ein, LDL-Partikel werden oxidiert, Makrophagen nehmen diese auf und verwandeln sich in sogenannte Schaumzellen. Diese verbleiben in der Gefäßwand und bilden die Grundlage für Plaques.

Ketogene Ernährung und Fasten – warum Kohlenhydratreduktion biologisch Sinn ergibt

Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass Ernährungsformen, die Zucker und Stärke konsequent reduzieren, zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Die ketogene Ernährung ist ein Beispiel dafür. Sie vermeidet Kohlenhydrate weitgehend und zwingt den Organismus, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper, unter anderem ß-Hydroxybutyrat.

Auch beim Heilfasten kommt es durch den Mangel an Kohlenhydraten zur verstärkten Fettverbrennung und zur Bildung von Ketonkörpern. Der Stoffwechsel schaltet von Wachstum und Speicherung auf Erhaltung und Reparatur um.

Zu dieser Ketose und zur ketogenen Ernöhrung hatte ich ebenfalls einiges verfasst:

ß-Hydroxybutyrat und Gefäßregeneration – neue Erkenntnisse aus der Forschung

Lange galten Ketonkörper lediglich als Nebenprodukte eines „Notstoffwechsels“. Inzwischen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Ketonkörper sind hochaktive Signalmoleküle mit direktem Einfluss auf Zellfunktionen.

US-amerikanische Forscher um Ming-Hui Zou konnten zeigen, dass ß-Hydroxybutyrat genetische Programme in Endothelzellen aktiviert, die mit Zellerneuerung und Differenzierung in Verbindung stehen. Dabei wird unter anderem der Transkriptionsfaktor Oct4 beeinflusst, der eine zentrale Rolle bei Wachstum und Reparatur spielt. In den untersuchten Gefäßen nahm die Zahl funktionstüchtiger Endothelzellen zu – ein Hinweis darauf, dass Fasten aktiv zur Regeneration der Gefäßinnenhaut beitragen kann. Link zur Studie: https://www.cell.com/molecular-cell/fulltext/S1097-2765(18)30605-1

Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen.

Fasten und Arteriosklerose – Übertragbarkeit auf den Menschen

Auch wenn diese Untersuchungen zunächst an Tiermodellen durchgeführt wurden, ist der zugrunde liegende Mechanismus biologisch fundamental. Weniger Zucker, weniger Insulin, weniger oxidative Belastung und eine verbesserte Endothelfunktion sind Effekte, die sich auch beim Menschen beobachten lassen.

Für mich ist das kein rein theoretisches Konzept. Ich habe die beschriebenen Effekte über Jahre an mir selbst erfahren – ohne dass ich diese Entwicklung mit bildgebenden Verfahren dokumentiert hätte, aber mit eindeutigen Veränderungen im Stoffwechselprofil.

Dasselbe beobachte ich bei vielen Patienten in der Praxis. Allerdings unter einer klaren Voraussetzung: Heilfasten ist kein isoliertes Wundermittel. Es wirkt nur dann nachhaltig, wenn anschließend konsequent weitergearbeitet wird – mit einer entzündungsarmen Ernährung, einer stabilen Insulinregulation und einer gezielten Versorgung mit Vitalstoffen. Ohne diese Schritte verpufft der Effekt.

Darmflora und Arteriosklerose – der Einfluss des Mikrobioms

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Darmflora. Studien an eineiigen Zwillingen zeigen, dass die Arteriosklerose umso stärker ausgeprägt ist, je geringer die Vielfalt der Darmbakterien ausfällt. Besonders Bakterien aus der Familie der Ruminococcaceae scheinen einen positiven Einfluss auf die Elastizität der Blutgefäße zu haben.

Diese Mikroorganismen produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die stark entzündungshemmend wirken. Fasten beeinflusst das Darmmilieu positiv, reduziert Zuckerzufuhr und fördert genau jene bakteriellen Stoffwechselprodukte, die Gefäße schützen statt belasten.

Zur Darmflora und dessen Einflüsse hatte ich ebenfalls zahlreiche Beiträge veröffentlicht:

Warum Statine den Prozess nicht aufhalten

Statine senken Cholesterinwerte. Sie verändern jedoch weder dauerhaft erhöhte Insulinspiegel noch chronische Entzündungsprozesse oder eine gestörte Endothelfunktion. Sie greifen an einem Marker an, nicht an der Ursache.

Fasten hingegen setzt genau dort an, wo Arteriosklerose entsteht: im Stoffwechsel. Nicht als Ersatz für jede Therapie, aber als ernstzunehmendes biologisches Werkzeug.

Fazit: Arteriosklerose ist ein Prozess – und Prozesse sind veränderbar

Arteriosklerose ist keine unabwendbare Alterserscheinung und kein reines Zahlenproblem. Sie ist Ausdruck eines chronisch überlasteten Stoffwechsels. Wer diesen entlastet, kann den Krankheitsverlauf bremsen und unter günstigen Bedingungen sogar teilweise umkehren.

Fasten wirkt nicht über Kalorienreduktion, sondern über biologische Signalwege. Genau darin liegt seine therapeutische Bedeutung.

Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Otto Buchinger hat das Heilfasten nicht erfunden. Aber er hat es aus der Ecke von Askese, Notzeiten und religiösem Verzicht herausgeholt – und in eine Form gebracht, die man ernsthaft als Therapie verstehen kann: mit klarer Struktur, physiologischem Verständnis, Hilfsmethoden und einer erstaunlich modernen Sicht auf das, was Fasten im Körper auslöst.

Wer glaubt, Heilfasten sei einfach „ein paar Tage nichts essen und Tee trinken“, hat Buchinger nicht verstanden. Schon ein Blick in sein Hauptwerk Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden zeigt: Er dachte in Systemen, nicht in Kalorien. In Abläufen, nicht in Motivation. In Beobachtung, nicht in Wunschdenken.

Fasten war für ihn kein Lifestyle, sondern ein Eingriff. Und genau deshalb muss es auch so durchgeführt werden.

