Darmsanierung
Darmsanierung - Humbug oder wertvoll für die Gesundheit?
Der Begriff Darmsanierung ist in gewisser Weise ein etwas "strapazierter" Begriff in der
Naturheilkunde und in der Alternativmedizin geworden.
In der Medizin bezeichnet man die Darmsanierung auch als Symbioselenkung.
Die meisten Patienten, die in meiner Praxis erscheinen, haben wenig oder gar keine Ahnung, was sie sich unter
einer Darmsanierung vorstellen sollen.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge (SKA)
Tatsächlich spielen ein gesunder Darm und eine Darmsanierung eine ganz besondere Rolle für Ihre
Gesundheit.
Der Darm ist von der Veränderung bestimmter Eiweiße besonders betroffen, weil bei ihm die höchsten
Zuckerkonzentrationen vorkommen:
A) Zum einen wird die Passage des Darminhalts immer schwerer, wodurch Verdauungsstörungen entstehen.
B) Zum anderen werden die Darmzotten an ihrer Aufgabe gehindert, die dem Nahrungsbrei entzogenen Nährstoffe
aufzunehmen. Deshalb spielt die gezielte Darmreinigung und auch Darmsanierung beim Fasten eine so große Rolle.
Durch Ernährungsfehler und mentales „Aus-dem-Gleichgewicht-Sein” wird der Darm entscheidend behindert seine
lebenswichtigen Funktionen auszuüben. Anstelle der Entwässerung und Restresorption des Nahrungsbreies ist er damit
beschäftigt Abfall zu beseitigen.
Den Hilfeschrei des überlasteten Organs nehmen wir meist nicht mehr so direkt wahr. Wenn dann Krankheit als
Ergebnis langdauernder Vernachlässigung des Verdauungssystems unser Leben beeinträchtigt, konzentrieren wir uns auf
die Beseitigung der Symptome, anstatt die Ursachen zu korrigieren.
Und so sind die meisten Darmkrankheiten Symptome und das Ergebnis dessen, was wir über Jahrzehnte "verdaut"
haben: Reizdarmsyndrom,
Verstopfung,
Blähungen,
Darmträgheit, Hämoriden, Darmentzündung und
letztlich auch Darmkrebs.
Eher zufällig unterhielt ich mich einmal mit einem befreundeten Chirurgen über dieses Thema. Er erklärte
mir:
"Ein gesunder leerer Darm wiegt knapp 2 kg. Bei Obduktionen wurden Dickdärme gefunden, die über 20 kg
wogen."
Die “Schlacken” in den vielen Vertiefungen und Taschen sind idealer Nährboden für Keime, Pilze, Würmer und
sonstige Parasiten, die das Blut und die Lymphe belasten und dadurch das gesamte System erkranken lassen; eine
chronische Unterwanderung der Gesundheit und Vitalität, die uns unterdessen fast normal und unvermeidbar
erscheint.
Leider muss ich hier auch noch erwähnen, dass die meisten Ärzte von diesen Fakten nichts wissen
und folglich von einer Darmsanierung auch nichts halten.
In der Zusammensetzung der normalen Stuhlflora (Darmbakterien), finden sich vor
allem die Bifidus- und Bakteroidesgruppen. Danach kommen erst die anderen Keimgruppen wie: Lactobazillen,
Enterokokken, Escherichia Coli u.a.
Für eine optimale Gesundheit ist das Gleichgewicht dieser Darmflora entscheidend. Zu einer Veränderung
dieser Flora kommt es im Wesentlichen aus vier Gründen:
Gründe für eine Verschiebung des Darmmilieus
1. Abführmittel
Abführmittel verdrängen bei längerem Gebrauch die Lactobazillen und die
Bifidusbakterien. Doch gerade diese beiden Bakterienstämme tragen durch ihrer
"Säuerungsaktivität" zu einer verbesserten Darmmotilität (Bewegung) bei. Die Verringerung dieser
Bakterienstämme zwingt zwangsläufig zu immer höheren Dosen an Abführmitteln: ein Teufelskreis. Eine
naturheilkundliche Lösung sieht grundsätzlich Milchzucker und Kamillentee vor - natürlich darf keine
Milchzuckerunverträglichkeit vorliegen.