In diesem Beitrag will ich einen Überblick geben wie Buchinger das fasten für seine Patienten gestaltet hat. Dabei stütze ich mich auf sein Werk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden aus dem Jahr 1935.

Im Folgenden zeige ich Ihnen zuerst Fotografien des Inhaltsverzeichnisses, sodass Sie hier bereits sehen was Dr. Buchinger wichtig war:

Inhaltsverzeichnis aus Buchingers Buch „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden“ mit Kapiteln zu Geschichte, Physiologie des Fastens und Methode

Inhaltsverzeichnis zu „Wirkung des Fastens auf Krankheiten“ und „Hilfsmethoden“ im Buch „Das Heilfasten“ von Otto Buchinger

Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln zu Röder-Methode, Homöopathie, heilender Seelenführung und Zusammenfassung in Buchingers „Das Heilfasten“

Fasten ist alt – Buchinger machte es klinisch

Sie sehen bereits am Inhaltsverzeichnis: Buchinger beginnt nicht mit Speiseplänen, sondern mit Geschichte. Fasten existiert seit Jahrtausenden: in Religionen, in der Volksmedizin, in Krisenzeiten, in Heiltraditionen vieler Kulturen. Das allein beweist noch keine therapeutische Wirkung – aber es zeigt etwas Entscheidendes: Fasten ist kein modernes „Biohacking“, sondern ein menschliches Grundprogramm.

Der Unterschied ist Buchingers Perspektive. Für ihn war Fasten nicht nur Verzicht, sondern ein Zustand, in dem der Organismus umschaltet – von ständiger Verarbeitung auf Regulation. Fasten bedeutet: weniger Reiz von außen, mehr Ordnung von innen.

Das ist der Grund, warum Buchinger Fasten nicht als kurzfristige Maßnahme sah, sondern als Kurform mit Vorbereitung, Verlauf, Beobachtung und Aufbauphase.

Physiologie des Fastens: Buchingers Kernstück

Hier geht es um „klinisches Denken“.

Was passiert im Körper?

Buchinger beschreibt Fasten als Umstellung in Etappen: Der Körper verlässt die Dauerverwertung von Nahrung und wechselt in einen Modus, in dem er Reserven nutzt, Stoffwechselwege verschiebt und innere Ordnungssysteme hochfährt.

Heute würden wir Begriffe wie Ketose, Insulinabsenkung, Entzündungsmodulation und Autophagie nennen. Buchinger hatte diese Worte nicht. Aber er hatte das Entscheidende: Beobachtung, Erfahrung, Systematik.

Fasten ist messbar – nicht nur „ein Gefühl“

Buchinger beobachtete klassische Parameter:

  • Kreislaufveränderungen
  • Puls und Blutdruck
  • Harnausscheidung und Stoffwechselprodukte
  • Reaktionen von Magen, Leber und Darm

Damit macht er klar: Fasten ist nicht bloß Stimmung. Fasten ist Physiologie – und die kann man sehen, spüren und messen.

Leber, innere Sekretion und der „innere Arzt“

Buchinger schreibt ausführlich über die Leber und über hormonelle Steuerung (er spricht von „innerer Sekretion“). Und er bringt eine Idee, die heute fast altmodisch klingt, aber in der Praxis oft erschreckend zutrifft: den inneren Arzt.

Gemeint ist: Der Körper kann regulieren, wenn man ihn lässt.

Das klingt banal – ist es aber nicht. Viele Menschen leben so, dass der Körper kaum noch Gelegenheit bekommt, in einen Reparaturmodus zu wechseln. Ständige Zufuhr, ständiger Stress, ständiger Reiz. Fasten ist dann nicht „Verzicht“, sondern eine Art Zwangspause für das System.

Hunger, Sensibilisierung, Gewichtsabnahme

Buchinger widmet dem Hunger ein eigenes Kapitel. Er behandelt Hunger nicht als Feind, sondern als Signal – und er beschreibt etwas, das viele Fastende kennen: eine Sensibilisierung.

Geruch, Geschmack, Körperwahrnehmung, Schlaf, Stressreaktion – vieles wird feiner. Nicht magisch, sondern physiologisch.

Gewichtsabnahme passiert dabei fast zwangsläufig. Aber Buchinger war nicht auf Kilos fixiert. Er war auf Umstimmung fixiert.

Fasten als Ausscheidungs- und Umstimmungskur

Buchinger spricht nicht nur von „Entgiftung“ – ein Begriff, der heute oft zu Werbezwecken missbraucht wird – sondern von Umstimmung. Und das ist einer seiner stärksten Begriffe.

Der Körper schaltet um:

  • von Aufnahme auf Regulation
  • von Dauerreiz auf Rhythmus
  • von Stressstoffwechsel auf Reparaturmodus

Man kann das biologisch erklären. Man kann es klinisch beobachten. Und man kann es bei vielen Menschen sogar im Gesicht sehen.

Die Buchinger Methode: Fasten Tagesablauf

Buchinger beschreibt seine Methode nicht als „Konzept“, sondern als Kurplan. Und genau hier liegt der Unterschied zu vielen modernen Internet Fastenkuren.

Buchinger wusste: Der Erfolg hängt nicht am Willen, sondern an der Struktur.

1. Selbstfasten – ja, aber nicht naiv

Buchinger unterscheidet zwischen Fasten unter Führung und Selbstfasten. Er war kein Freund von blindem Selbstversuch. Fasten ist einfach – bis es nicht mehr einfach ist:

Kreislaufprobleme, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Kältegefühl, emotionale Reaktionen, Unterzuckerungssymptome, Reizbarkeit. Wer das nicht einordnen kann, bricht ab oder macht Fehler.

2. Wann Fasten? Die Jahreszeiten

Buchinger nimmt die Jahreszeiten ernst. Nicht als Folklore, sondern als Physiologie:

  • Licht
  • Temperatur
  • Aktivitätsniveau
  • Stimmungslage

Fasten im Frühling fällt vielen leichter als im tiefen Winter. Das ist keine Theorie. Das ist Erfahrung.

3. Aufnahme und Vorbereitung: Der Einstieg entscheidet

Wer einfach „ab morgen esse ich nichts mehr“ macht, fastet oft gegen den Körper. Buchinger behandelt Vorbereitung als Teil der Therapie. Der Körper braucht einen Übergang.

4. Obsttage: Entlastung vor dem Fasten

Die klassischen Obsttage dienen dem Runterfahren:

  • Verdauung beruhigen
  • Insulinspitzen senken
  • Reizstoffe reduzieren
  • sanfter Übergang in den Fastenstoffwechsel

Heute würde man sagen: metabolisch klüger Einstieg.

5. Glaubersalz: Darmentleerung als Startsignal

Das ist der Buchinger Klassiker – und gleichzeitig der Teil, über den sich manche am meisten echauffieren.

Buchinger nutzt Glaubersalz nicht aus Darmmystik, sondern aus Erfahrung:

  • Ein voller Darm macht Fasten schwer
  • Übelkeit, Druck, Unruhe werden häufiger
  • Nach der Entleerung fühlen sich viele sofort leichter und klarer

Ob man heute immer Glaubersalz braucht, kann man diskutieren. Aber als historischer Kernbestandteil der Methode gehört es dazu.

6. Mittagspackung, Spaziergang, Abend, Nacht

Hier erkennt man Buchinger als Praktiker. Fasten ist nicht „leer“. Es wird gefüllt mit Rhythmus:

  • Wärme
  • Ruhe
  • Bewegung
  • Tagesstruktur

Die Mittagspackung ist ein klassisches Reiz Reaktions Prinzip: Wärme, Durchblutung, vegetative Entspannung.

Der Spaziergang: Bewegung ohne Stress. Nicht Training. Nicht Leistung. Kreislaufpflege und Stoffwechselaktivierung.

Der Abend: Runterfahren statt stimulieren.

Die Nacht: Schlaf ist Therapie. Punkt.

7. Morgen Klistier und Morgen Beratung

Buchinger bleibt konsequent: Der Darm bleibt auch im Fasten ein Thema. Nicht weil „alles vom Darm kommt“, sondern weil der Körper im Fasten anders reagiert.

Und die Morgen Beratung ist psychologisch klug: Fasten ist nicht nur Stoffwechsel, sondern Prozessführung.

8. Warme Bäder, Hautpflege, Mundpflege, Sonnen und Luftbad

Das klingt nach Kurhotel – ist aber in Wahrheit Physiologie.

Fastende frieren häufig. Warme Bäder stabilisieren Kreislauf und Nervensystem.

Mundpflege ist wichtig, weil Fasten Mundflora und Belagbildung verändert. Wer das ignoriert, fühlt sich irgendwann „unsauber“ und bricht ab.

Und Sonnen Luftbad: Licht wirkt. Punkt. Heute würden wir circadianen Rhythmus, Stimmung, Schlaf und Vitamin D erwähnen. Buchinger nannte es Luftbad.

9. Arzt und Patient: Beziehung ist Teil der Therapie

Buchinger endet die Methodik nicht mit „Ernährung“, sondern mit Beziehung.

Das ist eine klare Aussage: Fasten ist eine Therapie, die Führung braucht.

Wirkung bei Krankheiten: Buchinger war mutig – und differenziert

Buchinger beschreibt Einsatzfelder, die erstaunlich breit sind: Rheuma und Arthritis, Arteriosklerose und Angina pectoris, Asthma, Hautkrankheiten, Gastritiden und Enteritiden, Nierenentzündung, Migräne, akute und chronische Entzündungen – sogar „Krebsanlage“ in damaliger Sprache.

Buchinger berichtet zu seiner Zeit über klinische Erfahrungen, nicht moderne randomisierte Studien. Die gab es damals nämlich nicht. Buchinger war Pionier auf diesem Gebiet!

Heute wissen wir, dass Fasten tief auf Stoffwechsel, Entzündungen und vieles mehr wirkt – und genau diese Achsen sind bei chronischen Krankheiten oft zentral. Buchinger bringt es sinngemäß auf den Punkt: Fasten wirkt tiefer als seine Hilfsmethoden (die er im Buch ebenfalls beschreibt).

Gegenanzeigen: Fasten ist kein Kinderspiel

Buchinger nennt auch klare Gegenanzeigen. Das zeigt: Er war kein Fasten Fanatiker. Fasten ist kein Spiel. Es ist ein Eingriff. Ich habe ausführlich zu den Gegenanzeigen in folgendem Beitrag berichtet: Wer darf nicht fasten?

Hilfsmethoden: Fasten als Gesamtpaket

Buchinger nennt sie Hilfsmethoden, weil Fasten für ihn die Haupttherapie ist – unterstützt durch Maßnahmen, die den Prozess stabilisieren und unterstützen.

Luftbad und Sonnenbad

Licht ist biologischer Taktgeber.

Packungen und Ganzwaschung

Kneipp lässt grüßen. Wasseranwendungen sind gezielte Reize – richtig dosiert können sie regulierend wirken und enorm viel bewirken!

Vegetarismus

Buchinger diskutiert vegetarische Kost als Aufbau und Lebensstilfrage. Er wollte nicht, dass Menschen nach dem Fasten direkt in die alte Überlastung zurückfallen.

Fasten ohne Änderung danach ist wie Reset drücken und sofort wieder denselben Fehler machen.

Röder Methode und Homöopathie

Spannend ist, wie breit Buchinger dachte. Er integrierte Methoden, die damals im naturheilkundlichen Umfeld üblich waren. Diese beiden Methoden werden heute gerne „vergessen“. Das Rödern kennt kaum noch jemand: Rödern – Mandeln behandeln statt entfernen [Mandeln absaugen]. Und zur Homöopathie muss ich nicht viel sagen – oder? Wenn doch, schauen Sie bitte in meinen Artikel: Homöopathie Lexikon: Anwendung, Prinzipien, Mittel und Studien

Die meisten Fastenleiter die ich heute kenne, haben von diesen beiden wichtigen Verfahren leider keine oder nur sehr wenig Ahnung.