2. Der chronische Durchfall oder "Schmierstuhl"
Vielen Patienten ist gar nicht bewusst, dass dies ein Problem sein könnte. Wenn Sie sich jedoch mehr als zweimal
abputzen müssen, ist ihr Stuhl zu weich und nicht optimal geformt. Ich meine nicht, wenn dies hin- und wieder
einmal vorkommt, sondern wenn dies fast immer der Fall ist. Ich kenne Patienten, die benötigen pro Stuhlgang eine
Viertel Rolle Toilettenpapier. In diesem Fall kann man fast schon sicher sein, dass hier eine starke Dysbiose im
Darm vorliegt. Mehr zu verschiedenen Problemen mit dem Darm lesen Sie unter: Darmprobleme und Darmstörungen
3. Antibiotika
Antibiotika werden immer noch zu häufig und viel zu schnell verordnet. Nicht nur dass wir uns damit die
Resistenzen der Bakterien selbst heranzüchten (was viele Krankenhausärzte bereits fürchten), sondern
Antibiotika tun vor allem eines: Bakterien töten. Und das tun auch oral (über den Mund) geschluckte
Antibiotika: je nach Präparat mehr oder weniger.
Als mir der Leiter der Universitätskinderklinik Kiel im Jahr 2003 erklärte, dass er generell die
Gabe von Antibiotika für Kinder bis zum 12. Lebensjahr als Infusion empfiehlt, fiel ich bald vom Glauben
ab...
Seine Begründung war nämlich die Schädigung der Darmflora, die
bei Kindern gravierender ausfällt! Alleine aus diesem Grund empfehlen selbst einige naturheilkundlichen Ärzte eine
Darmsanierung im Anschluss an eine Antibiotikatherapie, weil diese um die Zusammenhänge wissen.
4. Falsche Ernährung
Die Ernährung ist das Hauptproblem: falsche
Zusammenstellung der Mahlzeiten, mangelhaftes Kauen, mehr Essen als verdaut werden kann, zu spätes Essen und
natürlich zu viel Zucker. Gerade mit dem Zucker "füttern" wir die Bakterienstämme und Pilze, die keine
Helfer für uns sind, sondern Schmarotzer. Diese scheiden zu dem noch Stoffwechselprodukte aus, die den
Darm zusätzlich lähmen und auch in die Blutbahn übertreten können. Bei starker Vermehrung können diese
Bakterien auch in den unteren Dünndarm wandern und dort Prozesse einleiten, die im Dünndarm absolut nicht
erwünscht sind. Ein gesundheitliches Problem, das in diesem Zusammenhang zu wenig Beachtung findet, ist das Problem
der Darmpilze. Welche Auswirkungen das auch auf Ihr Immunsystem hat,
habe ich in einem Blog-Beitrag beschrieben: Immunstärkung durch das Darm-Immunsystem.
Auch verwerten die Bakterien unserer Darmflora schwer verdauliche Zucker unterschiedlich gut. Einige
Mikroorganismen zerlegen die Kohlenhydrate in Einzelbestandteile, die wir dann aufnehmen können, statt sie einfach
unverdaut wieder auszuscheiden. In Ländern, in denen das Nahrungsangebot knapp ist, sind diese Darmbakterien
hilfreich und sinnvoll. Sind bei einem gleichzeitigen Überangebot an Kohlenhydraten hingegen vornehmlich
solche Bakterien im Darm vorhanden, so kommt es leicht zur Fettleibigkeit.
Mikrobiologische Mechanismen und Konsequenzen einer Darmsanierung
Zentraler Bestandteil einer Darmsanierung ist der Neuaufbau bzw. die Normalisierung der Darmflora. Es ist
selbstverständlich, dass, bevor dieser Neuaufbau in Angriff genommen wird, über andere Maßnahmen günstige
Bedingungen für diese Aufgabe geschaffen werden müssen.
Denn es nutzt nichts, die Darmflora neu aufforsten zu wollen, ohne den entsprechenden „fruchtbaren Boden“ dafür
bereitzustellen. Dieser „fruchtbare Boden“ bzw. günstigen Bedingungen werden über eine entsprechende
Ernährungsmodifikation, Darmreinigung usw. hergestellt, um sicher zu gehen, dass die Noxen, die für die entgleiste
Darmflora verantwortlich sind, ausgeschaltet sind.
Eine Aufforstung mit nützlichen Bakterien sieht zu Beginn recht einfach aus: Man nehme nützliche Bakterienstämme
in Form von Probiotika-Kulturen, unterstütze das Ganze noch mit der Einnahme von Präbiotika, also im Wesentlichen
Ballaststoffen, und schon ist die neue Kultur gepflanzt und kann sich munter fortpflanzen. Allerdings steckt der
Teufel auch hier im Detail bzw. der Praxis. Probiotika-Kulturen haben eine enorme Anzahl an bioaktiven
Mikroorganismen.
Der Darm dagegen hat eine Population, die milliardenfach höher liegt (bis zu 1015 = 100.000.000.000.000
Bakterien). Probiotika dagegen nehmen sich wie der Tropfen auf dem heißen Stein aus. Daran ändert auch eine
wiederholte Einnahme dieser Präparate nichts. Wenn dann die Einnahme der Probiotika unterbrochen wird, dann dauert
es auch nicht sehr lange und man kann keine dieser Kulturen mehr im Darm nachweisen. So wie es aussieht, lässt die
unglaublich hohe Zahl der vor Ort ansässigen Darmbakterien eine Ansiedlung von „Neuankömmlingen“ nicht zu. Das ist
gut und schlecht: schlecht für unseren Zweck, eine neue Flora aufzubauen, aber gut, da dieses Biosystem so stabil
zu sein scheint, dass es nicht so ohne weiteres von externen Einflüssen umgeworfen werden kann. Auf dieser
Stabilität beruht nicht zuletzt auch unsere Darmgesundheit.
An dieser Stelle stellt sich die Frage, wenn ich über meine Probiotika nicht das erreichen kann, was ich will,
nämlich die Einflussnahme in Richtung neue Darmflora, macht dann eine Therapie mit Probiotika überhaupt noch Sinn?
Oder: wenn Darmsanierung ein erfolgreiches therapeutisches Konzept ist, was passiert denn dann im Darm unter dem
(spärlichen) Einfluss der Probiotika auf die Ausbildung einer neuen Flora? Gibt es überhaupt einen gesundheitlichen
Nutzen?
Es gibt einen Effekt, der aber überraschenderweise in einem vollkommen anderen „Fachgebiet“ zu suchen ist, der
Immunologie. Denn die Darmsanierung hat einen ausgesprochen positiven Effekt auf die immunologischen Vorgänge im
Darm. Diese Vorgänge zeigten sich in Studien als so differenziert, dass man nicht nur von einer einfachen „Stärkung
des Immunsystems“ sprechen konnte, sondern von einer „immunmodulierenden“ Wirksamkeit. Immunmodulation bedeutet
vereinfacht ausgedrückt, dass hier das Immunsystem gestärkt wird, wenn es schwächelt und gebremst wird, wenn es
überschießt, wie bei Allergien z.B. Das heißt letztendlich, dass es einen Mechanismus geben muss, der erkennt und
entscheidet, was mit dem Immunsystem geschehen soll. Denn eine Immunstärkung bei einem überschießenden Immunsystem
macht keinen Sinn bzw. ist potentiell gefährlich für den Betroffenen, der dadurch in ein anaphylaktisches Ereignis
geraten könnte.
Die immunologische Trickkiste der Darmsanierung
70 Prozent und mehr der Immunzellen sind im Darm lokalisiert. Der Darm stellt noch vor der Haut die größte
Grenzfläche des Körpers zur Außenwelt dar, obwohl er im Körper liegt. Somit ist der Darm als ein immunologischer
Dreh- und Angelpunkt ein optimaler Ansatzpunkt für immunmodulatorische Maßnahmen. Und dies erfolgt gleich auf
verschiedenen Ebenen.
Unspezifische Immunreaktion
Das unspezifische Immunsystem des Darms liegt überwiegend im Dünndarmbereich und dort in den Peyer-Plaques. Dies
sind Zusammenschlüsse von Lymphfollikeln und Teil des GALT (gut associated lymphoid tissue) oder Darm-assoziiertes
lymphatisches Gewebe. Diese Follikel bestehen aus einer Ansammlung von Zellen des erworbenen Immunsystems, die für
die Abwehr von Infektionen und die Verbreitung von immunologischen Informationen zuständig sind.