Heilende Seelenführung: der Teil, der fast immer vergessen wird

Und noch ein Abschnitt, den viele „moderne Fastenprogramme“ am liebsten weglassen, weil er nicht in eine Checkliste passt: Seelenführung.

Buchinger spricht über:

  • Leib und Seele
  • Fasten und Beten
  • heilsame Selbstansprache
  • Ur Angst
  • Mut gegenüber Sachverständigen Urteilen
  • Elementarschule und Hochschulschule

Man kann das religiös lesen. Oder psychologisch.

In der Praxis ist es vor allem eines: der Beweis, dass Buchinger wusste, was Fasten mit Menschen macht. Fasten macht nicht automatisch glücklich. Es macht oft erstmal ehrlich. Und das ist für viele der Beginn von Veränderung.

Fastenbrechen und Aufbautage: hier entscheidet sich viel…

Buchinger widmet dem Fastenbrechen große Aufmerksamkeit: Fastenbrechen, Ausgefastetsein, Technik des Fastenbrechens, Störungen der ersten Aufbautage, Schwierigkeiten der ersten Aufbautage, der rechte Ausklang.

Das zeigt: Für Buchinger war der Aufbau keine Nebensache. Er war der zweite Teil der Therapie.

Viele machen den Fehler: Fasten läuft gut – und dann kommt der Belohnungstag.

Buchinger wusste: Der Körper ist nach dem Fasten empfindlich. Genau dann muss man führen.

Fazit: Was Buchinger wirklich geschaffen hat

Buchinger hat Fasten nicht einfach populär gemacht. Er hat Fasten in eine Form gebracht, die man klinisch anwenden kann: Vorbereitung, strukturierter Tagesablauf, Begleitung, Hilfsmethoden, psychische Führung, Aufbauphase, Indikationen und Gegenanzeigen.

Fasten ist bei Buchinger weder Selbstkasteiung noch Lifestyle. Es ist Regulationsmedizin. Und genau deshalb wirkt sein Ansatz heute wieder so modern: Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nicht an akuten Krankheiten scheitern, sondern an chronischer Überlastung.

Fasten ist nicht für jeden. Aber für viele ist es genau das, was die Medizin oft nicht mehr liefert: Eine Pause. Ein Reset. Und die Chance, dass der innere Arzt wieder arbeiten kann.

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Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

 

Otto Buchinger (1878–1966) war ein Pionier auf seinem Gebiet. Er war Arzt, Marinearzt während seiner Militärzeit. Aber vor allem war er jemand, der am eigenen Körper erlebt hat, wie schnell ein Mensch medizinisch „abgehakt“ werden kann, wenn die üblichen Werkzeuge nicht mehr greifen.

Was Dr. Buchinger später entwickelte, war nicht die nächste Modekur für den Strandkörper, sondern ein umfassendes therapeutisches Konzept. Geboren aus der Idee: Wenn mir niemand hilft, muss ich selbst etwas finden, das funktioniert.

Fasten war für ihn keine Idee. Es war seine Rettung und später auch für tausende seiner Patienten.

Kindheit, Studium und ein erstaunlich menschlicher Start

Otto Buchinger wurde am 16. Februar 1878 in Darmstadt geboren. Sein Vater war Regierungsrat, die Familie akademisch geprägt, der Weg schien vorgezeichnet. Kindheit und Jugend beschreibt man später als unbeschwert: Karl May, Waldwanderungen, Eislaufen, Käfer sammeln. Es klingt fast zu harmlos für jemanden, der später als unbequemer Grenzgänger zwischen Medizin, Lebensreform und Spiritualität bekannt wurde.

Und dann dieses Detail, das ich persönlich liebe, weil es ihn entmythologisiert: Buchinger hätte sein Abitur beinahe nicht bestanden. Mathematik ungenügend. Kein Wunderkind, kein Überflieger. Sondern ein junger Mann mit Ecken, der sich durchbeißt.

1897 begann er zunächst mit Jura in Gießen, wechselte aber bald zur Medizin. Nicht aus romantischer Berufung, sondern aus einem ganz praktischen Grund: Die Vorlesungen begannen später am Morgen. Auch das macht ihn menschlich. Er war nicht der Typ „Heiliger in Weiß“. Er war ein Realist, ein Suchender, ein Beobachter.

In Gießen wurde er Korpsstudent. Die damaligen Trinksitten, dieses ritualisierte Saufen als „Männlichkeitsbeweis“, prägten ihn nachhaltig – allerdings nicht in der Weise, wie es das Korps vermutlich beabsichtigt hatte. Buchinger entwickelte eine deutliche Abneigung gegen den Trinkzwang. Diese frühe Erfahrung wird später noch wichtig, denn Buchinger war einer der wenigen Ärzte seiner Zeit, die Alkohol nicht als „Kultur“, sondern als Problem verstanden.

Marinearzt: Weltreise statt Kurpark

1902 trat Buchinger in den Dienst der Kaiserlichen Marine. Sein erster Einsatz auf hoher See war als Unterarzt auf einem Torpedoboot. Kurz darauf folgte die SMS Hertha, ein ostasiatisches Kreuzergeschwader. Er reiste über Aden, Ceylon, Singapur bis nach Tsingtau, weiter nach Korea, nach Wladiwostok, besuchte Japan – Nagasaki und Kyoto – und kam über Afrika zurück.

Man muss sich das vorstellen: Das war keine gemütliche Bildungsreise. Das war eine Welt, in der Hygiene, Tropenkrankheiten, Mangelversorgung, Stress und medizinische Improvisation Alltag waren. Buchinger lernte dort etwas, das man heute in vielen Arztpraxen vergeblich sucht: Demut vor dem Leben – und Respekt vor anderen Kulturen.