Ein weiterer Bestandteil dieses unspezifischen Immunsystems sind Epithelzellen, die M-Zellen (Microfold-Zellen),
die ebenfalls im Dünndarm (vor allem im Ileum), aber auch in den Tonsillen vorkommen. Sie stehen im engen Kontakt
zu den Peyer-Plaques, funktionell als auch örtlich. Diese M-Zellen nehmen einen Teil der durch den Darm
passierenden Fremdstoffe auf und präsentieren „ihren Fund“ immunkompetenten Zellen. Wie schon angedeutet, leisten
die Peyer-Plaques bei der Verbreitung der immunrelevanten Informationen entscheidende Hilfe.
Auf diese Weise erfährt das Immunsystem durch die in der Nahrung usw. enthaltenen Stoffe ein tägliches Training
in Sachen Aufbau und Neujustierung der eigenen Abwehrlage. Jede Mahlzeit ist somit nicht nur eine Sicherstellung
von Energien für den Organismus, sondern gleichzeitig ein Trainingsprogramm für das Immunsystem.
Für unsere Darmsanierung durch mikrobiologische Präparate heißt dies, dass es auch hier über die M-Zellen zu
einer Immunreaktion auf die nützlichen Bakterien kommt. Und diese Immunreaktion erfolgt unabhängig von der Höhe der
Bakterienzahl. Sie würde auch bei nur sehr wenigen Bakterien einsetzen. In diesem Fall erfährt das Immunsystem eine
Stärkung seiner Leistungsfähigkeit, da die Zufuhr der Probiotika eine Reihe von Immunprozessen „lostritt“:
- Aktivierung von Makrophagen und deren Proliferation
- Aktivierung und Steigerung von Natürlichen Killerzellen
- das Gleiche gilt für die Granulozyten
- humorale Abwehrfaktoren, wie Opsonin und Komplement werden verstärkt
- über Makrophagen stimulierte Aktivierung von Lymphozyten
- verstärkte Interferonbildung
- Aufbau einer Keimkonkurrenz und Antibiose
Auffällig ist hier, dass die Stärkung des Immunsystems nicht über eine Erhöhung von Antikörpern erfolgt. Denn
dies würde für Allergiker verhängnisvolle Folgen haben. Der ganze Vorgang erfolgt immer dann, wenn Substanzen von
den M-Zellen erfasst werden.
Es ist dabei gleichgültig, ob es sich um Erreger, Antigene oder nützliche „Sachen“ handelt, die Information für
das Immunsystem wird auf jeden Fall erstellt. Damit haben wir einen ersten Eindruck, warum die Immunstärkung auf
einer Modulation und nicht auf einer einfachen, „plumpen“ Ankurbelung der Faktoren beruht, die auch für die
Allergie mit zuständig sind. Dies gibt dem System die Gelegenheit im Falle einer Allergie oder prinzipiell
überschießenden Immunsystems Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ohne die oben aufgeführte Aktivierung unterbrechen zu
müssen.
Probiotika sind nämlich bekannt dafür, dass sie allergische Neigungen beseitigen, was in diesem Fall über die
Normalisierung des Th1/Th2 Gleichgewichts erfolgt. Denn bei allergischen Prozessen liegt in der Regel ein
Übergewicht der T-Helferzellen Typ 2 vor. Eine Normalisierung, die die Probiotika einleiten können, führt zur
Beseitigung dieser überschießenden Reaktionen.
Spezifische Immunreaktion
Bei dieser Immunreaktion treten erstmals Antigene in den Vordergrund. Hier wird über eine antigenspezifische
Aktivierung von B- und T-Lymphozyten eine systemische Immunantwort provoziert. Auch hier spielen die M-Zellen eine
Schlüsselrolle. Bei oraler Aufnahme von Substanzen werden über die M-Zellen als Verteiler die B-Lymphoblasten
aktiviert, die aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen und auf die an anderen Orten im Organismus befindlichen
Schleimhäute übergehen (Bronchialschleimhaut, Vaginalschleimhaut, Nasen-Mundschleimhaut usw.). Aber auch die
Darmschleimhaut bleibt von diesem Effekt nicht „verschont“; ein Teil der Lymphoblasten kehrt in den Darm zurück
(„Homing-Effekt“).