Er war nicht einer dieser deutschen Kulturmissionare, die damals durch die Welt liefen, als wäre Europa das Maß aller Dinge. Buchinger betrachtete fremde Völker und Kulturen als gleichwertig. Er nannte die Kolonialpolitik des Kaiserreichs einmal ein „Schuldbuch des weißen Mannes“. Das ist bemerkenswert. Und es passt zu seinem späteren Denken: Wer den Menschen als Ganzes sieht, kann ihn nicht gleichzeitig als Objekt betrachten.

Auf See hatte er Zeit. Er las Nietzsche, Goethe, beschäftigte sich mit Lebensreform, Askese, Monismus. Und er begann Vorträge zu halten – über Tropenhygiene, aber auch über Lebensführung. Das war kein Arzt, der nur Medikamente kannte. Das war ein Arzt, der früh verstand: Der Lebensstil ist keine Nebensache. Er ist die Bühne, auf der Krankheit entsteht oder Gesundheit zurückkehrt.

Die Alkoholfrage: Buchinger gegen den „normalen Wahnsinn“

Während seiner Marinezeit wurde für Buchinger die Alkoholfrage immer zentraler. 1909 trat er einem Marine-Alkoholgegnerbund bei und ließ sich mit seiner Frau in den Guttemplerorden aufnehmen. Er sah Abstinenz nicht als Moralpredigt, sondern als volkswirtschaftliches Heilmittel und als Grundlage für körperliche und geistige Klarheit.

Man kann darüber diskutieren, ob er damit manchmal zu missionarisch war. Aber eines ist sicher: Buchinger hatte früh verstanden, dass die Gesellschaft ihre chronischen Probleme gern mit „Normalität“ tarnt. Wenn alle trinken, ist Trinken normal. Wenn alle zu viel essen, ist Überessen normal. Wenn alle ständig stimuliert sind, ist Überstimulation normal.

Und genau da liegt der Kern seines späteren Fastenkonzepts: Fasten ist nicht nur „weniger Essen“. Fasten ist der radikale Gegenentwurf zur permanenten Reizüberflutung.

Der Absturz: Krankheit, Sepsis, Invalidität

Der Erste Weltkrieg begann, und wie viele seiner Generation zog auch Buchinger mit. Er diente zunächst an Bord eines Admiralschiffes, später wurde er Chefarzt eines Quarantäne-Festungslazaretts in Cuxhaven.

1917 kam ein entscheidender Wendepunkt.

Im September erkrankte er an einer Mandelentzündung, die sich zu einem septischen Gelenkrheumatismus entwickelte, inklusve Sepsis und Lebensgefahr. Danach kam eine Invalidität. Buchinger überlebte – aber nicht als „gesundet“, sondern als gebrochener Mann. Er ging an zwei Stöcken. Seine Leber funktionierte kaum noch. Er war bord- und garnisonsdienstunfähig. 1918 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen, mit dem Titel Marine-Generaloberarzt.

Buchinger war also immer noch Arzt der aber selbst ein Patient mit einem „schweren Fall war“. Die Medizin, die er gelernt hatte, konnte ihm nicht helfen.

Eine Kur im Wiesbadener Offiziersgenesungsheim verlief erfolglos. Für Buchinger muss das eine Enttäuschung gewesen sein, die in Verzweiflung. mündete. Die Frage stand im Raum: Was wird aus meinem Leben, wenn ich körperlich am Ende bin?

Das ist der Moment, in dem viele resignieren. Buchinger tat etwas anderes. Er suchte.

Die Fastenkur, die alles veränderte

Die entscheidende Wende kam durch eine Fastenkur bei Dr. Gustav Riedlin in Freiburg. Dieses Detail ist wichtig, weil es Buchingers Geschichte aus dem Nebel holt. Buchinger fastete rund 19 Tage. Und was danach geschah, beschreibt er als radikale Veränderung: Beweglichkeit kehrte zurück, Lebensqualität, ein Gefühl von Kraft und innerer Ordnung. Es war kein „kurzes Hoch“. Es war der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Ich verstehe diese Erfahrung sehr gut, weil ich in meiner eigenen Arbeit mit Fastengruppen seit Jahrzehnten sehe, was Fasten auslösen kann, wenn es richtig geführt wird: Der Körper schaltet um. Entzündung verändert sich. Schlaf wird tiefer. Schmerzen werden weniger oder verschwinden. Und viele Menschen merken zum ersten Mal seit Jahren wieder, dass sie nicht nur „Patient“ sind, sondern ein Organismus mit echten Selbstregulationskräften.

Witzenhausen: Wie aus einer Erfahrung ein Konzept wurde

Nach seiner Genesung wurde Buchinger Dozent für Tropenhygiene an der Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen. Ein Jahresgehalt von 600 Reichsmark. Nicht gerade die goldene Karriereleiter. Aber es gab einen entscheidenden Vorteil: Zeit.

Die Kolonien waren verloren, der Betrieb an der Schule lief reduziert. Buchinger hatte Raum für private Studien und für das, was heute „Entwicklung eines Modells“ heißen würde.

1920 eröffnete er in Witzenhausen sein erstes Kurheim für therapeutisches Fasten. Nicht als Wellness-Oase, sondern als ärztlich begleitete Intervention für Menschen mit chronischen Beschwerden, entzündlichen Prozessen und funktionellen Störungen.

Hier beginnt der Unterschied zu vielen modernen Fastentrends.

Buchinger machte Fasten nicht populär, indem er es vereinfachte. Er machte es medizinisch, indem er es strukturierte.

Er verstand Fasten als Prozess, der vorbereitet, geführt und nachbereitet werden muss. Er beobachtete, dokumentierte, passte an. Und er begriff: Fasten wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auf das gesamte System Mensch.

Zwei Dimensionen: Stoffwechsel und Seele

Buchingers Ansatz war immer zweidimensional.

Erstens die physiologische Seite: Stoffwechsel, Entzündung, Verdauung, Kreislauf, vegetatives Nervensystem. Fasten war für ihn ein Eingriff in Regelkreise. Nicht ein „Weniger“, sondern ein Reset.

Zweitens die geistige und seelische Dimension: Fasten als Chance zur Orientierung. Als Zeit, in der der Mensch sich selbst begegnet, weil die üblichen Ablenkungen wegfallen. Kein Daueressen, kein Dauerreiz, keine ständige Selbstbetäubung durch Konsum.

Buchinger war überzeugt: Wenn der Körper nicht ständig mit Verdauung beschäftigt ist, wird etwas sichtbar. Manchmal körperlich, manchmal psychisch. Fasten ist ein Spiegel. Und nicht jeder mag, was er darin sieht.

Das ist übrigens ein Punkt, den viele Fastenprogramme heute elegant umschiffen. Man verkauft Fasten als „Detox“, als Wellness, als hübsches Ritual. Buchinger war da ehrlicher: Fasten konfrontiert. Und genau deshalb kann es heilsam sein.

Bad Pyrmont: Erfolg, Widerstand und ein unbequemer Charakter

1935 verlegte Buchinger seine Klinik nach Bad Pyrmont. Die Nachfrage wuchs, die Methode wurde bekannter, das Sanatorium entwickelte sich zu einer der gefragten Adressen.

In dieser Zeit veröffentlichte er auch sein Hauptwerk: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden (1935). Das ist nicht irgendein Fastenbuch. Das ist die systematische Darstellung eines klinischen Ansatzes, der Fasten als medizinisches Werkzeug beschreibt.

Doch die Zeit war nicht freundlich. Buchinger war gegenüber dem Nationalsozialismus reserviert, seine Ehefrau galt als „Halbjüdin“ und war Schikanen ausgesetzt. Buchinger vergrub verbotene Bücher im eigenen Garten. 1938 zwang man ihn, für die Winterhilfe mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus zu ziehen. Später untersagte man ihm den Ausbau seiner Klinik und begrenzte die Zahl der Patienten. Es kam zu Hausdurchsuchungen, Mitarbeiter wurden verhaftet, Häuser beschlagnahmt.

Das ist keine Nebengeschichte. Es zeigt, was für ein Typ Buchinger war: Kein Mitläufer. Kein „angepasster Arzt“. Sondern jemand, der seine Arbeit gegen Widerstände weiterführte.

Nach 1945 konnte er den Betrieb wieder aufnehmen. 1953 wurde er sogar Ehrenbürger von Bad Pyrmont. Die Ironie der Geschichte: Der ehemals Misstrauisch beäugte wurde später offiziell geehrt.

Der Wanderer und Suchende: Quäker, Bibelstudium, Religionswechsel

Buchinger war nicht nur Arzt, er war auch Suchender. Er betrieb intensives Bibelstudium, kam über verschiedene Strömungen schließlich zum Quäkertum, wurde 1926 aufgenommen, studierte in England am Quäker-College Woodbrooke. Später trat er 1957 zur katholischen Kirche über und verließ die Quäker.

Man kann das als sprunghaft sehen. Oder man versteht es als das, was es war: Ein Mensch, der nicht zufrieden war mit fertigen Antworten.

Und das passt erstaunlich gut zu Fasten. Fasten ist kein Dogma. Fasten ist eine Erfahrung. Wer fastet, merkt schnell: Der Körper ist nicht nur Biochemie. Aber er ist auch nicht nur „Seele“. Er ist beides. Und er reagiert auf Wahrheit oft schneller als der Kopf.

Die Methode: Fasten als strukturierter Prozess

Die klassische Buchinger-Methode ist klar aufgebaut.

Ein oder zwei Entlastungstage bereiten den Organismus vor. Etwa 600 Kalorien, überwiegend Kohlenhydrate, kaum Fett, wenig Eiweiß. Kein Kaffee, kein Alkohol, keine Süßigkeiten, nicht rauchen. Dazu reichlich Flüssigkeit, meist Wasser und Tee.

Der Fastenbeginn erfolgt traditionell mit einer gründlichen Darmentleerung, klassisch mit Glaubersalz. Danach folgt die Fastenphase, oft um die zwei Wochen. Bewegung gehört dazu, ebenso Ruhe. Ausscheidungsvorgänge werden unterstützt: Schwitzen durch Bewegung oder Sauna, regelmäßige Darmtätigkeit, viel trinken.

Das Fastenbrechen ist ein Ritual. Nicht aus Esoterik, sondern aus Physiologie und Psychologie. Der erste Apfel wird langsam gegessen, bewusst, gründlich gekaut. Der Stoffwechsel wird schrittweise wieder hochgefahren. Die Aufbautage steigern die Kalorien: etwa 800, dann 1200, dann 1500, später 1800. Tierisches Fett und Alkohol werden in den ersten Wochen gemieden.

Man kann darüber lächeln, bis man es selbst erlebt. Oder bis man Patienten sieht, die nach Jahren zum ersten Mal wieder spüren, was Hunger eigentlich ist, was Sättigung ist, was Ruhe im Körper bedeutet. Und vor allem auch, wie sich Patienten mit Fasten geheilt haben – so wie ich mich selbst übrigens auch.

Praxisbezug statt Dogma: Regulation statt Restriktion

Buchinger verstand Fasten als klinisches Instrument. Nicht als Askese, nicht als Mode, nicht als moralische Selbstkasteiung. Fasten war für ihn ein Werkzeug, um Muster aufzubrechen, Regelkreise sichtbar zu machen und Menschen in einen Zustand zu bringen, in dem der Körper sich selbst regulieren kann.

Das unterscheidet sein Werk von vielen heutigen Trends. Heute wird Fasten oft verkauft wie ein Fitness-Hack: „Mach das, dann wirst du schlank.“ Buchinger dachte anders: Fasten ist nicht in erster Linie ein Werkzeug zur Gewichtsreduktion. Es ist ein Werkzeug zur Neuordnung.