Auf den verschiedenen Schleimhäuten reifen diese dann zu Plasmazellen, die einen spezifischen
Schleimhaut-Antikörper produzieren, IgA (Immunglobulin A). Diese Antikörper werden in die Schleimhäute eingebunden
und bilden somit einen Antikörper-„Mantel“ gegen bakterielle Angriffe. Hier spielt die Spezifität der
Antikörperbildung eine bedeutsame Rolle, denn es sollen keine nützlichen Bakterien, wie z.B. die aus den
probiotischen Präparaten, vernichtet werden.
In dieser Eigenschaft sind sie in der Lage, unter Umgehung von kontraproduktiven Entzündungsprozessen, die
Adhäsion und Invasion von Bakterien, Viren und anderen unerwünschten Substanzen zu verhindern. Dazu gesellt sich
die Fähigkeit dieses „Setups“, Allergene zu erkennen und zu binden. Diese Schutzfunktion ist bei Allergikern nur
unzureichend ausgebildet.
Wie signifikant diese Beobachtungen sind, zeigt sich in Arbeiten, die nachweisen konnten, dass Asthmatiker 3 bis
4 mal häufiger einen IgA-Mangel in den Schleimhäuten aufwiesen als gesunde Probanden. In der „Praxis“ konnte dies
erstmals in einer finnischen Studie aus dem Jahr 2001 gezeigt werden (Probiotics in primary prevention of atopic
disease: a randomised placebo-controlled trial – https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11297958).
In dieser Studie wurden Müttern und Neugeborenen mit einer Familiengeschichte einer Atopie oral Probiotika
verabreicht. Diese Maßnahme reduzierte signifikant die Ausbildung von atopischen Ekzemen bei den Neugeborenen. Der
Effekt wurde mit der verstärkten Ausbildung von schleimhautgebundenem IgA im kindlichen Darm erklärt.
Wie es aussieht, kann die Frage, ob eine Darmsanierung Humbug oder sinnvoll ist, nur definitiv beantwortet
werden: Es gibt kaum etwas sinnvolleres.
Obwohl die Probiotika keinen ausschlaggebenden Effekt auf eine Neubesiedlung der Darmflora haben, scheint dieser
Effekt dennoch auf Umwegen erreichbar zu sein. Denn die Gabe von Probiotika stimuliert und rejustiert das
Immunsystem, über dessen Schiene eine verstärkte Bekämpfung von nicht erwünschten Substanzen und Mikroorganismen
zustande kommt. Als „Dreingabe“ rejustiert sich das Immunsystem zudem im Falle einer Allergie.
Fäkaltransplantation
Einige Mediziner sind dazu übergegangen, ihre Patienten mit einer sogenannten Bakterientherapie (oder auch
Fäkaltransplantation) zu behandeln. Sie führen den Stuhl gesunder Spender mithilfe eines Einlaufs in den Darm ihrer
Patienten. Hierdurch sollen die günstigen Bakterien rasch die Krankheitserreger verdrängen. Die Ergebnisse sind,
laut der Anwender der Therapie, äußerst vielversprechend.
In Deutschland wird die Methode bisher allerdings nicht angewendet. Zu unüberschaubar scheinen die möglichen
Risiken. Schließlich wird der Fäzes der Spender nur auf wenige Keime kontrolliert. Infektionen sind daher kaum
auszuschließen.
Welch weitreichende Veränderung des gesamten Organismus durch eine so großangelegte Umgestaltung der Darmflora
möglich ist, kann bisher ebenfalls kaum abgeschätzt werden. Schließlich wirkt sich die Zusammensetzung der
Darmflora auf den Stoffwechsel, die Psyche und das Immunsystem aus. Größere Langzeitstudien zu der Therapie liegen
noch nicht vor.
Zurzeit wird versucht, nur die gewünschten Bakterien aus dem Stuhl der Spender zu extrahieren, um Infektionen zu
verhindern und die Bedingungen möglichst konstant zu halten. So lässt sich auch der zugegebenermaßen bestehende
Ekel überwinden, der sicherlich viele bei der Vorstellung überkommt, fremden Kot in den eigenen Darm zu spülen.
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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.10.2012 aktualisiert
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