Und ja: Natürlich verliert man Gewicht. Aber das ist nicht die eigentliche Geschichte. Die eigentliche Geschichte ist, dass Fasten den Menschen aus dem Dauerzustand herausführt. Aus der ständigen Verdauung, dem ständigen Konsum, der ständigen „Selbstbetäubung“. Ich habe dazu vor allem auch auf dieser Webseite oft geschrieben und dies auch begründet.

Vermächtnis: kein Denkmal, sondern ein Verfahren

Otto Buchinger starb 1966 im Alter von 88 Jahren. Was bleibt, ist kein Denkmal und kein Mythos, sondern ein Verfahren, das bis heute klinisch angewandt, weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht wird.

Buchinger hat die Stoffwechselphysiologie nicht erfunden. Er hat die Entzündungsmedizin nicht erfunden. Er hat auch nicht als erster über Psyche und Körper gesprochen.

Aber er hat etwas getan, was viele Theoretiker nie schaffen: Er hat Fasten praktisch operationalisiert. Er hat es methodisch zugänglich gemacht. Er hat es in eine Form gebracht, die man anwenden, beobachten, verbessern konnte.

Und er hat eine Frage gestellt, die bis heute gilt: Was passiert, wenn ein Mensch, frei von Zufuhr, wieder zu sich selbst findet?

Die Antworten sind nicht einfache – sondern sogar eher komplex. Fasten ist auch kein „Trick“, sondern ein ziemlich umfangreicher Prozess, vor allem für den Stoffwechsel. Und Otto Buchinger war einer der ersten Ärzte, der diesen Prozess erkannt und auch ernst genommen hat.

Dass Fasten bis heute mit seinem Namen verbunden ist, ist absolut berechtigt.

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Anmerkung: Das Bild von Otto Buchinger wurde mittels KI erstellt. Ich meine Dr. Buchinger ist dort gut getroffen in einem zeitgenössischen Umfeld, welches diesem Arzt gerecht wird. Sollten sich Leser finden, die über Original Bilder von Dr. Buchinger verfügen, würde ich mich freuen, wenn ich diese veröffentlichen dürfte um diesem großartigen Arzt gerecht werden zu dürfen.

Fasten ist keine Diät. Und wer es dafür hält, hat das Prinzip nicht verstanden. Seit Ende der 1990er Jahre begleite ich Menschen durch Fastenzeiten – und jedes Mal zeigt sich dasselbe Muster: Wer nur auf die Waage schielt, verpasst das Entscheidende. Der Körper reagiert auf Nahrungsverzicht nicht mit bravem Fettabbau, sondern mit evolutionärer Gegenwehr. Stoffwechsel runter, Sparmodus an, Jo Jo Effekt vorprogrammiert.

Fasten wirkt an einer ganz anderen Stelle. Es greift tiefer. Es ordnet den Stoffwechsel neu, beruhigt Entzündungsprozesse, entlastet Leber und Darm, bringt den Hormonhaushalt wieder in ein physiologisches Gleichgewicht. Genau hier liegt seine Stärke: als Heilimpuls, nicht als Abnehmmethode. Wer richtig fastet, erlebt keine Strafe, sondern Klarheit – körperlich wie geistig.

In diesem Beitrag geht es deshalb nicht um Kalorienzählen oder Durchhalteparolen, sondern um das, was Fasten tatsächlich leisten kann: Regeneration, Stoffwechselkorrektur, Einstieg in eine tragfähige Ernährungsumstellung. Mit bewährten Methoden aus dem Heilfasten, mit Blick auf Evolution, Biologie und Erfahrung aus vielen Jahren Praxis. Und mit einer klaren Antwort auf die Frage, warum Fasten als Diät scheitert – und als therapeutisches Werkzeug oft erstaunlich gut funktioniert.

Fasten? Diät? Das passiert mit dem „Abnehmen“ und dem Jo-Jo-Effekt

Fast überall hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass das Fasten zum Abnehmen nicht geeignet ist. Das klingt seltsam, denn wie soll man abnehmen, wenn nicht durch den Verzicht auf Nahrungsmittel?

Aber die Biologie unseres Organismus ist kein Rechenschieber, und von A nach B kommt man am schnellsten über einen Umweg. D.h., dass für unseren Organismus das Fasten keine Neuigkeit ist. Er ist auf Hungersituationen hervorragend vorbereitet.

Im Falle des Fastens wird er alle Register ziehen, die bei einer „Hungerperiode“ – und das Fasten ist im Wesentlichen nichts anderes – notwendig sind, um das Überleben des Betroffenen zu garantieren. Dieser Mechanismus ist ein Produkt der menschlichen (und tierischen) Evolution, die ihre Individuen vor Hungerperioden schützen wollte. Und genau diese Maßnahmen sind dann hauptsächlich dafür verantwortlich, dass der erhoffte Abnehmeffekt nicht so schlagend ausfällt wie die meisten ihn sich erhofft haben.

Mit anderen Worten: die Evolution macht uns das Abnehmen schwer.

Denn beim Fasten schlägt der Organismus als erstes Alarm durch das Hungergefühl. Er vermisst die gewohnte Kalorienzufuhr und „rächt“ sich, indem er den Betroffenen hungrig werden lässt.

Der aber ist standhaft und ignoriert das Gefühl. Nach wenigen Tagen lässt dann das Hungergefühl nach, denn jetzt hat der Organismus den Stoffwechsel herabgefahren, um Energieausgaben zu sparen.

Spätestens hier fangen die Schwierigkeiten mit dem Abnehmen an. Das Gewicht geht ab hier für einen längeren Zeitraum nur noch tendenziell nach unten bzw. viel zu langsam für eine erfolgreiche Abnehmkur.

Wenn der Abnehmwillige zu diesem Zeitpunkt weniger auf die Waage starrt, sondern sich mehr auf sich selbst und seine Selbsterfahrung mit dem Fasten konzentriert, dann wird er viel mehr von seiner Fastenkur haben als von rein statistischen Zahlen zu seinem Gewicht. Denn persönliches Wohlbefinden ist nicht unbedingt mit Körpergewicht oder der Reduktion desselben verbunden.

Während dieser Phase des Fastens kommen viel wichtigere Prozesse zur Geltung, die in erster Linie mit Heilungs- und Regenerationsprozessen zu tun haben. Diese verleihen dem Fastenden ein Gefühl des Wohlbefindens und der Erneuerung, das in keinem Verhältnis steht zu den abstrakten Zahlen auf einer Waage.

Aber: Wenn das Körpergewicht zu hoch ist, wenn man adipös ist, sollte man dann nicht doch….? Ja, man sollte, auf jeden Fall.

Aber das Fasten für einen solchen Zweck einzusetzen, ist ein Kurzschluss in der Logik des Abnehmens. Denn Übergewicht ist nicht die Konsequenz eines Mangels an Fasten.

Es gibt genug Menschen auf diesem Planeten, die nicht oder kaum fasten. Dennoch sind diese nicht übergewichtig. Denn das Fasten hat den „üblen“ Nachteil, dass bei einem unbedachten Fastenbrechen die Kalorienzufuhr unkontrolliert hochgeschraubt wird, während der Organismus seinen Stoffwechsel noch auf „Sparflamme“ fährt.

Die nach dem Fasten verlorenen Pfunde kommen blitzschnell wieder zurück, da die Bilanz zwischen Energieaufnahme durch die Nahrungsmittel und Energieverbrauch durch die Verstoffwechslung zugunsten der Zufuhr ausfällt. Und da ist man dann wieder, wo man schon vor dem Fasten war: zu viel Kalorien und zu wenig Kalorienbedarf.

Es kommt während der Zeit nach dem Fasten noch verschärfend hinzu, dass der langsame Stoffwechsel, der immer noch auf Hungern eingestellt ist, die Kalorienbilanz „krasser“ ausfallen lässt als zu der Zeit vor dem Fasten. Resultat: man nimmt noch schneller zu als zu normalen Zeiten, bzw. der Jo-Jo-Effekt schlägt zurück.
Aber nicht nur das. Bislang haben wir das Problem nur von der quantitativen Seite aus gesehen – Kalorienzufuhr vs. Kalorienverbrauch bzw. -bedarf. Es gibt aber auch noch eine qualitative Seite.

Diese qualitative Seite liegt in der Güte der Kalorien. Eigentlich sind alle Kalorien gleich, aber es gibt Lebensmittel, die Kalorienträger beherbergen, die „tote“ Kalorien dem Organismus zuführen. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Fructose. Fruktose ist ein Zucker, der in Obst und Früchten vorkommt.

Für den Organismus und seine Kalorienverwertung jedoch hat Fructose absolut keine Bedeutung. Statt verstoffwechselt zu werden und zur Energiegewinnung der Zellen verwandt zu werden, wird es in der Leber deponiert und über Zwischenschritte biochemisch zu Triglyceriden umgewandelt und als Fettdepots abgelegt.

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Die Tatsache, dass Obst und Gemüse nicht dick machen, liegt an der Tatsache, dass der Fructosegehalt hier so knapp bemessen ist, dass es für den Organismus keine Relevanz hat. Die Relevanz stellt sich erst da ein, wo der Hungrige auf industriell gefertigte Nahrungsmittel zurückgreift, schlimmstenfalls als eine Form der Dauerernährung.

Denn in diese Lebensmittel wird Fructose tonnenweise rein gekippt, um den Geschmack zu „verfeinern“ und die höhere Süßkraft im Vergleich zu normalem Haushaltszucker auszunutzen.

In Wirklichkeit wird in erster Linie Fructose als billige Alternative zum Haushaltszucker genommen, also hat diese Wahl ökonomische Überlegungen. Für den Esser hat der Dauerbeschuss mit hohen Fructosemengen die Konsequenz, dass sich über die Jahre Fettpolster aufbauen, und dass, wenn man selbst glaubt (unter Umständen sogar zurecht), dass man ja eigentlich nicht viel isst.

Nur ist hier nicht die Menge an Nahrungsmitteln entscheidend, sondern die Menge an unphysiologischer Fructose in diesen Nahrungsmitteln. Oder mit anderen Worten: lieber eine größere Menge fructosearmer Lebensmittel als wenig Lebensmittel mit hohen Konzentrationen an Fructose.

Das Zauberwort für ein nachhaltiges Abnehmen ist also nicht „Fasten“, sondern „Ernährungsumstellung“.

Weg von der Fructosepappe von der Lebensmittelindustrie und hin zu natürlichen Lebensmitteln. Das ist dann das Geheimnis, warum Leute abnehmen, ohne groß zu hungern. Sie essen einfach das, was nicht dick macht.

Fasten ist also Unsinn? Nein, es ist ein guter Auftakt bzw. Vorbereitung, körperlich und geistig, für diese Ernährungsumstellung nach der Fastenzeit, wenn der Körper des Fastenden gelernt hat, auf fructosehaltige Lebensmittel zu verzichten. Das wäre ein Zweiteffekt des Fastens neben Heilung und Regeneration.

Mehr zum gesunden Abnehmen und Diäten finden Sie auf der Seite: Warum Diäten dick machen und wie Sie dauerhaft und gesund abnehmen.

Und auch die zahlreich angepriesenen „Wunder-Schlank-Mittel“ sind keine dauerhafte Lösung. Viele davon sind eher schädlich als nützlich. Mehr dazu finden Sie unter: Schlankheitsmittel, wo ich zahlreiche Mittel und Pülverchen bewertet habe.

Wenn Sie sich aber gleichzeitig etwas mehr regelmäßige Bewegung verordnen und eine grundsätzliche Veränderung in Ihren Essgewohnheiten in Angriff nehmen, haben Sie gute Chancen, dass sich Ihr Gewicht auf dem von Ihnen gewünschten Niveau stabilisiert.

Ihr Wunschgewicht sollte jedoch realistisch und kein für Ihr Alter unangemessen niedriges Gewicht sein. Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel: Gewichtszunahme und Wechseljahre, sowie im Artikel: Was ist mein Idealgewicht?

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

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